Spekulierstrang Spezial: Neue Bundesbank-Zentrale

  • Was aber nicht viel bedeutet. Die sogenannten "Denkmalschützer" stellen mittlerweile wie wildgeworden alles unter Schutz was einer ordentlichen Stadtbildverbesserung im Weg steht. Und lässt dann aber trotzdem inaktzeptable Verschandelungen wie am Senckenbergmuseum oder Komplettabrisse wie beim Rundschauhaus zu.

    Bundesrechnungshof, Lorey-Haus, etc wären auch noch so Beispiele über die totale Dysfunktionalität des sogenannten "Denkmalschutzes".

    Grundsätzlich würde ich der Scheibe keine Träne nachweinen wenn an seiner statt dort ein ordentliches urbanes kleinteiliges Stadtquartier nach gusto des New Urbanism entstehen würde. Hauptsache die Bundesbank bekommt die Räumlichkeiten die sie braucht in Frankfurter Stadtgebiet, und ansonsten interessieren mich da eher die Themen Goldtresor und Geldmuseum.

  • Zunächst einmal sollten ganz konkrete Zahlen vorgelegt werden.

    Um wieviel teurer kommt "eine andere" Immobilie als die Sanierung des status quo ? Unter einer "anderen" Immobilie kämen dabei prinzipiell sowohl der Erwerb einer gänzlich anderen Liegenschaft als auch der völlige Neubau anstelle des Bestandsbau auf dem derzeitigen Gelände in Betracht.

    "Denkbar" (als finanzielle Option) erscheint mir ggf. der Abriss des Bestandsgebäudes und an dessen Stelle die Errichtung eines Neubaus mittels aller aktuellen energetischen Finessen. Hierbei könnte man dem Denkmalschutz ja insoweit Rechnung tragen, wonach der Neubau sich an dem historischen Gebäude möglichst eng anlehnen / orientieren sollte.

    Als (derzeit) geradezu unvorstellbar erscheint mir, wie die BuBa das Gelände tatsächlich aufgeben sollte.

    Die BuBa als zentrale Institution benötigt Platz und Räumlichkeiten (schon wegen der Goldlagerung, aber auch wegen generellen Sicherheits-Belangen). Das Geldmuseum als "nice to have" ist auf dem derzeitigen Gelände im Übrigen auch würdig untergebracht.

    In mindestens gleicher Weise aber wichtig: Die BuBa als Institution benötigt auch "optische Wirkmacht". Ich kenne in ganz Ffm. (von der neuen EZB einmal abgesehen) keine andere Liegenschaft, die auch nur annäherungsweise eine solche "optische Wirkmacht" wie das bestehende BuBA-Gelände entwickelt.

    Die BuBA irgendwo im City-Bereich anzusiedeln, würde diese "Wirkmacht" sprichwörtlich "in Kleingeld ausmünzen".

    Ein BuBa-Präsident der solch eine Entwicklung begleitet, mag vielleicht "rechnen können" - von der "Ästhetik der Macht" einer solchen Institution würde er aber eher wenig verstehen. Dieser Vorgang würde mMn einen BuBa-Präsident (in gewisser Weise) geradezu selbst disqualifizieren.

    "Kosten" sind ohne Zweifel ein gewichtiger Aspekt. Aber gerade bei diesem Projekt können "Kosten" ganz sicher nicht der alleinig ausschlaggebende Punkt sein (von multiplikativen Unterschieden der Optionen in finanzieller Hinsicht jetzt mal abgesehen).

  • Dekoratives Anführungszeichen

    "Denkbar" (als finanzielle Option) erscheint mir ggf. der Abriss des Bestandsgebäudes

    Nein, das ist nicht denkbar. Es wurde schon ein dreistelliger Millionenbetrag in das Campus-Projekt gesteckt - davon ein Großteil, um die Anforderungen des Denkmalschutzes zu erfüllen. Ein Abriss ist nach dieser teuren Sanierung völlig undenkbar und keine Option für den Denkmalschutz. Darüber hinaus scheint auch der Bundesbankpräsident kein wirkliches Interesse mehr an den Betonbau zu haben. Die Hülle, egal wie der Inhalt aussieht, passt einfach nicht mehr.

