Waidmarkt, ehemals Polizeipräsidium

  • Tilou Bin vollständig deiner Meinung. Vor 5 Jahren wäre ein Neubau an gleicher Stelle nicht genehmigt worden - jetzt soll dies plötzlich möglich sein?
    Und dann der Zeitpunkt für diese Entscheidung! Gebäude vollständig entkernt - eingerüstet - jetzt stellt man plötzlich fest: Lohnt sich nicht?! Das kommt mir alles sehr, sehr seltsam vor.
    Bin sehr gespannt, was für Informationen die nächsten Tage da noch rüberkommen. :nono:

  • Nun berichtet auch die Rundschau


    http://www.rundschau-online.de…tikel/1288741900442.shtml


    Nach der Entkernung von 4 Etagen habe man Beschädigungen an tragenden Säulen gefunden. Die Anzahl der beschädigten Säulen wird insgesamt für das ganze Objekt mit 1000 angegeben. Diese seien durch fehlerhafte Türbefestigungen entstanden! :cool: (kann ich mir irgendwie kaum vorstellen)


    Auch amüsant: Fay meint, man dürfe nicht nur 50 Meter hoch bauen - nein, man müsse dies sogar!!! :confused: :nono: (da ein Objekt dieser Höhe - eigentlich nur als Bestandsschutz gedacht - in den Bebauungsploan aufgenommen wurde)

  • Gegenüber Stadtanzeiger informiert die Rundschau wieder mal deutlich besser.


    Das mit den Stützen und Türen ist nicht völlig unplausibel. Vielleicht ist man beim Einbau der Türzargen damals sehr rüde vorgegangen und hat die Stützen großzügig aufgestemmt oder sonst wie eingeschnitten. Womöglich wurde dabei sogar Bewehrung durchtrennt. Wenn das im ganzen Gebäude passiert, ist das Tragwerk in der Summe je nachdem schon erheblich beschädigt, so dass Reserven infolge Umnutzung kaum oder gar nicht mehr vorhanden sind. Eine gleichwertige Reparatur wird wohl tatsächlich imens teuer werden können. So teuer, dass man gleich abreißen und neu bauen kann.


    Allerdings wäre eine umfassendere Untersuchung des Tragwerks schon längst möglich gewesen, da das Hochhaus doch schon lange leer steht (Ein oder zwei Jahre?). Bei einem Projekt dieser Größe dürfte man sich von so etwas eigentlich nicht überraschen lassen. Diesen Schuh müsste Fay Projects sich also selber anziehen. Kann ihnen aber ja jetzt egal sein, da Politik und Verwaltung in Sachen Höhenkonzept komplett mit sich selber beschäftigt sind.


    Kleiner Treppenwitz am Rande: ksta präsentiert bereits ein Bildchen des geplanten Neubaus, einen Tag nach der offiziellen Bekanntmachung und noch ausstehendem Architektenwettbewerb zur Fassadengestaltung. Ich dachte erst, es handelt sich um den Altbau :lach:
    http://www.ksta.de/html/artikel/1294060151335.shtml

  • Hmmm, auch wenn angeblich schon mit der Sanierung des Hochhauses begonnen wurde und eine relativ aufwendige Plane vor die Fassade gesetzt wurde, hat das ganze doch irgendwie ein G'schmäckle! Entweder hat sich die Stadt bei der B-Plan-Aufstellung mal wieder an der Nase herumführen lassen, oder da war im Vorfeld was abgesprochen - ich weiß es nicht, aber in Köln wundert mich ja grundsätzlich gar nichts.


    Obwohl ich ein strenger Verfechter des Höhenkonzeptes bin, muss ich gestehen, dass ich hier am Waidmarkt trotz der Nachbarschaft von St. Georg eher leidenschaftslos bin, da es sich um einen bestehenden Hochausstandort handelt, das Gebäude eigentlich recht solitär stand. Andererseits ist zu befürchten, dass ein Neubau - Architektenwettbewerb hin oder her - genau wie die Entwicklung des Gesamtprojekts Waidmarkt eher von mittelprächtiger Qualität sein wird, der die Sprache des Altbau nicht aufnehmen wird. :nono:

  • Gerne stimme ich meinem Vorredner zum größten Teil zu, jedoch nicht was die Gestaltung des Hochhauses angeht.


    Meines Erachtens atmet die Architektur des bisherigen Hauses zu sehr den "Muff der 50er Jahre". Der Bau ist zwar kein Schandfleck, aber auch ohne hinreichende architektonische Qualität, als dass man ihn in dieser Form erhalten müsste bzw. sollte.


