Rekonstruktionen

  • Alsooo, laut dem Denkmalkatalog sind viele entstuckte Altbauten auch unter Denkmal, die mit Fliesen und andere Sünden verschandelt wurden. Bei manchen Denkmälern wird vorgesehen, bei nächstmöglicher Sanierung die Fliesen zu entfernen und den Altbau zu befreien. Das ist jetzt zwar keine wiederbestuckung, aber Altbauten können auch ohne Stuck noch schick aussehen. Ein Eckhaus an der Zülpicher Straße fällt mir da spontan ein.


    Nach dem Krieg 1961: http://www.bilderbuch-koeln.de/Fotos/neustadt_süd_zülpicher_platz_18_denkmal_denkmalpflege_konservator_stadt_historisch_106128
    Ein ganzes Jahr später: http://www.bilderbuch-koeln.de/Fotos/42690#106126
    Heute: http://s3-media2.fl.yelpcdn.co…hmFyA_sYXiF-kvzzfxQ/o.jpg (leider kein besseres gefunden)

  • Bei diesem Beispiel wurde leider nur der einfache Putz durch ein Wärmeverbundsystem ersetzt. Das Gebäude sieht aktuell frisch gestrichen aus, der verstümmelte Eindruck nach Abnahme der Schmuckelemente ist allerdings geblieben... Eine solche Sanierung bringt daher leider nicht allzu viel für die Wiederherstellung der ursprünglichen Wirkung des Gebäudes

  • Bei manchen Denkmälern wird vorgesehen, bei nächstmöglicher Sanierung die Fliesen zu entfernen und den Altbau zu befreien.


    Woher hast du die Info? Würde mich auf jeden Fall freuen :)


    Bei manchen Denkmälern wird vorgesehen, bei nächstmöglicher Sanierung die Fliesen zu entfernen und den Altbau zu befreien.


    Ja, das fände ich auch toll. Wir könnten das ja als Vorschlag im Rahmen der kommenden Oberbürgermeisterwahl einbringen. :D
    Aber das kann man sich von Seiten der Stadt in Zeiten klammer Kassen wohl kaum erlauben. Wobei es Hamburg und Frankfurt auch gemacht haben.

  • Fassadenrekonstruktion

    Die gerade fertiggestellte Rekonstruktion der im Krieg zerstörten Gründerzeitfassade Brüsseler Platz 15 in Köln. Am linken Nachbargebäude Brüsseler Platz 17 kann man sehr gut sehen, wie die Fassade vor der Rekonstruktion aussah. Beide Gebäude waren komplett identisch....Das rechte Gebäude Brüsseler Platz 19 wurde bereits nach dem Krieg rekonstruiert.



    Foto von mir.

  • Interessant ist, dass die Entstuckung von Wohngebäuden nicht unbedingt mit dem 2. Weltkrieg im Zusammenhang steht. Schon seit 1910 begann man damit die Stuckfassaden an Wohngebäuden wieder zu entfernen. Einen sehr interessanten Artikel dazu gibt es bei Wikipidia unter "Entstuckung".



    Dort heißt es:


    "Die theoretischen Grundlagen für die Entstuckung wurden vor dem Ersten Weltkrieg gelegt. Aus den Kreisen der kunstgewerblichen und architektonischen Reformbewegung um Adolf Loos, Hermann Muthesius oder Paul Schultze-Naumburg wurde bereits um 1900 massive Kritik an den zum Teil industriell gefertigten Dekorelementen in imitierten Stilformen der Gotik, Renaissance, Barock, Rokoko oder Klassizismus geübt, mit denen in der Gründerzeit die Fassaden dekoriert wurden. Vor allem der Stuck an Mietshäusern wurde als Verschleierung elender sozialer Verhältnisse gebrandmarkt. Auf der künstlerischen Ebene spielte eine Rolle, dass eine große Zahl von Stuckfassaden an Gebäuden der Epoche von etwa 1880 bis 1910 vom Eklektizismus geprägt war, d. h. von der Vermischung mehrerer historischer Stile an einem Gebäude. Nach circa 1910 galt dieser Trend jedoch nicht mehr als modisch, wobei versucht wurde, diesen Trendwechsel mit vorgeblich objektiven Argumenten ideologisch zu verbrämen. Neben der erwähnten sozialen Unehrlichkeit wurde dabei insbesondere die erwähnte Vermischung von Stilen als gestalterisch unseriös gebrandmarkt. In einer mit moralischen Argumenten geführten Debatte wurde die historistische Stuckfassade auf diese Weise zunehmend abqualifiziert. Diese Haltung wurde in der deutschen Architekturkritik zum durchgängigen Merkmal bis in die 1960er Jahre."