  • Nicht zu verschweigen an dieser Stelle, ist der aktuelle Minussaldo der Bundesbank von 8 Milliarden in 2025.

    Aus dieser Sicht wird in naher und mittlerer Zukunft nicht viel zu erwarten sein.

  • ^^

    Zitat: "Darüber hinaus scheint auch der Bundesbankpräsident kein wirkliches Interesse mehr an den Betonbau zu haben. Die Hülle, egal wie der Inhalt aussieht, passt einfach nicht mehr". Danke speziell für diesen Hinweis.

    Warten wir erst einmal die weiteren offiziellen Statements / Begründungen ab. In dieser Form ["..kein Interesse mehr an dem, Betonbau..." bzw. "...passt einfach nicht mehr"] wird sicherlich nicht offiziell argumentiert werden. [ZItat aus der FAZ: "Bundesbankpräsident Joachim Nagel hängt nicht an der 1972 fertiggestellten Hochhausscheibe"].

    Das wäre in Bezug auf das Bauwerk, seine Historie und seine institutionelle Bedeutung wirklich *unterirdisch*.

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Nicht zu verschweigen an dieser Stelle, ist der aktuelle Minussaldo der Bundesbank von 8 Milliarden in 2025.

    Aus dieser Sicht wird in naher und mittlerer Zukunft nicht viel zu erwarten sein.

    Das dürfte eigentlich das geringste Problem sein. Anders als zB die FED oder die Banca d'Italia ist der Bund Eigentümer der Bundesbank. Die in der Vergangenheit Jahr für Jahr recht ordentlichen Gewinne aus Seignorage etc von mehreren Milliarden Euro im Jahr sind weitgehend komplett ans Bundesfinanzministerium überwiesen worden. Wenn da mal für 1 Milliarde (noch dazu verteilt über mehrere Jahre) neu gebaut werden muss, fällt das weder bei der Bundesbank noch im Staatshaushalt großartig auf.

    Wobei der Saldo heutzutage eh nicht mehr von der Bundesbank selbst beeinflusst werden kann, sondern praktisch komplett von den durch die von der EZB festgelegten Maßnahmen festgelegt ist. Es hätte ja schonmal enorm geholfen wenn der Target-Überschuss (unterm Strich nichts anderes als öffentliche Kredite zwischen den nationalen Notenbanken des Eurosystems) von seit etlichen Jahren ca 1 Billion Euro endlich mal so verzinst würde wie es sich gehört, nämlich zum Spitzen- und nicht nur zum Hauptrefinanzierungssatz.

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Der Verkauf an einen Investor führt nur zu einem neuen hochpreisigen Viertel. Das braucht die Stadt ganz sicher nicht.

    Man könnte meinen, dass so kleingeistige Aussagen in einem doch so gut informierten Forum keinen Platz haben.

    Frankfurt brauch jeden Wohnraum. Zumal, wenn hier ein neues Viertel entstehen würde, dann müsste man ohnehin geförderten Wohnraum integrieren.
    Man könnte genauso argumentieren, Frankfurt braucht auch kein neues Ghetto mit Sozialwohnungen in der Lage. Das wäre genauso unsinnig die Aussage.

    Private Investoren haben in Frankfurt schon mehrfach bewiesen, dass Sie in der Lage sind, wirtschaftlich Projekte umzusetzen und dennoch bezahlbaren Wohnraum zu integrieren.

  • Man soll nicht glauben, dass Sozialwohnungen im ersten Förderweg nicht hochpreisig sind. Der Grund, warum ABG und andere so wenige Sozialwohnungen bauen, liegt darin, dass die Kostenmiete im Neubau in Frankfurt schon bei etwa 20 € pro Quadratmeter liegt. Das sind Preise, die weit oberhalb dessen liegen, was man gemeinhin unter „bezahlbar“ versteht.

  • Gerne kleingeistig weiter argumentiert: Deswegen Erbpacht und andere Modelle zur Senkung der Kosten. Die Diskussion ist für diesen Standort aber irrelevant:

    Grundsätzlich wird die Bundesbank das Gelände aber nicht aufgeben, da ist zuviel in sonstiger Bundesbankinfrastruktur investiert worden. Die Betonscheibe kann man gerne ersetzen.

