Quartier am Tacheles

  • Wie geschrieben, dadurch, dass mit der Fundus-Gruppe der falsche Investor am Start war, wurde das gesamte Vorhaben (unabhängig der Duany'schen Planung) auf Jahre blockiert (das Tacheles an sich hatte damit natürlich wenig bis gar nichts zu tun). Wer anderes als der zu diesem Zeitpunkt ausführende Investor/Grundbesitzer soll da auch was planen?


    Um mal zu einen Kompromiss zu kommen, gehe ich mit dir in den Punkt überein, dass solange es keinen konkreten Baubeginn gibt und die Anwesenheit der Tacheles-Nutzer keine Behinderung in der Entwicklung des Bauvorhabens darstellt, der Kunstverein weiterhin die Ruine benutzen können sollte.


    Hörts ihr jetzt mal mit dieser bescheuerten Biederkeits-/Sauberkeits- vs Schäbigkeitslook-Diskussion auf! Das kann gerne in der Lounge besprochen werden.


    Dases erster Absatz ist übrigens, falls noch nicht bekannt, völlig korrekt - nachzulesen auch bei Wiki.

  • Man beachte auch das Interview von Andres Duany in der Welt aus dem Jahr 2000. Duany lobte damals die Arbeit Stimmann und äußerte seine Bewunderung für die Neubauten des Potsdamer Platzes und der skandinavischen Botschaften. Duany wurde als einer der führenden Vertreter des New Urbanism aus den USA beschrieben. Duany kritisierte allerdings an Berlin, dass die meisten Fensterproportionen recht grob ausgefallen wären. Mit der Bebauung am Tacheles möchte er sich an den Hackeschen Höfen orientieren.
    http://www.welt.de/print-welt/…nderes_anbieten_will.html


    (M.M. Mit den Fensterproportionierungen kann er nur die Bauten von Jürgen Sawade gemeint haben, der tatsächlich bei mehreren seiner Bauten extrem klobige Panoramafenster einbauen ließ.)

  • BILD Niveau

    DaseBLN ^
    Sorry aber ein 'Biotop', dass nur durch kontinuierliche Vermüllung und Verfall von Seiten der Nutzer entstand, ist nun wahrlich kein Fall für's Umweltamt. Ansonsten erhebt irgendwann jeder Messie Anspruch auf behördlichen Beistand.


    Sorry, aber auf dem Niveau zu argumentieren ohne einen blassen Schimmer von dem Sachverhalt zu haben, klingt für mich nach BILD Zeitung - Meinung ohne Hintergünde. Das Biotop ist entstanden, weil mehrere Leute, die nicht mal direkt zum Tacheles gehören, seit zwei Jahren viel Zeit, Geld und vor allem Arbeit da rein gesteckt haben, um eine brach liegende Sandfläche, die zuvor als Müll- und Pissecke benutzt wurde, attraktiv zu gestalten. Obendrein ohne Geld daran zu verdienen - im Gegensatz zu solchen Zwischennutzungen, wie bei der Bar 25, die ja wohl eine echte Goldgrube für die Betreiber ist, haben hier einzig Familien aus dem Kiez und deren Kinder, Schulklassen und natürlich auch Touristen davon profitiert. Wenn hier einfach nur vollendete Tatsachen vom Zwangsverwalter geschaffen werden sollen ohne konkretes Bauvorhaben, ist das tatsächlich eine "Rambo Manier", die nur die Konzeptlosigkeit, die hier vorherrscht, unterstreicht. Mehr Information gibt es auch in der aktuellen Ausgabe der Berliner Woche, Seite 2:
    http://www.berliner-woche.de/index.php?id=4&bezirk=MI
    Mein Rat: Erstmal mit dem Sachverhalt auseinander setzen, bevor man öffentlich eine Meinung glaubt hinausposaunen zu müssen!

  • themenkontrolle

    @ Bato.
    Eine Architekturdiskussion darf auch gerne etwas weiter gefasst werden oder? Oder endet es hier im Forum beim Thema 'ist die fassade hübsch genug?'. Für die meisten Forumsnutzer scheint das Thema in diesem Thread zu sein: Wie unordentlich darf/darf nicht eine Innenstadt sein. Und das Tacheles bietet sich geradezu zu diesem Thema an.

  • ^

    hörts ihr jetzt mal mit dieser bescheuerten biederkeits-/sauberkeits- vs schäbigkeitslook-diskussion auf! das kann gerne in der lounge besprochen werden.


    Und das Tacheles bietet sich geradezu zu diesem Thema an.
    Nicht jedoch wenn hier eine Grundsatzdiskussion vom Zaun gebrochen wird; dann bitte ab in die Lounge.

  • Wenn im nächsten Jahr die Zwangsversteigerung des Tacheles ansteht, dann soll das Areal nicht im Ganzen sondern in Einzelteilen versteigert werden. Beim vom Gericht festgesetzten Verkehrswert der Kaufhausruine von 3,58 MEURO rechnet sich sogar das Kunsthaus selbst Chancen aus, erfolgreich mitbieten zu können. Doch auch bei einem Misserfolg wolle man das Gebäude nicht räumen.


