Charlottenburg jenseits des Ku'damm

  • Charlottenburg jenseits des Ku'damm

    Da die City West grad wieder ein aktuelles Thema ist, zeige ich mal ein paar Bilder des "eigentlichen" Charlottenburgs, östl. und westl. der Schloßstr. zw. Schloss und Sophie-Charlotte-Platz, also dieses Gebiet hier, mit ein paar Abstechern.


    Der Wilhelminismus hält sich weitgehend in Grenzen. Vieles stammt aus der frühen Gründerzeit, wenn nicht sogar ausm späten Klassizismus. Sogar ein paar barocke Kaschemmen kann man noch finden...


    Einfach quer durchn Garten...











    Direkt daneben :rolleyes:


    Fortsetzung folgt...

  • Vielen Dank für die Bilder. Gerade diese Bilder von "nicht-Touri" Bildern ergeben ein aussagekräftiges Bild über eine Stadt. Hier kann man gut erkennen, wie mit Bausubstanz umgegangen wird. :)

  • Schöne Bilder ... nur das "Aldi"-Foto tanzt ein bisschen aus der Reihe, was aber eine gewisse, architektonisch reizvolle Spannung erzeugt :D Danke!


    Wie hoch liegen denn die Mieten in dieser Ecke (€ pro qm)? In FFM würde man in einem solchen Viertel sicherlich 10 - 15 € (je nach Lage) für den qm zahlen! Diese schmerzhafte Erfahrung muss ich momentan mal wieder machen, weil ich auf Wohnungssuche bin.


    Bin auf die nächsten Bilder gespannt!


    Bis densen, MaM!

  • Kent
    Genau. Die meisten Touris steigen nach dem Besuch des Schlosses wahrscheinlich wieder in den Bus Richtung Zentrum, statt hier ne Runde zu drehen. Optisch im Grunde auch nichts anderes, als gewisse Berge und Haine, wenn - aufgrund des höheren Alters - nicht sogar interessanter. Cafés und kleinere Läden finden sich auch. Eine gewisse Aufwertung und Popularisierung könnte aus außenstehender Sicht vielleicht nicht schaden, solange es nicht auf eine Gentrifizierung à la PB hinausläuft...


    @Merlin
    Laut Senatsverwaltung liegt er nur nach Lage und Baujahr des Hauses (vor 1918) für ne bessere Wohnung zw. 4,5 und 5,15 €. Recht niedrig also, würde ich sagen, oder? Aber es kommen ja noch einige Komponenten dazu. Ich würde jedenfalls gern in diese Ecke ziehen.


    Geht man die Straße mit dem Aldi weiter, so kommt man zum recht weitläufigen Klausener Platz. Leider ist er etwas verwildert und grenzt an den lauten Spandauer Damm, sodass es mit der Aufenthaltsqualität nicht allzu weit her ist...



    Dominiert wird er vor allem von der Kirche St. Kamillus (1931/32) mit ihrer etwas ungewöhnlichen Form, wenngleich sie von den Bäumen auch etwas versteckt wird.








    Ganz interessant...


    Dem barocken Sichtachsenprinzip entsprechend, führt die Schloßstr. in nord-südl. Richtung direkt aufs Schloss zu. Im Grunde das Unter den Linden Charlottenburgs, nur nicht ganz so opulent, abegesehen von den Stüler'schen Garde-du-Corps-Kasernen...



    Heute beherbergt der westl. Zwilling auf dem Bild unten die Sammlung Berggruen und das Bröhan-Museum,



    Im anderen, östl. befand bis 2005 das Ägyptische und seit dessen Umzug ins Neue Museum und nach ein paar Umbauten die Sammlung Scharf-Gerstenberg...



    Dazwischen steht Prinz Albrecht, Bruder von Willi 1...



    Die Bebauung reicht mal wieder über rund 150 Jahre...







    (links Adventistenkirche)





    Die meisten Häuser haben Vorgärten, in denen Restaurants zu entsprechenden Jahreszeiten Sitzplätze anbieten...





    :daumen:


    Was wär die Schloßstraße ohne ihre Boule-Spieler...?

  • Sehr schöne Ecke. Ich war das letzte mal dort im Frühjahr 2008 und habe mir die beiden Museen gegenüber dem Charlottenburger-Schloß angesehen. Garde du Corps Kaserne wie ich jetzt gelernt habe.
    Speziell das mit der Jugendstil-Ausstellung hat mir sehr gefallen. Früher war dort das Münzkabinett, oder war es das Römische Museum? Jedenfalls gegenüber dem Ägyptischen Museum.

