Leipzig: Historische Ansichten und Vergleiche

  • Leipzig: Historische Ansichten und Vergleiche

    Ich möchte hiermit einen Strang für beliebige historische Ansichten, Bilder, Zeichnungen usw. aus Leipzig und explizit auch für "Damals/Heute-Vergleiche" (aber nicht für Vorher/Nachher-Vergleiche bei Sanierungen, dafür gibts ja schon diesen Strang) eröffnen. Ich denke Café Mephisto ist der passende Ort für so einen Strang, da er eher nicht in die Galerie und auch nicht in den Hauptbereich Leipzigs passt. Es steht jedem frei, interessante historische Ansichten aus Leipzig hier zu zeigen :daumen:.


    Ich mache dann mal den Anfang im nächsten Beitrag mit einigen Objekten aus 1910-1930, die mich gerade interessieren.

  • Kaufhaus Woolworth, Petersstraße 28. Bild von 1932, das Gebäude könnte aber glatt von 1962 sein :eek::eek:...

    (Gemeinfreies Bild, Quelle: Wikipedia)


    Heutiger Zustand; ich glaube es handelt sich um dasselbe Gebäude, vgl. z.B. die Fenstergliederung:



    Ein Dreifach-Vergleich:
    Meßhaus Reichskanzler in der Petersstraße, Vorgänger vom Petershof, um 1920:

    (Gemeinfreies Bild, Quelle: Wikipedia)


    Um 1929:

    (Gemeinfreies Bild, Quelle: Wikipedia)


    Heute:



    Messehaus Kosmos, Gottschedstraße/Dittrichring, um 1925 (Synagoge rechts angeschnitten):

    (Gemeinfreies Bild, Quelle: Wikipedia)


    Heute:



    Ein Sprung in den Ranstädter Steingweg, Nr. 28/32 "Blaue Hand" um 1925, erbaut vermutlich um 1910 (Reformstil):

    (Gemeinfreies Bild, Quelle: Wikipedia)


    Heute leider stark vereinfacht:



    Am Ranstädter Steinweg 8-10 befand sich die Großgarage "Goldene Laute". Das Vorderhaus wurde zerstört, aber die große Garage im Hinterhof ist noch vorhanden und inzwischen saniert.
    Vorderhaus 1927:

    (Gemeinfreies Bild, Quelle: Wikipedia)


    Vorderhaus heute mit Ausfahrt aus der Hofgarage (unter dem linken Erker):


    Das Hofgebäude 1927 mit Rathausturm im Hintergrund (vgl. Vogelperspektive):

    (Gemeinfreies Bild, Quelle: Wikipedia)



    Eine andere Garage aus den 1920ern hat am Johannisplatz überlebt, das Opel-Haus (hier 1930):

    (Gemeinfreies Bild, Quelle: Wikipedia)


    Heute:




    In der Frankfurter Straße (Jahnallee) gab es offensichtlich noch eine "Großgarage Zschau" (Frankfurter Str. 16-18, wäre das heute etwa hier?).
    Interessante Innenansichten um 1925:

    (Gemeinfreies Bild, Quelle: Wikipedia)


    Jedes Auto ne eigene Garage, was für ne Platzverschwendung! :rcain:

    (Gemeinfreies Bild, Quelle: Wikipedia)


    (Quelle sonstiger Bilder: Eigene Bilder)

  • Weiter geht's mit Architektur aus der Zwischenkriegszeit:


    Der Architekt Hubert Ritter war von 1924 bis 1930 Leipziger Stadtbaurat. Abgesehen von einem Generalbebauungsplan lieferte er auch viele Entwürfe für Einzelobjekte, wie z.B. für das Kesselhaus des Kinderklinikums an der Eilenburger Straße (erbaut 1926, Hofansicht von 1927):

    (Foto: Atelier Hermann Walter, Gemeinfreies Bild, Quelle: Wikipedia)


    Das Kinderkrankenhaus zog ja vor einigen Jahren um, und seitdem stehen viele der ehemaligen Gebäude leer. Dazu gehört das Kesselhaus, das vermutlich schon lange nicht mehr gebraucht wird. Würde sich das Gebäude für Wohnzwecke eignen? Man hätte jedenfalls eine schöne große Dachterrasse auf der Südseite...


