Leipzig: Stadtleben

  • Kasek bleibt leider in einer latenten "halb-so-wild-Haltung" gefangen. Allein der Hinweis, bei rechten Übegriffen jüngerer Zeit "sei der Tod von Menschenleben, anders als in Leipzig, zumindest billigend in Kauf genommen" spricht schon Bände. Was nehme ich sonst in Kauf, wenn ich mit Pflastersteinen nach Leuten schmeiße oder Krähenfüße für Fahrzeuge auslege?

  • DrZott: Stimmt. In der Nacht vom Samstag auf Sonntag, den 24. Oktober 2010, hatten zwei Nazis den 19-Jährigen Kamal K. vor dem Hauptbahnhof mit einem Messer angegriffen und erstochen. Nur zwei Täter sind halt noch keine Gruppierung.


    Die anderen Fälle, in denen Neonazis in Leipzig Menschen getötet haben - Karl-Heinz Teichmann am 23. Juli 2008, Nuno Lourenco am 29. Dezember 1998, Achmed Bachir am 23. Oktober 1996, Bernd G. am 8. Mai 1996, Klaus R. am 28. Mai 1994 und andere (http://www.rassismus-toetet-le…in-leipzig-ein-uberblick/) - sind schon so lange her, da kann man kaum von "in den letzten jahren" sprechen.


    Gewalttätige Angriffe und Drohungen aus der Odermannstraße 8 heraus zwischen 2008 und September 2014 sind nun auch längst wieder Geschichte und so schlimm waren sie ja auch nicht: https://www.chronikle.org/inha…trums-odermannstra%C3%9Fe ; https://www.chronikle.org/doss…rgerbuero-odermannstrasse


    Wieviele Menschen es waren, die im November 2013 auf dem Gelände einer geplanten Moschee der muslimischen Ahmadiyya-Gemeinde fünf blutige Schweineköpfe auf Holzpflöcke gespießt hatten, weiß man auch nicht. Kann man dann überhaupt von einer Gruppierung sprechen?

  • Die "Krawallnacht" vom Freitag, die lt. Polizei weniger als 10 Minuten dauerte, zieht weitere Kreise. Eckhard Jesse, Politikwissenschaftler und Extremismusforscher im Ruhestand, ist der Meinung, dass Grüne und Linke den Linksextremismus bagatellisieren. Jesse weiter: "In Wirklichkeit würden sie an Glaubwürdigkeit gewinnen, wenn sie sich ohne Wenn und Aber distanzieren, sich nicht nur taktischstrategisch, sondern prinzipiell abgrenzen und darauf achten würden, dass sich demokratischen Demonstrationen keine Linksextremisten anschließen". Der Politikwissenschaftler rät den Grünen, sich einfach so zu verhalten wie die CDU sich verhält. Lesenswert wie immer ein Artikel in der L-IZ dazu.


    Und OB Jung hat auch was zum Thema zu sagen.

  • @ LE Mon. hist.:

    ... analoge Gewaltaktionen ....


    Das Problem ist ja, dass die rechte Gewalt "cleverer" agiert. Die Linksradikalen zerballern immer schön Gebäude und öffentliche Einrichtungen - dabei werfen sie mit Steinen um sich, dass tatsächlich Unbeteiligte verletzt werden könnten. Bei den Rechten gibt es immer gezielt ausgesuchte Objekte.


    Wie man da die durchaus nachvollziehbaren Ziele (gegen Armut, Rassismus, Neoliberalismus ...) durchsetzen oder auch nur wirksam propagieren will, ist mir schleierhaft.

    Einmal editiert, zuletzt von DrZott () aus folgendem Grund: zuerst Blödsinn geschrieben, sorry

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    Gut, dass hat aber in dem Sinne nichts mit "clever" zu tun, sondern ist eher ideologiebedingt. Während Rechtsextremisten ja den Staat und die "Kultur" vor Fremden schützen wollen (wodurch es ja dann automatisch konkrete Zielecfür die gibt), sind die Linksextremisten ja eher gegen den Staat und dessen Strukturen, weshalb auch oft Polizisten als Gegner/Ziele "identifiziert" werden.


