Kö-Bogen 1. BA (Altthread bis 2008)

  • Der 1000füßler bildet eine deutliche und dazu häßliche Zäsur zwischen dem besseren Teil der Innenstadt (Kö, Altstadt, Carlstadt) und dem weit schlechteren (Schadowstraße, Stadtmitte und Teile von Oberbilk). Nebenbei ist er eine Lärmquelle, die sich um so mehr bemerkbar machen wird, wenn andere Straßen unter die Erde wandern.

    So denke ich auch. Mir fallen genau drei solche Estakaden in den Innenstädten ein: In Düsseldorf, in Bremen zwischen dem HBf und der Altstadt (gibt es die noch? ich empfand sie immer sehr störend) und in Breslau am Ostrand der Altstadt (diese zwei Stück in Breslau sollen wech, bereits beschlossen).

    Wer sagt übrigens, dass das neue Gebäude nicht so schön sein könnte, dass es zum Wahrzeichen der Stadt wird? :) (Heutzutage wenig real, aber träumen kann man ja...)

  • Ich hänge nicht am Tausendfüßler; aber die Verantwortlichen beim Denkmalschutz haben sich sicherlich etwas gedacht, als sie die Hochstraße unter Schutz stellten. Durch einen Eintrag in eine Denkmalliste darf sicherlich keine Planung behindert werden, aber es muß gut überlegt und argumentiert werden.
    Die oft zitierte Barrierewirkung ist bei Tunnelrampen für Fußgänger übrigens noch größer; auch wenn sie optisch zuerst weniger auffällt.
    Der Straßenverkehr gehöhrt nun einmal zu modernen Städten und zu unserer heutigen Gesellschaft dazu; das kann sich sicherlich irgendwann mal ändern, aber derzeit ist es noch so.

    Ich persönlich finde den Fassadenentwurf von HPP auch sehr ansprechend, vorallem von der Kö aus betrachtet ist er auch der Straße angemessen; aber vorerst sollte über den ganzen Bereich diskutiert werden, über Nutzungen und dergleichen.
    Vier Fassaden für die gleiche Nutzung stellen eben keine ernsthaften Varianten dar.
    Das angesprochene (extrem schöne) Ensemble von Schauspielhaus und Dreischeibenhaus z. B. muß in die Planungen mit einbezogen werden; es könnte eventuell gelingen, den undeffinierten Stadtraum zwischen Jan-Wellem-Platz und Dreischeibenhaus sowie der Schadowstraße zu gestalten; und vorallem dem Schauspielhaus einen angemessenen Vorplatz zu geben (dieses ist ja planerisch schon öfters versucht worden). Auch für den Bereich um die Johanneskirche und die IHK / Beginn Immermannstraße müssen Lösungen gefunden werden; dieser eigenartige Stadtraum ist so erst in den 50ern zusammen mit dem Tausendfüssler und der Berliner Allee entstanden.
    Düsseldorf braucht nicht die erst beste Planung für das Herz der Innenstadt, sondern die Beste!

  • ...und mit einem Abriss des 1000fuesslers waere zumindest ein erster grosser Schritt zum Besten der Stadt getan!

    Die komplette Neugestaltung des GG-"Platzes" (ein nicht zu ueberbietender Schandfleck, welcher gegenwaertig als durchaus in einer ueblen, homogenen Linie zum derzeitigen JWP stehend, bezeichnet werden darf) vor dem Schauspielhaus waere dann einer von vielen weiteren synergetisch folgenden Schritten, hin zu einem wuerdigen Innenstadtbereich.

    @ Bewacher:
    Du hast vollkommen recht - Duesseldorf hat auch an Nachkriegsbauten weitaus Besseres zu bieten, als diese Hochstrasse.