  • Also wegen des Vergleichs des Gentrifizierungsgrades mit Prenzlauer Berg, hälts du Charlottenburg ernsthaft für weniger gentrifiziert? Ich denke eher, dass das was man in CB sieht, der natürliche Abschluss jeglicher Gentrifizierung ist und dass sich PB genau in diese Richtung entwickelt. Gewissermaßen ist CB ein Ausblick auf die Zukunft PBs - bürgerliche Mitte, eher hohe Mieten und hohes Alter der Einwohner, wenig Immigranten, eine auf das Minimum reduzierte Ausgeh-Szene, dafür Familien-Restaurants, etc.

  • Mal doof gefragt: Mit der Gentrifizierung geht ja eine Erhöhung der Mieten einher ... ist die von Ben genannte Höhe der Miete (5 € für den qm) schon als hoch anzusehen in Berlin, sprich: kann man wirklich von einem Abschluss einer Gentrifizierung in CB sprechen?


    Und sind die Mieten in PB wirklich niedriger als in CB?


    Und darüber hinaus kann ich mir auch nicht vorstellen, dass es selbst in Berlin bei ähnlicher Lage wie CB noch deutlich günstiger geht! Mieten von unter 4 € für den qm macht doch für Immobilienbesitzer nun wirklich wirtschaftlich keinen Sinn mehr (man denke nur mal an die Instandhaltungskosten etc.).


    Also von solchen Mieten können wir in FFM ohnehin nur träumen, selbst OF ist teurer!

  • Die Zahlen sind von der Senatsverwaltung, ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie man diese Zahlen deuten soll. 5€ sind für gute Lage eher unrealistisch, denke ich.

  • "Gentrifiziert" kanns schon mal nicht sein bzw. fand dies schon vor 150 Jahren gentrifiziert, wenn nicht schon früher, mit der Erhebung zur Residenzstadt. "Reichste Stadt Preußens" bezog sich sicher nicht allein auf die Haushaltskasse. Dann kam noch der Kudamm und was Westend dazu und hiermit nen Haufen Parvenues als erste "Siedler", es wurde als niemand verdrängt. Folglich gabs in diesen Gebiten im Ggs. zum Arbeiterviertel PB nichts zu gentrifizieren. Wobei die älteren Häuser auf den Bildern denke ich mal eher "normal" sind. Aber man hat ja gesehen, was man so alles aus solchen Häusern machen kann. Keine Migranten in CB? Sicher mehr, als in PB, von den Binnenmigranten mal abgesehen. "Charlottengrad" gibts immer noch. Und wenn man sich z.B. mal die Wilmersdorfer anschaut, ist wohl eher von einer Entgentrifizierung zu reden, wobei ich auch hier denke, sie wird nie sowas tolles gewesen sein.


    @Mietspiegel
    Wie gesagt, diese Zahlen ergeben sich lediglich aus Straße und Baujahr. Ich bin auch etwas erstaunt. Wenn Parkett und Einbauküche usw. noch dazukommen, wirds schon mehr. Hatte jetzt keine Lust mir da was auszudenken. Kannst aber gerne rumspielen ;).

    Einmal editiert, zuletzt von Ben ()

  • Also, ich bin gerade auf Wohnungssuche u.a. auch in der Gegend, und mir ist bis jetzt noch nicht eine Wohnung unter 7 € netto kalt / qm begegnet. Das Preisniveau für Neuvermietungen scheint deutlich höher zu sein.

  • Ben: Ist ja alles richtig, aber das widerspricht ja nicht meiner Annahme, dass sich PB in diese Richtung entwickelt und dass CB einen möglichen stabilen Zustand am Ende dieser Entwicklung darstellt. Die Ausgangssituation in den beiden Vierteln war, wie bemerkt, natürlich sehr unterschiedlich.

  • Ach ja, da habe ich von 1995 bis 2005 gewohnt (Danckelmannstraße). In der Danckelmannstraße 46/47 befindet sich auch das ehem. Ledigenheim, heute Studentenwohnheim. Und schräg gegenüber der nach meinem Geschmack erstaunlich gelungene Neubau auf dem Gelände der Engelhardt-Brauerei!

    Schöne Bilder ... nur das "Aldi"-Foto tanzt ein bisschen aus der Reihe, was aber eine gewisse, architektonisch reizvolle Spannung erzeugt

    Der 30er-Jahre-Bau hat mich immer sehr gereizt, ehemals ein Kino - weitere Bilder unter http://www.klausenerplatz.de
    Ich bekam in der Danckelmann 14 im Jahre 1999 eine sanierte 28qm-Wohnung warm für (umgerechnet) 140 Euro!

    recht weitläufigen Klausener Platz. Leider ist er etwas verwildert

    Dass die Gegend 'verwilderte' Ecken aufweist, machte für mich immer eine Reiz aus. Hinter dem Schlosspark kommt man zur Spree und einigen Kleingärten, wo dieser Reiz noch größer ist.


