Die Situation wird immer schlimmer. Die Kritik reißt nicht ab und gerade die Haltung der Linkspartei - (trotzige?) Standing Ovations für Holm! - und des Senats insgesamt - abwarten, passiv sein, Holm wird schon alles ausräumen - erzeugt zunehmend Fassungslosigkeit und Wut:
-Brandenburger Politiker haben die Kritik aus Thüringen inzwischen 1 zu 1 bekräftigt, was ich schon für sich genommen absolut bemerkenswert und auch vollkommen richtig finde! Nestbeschmutzer sind hier schließlich die Berliner Genossen, nicht umgekehrt. In der Mark hätte Holm nicht mal auf der Ebene unter den Staatssekretären eine Chance gehabt (auch ohne falsche Angaben).
-Sämtliche DDR-Insider bezeichnen Holms angebliche Nichtkenntnis als vollkommen unglaubwürdig. Er hätte sehr gute Kenntniss von den Strukturen der Stasi gehabt, eine spezielle Uniform mit einem S getragen, ungewöhnlich kurz Wehrdienst geleistet und dabei ein vielfaches des üblichen Solds bezogen. Es sei völlig auszuschließen, dass er dies nicht mitbekommen oder vergessen haben könnte.
-Zudem ist die hauptamtliche Stasitätigkeit in einem taz-Artikel von 2007 thematisiert worden, ohne dass Holm dabei oder anschließend etwas dagegen eingewendet hat.
-Somit müsste er schon formal sowohl bei der Humboldt Universität als auch beim Senat wegen falscher Angaben entlassen werden. Darin sind sich wiederum Experten für Personalrecht einig.
-Das Thema linksextreme Gesinnung und Kontakte zu systemfeindlichen, gewaltbereiten Extremistenkreisen wurde dabei noch nicht einmal näher behandelt, ist mE aber ebenfalls ein Pulverfass.
Wer weiter auf Abwarten setzt, ist der Berliner Senat. Lompscher entblödet sich, die Klärung weiterhin Juristen überlassen zu wollen. Ein in der Aufarbeitung des DDR-Unrechts engagiertes Opfer des SED-Regimes will dabei offenbar aktiv helfen und hat wegen der Falschaussagen Anklage bei der Staatsanwaltschaft erhoben. Müller will indessen ebenfalls externe Prüfungen abwarten, wirkt dabei aber gewohnt unsouverän. Angeblich soll es hinter den Kulissen aber bereits heiß hergehen und auch zwischen den Parteien soll reger Austausch betrieben werden. Der offizielle Austausch im großen Rahmen, von dem man angeblich in Konfliktfällen rege Gebrauch machen wollte, wird indessen bemüht vermieden. Transparenz fordert man eben immer am liebsten aus der Opposition.
Ich habe aus praktischer Erfahrung mit der Bildungspolitik linker Parteien (viel Ideologie und Aktionismus bis hin zu regelrechter Reformwut mit meist absolut kontraproduktiven Resultaten) nie große Illusionen gehabt. Gehofft hatte ich dann aber natürlich doch. Inzwischen kann ich mich langsam nicht mehr zwischen
,
oder deutlich Schlimmerem entscheiden, dass ich hier lieber nicht graphisch darstellen möchte. Meine schlimmsten Befürchtungen in Sachen Fähigkeit zu pragmatischer Regierungsarbeit und generelle Handlungsfähigkeit sind schon an Tag 0 eingetreten; mein Ärger als bisher meist brav linker Wähler (diesmal wegen besagter Bildungspolitik erstmals bewusst nicht und doch hat es dank AFD nichts genützt) über diese Unfähigkeit und Bräsigkeit kennt aktuell kaum noch Grenzen. Wenn die jetzt nicht sehr schnell den Hintern hoch bekommen und liefern, werden das sehr lange oder dann hoffentlich doch lieber sehr kurze 5 Jahre.
Quellen:
Berliner Zeitung
Berliner Zeitung die zweite
Tagesspiegel
MoPo
Berliner Kurier
BZ
MoPo Leserbriefe
Auch die Medien einig wie selten (übrigens alles lesenswerte Artikel, selbst in den Boulevardblättern)...