Stadtgespräch Berlin / dies und das

  • Ich weiß nicht, ob es schonmal zur Sprache kam, aber diese ewige Plattenbau-Ruine (Typ P2) an der Storkower Straße soll bereits bis zum kommenden Herbst bezugsfertig saniert sein.
    http://www.storkower-stern.de/seiten/main.php?page=100

    Auf der Website findet man kein Bild, was den aktuellen Zustand des Gebäudes ausreichend darstellt. Auf die schnelle hab ich in Google auch nur dieses, eher wenig aussagefähige Bild gefunden:
    http://www.panoramio.com/photos/original/477933.jpg

  • sorry, ein bisschen ungünstig formuliert...
    ich hab in der nähe gewohnt und bin da früher ab und zu mal vorbeigelaufen. und als dann endlich die balkone abmontiert wurden dacht ich eigentlich dass es jetzt abgerissen wird...seitdem war ich auch nicht mehr dort !

  • Was mich an dem Gebäude schon seit ich hier wohne (halbes Jahr) gewundert hat, ist, dass die Fenster schon neue z.T. noch beklebte Kunststofffenster waren. Also der Versuch einer Sanierung schien schonmal in Angriff genommen worden zu sein.

  • der alexander platz war nie zu groß. er war einfach nie ein platz... zumindest nicht mehr, seit ulbricht, honnecker & co ihren geschmack daran zu beweisen suchten.

  • Der Alex ist heute einer der hässlichsten Orte in Berlin, obwohl schon eine Menge getan wurde. Bis in die 60er Jahre standen noch allerhand Gründerzeitgebäude dort.
    Der alte Alex ist wohl der beste, aber den wird es leider nicht mehr geben. Wir sind hier schließlich nicht in München oder Münster wo Alte Häuse einen ganz anderen Respekt genießen.

    Es wird noch mind 10 Jahre dauern bis der Alexanerplatz wieder erträglich wird.
    Man könnte ja mal mit einer radikalen Begrünung beginnen.

  • Alte Häuser genießen in Berlin inzwischen durchaus Respekt. Es waren nur die Kommunisten respektive der "scharounisiert" West-Berliner Senat. Gerade in West-Berlin kann man allerdings sehen, daß viele Hauseigentümer durchaus den Verlockungen der Stuckabschlagprämie widerstanden haben. Sonst wäre etwa der südwestliche Teil des Ku'damms heute bei weitem nicht mehr so schön. In der Demokratie kann man Hauseigentümer eben nicht zwingen, ihre Fassaden zu verunstalten, sonder sie höchsten "locken".

    Der Alexander Platz ist übrigens von Osten nach Westen geschaut ganz und gar nicht mehr häßlich. Dafür sorgen Behrens und Kleihues Jr.. Wenn Die Mitte fertig ist und hoffentlich auch noch der Flachbau am ParkInn ersetzt wird, wird der Alexander Platz ganz im Ggt. sogar ein ausgesprochen urbaner und aufregender Platz sein. Die Klientel wandelt sich jetzt schon sichtbar.

    Schön wäre es nur, wenn man es endlich unterlassen könnte, alle zwei Wochen irgendeinen Vorwand zu finden, um den ganzen Platz mit dämlich Holzschuppen und Kinderkarussellen zuzustellen, um doch das ganze jahrmarktaffine Volk aus dem Speckgürtel doch wieder mitten in die Stadt zu locken. Auf diese Weise wird die Filterwirkung des östlichen Shoppingcentergürtels (EastGate etc.) empfindlich kontakariert.

