Beiträge von Hans Ebert

    Ist eigentlich Sebastian Gulden hier aktiv? Ich hätte ja so gerne seinen Vortrag "Sie bauten eine Stadt" über die Stapdtplanung in Nbg um die Jahrhundertwende (19. auf 20.) im Rahmen der Altstadtfreunde-Veranstaltungen gehört. Gibt es den Vortrag vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt oder gar online?


    Würde mich freuen, hier zu hören, wie es damit weitergeht, damit ich die Ersatzveranstaltung nicht verpassen :)


    Ist sicher für viele aus dem Forum interessanter Stoff!

    Hallo FranzFerdinand,


    ich bin auch hier aktiv, aber unregelmäßig. Den Vortrag werde ich, so wie es aussieht, nachholen, aber die Altstadtfreunde konnten mir dafür noch keinen neuen Termin nennen. Ich versuche, dran zu denken, Dir Bescheid zu geben, empfehle Dir aber, immer mal auf die FB-Seite der Altstadtfreunde zu gucken. Ich werde den Vortrag auch nochmal auf der "Nürnberg – Stadtbild im Wandel"-Seite verlinken.

    Jakobstraße 34

    Links neben der Jakobstraße 34 stand bis zum Zweiten Weltkrieg ein dreigeschossiges, traufseitiges Haus mit Vollsandsteinfassade und Mansarddach. Es handelte sich höchstwahrscheinlich um einen Bau des 19. oder frühen 20. Jahrhunderts. Ein kleiner Rest des Bauwerks "klebt" noch an der Brandwand der Nr. 34. Es wäre sicher nicht das Schlechteste, orientierte man sich bei dem geplanten Neubau am historischen Vorgänger.

    Aus denkmalpflegerischer Sicht finde ich den Giebel gelungen. Er greift die ursprüngliche, im Zweiten Weltkrieg zerstörte Gestaltung auf, interpretiert sie aber in zeitgenössischen Formen. Die Lösung hat einen künstlerischen Eigenwert. Sie zeigt deutlich, dass es sich um eine jüngere Ergänzung handelt, ohne dass diese dem Altbestand optisch die Bedeutung rauben würde.



    Ursprünglich lag die Firstlinie des mittleren Giebels übrigens über der des Hauptdachs und war mit einem Dachreiter (mit Auslass der Lüftungsanlage) versehen. Außerdem gab es auch im Norden und Süden der Fassade flankierende Giebel. Die sind gestalterisch allerdings durch die Beseitigung bzw. kriegsbedingte Zerstörung der Blendarkaden im Obergeschoss obsolet geworden. Hier eine 1936 gelaufene Ansichtskarte (Verlag Regina Richter/Sammlung Sebastian Gulden – "Nürnberg – Stadtbild im Wandel"):


    Die neuen Fenster tun dem Haus in der Schoppershofstraße sehr gut! Ich finde es auch bemerkenswert, dass sie nicht weiß, sondern grau abgetönt sind. Diese ungeteilten Riesenfensterflügel waren derart hässlich – wie Löcher in der Fassade. Zudem sind diese Teile in der Größe derart unpraktisch. Zum Stoßlüften musste erstmal weiträumig alles in der Nähe wegräumen.

    Ich finde das Gebäude gar nicht so schlecht. Aber trotzdem wird es wohl kein Denkmal werden. Mir kann nur immer niemand, auch nicht beim Landesamt, verraten, warum nicht. Die Begründung ist dann meistens in etwa: "Na ja, hm, ist ja nun nichts Besonderes, und… naja, ich muss weg…" Auf gut Deutsch: Wir halten uns nicht an unsere eigenen Vorgaben, dass wir nämlich neben dem Besonderen und Traditionalistischen auch das Typische in einer Auswahl unter Schutz stellen. Für mich sieht das streckenweise arg nach Geschmäcklerei aus, frei nach dem Motto: "Gefällt mir nicht, ist nichts wert." Dass kommende Generationen das vielleicht anders sehen könnten, fällt niemandem ein.

    nothor: Das Eckhaus am Schuckertplatz ist ja wirklich klasse! Vielen Dank, dass Du es dokumentiert hast. Ich halte es auch für höchst bedenklich, dass das Landesamt sich nicht dazu durchringen kann, zumindest ein paar typische Bauten der 1950er und 1960er Jahre unter Schutz zu stellen. Damit widerspricht es seinen eigenen Reglements. Die Fehler früherer Zeiten wiederholen und wiederholen sich…

    Ohje! Mir war nicht bekannt, dass die Sgraffiti derart heftig beschädigt waren. Finde ich aber toll, dass sie so vorbildlich restauriert und ergänzt wurden. Ist ja leider nicht alltäglich, zumal es sich hier ja um ein Bildwerk aus der NS-Zeit handelt (Sofern die Sgraffiti so alt sind wie der Anbau von 1940).