    Das Parteien diese Randale nun für sich auszunutzen versuchen, ist wenig verwunderlich und dem konservativen Lager gefällt mit Sicherheit, dass nun "diese Linken" öffentlich so angegangen werden.


    Indes müssen sich Polizei und auch Landesregierung/Innenministerium fragen, weshalb es so schwer fällt, die entsprechenden Personalien festzustellen.


    Aber es stimmt natürlich, dass die Szene durch solche Aktionen ihren Rückhalt in der breiten Gesellschaft verliert und somit ihre Ziele erst recht nicht erreichen können wird. Aber vielleicht jubeln sie sich gegenseitig so sehr zu, dass sie das gar nicht mitbekommen.

  • Menschen erstechen, erschlagen, mit Stahlkappenschuhen gegen den Kopf zu Tode treten, ... ist "cleverer" als Steine zu werfen?



    Das Parteien diese Randale nun für sich auszunutzen versuchen, ist wenig verwunderlich und dem konservativen Lager gefällt mit Sicherheit, dass nun "diese Linken" öffentlich so angegangen werden.


    Genau das passiert nun. Unser aller Wieder-Innenminister Ulbig versucht nun, von seinem Wahldebakel in Dresden abzulenken und den starken Mann zu markieren. Ulbig fordert: „Es ist jetzt Aufgabe von Stadt, Polizei und Bürgern, Konzepte zu entwickeln, um konsequenter gegen diese Umtriebe vorzugehen. Dabei muss man sich unter anderem überlegen, wie gewisse Bündelungen und Konzentrationen zerschlagen werden können.“


    Welche Konzentrationen und Bündelungen meint er dabei? Und wie stellt er sich die Reaktionen vor? Einrichtungen von Bürgerwehren?


    LVZ online, 11. Juni 2015
    Keine zusätzlichen Polizisten
    Linksautonome Krawalle: Ulbig fordert Leipzig zum Handeln auf
    http://www.lvz.de/Leipzig/Stad…t-Leipzig-zum-Handeln-auf

  • Ich hoffe, Sie erkennen den Unterschied zwischen "cleverer" und cleverer. Ich rekurrierte dabei auf die Folgen in Form der Reaktionen der Öffentlichkeit. Das ist durchaus etwas, was ich kritisierte. Ich hatte gehofft, diese Konnotation ist dem Text anzumerken.

  • Interessante Diskussion.


    Genox, das verhasste System abzuschaffen, ist mitnichten nur Ziel der gewaltbereiten Antifa, sondern sehr wohl auch der Rechten. Um das zu erkennen, müssen wir noch nicht mal nach ganz rechtsaußen schauen, es genügt bereits einen Montag Abend bei Pegida zu verbringen. Lutz, der Wurstmann, räumte jüngst auf der Demo ein, dass das System nicht so leicht zu stürzen sei wie damals '89. Aber Pegida wird weiterhin nicht vom Verfassungsschutz beobachtet, sind ja nur besorgte Bürger dort.


    Wenn der Rechtsstaat in Gefahr sein soll, weil lt. sächs. Verfassungsschutz 90 linke Chaoten in Leipzig auf Krawall gebürstet sind und deshalb jeder in der Messestadt, der sich links von der CDU verortet, mitverantwortlich gemacht wird und Stellung beziehen soll, dann möchte ich, dass diese Heuchelei bei Pegida von wegen besorgte Bürger und Ängste wahrnehmen sofort ein Ende hat.


    Wieso kann man die Randale vom Freitag Abend, die weniger als 10 Minuten dauerten, nicht einfach dort einordnen, wo es angebracht ist: Als Randale mit mutmaßlich politischem Hintergrund. Und auf die Gefahr hin, ich würde bagatellisieren. Ich habe mir die "Spur der Verwüstung" am Tag danach am BVG angesehen. Naja...


