Beiträge von Truderinger

    ^ Wobei Schadensersatzansprüche gegen die Stadt gestellt werden können, falls Baurechtseinschränkungen zu einer Wertminderung des Grundstücks führen (was z.B. die Existenz einer wirksamen Gartenstadtsatzung verhindert). Eine planungsrechtliche Rücknahme von Baurecht kommt daher quasi nie vor, auch wenn die Stadt dazu durchaus das Recht hat.

    Nächster Artikel in der SZ:


    https://www.sueddeutsche.de/mu…04-frauenkirche-1.5443902


    Ein Argument, das ich bislang vermisse: Nach 18 Jahren (denn vor 2022 wird es keinen Entscheid geben), und mit entsprechend hoher Fluktuation dank Zu- und Wegzug dürften sich die Wahlberechtigten nur noch (sehr rudimentär geschätzt) zu 50%-60% mit denen von 2004 überschneiden. Bei einer damaligen Wahlbeteiligung von ca. 20% und einem quasi 50-50 Ergebnis diskutieren wir also über einen Entscheid, der seit 16 Jahren nicht mehr bindend ist, und bei dem ca. 5-6% der heutigen Wahlberechtigten dafür und 5-6% dagegen gestimmt haben. Welche Gruppe dabei stand heute die Nase vorne hat ist völlig unklar.

    Doch auch Finanzielles. Rede mal z.B. mit einem Hotelier, er weiß, wie viele für ein Konzert-/Opernbesuch oder sonstige kulturelle Ereignisse anreisen. Vielleicht noch 1 oder 2 Tage dran hängen, essen gehen etc.


    Klar kann man sagen München hat sowieso schon genug Besucher und floriert sowieso. Aber die Kultur trägt mit dazu bei und bringt erheblich Geld in die Stadt. Warum soll man da nicht in diesen Bereichen weiter investieren wenn das Potential (Künstler, Infrastruktur, Bekanntheitsgrad) sowieso schon da ist.


    Apropos "Spitzenplatz": Nicht falsch verstehen, man muss nicht der Allerbeste sein und Eitelkeiten aufbauen. So meine ich das nicht. Ich will nur damit sagen, hier ist etwas vorhanden, was man schätzen und nutzen sollte.

    Da würde ich zustimmen. Angefangen hat die Diskussion jedoch mit meiner Frage, ob es denn drei Spitzen-Konzertsaale bräuchte. Für mich immer eine Frage von Grenznutzen und Grenzkosten. Ich bezweifle einfach, dass ein dritter Saal viele Leute bewegt, die nicht für die ersten beiden auch schon kommen würden.

    Das nur aus meiner Erfahrung, Truderinger meint vielleicht was ganz anderes.

    Ich denke ich hab oben ziemlich genau beschrieben, was ich mir kulturell bzw. beispielhaft für die Infrastruktur vorstellen könnte.

    ^


    Hinzu kommt dann noch das in Bau befindliche Bergson und der auch für Konzerte ausgelegte künftige Saal unter der Paketposthalle.

    Offenbar scheint ein Kulturbetrieb auch aus privatwirtschaftlicher Sicht durchaus eine lohnende Investition, trotz vermeintlichen Überangebots.

    Der Saal der Paketposthalle wird kaum in der gleichen Kategorie angesiedelt sein wie Gasteig, Isarphilharmonie und das Ostbahnhof-Projekt.

    Sicherlich ist die Nachfrage extrem hoch, aber Gasteig und Philharmonie werden trotzdem jedes Jahr mit vielen Millionen bezuschusst. Wirtschaftlichen Mehrwert kann ich in der ganzen Sache nicht erkennen, es sind und bleiben Prestigeobjekte.


    Grundsätzlich jedoch nicht zutreffend ist es, den Gasteig auf Hochkultur zu reduzieren. Die ist dort nur ein Baustein von vielen.

    Dem stimme ich voll zu.

    Das stimmt sicherlich. Andererseits kommt ein ähnlicher Argumentationsstrang auch von Wachstumsgegnern, "München geht es schon so gut, da brauchen wir nicht noch mehr Büros, Wohnungen etc".