    Dieser Sockel ist ja wohl echt daneben! Schon klar, dass man darin gut Garage und Lagerräume unterbringen kann, aber städtebaulich ist diese Fassadenlösung desaströs. Ich habe ein ähnliches Bauwerk in der Nachbarschaft, direkt gegenüber von zwei straßenbildprägenden Häusern im Nürnberger Stil – sehr unschön. Allerdings stammt diese Bude aus den 60ern, da frag ich mich schon, ob man inzwischen nicht dazugelernt hat. Pragmatismus ist nicht der Weisheit letzter Schluss, vor allem nicht in einem städtebaulichen Umfeld, wo auch Interessen der Allgemeinheit zu beherzigen sein sollten (auch die ästhetischen).

    Danke für das aktuelle Foto, nothor! Ich bin auch begeistert vom Ergebnis der Instandsetzung. Es ist schön zu sehen, dass es Bauherrn gibt, die auch ohne Denkmalschutz den Wert historischer Gebäude erkennen und nutzen. Ein so schöner Backsteinbau wie das E-Werk ist ein echter Hingucker, dessen geschäftsfördernden Wert (Stichwort: Atmosphäre & Corporate Identity) man nicht unterschätzen sollte. Wollen wir hoffen, dass dieses Vorbild Schule macht. Ganz nebenbei hat man hier ein wichtiges Stück Stadtgeschichte erhalten, immerhin den letzten Rest von Nürnbergs erstem E-Werk von 1896.

    Sehr schön! Ich warte seit Jahren darauf, dass dieses Haus restauriert wird. Ein schönes Ergebnis! Es mag zwar zunächst unspektakulär wirken, doch wenn sich wieder etwas Patina auf den Stuck gelegt hat, werden die phantastischen Reliefs auch wieder besser zur Geltung kommen. Ich gehe davon aus, dass die Farbfassung nach restauratorischem Befund gestaltet wurde. Fassungen in Lichtgrau, Weiß und goldenen Highlights kennen ich von einigen Bauten des Jugendstils. Schön ist auch, dass man die historischen Jugendstil-Eingangstüren wohl gleich mit restauriert hat. Wirklich toll, Glückwunsch an den Eigentümer für diese Entscheidung! :-)

    Sehe ich auch so! Es ist erfreulich, wenn ein Bauherr auch mal ohne Denkmalschutz dazu bereit ist, ein historisches und städtebaulich wirksames Gebäude ansprechend zu sanieren, ohne gleich alles zu entkernen und neu zu machen. Gefällt mir sehr! Hoffen wir auf eine hochwertige Umsetzung des Projekts.

    nothor, genau das meine ich, danke, dass Du das spezifiziert hast, hatte mich zugegebenermaßen sehr undeutlich ausgedrückt. Dämlich ist auch, dass man schon damals offenbar geplant hat, das bisherige Pavillonsystem komplett aufzugeben. Andernfalls ergibt die Fenster-Zubau-Regelung keinen Sinn. Hier hat man ohne Hirn und Verstand schon in den 60ern geplant, langfristig die Maximalverdichtung durchzuziehen. Stadtplanerisch ein Unding. Typisch deutsch daran ist, sich solche Idiotien dann noch juristisch festzementieren zu lassen und dass das auch noch im gegenseitigen Einvernehmen festgelegt wird. Auch in dem Falle, dass es allen Nachbarn und dem Gemeinwohl schadet – und Städtebau ist eine Sache der Öffentlichkeit – hat man dann das verbriefte Recht, seine egoistischen Interessen durchzusetzen. Liegt aber auch an unserer Mentalität. In Frankreich oder England machen die Nachbarn dann halt so lange Stress, bis jeder Grundbesitzer und jedes Gericht einknickt. Hier dagegen darf jeder die heilige juristische Kuh vor sich hertragen und alle werfen sich darnieder. Klar, Rechtssicherheit ist schon richtig und wichtig, aber manchmal sind eben Recht und Gerechtigkeit bzw. Handeln für das Gemeinwohl nicht ein und dasselbe.

    Oje! Langsam denk ich mir wirklich: Diese Dämmerei sollte genehmigungspflichtig gemacht werden und die Gestaltungsvorschriften extrem verschärft werden. Es ist für ein friedliches Zusammenleben und ein lebenswertes Stadtbild wichtig, dass der einzelne auf den anderen und die Gemeinschaft Rücksicht nimmt. Ich sage ganz ehrlich: Es ist mir egal, ob jemand mit einer Dämmung Geld einsparen möchte. Wenn es dem Stadtbild schadet, dann muss ich das nicht gut finden. Viele schauen einen da ja an wie einen Nestbeschmutzer so nach dem Motto: "Was fällt Dir ein? Das musst Du doch gut finden, schließlich ist das die Sache des Eigentümers." Juristisch mag das so sein. Aber nicht alles, was erlaubt ist, muss ich deswegen auch gut finden. Daher: Weg mit diesem Mist. Nürnberg hat Besseres verdient!