Allgemeine Meldungen zwischen Altstadt und Südstadt (Tafelhof)

  • Das mit den neu wiedereingebauten Schwingfenstern finde ich sehr schön!Leider ist auf Grund der aktuellen Gesetzeslage nicht mehr möglich die (nach meiner festen Meinung) dazugehörigen Paternosteraufzüge einzubauen.Sehr schade! :nono: .Warum kann man nicht dafür eine Ausnahmegenehmigung (im Rahmen einer Aktuallisierung des Denkmalschutzes) machen?
    Bei der angedachten Dämmung bin ich skeptisch, aber vieleicht wird sie nur dezent zu sehen sein.

  • Mit diesen altmodisch-modernen Kippfensern macht das Gebäude schon mehr her.


    Bleibt nur abzuwarten, wie viele städtische Bedienstete ihr Bedürfnis nach "Frischluft" dann auch tatsächlich durch Fensterkippen oberhalb des Plärrer-Kreisels stillen werden...! :rolleyes:

  • Ich bin da skeptisch. Die N-Ergie schreibt in ihrem Magazin, dass es eine Außendämmung geben soll, und innen wird eine Belüftungsanlage eingebaut. Das passt in meinen Augen nicht zusammen mit Fenstern, die von echten Menschen geöffnet werden können. Zudem halt noch der Sicherheitsaspekt, es könnte ja ein Blumentopf oder Aktenordner rausfallen.


    Andererseits ist das Gebäude eines der wichtigsten, wenn nicht das wichtigste Baudenkmal der Nachkriegszeit. Damit wären originalgetreue Fenster sowie der Verzicht auf Außendämmung Pflicht.

  • Da stecken wohl einige Widersprüche in der Art und Weise, wie der Denkmalschutz hier umgesetzt wird?! Durch die Kippfenster als aktives Fassadenelement wirkte das Gebäude wirklich anders. Finde es schade, dass es keine Visualisierung zu den Baumaßnahmen gibt! Bei dem Investitionsvolumen und der Bedeutung des Gebäudes für das Nürnberger Stadtbild wäre das schon angemessen gewesen!

  • AOK

    Ok, habe gerade die AOK Geschichte im Netz gelesen. ....
    Eine Komplettsanierung ist völlig unrentabel und somit wird dieses Gebäude wohl komplett abgerissen und macht einem Hotelneubau platz.


    Im Netz habe ich diese Ausschreibung der AOK gefunden, in der genau beschrieben wird was die Kasse am Standort Frauentorgraben plant:


    http://www.bauportal-deutschla…iser_Betrieb_1020731.html


    Wie alt die Ausschreibung ist weiss ich nicht, aber sie klingt sehr konkret. Demnach will man am Standort festhalten und einen Neubau errichten lassen. Nachdem das Grundstück eine Baumasse zulässt, die deutlich über der benötigten Fläche liegt - man benötigt ca. 15.000 qm - soll der Neubau auch weitere Nutzer neben der AOK ermöglichen. Dies würde die Kosten senken und einen wirtschaftlicheren Betrieb ermöglichen. Durch die Ausschreibung werden Partner gesucht, die sowohl diese Aufgabe bearbeiten, als auch eine Interimslösung anbieten können in der die AOK Platz finden kann während der Arbeiten. Offenbar sind 16 Büros an Bord.


    Die Hotellösung ist damit zwar nicht ausgeschlossen, aber vorstellen kann ich mir das irgendwie nicht so recht. Es läuft eher auf ein Bürokomplex hinaus, wie er auch am Kohlenhof entstehen soll - dank GfK ein sehr erfolgversprechendes Projekt - oder in der Bahnhofstraße das Projekt "Marienzeile", das aber weit weg von der Realisierung ist. Hauptsache das denkmalgeschützte Bahnhofsgebäude ist schonmal weggeräumt worden!!! Ich denke 15.000 qm Büros lassen sich auch im Neubau der Hauptpost am Bahnhof unterbringen. Wenn die GfK einst umgezogen sein wird steht auch am Nordring ein gigantisches Bürogebäude leer.


    Ich finde es schade dass hier die Chance, etwas Kulturelles hinzustellen, vertan wird. Wenn man an die Tradition des Kulturvereinsgebäudes anknüpfen würde, könnte man auch dort einen Konzertsaal integrieren, hier ausführlich diskutiert. Denn Projekte für eine Büronutzung gibt es in Nürnberg genug, und einige davon finden keinen Ankermieter. Ich hoffe also, das Projekt AOK lässt sich noch etwas Zeit, damit sich der Markt an Büroflächen sich zurechtrütteln kann.