    Ein Wachstumgegner bin ich sicher nicht. Ich hab deswegen aufgepasst, es so zu formulieren, dass ich eben einen wirtschaftlichen Mehrwert durchaus als Begründung akzeptieren könnte (wenn ich den ihn denn sehen würde ;)).

    Hätte sicher auch keine zehn Kirchen in der Altstadt und drei Pinakotheken gebraucht :) Doch heute will sie niemand missen. Kulturprojekte wirken mehr als andere sehr langfristig auf verschiedensten Ebenen.

    Wenn wir nur streng utilitaristisch Geld investieren wollten, würden wir nie zu einem Ergebnis kommen, es findet sich doch immer etwas, mit dem mehr Menschen geholfen wäre. Min. 500 Mio. Euro für das Konzerthaus im Werksviertel stattdessen in Somalia ausgeben, hilft noch viel mehr Menschen als es in kleine Projekte in München anzulegen.

    Ja, ich erwarte mir tatsächlich mehr utilitaristisches Handeln von der Politik. Der Märchenprinz hätte auch am liebsten die Staatskassen geplündert, dann wären Neuschwanstein, Herrenchiemsee und Burg Falkenstein fertig gestellt/ gebaut worden. Richtig wäre es trotzdem nicht gewesen. Die philosophischen Grundsatzfragen schießen jetzt allerdings etwas über das Ziel hinaus.


    Und ja, ich oute mich als Kulturbanause, von mir aus kann das Geld der Staatsregierung gerne in andere Bereiche gehen. Für 580 Mio€ könnte die Staatsregierung in München ein halbes Dutzend Fahrradautobahnen inklusive Hochradwegen auf Stelzen und Co. (wie von der CSU forgeschlagen) bauen. Das wären dann immer noch Prestigeausgaben, könnte München aber zu einem Vorreiter in Fahrradinfrastruktur in ganz Deutschland machen.


    Aber um bei der Kultur zu bleiben:

    1) Das Feierwerk hat ein super Konzept, das es verdient hätte so oder so ähnlich sehr viel stärker gefördert zu werden. Ein Gebäude mit verschiedensten Bandproberäumen, Tonstudio, kleineren Hallen für Konzerte von Newcomer-Bands/ Schülerbands, Künstlerateliers und Ausstellungsflächen könnte sehr viel mehr Menschen erreichen und auch flexibler genutzt werden. Es könnte auch aufstrebende Musiker und Künstler nach München locken, denn bislang orientiert sich alles nach Berlin. Auch dem Image Münchens würde das sehr gut tun.

    2) Kultfabrik/ Kunstpark Ost und Optimol-Gelände waren für den gesamten Münchner Osten + Umland 20 Jahre Abhangort und Magnet für alle Jungen Leute. Das Loch, dass deren Schließung hinterlassen hat, wurde nie geschlossen. Allgemein gibt es keine gute Strategie, wie man jungen und weniger betuchten Menschen Veranstaltungsflächen zu bezahlbaren Preisen zur Verfügung stellen kann.

    3) Das Backstage ist quasi das einzige Standbein für Alternativkultur in München, und muss immer wieder zittern, ob es an Ihrem Ort bleiben kann. Ein Wegfall wäre in der Szene absolut fatal, auch hier würden wenige Millionen sehr viel weiter helfen.

    4) Projekte im Rahmen vom "Sommer in der Stadt" und allgemein Projekte in der Öffentlichkeit, wie zum Beispiel die Förderung von Straßenmusik können auch mit wenig Geld sehr viel bewegen.


    Das alles sind natürlich Zuständigkeiten der Stadt, aber mir wäre es am liebsten, wenn die Staatsregierung die Sanierung des Gasteigs übernimmt und sich die Stadt dafür stärker obigen Themen widmen könnte. Ich weiß natürlich selbst, dass das so nicht passieren wird.

    Was bringt uns der Spitzenplatz denn ?


    Sicher nichts finanzielles, denn ganz abgesehen von den Investitionen wird gerade "Hochkultur" stark subventioniert.

    Sicherlich auch nicht der Vertrieb von Zweitwohnungen und Co. an eine globale Elite, die nichts mit ihrem Geld anzufangen weiß und sich natürlich über jeden zusätzlichen Saal freut. Schaut man an einem Wochentag Abends in die Fenster neuer Hochpreiswohnanlagen, schaut es dort oft ziemlich düster aus.