    Ach, und nicht allzu weit davon am U-Bahnhof Kaiserdamm steht ein 'Appartmenthaus', dessen Fassade ein unverkennbarer Scharoun von 1929 ist: http://www.flickr.com/photos/dteil/4545692095/


    Ach, und:
    In der Nähe (Schustehrusstraße) befindet sich das älteste Wohnhaus Charlottenburgs. Hier Faltblatt des Bezirks: http://www.berlin.de/imperia/m…=faltblatt_endfassung.pdf
    Bevor es zum Keramikmuseum wurde, war es in äußerst liebevoller Detailarbeit mit alten Handwerksmethoden zu einer Art Gebrauchsmuseum hergerichtet worden. (In dieser Form erschien es dem Bezirk wahrscheinlich nicht effizient nutzbar, was ich verstehen kann.) Wer auf den um die Ecke wohnenden Hüter des Hauses interessiert wirkte, kam nicht vor drei Stunden nach Betreten des Hauses wieder heraus.

    5 Mal editiert, zuletzt von kunnukun ()

  • @Katze
    Ja, ok, dann haste wohl recht. Im Grunde sehe ich an diesem Zustand nichts schlimmes. Das Problem beim PB/der Gentrifizierung sind ja nicht unbedingt die Yuppies an sich, sondern eher, dass dadurch die "Ureinwohner" verdrängt wurden.


    kunnukun
    Danke für die Insiderinformation. Dass das Aldi aus den 30er stammt, hätte ich nicht erwartet. Dachte dabei an nen Nachkriegslückenfüller...Konnte man sich da nicht an den anderen Kinos CBs orientieren :(. Oder war es mal größer?


    Jetzt gehts jedenfalls weiter Richtung Osten...


    Eosander-Schinkel-Schule...



    Ein Opfer der Verstümmelung :(...


    Der Schustehruspark...


    Schaut man nach Norden, sieht man auf den Risalit des Neuen Flügels (in real wohl etwas schärfer ;))...


    Schaut man nach Westen erblickt man die Luisenkirche...



    Am Park liegt die Villa Oppenheim. Sie gehört seit 1911 der Stadt CB und beinhaltet heute das Museum für Gegenwartskunst...



    An sie schließt unmittelbar die Schlesien-Oberschule an...


    Die etwas weniger idyllische Kaiser-Friedrich-Str....





    Die Luisenkirche aufm Gierkeplatz aus der Nähe...


    Nebenan :nono:...


    Blick vom Platz aufs Rathaus...


    Das bereits von kunnuku erwähnte älteste erhaltene Haus CBs...


    Zweieinhalb weitere älteste Häuser um die Ecke...




    Nochn paar schöne Häuser auf dem befahrbaren, wenn auch etwas "staubige" Teil der Wilmersdorfer




    Um die Ecke ein traumhafter Parkplatz mit ehem. Krankenhaus (glaube ich)...





    So, das wars...Hoffe, es hat gefallen.

  • Dürfte so sein. Mir fiel der Name nicht ein. An der Schloßstr. ne Ecke weiter steht noch nen größeres Wohnhaus von ihm...


  • Danke für die schönen Fotos - führen mich zurück in meine alltägliche Umgebung vor fünf Jahren.

    Dass das Aldi aus den 30er stammt, hätte ich nicht erwartet. Dachte dabei an nen Nachkriegslückenfüller...Konnte man sich da nicht an den anderen Kinos CBs orientieren . Oder war es mal größer?

    Warum hätte man das tun sollen? Ich schätze die Orientierung an der Formensprache der frühen 30er an dem Kino gerade; zumal das immer wieder auch in der nahen Lietzenseegegend vorkommt.
    Übrigens: In der Danckelmannstraße 16 kommt man in einen sehr grünen Hof ("Ziegenhof"), der das Ergebnis von Protesten gegen Sanierungspläne der 80er ist. Jedenfalls sehenswert.
    Die Baller-Bauten u. a. in der Schlossstraße öden mich persönlich an - na ja, es ist nun auch ein Zeitdokument.

  • Weil die Kinopaläste der 10er und 20er eben schöner sind und der Architekt dies vielleicht auch fand ;). wenn man in soner Seitenstraße auch nicht son großes Teil braucht. Naja, ob man in diesem Fall noch von "Formensprache der 30er" reden kann? Sieht aus, wie jede x-beliebige Garage. Man brauch ja in soner Seitenstraße keinen Filmpalast, aber das... Sahs denn mal anders aus? Gibts Bilder von damals?


    Naja, die Ballerdinger fallen mir immer wieder in der Stadt auf, aber ohne sie ginge es auch. Besser, als die Kisten auf den letzten Bildern ;).

  • Da kann man bestimmt von Formensprache sprechen. Schon wegen der Lage der Fenster. Leider wird wenig an einer Architekturtheorie gearbeitet, die diese Bezeichnung verdient.

    Sieht aus, wie jede x-beliebige Garage.

    Dann wäre mir dieser Bau nie aufgrund seiner zeitlichen Zuordnung aufgefallen.