    Ein ähnliches Kesselhaus entwarf Ritter auch für das Krankenhaus St. Jacob an der Liebigstraße. Vermutlich war es - wie das übrige Krankenhaus - ein Kriegsverlust:

    (Foto: Atelier Hermann Walter, Gemeinfreies Bild, Quelle: Wikipedia)



    So zeigte sich das Johanneskrankenhaus (auch Kriegsverlust) zur Prager Straße (ehemals Hospitalstraße):

    (Foto: Atelier Hermann Walter, Gemeinfreies Bild, Quelle: Wikipedia)


    Zum genauen ehemaligen Standort gibt dieser Kartenausschnitt auskunft; es dürfte in etwa auf dieser Brache gestanden haben:



    Erhalten dagegen diese Schule von Otto Droge (Bj. 1929, Aufnahme 1930), ursprünglich Buchdruckerlehranstalt, heute Gutenbergschule (Berufsschule im Bereich Medien). Rechts angeschnitten die zerstörte Buchhändlerbörse:

    (Foto: Atelier Hermann Walter, Gemeinfreies Bild, Quelle: Wikipedia)




    Ein weiterer Entwurf von Hubert Ritter: dieser Wohnblock in der Riebeckstraße Ecke Stammstraße:

    (Foto: Atelier Hermann Walter, Gemeinfreies Bild, Quelle: Wikipedia)


    Bis auf die größeren Gauben nahezu unverändert:


    Das Gebäude hat mir schon letzten Winter gefallen. Hier sieht man die Details etwas besser:



    Im frühen 19. Jh. wurden die kleinen Dörfer um Leipzig immer beliebter als Ausflugsziele für die Stadtbewohner, und es entstanden dort viele Lokale, Restaurants usw., z.B. der "kleine Kuchengarten" in der Hauptstraße in Anger (heute Breite Straße), errichtet ab den 1820ern. Ab 1872 befand sich hier auch die Endstation der Pferdebahn (ehemaliger Straßenbahnhof Reudnitz).

    (Foto: Hermann Walter, Gemeinfreies Bild, Quelle: Wikipedia)


    Die Gebäude überstanden zwar den Krieg, wurden aber zu einer Kfz-Werkstatt umgenutzt, und 1978 zum Teil abgerissen (Turmbau). Die heutige Situation ist eher trist:

    Diese Ecke hat noch viel Potential, leidet aber unter dem starken Verkehr.


    Ein weiterer Wohnblock der Zwischenkriegszeit (Bj. ca. 1930, Aufnahme 1933) an der Stünzer Straße in Anger-Crottendorf:

    (Foto: Atelier Hermann Walter, Gemeinfreies Bild, Quelle: Wikipedia)


    Später wurden noch die Ecken rechts und links (hier nicht sichtbar) bebaut:



    Sellerhausen, Cunnersdorfer Straße Ecke Emmausstraße mit Emmauskirche um 1900:

    (Das Bild stammt ursprünglich aus dem Lipsikon.)