    Hat sich Pegida schon vom Brandanschlag auf ein bewohntes Asylheim in Hoyerswerda distanziert? Nö, gibt ja auch keinen Zusammenhang, gell?

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    Nun, "Pegida" ist eine ziemlich große Gruppe. Die haben den Anschlag ja (wenn überhaupt) nicht alle begangen. Und auch gab es solche Vorfälle schon immer.
    Aufgrund der steigenden Flüchtlingszahlen und der Unterbringung an Orten, wo bisher kaum ein Flüchtling hin kam, würden solche Vorfälle sicher auch so passieren. Schliesslich gab es auch schon vor 10, 20 oder 25 Jahren Angriffe auf solche Heime, da gab es kein Pegida.
    Ich will damit keinesfalls etwas verharmlosen, aber "Pegida" hat nicht zu Gewaltaktionen aufgerufen. Die Linke auch nicht (siehe weiter oben). Insofern weiß ich nicht, wieso unbeteiligte Leute sich immer wieder irgendwo distanzieren müssen. Das ganze "verurteilen" okay, aber distanzieren klingt so indirekt wie die Unterstellung, Partei X oder Gruppe Y habe etwas damit zu tun, wenn sie sich nicht distanzieren.

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    Nun, "Pegida" ist eine ziemlich große Gruppe. Die haben den Anschlag ja (wenn überhaupt) nicht alle begangen. Und auch gab es solche Vorfälle schon immer.
    Aufgrund der steigenden Flüchtlingszahlen und der Unterbringung an Orten, wo bisher kaum ein Flüchtling hin kam, würden solche Vorfälle sicher auch so passieren. Schliesslich gab es auch schon vor 10, 20 oder 25 Jahren Angriffe auf solche Heime, da gab es kein Pegida.
    Ich will damit keinesfalls etwas verharmlosen, aber "Pegida" hat nicht zu Gewaltaktionen aufgerufen. Die Linke auch nicht (siehe weiter oben). Insofern weiß ich nicht, wieso unbeteiligte Leute sich immer wieder irgendwo distanzieren müssen. Das ganze "verurteilen" okay, aber distanzieren klingt so indirekt wie die Unterstellung, Partei X oder Gruppe Y habe etwas damit zu tun, wenn sie sich nicht distanzieren.


    Wer gegen andere Menschen hetzt, der macht sich sehr wohl mitschuldig, wenn es zu Gewalt gegen diese Menschen kommt.


    Und ganz egal, ob man die Hetze von Pegida für gerade noch von der Meinungsfreiheit gedeckt hält oder nicht - der Unterschied zwischen den Pegidisten, die sich klar gegen andere Menschen richten, und den linken Parteien, die dies nicht tun, sollte für jeden klar erkennbar sein.


    Diese Entproblematisierungsstrategie, Rechts(extreme) und Links(extreme) einfach gleichzusetzen und zu sagen: sind ja beide böse, ist eine Verharmlosung des Rechtsextremismus und hat uns u.a. schon den NSU eingebrockt. Anders gesagt: gemäßigten Konservativen stünde es gut zu Gesicht, sich einfach mal einzugestehen, dass auf ihrer Seite mehr Arschgeigen unterwegs sind als auf der anderen Seite. Das Problem ließe sich dann sehr viel einfacher bekämpfen, wovon auch der nette Konservative von nebenan profitieren würde.


    Aufgrund der steigenden Flüchtlingszahlen und der Unterbringung an Orten, wo bisher kaum ein Flüchtling hin kam, würden solche Vorfälle sicher auch so passieren. Schliesslich gab es auch schon vor 10, 20 oder 25 Jahren Angriffe auf solche Heime, da gab es kein Pegida.


    Das ist der nächste Entproblematisierungsversuch: Naja, die Flüchtlingszahlen steigen ja auch, früher gab's das schon mal, hat nix mit Pegida zu tun, reiner Zufall, legt sich wieder.
    Schau dir mal die Karte hier an:
    Rechte Gewalt
    Erkennst du einen Zusammenhang zwischen Zahl der Asylbewerber und rechter Gewalt? Oder auch nur zwischen Ausländeranteil und rechter Gewalt? Also, ich nicht.


