Altstadt-Nord|Viva Agrippina (altes Zurich-Büroareal)

  • Wohnpark altes Züricher Büroareal (Altstadt Nord)

    Die Corpus Sireo-Gruppe hat den bisherigen Bürogebäudebestand der Züricher Versicherungsgruppe (zieht nach Deutz) in der Altstadt-Nord erworben und plant auf einem Areal von 20.000 m² 350 Wohneinheiten zu errichten. Es sollen sowohl Eigentums - als auch Mietwohnungen entstehen. 110 dieser Wohneinheiten sollen öffentlich geförderte WE mit günstigeren Mieten werden.


    Das Areal liegt zwischen Riehler Str., Oppenheimer Str., sowie beidseits der Worringer Straße. Die unter Denkmalschutz stehenden Gebäude sollen erhalten und teilweise weiter gewerblich genutzt werden. Eine bis zu siebenstöckige Neubebauung soll mit "Gebäuden unterschiedlichen Typs" realisiert werden, um eine abwechslungsreiche Straßenansicht zu erhalten. Die Gebäude sollen zudem zur Straßenfront hin keine Balkone haben um den "urbanen Charakter" zu stärken.
    Geplant sind zudem eine Kita, ein öffentlicher Spielplatz sowie eine Tiefgarage.


    https://www.ksta.de/koeln/inne…gestaltet-werden-32721850

  • Citysurfer: Danke für Deine Informationen!


    Auf diese Nachricht habe ich mit Besorgnis gewartet. Nach meiner Einschätzung handelt es sich bei dieser Gegend und dem erweiterten Kreis um eines der schönsten Areale Kölns mit zahlreichen Höhepunkten (z.B. das OLG, das „Agrippinahaus“ Riehler Str. 90, Oppenheimer Str. 11, das Hotel Viktoria) und einem leider raren historischen Flair. Erinnert mich an das „Gerlingquartier“ (z.B. Clever Str. 36).


    Ein „Wohnpark“ samt Kita mag „belebend“ wirken, kann aber die Wirkung eines gehobenen Geschäftsviertels nachhaltig zerstören (siehe Abbruch der „Alten Hauptpost“, IMO ein Desaster).


    Als ein weiteres aktuelles Negativbeispiel empfinde ich, ganz in der Nähe, den Abbruch an der Sedanstraße 37 (die Suchmachine sollte Alt- und Neubau, bzw. Visualisierung zeigen)! Ein überrollendes Gebirge von Neubau, wie ich finde.


    Laut Denkmalliste ist z.B. das Gebäude Riehler Str. 90 geschützt, aber was ist mit dem prächtigen Komplex bis zur Nr. 88 (Suche nach „Köln Riehler Str. 90" zeigt dem geneigten Leser die Gebäude in verschiedenen Ansichten)?


    Und der Investor hat doch schon an der der alten preußischen Wache (Reiterstaffel) historische Spuren ausgelöscht? Ich drücke dem historischen Köln mal die Daumen…

  • Hier ein Artikel zu den aktuellen Planungen am ehemaligen Zurich-Gelände.

    Es hat sich eine Interessensgemeinschaft gebildet, da die Stadt das Gelände ohne Bebauungsplan für die Entwicklung freigegeben hat.

    Die Gruppe befürchtet daher Veränderungen, ohne dass die Anwohner vorab in die Planungen miteinbezogen worden werden.


    https://www.ksta.de/koeln/anwo…ssiv-umgestaltet-36270964


    Was mich vor allem interessieren würde, ist, wie mit dem Bestand an Gebäuden umgegangen wird. An der Stelle befinden sich noch einige repräsentative Bauten. Insgesamt gefällt mir die Ecke, da sie ruhig und einigermaßen organisch gewachsen ist.


    Leider kann man auf der Homepage von Corpus Sireo keine belastbaren Informationen über die Baukörper finden.

  • Ist eigentlich das perfekte Beispiel für das leidige Thema: die Stadt verpasst es, an entscheidenden Punkten auf die Entwicklung Einfluss zu nehmen. Hinterher wundert sich wieder jeder, dass das Ergebnis enttäuschend ist. Von Bürgerbeteiligung mal gar nicht zu sprechen. :thumbdown:

  • Leider konnte ich die Bürgergemeinschaft nicht online finden. Sonst hätte ich mich gerne mit ihr in Verbindung gesetzt, um mein Interesse an deren Sache mitzuteilen... hat jemand mehr Kenntnisse über die Initiative?