  • Wirklich eine interessante Neuigkeit.


    Es hieß ja zunächst einen Neubau könne die AOK nicht finanzieren und da waren sich viele sicher das Grundstück werde mit einem Renditeobjekt versilbert. Doch Anscheinend will die AOK jedoch nicht auf den Prestigeträchtigen Standort verzichten und sucht nach Lösungsmöglichkeiten.


    Also ich bin ja nachwievor der Meinung das die AOK das finanziell nicht stemmen kann und das dieses große Filetgrundstück besser als Hotelneubauplatz genutzt werden könnte.


    Ich werde mal versuchen eine Visualisierung des Areals mit einem Hotelneubauplatz zu verwirklichen. Als Renditeobjekt so nahe am Bahnhof wäre es ideal.


    Der AOK würde ich eher zu einem anderen Standort raten und eines der bestehenden Bürokomplexe in Nürnberg zu sanieren. Der Telekom Komplex am Rathenauplatz wäre ja ideal gewesen, und war mit 30 Mio sogar relativ günstig.

  • Ich habe mir mal erlaubt eine kleine Visualisierung des Schlegtendal´schen Plärrer Hochhauses anzufertigen.


    Da das Gebäude bereits entkernt ist, habe ich auf eine Außendämmung verzichtet und stattdessen eine Innendämmung vorgesehen.


    Auf Kippfenster habe ich jedoch aus Sicherheitsgründen lieber verzichtet und stattdessen Reihen von Solarkollektoren oberhalb der Fenster montiert, das hat den selben WOW Effekt, wenn nicht sogar besser.


    Die Außenfassade bleibt soweit bestehen, kriegt jedoch einen moderneren Farbanstrich verpasst. Das dahinterliegende Planetarium wird gleich mitgestrichen im Partnerlook.



    Das selbe nochmals in der Abendansicht.


    EDIT: Habe die Signaturen ergänzt

  • Wenn man sich auf den Bildern die ganzen maroden Stahlbetonträger anschaut, fragt man sich ob ein kompletter Abriss nicht vielleicht die bessere Alternative gewesen wäre. Denkmalschutz hin oder her aber wie will man die Standsicherheit für die nächsten 50 Jahre gewährleisten, wenn damals beim Bau auf Kante genäht wurde, wegen zum einen Materialmangel und zum anderen schlanker Ästhetik.


    Bei so einem Gewicht ist mit der Statik nicht zu spaßen. 1950er Jahre Stahlbeton lässt bei mir die Alarmsirenen aufheulen. Die ganzen alten ST.B. Brücken werden ja nicht umsonst abgerissen.


    Ausserdem wurde die U-Bahn untendrunter nachträglich gebaut..

  • AOK am Frauentorgraben

    Ja, schrecklich! Ich hatte gehofft dass die AOK diesen Standort vielleicht aufgibt und dort eine progressive städtebauliche Dominante entstehen kann, die auch die Gegend aufwertet. In der Presse wird die AOK damit wiedergegeben, dass man stolz sei ein schlichtes und einfaches Bürogebäude zu bekommen, dessen zentrale architektonische Aussage der sparsame Umgang mit den Mitgliedsbeiträgen sei. So sieht dann auch der Bau aus: sparsam. Für diese wichtige Lage m.E. völlig unpassend.


    Vor 100 Jahren hat man hier ein hoch ambitioniertes Projekt verwirklicht, ebenfalls aus Vereinsmitgliedsbeiträgen finanziert und auch außerhalb der Stadt hoch beachtet. Gemeinsam mit den verlorenen Lessingsälen am Hotel Deutscher Hof, dem damals sensationellen Opernhaus und den Hotelprachtbauten an der Ringstraße war der Frauentorgraben eine Prachtstraße, die metropolitanen Glanz verströmte und viele Menschen anlockte. Das alte Kulturvereinshaus:



    Ak aus Privatsammlung


    Das Hotel Württemberger Hof, Vorgängerbau des heutigen ERGO-Bürohochhauses, war damals mit dem Grand Hotel erstes Hotel am Bahnhofsplatz:



    Ak aus Privatsammlung


    Aber selbst der aktuelle AOK-Bau aus den 1970'er Jahren strahlt ein gewisses Selbstbewusstsein aus, wenn man bedenkt was damals "en vogue" war:



    Der Entwurf des Neubaus ist nochmal abgespeckter, hat keinerlei Vor- und Rücksprünge mehr und reduziert sich selbst auf eine einfache Büroschachtel. Die Monotonie der westlichen Hälfte des Frauentorgrabens bis zum Plärrer setzt er wunderbar fort, und auch die Nutzung als Bürohaus lässt diese Gegend nach Feierabend weiterhin Angstraum bleiben. Außer Spielhallen und einer Tankstelle gibt es da nicht viel.


