• Hallo,

    1. das Thema Ryanair ist ein ryanairsprezifisches Thema. Sie gehen eher wegen der potentiellen, gewerkschaftlichen Aufstellens ihres Flugpersonals vom Standort Deutschland weg.
    2. Es ist schon mehr als schäbig, von diesem Thema abzulenken und alles auf "den schlechtesten Flughafen Europas" zu schieben. Wenn der Flughafen so der Albtraum wäre, hätte man nicht letztes Jahr einen Ryanair-Wartungshangar gebaut.
    3. Wenn die Situation so schlecht wäre, würden Eurowings, Wizzair und seicht Easyjet nicht ihre Möglichkeiten ausbauen.
    4. Aber natürlich fördern die vergleichsweise hohen Abgaben, die Russlandsanktionen und auch die Nachwirkungen der airberlin Pleite nicht gerade die Umsetzung des Ursprungskonzeptes.
    5. Aber es gibt auch Lichtblicke wie Air Transat, Air Canada, wie auch in Zukunft hoffentlich Emirates, Vjetjet und auch Air India.
    6. Weiterhin wird Eurowings, wenn sie die 737 Max einflotten, garantiert am BER weiterhin wachsen.
  • Ach Oranien , du immer mit deiner Untergangs-Geige...

    Das ist genau das Mindset, was dazu geführt hat, dass im Berlin der späten 90er/ Anfang der 00er-Jahre städtische Wohnungen en masse verscherbelt wurden, der Nord-Süd-Bahntunnel und der BER unterdimensioniert geplant wurden und der U-Bahnausbau effektiv eingefroren wurde (etc pp). Reflexhafte Reaktionen, geboren aus der scheinbar inhärenten deutschen Abstiegsangst, die uns schon kurze Zeit später auf die Füße gefallen sind.

    Natürlich ist es kurzfristig erstmal schlecht, wenn eine Airline ihre Basis am BER schließt, aber erstens ist die Luftverkehrsbranche ein extrem dynamischer und umkämpfter Markt und man konnte beobachten, wie andere Airlines unmittelbar in das entstandene Vakuum vorgedrungen sind. Natürlich nicht 1:1, aber das ist ein laufender Prozess und man kann davon ausgehen, dass die Nachfrage (+x) von anderen Akteuren bedient werden wird, auch wenn ein, zwei magere Jahre dazwischen liegen. Zweitens verwechselst du meiner Meinung nach Ursache und Wirkung, denn wirtschaftliche Attraktivität schafft Flugverkehr in weit größerem Maße, als Flugverkehr wirtschaftliche Attraktivität schafft. Natürlich stimulieren vorhandene Kapazitäten auch Wirtschaftswachstum, aber sie sind doch nicht die treibende Kraft desselben, insbesondere, wenn es sich wie beim BER nicht um den Hub einer Fluggesellschaft handelt. Und drittens setzt Ryanair zur Zeit in ganz Europa den Rotstift an, weil die Airline im allgemeinen eben in Schwierigkeiten steckt.

    Daher würde ich aus dieser Entwicklung keine derart grundsätzlichen und weitreichenden, fatalistischen Schlüsse ziehen. Das Schicksal des BER (und Berlins) ist nicht mit Ryanair verknüpft.

  • Der BER hatte im August übrigens ein hauchdünnes Plus von 0,2%. Insgesamt bleibt es aber bei einem Minus von -0,2%. Also tendenziell eher Stagnation. Durch Ryanair rechnet man jetzt aber ab November mit einem deutlicheren Rückgang, der sich auch 2027 bemerkbar machen werde. Man werde daher alle Ausgaben genau prüfen und Sparpotentiale realisieren sowie Investitionen verschieben (insbesondere falls diese nicht ihrerseits zur Kostenreduzierung beitragen).
    Quelle n-tv.de

    Zumindest kurz- bis mittelfristig tut der Rückzieher bei Ryanair also tatsächlich weh. Ein Loch von -2,5 Mio Passagieren pro Jahr muss man erstmal irgendwie füllen. So stark werden die Wettbewerber absehbar nicht wachsen, auch wenn sie teils in Lücken stoßen. Dass man nun "alles auf den Prüfstand" stellt, zeigt mE den wirksamen Druck.

    Andererseits: Irgendwann ist es dann halt auch vorbei mit dem Drohpotential. Der BER stellt sich (notgedrungen) entsprechend auf und die Nachfrage wird schon bedient werden.

    Einmal editiert, zuletzt von jan85 (15. Oktober 2026 um 17:01)

  • Interessantes Feedback, aber:

    - bei den Sekundäreffekten gibt es natürlich auch diesen Kreislauf-Effekt. Aber in den von mir geschilderten Fällen ist die Wirkung der letzten Jahre nunmal so herum: Bin ich Sammler aus New York komm ich halt ohne umsteigen einfacher nach Paris, nach Zürich oder London - als nach Berlin. Das wirkt sich nicht absolut aus - aber relativ. Dasselbe zum Beispiel für die Clubszene. Das billige "Berlin-Clubbing-Wochenende" aus London kommend für ehemals 350 Euro incl Hotel und ein paar Drinks in der Wilden Renate kostet jetzt halt 600 Euro. Es liessen sich viele weitere Effekte anführen - natürlich auch solche, die exogen sind (Wegfall die russischen Touristen, zum Beispiel)

    - es ist bequem Defätismus zu unterstellen. Ist mir fremd. Ich habe in Berlin schon ein paar Unternehmen gegründet und nicht ganz so wenige Arbeitsplätze geschaffen. Das Problem von Berlin ist aus meiner Sicht genau umgekehrt: Die Tendenz, Probleme und damit notwendige Anpassungen so lange klein zu reden bis es am Ende umso mehr weh tut. Wem Berlin am Herzen liegt der/die: 1.) Redet nicht nicht sondern macht was. 2.) Redet nicht klein sondern hat Augenmass. Was Augenmass ist, darüber lässt sich freilich streiten.

    - Ein Beispiel dafür: das wachsende Delta zum Rest von Europa lässt sich mit Ryanair nicht weg-erklären. Ein guter Teil des wachsenden Delta ist ja ausserdem politisch gewollt. Wir haben uns als Gesellschaft dafür entschieden, Flugverkehr zu behindern und zu beschränken. Das ist vollkommen legitim - solange man dann auch erwachsen genug ist, mit dem Konsequenzen zu leben.

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Es ist schon mehr als schäbig, von diesem Thema abzulenken und alles auf "den schlechtesten Flughafen Europas" zu schieben. Wenn der Flughafen so der Albtraum wäre, hätte man nicht letztes Jahr einen Ryanair-Wartungshangar gebaut.

    Der lustige Ire ist Trump sehr sehr ähnlich, diese kindische Trotzreaktion nicht mehr wirklich überraschend. Heute so, morgen so und immer sind die anderen Schuld.
    Nur meine Meinung: Gut, dass Ryan wir lieben Ausbeutung Air sich z.T. zurückzieht. Früher oder später dürften andere, bessere Airlines die fehlenden PAX kompensieren - bis dahin wird der Teilrückzug auch nicht dazu führen, dass die "Berliner Kunst-Szene, Club-Szene, Event-Szene und der Konferenz-Standort Berlin" den Sargnagel eingehämmert bekommen :)