    Einige der in Köln allseits anzutreffenden 50er/60er Jahre Bauten sind architektonisch und baulich sanierungsbedürftig und in nicht wenigen Fällen fragt man sich, ob es noch Sinn macht, in die Substanz zu investieren. Ich empfehle hierzu einen Besuch im Griechenviertel (und des Schauspielhauses). So auch hier - was man den Projektentwicklern nicht unbedingt vorhalten sollte.


    Auch der Ort ist aus meiner Sicht unglücklich gewählt, etwas zu nah an St. Georg und ohne den eigentlich möglichen Domblick. Auf Grund des Bebauungsplans kann der Ort wohl nicht geändert werden - aber die Gestaltung.


    Eine an das ursprüngliche Design angelehnte Architektur (siehe Rendering im KStA) müsste schon sehr edel und hochwertig werden. Ich kann damit freilich gut leben. Ich frage mich aber auch, warum nicht z. B. ein ovales oder mehreckiges Gebäude oder z. B. eine neuartige Gestaltung, wie das Exzenterhaus in Bochum oder ein kleiner "Turning Torso" wie in Malmö entstehen können sollte? Die Chancen, ein neues - und damit modernes - Hochhaus in der Kölner Innenstadt bauen zu können sind selten.


    Ich sehe in einem Neubau zudem durchaus eine weitere Entwicklungschance und möglicherweise eine Attraktion für das Georgsviertel, die Hohe Pforte und die gesamte Altstadt Süd. Das Projekt Waidmarkt (Wohnbebauung und Hotelriegel) hat durch die nun etwas weniger anspruchsvolle Gestaltung leider etwas von seinem Reiz verloren.

  • Wenn ich mir anschaue welche Abstriche die Gestaltung der Gebäude im Fay-Waidmarkt-Projekt im Laufe der Zeit genommen hat, habe ich leider nicht allzu viel Hoffnung auf einen großen architektonischen Wurf bei einem Neubau des Hochhauses. Ich fürchte eher mittelmäßige Investorenarchitektur mit 10-jähriger Verwitterungsgefahr. :nono:

  • Die statischen Probleme bei dem Hochhaus scheinen erheblich zu sein. Die ursprünglichen Bauherren hatten, um nach dem Hochbau schließlich Türen einzubauen, fast alle der ca. 1.000 statischen Säulen an jeweils sechs Stellen bis zur Freilegung der Bewehrung abgeschlagen. Durch die Eingriffe sei die Tragfähigkeit der Säulen geschwächt worden. Die enge Säulenabfolge sei zudem kritisch, da die Abstände genau der erforderlichen Breite für Türen entspräche und somit der Einbau von Türen faktisch nicht möglich sei. Insgesamt also wohl ein von Beginn an bestehender architektonischer Fehler, der das Haus insgesamt nur sehr bedingt tauglich erscheinen lässt, sowohl hinsichtlich der Standsicherheit, als auch im Hinblick auf die geplanten Nutzungen.


    http://www.rundschau-online.de…tikel/1295542523189.shtml


    Inzwischen ist der politische Streit zusätzlich befeuert worden. Der Haus- und Grundbesitzerverein, der Förderverein Romanische Kirchen sowie das Aktionsbündnis Stadtbaukultur sprechen sich gegen einen Neubau aus. Der Haus- und Grundbesitzerverein fordert, die Abbruch- und Baugenehmigung zu verweigern und eine Veränderungssperre für das Areal zu erlassen. Die FDP ist ebenfalls gegen einen Neubau und fordert, den Investor ggf. zu entschädigen. Das Aktionsbündnis Stadtbaukultur droht zudem mit rechtlichen Schritten wegen der möglichen Nichtigkeit des Bebauungsplans.

  • Überraschende Wende. Lt. der Kurzausgabe der heutigen WDR-Lokalzeit von 18:00 Uhr hat der Stadtentwicklungsausschuss den Neubau an Stelle des bestehenden alten Hochhauses gestoppt!
    Der Investor habe nun nur die Möglichkeit, entweder dass Bestandsgebäude zu sanieren - oder einen Neubau mit maximal 7 Stockwerken zu errichten.

  • Mir ist vollkommem egal ob da ein Hochhaus steht oder nicht, aber die Wendungen der letzten zwei Wochen passen irgendwie mal wieder zu Köln.
    Sollen halt 7 Stockwerke 08/15 gebaut werden, was beim Hochhaus ja wohl auch der Fall gewesen wäre.

  • und an wem bleibt diese typisch kölsche Blamage mal wieder hängen: am Steuerzahler.
    Schon ein Wahnsinn, was hier in Köln bei (fast) jedem Bauprojekt mittlerweile passiert...