    @ Enzo:
    Ja. Das Ensemble Dreischeiben-/ und Schauspielhaus verdient dringende Hervorhebung. (siehe auch hier)
    Aber wir ahnen ja mindestens, dass entsprechende Impulse von der voelligen Neugestaltung des JWP und des Schadowplatzes ausgehen werden...
    ...wenn doch bloss - wider den Stillstandsbefuerwortern aus politischem Kalkuel - endlich etwas passieren wuerde. *seufz*

  • Genau, es muß etwas passieren, aber nicht irgend etwas.
    Voreilige Zwischenlösungen sind hier Fehl am Platz.
    Wenn die Hochstraße fällt, ist z.B. die im B-Plan Kö-Bogen dargestellte Baugrenze zum Dreischeibenhaus unsinnig und wird sicherlich unmotiviert wirken. Sie ist ja auch an der noch bestehenden Hochstraße orientiert.
    OK - Hochstraße weg, am besten gleich auch die unnsinnige "Tuchtinsel".

    Es muß eben etwas weiter / größer gedacht werden; es geht hier nicht nur um ein Grundstück am Nordende der Kö. Hier werden entscheidende Weichen gestellt für die Zukunft. Wenn es gelingt diese Weichen auf "Weiterfahrt" zu stellen, bin ich der erste der für die Niederlegung der Hochstraße stimmt.
    Aber mit weniger sollten sich die Düsseldorfer nicht zufrieden geben.
    Mit einer vernünftigen Planung nimmt mann zudem allen "Stillstandsbefürworten" und Bewahrern der nicht mehr benötigten Freifläche
    (ein Platz war der JWP ja sowieso nie) den Wind aus den Segeln!

  • Die FAZ lobt Düsseldorf in einem Artikel von heute als "Gewinner unter den Metropolen".

    Hochinteressant ist der Gedanke Wulff Aengevelts, dass an Hofgarten und Kö jede Nutzung auf Anhieb funktionieren werde. Er schlägt sogar ein eine Art nordrhein-westfälisches „Centre Pompidou“ vor! Wenn es denn etwas schöner ist, als das in Paris...

  • Sehr lesenswert und informativ zusammenfassend ist der von Enzo Molinari gepostete FAZ-Artikel!
    Der Passus, wonach Renate Koelbel (Colliers Trombello Koelbel) "die Debatte über den Koe-Bogen mit Unbehagen" betrachtet, unterstreicht meine Sorge in dem ansonsten recht erfreulichen Zustand in dieser Stadt.

  • Genau, was ich immer gesagt habe - nicht die erst beste Planung ist auch ausreichend gut für Dus.; es muß eben etwas weiter gedacht werden - mit größerem Horizont. Nur so werden Nachhaltigkeit und Quallität für die Stadt erreicht.
    Bisher schien es so auszusehen, als ob schon alles klar sei; nur über die Fassade müsse noch gesprochen werden - so ist es eben nicht.
    Die City braucht nicht einfach nur Veränderung - sie braucht Verbesserung!
    Wer das nicht begreift, bremst auch.

  • Buergerbegehren ist zulaessig

    Die Initiative gegen den Verkauf der Grundstuecke auf dem JWP hat die erforderliche Zahl von 13689 Unterschriften knapp zusammenbekommen.
    War ja klar, oder?
    Damit ist das Begehren zulaessig und wir duerfen uns auf viele weitere Monate oder (mindestens zwei) Jahre an dem status quo "erfreuen". :mad:
    Sollte das Begehren inhaltlich abgelehnt werden ist das zugleich der Startschuss fuer ein weiteres Begehren.

    Mancher tate gut daran, zur Abwechslung einmal seines Naechsten Weib zu begehren... ...ehrlich!

    P.S.
    Mehr dazu und natuerlich auch zu weiteren froehlichen Polit-Begehren in D kann man hier lesen.

  • Nicht so pessimistisch, corvus:

    Zunächst mal kommt es nur zum Entscheid - wie der ausgeht ist offen.

    Wenn der Entscheid gegen den Verkauf durchkommt, dann verhindert das nun wirklich nur den Verkauf dieses Grundstücks. Die Stadt kann immer noch selbst bauen - die Tunnel z.B.
    Dann bleibt der JWP halt erst einmal leer.

  • Ich halte es für falsch, das ganze Projekt an diesen Grundstückverkauf zu hängen. Wenn er durch den Bürgerentscheid nicht abgelehnt wird, soll man den JWP meinetwegen per europaweiter Ausschreibung veräußern. Ein Hotel sollte bei der Ausschreibung aber auf keinen Fall ausgeschlossen werden! Das beste Konzept soll gewinnen!

