Dercon verlässt die Volksbühne
Die Karten an der Volksbühne werden neu gemischt: Der Vertrag mit dem neuen Intendanten Chris Dercon wurde nach nicht einmal einem Jahr aufgelöst. Unter anderem Die Zeit berichtet, Dercon und Kultursenator Lederer hätten sich "in gegenseitigem Einvernehmen" auf eine sofortige Trennung geeinigt.
Ich finde, das ist die richtige Entscheidung. Sicher ist Dercon nicht fair behandelt worden, seine Gegner haben ihm kaum eine Chance gegeben und sind in Tonfall und Verhalten oft weit über das Ziel hinausgeschossen. Aber inhaltlich war die Kritik berechtigt: Dercon ist kein Theatermann, sondern kommt aus der bildenden Kunst. Das Konzept von Müller und Renner, das Dercon umsetzen sollte, nahm weder auf das Ensemble der Volksbühne noch auf das Publikum Rücksicht. Im Ergebnis sank die Auslastung auf unter 50 Prozent, und die bekanntesten Gesichter der Bühne sind gegangen.
Spätestens, als Ende letzten Jahres auch Sophie Rois das Handtuch warf, habe ich mir gedacht, dass die Sache nicht gut ausgeht. Auch Michael Müller hat heute gesagt, dass er die Entscheidung nachvollziehen kann. Ich bin gespannt, was jetzt kommt. Die Ära Castorf ist unwiederbringlich vorbei, und das ist nach einem Vierteljahrhundert auch in Ordnung. Ich wünsche mir einen neuen Intendanten, der sich dem Ensemble-Theater verpflichtet fühlt und an Castorfs Arbeit anknüpft, ohne ihn zu kopieren. Wenn das klappt, hat die Volksbühne eine Zukunft. Der Weg dahin ist frei.