    Ihren quantitativen Höhepunkt erreichte die Entstuckung jedoch erst nach 1945, als in fast allen deutschen Städten den Formen der Gründerzeit der Kampf angesagt wurde. Allein in Berlin-Kreuzberg, einem der größten Gründerzeitviertel Europas, wurde bis 1979 von etwa 1.400 Häusern der Stuck abgeschlagen. Vielerorts stellten Stuckfassaden an Gebäuden, die den Krieg leicht beschädigt überstanden hatten, jedoch auch ein Sicherheitsrisiko dar, da immer wieder Fassadenteile herab bröckelten und die Eigentümer für eine fachgerechte Fassadenrestaurierung in der unmittelbaren Nachkriegszeit keine finanziellen Mittel hatten.


    Bemerkenswerterweise wurde die Entstuckung während dieser Zeit sowohl in West- als auch in Ostdeutschland massenhaft durchgeführt, während in benachbarten Ländern, wie zum Beispiel Frankreich oder Italien das Phänomen weitgehend unbekannt war und ist.


    Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Entstuckung

  • ^^ Immer wieder die alte Mär von einer angeblich massenhaft durchgeführten Entstuckung von Gründerzeithäusern!
    Wenn man Berichte mit (absichtlich?) falschen Zahlen, wie die o.a. auf Wikipedia liest, könnte man tatsächlich dieser Meinung sein.


    Zitat: "Allein in Berlin-Kreuzberg.... wurde bis 1979 von etwa 1.400 Häusern der Stuck abgeschlagen..."
    1400 Gründerzeithäuser? Unsinn!


    Fakt 1: Die Länge aller Straßen im Stadttteil Kreuzberg (inkl. Friedrichshain) beträgt lt. Senatsverwaltung Berlin 172 km (nur Kreuzberg:ca. 100 km)!


    http://medienwerkstatt-online.…owcard.php?id=7154&edit=0


    Fakt 2: Im Durchschnitt ist ein Gründerzeithaus ca. 15 m lang;
    1400 angeblich entstuckte Häuser x 15 m= 21 km!
    Wenn man davon ausgeht, dass z.Zt. ca. 10 % der Gründerzeithäuser ohne Stuck sind, beträgt demnach die Gesamtlänge aller Häuser aus der Gründerzeit nach dem Krieg 210 km!
    Wenn man dann noch berücksichtigt, dass im Krieg 80 % der Gebäude zerstört wurden, müsste die Gesamtlänge aller Gründerzeithäuer lt. Wiki-Bericht über 1000 km betragen (und Kreuzberg bestand schließlich nicht ausschließlich aus Gründerzeithäusern)!!!!


    Fazit: Die im Bericht aufgeführte Zahl von 1400 KANN also nicht richtig sein (nicht mal ansatzweise)!


    Ich möchte gerne wissen warum diese falschen Zahlen genannt werden?
    Will man mit falschen Zahlen absichtlich Stimmung gegen die Moderne machen, oder hat der Verfasser keine Ahnung?

  • D.T.68: Es gibt natürlich immer verschiedene Sichtweisen auf die Dinge, aber das ist schon eine sehr hahnebüchene Rechnung die Du da aufstellst. Auf welche Fakten stützt Du denn deine Aussagen? Niemand stellt in Frage, dass der Krieg vieles zerstört hat, aber zur Wahrheit gehört eben auch, dass auch sehr vieles noch nach dem Krieg zerstört wurde. Siehe Kölner Oper, Kölner Hbf. etc. .


    Fakt 2: Im Durchschnitt ist ein Gründerzeithaus ca. 15 m lang;
    1400 angeblich entstuckte Häuser x 15 m= 21 km!
    Wenn man davon ausgeht, dass z.Zt. ca. 10 % der Gründerzeithäuser ohne Stuck sind, beträgt demnach die Gesamtlänge aller Häuser aus der Gründerzeit nach dem Krieg 210 km!
    Wenn man dann noch berücksichtigt, dass im Krieg 80 % der Gebäude zerstört wurden, müsste die Gesamtlänge aller Gründerzeithäuer lt. Wiki-Bericht über 1000 km betragen (und Kreuzberg bestand schließlich nicht ausschließlich aus Gründerzeithäusern)!!!!