    München bietet bereits so viel Kultur und Freizeitangebot, dass auch sicher kein Unternehmen mangels 3. Konzertsaal München verschmähen wird. Der Grenzertrag für das Standortmarketing mit allen 3 Projekten ist also auch quasi null.


    Bei den gigantischen Summen lehne ich mich jetzt einfach mal aus dem Fenster und behaupte, dass das Geld sehr viel mehr Menschen zugutekommen kann, wenn es in verschiedenste kleine und mittlere Projekte investiert wird.

    Johannisplatz 16 (Haidhausen)

    Für das Projekt wurde nun die Baugenehmigung erteilt. 12 Wohneinheiten zwischen 30 und 170 qm, Baubeginn noch dieses Jahr: https://www.landaukindelbacher…tsgebaeude-johannisplatz/


    Die Wohnungen werden jetzt auch schon vertrieben. Allerdings scheint man hier nicht den Blick der Öffentlichkeit auf sich ziehen zu wollen, sind die Preise doch nochmal absurder geworden als wir das eh schon von München gewohnt sind.


    Die 131 m2 Wohnung im 2. OG wird nur noch mit "auf Anfrage" beworben, die 3-Zimmer Wohnung im 1. OG mit 75 m2 wird mit 2.095.000€ aufgerufen (ca. 28.000€/qm2) - wohlgemerkt sind Schlaf - und Kinderzimmer dann direkt neben dem Johannis-Cafe. Da hoffe ich doch, dass die Fenster gut schallisoliert sind und eine entsprechende Entlüftung mitgeplant wurde, denn sonst ist da an Wochenenden nicht viel mit Schlaf.

    Bislang sehe ich mich in meiner Prognose ziemlich bestätigt ...


    Nun geht Herr Büschl also in die Offensive, siehe:

    https://www.sueddeutsche.de/mu…-paketposthalle-1.5443046


    "Falls sein Projekt eines Stadtquartiers mit verschiedensten Nutzungen scheitere, betont Büschl, dürfe er gemäß geltendem Baurecht auf dem Paketpostareal ein kleineres reines Gewerbequartier bauen."


    Am Schluss kann der Stadtrat sich auch nicht einfach alles wünschen und muss sich fragen, wie lange man einen Großinvestor hinhalten kann, bevor dessen Verwertungsdruck das Ganze Projekt kippt. Es ist ganz einfach: Ohne Hochhäuser wird die Paketposthalle weiter Logistikfläche bleiben. Das wäre eine vertane Chance gigantischen Ausmaßes, ganz unabhängig, wie genau das Hochhaus jetzt aussieht. Dann gibt es auch genau 0 geförderte Wohnungen.

    ^

    Mir ist bewusst, dass mein Vorschlag Zeit braucht und nicht 5 Jahre nach Baurechtsschaffung ein neues Quartier da steht, aber das ist auch voll in Ordnung so.


    Was mich einfach stört ist die vollständige Ideen- und Perspektivlosigkeit für Gartenstadtgebiete, insbesondere für gut angebundene. Sollen diese Bereiche bis in alle Ewigkeit "Gartenstadt" bleiben? Auch dann, wenn dort keine großen Bäume mehr stehen, weil bei Neubauten der Grund durch Tiefgaragen unterirdisch so versiegelt ist, dass mehr als eine Hecke nicht drin ist?


    So wie es momentan läuft geht der Charakter der Gartenstädte doch eh verloren.

    Ich empfehle jedem hier mal die Zahnbrechersiedlung in Johanneskirchen, Hartmannshofen, oder die "Mustersiedlung Ramersdorf" zu besuchen. In diesen Bereichen existieren B-Pläne mit restriktivem Baurecht, und der Unterschied zu Bereichen wie der Gartenstadt Trudering ist enorm. Schaut man zum Beispiel in Trudering genauer hin, wird der Charakter dort im Wesentlichen von (baufälligen, alten) Häusern auf großem Grund erhalten, die im Laufe der nächsten 20 Jahre häufig zu Bauträgerobjekten werden werden. Mangels Überplanung gibt es dort keinerlei sozialen Wohnungsbau und es entsteht keinerlei Infrastruktur/Nahversorgung. Die ökologische Bilanz der Bauprojekte ist oft verheerended, denn um den neuen Bewohnern einen schönen Garten zu bieten, wird oft pauschal alles abgerodet, das Verhältnis von Bewohnern zu Versiegelung ist bei EG+1+DG auch ziemlich schlecht.