    Das Problem entsteht nicht durch die bloße Zunahme der Flüchtlingszahlen, sondern durch die auf rassistischer Hetze fußende Panikmache. Anders dürfte gerade die Situation in Sachsen kaum zu erklären sein.


    Ich will damit keinesfalls etwas verharmlosen


    Tust du aber. Ich unterstelle dir auf keinen Fall eine böse Absicht, habe aber den Eindruck, dass du eine gewisse Kopf-in-den-Sand-Neigung hast. Und auch auf die Gefahr hin, mich hier im Unterforum unmöglich zu machen: In meinem nicht ganz einen Jahr in Leipzig habe ich den Eindruck gewonnen, dass es hier zwar sehr wenige rechte Spinner, aber dafür sehr viele Kopf-in-den-Sand-Stecker gibt. Vielleicht sind Sachsen einfach zu harmoniebedürftig und konfliktscheu? Was auch immer der Grund sein mag, ich halte das für ein Problem - vor allem, da es sich auch in der Politik deutlich bemerkbar macht.

    Einmal editiert, zuletzt von stormcloak () aus folgendem Grund: Tippfehler korrigiert

  • Wer gegen andere Menschen hetzt, der macht sich sehr wohl mitschuldig, wenn es zu Gewalt gegen diese Menschen kommt.
    Diese Aussage ist mir zu pauschal, sorry. Was bedeutet konkret Mitschuld? Muss man dann alle Pegida-Anhänger anklagen?
    Muss man alle Linksautonomen anklagen, die Gewalt verharmlosen, weil sie Mitschuld haben?
    "Schuld" ist in diesem Zusammenhang ein ziemlich grauer Bereich und würde schnell ziemlich viele Menschen auch in anderen Zweigen abseits von Flüchtlingsthemen erfassen. Am Ende ist dann jeder aufgrund seiner Meinung an irgendwas schuld, da niemand glattgebügelt nur den Mainstream nachplappert. Jeder hat in irgendeinem Thema abweichende Meinungen (Beispiele dazu vom Mindestlohn über AfD, Pegida, Sozialismus, Merkel, Minderheiten bis hin zu Gentrifizierung oder was auch immer) und ist deswegen noch lange nicht "Schuld".


    Und:
    Was hat das mit Kopf in den Sand stecken zu tun? Was hat das mit Sachsen oder Leipzig zu tun? Ich finde diese Aussage ein wenig anmaßend, nach einem Jahr in dieser Stadt schon solche Pauschalisierungen zu tätigen. Ich lebe nun einige Jahre mehr hier, lange bevor der "Hype" begann. Damals standen noch 50.000 WE leer bei ca. ebenso viel weniger Einwohnern, die ersten ca. 10.000 WE waren abgerissen oder durch beginnenden Zuzug wieder belebt und die Stadt war schon noch ein Stück "anders". Bin auch aus einem anderen Bundesland her und habe vor allem in Leipzig das Gefühl, dass hier viele Leute sich sehr gern engagieren, für was auch immer. Gärten auf Brachen, Wächterhäuser und vieles mehr. So viele Initiativen von Bürgern kenne ich kaum aus vielen anderen Städten. Wie es in Dresden und dem restlichen Sachsen ist, will ich nicht beurteilen, da ich es nicht weiß.
    Natürlich wundert man sich über einige Dinge in Sachsen (ewige CDU-Herrschaft, Pegida am Stärksten), aber immer gleich alle Sachsen in einen Topf zu werfen finde ich etwas vorschnell. Ich bin im übrigen selbst kein Sachse. (Zitat: "aber dafür sehr viele Kopf-in-den-Sand-Stecker gibt. Vielleicht sind Sachsen einfach zu harmoniebedürftig und konfliktscheu?")