    Selbst wenn deine Zahlen nur Ansatzweise stimmen sollten, so sind Straßen doch in der Regel beidseitig bebaut. ;) Auf den Bildern der folgenden Internetseite sieht man zudem, dass auch bei zerstörten Häusern die Außenmauern samt Stuck oft stehen blieben, während der Kern zerstört wurde.


    http://images.google.de/imgres…g0KAMwAw&bih=891&biw=1680

  • Ich möchte gerne wissen warum diese falschen Zahlen genannt werden?
    Will man mit falschen Zahlen absichtlich Stimmung gegen die Moderne machen, oder hat der Verfasser keine Ahnung?


    Erst einmal sollte man das Ganze als Darlegung der Fakten verstehen und eventuell erst in zweiter Linie als Kritik. Dass die bewusste Entstuckung stattgefunden hat, ist in meinen Augen nicht von der Hand zu weisen. Auch wenn du den Wikipedia-Artikel sicherlich zu Recht als begrenzt belastbare Quelle abtun kannst, so verweist der Artikel in den Literaturangaben auf zwei Werke, die sich mit dem Thema beschäftigen.
    Außerdem hatte ich schon mal vor einiger Zeit hier geschrieben, dass der Kölner Stadtkonservator mir geschrieben hatte, dass es in der Nachkriegszeit zu städtisch geförderter Entstuckung kam.
    Darüberhinaus kann ich persönlich mir nicht vorstellen, wie der Bombenkrieg zu derart selektiver Zerstörung nur der Fassaden geführt haben soll, ohne die weiteren Baumasse in Mitleidenschaft zu ziehen, sodass heutzutage nur noch die blanken verputzten Häuser übrig geblieben sein sollen.


    Die moderne Architektur soll dabei mitnichten kritisiert werden. Eher die Haltung der "modernen" Gesellschaft bzw. der verantwortlichen Städeplaner zum Historismus, wobei man die Erlebnisse der Vergangenheit, die sicherlich mit diesem Architekturstil sehr stark verbunden waren, nicht außer Acht lassen kann. Eine Entledigung dessen muss für viele damals sicherlich eine gewissen Katharsis bewirkt haben.
    Dennoch kann man rückblickend fragen, ob diese Entwicklung nicht zu radikal und unreflektiert stattgefunden hat. Hat die Auslöschung wirklich einen Effekt auf die Bevölkerung gehabt?


    Die moderne Architektur will ich deshalb wie gesagt nicht kritisieren. Wenn die moderne Architektur aber dazu geführt haben sollte, die Ausprägungen früherer Stilrichtungen zu zerstören, wäre es das für mich ein Grund, Stimmung gegen diese zu machen.


    Zum Thema Brüsseler Platz 15:
    Bin zufrieden mit dieser Rekonstruktion. Hätte natürlich gerne noch üppiger ausfallen können, aber ich will mich deshalb nicht beschweren ;)

  • D.T.68: Es gibt natürlich immer verschiedene Sichtweisen auf die Dinge, aber das ist schon eine sehr hahnebüchene Rechnung die Du da aufstellst. Auf welche Fakten stützt Du denn deine Aussagen?


    1: Die Länge aller Straßen im Stadttteil Kreuzberg (inkl. Friedrichshain) beträgt lt. Senatsverwaltung Berlin 172 km (Anteil Kreuzberg ca. 2/3 = ca. 100 km; beidseitig = 200 km)!


    2.: Die Gebäudelänge von Gründerzeithäusern beträgt i.d.R 15 - 20 m!


    3.: Auf ca. 10 intakte Gründerzeithäuser kommt ungefähr ein Gebäude ohne Stuck!


    4.: 80 % der Gebäude wurden im 2. WK zerstört!


    Wenn man den Wiki-Bericht als Grundlage nimmt, wären das ca. 1000 km Häuserfront! Die Gesamtlänge aller Straßen (beidseitig) beträgt jedoch nur 200 km, hierin sind übrigens Parkanlagen und nicht bebaute Grundstücke enthalten!


    Was also soll an der Berechnung hahnebüchen sein?
    Welche Zahl ist deiner Meinung falsch?
    Nochmal: Ich bestreite nicht, dass es keine Entstuckungen gab, aber es waren definititiv keine massenhaften!

  • Wenn die moderne Architektur aber dazu geführt haben sollte, die Ausprägungen früherer Stilrichtungen zu zerstören, wäre es das für mich ein Grund, Stimmung gegen diese zu machen.


    Da bin ich absolut deiner Meinung! Das war für mich übrigens der Grund, dass ich mittllerweile eine andere Sicht auf den Historismus habe. Ich habe schon mehrfach geschrieben, dass in Köln unschätzbare Werte (jahrhunderte alte Gebäude aus dem Mittelalter - Barock, s. u.a. mein Benutzerbild) durch die Abrisswut des Historismus zerstört wurden! Das wurde mir erst bewusst, als ich vor einigen Jahren nach Köln gezogen bin und ich mich mit der Stadtgeschichte auseinander gesetzt habe.