    Das Haus links kam um 1930 dazu. Die Grünfläche ist nun mit Bäumen bewachsen aber immer noch Kinderspielplatz. Das Haus im Heimatstil/Jugendstil ist tlw. bedeckt sichtbar. Im Hintergrund erkennt man dieselben beiden einfachen Wohnhäuser wie auf dem älteren Bild:


    Hier ein Blick um 1930 auf das im vorherigen Bild links angeschnittene Wohnhaus:

    (Foto: Atelier Hermann Walter, Gemeinfreies Bild, Quelle: Wikipedia)


    Wirklich gut saniert wurde das Haus in der Cunnersdorfer Straße, deshalb noch zwei Bilder dazu:



    (Quelle sonstiger Bilder: Eigene Bilder)

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  • Ich hatte euch noch einige Bilder aus Schönefeld versprochen. Die Vergleichsfotos stammen aus der Objektdatenbank des Stadtgeschichtlichen Museums. Da ich nicht weiß, ob man diese einbinden darf (die Museumsseite verweist zwar auf eine CC-Lizenz, aber ob sich die auf die Bilder selber bezieht...?), habe ich nur Links gesetzt.


    Anstelle eines Ritterguts aus dem 15. Jh. wurde 1604 das erste Schönefelder Schloss erbaut, welches der Leipziger Familie Thümmel gehörte. Es wechselte mehrfach den Besitzer, bis es 1794 von einem Schweizer, Johann Ulrich Schreiber, erworben wurde. In der Völkerschlacht hatte am 18. Oktober Marschall Marmont hier sein Quartier, welches mehrfach erfolglos von den Russen gestürmt wurde. Da ihnen die Munitionen ausgingen, mussten sich die Franzosen zurückziehen. In Folge der Kämpfe wurde das Schloss sowie ein Großteil von Schönefeld zerstört. Eine Enkelin von Johann Schreiber, die Baronesse Hedwig von Eberstein, ließ 1871-1876 das heutige Schloss errichten. Nach ihrem Tod 1900 wurde mit ihrem Vermögen die Mariannenstiftung gegründet. Heute beherbergt das Schloss eine Förderschule für behinderte Kinder.
    Siehe auch: Chronik des Schlosses Schoenefeld


    Bildlink
    (Quelle: Stadtgeschichtliches Museum Leipzig)



    Hier ein schönes Bild vom Schloss Schönefeld wohl vom Kirchturm aus aufgenommen.



    Die alte Dorfkirche von Schönefeld mittelalterlichen Ursprungs brannte ebenso in der Völkerschlacht nieder. 1816-1820 wurde dann ein Neubau an alter Stelle errichtet, der innen und außen im klassizistischen Stil gehalten ist mit barockisierendem Turm. Der Neubau wurde von den Kaisern von Österreich und Russland mitfinanziert. Der Name Gedächtniskirche wurde dem Bauwerk nach einer Umbaumaßnahme 1916 verliehen, und bezieht sich sowohl auf die Völkerschlacht als auch auf den Deutsch-Französischen-Krieg und auf den 1. Weltkrieg.


    Bildlink
    (Quelle: Stadtgeschichtliches Museum Leipzig)


    (Die ehemals schiefergedeckte Turmhaube wurde 1993 in Kupfer neu gedeckt.)


    Portal:



    Es folgen einige vergleichende Straßenansichten (Vergleichsaufnahmen um 1925, leider gab es keine größeren Versionen).


    Taubestraße Ecke Heinkstraße:
    Bildlink
    (Quelle: Stadtgeschichtliches Museum Leipzig)


    Den Sanierungsgrad der Taubestraße schätze ich auf etwa 70%, davon 50% recht guter Qualität.



    Schmidt-Rühl-Straße Ecke Gorkistraße:
    Bildlink
    (Quelle: Stadtgeschichtliches Museum Leipzig)


    Man sieht, dass im Hintergrund einige Häuser fehlen. In Schönefeld wurden nur wenige Häuser abgebrochen, lediglich etwa 20 insgesamt (seit 1950!) im Viertel, dafür aber viele an einer Ecke alleine, nämlich an der Schmidt-Rühl-Straße zwischen Scheumannstraße und Schreiberstraße, wo tabula rasa gemacht wurde. Es sind diese Häuser, die im Bild fehlen:



    Trötzschelstraße Ecke Emil-Schubert-Straße:
    Bildlink
    (Quelle: Stadtgeschichtliches Museum Leipzig)


    Südlich der Gorkistraße wird die Bebauung einfacher. Hier ist die Sanierungsqualität etwas schlechter, und man findet leider sehr viele einfache Plastikfenster. Dafür ist der Erhaltungsgrad nahezu 100%.