  • Bitte hier nicht mit Optionen spielen, die wünschenswert wären, aber fern jeder Realität sind. Die Betonscheibe wird aus mehreren - oben bereits angeführten Gründen - nicht ersetzt werden.

  • Und als ebendiesen anderen Nutzer der Hochhausscheibe schlage ich vor: Studentenwohnungen! Das liegt doch auf der Hand, schließlich befindet sich der Campus Westend in fußläufiger Entfernung. Einmal über die "Fußgängerbrücke Grüneburgpark", und man ist da. Oder alternativ zukünftig eine Station mit der U-Bahn, wenn's mal regnet.

    Die Struktur der Hochhaus-Scheibe könnte sich für das eignen, was einst am alten Siemens-Standort Kaiserlei geplant war: modulare Wohnelemente, die standardisiert vorgefertigt und dann "eingeschoben" werden - z. B. eine Studiwohnung je "Betonrechteck" in der Fassade, das zwei Doppelflügel-Fenster umfasst. Durch die modulare Bauweise könnten die Kosten im Rahmen bleiben, und durch die schiere Menge an Wohneinheiten würde Druck vom Immobilienmarkt genommen, gerade in diesem Preissegment. Auch der Sportcampus Ginnheim wäre von dort aus noch passabel erreichbar.

    Diese Idee schließt einen Einzug der Europäischen Schule nicht aus; das Gelände ist groß genug für beides bzw. einen ergänzenden Neubau für die Schule.

  • Man sollte dieses unattraktive Baracken-Gelände in ein dichtes Wohnviertel mit Blockrandbebauung umwandeln, etwa nach dem Modell von Mäckler für die Kleyerstraße. Hier und in den umliegenden Vierteln ließe sich durch Verdichtung sehr viel erreichen und man könnte sicherlich hunderte neue Wohnungen schaffen.

  • Wie bitte – Baracken-Gelände? Hast du die Bundesbank-Zentrale schon einmal selbst gesehen oder verwechselst du sie mit etwas in deiner Heimatstadt?

    Studentisches Wohnen erscheint mir nur denkbar, sofern die Goldreserven verlagert werden. Das wäre neuerlich mit sehr hohen Kosten verbunden. Eher könnte ich mir eine Rochade mit der EZB vorstellen. Die Hochhausscheibe, derzeit wieder Rohbau, wird für die Bankenaufsicht der EZB und gegebenenfalls weitere europäische Organisationen ausgebaut. Das Hochhaus Gallileo, jüngst für die EZB-Bankenaufsicht umgebaut und von dieser erst vor wenigen Wochen bezogen, wird von der Bundesbank übernommen, ergänzend zum Hochhaus Trianon (das ohnehin zuerst modernisiert werden muss).

    Die Europäische Schule erhält Neubauten auf dem Gelände und übernimmt, soweit sinnvoll, ergänzend Bestandsgebäude der Bundesbank. Der Schulsport kann eventuell das Sportzentrum des TuS Makkabi Frankfurt mitnutzen, das gerade auf der gegenüberliegenden Seite der Wilhelm-Eppstein-Straße entsteht.

  • Ich bin da familiär vorbelastet, da meine Tante seit Anfang der 80er bis zu ihrer Rente 1997 in der Bundesbank gearbeitet hat. Als Kind war ich öfter dort zu Besuch und mit meiner Oma war ich im Sportzentrum auf dem Gelände zum Schwimmen. Für mich hat das ganze Gelände eine wahnsinnig faszinierende Ausstrahlung besessen. Die Sicherheitskontrollen, die gepflegten Grünanlagen, alles war so sauber und vermittelte eine Atmosphäre der Wichtigkeit. Die Bundesbank-Zentrale stand für die D-Mark, für die alte Bundesrepublik, für Stabilität, für Sicherheit. All das hat für mich auch die Architektur transportiert und ich habe diese auch immer als sehr ästhetisch wahrgenommen. Schönheit ist hier sicher ein streitbarer Begriff, aber ich finde sie auch keinesfalls hässlich. Durch den Standort, an dem der Bau weder ein gewachsenes Viertel, noch Natur tangiert, habe ich da keinerlei Reflex von einer Chance zur Stadtreparatur zu sprechen. Ich hoffe deshalb sehr, dass eine passende Nutzung gefunden wird. EZB, wäre in der Tat ein Gedanke, der mir auch kam. Ein bisschen Ironie des Schicksals.

