Neubau Landeskirchliches Archiv

  • Ich finds leider auch fürchterlich. Die Monotonie ist erschreckend und der Eindruck eines verrosteten Eisenklotzes / Bunkers drängt sich mir auf.

  • Das Gebäude an sich finde ich nicht schlecht. Da es anscheinend vollständig mit dieser Kupferfassade eingekleidet ist, wird das Archiv interessant, man würde gerne wissen was da drinnen vor sich geht.


    Allerdings ist die Lage unglücklich. Das Gebäude passt irgendwie nicht so recht in die Gegend, schon gar nicht neben den Altbau. Warum hat man da nicht höher gebaut, z.b mit einem normal verputztem Anbau? So entsteht eine unschöne Lücke.

  • Das ist leicht beantwortet. Zwischen beiden Gebäuden führt eine schmale Straße den Hang hinab.
    Die Lage finde ich eher deshalb unglücklich, da es sich hierbei um ein Wohngebiet handelt an einer verkehrlich äußerst ruhigen und dennoch bestens angebundenen Adresse, die außerdem noch mit Südhanglage zum Pegnitztal eigentlich hervorragendes Potenzial hatte für eine lebendigere Nutzung, z.B. Wohnungen. Schade, dass dieser fensterlose Würfel ausgerechnet dort entstehen musste und dieses Lagepotenzial so veschenkt. Ich könnte mir den Würfel viel eher an einer der Einfallstraßen Nürnbergs vorstellen, z.B. an der Bayreuther Straße auf Höhe der Deutschen Rentenversicherung, Nürdbahnhof, Herrnhütte.


  • Die Lage finde ich eher deshalb unglücklich, da es sich hierbei um ein Wohngebiet handelt an einer verkehrlich äußerst ruhigen und dennoch bestens angebundenen Adresse, die außerdem noch mit Südhanglage zum Pegnitztal eigentlich hervorragendes Potenzial hatte für eine lebendigere Nutzung, z.B. Wohnungen.


    Also das es sich um ein "Wohngebiet" handelt ist mir jetzt nicht bewusst. Schule, Gewerbe b² und auch weiter in der Veilhofstr das Gelände der Landeskirche mit alten Archiv, Feuerwehr & Nürnberg Stift.


    Nur im bereich Voigtländerstraße sind vorne ein paar Wohnhäuser.


    Aber ich stimme ein das es für diese Lage sehr sehr schade ist das man es nicht versucht umzuwandeln in ein reines Wohngebiet.


    Durch den direkten Anschluss an das Gelände kann ich die gewählte Lage verstehen. Und für einen Bau der keine Fenster benötigt finde ich den Bau viel besser als mit einer reinen Betonfassade.

  • heimlicher Abriss des denkmalgeschützten Archivgebäudes

    Vor über einem halben Jahr wurde das neue Landeskirchliche Archiv der evangelischen Kirche Bayern feierlich eingeweiht, und hat seither auch nur Lob eingeheimst. Der Neubau gilt als gelungen und etabliert.


    Doch unbemerkt davon ging man nur ca. 100 Meter weiter östlich am alten Archivgebäude, erbaut 1955 von Wilhelm Schlegtendal und unter Denkmalschutz stehend, ans Werk. Hier ein paar Impressionen vor allem aus dem Innern, die das Denkmalschutzprädikat wohl besonders unterstreichen können.


    Eingangssituation, man beachte das blaue Denkmal-Schild neben der Türe - hier in Nürnberg eine absolute Rarität:



    Foyer:



    Treppenhaus:




    Fotos @ Seb.den


    ... war, denn in dieser Woche hat man begonnen das Gebäude kurzerhand abzureissen:




    bis letzte Woche:



    Fotos @ Seb.den


    Man hat mit dem von der Veilhofstraße nicht sichtbaren Gebäudeteil begonnen, der schon verschwunden ist:



    Fotos @ Seb.den


    heute:



    Übrig ist nur noch das Gebäude an der Straße, das in wenigen Tagen vermutlich ebenfalls fällt:



