Beiträge von Gartenfan

    KaBa1: "An so vielen Stellen bröckelt alte Substanz und es ist kein Geld da. Und hier wird für "neues" Altes Geld gesammelt."

    Es ist doch nicht so, dass hier ein Sack voller Spendengeld dasteht und aus dem was möglichst gerecht verteilt wird, sondern Spenden werden für ganz bestimmte Zwecke erbracht - hier z.B. für eine herrliche barocke Treppenanlage, die nach Teilzerstörung von Banausen gesprengt wurde, die das ganze preußische Zeugs bäbä fanden. Ich bin zuversichtlich, dass hierfür rechtzeitig genug Spenden eingehen und man dann endlich auch dem Berliner Schlossplatz etwas von seiner früheren Schönheit zurückgibt, einschließlich Neptunbrunnen, der für diesen Platz geschaffen wurde...

    Im Vergleich zu vielen Immobilienverkäufern (da ist jede dämmrige Parterre- oder Hinterhofwohnung "lichtdurchflutet") und Vertretern des "architect speech" sind Trauerredner geradezu Ausbünde an Ehrlichkeit. Auf der IBA-Webseite taucht im Zshg. dieses Hausumbaus am Stuttgarter Marktplatz doch tatsächlich dreimal der Begriff "behutsam" auf...

    Könnten Sie evtl. auch begründen, was Sie an dieser modernistischen Aufstockung "gelungen" finden? Das einzig Gelungene "aus dieser Ansicht" ist für mich, dass das verunstaltete Gebäude wenistens am Ende der 50er-Jahre-Bebauung steht und irgendwie eine Art Überleitung zum brutalistischen Breuniger-Kaufhaus darstellt. Durchaus sichtbar steckt in diesem Gebäude ja noch ein Altbau aus Vorkriegszeiten, der natürlich eine sensiblere Behandlung verdient hätte. Ich hab inzwischen meinen Frieden mit den putzigen 50er-Jahre-Bauten am Stuttgarter Marktplatz gemacht, die ja immerhin etwas von der damals positiven Aufbaustimmung widerspiegeln. Jetzt gucken mich von oben riesige Glotz-Scheiben an, wenn ich unten mein Gemüse einkaufe... Na ja...Gelungen??

    @Camendo: "...Denn so etwas gibt es nicht ein zweites Mal auf der Welt." Wie ist denn das wohl gemeint? Ist damit gemeint: einen Fernsehturm mitten im Stadtzentrum? Das ulkige Rentnerdenkmal? Einen hierher versetzten Brunnen, der ganz woanders hingehört? Eine ungepflegte Grünfläche? Ganz am Rand noch eine einsame Kirche, die ihre Umbauung durch Krieg und Abriss verloren hat? Dieses zusammengestückelte Sammelsurium? Ja - stimmt schon - sowas gibt´s wohl in keinem anderen europäischen Hauptstadtzentrum...

    Architektur-Fan: Immer wenn im Zshg. Württemberg ästhetische Probleme diskutiert werden, taucht regelmäßig der Begriff "Pietismus" auf. An dem wird´s wohl liegen... Aber der ständig aufploppende Begriff erklärt hier nichts. "Echte" Pietisten liegen sicher im unteren Promille-Bereich der Bevölkerung dieses Landstrichs. Der wirklich eindrucksvolle Stuttgarter Rathausvorgänger wurde in einer Zeit erbaut, als der schwäbische Pietismus noch bedeutend war. Die Stuttgarter Lebensfreude zeigt sich vielleicht etwas anders als inMünchen in der Theater- und Ballettbegeisterung der kulturell Interessierten. Immerhin ist das Cannstatter Volksfest nach der Münchner Wiesen die Nr. Zwei in Deutschland...

    Der Abriss des zum großen Teil erhaltenen Stuttgarter Rathauses und die beklagenswerte Stuttgarter Stadtautobahn erklären sich ganz wenig religiös durch die Autobegeisterung der Nachkriegsjahre, die in Stuttgart als dem Standort zweier Auto-Weltfirmen sicher besonders heftig war. Dazu kam der damalige OB Klett, der sicher einer der begeistertsten Auto-Fanatiker war, was man der Innenstadt heute leider noch ansieht...

    Ich selber habe inzwischen meinen Frieden mit dem putzigen 50er-Jahre-Marktplatz gemacht. Fachwerk-Marktplätze sind in Esslingen/ Tübingen/ Leonberg/ Kirchheim/ Urach usw. - in kurzer Auto(!)-Entfernung...