  • Es wurde schon mehrmals der Trianon-Turm als möglicher neuer Standort erwähnt. Bei den nun genannten 3.300 nötigen Büroarbeitsplätzen ist dieser also bei weitem nicht ausreichend. Prädestinierter und von der Fläche angemessener wäre für mich das Areal (inkl. der bisherigen Planungen hierzu) des alten Polizeipräsidiums.

    Im Übrigen zeigt sich einmal mehr, wie sehr die Denkmalschutzbehörde einer Verschönerung des Stadtbildes im Wege steht. Die Erhaltungswürdigkeit dieses Betonungetüms (Hochhaus der alten BuBaZentrale) lässt sich mMn bei bestem Willen nicht befürworten.

  • Es gibt ja einige geplante Hochhausprojekte die auf einen Ankermieter warten. Das könnte doch ganz schnell gehen. Und solange bleiben die Bundesbank Mitarbeiter in den jetzigen Übergangslösungen. Ein Repräsentantes Hochhaus wäre für die Bundesbank nicht verkehrt.

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    Echt? Finde ich in diesem Fall überhaupt nicht. Erstens kann ich dem Bau mit seiner ganzen brutalistischen Monumentalität und seiner Symmetrie eine gewisse Ästhetik nicht absprechen und zweitens: Wenn dieses Gebäude nicht eine - zumindest institutionelle - Denkmalwürdigkeit hat, welches dann?

    Im Übrigen finde ich, dass der Bundesbank ein Sitz mit einer gewissen Repräsentativität und einem Wiedererkennungswert gut zu Gesicht stehen würde (wie bei der EZB auch). Ob das bei einem angemieteten oder angekauften Gebäude (oder sogar mehreren) der Fall sein kann, bleibt abzuwarten. Das Beste wäre eigentlich, wenn die Bundesbank - wenn sie ihren alten Sitz denn schon aufgeben will - in Frankfurt neu baut. Wie wär's denn z.B. mit einem schicken Türmchen unweit der EZB auf dem Raab-Karcher-Areal? (Na ja, wahrscheinlich zu klein und Risiko, dass Main-Wasser in den Gold-Tresor läuft...)

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    Zitat Querido: "Wie wär's denn z.B. mit einem schicken Türmchen unweit der EZB auf dem Raab-Karcher-Areal? (Na ja, wahrscheinlich zu klein und Risiko, dass Main-Wasser in den Gold-Tresor läuft..." Interessanter Gedanke !

    Wie wäre es mit einem neuen Hochhaus (nicht unbedingt "Türmchen") auf dem bestehenden BuBa-Gelände (bei gleichzeitiger Aufgabe der bestehenden HH-Scheibe durch die BuBa ? Die HH-Scheibe könnte für einen Mixed-use-Betrieb umgebaut werden.

    Konsequenz: Die Buba bekommt einen sichtbaren neuen Turm, das Gold könnte auch auf dem Gelände bleiben und die (mittlerweile ungeliebte) HH-Scheibe wäre sie los.

    Ironie: Das wäre - in gewisser Weise - genau das, was seitens der BuBA ganz zu Beginn vorgeschlagen wurde: Damals wollte die Buba ein ca. 180 Meter-HH (ähnlich der neuen EZB) auf ihrem Gelände neu bauen. Erst widersprach die Stadt Ffm. und plus minus gleichzeitig hatten wir mit Corona zu tun. Nur die HH-Scheibe stand damals noch nicht zur Disposition.

  • Aber welche Immobilien könnten denn grundsätzlich in Frage kommen? Das FBC hat ca 52.000 qm. Das Trianon so um die 84.000 qm. Da beide Gebäude zu meinen Lieblingsgebäuden zählen, wäre es schon toll, wenn eines davon größtenteils an die Bundesbank vermietet wird. Aber beide müssten vorher noch renoviert werden. Dann müsste die Bank doch kurzfristig wieder einen Ausweichstandort haben, oder? Oder man könnte das Mietobjekt, ähnlich wie beim Cityhaus der DZ Bank, im laufenden Betrieb sanieren. Würde wahrscheinlich die schnellste Lösung sein.