    Es gibt vereinzelt Gegenden auch ohne B-Plan, in denen die Bebauung so homogen ist, dass auch bei Neubauten wenig Spielraum ist (Laim östlich Willibaldstraße/ nördlich Senftenauer Straße). Aber in all jenen Gartenstadtgebieten, in denen eh städtebaulicher Wildwuchs herrscht braucht es eine langfristige Perspektive. Für gut angebundene Bereiche sehe ich diese eben in einer Art Staffelbauordnung mit höherer, geschlossener Bebauung.

    Für mich an Lächerlichkeit kaum zu überbieten:


    Nachdem seit Jahrzehnten über die Hochhausgrenze diskutiert wird und gefühlt bei jedem 60 Meter Türmchen vor dem Verlust des Alpenpanoramas gewarnt wird, stehen nun die Chancen gut, dass ganz ohne jegliche Beteiligung der Bevölkerung im Forstenrieder Park 240 Meter Windräder aufgestellt werden. Siehe https://www.tz.de/muenchen/sta…-geplant-zr-91045834.html


    Wo bleiben die roten Luftballons und der Weitwinkel Ultra-Zoom?

    Es braucht doch gar keine Enteignung, nur entsprechendes Baurecht. Wenn links und rechts 5-Stöckige Wohnhäuser hochgezogen werden die geschlossen an dein Grundstück grenzen, werden sich die meisten Besitzer eines ~800m2 grundstück mit EFH schnell überlegen, ob Sie sich für 5 Mio lieber woanders ein EFH holen.


    Beispiel: Treffauerstraße, https://www.google.com/maps/@4…197669,249m/data=!3m1!1e3

    Ganze Reihe mit EG+3+DG, ein EFH bleibt noch ein paar Jahrzehnte länger stehen. An dem Charakter des Gebiets ändert das nichts, die Eigentümer können selbst entscheiden, wann sie verkaufen, die meisten machen das aber recht zügig.

    ^ Eine Überplanung mit B-Plänen ist durchaus möglich. Wird dadurch der Wert der Grundstücke eingeschränkt, wird die Stadt Entschädigungspflichtig (deswegen sind die Forderungen des Bündnis Gartenstadt auch völlig illusorisch). Da es aber nun Sinn einer solchen Planung wäre, Baurecht massiv auszuweiten, ist das unwahrscheinlich.


    Ich bin da voll bei Isek .

    Die Frage die man sich in der Stadtplanung stellen muss, ist doch, wann es sinnvoller ist, Randlagen dicht zu bebauuen, um anschließend mit extremen Zeitverzug und finanziellen Mitteln die Infrastruktur bereit zu stellen (siehe Freiham), und wann man lieber bestens erschlossene Lagen baulich sinnvoll ausnutzt.


    Es bräuchte m.E. eine neue "Staffelbauordnung", die um U-Bahn-Haltestellen z.B. geschlossene (Blockrand)Bebauung + halbe Abstandsflächen festsetzt. Das Potential dadurch ist enorm. Umsetzung ist sicherlich nicht einfach, insbesondere mit den Mitteln des deutschen Planungsrechts. Unmöglich ist es aber auch nicht.

    https://www.youtube.com/watch?v=twfrEpHeLfw


    Ein (englischsprachiges) Video zur Aspern Seestadt Wien:


    -240 Hektar

    -ca. 25.000 EW

    -ca. 20.000 Arbeitsplätze (teils inklusive Fertigung!)

    -schaut toll aus, scheint jetzt schon belebter zu sein, als alles, was so in München am Stadtrand gebaut wird.


    Wieder einmal frage ich, wie man bei der SEM Nordost politisch zwischen 10.000 EW und 30.000 EW diskutieren kann. Besser wären 50.000 EW und 25.000 Arbeitsplätze.