    Löbauer Straße Ecke Volksgartenstraße:
    Bildlink
    (Quelle: Stadtgeschichtliches Museum Leipzig)


    Die Kreuzung hier ist leider sehr stark befahren. Ich habe ein Weilchen dort gewartet, aber es kamen ständig Autos aus allen Richtungen. Letztenendes bin ich kurz mitten auf die Straße gesprungen, um das Foto zu machen, musste daher einzoomen. Der starke Verkehr ist wohl ein Grund, weshalb an dieser Ecke kaum Häuser saniert wurden. Die zwei kleinen Häuser im mittleren Hintergrund mit Gauben zählen zu den ältesten Häusern in Schönefeld.



    Löbauer Straße Ecke Clara-Wieck-Straße (komischerweise Klara-Wieck-Straße bezeichnet, obwohl es diesen Straßennamen nie gab):
    Bildlink
    (Quelle: Stadtgeschichtliches Museum Leipzig)


    Die linke Häuserzeile ist auf dem Vergleichsbild noch nicht ganz fertig bebaut. Man beachte auch das vollständig entstuckte Haus rechts. Wie man sieht ist hier rechterhand noch vieles grau. Eine Sanierung war gerade am laufen, die recht gut zu werden schien (fassadenmäßig).


    (Quelle sonstiger Bilder: Eigene Bilder)



    So, das war's zu Schönefeld. Mein Fazit: Schönefeld steht besser da als die benachbarten Viertel Neustadt und Volkmarsdorf, zählt trotzdem sicher noch zu den eher schlechteren Gegenden der Stadt. Ich hatte aber das Gefühl, dass es in Schönefeld besser wird. Das Viertel ist sehr ruhig und besitzt rundherum mehrere schöne Parks, und außerdem fließt die Parthe am Rande Schönefelds entlang. Es wäre sicher nichts für Studenten, doch habe ich dort überraschend viele Kinder gesehen - tatsächlich liegt der Altersdurchschnitt in Schönefeld laut OTK 3,3 Jahre unter dem Leipziger Gesamtwert - scheint also von jungen Familien nicht unbeliebt. Architektonisch: Das Viertel ist sehr gut erhalten (schätze 90% der Altbausubstanz von vor 1940 noch vorhanden), in Bereichen auch gut saniert (Paul-Heyse-Straße), in anderen Bereichen nicht so gut. Die Gebäude von 1910-1930 sind häufig ansehnlich und interessant. Historismus gibt es eher weniger, und er ist meistens von einfacher Gestalt - bis auf einige Einzelbauwerke (Schloss, Post). Neubauten gibt es in Schönefeld so gut wie gar nicht, was bezeichnend für die schlechteren Stadtviertel in Leipzig ist. Andererseits besteht auch wenig bedarf an Neubauten in Schönefeld, da der Altbaubestand ziemlich lückenlos erhalten ist. Gesamteindruck: Gemischt aber leicht positiv.

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  • In der Schrödterhauspassage gibt es nun aufgeteilt auf zwei Schauvitrinen eine kleine Ausstellung historischer Ansichten.


    Vitrine 1:

    Große Version (2,3MB)


    Vitrine 2:

    Große Version (2,1MB)


    Dies ist ein interessantes Luftbild, das ich von dieser Perspektive aus nicht kannte. Die Baustelle unten links dürfte der Petershof sein, was die Ansicht auf 1928 oder 1929 datiert. Gegenüber vom Petershof in der Petersstraße der leider zerstörte Hohmanns Hof.

