Ex-Reichsparteitagsgelände

  • Ex-Reichsparteitagsgelände

    Hi,

    gestern habe ich einen Bilder Thread über das RPT Gelände eröffnet:

    http://www.deutsches-architektur-forum.de/forum/showthread.php?t=7943

    Über dieses hochinteressante Thema haben wir uns noch überhaupt nicht ausgelassen...

    -Was haltet ihr vom Einzug des "BurgerKing" ins Trafohäuschen?
    -Stichpunkt: Verfall der Tribünenanlagen Zeppelinfeld
    -Instandhaltung Kolosseum...
    -Wie lassen sich Gelder auftreiben um die Instandhaltung zu finanzieren?
    -Wie steht ihr zu den Bauten?

    Gruß

    Mattes

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Hi,

    -Was haltet ihr vom Einzug des "BurgerKing" ins Trafohäuschen?
    -Stichpunkt: Verfall der Tribünenanlagen Zeppelinfeld
    -Instandhaltung Kolosseum...
    -Wie lassen sich Gelder auftreiben um die Instandhaltung zu finanzieren?
    -Wie steht ihr zu den Bauten?

    erst mal vielen Dank für die Doku!


    Zu Burger King:

    Ehrlich gesagt, ich weiß nicht. ich find es irgendwie gut und doch irgendwie doof. gut weil dort endlich leben herrscht und die Filiale wirklich einzigartig daherkommt. doof, weil eigentlich passts nicht. hätte ich darüber entschieden, ich hätte nicht meinen Segen gegeben. aber nun wo es so ist, naja gut...


    zum Verfall am Zeppelinfeld:

    Auch schwierig. Die ehemalige Nutzung liegt nun mal so schwer auf dem Gelände, das alles was man da irgendwie anfasst (und nicht dem gedenken an die ursprüngliche Bedeutung entgegenkommt) schief werden muss.

    was will man mit frisch sanierten Steintreppen am Zeppelinfeld? der gepflegte verfall gibt den Baudenkmälern im Grunde erst eine gewisse Würde. Herausgeputzt hätte es etwas gruseliges.

    Auch die Haupttribüne sollte so in schuss gehalten werden dass sie nicht zusammen bricht und den derzeitigen nutzungsanforderungen weiter gerecht werden kann. aber mehr finde ich auch irgendwie unangebracht.


    Zum "Kolosseum":

    Hier bin ich entspannter. das gebäude wurde nie zu irgendwas verwendet, es kam über die bauruine nie hinaus. da könnte ich mir noch am ehesten mehr als nur die bloße minimale instandhaltung vorstellen. Was allerdings damit getan werden könnte? Vielleicht ein gigantisches Museum?


    Die Frage nach den Geldern:

    Hier sollte der Bund (wen er es es nicht schon tut?) zusätzlich zur Stadt zur Kasse gebeten werden. Schließlich übernahm er die Rechtsnachfolge des Deutschen Reiches, die Bauten auf dem Reichsparteitagsgelände sind also mehr als nur städtisches Erbe.


    D.

  • Die in den 60ern vorgeschlagene komerzielle Nutzung des Kolosseums durch ein Einkaufszentrum würde ich vollends abschlagen! Ebenso wie eine mögliche komerzielle Nutzung der Steintribüne... Beim Trafohaus finde ich die Lage hier etwas anders!
    Denn: es befindet sich am Randbereich des Geländes und es kommt dem Gebäude bei weitem eine nicht so tragende Rolle wie dem Kolosseum oder dem Zeppelinfeld zu.

    Die Tribünen des Zeppelinfeldes könnte man meiner Meinung nach zumindest vom Unkraut befreien.

    Die Steintribüne würde ich in den original Zustand versetzen! Der Granit sollte zwar nicht weiß strahlen, doch das würde dem ganzen das beklemmende totalitäre Bild zurückgeben.

    Das Kolosseum könnte doch im Zuge der eventuellen UNO Akademie der Menschenrechte zugeordnet werden! Somit könnte man die Räume im ersten und zweiten Geschoss nutzen und würde dem Verfall entgegentreten! Ebenso würde ich weitere Räume als Geschäftsräume zur Verfügung stellen. Das steht nicht im so krassen Kontrast wie ein Einkaufszentrum!

    Die Stadt könnte mittels des Geländes bestimmt noch mehr Touristen nach Nürnberg locken! Dabei muss aber darauf geachtet werden, dass Nürnberg nicht vom Erbe erdrückt wird. Denn das Image der Stadt der Reichsparteitage würde somit erst recht aufgebauscht. Die Stadt nur auf das eine zu reduzieren wäre falsch.

    Gruß

    Mattes

  • Anfang Dezember gab es in den Gängen und Nebenräumen Kongresshalle eine Fotoausstellung der Fotoszene Nürnberg.

    Ich nutzte die Gelegenheit mal "reinzuschauen" und machte mir auch Gedanken für eine neue Nutzung.