    Der Bau soll 2018 beginnen und 2 Jahre dauern. Der Publikumsverkehr wird im ehemaligen Telekomgebäude am Rathenauplatz abgewickelt. Mir wäre es lieber die AOK bliebe dauerhaft dort.


    Übrigens, nichtmal die Architekten gmp präsentieren den banalen Entwurf auf ihrer Website.....

  • An die Eleganz und Ausdrucksstärke ehemaliger Prestigebauten am Altstadtring wie den Württemberger Hof oder - noch eindrucksvoller - den Kulturverein kommt heutige Profanarchitektur nicht mehr ansatzweise heran, jedenfalls nicht in Nürnberg, auch nicht in Bauklötzchen-Deutschland. Uns ist fast jegliches Gespür für Ästhetik abhanden gekommen oder aberzogen worden. Bloß nicht auffallen, bloß nicht prahlen, und auf gar keinen Fall mit öffentlichen Geldern. Außer der Elbphilharmonie hat Deutschland seit Jahrzehnten kein einziges Gebäude von architektonischem Weltrang zustande gebracht (erlaube ich mir laienhaft zu behaupten). Wer heutzutage geniale Architektur sucht, der findet sie an Orten, an denen sie kaum einer vermuten würde.


    Hier mal drei Beispiele, die ich auf Reisen selbst in Augenschein nehmen konnte, auch wenn die verlinkten Photos nicht von mir sind, sondern frei verfügbar aus dem Netz:


    Kulturzentrum, Baku, Aserbaidschan:


    Bürger-Service-Zentrum, Tiflis, Georgien:


    Hauptbahnhof, Lüttich, Belgien:


    Alle drei Städte, insb. die beiden Kaukasus-Hauptstädte haben übrigens sehr schöne historische Altstadtkerne, die aufwendig herausgeputzt werden/wurden, und sind für Architekturbegeisterte jederzeit eine Reise wert.


    Aber ich schweife ab. Den Entwurf für den AOK-Neubau finde ich ehrlich gesagt gar nicht mal so schlecht. Er kommt an das m.E. sehr gelungene Neubaukonzept für den Hauptpost-Kopfbau am Bahnhofsplatz nicht heran, aber er gefällt mir mit seiner klaren Schlichtheit eigentlich ganz gut. Etwas sehr viel Extravaganteres würde auch nicht passen zu einer gesetzlichen Krankenversicherungsgesellschaft. Außerdem gefällt mir, dass die Dimensionen sich wieder mehr in die allgemeine Blockbebauung am Altstadtring einfügen. Den bisherigen AOK-Bau habe ich immer als überdimensionierte Beton-Wucherung empfunden. Gut, dass das Ding weg kommt. M.E. wird es stark darauf ankommen, was für Material für die Fassadenverkleidung genommen wird. Ich hoffe inständig auf Naturstein. Die Verwendung von Naturstein sollte sowieso innerhalb der Altstadt und entlang der Stadtmauer zur Pflicht gemacht werden, um jenseits der Formensprache ein stimmiges Gesamtbild zu erzeugen.

  • Dem stimme ich zu.



    Ich war vergangene Woche in Riga unterwegs, und selbst weit außerhalb der Altstadt werden Wohnblöcke errichtet, wie man sie sich hier nur wünschen würde.
    Der AOK-Bau an der Ringstraße kommt da bei Weitem nicht ran. Was zählt hier mehr, die "Armut der Krankenkasse" oder die exklusive Lage an der Ringstraße? Seit wann kann jeder Bauen was er will? In einer Stadt sollte es eine Gestaltungssatzung geben, gerade vis-à-vis der wichtigsten Denkmale, wie unserer Altstadtmauer.

  • "Gestaltungssatzung": völlig richtig.


    Und dabei ginge es keineswegs um "Butzenscheibenromantik". Es geht um die Herstellung eines Anforderungs-Minimums - oder auch: einer roten Linie - bei der optischen Selbstpräsentation der Stadt. Vor vielen Jahren hat mich während eines Sprachkurses in dieser Hinsicht Salamanca nachhaltig beeindruckt. Innerhalb der Unesco-geschützten historischen Altstadt gab es eine ganze Reihe von öffentlichen wie privaten Bauten teils mit extravagantesten Formen. Aber es gab ein verbindendes Element: Das verwendete Fassadenmaterial war der für die Stadt typische hellgelbe Sandstein. Durch diese ganz einfache Maßnahme harmonierten schlichte mittelalterliche Bauten, aufwendige Barock-Fassaden und hypermoderne Gebäude miteinander und stellten sich als stimmige Einheit dar - ohne dass damit gestalterischer Kreativität Grenzen gesetzt gewesen wären.