    ..... Nun kann man natürlich über das Gebäude, seine Qualitäten und seinen heutigen Nutzen sicherlich diskutieren. Ich möchte an dieser Stelle auch keine Trauer verordnet wissen. Aber es macht schon nachdenklich, da es sich hierbei wieder um einen Abriss eines unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes handelt, neben der Bahnhofstraße 40 bereits das zweite in diesem Monat, das die Abrissbirne treffen wird. Man muss dadurch den Eindruck bekommen, dass der Denkmalschutz eher ein bloßes Prädikat ist, da er tatsächlich keinerlei Schutzwirkung entfaltet. Man sollte es daher in "Denkmalprädikat" umbennen.
    Besonders hellhörig muss doch da der Besitzer eines denkmalgeschützen Hauses werden, der am Eigenen Leibe die ganze Verwaltungsmäßige Keule abbekommt, wenn er selbst zur Werkzeugkiste greift. Das landete prompt in der Presse, während man hier still und heimlich Tatsachen schafft.

  • nothor : Du hast Recht, was die ungleiche Behandlung von Institutionen und Privatleuten beim Denkmalschutz angeht, zumindest habe ich denselben Eindruck wie Du in dieser Sache. Was nichts daran ändert, dass die Dämmung in der Schnepfenreuther Straße nicht hätte sein dürfen und zu Recht dagegen vorgegangen wurde.
    Das hätte ich mir hier auch gewünscht. Immerhin war das alte Landeskirchliche Archiv einer der bedeutenden Leistungen des Wiederaufbaus in Nürnberg, eingebettet in eine Parklandschaft am Wöhrder See mit fast komplett erhaltener bauzeitlicher Ausstattung.


    Ich bin gespannt, ob es einen Aufschrei geben wird oder ob sich mal wieder meine pessimistische Sicht einstellt, dass die Baukunst der 50er und 60er nach wie vor nichts gilt für die meisten. Wir werden uns nochmal umschauen, wenn das so weiter geht. Ich habe noch die Klagen vieler im Ohr, die heute über die Zerstörung der Gründerzeithäuser in der Nachkriegszeit bestürzt sind (zu Recht). Die Fehler wiederholen sich, die Menschen werden nicht schlauer.


    Das mit dem "Denkmalprädikat" sehe ich ähnlich. Schon öfter habe ich mitbekommen, dass ja hie und da der Denkmalschutz "elastisch" sei – sprich: Wenn der Eigentümer unbedingt will, dann kann das Gebäude weg, weil Nachnutzung schwierig oder Sanierung wirtschaftlich nicht zumutbar usw. usf. Wenn ich mir dann aber die Leute anschaue, die dem Denkmalschutz ständig die Kompetenzen und Finanzmittel beschneiden, dann wundert mich das nichts mehr. Die wohnen in einer geschmacklosen Neubauvilla mit Säulenportikus in Bogenhausen, fahren in den Urlaub nach Venedig und Florenz wegen der schönen Altstädte und glauben dann daheim in Bayern die stumpfsinnigen Argumente der Stammtisch-Klientel und der Wirtschaft bedienen zu müssen. So von wegen: "Was interessiert mich das alte Glump?" O tempora, o mores...

  • Völlig richtig, auch was die Schnepfenreuther Hauptstraße 65 anbelangt. Nur steckt der Denkmalschutz in einer Sinnkrise, zwei Probleme, die den Denkmalschutz in meinen Augen nachhaltig beschädigen und so seine Akzeptanz schwächen können:


    1. Die Maßstäbe, die beim Denkmalschutz angesetzt werden. Bei der Villa Rosenfelder in der Virchowstraße hat die Denkmalbehörde den geschichtlichen Hintergrund des Gebäudes über die künstlerische Aussagekraft und den Erhaltungszustand gestellt, und den Denkmalschutz "verliehen". So wurde der Erhalt des Gebäudes möglich, und sogar die Restaurierung der Außenhaut bewirkt. Hier hat der Denkmalschutz eine in die Zukunft orientierte, schöpferische Wirkung durch die Erhaltung von Kulturgut und Geschichte entfaltet.


    Bei der Kasernenanlage Roonstraße/Bärenschanze lehnt der Denkmalschutz die selbe Argumentationslinie ab, obwohl dort deutlich mehr Substanz erhalten ist, entscheidend ist ja was (v.a. von außen) sichtbar ist. Die Bemühungen, die Anlage zu einem Denkmal zu erklären und damit eine vergleichbare schöpferische Wirkung zu erzielen, sind hier am Widerstand der Denkmalschützer bislang gescheitert.


