Dresdner Stadtgespräch

  • Das Thema Gemeindefusionen/Eingliederungen ist in Sachsen seit etwa zehn Jahren erstaunlich tot, obwohl die kommunalen Probleme und auch der Bevölkerungsrückgäng insb. in ländlichen Regionen nicht weniger geworden sind. Zwischen 2006 und 2016 sind in Sachsen 84 Gemeinden aufgelöst worden, seitdem nur noch acht weitere. Eine zeitlang gab es meiner Erinnerung nach eine Art "Heiratsprämie" für willige Gemeinden vom Land. Ich denke aber, das es in den nächsten Jahren wieder vermehrt auf die Tagesordnung kommen wird.

    Ich selbst hoffe allerdings, dass keine weiteren Umlandgemeinden nach Dresden eingemeindet werden, schon die Eingemeindung der ganzen Hochland- und Westhang-Dörfer 1997/99 halte ich für einen Fehler. Die Anforderungen und Lebensrealitäten von Großstadt und Dorf sind zu verschieden, um sie in ein gemeinsames Verwaltungskorsett zu pressen, bspw. Thema Verkehr, Energieerzeugung, Flächennutzung. Und ohne den Zugriff auf die Umlandgemeinden mit der "Grünen Wiese" wäre vielleicht mehr Druck da gewesen, die innerstädtischen Brachen für Wohnen und Gewerbe zu entwickeln.

    Bis heute unterhält man für 1500 (Mobschatz) oder 1100 (Altfranken) Einwohner Ortschaftsräte, während es in Blasewitz einen Stadtbezirksbeirat für 90.000 Einwohner gibt, aber gleichzeitig bspw. Weißig (6000 Einwohner) wiederum nur als Teil von Schönfeld-Weißig einen Ortschaftsrat hat. Alles Überbleibsel einer seit 30 Jahren nicht mehr existenten Verwaltungsstruktur, die heute kaum mehr noch Sinn ergibt, aber nicht reformiert wird. Da weitere Neustrukturen draufzusetzen, halte ich auch nicht für sinnvoll.

  • ^@ joe: keinste Ahnung, ist eh noch Phantomdebatte, nichts Konkretets, ich würde ja ganz Rdbl einziehen und über 600k kommen. Die Kunstgebilde wie Rdbl oder Freital haben stolze Ortsteile, jene wären dann reguläre Stadtteile wie es auch bis weit nach DD-Nahost der Fall ist (Tolkewitz-Kleinzschachwitz, Pillnitz etc.). Die Sache wäre jetzt erstmal nur zur Belustigung, also bitte Vorschläge vor, wer würde mitgegehn und welcher Ort bleibt renitent und bockig? Die Ortsteile behielten ja Eigenart und Identität, es wäre immer nur verwalterisch auf dem Papier, Ängste wurden schon früher mit Verträgen besänftigt - auch wenn manch Vertragsgegenstand doch nicht so kam. Könnte auch sein, daß künftig wieder mehr autoritäte Anordnungspolitik entsteht, um schneller voran zu kommen.

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    Und ohne den Zugriff auf die Umlandgemeinden mit der "Grünen Wiese" wäre vielleicht mehr Druck da gewesen, die innerstädtischen Brachen für Wohnen und Gewerbe zu entwickeln

    Könnte man so denken, ist mE aber im Gegegnteil der Fall: ich bin auch kein Fan dieser JWD-Hochlanddörfer im Stadtgebiet, eine flächig drittgrößte deutsche Stadt ergibt das ja auch mitnichten (Papiertiger), aber die Landeshauptstadt sah das Verwildern ihres Weichbild-Umlandes v.a. entlang der Gewerbekorridore sowie zahlreicher EFH- oder MFH-Wohnparks auf grüner Wiese oder auf Feldern. Es gibt zwar eine Raumordnung und Regionalplanung, aber sicherer war es diese Randzonen großzügig unter eigene Fittiche zu bekommen. Denn die (CDU)Bürgermeister und Dorfverwaltungen kennen kein Ende mit alle paar Jahre ein neues "kleines, unauffälliges" Baugebiet auszuweisen. Das wollte und mußte DD verhindern, meines Erachtens, man hatte ja bereits die Schäden der wilden 1990er Jahre ("Macht nicht die Fehler des Westens"), ja doch, die machen alle permanent die "Fehler", denn da lässt sich einfachst und husch Geld verdienen. Die verkehrlichen Wirkungen all der Pendler sind denen egal, sie leben ja nicht in der Kernstadt. Es hat gerade weitere Zersiedelung gehindert, im Grunde gilt bis dato der status quo von um 2000, und erst das Vermeiden am Stadtrand ermöglichte das Baugeschehen endlich in die Stadt hinein zu zwingen, wo die Effektivität viel viel höher ist. Aus dem Markt allein passiert das nicht - zumindest hierzulande und unlogischerweise. Der "Traum vom grünen Häuschen" wirkt als "Bürgerrecht" noch kräftig nach.

  • ^ Interessanter Punkt, danke! Wobei mir immer so war, als wären die großen Gebietsreformen der 1990er eher von Landesseite aus forciert worden, und sich ein Dörflein wie Altfranken dann hat entscheiden müssen, ob es eher nach Dresden oder Freital geht. Aber vielleicht steckte da auch die gleiche von dir geschilderte Überlegung dahinter, nur von anderer Stelle oder ich täusche mich ganz.