  • Lars101
    also den Alex als hässlich zu bezeichnen ist, kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. Er ist meines Erachtens der authentischste Platz von Berlin,
    und die Architektur gar nicht schlecht!
    Ästhetik zeichnet sich nicht nur durch schön herausgeputzte Altbaufassaden mit Geranien an den Fensterbänken aus, es gibt auch andere Kriterien, wie Geschichte, Urbanität, Atmosphäre und Authenzität die einen Ort etwas besonderes verleihen.
    Am Alex spiegelt sich auch in der Architektur eben die Geschichte der letzten hundert Jahre wider.
    Ob Alexander und Behrenshaus, oder das Haus des Lehrers mit der Kongresshalle oder auch der Kaufhof und was sonst noch hoffentlich gebaut wird, das passt finde ich gut dort hin.
    Und es ist eben der einzige Grossstadtplatz den Berlin hat, Ausgangspunkt von vielen zentralen Zufahrtsstrassen und eben auch viel Verkehr und da muss auch keine grosse Begrünung sein.
    Die DDR hat ihn nun mal so angelegt wie er heute ist, und das nicht mal zu Unrecht. Es laufen nun mal alle grossen Strassen darauf zu, dementsprechend passt auch die Grösse, nur muss nun auch die dementsprechende Bebauung folgen, und das Konzept der Hochhäuser würde an dieser Stelle gut passen.
    Die Platten, die man verlegt hat, sind schon okay, man hätte halt' andere auswählen sollen, welche, die nicht so leicht verschmutzen und auf dem der Kaugummi so sichtbar kleben bleibt, aber ansonsten ist der Platz sehr schön finde ich - mit Baumgruppen und den Bänken dem Brunnen und Weltzeituhr ist auch die Aufenthaltsqualität gegeben.
    Und ich sehe das genauso wie Gralsritter, diese ewigen Trödel und der Budenzauber ist absolut ärgerlich und auch nicht mehr nötig, denn mittlerweile tummelt sich schon genug Volk dort, das muss man nicht mehr mit solchen Schnickschnack versuchen zu beleben.
    Es wird zwar noch eine ganze Weile dauern, aber ich bin überzeugt, da wird sich in den nächsten Jahren noch einiges tun, ist einfach der einzige Platz im Osten von grosser Bedeutung und wird sich auch dadurch auch weiterentwickeln.

  • Lars,

    sorry, dass ich Dir schon wieder ins Wort fallen muss,

    aber "allerhand Gründezeitbauten" standen mit Sicherheit nicht bis in die sechziger Jahre am Alexanderplatz. Die Südseite wurde von den halbwegs intakten Behrensbauten geprägt, die Nordost- und die Ostseite waren schon seit den Zwanzigern nicht mehr bebaut (siehe auch Alfred Döblin: Berlin Alexanderplatz) und die fünf nordwestlichen Wohnhäuser sowie das ehemalige Kaufhaus Tietz waren derart zerbombt, dass ein Wiederaufbau einem - wirtschaftlich kaum zu stemmenden und politisch nicht gewollten - Neubau entsprochen hätte. Der Platz war zudem schon 1957 komplett beräumt. Dass es hier eben keine halbwegs intakten Gründerquartiere mehr gab (auch, da der Stadtumbau hier bereits in den 1910ern initiiert wurde und ab den 1920ern umgesetzt wurde) war einer der wesentlichen Gründe, weshalb sich die sozialistische/CvA Stadtplanung gerade hier austoben konnte. Das ist die Realität!


    Gralsritter,

    die Holzbuden etc. sind mir auch ein Greuel. Aber auch ihretwegen glaube ich leider nicht, dass sich das dort anzutreffende Klientel in absehbarer Zeit großartig wandeln wird. Und noch einmal zur "Stuckabschlagsprämie", sorry: viele der erwähnten Häuser am westlichen Ku'damm wurden für Berliner Verhälnisse hochwertig ausgeführt, sind Architektenentwürfe (und entstammen nicht einer Grundrissfibel) und besitzen statt billigem Gipsstuck aufwändige und haltbare Hausteinornamente. Ausserdem sind die Bauten meist zwischen 1900 und 1910 entstanden, also zu einer Zeit, als der überladene, stillos zusammengewürfelte Schmuck der frühen Gründerjahre in vornehmeren Kreisen bzw. Gegenden bereits heftig verpöhnt war. Diese Bauten wären nie in den Genuß dieser Prämie gekommen - ganz egal, welchen Standpunkt ihre Eigentümer vertraten!

  • An AEG

    Weisst du, warum es diese Abschlagprämien gab? Ich dachte immer, weil das Zeug so leicht runter kam (so wie bis vor einigen Jahren in Prenzl'berg).

    Ich finde übrigens die Planungen zum Alex, sowie das gesamte Planwerk innenstadt, seh Zukunftsorientiert. Der Alex war nie richtig fertig und wird es, wahrscheinlich nie werden (wie ganz Berlin) Ich habe gestern auch mal das Dossier zum Umbau der Gertraudenstraße und des Moltkemarkts überflogen. Die kritische Rekonstruktion ist der richtige weg für Berlin.

  • AeG

    Also das was ich über den Alex weiß, haben mir Zeitzeugen aus der Familie erzählt.
    So eben auch eine jetzt 55 Jährige, welche mir sagte daß sie als Kind im nach dem Krieg provisorisch wiedereröffneten Kaufhaus Hermann Tietz, eingekauft hat.
    Die Formulierung das am Alex bis in die 60er Jahre noch allerhand Ruinen von Gründerzeitgebäuden standen, stammt von meinem Vater der damals 17 war und beim Studentensommer dort Aufräumarbeiten geleistet hatte. Beim Bau des DDR Alex ist übrigens ein Student ums Leben gekommen, weil er mit Sand zugeschüttet wurde.
    Ausserdem gibt es Filmaufnahmen von der Sprengung eines Lagerhauses am Alex. Der DDR Fernsehreporter meinte noch zynisch: "Kein Mensch weiß wie alt dieses Haus ist, fest steht nur das es in wenigen Minuten Geschichte sein."