    Wenn der Verkauf blockiert wird, sollte die Stadt das Projekt ansonsten unverändert vorantreiben:

    1. Man baut auf jeden Fall die Tunnel und die Tiefgarage für das Parkhotel! Wenn es bautechnisch sinnvoll ist, legt man auch schon die Tiefgarage unter den heutigen Jan-Wellem-Platz. Man kann sie ja bereits ohne die Neubauten nutzen - Parkplätze werden in der Gegend jedenfalls immer gebraucht.

    2. Für den jetzigen JWP sollte man dann in der Tat (wie mamamia vorschlägt) einen neuen Wettbewerb ausschreiben, der den Architekten noch mehr Freiheiten lässt (im Bezug auf die Nutzung, die Form, die Höhe, Breite...). Die (evtl. bereits gebaute) Tiefgarage ist dann halt zu integrieren - sollte kein Problem sein.

    Man hat dann ja Zeit...

  • Ein Teil der Schuld am Bürgerbegehren trägt sicherlich die Stadtspitze; durch das eigenartige Vorgehen in der Sache hat sie soetwas gefördert, und auch die Total-Verweigerer auf den Plan gebracht.
    Ein offenes Verfahren von Anfang an wäre wohl sinnvoller gewesen.
    Bevor sich (Hochbau) Architekten mit dem JWP befassen, sollten Stadtplaner den ganzen Bereich untersuchen und bewerten. Nachhaltige Ziele und mögliche Szenarien mit diversen, für die Stadt sinnvollen Nutzungen müssen untersucht werden. (Es gibt ja auch sicherlich noch einiges zwischen einem Centre Pompidou und einem reinen Verwaltungsgebäude mit Läden im EG)
    Und es geht eben nicht nur um den eigentlichen JWP; das ganze Umfeld wird hierdurch tangiert, und muß entsprechend überarbeitet werden.
    Von der Johanneskirche / Immermannstraße bis zum Theatermuseum, vom Parkhotel / Kö bis zum Schauspielhaus; hier müssen neue Bezüge und Räume geschaffen werden.
    Vielleicht eröffnet diese kurzzeitige Bremse sogar die Möglichkeit einer eingehenderen Planung.
    Einige Monate mehr oder weniger dürfen im Bereich der Stadtplanung keine Rolle spielen - was hier geschaffen wird (oder nicht) prägt die Stadt für die folgenden Jahrzehnte; ermöglicht (oder blockiert) die weitere Entwicklung der Stadt.
    Darin liegt hier die gesellschaftliche Verantwortung der Planer und Politiker.

  • Schrei der Verzweiflung (nachdem ich fast 33 Jahre mit diesem "Platz" leben muss):

    "Ich will endlich Bagger sehen!"
    Bagger muessen rollen fuer den Sieg ueber die Haesslichkeit.

  • Bis vor wenigen Jahren war er ja noch in seiner eigentlichen Nutzung als zentraler Umsteige-knoten des ÖPNV, für die der JWP in den 50ern gebaut wurde. Erst nach Fertigstellung der Wehrhahn-Linie ist er ganz frei von derartigen Nutzungen; dann wird wohl nur noch die 701 den Platz tangieren.
    Es ist also keine langjährige Brachfläche, auch wenn der JWP nie als schön empfunden wurde.
    Wir wären sicherlich auch schon weiter, hätte mann sich nicht auf ein einziges Konzept reduziert. Eine breiter aufgestellte Planung fällt nicht so leicht.
    Wollen wir nur hoffen, das es trotzallem zu einer sinnvollen Überbauung des JWP etc. kommt.

  • Laut Antenne Düsseldorf ist das Bürgerbegehren gegen den Verkauf des Jan-Wellem-Platzes ist zulässig. Der Stadtrat wird das Bürgerbegehren allerdings sehr wahrscheinlich mit den Stimmen von CDU und FDP ablehnen, was dann ebenfalls zu einem Bürgerentscheid führen würde.

  • Sorry, an alle, das ich heute aus beruflichen Gründen nicht so viel Text lesen kann ;)

    Dann will ich nun wenigsten auch mal meine Meinung los werden ;)

    Ich will auch endlich Bagger sehen!!!