Im Vergleich zu vielen Immobilienverkäufern (da ist jede dämmrige Parterre- oder Hinterhofwohnung "lichtdurchflutet") und Vertretern des "architect speech" sind Trauerredner geradezu Ausbünde an Ehrlichkeit. Auf der IBA-Webseite taucht im Zshg. dieses Hausumbaus am Stuttgarter Marktplatz doch tatsächlich dreimal der Begriff "behutsam" auf...
Projekte am/um den Marktplatz
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Stand beim Haus Marktplatz 14, vom 02.01.2026:
">Bild: schoengeist3000
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Leipzig hat pro Kopf nur das halbe BIP im Vergleich zu Stuttgart, aber bei uns wäre das Haus sehr wahrscheinlich in den Vorkriegszustand zurückversetzt worden und zwar mit allen Schikanen. Kein Wunder, dass Leipzig, das sich über die Jahrhunderte immer als hässlich empfand (vor allem im Vergleich zu Dresden) heute als eine der schönsten Großstädte Deutschlands wahrgenommen wird und alle Zuzugsrekorde bricht.
Dass im Werbetext von einheitlicher Wirkung, Harmonie, Geschichte und dem Augenmerk auf historische Elemente geschwafelt wird, zeigt doch, dass man eigentlich weiß, worauf viele Menschen Wert legen. Nur das Ergebnis konterkariert das leider. So ein Unding, bei dem gar nichts zusammenpasst, hätte der Denkmalschutz in Leipzig niemals nie genehmigt.
Auch die Details wie die Wärmepumpe, mitten auf der Loggia, aber dann noch asymmetrisch hinter dem so absurd angeschnittenen Erker platziert, oder die herauskragenden Zinkgeländer der Dacheinschnitte sind die Schärfe. Man weiß gar nicht, wo man anfangen soll mit der Kritik. Hier kommt eigentlich nur ein totaler Rückbau in ein paar Jahrzehnten infrage. Dank Holzbauweise dürfte sich das dann immerhin unkompliziert umsetzen lassen.
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Ziegel ich gebe dir völlig Recht, dass für das Geld, das hier vorhanden ist (oder war), sehr wenig Qualität entsteht. Dies speziell in der Innenstadt, die ja schon sehr arm an attraktiven Gebäuden ist. Viel Investorenarchitektur für Konsum, aber nicht fürs Promenieren gedacht. Aber man hat das Gefühl, dass dies der Stadt relativ egal ist.
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Leipzig hat pro Kopf nur das halbe BIP im Vergleich zu Stuttgart, aber bei uns wäre das Haus sehr wahrscheinlich in den Vorkriegszustand zurückversetzt worden und zwar mit allen Schikanen. Kein Wunder, dass Leipzig, das sich über die Jahrhunderte immer als hässlich empfand (vor allem im Vergleich zu Dresden) heute als eine der schönsten Großstädte Deutschlands wahrgenommen wird und alle Zuzugsrekorde bricht.
Vielleicht sollten wir uns die Zeit nehmen und nach den Machern der Leipziger Schönheit - und Tristes- suchen. Nehmen wir das TRIFUGIUM. Saniert und rekonstruiert wurden die Gebäude in den 1990ern im Auftrag der Hofkammer des Hauses Württemberg:
...Erst nach Herauslösung aus der Konkursmasse und Weiterveräußerung des Gebäudekomplexes an Carl Herzog von Württemberg[5] wurde 1995 mit der Rekonstruktion begonnen. Unter Leitung des Architekturbüros Eller Maier Walter + Partner aus Düsseldorf wurden die Häuser 11 und 13 unter Beibehaltung der inneren Strukturen einschließlich der vielen Ausstattungsgegenstände denkmalgerecht saniert und rekonstruiert. Der Rest der Nr. 15 wurde abgerissen und das Gebäude nach alten Plänen original wieder aufgebaut. Nach Fertigstellung des Ensembles 1996 erhielt es den Namen „Trifugium“. Der Name steht für „drei“ und „Zufluchtsort“.[7]...Inzwischen gehört das Trifugium -und weitere Gebäude in der Klostergasse- der Weishaupt Grundstücks eGbR aus dem Ländle.
Am Leipziger Johannisplatz erweitert die Familie Weishaupt gerade die dort bestehende Praxisklinik am Johannisplatz.
Wenn mich nicht alles täuscht, hat Siegfried Weishaupt im Oktober 2025 persönlich am RICHTFEST des Erweiterungsbaus teilgenommen. Details zum Projekt erläutert im Beitrag sein Architekt Dr. Dietrich Fischer
. Sachsen und Baden-Württemberger arbeiten gemeinsam.Dazu passt:
Vor allem die Erdwärme ist eine tolle Sache, aber auch die Nutzungsmischung überzeugt mich. Wenn auch noch die Fassaden ansehnlich gestaltet wären, wäre ich begeistert. Bei den Fassaden verschwendet man aber leider viel Geld für Glas und Stein im großen Stil und trotzdem wird es billig aussehen und schlecht altern. Eine klassischere Architektur hätte mehr Return on Investment gebracht.
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Um den Bogen zu diesem Strang zu schlagen: Beim Trifugium reden wir von Denkmälern (mit Ausnahme der Vollrekonstruktion, die aber das historische Stadtbild denkmalgerecht ergänzt) und bei der Querstraße zum Johannisplatz von einem ganz neuen Entwurf.
Und ja, dort wo sich in Leipzig wenig oder - wie in der Querstraße - gar keine Altbauten erhalten haben, fällt die Gestaltungsqualität insgesamt merklich ab. Vielleicht ist das auch in Stuttgart das Problem? Die Zerstörung im Weltkrieg entsprach jener in Leipzig, aber ich vermute, in den "Aufbaujahren" wurde abgerissen wie verrückt, man konnte sich's leisten, alles neu zu bauen.
Dort, wo es bei uns noch Altbauten vor 1933 gibt, in Leipzig ist das erfreulich viel Substanz, werden diese oft liebevoll saniert, dank der Einheit meistens mit Westgeld (wobei man an Leipzig auch gut verdienen kann, win-win). Nur dies war mein Punkt, dass man eine solche Entstellung wie das hier diskutierte Beispiel, in Leipzig suchen müsste. Mir fällt da ad hoc gar nichts ein.
Mir scheint, dass in Leipzig offenbar der Denkmalschutz anders tickt und sich in den letzten Jahrzehnten eine allseits akzeptierte Baukultur etabliert hat, von der die Stadt sehr profitiert. Auch in anderen Städten Ostdeutschlands ist das so, aber an Leipzig sieht man es besonders deutlich, weil hier aufgrund des rasanten Wiederaufstiegs besonders viel investiert wurde.
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Die genannten Areale in Leipzig sind doch etwas größer und enthalten einige weniger schöne Gebäude. Beim Denkmalschutz wurden doch heftige Zugeständnisse gemacht. Denkmale wurden abgerissen, enthöhlt und teilweisen lediglich die Fassade gerettet. Interessant ist doch, dass sich bei den genannten Projekten ein ostdeutscher Architekt und ein süddeutscher Investor inhaltlich gut verstehen.
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