    Man kann als Partei oder Gruppe klar Stellung beziehen, das ist ja durchaus sinnvoll, nötig und legitim. Aber "sich distanzieren" hat nun den Beigeschmack, als würde man jegliche Mitschuld von sich weisen wollen.


    "Entproblematisierung" - nunja, wie auch immer du es nennst - Menschen haben schlicht das Recht, eine Meinung zu vertreten. Wenn sie gegen die Demokratie sind, dürfen sie das, so lange sie keine Gewalt ausüben (was in LE aber vorkommt). Wenn jemand gegen Migranten ist, darf er das auch sein, es auch öffentlich äußern, so lange er/sie keine Gewalt anwendet (wenn dies passiert, gehören die Leute verurteilt). Wenn jemand gegen Schwule und Lesben ist, darf er/sie das ebenso. Wenn jemand neue Architektur oder Gründerzeit sch... findet, darf er das auch... das kann man ewig erweitern. So lange keine Gewalt im Spiel ist oder volksverhetzenden Meinungen vertreten werden, ist es legitim, auch wenn es einem nicht gefällt.
    Wir können die Leute nicht per Zwang Meinungen aufdrücken (dann kann man das Recht auf Meinungsfreiheit aus dem GG streichen) und auch wenn dir wie mir viele Äußerungen von Pegida nicht gefallen oder zu pauschal sind. Die Kritik sollte sich gegen die fehlenden Konzepte bei der Flüchtlingspoltik richten und nicht gegen die Flüchtlinge, die kommen ja nur her, weil sie denken, es geht ihnen "in der westlichen Welt" und v.a. in Deutschland besser.
    Nur weil man die "Pegidas" als Problem und Deppen hinstellt, ändert man nicht deren Meinungen! Und das finde ich wiederum das eigentliche Problem.

  • Polizeiobermeister R. wegen Körperverletzung im Amt angeklagt

    Als kleiner Nachtrag zu einer Diskussion hier oder im Thread zu Legida/Pegida (falls dort, bitte verschieben):


    Mopo24, 10.06.2015
    Jetzt geht es dem Prügel-Polizisten an den Kragen
    https://mopo24.de/nachrichten/…en-pruegelpolizisten-7702


    Gegen den Polizeiobermeister R. (28), der in Chemnitz im Februar bei einer Cegida-Demo einen 16jährigen Gegendemonstranten geschlagen hatte, erhob die Staatsanwaltschaft am Dienstag Anklage wegen Körperverletzung im Amt. Dafür drohen bis fünf Jahre Haft. Staatsanwältin Ingrid Burghart (50): „Der Geschädigte drohte den Polizisten aus dem Haltegriff zu entgleiten. Da schlug R. dem Geschädigten mit der Faust auf die Rippen.“ Ein Vergehen, „denn der Geschädigte leistete keinen Widerstand“.


    Vermutlich wird R. bereits 1. Juli vor Gericht stehen, weil er bereits im September 2014 bei einer Kontrolle am Roten Turm einem Bürger mehrere Schläge verpasst haben sollen. Möglicherweise wird das Gericht aber auch beide Prügel-Fälle gemeinsam verhandeln.

  • altbaufan
    Ich vergaß - du warst ja der, der so gerne alles überinterpretiert. :D


    Was bedeutet konkret Mitschuld? Muss man dann alle Pegida-Anhänger anklagen?
    Muss man alle Linksautonomen anklagen, die Gewalt verharmlosen, weil sie Mitschuld haben?
    "Schuld" ist in diesem Zusammenhang ein ziemlich grauer Bereich und würde schnell ziemlich viele Menschen auch in anderen Zweigen abseits von Flüchtlingsthemen erfassen. Am Ende ist dann jeder aufgrund seiner Meinung an irgendwas schuld, da niemand glattgebügelt nur den Mainstream nachplappert. Jeder hat in irgendeinem Thema abweichende Meinungen (Beispiele dazu vom Mindestlohn über AfD, Pegida, Sozialismus, Merkel, Minderheiten bis hin zu Gentrifizierung oder was auch immer) und ist deswegen noch lange nicht "Schuld".