  • Das sieht doch auf den flüchtigen Blick schon mal wesentlich besser aus als befürchtet. Das O&O beteiligt ist, lässt mich auch hoffen.


    Warum das gesamte Verfahren nicht transparenter kommuniziert wurde, ist mir trotzdem mal wieder ein Rätsel.:/

  • So langsam gehen (mir) die vorführbaren, repräsentativen Geschäftsviertel in Köln aus. Nach dem Abbruch der "alten Hauptpost" ist das Bankenviertel an den Dominikanern schon nur noch bedingt vorzeigbar.

    Jetzt wird ein weiteres historisches und ansehliches Ensemble an der Riehler Straße gesprengt. Dafür wird der Denkmalschutz des Gebäudes Nr. 86 aufgehoben (gerade bei schwieriger Erhaltung zeigt sich nach meiner Einschätzung das städtische "Standing" des Stadtkonservators).

    Auch die sonstigen betroffenen Gebäude wirken auf mich schlicht, aber hochwertig mit gepflegten und schönen Gärten. Sogar ein schönes Ornament mit der Abbildung Agrippinas findet sich. Bin (pessimistisch) gespannt auf die Vorher-Nachher-Bilder.


    Hier mal die Ansicht der Riehler Straße (Gebäudekomplex Hnr. 90,88,86) zum Vergleich mit der Visualisierung (man beachte die Passung der Dächer!). Ich hoffe, das Ganze wirkt nicht so, wie "Sedanstraße 37"...

    koeln_riehlerstrqmktb.jpg


    Foto von mir, Angaben ohne Gewähr.

  • Danke für die Info Dominik. Meiner Meinung nach sehen die Entwürfe recht vielversprechend aus und ich bin besonders darüber froh, dass die Fassaden etwas aufgelockert werden sollen und kleinteiliger anmuten als zuerst erwartet. Schade finde ich nur, dass der Übergang zwischen Riehler Str 86 und 88 etwas hart rüberkommt, da fände ich es etwas schöner wenn das Dach und seine Form aufgegriffen würden....aber vielleicht kommt das noch. Grundsätzlich freue ich mich sehr, dass dieses etwas tote Eck nun endlich wiefer etwas Belebung erfährt und Wohnraum entsteht. Repräsentative Büroflächen in Zentrumslage oder zentrumsnaher Lage haben wir ausreichend ;-)

  • Repräsentative Büroflächen in Zentrumslage oder zentrumsnaher Lage haben wir ausreichend ;-)

    Könnte daran liegen, dass der Begriff "repräsentativ" zu definieren wäre. Welche(s) Highlight(s) würden Sie meinem Kölnbesuch zur Besichtigung empfehlen?


    Hier noch ein paar Informationen zu den angesprochenen Ornamenten vom Rheinischen Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz e.V. (Quelle), Der erwähnte Termin liegt allerdings bereits in der Vergangenheit: Denkmal des Monats

  • Das mag wohl sein ;-) Einzelgebäude sind hier meiner Meinung nach repräsentativ, nicht aber das Ensemble. Wesentlich repräsentativer finde ich z.B. (in loser Reihenfolge) den Rheinauhafen, die Gebäude an der Rheinuferstr (alte Bahndirektion aber auch auf Höhe von Bayenthal und Marienburg), den Mediapark, die neue Messe-City, das Areal des i/d Cologne in !Mülheim, einige Innenstadtlagen wie das Gürzenich-Quartier oder das neue Ensemble am Rudolfplatz um nur einige zu nennen


    Die Ornamente befinden sich aber nicht an Nr. 86 (für welches der Denkmalschutz) aufgehoben wurde, oder?

  • Die Ornamente befinden sich aber nicht an Nr. 86 (für welches der Denkmalschutz) aufgehoben wurde, oder?

    Nach meinem Verständnis: Das Gebäude Riehler Str.90 (ob die Sprossenfenster bei der Revitalisierung bleiben?) ist und bleibt denkmalgeschützt und zeigt das "große Ornament", das Gebäude Oppenheimstraße 4 wird wohl abgebrochen und enthält die "kleine Dependenz".