    Das sieht ein wenig nach Willkür und Tageslaune der Verantwortlichen aus. Aber was unterscheidet beides voneinander? Die Eigentümerstruktur, womit wir beim zweiten Problemkreis wären:


    2. Ob der Denkmalschutz bindend ist oder nicht, hängt nicht vom Bauwerk und seiner Bedeutung ab, sondern vom Eigentümer und dessen Pläne. Während der Freistaat (Roonstraße), die Aurelis (Bahnhofstraße) oder die Stadt Nürnberg (Milchhof) dem Denkmalschutz wenigstens auf Augenhöhe begegnen können, wahrscheinlich aber über ihm stehen und ihn so vom Tisch fegen können, ist der "klassische Untertan", der Bürger mit seinem Privateigentum (z.B. Bauernhaus) ihm formaljuristisch und politisch unterlegen.


    Leider kann der Denkmalschutz so seinen Zweck nicht erfüllen, sondern bekommt eher einen willkürlichen Beigeschmack, der meines Erachtens zu abnehmender Akzeptanz und schließlich zu seiner Bedeutungslosigkeit führen wird.


    Wie du schon sagst, man muss nicht zwanghaft jedes Gebäude erhalten, und man muss auch bei Denkmalen darüber diskutieren können, ob und wie es zu erhalten ist, wenn sich tatsächlich massive Probleme aufwerfen. Diese Diskussion muss aber öffentlich geführt werden, wenn sie akzeptiert werden soll, und das ist hier einmal mehr nicht geschehen.

  • nothor : Völlige Zustimmung! Leider scheint es tatsächlich so zu sein, dass der Denkmalschutz aus Ohnmacht gegenüber Konzernen, Institutionen und Vater Staat selbst "nach unten tritt". Das ist typisch, wenn einem ständig bei wichtigen Projekten der Wind aus den Segeln genommen wird und wenn man ständig mitansehen muss, dass alle Argumente versagen, wenn nur der falsche Bauherr an der Täte ist. Wirklich schade, zumal viele Menschen die Sache nicht so differenziert sehen und den Denkmalschutz in toto verdammen, obwohl das System und nicht der Denkmalschutz an sich falsch läuft. Dazu kommt noch, dass die Erfassungs- und Erhaltungskriterien nicht objektiv sind. Dass das schwierig ist, weiß ich selbst aus meinen Uni-Seminaren, nur manchmal wünsche ich mir auch etwas mehr Objektivität. Manchmal wundere ich mich schon, warum es bei einem Gebäude genügt, dass so ungefähr nur die Fassade noch alt ist, während beim anderen sogar die Türstopper auf Authentizität geprüft werden. Wem nützt ein komplett versautes Barockhaus mit Glasbausteinfenstern, bei dem gerade noch das Mauerwerk von 1750 ist? Dagegen sind Ensembles wie die Adamstraße schon durchgefallen, weil ein paar Neubauten dazwischen stehen (was bei fast allen anderen geschützten Ensembles auch der Fall ist).

  • Das straßenseitige Gebäude fällt nun auch. Sang- und klanglos.



    In wenigen Tagen ist das bedeutende Denkmal Geschichte. Und es ist nichteinmal erkennbar wofür es gewichen ist.

  • Ich denke auch, dass beim Denkmalschutz teilweise schon recht unsystematisch und gegenüber privaten Eigentümern auch sehr selbstherrlich agiert wird.
    Private Denkmalsbesitzer sind oft der Willkür der betreffenden Beamten ausgeliefert. Ich hab da auch spezielle eigene Erfahrungen - liegen allerdings schon etwa 20 Jahre zurück. Der betreffende Herr vom Landesdenkmalsamt, der auch für uns zuständig war, hat bei einem Projekt bestimmte Maßnahmen euphorisch gelobt, bei einem anderen Objekt gleichartige Pläne aber völlig verworfen - vielleicht war an diesem Tag der Kaffee nicht so toll. Jedenfalls hatten Architekt und Statiker schon fast panische Angst vor dem Typen.
    Als Bauherr ist man da völlig ausgeliefert. Will man sich da vor dem Verwaltungsgericht einen jahrelangen Streit mit Gutachten und Gegengutachten liefern?