  • Die Hauptausgabe der WDR-Lokalzeit berichtet ein wenig ausführlicher:


    http://www.wdr.de/mediathek/ht…schau/lokalzeit_koeln.xml


    Die Stadt ändert den Bebauungsplan. Ein Neubau ist nur noch in reduzierter Höhe von 7 Stockwerken gestattet.
    Da die Stadt hier direkt in ein laufendes Bauprojekt eingreift, muss sie mit Schadensersatzforderungen - wohl in Millionenhöhe - rechnen. Davon geht auch Baudezernent Streitberger aus. Man werde versuchen, einen Rechtsstreit zu umgehen und zu einer gütlchen Einigung zu kommen.


    Fay-Projects war für eine Stellungnahme noch nicht zu erreichen.

  • Erst werden ca. 40 Mio. Verlust nach dem Unesco Fiasko bei der "Messe City" wegen Nichtrealisierung der geplanten Hochhäuser gemacht und jetzt kommen wohl noch einige Millionen € dazu.
    Was hätte man damit in dieser Stadt alles machen können. :nono:

  • Die Bausünde sanieren, wenn das überhaupt technisch möglich und wirtschaftlich ist oder in einem Neubau 4000 qm weniger Fläche haben. Ich sehe keinen Sinn der Hochhäuser in der Altstadt, auf dem anderen Rheinufer würden sie nicht stören (es sei denn, jemand arbeitet für Unesco). Für das städtische Erscheinungsbild wird es besser, wenn der Neubau niedriger bleibt. Die Planer können trotzdem eine Bausünde mit weniger Etagen begehen, fürchte ich.


    Zitat

    Ich frage mich aber auch, warum nicht z. B. ein ovales oder mehreckiges Gebäude oder z. B. eine neuartige Gestaltung, wie das Exzenterhaus in Bochum oder ein kleiner "Turning Torso" wie in Malmö entstehen können sollte?


    Bochum hat keine Altstadt und in Malmö steht das Hochhaus weit von der Altstadt entfernt. Woher kommt diese Geringschätzung für die eigene bauliche Tradition?


    Wenn man es wie in Malmö haben will, Hotelneubau in seiner Form und Höhe an das benachbarte Fachwerkhaus und die andere Bebauung der Umgebung angepasst (vor ein paar Jahren war ich drin). Niemand kam auf die Idee, in der Altstadt etwas ovales oder mehreckiges zu bauen.

  • Mir ist noch eine Möglichkeit eingefallen: die Stadt lässt als Ausnahme ein Bürohochhaus bauen (gerne auch ein mehreckiges, wenn es bei 50-60m bleibt), dem jedoch hin zum Weidmarkt und zum St.Georg niedrigere Riegel vorgesetzt werden, die alte Fassaden rekonstruieren. Das wurde bereits in Köln praktiziert und die Gegend wurde dadurch mehr statt weniger hip, wenn in das Objekt gleich das Hard Rock Cafe eingezogen ist. Rekonstruktion als Bedingung für den Hochhausbau wird auch im Frankfurter Palais Quartier gelebt.


    So wären alle zufrieden: der Investor hat seine Fläche, die Stadt erhält ein Stück Geschichte zurück und die Anhänger hypermoderner Bauten hätten ebenfalls etwas zu bewundern. Ich denke, dass das Frankfurter Projekt nicht nur von seiner futuristischen Form lebt, sondern davon, dass sie neben dem historischen (in der gleichen Zeit gebauten) Palast steht. Mit den alten Fassaden wäre das Projekt am Waidmarkt hiper als wenn man den alten Entwurf des Präsidiums nur minimal modernisiert wiederauferstehen lassen würde.

  • Am Standort des Hochhauses stand vor dem Krieg das Haus "Zur guten Quelle", ein repräsentatives Stadtpalais mit dem Kaufhaus Ossendorff:
    Hier links (Blickrichtung Nord): http://www.bilderbuch-koeln.de/Fotos/2746
    und hier: http://www.bilderbuch-koeln.de/Fotos/57044
    Diese Reko wäre sicherlich sehr reizvoll.


    Deine Idee, mit Fay ein Kompensationsgeschäft zu vereinbaren, z. B. auch hinsichtlich der Bebauung des Grundstücks des ehem. Stadtarchivs (mit öffentlicher Nutzung?), ist zwar überlegenswert, aber politisch derzeit wohl nicht möglich, nachdem sich die Politik so klar geäußert hat.


    In ein Hochhaus alte Fassaden "einzubauen" geht m. E. meistens schief. Ich kenne nur wenige Fälle, in denen eine solche Kombination zum Gewinn wird. Gerade das Kölner Exempel in der Kleinen Sandkaul ist aus meiner Sicht ein Negativbeispiel. Das kann nur eine Notlösung sein.


    Fay und die Stadt haben jetzt ein veritables Problem, wie das Projekt doch noch zu aller Zufriedenheit zu Ende geführt werden kann. Ich bin sehr gespannt wie es weitergeht.