    Große Version (4,6MB)


    Hier sieht man den Vorgänger vom heutigen Schrödterhaus (Bj. 1912, Hänsel), ein einfaches barockes Haus. Der Erker links existiert noch zusammen mit der Hausfassade (auch nur die Fassade) von ca. 1870. Außerdem sieht man das Gebäude der Leipziger Elektizitätswerke mit den vier hohen Rundbogen im Erdgeschoss, erbaut wohl unter Mitwirkung von Paul Möbius.


    Beide Häuser (das linke vermutlich noch 16. Jh.) wurden 1912 durch das heutige Schrödterhaus ersetzt:


    Zeichnung ca. 1900 vom linken Haus des vorherigen Bildes, links offensichtlich der "Nachher"-Zustand, nachdem die Schaufensterfront umgestaltet wurde:


    Das war wohl der Innenhof entsprechend dem heutigen Städtischen Kaufhaus mit dem barocken Gebäude von Seltendorff rechts (Bj. 1740-1744, Stadtbibliothek damals wie heute), das (teil-) rekonstruiert wurde:


    Zum Vergleich:
    (zumindest glaube ich, dass das etwa diesselbe Perspektive ist)


    Renaissanceportal im Innenhofbereich vermutlich der Vorgängerhäuser vom Schrödterhaus:


    (Quelle: Eigene Bilder, abfotografiert)

  • Wünschmanns Hof (Georg Wünschmann 1909) am Dittrichring, Bild um 1925 (Atelier Hermann Walter):

    (Gemeinfreies Bild, Quelle: Wikipedia)


    Heute (rechts sieht man das Trifugium):


    Dittrichring mit Wünschmanns Hof und der Zeile prächtiger Häuser zwischen Trifugium und Bankhaus Meyer (Peter Dybwad, 1905), ferner Thomaskirche :D

    (Quelle: Lipsikon)


    Heute ist die Häuserzeile stärker durch Bäume bedeckt, links angeschnitten die Runde Ecke:


    Hier ein besserer Blick auf die Häuser:


    Ich kann nur die Reihe "Leipzig um 1900" vom Lehmstedt-Verlag empfehlen, z.B. findet man auch diese Ansicht dortdrin.


    Hermann Walter hatte natürlich sein Studio ganz in der Nähe:

    (Gemeinfreies Bild, Quelle: Wikipedia)


    Dort steht heute die Runde Ecke (Feuerversicherung).


    Gegenüber befand sich der "Töpferplatz" (quasi Abschnitt des Promenadenrings), wo es Töpfermarkt gab und entsprechend gehandelt wurde.
    In Oldenburg findet jährlich im Sommer auch ein Töpfermarkt statt; da kommen 100+ Händler aus vielen Ländern und präsentieren ihre Waren auf dem Schlossplatz, ähnlich wie auf den folgenden Bildern.
    Prinzipiell könnte man auch so etwas in Leipzig wieder etablieren...

    (Gemeinfreies Bild, Quelle: Wikipedia)



    (Quelle: Lipsikon)


    Aus Lehmstedt: Töpferplatz während der Messe 1902


    (Quelle: Bis auf Angaben eigene Bilder)

  • Das Rathaus in Schönefeld wurde 1904/1905 erbaut, als Schönefeld noch eine eigenständige Stadt mit über 10.000 Einwohnern war (Eingemeinderung 1915). Stilistisch ist das Schönefelder Rathaus wie auch das Neue Rathaus in Leipzig (Fertigstellung 1905) dem Eklektizismus zuzuordnen. Beide Rathäuser entnehmen viele Elemente der deutschen Renaissance wie z.B. Giebeln, einige außerdem der italienischen Renaissance, ferner vereinzelt Jugendstilelemente.
    So zeigte sich das Schönefelder Rathaus kurz nach seiner Erbauung 1906:

    (Gemeinfreies Bild vom Fotografen Hermann Walter (gest. 1909), Quelle: Stadtgeschichtliches Museum Leipzig)


    2012:


    Links angeschnitten ist hier das alte Schönefelder Postamt, das derzeit leer steht:

    (Gemeinfreies Bild vom Fotografen Hermann Walter (gest. 1909), Quelle: Stadtgeschichtliches Museum Leipzig)


    Weitere historische Bilder vom Rathaus aus der Objektdatenbank des Stadtgeschichtlichen Museums: Bild1, Bild2, Bild3


    In zwei Phasen wurde nun das Rathaus bis 2012 saniert. Hier gibt es weitere Bilder von dem fertigen Haus.