    Nichtsdestotrotz finde ich die Gründerzeithäuser mit ihren Verzierungen und Stuckwerken noch immer schön und absolut erhaltenswert.
    Wenn ich durch mein Viertel (belgisches Viertel) gehe oder durch die Südstadt fallen immer mehr vorbildlich sanierte Gründerzeithäuser auf! Weiter so!

  • Fazit: Die im Bericht aufgeführte Zahl von 1400 KANN also nicht richtig sein (nicht mal ansatzweise)!


    Ich habe absolut keine Ahnung ob die 1400 zutreffen, aber deine Behauptung, dass die Zahl niemals zutreffen kann, kann ich ebenfalls nicht nachvollziehen.


    Ich versteh auch nicht ganz, was die etwas seltsame Rechnung über die Straßenlänge soll. Beruht sie doch auf recht vage Vermutungen.
    Warum nicht der direkte Weg, über die vergleichende Anzahl der Gebäude?
    Heute gibt es etwa 5400 Wohngebäude in Kreuzberg (PDF, Seite 15, "02 01 01 01" bis "02 03 04 02" ist Kreuzberg) Das werden damals nicht weniger Gebäude gewesen sein, zumal Kreuzberg vor dem Krieg mehr als doppelt so viele Einwohner hatte, wie heute.
    Da kommen mir 1400 entstuckte Bauten nicht gerade unrealistisch vor. Zumal ich den Artikel so interpretiere, dass die Nachkriegszeit nur der Höhepunkt war und insgesamt die komplette "Entstuckungszeit" von 1920 bis 1975 gemeint ist. Zudem wird für diese Zahl nicht nur das bewusste entstucken herangezogen, sondern auch das vereinfachte wiederaufbauen, aus Zeit-, Geld- und Sicherheitsgründen.

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    Ich versteh auch nicht ganz, was die etwas seltsame Rechnung über die Straßenlänge soll. Beruht sie doch auf recht vage Vermutungen.


    Das sind keine vagen Vermutungen, das sind FAKTEN!


    Heute gibt es etwa 5400 Wohngebäude in Kreuzberg


    Danke für die Info! Das ist eine weitere Bestäigung , dass die Zahl von 1400 entstuckten Gründerzeithäuser definitiv - bei weiten - nicht stimmen kann! Oder will jemand allen Ernstes behaupten, dass jedes 4 (!) Gebäude in Kreuzberg ein enstucktes Gründerzeithaus ist?

  • Das sind keine vagen Vermutungen, das sind FAKTEN!


    Deshalb vage, weil du nicht weißt, sondern vermutest, wieviel Straßenanteil die Gebäude hatten, womit das Ergebnis eine gewaltige Streuung erhält, in beide Richtungen.


    Oder will jemand allen Ernstes behaupten, dass jedes 4 (!) Gebäude in Kreuzberg ein enstucktes Gründerzeithaus ist?


    Hast du meinen Kommentar denn ganz gelesen?


    dass die Nachkriegszeit nur der Höhepunkt war und insgesamt die komplette "Entstuckungszeit" von 1920 bis 1975 gemeint ist. Zudem wird für diese Zahl nicht nur das bewusste entstucken herangezogen, sondern auch das vereinfachte wiederaufbauen, aus Zeit-, Geld- und Sicherheitsgründen.


    Also inklusive Vorkriegszeit und vereinfachtem Wiederaufbau liegt die Zahl absolut im Bereich des möglichen.

  • Deshalb vage, weil du nicht weißt, sondern vermutest, wieviel Straßenanteil die Gebäude hatten


    Meinst du diamit die Länge des Gebäudes entlang der Straße? Du bezweifelst die in meiner Rechnung aufgeführte Länge von ca. 15 m? Wenn ja, schaue dir einfach mal Grundrisse von Gründerzeithäuser in Berlin an! .. Oder gehe entlang der Fassade und zähle die Schritte - dann hast du die Länge!


    Also inklusive Vorkriegszeit und vereinfachtem Wiederaufbau liegt die Zahl absolut im Bereich des möglichen.


    Im mittlerweile viel zu oft zitierten Wikibericht spricht der Verfasser von Entstuckungen "...nach 1945, als in fast allen deutschen Städten den Formen der Gründerzeit der Kampf angesagt wurde. Allein in Berlin-Kreuzberg, einem der größten Gründerzeitviertel Europas, wurde bis 1979 von etwa 1.400 Häusern der Stuck abgeschlagen..." Zitat Ende!