  • Immer wieder verblüffend, wie Köln einmal aussah im Bilderbuch :daumen:


    Verstehe ich das richtig, dass auf jeden Fall dieser monotone Gebäuderiegel mit gelb-gold Verblendungen am Blaubach gebaut wird? :-(

  • Osiris


    Das Umfeld des Waidmarktes (bzw. des Geländes des alten Polizeipräsidiums) ist ein architektonisches Sammelsarium der schlimmsten Art. Hier passt nicht ein Gebäude zum anderen. Die einzige Gemeinsamkeit ist die Straßenflucht an der alle Gebäude stehen. Eine architeltonische Qualität vermag ich hier auch nicht auszumachen. 50er, 60er, 70er Scheußlichkeiten wohin man blickt - und dann auch noch in teils heruntergekommenen Zustand.
    Historisches? Fehlanzeige! Einzige Ausnahme ist dieses Gebäude:


    http://www.bilderbuch-koeln.de/Fotos/63787


    an der Ecke Mühlenbach/Hohe Pforte - und natürlich St. Georg.


    Ansonsten bieten sich im direkten Umfeld des zu bebauenden Geländes diese erhebenden Anblicke:


    Blaubach
    http://www.bilderbuch-koeln.de/Fotos/53807#59447
    Waidmarkt Ostseite
    http://www.bilderbuch-koeln.de/Fotos/53807#42042


    Am Waidmarkt selbst könnte m.E. nur eine Teilbegrünung der östlichen Hälfte - bis zur Höhe der Straßenflucht von St. Georg unter Einbeziehung des Brunnens helfen. Bitte mit einer Baumreihe, die den unmittelbaren Blick auf die Häuserfront an der Ostseite gnädig etwas verdeckt.


    http://www.bilderbuch-koeln.de/Fotos/53807#42040


    Im Übrigen hat das Baugelände zu keiner Seite eine unmittelbare Anschlussbebauung, deren Formensprache (ob historisch oder nicht) man aufnehmen müsste/sollte.
    http://www.bilderbuch-koeln.de/Fotos/53807#40955


    Dein Vorschlag einen etwas ausgefallenen Bau an Stelle des alten Hochhauses zu setzen - halte ich - insbesondere vor dem Hintergrund des ohnehin extremen unharmonischen Erscheinungsbildes des Umfeldes nicht für wünschenswert. Hier sollte eher durch eine klare, ruhige Formensprache eine Beruhigung erreicht werden.
    Was eine Reko historischer Gebäude angeht, sehe ich weder Sinn, noch Chance (so schön die alte Vorkriegsbebauung auch war).
    Wo in Köln sind historische Gebäude komplett rekonstruiert worden? Mir fällt nichts ein. Selbst die romanischen Kirchen - die man als Beispiel heranziehen könnte - würden als Beispiel sehr hinken, da sie zum einen herausragende kulturhistorische Gebäude sind - die zum anderen in mehr oder weniger zerbombten Zustand noch existierten.
    Einen Sinn würde ich ohnehin nur darin sehen, wenn es um ergänzende (Baulücken)Bebauung im historischen Bestand ginge - aber der ist hier (wie die Fotos ja zeigen) in keiner Weise gegeben.
    Dein Beispiel mit der im Neubau "integrierten" historischen Fassade im Sandkaul sehe ich genauso kritisch wie 'ottcgn1'. Zum einen misslungen - aber zumindest als Fassade (wie auch die alte Fassade im Dominium) vor Ort vorhanden. Am Waidmarkt ist nichts mehr.


    ottcgn1 Die Idee mit dem Kompensationsgeschäft mit Fay bzgl. des Grundstücks des alten Stadtarchivs hat etwas. Hier muss irgendwann ohnehin neu gebaut werden. Warum also Fay dieses Grundstück (zur Bebauung evtl. mit Architektenwettbewerb) statt der nun evtl. an Fay zu zahlenden Entschädigung in Millionenhöhe anbieten?
    Ja, es gibt die Stimmen, dass hier etwas mit kultureller Nutzung hin müsste. Ich frage mich jedoch, warum? Der Wert des alten Stadtarchivs und seiner kulturellen Bedeutung für das Veedel wird m.E. in der Rückbetrachtung doch sehr verklärt und überhöht. Das alte Archiv wurde vom Normalbürger als häßlicher Betonklotz angesehen - und genutzt wurde es auch nur von speziell Interessierten.
    Meines Erachtens spricht nicht gegen eine Wohnbebauung mit Ladenflächen/Gastronomie im Erdgeschoss. Ich hätte auch nichts gegen eine kulturelle (Teil)Nutzung - aber man sollte nicht eigens eine erfinden um der von irgendeinem Grüppchen aufgestellten Forderung nach einer solchen gerecht zu werden.