    ^ Bei Tempo 30 brauchts nicht unbedingt Radwege, der Verkehr wird eh oft stocken und die Fahrbahnen sind breit genug, dass ein Fahrradfahrer bei Stau locker an den Autos vorbei kommt. Die Gehwege sind breit genug, dass Kinder, alte, und unsichere Personen im Zweifel auf den Gehweg ausweichen können.
    Mit (beidseitigem) Fahrradweg wäre zu wenig Platz für Fußgänger und Außengastro, denn vereinzelte Parkplätze braucht und gibt es nach wie vor. Die Stammkundschaft vieler Läden dort ist doch schon älter und darauf angewiesen, auch mal direkt vor der Tür parken zu können. Spannend wird eher das Verkehrschaos, sobald bei der Eisinsel die Abbiegespuren wegfallen. Manchmal denke ich, das gscheideste wäre eine großzügige Einbahnstraßenregelung gewesen.

    Eine Vermögenssteuer in München wäre in der Tat hoch interessant, aus meiner Sicht je nach Gestaltung aber nicht unbedingt negativ.


    Eine Vermögenssteuer würde vermutlich auf die Mieten umgelegt werden, ohne anderweitige Entlastung könnte dies allein dramatische Auswirkungen auf den Immobilienmarkt haben. Entscheidend wären jedoch die Höhen der Freibeträge, bei einem Freibetrag von z.B. 1.000.000€ wäre es plötzlich für viele attraktiver, selbst zu kaufen, als den Mietaufschlag für die umgelegte Vermögenssteuer zu zahlen. In gewisser Weise könnte darüber Eigentum sogar gefördert werden, die Preise würden vermutlich auch sinken, weil reiche Privatpersonen und Investoren Immobilien abstoßen. Allerdings würde das zwingend erfordern, dass auch Fondsgesellschaften und ausländische Immobilienbesitzer pauschal zur Kasse gebeten werden, sonst passiert genau das Gegenteil und Immobilienbesitz verschiebt sich ins steuerbefreite Ausland. Ein weiterer Effekt wäre ein erheblich höherer Druck zur Schließung von Baulücken.


    Allerdings stellen sich mir mehrere Fragen bei einer möglichen Umsetzung.


    1. Wie wird die Steuer erhoben? Eine Ermittlung sämtlicher Verkehrswerte wäre ein gigantischer Aufwand.


    2. Wann wird die Steuer fällig? Viele (insbesondere alte) Leute am Stadtrand sitzen auf potentiellen Bauträgergrundstücken, die 2Mio€ + wert sind. Selbst bei einem Freibetrag von 1 Mio€ dürfte eine Vermögenssteuer viele Rentner in arge Liquiditätsprobleme bringen, Banken wären in ihrer Kreditvergabe vermutlich dank Risiko-Regularien in solchen Fällen die Hände gebunden. Eine Steuer könnte damit auf einen Schlag tausende ältere Personen zum Verkauf zwingen, sehr viel Bauland mobilisieren (und damit vermutlich die Grundstückspreise senken) und viele Teile der Münchner Gartenstädte auf einen Schlag in eine Betonwüste verwandeln (über kurz oder lang ist diese Enwicklung allerdings eh nicht aufzuhalten). Im Minimum müsste der Staat also Steuerkredite gewähren.


    3. Wie entlastet man die Personen, die sich auch mit einer Vermögenssteuer mit hohem Freibetrag kein Eigentum leisten können? Vermieter müssten in dem von mir gezeichneten Szenario überwiegend Steuern zahlen, welche auf die Mietpreise umgelegt werden dürften. Es bräuchte also eine Form von Ausgleichsmechanismus. Keine Ahnung, wie so etwas aussehen könnte.


    In den USA klappt eine signifikante Immobiliensteuer (1-2% pro Jahr) sehr gut. SIe führt auch dazu, dass Erben ohne eigenes Einkommen eben nicht bis in alle Ewigkeit auf gigantischen Ländereien sitzen können (zumindest in Lagen, in denen Grund etwas wert ist). Problematisch wäre die Einführung aufgrund temporärer Verwerfungen, abhängig von der genauen Umsetzung, aber prinzipiell könnte sich eine Immobiliensteuer mittelfristig durchaus positiv auswirken.