    Ich entdecke Parallelen zum Projekt "Reiterstaffel": Projektentwickler "Corpus Sireo", Bedenken vom Rheinischen Verein,

    traditionelle Zurückhaltung des Denkmalschutzes. Die Reste der "Kaserne Arnoldshöhe" sind nun verschwunden,

    selbst die Adler an der Mauer (Off-Topic: wo mögen die sein, im Stadtmuseum?). Mehr demnächst im Vorher-Nachher-Strang.

  • tja... sich unkenntlich zu machen ist halt aktuell der gewünschte Trend!

    Vereinzelt wird mit einem Widerspruch der "bewussteren" Generation mal ne Fabrikhalle gerettet oder mit einer Petitionen hier und da versucht, einen weiteren Klötzerbau zu verhindern.


    Solange aber der allgemeine Tenor wie auch hier vorherrscht, "Es ist zwar nicht schöner, aber es wird halt was Neues" oder wie im Falle Laurenzcarré "Alles besser als vorher" "Passt gut in das 50er Jahre Umfeld" wird sich auch nichts mehr ändern in Köln mit herausragender oder bemerkenswerter Architektur die in 50 Jahren auch noch gefällt - also nachhaltig ist.

    Von denen wo alles egal ist und null Interesse in der Bevölkerung besteht will ich erst gar nicht reden...


    Rendite, Gewinnmaximierung und Wachstum, Wachstum, Wachstum.

  • Wahre Worte, Maik66! Leider... Nachhaltig in dem Sinne ist kaum eines der heutigen Gebäude. In 30 bis 40 Jahren wird wieder alles für das nächste Projekt abgerissen. Hoffen wir, dass die Architekten und Bauherren, denen momentan Kostenersparnis deutlich vor Gestaltung geht, bis dahin vom Denken her weiter sind...

  • Dazu gehören aber auch weitgehende Änderungen der Rahmenbedingungen.


    Diejenigen, die den Bau solcher Gebäude verantworten, sind Manager von Kapitalgesellschaften und somit Verwalter von fremdem Geld. Sie dürfen nur dann mehr Geld ausgeben, als für ein "Basisgebäude" erforderlich ist, wenn darauf ein gesteigerter Nutzen für die Kapitaleigentümer entsteht.

    Anderenfalls kann man ihnen ais den Mehrausgaben einene Strick drehen, das heißt dann Veruntreuung.


    Wenn man also mehr Gestaltung als "quadratisch, praktisch, gut" haben will, dann muss man das von Seiten der Städte als Voraussetzung für einen Bau fordern.


    Das war früher anders, als Personengesellschaften (Einzeleigentümer, OHG), aber auch noch Aktiengesellschaften mit einer deutlichen Mehrheit in der Hand des Gründers, über Bau und Aussehen desselben entschieden haben. Da ging man auch noch davon aus, dass ein als Firmensitz gebautes Gebäude dauerhaft genutzt wird (z.B. Kaufhof Köln Schildergasse) und nicht, wie bei heutigen Bürogebäuden, dass man das Gebäufe nur so lange nutzt, wie man es gerade braucht.


    Verschärft wird das, wenn ein Gebäude noch nicht einmal vom zukünftigen Nutzer gebaut wird, sondern von einem Investor, der zum Zeitpunkt des Baus keine Ahnung hat, wer das Gebäude einmal nutzen wird: Da ist eine Beliebigkeit der Gestaltung schon Programm und es muss nur Platz für ein Firmenlogo irgendwo außen an der Fassade sein - besser noch ein Schild vor dem Gebäude, das lässt sich ohne Spuren austauschen.


    Deshalb werden ja auch Wohngebäude, selbst Einfamilienhäuser, als einheitlicher Würfelhusten in die Neubaugebiete ge...worfen: Um sich ein Haus leisten zu können, verzichten die Leute auf individuelle Planung und schränken sich lieber in einem nicht ganz passenden Haus ein, das ein Bauträger billig(er) hingesetzt hat.


    Also nochmal: Die Städte müssen deutlichere Gestaltungsvorgaben machen, die Kleinteiligkeit, Unterschiedlichkeit der Gebäude fordern und der Trend zum Bauen durch nicht-Nutzer muss unterbrochen werden. Dazu gehört auch, dass Städte aufhören, ganze Straßenblöcke bis halbe Stadtviertel durch einen einzelnen Großinvestor bebauen zu lassen.