    Du greifst dir einen Begriff raus ("Mitschuld"), beziehst dich dann ausschließlich auf diesen, und interpretierst viel zu viel da rein. Mir ging es nur darum, dass ich deine These, Pegida habe mit der zunehmenden rechten Gewalt womöglich nichts zu tun, für falsch halte. Das führe ich auch weiter aus, aber darauf gehst du gar nicht ein. Stattdessen reitest du auf dem einen Begriff rum und zimmerst dir dazu irgendeine Geschichte zusammen.


    Natürlich wundert man sich über einige Dinge in Sachsen (ewige CDU-Herrschaft, Pegida am Stärksten), aber immer gleich alle Sachsen in einen Topf zu werfen finde ich etwas vorschnell.


    Auch hier wieder: das hab' ich gar nicht getan. Ich habe geschrieben, dass ich den Eindruck habe, es gebe sehr viele Kopf-in-den-Sand-Stecker. Letzteres impliziert, dass es nicht alle sind und ersteres, dass es nur mein subjektiver Eindruck ist, der selbstverständlich komplett falsch sein kann.


    Wir können die Leute nicht per Zwang Meinungen aufdrücken (dann kann man das Recht auf Meinungsfreiheit aus dem GG streichen) und auch wenn dir wie mir viele Äußerungen von Pegida nicht gefallen oder zu pauschal sind.


    Will doch auch niemand. Aber genauso wie Pegidisten ihre menschenfeindlichen Meinungen äußern können, solange sie sich damit im Rahmen des Gesetzes bewegen, können andere auch ihre pegidistenfeindlichen Meinungen äußern. Dass man Pegida dagegen verteidigen will, das geht mir nicht in den Kopf. Ich verstehe es nicht.
    Wenn es wirklich darum ginge, die Demos zu verbieten oder Pegida anderweitig per Gesetz mundtot zu machen, dann könnte ich das verstehen, und würde mich sogar anschließen. Aber darum geht's ja gar nicht. Ich weiß nicht, wo das mit dem "per Zwang" überhaupt hernimmst.


    Ich habe den Eindruck, dass du jedes Wort, mit dem du nicht übereinstimmst, direkt negativstmöglich interpretierst. Eine komische Angewohnheit. ;)


    Nur weil man die "Pegidas" als Problem und Deppen hinstellt, ändert man nicht deren Meinungen! Und das finde ich wiederum das eigentliche Problem.


    Das stimmt sicherlich. Trotzdem ist es wichtig, Pegida zu verdeutlichen, dass sie ein Problem und ein Haufen Deppen sind. Rechtsextremen sollte kein Fußbreit Öffentlichkeit ohne Widerstand (im gewaltfreien und gesetzeskonformen Sinne) überlassen werden. Dafür ist das menschenfeindliche Gedankengut zu gefährlich. Das gilt es einzudämmen.


    Klar: Ursachen wie wirtschaftliche und soziale Missstände und Ungerechtigkeiten oder die ja tatsächlich vorhandenen Probleme bei der Bewältigung der hohen Flüchtlingszahlen sind der bessere Ansatzpunkt - sie zu beseitigen brächte mehr als Pegida den Stinkefinger zu zeigen.
    Aber der Stinkefinger ist trotzdem wichtig. Denn solche Probleme kann man auch ansprechen, ohne Menschenfeind, Hassbatzen, Rassist zu sein.


    Ich bin im übrigen selbst kein Sachse.


    Beileid oder Glückwunsch! :D
    (Ich bin übrigens Halbsachse, rein nach der Blutlinie gehend.)

  • na ja, Pegida hat eine "Grundstimmung" angeheizt, die zumindest in einigen Regionen dazu führt, dass man Angriffe auf Migranten jetzt besser rechtfertigen kann. So nach dem Motto "is doch gerade hip, dagegen zu sein". Ich schreibe das jetzt aus der Sicht derer, die so denken... also bitte nicht falsch verstehen ;). Insofern kann ich dir da zustimmen.