    Letztmalig fasse ich zusammen:
    1. In Kreuzberg befinden sich lt. der von dir geposteten Liste 5600 Gebäude!
    2. Lt.Wikibericht wurden 1400 Gründerzeithäuser (nach 1945!) entstuckt!
    Fazit: Es müsste jedes vierte Gebäude in Kreuzberg ein entstuckter Altbau sein!
    Selbst, wenn man die von dir ins Spiel gebrachte komplette "Entstuckungszeit" von 1920 bis 1975 berücksichtigen würde, müsste von den 1400 Gebäuden doch mind. 1000 noch heute im Straßenbild sichtbar sein (da der Höhepunkt der Entstuckungen nach dem II WK stattfand). Dann wäre jedes 6 Gebäude in Kreuzberg ein Gründerzeithaus ohne Stuck! Auch das ist bei weitem nicht der Fall!


    Mal andersrum gerechnet: Auf wieviele intakte Gründerzeithäuser kommt in Berlin ein entstucktes Gebäude? Sind 10, 15, 20 % der Gründerzeithäuser ohne Stuck? Selbst wenn es 20 % wären, müsste es in Kreuzberg (auf Grundlage der angeblich 1400 entstuckten Gebäude) 7000 Gründerzeithäuser mit Stuck geben - bei existierenden 5600 Gebäuden verdammt viel! Oder?

  • Du bezweifelst die in meiner Rechnung aufgeführte Länge von ca. 15 m?


    Nein, ich habe mich einfach nur gefragt, warum du den Umweg über die Straßenlänge machst. Das ist weitaus umständlicher und viel ungenauer, als einfach eben die heutige Anzahl der Gebäude zu googeln. Das hat aber im Prinzip nichts mit meiner Aussage zu tun, die 1400 Gebäude für möglich zu halten, ich war einfach nur über diese Methode verwundert.


    Im mittlerweile viel zu oft zitierten Wikibericht spricht der Verfasser von Entstuckungen "...nach 1945, als in fast allen deutschen Städten den Formen der Gründerzeit der Kampf angesagt wurde. ...


    Dass der Wikiartikel äußerst unpräzise formuliert ist, da sind wir uns wohl einig.
    Aber der Satzanfang, den du durch Pünktchen ersetzt hast, lautet: "Ihren quantitativen Höhepunkt erreichte die Entstuckung jedoch erst nach 1945, als..." Was die Aussage des Satzes doch erheblich ändert. Weswegen kaum ausschließlich die Nachkriegszeit gemeint sein kann.
    Desweiteren sprichst du nur von bewusstem Stuck abhauen. Das missverständliche "von etwa 1.400 Häusern der Stuck abgeschlagen" wird allerdings direkt im nächsten Satz relativiert und durch, nicht fachgerechtem Wiederaufbau, aus Geld und Sicherheitsgründen, erweitert.
    Heißt mit anderen Worten: Stuckverzierte Gebäude, die im Prinzip zu retten gewesen wären, wurden oft aus unideologischen, praktischen Gründen durch Neubauten ersetzt. Stehen heute also NICHT mehr.


    Nur um aufzuzeigen, wie die Zahl 1400 rein theoretisch zustande gekommen sein könnte, denk ich mir nun folgende Zahlen aus:


    - 300 Gebäude bewusst entstuckt (vor und im Krieg)
    - 600 rettbare stuckverzierte Gebäude durch Neubauten ersetzt (direkte Nachkriegszeit)
    - 300 Gebäude bewusst entstuckt (ebenfalls direkte Nachkriegszeit)
    - 200 Gebäude bewusst entstuckt (Restzeit bis 1979)


    Somit schließe ich, wie ich begann: Ich habe absolut keine Ahnung, ob die Zahl stimmt, aber möglich ist es.

  • Hhmmm, irgendwie fände ich es schön, wenn das Thema Gründerzeithäuser in Kreuzberg und wie viel entstuckte und nicht entstuckte Häuser irgendwo in Berlin existieren, nicht im dem Thread "Rekonstruktionen Köln" diskutiert wird.

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    Im Oberforum würde ich dir zustimmen. Ich hielt das Unterforum "Zum Pittermännchen" jedoch für eine Lounge, in der die Themen übergreifender diskutiert werden dürfen. Wenn ich mich diesbezüglich geirrt haben sollte, dann bitte ich um Entschuldigung.