    Es muss ja nicht das Material sein. Es könnten auch bestimmte Formen sein. Oder Erfordernisse an (hier fehlt mir der Spezialausdruck) die Gesamtmasse der Gebäude. Aber irgendeine Linie muss in Nürnberg endlich her. Zumindest in der sogenannten "Altstadt". Dass so gut wie alles erlaubt ist und dass dabei dem gestalterischen Anspruchsniveau nach unten keine Grenzen gesetzt sind, ist in Bezug auf des ehemaligen Reiches ehemaliges Schatzkästlein schon wirklich erschütternd.

  • Heute Morgen im Radio gab es einen Beitrag über die Milliardenüberschüsse unserer gesetzlichen Krankenkassen. Demnach war die reichste Krankenkasse die AOK. Soviel zur "armen Krankenkasse".

  • Was hatte ich Hoffnung in den Abriss des AOK Gebäudes. Was stattdessen geplant ist streichelt nicht gerade die Seele. Es ist zwar besser als der 70er Schick, aber mein Gott wäre da mehr drin gewesen.

  • Es ist enttäuschend. Und irgendwie nicht schlüssig.


    Wenn die AOK tatsächlich so sparen möchte, weshalb beauftragt sie ein sehr nahmhaftes, sicherlich nicht günstiges Architekturbüro mit der Planerstellung?
    Betrachtet man das Ergebnis, dann hätte das sicher der ein oder andere Vorstadtarchitekt in Nürnberg nicht schlechter hinbekommen.



    - Der Kulturverein war ein "Divenbau" sondergleichen und passte hier eigentlich kaum, aber natürlich, wie die meisten Bauten aus dieser Zeit, solide und wertig anmutend in der Ausführung.


    - Der AOK-Bau aus den 70ern bricht hier auch alle Regeln des eigentlich stark reglementierten Altstadtrings, wirkt aber insgesamt eher störend und wenig wertig.



    Die Neubaupläne sind nicht Fisch nicht Fleisch. Zwar werden städtebauliche Fehler behoben (z.B. die Grundstücköffnung nach Süden durch die geplante Gasse und die Blockrandbebauung), dies jedoch nicht vollends und konsequent. Warum wird nicht die klassische Altstadtring-Kubatur und Formensprache des Neubaus gegenüber (Zeltnerstraße/Frauentorgraben) aufgenommen und durch eine wertige Fassade ergänzt? Es muss hier ja, zumindest aus meiner Sicht, kein Ausrufezeichen sein wie die Vorgängerbauten. Wichtiger ist eine hochwertige Ergänzung des Straßenzugs...



    d.

  • Ich finde dem Neubau der AOK-Krankenkasse hätte es gut getan, wenn man bei der Gebäudegestaltung bzw. dem Vorplatz einige Sachen optisch getan hätte:


    1.) Ein künstlerische Bildgestaltung (mir fällt gerade das Fachwort dazu nicht ein) der Frontfassade in Bezug auf das Wesen einer Krankenkasse.
    2.) Der Vorplatz hätte als kleine Ruhezone gestaltet werden können (Bäume, 1-2 Bänke und wieder einen moderen Brunnen (oder halt den sanierten alten).


    Mir kann keiner sagen das, dadurch die Gesamtkosten wesentlich gestiegen wären.

  • Ja, ein großformatiges Fassadensgraffitto wäre eine enorme Aufwertung des gesichtslosen Entwurfs. Es wäre kaum teuer und stünde in der Tradition der Nürnberger Nachkriegsmoderne.


    Aber wie ich schon zu oft beklagt habe, in Nürnberg ist es privaten Bauherren erlaubt, die Grenzen erwartbarer Gestaltungsqualität weit zu unterschreiten, selbst in gehobenen Lagen.

  • Was mich interessieren würde:
    Wie ich aus einer damals veröffentlichten Broschüre entnehmen konnte, wurde bei der Grundsteinlegung (1967) eine Art Zeitkapsel eingemauert.Der Inhalt waren Formulare,Pläne ,Münzen und Tageszeitungen.
    Wird sowas normalerweise bei einen Abriss geborgen?