    Ich nehme das per Zwang von vielen Diskussionen, Artikeln in den Medien usw. - wenn man auch nur versucht, Pegida mal differenzierter zu beleuchten und die Hintergründe herauszufinden ("alles Hinterwäldler und Dorfdeppen" ist zu oberflächlich), ist man sofort deren Freund und auch Pegida, Nazi, Rassist, Whatever. Und genau da beginnt das "aufzwingen", wenn man kaum noch differenziert nachdenken und argumentieren kann. Alle müssen das gut finden, basta. Erst vor kurzem wieder in einer Diskussion (Radio) gehört, die Menschen "MÜSSEN" ihre Meinung zu Flüchtlingen ändern. Mit diesem MUSS wird der Zwang ja deutlich gemacht. Entweder, du findest das gut, oder du bist Nazi. Differenziertes Denken (Konzepte, Arbeitserlaubnis, welche brauchen wirklich Hilfe und welche nicht, Integration, ...) ist zumindest teilweise unerwünscht.
    Denn gerade in Hochzeiten waren viele bei Pegida irgendwelche normalen Leute, die vielleicht noch nie bei der NPD ihr Kreuz machten und da nicht mal im Traum dran denken.


    "dass sie ein Problem und ein Haufen Deppen sind"
    Der kleine Rest vielleicht, aber als 15.000 dort waren siehe oben. Es waren nicht nur "Deppen", was auch die Studie der TU Dresden belegt.
    Hier beginnt das bereits angesprochene Problem: Die Leute dürfen die meinung nicht haben, weil sie dann Deppen, Probleme, Nazis, Rassisten sind. Basta. Diskussion unerwünscht. Mit solch Haltung fördert man doch gerade den Trotz dieser Menschenm die sich dann sagen "jetzt erst Recht".


    Kurz: Der jetzt verbleibende Haufen von Pegida ist sicher eher Typ "Depp", diese Meinungen sind aber weit mehr verbreitet als man bei Pegida sieht, egal in welcher Bildungsschicht. Die eigenen Beweggründe sind vielseitig und nicht zu unterschätzen. Denn Flüchtlinge sind ein einfaches Feindbild, sie können sich nicht wehren. Wer hingegen "blöde Politiker" propagiert, findet seltsamerweise immer weniger Anhänger, als wenn es gegen Ausländer geht. Obowohl man wenn überhaupt gegen die Konzeptlosigkeit der Politik demonstrieren müsste.
    Einer denkt, ihm wird seine Sozialleistung deswegen genommen/gekürzt, der nächste macht sich Sorgen um "wie integrieren wir die", wieder n anderer sieht zu viele Billiglohnarbeiter, die Deutsche ersetzen... was davon am Ende berechtigit und was Mythos ist, kann man (meistens) mit Statistiken belegen.

  • Daran muss man sich in Sachsen gewöhnen: Nach rechts kuschen, verharmlosen, Verständnis aufbringen, von "besorgten Bürgern" faseln, bloß nicht verallgemeinern und am Besten noch für die Pressekonferenz der rechten Drahtzieher für lau die Räumlichkeiten der Landeszentrale für politische Bildung bereitstellen. Und wenn's dann mal richtig knallt, wie zuletzt in Hoyerswerda, dann genügt ja eine Pressemeldung. Wenn aber 100 linke Chaoten in Leipzig randalieren, dann wird gleich die ganze Stadt in Sippenhaft genommen. Die Stadtgesellschaft soll sich erklären, die Linken sollen sich erklären, die Grünen sollen sich erklären, der OB soll sich erklären, die Nagel, der Kasek und alle anderen, die sich für ein zivilgesellschaftliches Miteinander einsetzen, sollen sich gefälligst auch erklären. Und alle haben sich zu den Vorfällen erklärt, Stellung bezogen und sich von den Gewalttaten distanziert, was für meine Begriffe nicht notwendig war, weil keiner, der sich distanziert hat, Schuld an den Ausschreitungen hat. War natürlich auch wieder nicht richtig, weil die betroffenen Personen, die in die Defensive geraten sind, als hätten sie die Taten selbst begangen, nun bagatellisieren und relativieren würden.