    Das angesprochene Schönefelder Postamt zitiert förmlich das Leipziger Fürstenhaus - ein prächtiger Renaissancebau von 1558.
    Der runde Eckerker und die drei Zwerchgiebel sind ein direktes Zitat des Fürstenhauses. Das Postamt steht seit Jahren leer und ist stark verfallen, deshalb blau eingenetzt.


    Das Fürstenhaus stand an der Ecke von Grimmaischer Straße und Universitätsstraße, und war nach dem Alten Rathaus das bedeutendste Bauwerk der Renaissance in Leipzig. Es wird dem Meister Paul Widemann zugeschrieben, der auch am Bau des Alten Rathauses mitgewirkt hat.

    (Quelle: Bildindex)


    Leider waren die Bomber hier sehr gründlich, selber Standort 1946:

    (Quelle: Bildindex)



    (Quelle: Bildindex)


    Das Fürstenhaus wurde nicht wiederaufgebaut. Es befand sich dort zuletzt ein Teil der DDR-Uni, der vor wenigen Jahren dem Unineubau in der Grimmaischen Straße weichen musste.


    Grimmaische Straße mit Fürstenhaus um 1885:

    (Quelle: Wikipedia)


    2012:



    Das Fürstenhaus wurde zwar nicht rekonstruiert, aber eine Kopie eines der Runderker wurde in den 1980er-Jahren anhand erhalter Erkerteile gefertigt und an einem Neubau schräg gegenüber dem ursprünglichen Standort angebracht.
    Fürstenhauserker 1986:

    (Quelle: Wikipedia)


    2012:


    Noch ein historisches Bild: Erker des Fürstenhauses



    Reichsstraße / Grimmaische Straße um 1895 (ich bin ziemlich sicher mit Blick nach Nordosten):

    (Quelle: Wikipedia)


    Das ehemalige Messehaus genannt Reichshof wurde 1897 erbaut und ersetzte die schlichtere ältere beerkerte Bebauung:


    Man glaubt es kaum, aber das Gebäude war früher sogar noch prächtiger mit einem mächtigen Eckbalkon u.a.: Bild1, Bild2



    (Quelle sonstiger Bilder: Eigene Bilder)

  • Hallo Leipziger,


    habe gerade im Netz einen interessanten Link gefunden:


    http://home.arcor.de/haraldstein/texte/dia_alt.html


    Schöne Farbaufnahmen aus dem alten Leipzig


    _________________

    Gibt es eigentlich Bestrebungen seitens der Stadt oder sonstiger Vereine das Siegesdenkmal auf dem Leipziger Markt wiederzuerrichten ?


    Oder ist die Rekonstruktion auf Grund des City-Tunnel-Eingangs gar nicht mehr möglich ?

  • Beim Reichshof wäre eine Rekonstruktion der historischen Fassade absolut wünschenswert. Vielleicht kommt das ja zu einem späteren Zeitpunkt.


    @ Jugenstil: danke für den Link. Vor allem bei dem Bild vom Augustusplatz lässt sich erahnen was der Stadt dort verloren gegangen ist. Zum Siegesdenkmal: das Denkmal was zu dem Deutsch-Französichen Krieg 1871 und der darauf folgenden Einigung Deutschlands gewidmet. Das war schon in den 1920er Jahren ein Auslaufmodell und wäre in der heutigen Zeit der Europäischen Integration sicherlich mehr als unpassend.