    Vielleicht hat jemand den Beweis für deine oder meine These.. als Link zb..

  • In den 30ern sah der Alex ja aus, wie der Ernst-Reuther-Platz heute (das ist kein Kompliment). Der Platz war bisher eben kein Platz mehr, sondern eine leere Fläche, die ins Nichts verlief. Schlimmer als den Platz an sich finde ich allerdings die Umgebung. Kommt eher einem Autobahnkreuz nah, als einer Innenstadt. Besonders, wenn man mal wieder die ursprüngliche Situation bedenkt.

    Lars
    Interessante Geschichten, die du da zu erzählen hast.

  • Das kann doch nicht wahr sein! Ich weiß überhaupt nicht, weshalb ich meine Zeit damit verschwende, ewig lange zu recherchieren, nur um solche albernen Geschichten zu widerlegen.

    Lars, keine Ahnung, wo Deine 1952/53 geborene Verwandte einkaufen war. Jedenfalls nicht im Kaufhaus Tietz am Alex. Ich hatte hier Fotos und einen Schwarzplan von 1957 vorliegen, auf denen die Gegend bereits eine Tabula rasa war. Gut, da hätte Deine Verwandte noch im Alter von weniger als vier Jahren irgendwo einkaufen gehen können. Dann habe ich noch einen Schwarzplan von 1953 gefunden und diverse Literatur überflogen. Wenn man erstmal weiß, wonach man suchen muss, findet man's manchmal auch im Netz. Hier ist der Plan von 1953: http://www.stadtentwicklung.berlin.de/planen/staedte…953_800x725.jpg. Bereits kurz nach dem Krieg wurde provisorisch ein Kaufhaus im Berolinahaus eingerichtet - als Ersatz für das Tietz! Der Plan über die Kriegszerstörungen, der auf PhillipK's zweitem Link zu finden ist, bestätigt das alles auch. Bis auf drei oder vier minder interessante Seitenflügel, Quergebäude und eine Remise, die auf einigen Fotos zu sehen und in den Plänen leicht zu orten sind (von denen zudem keines mit seiner Front an den Platz grenzte!) gab es am eigentlichen Alex keinerlei erhaltene Bausubstanz aus der verehrten Gründerzeit. Punkt. Mag sein, dass Dein Vater irgendwo in der Nähe des Bahnhofs Alexanderplatz buddeln musste. Mit dem Platz selber kann das in den sechziger Jahren nicht mehr viel zu tun gehabt haben - jedenfalls nicht, wenn es um erhaltenswerte historische Bausubstanz ging!

    Vieleicht überlegst Du Dir in Zukunft besser vorher, welche Quellen Du für Deine Weisheiten heranziehst (bzw., ob es sich lohnt, die hier vorzuschieben ;)).


    NewUrban,

    ja klar, genau deswegen wurden die Prämien gezahlt - oder eben im Falle hochherrschaftlicher Bauten oder "ernsthafter" historischer Substanz auch nicht. Jedenfalls war das die offizielle Begründung. Dass es neben den realen Gefahren auch ästhetische oder politische Motive gab, will ich nicht bestreiten. Darüber zu debattieren wäre aber höchst spekulativ, ausser, man glaubt an die Weltverschwörung.

  • Ich habe im Tagesspiegel einen, meiner Meinung nach, interessanten aber doch sehr versteckten Kommentar gefunden.
    Der Autor argumentiert unter anderem warum Berlin beim Molkenmarktviertel ans Mittelalter anknüpfen sollte, warum Berlin wieder sein historisches Zentrum braucht und warum Schloßbefürworter und Planer des "bürgerlichen Berlins" zusammenarbeiten, statt nebeneinanderherwerkeln sollten.

  • Okay, wenn Du unbedingt willst :).

    Das Bild vom Warenhaus in Deinem Link zeigt übrigens die Nordseite. Die bekanntere Ostseite zum Platz hin war noch weit stärker zerstört.

  • OK, einverstanden. :) Ich wünsche mir für den Alex so viel Bautätigkeit wie möglich. 3 oder 4 weitere Projekte sind ja in der direkten Entwicklung und werden in den nächsten 2 Jahren begonnen.

    Welchen Sinn hätten eigentlich Wohnhäuser direkt am Alex gemacht ?