    Zugespitzt lässt sich Folgendes sagen:


    • Messerstecherei im Asylheim = Asylanten sind kriminell!
    • Islamistischer Terroranschlag irgendwo auf der Erde = Der Dönermann bei mir in Schkeuditz ist bestimmt auch so ein Islamist.
    • 100 Linke Chaoten machen Krawall in Leipzig = in der Stadt leben nur Linke, Punks, Asoziale und Bekloppte. Der Rechtsstaat ist in Gefahr.
    • 30.000 Pegidisten und brennende Asylheime in Sachsen = Nicht verallgemeinern, Sachsen hat kein Problem mit Ausländerfeindlichkeit.



    Der Innenminister beweist einmal mehr seine Unfähigkeit und seine verquere Logik, wenn er die Verantwortung, die er für die Sicherheit in Sachsen trägt, auf die Leipziger Zivilgesellschaft abschiebt und sie auffordert, sich stärker gegen linksextremistische Gewalt abzugrenzen. In Leipzig gilt seit der friedlichen Revolution in jeder politischen Auseinandersetzung das Credo: Keine Gewalt! Wenn in Leipzig lt. Verfassungsschutz 90 linke Krawallos leben, die in regelmäßigen Abständen guerillamäßige Angriffe auf Gerichte, Polizeistationen, das Ausländeramt und anrückende Polizisten starten, dann ist es die Aufgabe von Polizei und Justiz, diese Straftaten zu verfolgen und aufzuklären. Herr Ulbig, machen Sie also ihren gottverdammten Job und verschonen Sie uns mit hanebüchenen Schuldzuweisungen!

  • Ich möchte mich von deinem teils doch mehr polemisch - überspitztem Posting definitiv distanzieren (womit wir wieder beim Thema sind, haha), da ich nirgendwo solch übertriebene Aussagen getroffen habe, wie sie hier vorhergehend geschrieben stehen.
    Wir haben rechtsaußen wie linksaußen kleinere Gruppen, die kein Problem mit Gewalt haben. Egal ob diese gegen Objekte/Gegenstände, den Staat oder Personen gerichtet ist, alles ist konsequent zu verfolgen. Frau Nagel, Herrn Kasek oder Pegida die "(Mit)Schuld" an den jeweiligen Taten oder dessen Verharmlosung zu geben, halte ich für falsch.
    Linke Randale und Angriffe auf Asylbewerber gab es auch vor Fr. Nagel oder vor Pegida.
    Danke.


    So etwas (Ausschreitungen verschiedener Gruppen) gibt es in jedem Land Europas. Insofern weiß ich nicht, wieso hier permanent auf Sachsen rumgehakt wird, als wäre es ein Sonderfall und von rechts und links außen am meisten bedroht.
    Pegida hat hier (DD) seinen Ursprung und ist auch ziemlich groß gewesen, die genauen Gründe kann ich aber noch immer nicht nachvollziehen. Schließlich gibt es auch in Brandenburg, S.-Anhalt, Meck-Pomm, Thüringen wenig Ausländer und mehr Skepsis als in den westl. Bundesländern, wo das ganze schon länger "normal" ist. Vermutlich liegt es auch daran, dass in keinem anderen Bundesland Städte mit 500.000 EW existieren (= dünner besiedelt)?

  • ^ Mein Beitrag bezog sich nicht auf dich, sondern auf die Diskussion allgemein. Ich finde nicht, dass das missverständlich war.

  • ^
    Ich dachte eher auf beides, zB Ulbig auf die Allgemeinheit und manch andere Anmerkung direkt auf mein Posting davor.
    Aber gut, dann ist das klar.


    Mal sehen, was am Montag in Leipzig passiert, jetzt sind bestimmt viele im Urlaub, wenn nur 100 statt 1000 kommen (Begründung der Veranstalter) :D