    Bisher war hier ein Außenlager von Quelle, das aber geschloßen wurde. Eine Nachnutzung stelle ich mir sehr schwierig vor, da der gebaute Raum als Zugang zur geplanten riesigen Halle in der Mitte, der heutige Innenhof, vorgesehen war. Dementsprechend schaut es im Gebäude auch aus: sehr breite Treppen, riesige und geschätzte 8-10m hohe Gänge (siehe das leider einzige brauchbare Bild von mir), kleine, niedrige und verwinkelte Neben- und Funktionsräume.

    http://i428.photobucket.com/albums/qq3/pla…22_kongress.jpg


    Büronutzung?
    Scheidet wohl eher aus, da das Verhältnis Nutzfläche zur Gesamtfläche extrem schlecht ist und nur die Gänge Fenster besitzen. Ein Umbau der Gänge, bspw. Einfügen von "Cubicles", ist sicherlich zu teuer und auch aus Denkmalaspekten problematisch.

    Weitere Nutzung als Lager? Sicher auch keine Zukunft, da Räume zu klein und verwinkelt, kaum automatisierbar.

    Einkaufszentrum oder andere kommerzielle/profane Nutzung
    Sowohl aus Denkmalaspekten aber auch aus Rentabilitätsgründen unwahrscheinlich und vermutlich auch unerwünscht.


    Bleibt noch Museum oder Ausstellungsfläche?
    Nur was soll gezeigt werden?
    Inhaltlich fände ich "entartete Kunst" am besten. Sie würde den größten Kontrast und Widerspruch zur ursprünglichen Ideologie und geplanten Nutzung erzeugen.
    Bandproberäume und Ateliers etc. wären eine andere, aber deutlich schlechtere Möglichkeit.

    Umbau und insbesondere Unterhalt (Stichwort Heizung) werden bestimmt auch nicht aus der Portokasse bezahlbar sein. Wenn dann funktioniert das nur mit massiver Unterstützung des Bundes, der sich bisher sehr ziert (weil es nur in der fränkischen Provinz und nicht in Berlin ist???). So zahlt meines Wissens nach die Stadt Nürnberg den Unterhalt und die Sicherung des RPG bisher so ziemlich alleine.

    Von daher nicht besonders verwunderlich, wenn Teile wie das alte Trafohaus zu Geld gemacht werden....

    Übrigens, das neue Leitsystem mit den schräg gestellten Infotafeln gefällt mir sehr gut und zeigt in gewisser Weise den möglichen zukünftigen Umgang: Sichern was "wertvoll" und noch da ist, den Rest umnutzen oder zerfallen lassen.

  • Gibt es eigendlich noch genauere Pläne aus den 1930ern, welche Auswirkungen das vollendete RPT Gelände auf Nürnberg gehabt hätte?

    Ich denke, die Stadt wäre nochmals enorm expandiert!

  • Heute widmet sich die "nn" nochmals ausführlicher eine möglichen Sanierung zwecks Erhaltung der Anlagen. Derzeit werde ein Sanierungsplan ausgearbeitet, bei dem von Kosten in einem mittleren zweistelligen Millionenbereich ausgegangen wird. OB Maly will damit in Berlin "vorsprechen" um anteilige Finanzierung seitens des Bundes zu bekommen.


    http://www.nn-online.de/artikel.asp?art=972726&kat=10&man=3


    ein guter Artikel mit Überblick über die sich verändernden Sichtweisen auf das Erbe Reichsparteitagsgelände...

  • wenn man schon saniert soll es auch einigermaßen nach etwas aussehen.
    dann muss man auf jeden fall die pfeilergalerien die 1967 gesprengt wurden neu aufbauen.

    andernfalls lohnt sich wirklich nicht diese tribüne zu sanieren.
    wenn dann richtig. denn für zwei türme und paar stufen braucht man keine 80 millionen ausgeben.

  • ^

    Die Säulen wieder aufzubauen verbietet sich wohl aufgrund der Historie. Es hat ja seinen Grund, dass die Amerikaner genau diesen Ort in relativ kurzem Prozess in dieser Art demontiert haben.

    Nichtsdestotrotz gäben aber doch auch vom Wildwuchs befreite Tribünen wieder ein ansehnliches Bild ab, und ließen sich neben der historischen Bedeutung vielleicht auch wieder einsetzen - z.B: für Großveranstaltungen auf dem Zeppelinfeld wie Rock im Park.

  • dann sollte man halt andere antike Säulen in einer anderen Konstellation aufbauen.
    Was will man denn mit paar stufen? Wie man sieht lassen die touristenzahlen für das Gelände mehr als zu wünschen übrig.
    In der Wirtschaftskrise gibt der Bund schon 500 Millionen für ein anderes Großprojekt aus.

  • Die Renovierung des kompletten Areals bringt Kosten in Höhe von 70Mio € mit sich! Und das wird ja nicht "billiger" wenn man es vor sich her schiebt...! Hier ist eindeutig der Bund gefordert!

  • zu #9:

    Gesprengt hat die Säulengalerie ja wohl die Stadt, nicht die Amis.
    Das war ganz sicher ein großer Fehler, denn dadurch wurde die Tribüne destabilisiert. Man wollte aber damals wohl, dass das Gebäude so richtig häßlich aussieht. Eine etwas eigenartiges Geschichtsverständnis!
    Nun, da die Säulen nun mal weg sind, macht es wohl keinen Sinn mehr, sie wieder aufzubauen. Konsequenz ist aber, das die Erhaltungskosten nicht gerade niedrig sein werden - auf Dauer!
    Ich finde aber auch, dass das nicht Sache der Stadt Nürnberg sein kann, da ist der Bund gefordert.