    Was das Innen- und Bauministerium betrifft, hoffe ich, dass es nicht von den Grünen geführt wird, da ich zu viele neue Auflagen und Vorschriften befürchte. Eine Beschleunigung von Planungsprozessen traue ich ehesten der FDP zu.

    Dem stimme ich voll zu.

    Ich denke, dass allgemeine politische Aussagen hier im Forum nicht wirklich gut aufgehoben sind.


    Aus Wohnungs(bau)politischer Sicht erhoffe ich mir von einer neuen Regierung Vereinfachungen und Beschleunigungen im Bauplanungsrecht, insbesondere für kleinere Projekte. Die Schwelle selbst für vorhabenbezogene B-Pläne ist m.E. zu hoch, die Verfahren zu langwierig und unsicher. Dadurch gehen bei kleinen bis mittleren Projekten auch in München regelmäßig Chancen für mehr Wohnraum verloren. Das Konzept zonaler Bebauungspläne habe ich noch nicht genau verstanden, klingt jedoch erstmal vielversprechend. Insgesamt erhoffe ich mir einfach mehr Flexibilität zwischen §34 BauGB einerseits und B-Plänen andererseits.


    Steuerlich hoffe ich auf eine Reduktion/Abschaffung der Grunderwerbssteuer für den Erwerb von selbstgenutzten Immobilien (wobei dies als Ländersteuer vermutlich gar nicht so leicht möglich ist). So wie es momentan aussieht, sparen sich nämlich Firmen über Share Deals die Steuer, nutzen zusätzliche Abschreibungsmöglichkeiten, die bei Vermietung möglich werden, und sind daher Privatpersonen beim Immobilienerwerb gegenüber doppelt bevorteilt.


    Interessant für die städtebauliche Entwicklung ist sicherlich auch die Zukunft des Verkehrsministerium und damit verbundene Verschiebungen in der Finanzierung von Großprojekten (Bundeszuschüsse für Fahrrad-Stadtautobahnen bei einem grünen Verkehrsministerium?). ÖPNV und Fahrrad dürften hier in Zukunft stärker berücksichtigt werden.

    Der Aufstellungsbeschluss ist bereits 2 Jahre her, bevor an der Stelle Hochhäuser fertig gestellt sind, wird es sicher 2030 sein. Bzgl. des Wettbewerbs gibt es durchaus Argumente dafür.

    Allerdings schafft es die Stadt immer wieder, ambitionierte Großprojekte durch Sonderwünsche und Launen der Politik zu verzögern und komplizierter und teurer zu machen.

    Großinvestoren, die das Verfahren an der Paketposthalle verfolgen werden sich dreimal überlegen, ob sie ihre Grundstücke ambitioniert überplanen wollen oder eben mit 0815 Architektur und Nutzung.


    Die Paketposthalle ist doch ein Desaster mit Ansage, denn so wie es momentan aussieht, passiert nacheinander folgendes:

    - Ein Bürgergutachten zu den Hochhäusern (in der HdM-Form) wird durchgeführt und ausgewertet

    - Der Stadtrat beschließt einen Wettbewerb, der das Bürgergutachten überflüssig macht, inklusive langwieriger Öffentlichkeitsbeteiligung

    - Das Münchner Forum stellt trotzdem am Schluss ein Bürgerbegehren auf die Beine, um die generelle Hochhausfrage in einem Bürgerentscheid zu klären

    Bis das alles durch ist haben wir sicher 2025, und selbst wenn dann ein schöner neuer Entwurf vorliegt und Hochhäuser allgemein bestätigt werden, wird das anschließende B-Plan Verfahren immer noch 3 Jahre dauern (sprich: ca. 2028 Satzungsbeschluss, Fertigstellung der Hochhäuser ~2032?!).


    Sollten bei all dieser Unsicherheit und Planungslänge irgendwann die Zinsen merklich steigen, sehe ich durchaus die Gefahr, dass am Schluss an der Stelle nicht mehr als ein "schickes" Bürogebäude und das neue Amazon-Verteilerzentrum hinkommen.