  • Schönen Dank für die seltenen alten Farbbilder! Da sind interessante Ansichten dabei, z.B. Bild 2 aus der Kleinen Fleischergasse (rechts Kaffeebaum) mit Blick auf die Matthäikirche, oder der wunderbar begrünte Augustusplatz. Natürlich auch der Markt - wobei das Jöchersche Haus gerade etwas vernachlässigt scheint (Fenster :eek:) - ja eigentlich alle interessant :D.


    Was das Siegesdenkmal angeht: Wenn man schon auf dem Markt etwas rekonstruieren will, dann doch lieber den (schon 1826 abgebrochenen) Goldenen Brunnen. Der Brunnen wäre kleiner, feiner und leichter als Rekonstruktion zu rechtfertigen als das Siegesdenkmal.



    (Quelle: Wikipedia)

  • Erlöserkirche Thonberg

    Da wir gerade im Bauerbe-Strang den möglichen Abriss von 6 Häusern in der Riebeckstraße ab der Stötteritzer Straße diskutieren, wären einige Worte zur
    Thonberger Erlöserkirche
    sinnvoll.


    Diese Kirche stand nämlich an der südwestlichen Ecke Riebeckstraße / Stötteritzer Straße (Vogelperspektive: http://binged.it/ZahsyV).
    Sie wurde 1867-69 nach Plänen Hugo Altendorffs erbaut, dessen erstes realisiertes Bauwerk sie war. Die neugotische Hallenkirche mit 45m-hohem Turm war außerdem die erste historistische Kirche eines Leipziger Vororts (Thonberg 1890 eingemeindet), und nach der Alten Trinitatiskirche die zweite insgesamt. Sie trug seit 1895 den Namen Erlöserkirche. Februar 1945 wurde die alte Erlöserkirche zerstört, Juni 1945 der Turm gesprengt.


    1868:

    (Gemeinfreies Bild, Quelle: Wikipedia)


    Dieser Kartenausschnitt von 1879 verdeutlicht den ehemaligen Standort der Kirche ("123,3" ist die Ecke Stötteritzer Str./Riebeckstr.):

    (Gemeinfreies Bild, Quelle: Wikipedia)


    Nach der Zerstörung der alten Erlöserkirche blieb die Thonberger Gemeinde 61 Jahre lang ohne Kirche.
    2005-2006 entstand endlich ein Neubau in der Dauthestraße (Vogelperspektive: http://binged.it/ZqihcU) unweit des alten Standorts, der immer noch i.W. unbebaut ist.

    (Quelle: Eigenes Bild)


    Es gibt auch einen virtuellen Rundgang durch die neue Kirche: http://www.erloeserkirche-leip…che/erloeserkirche-3d.php

  • Oha, da hat man sich wohl von der 80er DDR Version der St. Trinitatis Kirche inspirieren lassen. Im innern sagt einem auch nur das Kreuz wo man sein könnte. Ansonsten Sterilität im Stile einer Artzpraxis oder eines schnöden Konferenzraumes.

  • ^ Papperlapapp, immer diese substanzlosen "Sieht-aus-wie"-Abwertungen...


    Die neue Erlöserkirche zeigt eindrucksvoll, wie eine kleine Gemeinde mit finanziell bescheidenen Mitteln dennoch einen architektonisch anspruchsvollen und überzeugenden Neubau an die städtische Peripherie hinsetzen kann. Die Kirche besticht in meinen Augen gerade durch ihre Schlichtheit und ihrer klaren Gliederung. Die großen Fenster, die den kleinen Kirchsaal mit genügend Tageslicht durchflutet, finde ich ebenso ansprechend.