    Artikel Tagesspiegel

  • Der Artikel hat mich dazu angeregt nach Details über die ursprüngliche Passage zu suchen. Mein Gott war das ein schöner Gebäudekomplex. Warum wird das nicht rekonstruiert? Je mehr ich vom "alten" Berlin sehe je mehr denke ich: die Berliner hatten echt mal richtig guten architektonischen Geschmack.

  • die passage hat wohl auch nicht besonders gut funktioniert, seinerzeit, die geschäfte schlossen wohl schon wenige jahre nach eröffnung und der komplex wurde dann umgebaut. das nördliche ende der friedrichstraße ist auch heute nicht unbedingt ein shopping hot spot.

  • Naja, das nördliche Ende beginnt ja sich zu entwickeln. Dort ist es in den letzten Jahren doch deutlich gepflegter geworden und die schicke Spandauer Vorstadt tut ihr Übriges - vor 100 Jahren war da von Schick noch nichts zu spüren. Soweit ich das verstanden habe, funktionierten die Hackeschen Höfe damals auch nicht so tadellos wie das heute der Fall ist.
    Egal, die aufteilung in verschiedene Grundstücke halte ich auf jeden Fall für eine gute Entscheidung. Abgesehen von der Tatsache, dass große Grundstücke momentan sicherlich schwerer zu veräußern sind, erhoffe ich mir davon eine größere Variabilität in der Architektur. Nichts gegen Duany's älteren "Manhattan-Entwurf", aber bei der Größe des Areals wäre der vielleicht ein wenig eintönig geworden. Außerdem kann man von verschiedenen Investoren doch zumindest bedingt differenzierte Vermietungskonzepte bzw. eine unterschiedliche Qualität von Flächen und somit Preisen und somit Gewerbetreibenden erwarten. Ach, schön, wenn man mit so einer vermeintlich harmlosen Meldung gleich so viele gute Assoziationen hat...

  • Naja...da muss man zwischen oestlicher Spandauer Vorstadt (Scheunenviertel -> Rotlichtmilieu etc.pp.) und der damals schon feinen, grossbuergerlichen und stark juedisch gepraegten westlichen Spandauer Vorstadt differenzieren. Die Grenze zwischen diesen beiden Teilen ist auch heute noch recht gut an der Architektur der weitgehend erhaltenen Bebauung erkennbar. Die Grenze lag ungefaehr entlang der Rosenthaler.

  • Das wird dann schwierig mit dem Erwerb der Ruine... Schade, ich geh da so gerne rein, vor allem der Russe ganz oben hat geniale Bilder. Wobei, wenn jeder Italiener oder Franzose nen Euro spenden würde käm bestimmt eine Menge Geld zusammen :lach:

  • ich finde diese Ecke muss ganz klar dreckig, versifft und ruinös bleiben. Als letzte subkulturelle enklave im hochglanz scheunenviertel.


    Jaja ich weiss Tacheles hat als Kunststandort keine bedeutung. Aber die Ästhetik des Verfalls funktioniert hier einfach so wunderbar und das ding an sich ist einfach ein Gesamtkunstwerk.

  • Dir ist schon klar dass Sanierungen nicht bloß kosmetische Gründe haben? Irgendwann wird es schlicht lebensgefährlich sich in baufälligen Gebäuden aufzuhalten und will man ein Gebäude langfristig erhalten muss es auch baulich gepflegt werden.

  • Das hielte ich ausnahmsweise dann aber wirklich für eine künstliche "heile" Welt. Für eine bestimmte Klientel "heil", ein konservatorisch erhaltenes Biotop aus einer anderen Zeit - etwas was spontan entstanden ist kann man nicht geplant erhalten ohne den spontanen Charakter zu zerstören - so oder so würde es damit zur Kulisse.

  • ^ Quatsch mit Soße und Weißwurst. Es geht hier um Substanzerhaltung vs. Komplettsanierung und nicht darum, künstlich Patina aufzutragen oder das Gebäude zweimonatlich zu berußen, damit es schön schwarz bleibt. Hier muss nichts konservatorisch erhalten werden, hier muss einfach nur nicht mit Goldstaub saniert werden. Ich vermute mal, nichts anderes haben Snitch und der Stadtplaner gemeint.

  • Dir ist schon klar, daß man die Bausubstanz erhalten kann, ohne den Ruinenlook zu beseitigen ?


    Warum sollte man? Und vor allem wer? Wer auch immer dort baut bzw. rekonstruiert, wird es nicht aus Idealismus tun. Diejenigen, die jetzt dort sitzen, können es nicht finanzieren und es ist nun klar, dass sich daran auch zukünftig nichts ändert.
    Und angesichts dieser Tatsache, will sich mir wirklich nicht erschließen, wie man ernsthaft den Erhalt von Verfall propagieren kann?