  • Naja, die Phrase der "bestechenden Schlichtheit und klaren Gliederung" ist doch auch nur Architektensprech, den man in Entwurfstexten noch und nöcher liest. Mich überzeugt der Bau zum Beispiel nicht und ich finde ihn einfach uninspirierend und langweilig - ja eben mit dem Charme eines Konferenzsaales. Da muss ich Saxonia recht geben. Da hätte sich mit etwas Mut zur Gestaltung sicher mehr herausholen lassen. Es gibt durchaus in meinen Augen gelungenere Beispiele in der Sakralarchitektur des 20. Jhd. (im 21. Jhd ist's etwas selten geworden)...Wer z. B mal durch Polen fährt, wird dort eine recht spielerische Auswahl an modernen Kirchenbauten vorfinden.


    z.B. bei Stettin


    http://www.fotocommunity.de/pc/pc/cat/16836/display/29423277


    oder auf Wollin


    http://www.insel-usedom-wollin.de/heidebrink/kirche.html


    von derartiger Extravaganz ganz zu schweigen


    ---> http://de.123rf.com/photo_2683…d-einer-membran-dach.html


    Aber nun gut, mir ist dieser Bau bisher kaum aufgefallen und ich gebe hier ja auch nur eine, nämlich meine, Meinung wieder ;)

  • Die folgenden historischen Bilder stammen größtenteils aus dem Nachlass Hermann Walters, und sind gemeinfrei. Auf Wikimedia-Commons findet man mehrere hundert Fotos aus diesem Nachlass:
    http://commons.wikimedia.org/w…Hermann_Walter?uselang=de
    http://commons.wikimedia.org/w…ry:Atelier_Hermann_Walter


    Die Vergleichsbilder sind von mir.


    Szene am Roßplatz im Jahre 1891, v.l.n.r. Café Bauer, Gesellschaftshaus Harmonie, Panorama:

    Quelle von Emil Römmler


    Alle Gebäude am Roßplatz wurden 1943 zerstört. Die westliche Fläche ist bis heute unbebaut bis auf das Bowling-Treff von 1987, das grob an derselben Stelle wie das Panorama (leer-)steht. Der traurige Vergleich 2013:


    Café Bauer, Roßplatz 6, wurde 1889-90 nach Plänen von Albert Bohm errichtet.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Caf%C3%A9_Bauer_(Leipzig)

    Quelle


    Das überaus üppige Innenleben von Café Bauer um 1900-1905:

    Quelle



    Quelle


    Roßplatz 5b war das 1887 nach Plänen Arwed Roßbachs erbaute Haus der Gesellschaft Harmonie http://www.harmonie-leipzig.de/.


    Das Panorama, Roßplatz 5, stand an der Ecke zum Königsplatz. Der Rundbau (Durchmesser ca. 20m) entstand 1883/84. Vor allem Bilder von verschiedenen berühmten Schlachten waren hier zu sehen, etwa die Völkerschlacht.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Panorama_(Leipzig)
    Ca. 1910:

    Quelle


    1885, vermutlich bei Ankunft eines neuen Panoramabildes:

    Quelle


    Später nach dem Siegeszug des Filmes verschwand das Interesse an Panoramabildern, und das Gebäude wurde umgenutzt zu einer Gaststätte.
    Hier um 1935:

    Quelle Fotograf unbekannt?


    An der gegenüberliegenden Ecke des Königsplatzes steht das Polizeigebäude Dimitroffstraße 1 Ecke Peterssteinweg, hier um 1930:

    Quelle


    Das erhaltene aber geköpfte Gebäude ist heute Sitz der Polizeidirektion Leipzig, die im obigen Bild angeschnittenen Eckhäuser links und rechts gingen vollständig verloren:


    An der nächsten Ecke (Peterssteinweg / Härtelstraße) stand das Café Römisches Haus, das namentlich an das 1904 abgebrochene Römische Haus erinnerte. Das Café gibt es nicht mehr, aber das ca. 1905 gebaute Haus steht noch.
    Um 1928:

    Quelle


    2013: