Kö-Bogen: 2. Bauabschnitt (Bauphase)

  • Was sagt ihr eigentlich zu den Leute, die den Tausendfüßler um jeden Preis halten wollen? Nach den Gaslaternen meinen schon irgendwelche wohl nicht ganz gescheiten Leute den als Weltkulturerbe anzusehen...

  • Als Architekt finde ich es natürlich schade, wenn der Tausendfüßler, als bedeutendes (und in Düsseldorf selten gewordenes) Beispiel der Nachkriegsmoderne fällt; insoweit aber hierdurch wirklich eine positive (bessere) städtebauliche Entwicklung ermöglicht wird, ist das aber notwendig.


    Nicht nachvollziehbar sind die Vorschläge, den Tausendfüßler funktionslos oder als begrünten Fußweg (etc.) stehen zu lassen; abgesehen davon, das der 2. Tunnel genau unter dem Tausenfüßler entstehen wird.


    Grundsätzlich bin ich aber der Meinung, das mit Baudenkmalen besonders behutsam umzugehen ist - und das auch nicht alles Neue grundsätzlich besser ist!


    Vielleicht wird ja der Molestina-Entwurf bis zum B-Plan noch überarbeitet und führt dann zu einem lebenswerteren Bereich zwischen Dreischeibenhaus und Johanneskirche.


    Leider hatte keiner der Verantwortlichen den Mut, diesen Bereich wirklich nachhaltig umzugestalten - weg von der autogerechten City. Mit der Planung wird ja der Verkehr nur verlagert, nicht reduziert. Langfristig ist eine solche Planung sicherlich auch nicht.


    Das grundsätzliche Denken hat sich seit den Tagen des Tausendfüßlers also nicht wirklich gewandelt; auch nicht im Angesicht des Klimawandels. So gesehen ist der Tausendfüßler als Wahrzeichen der autogerechten City noch aktuell.

  • Ich wollte damit ja auch zum Ausdruck bringen, das sich die Einstellung zur autogerechten Stadt, seit dem der Tausendfüßler gebaut wurde, noch nicht weiterentwickelt hat;die Tunnel sind nur eine Art "update" der gleichen Denkweise.


    Nur wen der ÖPNV wirklich atraktiv gestaltet wird, kann er langfristig ein atraktives Gegenangebot zum Individualverkehr darstellen; zur Zeit ist das noch nicht wirklich so!


    Auch ist zu hinterfragen, ob dieser Bereich überhaupt als Hauptachse für den Durchgangsverkehr atraktiv gehalten werden muß; oder ob hier mehr nur der Zielverkehr gefördert werden könnte. Wer z.B. aus den südlichen Stadtteilen zum Flughafen oder zur Messe will, braucht ja nicht zwangsläufig durch die Stadtmitte zu fahren. Hierzu müssten natürlich die Tangeten (z.B. der sog. Lastring) stärker ausgebaut und mit einer inteligenten Verkehrssteuerung versehen werden.


    In der Mitte der Stadt sollte die Aufenthaltsquallität für die Menschen im Vordergrund stehen.

  • ^^Ich gebe Dir recht, wenn Du schreibst, dass die "autogerechte Stadt", das Ideal der 50er und 60er, nicht mehr in die heutige Welt passt. Man darf nun allerdings auch nicht das Kind mit dem Bade ausschütten und die autofeindliche Stadt zum Ziel machen. Ziel muss m.A.n. die Stadt der vielfältigen Möglichkeiten sein, soll heißen: Wer von A nach B will, soll zwischen möglich vielen Verkehrsmitteln wählen können. Und nebenbei: Man möge dem Bürger dabei auch seinen eigenen Gusto lassen: Dem einen ist es zu blöd vier Km zu Fuß zu gehen, der andere will nicht zehn Minuten nach einem Parkplatz suchen und ein Dritter wartet nachts nicht gerne an einer Haltestelle. Kurz: Leute sind verschieden.


    Insofern schreitet Düsseldorf mit dem Kö-Bogen in die richtige Richtung: Auto und ÖPNV bleiben im Angebot, verschwinden aber von der Bildfläche. Am Sonnenlicht bleibt der Mensch und nicht sein Verkehrsmittel. Dieser Königsweg lohnt sich natürlich nur an solch prominenter und hochverdichteter Stelle.

  • Derzeit werden zwei Varianten zur Verkehrsführung am Luther-Platz geprüft: einmal eine Linksabbiege-Möglichkeit von der Berliner Allee südlich des neu zu bauenden Pavillon und einmal nördlich. Letzteres schafft der Johanneskirche mehr Raum.


    Grafik


    Quelle: RP Online


    Die zweite Variante schafft zwar der Kirche mehr Raum, stellt allerdings meiner Meinung nach den Sinn des Pavillon in Frage.

  • Medienhafen : Ich stimme Dir voll und ganz zu!


    Wenn schon der Tausendfüssler abgerissen wird, so doch bitte zu Gunsten einer durchgängingen Fussgängerzone. Ich sehe es als Nachteil an, wenn der Verkehr um den Pavillion geführt wird und somit die eingezeichneten Terassen und der ganze Pavillion durch eine Strasse von der Fussgängerzone getrennt werden.


    Wenn man schon von der Blumenstrasse links auf die Berliner Allee abbiegen kann, warum nicht auch von der Berliner Allee links in die Blumenstrasse und dann rechts auf den Martin Luther Platz? Somit räumt man der Kirche mehr Raum ein und sitzt bei einem leckeren Café am Pavillion ohne Autoverkehr!

  • Das sehe ich ganz ähnlich. Beide Varianten sind indiskutabel.


    Zweck der Tunnel ist die Schaffung einer weiteren Fußgängerzone mit Aufenthaltsqualität und einzelnen neuen Gebäuden. Der Bereich nördlich der Johanneskirche ist dazu unbedingt für den Straßenverkehr zu sperren, selbst wenn man dann von Süden über die Berliner Allee kommend nicht bequem zum Parkhaus der Schadow Arkaden kommt. Diese Autofahrer müssen dann halt über Stein-/Josephinenstraße fahren – gibt schlimmeres.

  • Und wie sieht die Anbindung der Immermannstraße aus?


    Über die Verkehrssituation rund um die Johanneskirche habe ich mir auch schon Gedanken gemacht; das Problem ist nicht einfach zu lösen.


    Das Einfachste ist wohl noch eine Kreuzung in Höhe Blumenstraße (mit Linksabbiegemöglichkeit von der Berliner Allee in Richtung Blumenstraße und Parkhaus);
    so könnte wenigstens der Bereich nördlich der Kirche als, mit dem Kö-Bogen bereich zusammenhängende, Fußgängerzone ausgewiesen werden.
    Die Blumenstraße und den Martin-Luther-Platz wird man wohl sowieso nich vom Verkehr befreit bekommen.


    Das Problem der Anbindung des Verkehrs von der Immermannstraße ist damit allerdings auch noch nicht gelöst.


    Die Hauptaufgabe ist es ja auch, den Durchgangsverkehr "unter die Erde" zu bekommen. Der Zielverkehr in dem Bereich wird wohl bleiben; und dieser stellt ja auch nicht das Hauptproblem dar.

  • denke das mit der Linksabbiegemöglichkeit von der Berliner Allee in die Blumenstraße ist die beste Möglichkeit. Dafür könnte die Linksabbiegemöglichkeit aus der Blumenstraße entfallen und man würde sie durch eine Wendemöglichkeit direkt an der Berliner Allee ersetzen.


    Weiterhin dann den Martin-Luther-Platz dann verkehrsberuhigen. Wäre eine enorme Aufwertung des Bereiches.

  • Eine komplette Verkehrsberuhigung des Martin-Luther-Platzes ist durch den Verkehr auf der Blumen- und Königstraße wohl nicht möglich.


    Wichtiger aber ist ein verkehrsberuhigter Bereich zwischen Kirche, geplantem Pavillon und den Arcaden.
    Die Straße zwischen Arcaden und Johanneskirche könnte als Sackgasse (und Mischverkehrsfläche), von der Blumenstraße aus das Parkhaus und die Anlieferungen erschliessen.

  • Warum in aller Welt soll eigentlich der Ernst-Schneider-Platz (vor dem IHK-Gebäude und der Börse) zugebaut werden? Er ist schön Grün, mit Kunstwerken besetzt und das einzige kleine Areal in dem gesamten Bereich des Kö-Bogen II, das sich bereits heute sehen lassen kann!


    Statt des geplanten, das Gebäudeensemble verdeckenden Neubaus, sollte man lieber den entstehenden Freiraum so groß wie möglich werden lassen. Zusammen mit den Palmen ergäbe sich ein tolles Bild.

  • ^^


    Volle Zustimmung. Die Palmen und Bambusflächen werden aber leider im Zuge der Bauarbeiten und mit dem Abriss des Tausendfüßlers und damit eine meiner Lieblingsgegenden der Innenstadt verschwinden.


    Was den Neubau angeht, so müssen die in der Planung enthaltenden Gebäude nicht alle zwangsläufig realisiert werden. Das Gebäude zwischen Thyssen und Schadowstraße, das die Sicht auf das Schauspielhaus verdecken würde, soll in dieser Form auch nicht realisiert werden.

  • Der Städtebauliche Entwurf dient nur als Grundlage für die Erstellung eines Bebauungsplanes. Da werden die betroffenen Anlieger noch ihre Meinung und Wünsche äußern; auch zahlreiche Ämter und Versorger werden involviert.
    Es wird also nicht zwangsläufig alles so realisiert, wie es im Siegerentwurf dargestellt ist.


    Der Ernst-Schneider-Platz ist derzeit als Platz räumlich nicht klar dargestellt. Ähnlich wie derzeit der Schadowplatz mit dem Jan-Wellem-Platz "verschwimmt", sind auch hier die Räume unscharf dargestellt.
    Durch den Baukörper will der Architekt diesen Mangel beheben.


    Es hätte auch andere Lösungsmöglichkeiten gegeben.
    Alternativ könnte z.B. nördlich der Johanneskirche ein größerer Baukörper (der u.A. die Raumkante des alten Platzes wieder darstellt) die Platzflächen besser trennen und die gegebenen Straßenräume klarer darstellen.


    In 2008 hatte ich im Forum etwas derartiges skizziert.
    Der Ernst-Schneider-Platz ist so deutlich vom Martin-Luther-Platz getrennt, die Räume sind klarer gegliedert..

  • Sehe ich auch so - ich war schon immer dafür, das Schauspielhaus nicht abzuriegeln, dieses Gebäude braucht einen Platz als Plattform und Präsentationsebene. Zur Kirche: Wenn die Rampe tatsächlich im Süden später an die Oberfläche treten würde, könnte man fast einen quadratischen Platz realisieren, Freiraum für die Kirche schaffen.
    Okay, man wird ja wohl noch träumen dürfen ...

  • Der Molestina-Entwurf sieht doch einen Platz vor dem Schauspielhaus vor...



    Bild: Molestina Architekten


    ...und der ist als Platz viel klarer definiert als dieses heutige Kuriosum GGP. Edit: Größer als der Schadowplatz ist er außerdem.


    Würde man nördlich der Kirche eine Straße lassen, so würde sie aber um ihren Platz beraubt – es ist ärgerlich genug, dass der südliche Teil des Platzes befahren bleiben muss. Dass Lieferverkehr innerhalb von engen Grenzen auch in die Fußgängerzone einfahren kann, versteht sich von selbst. Eine Querung von der Immermannstraße ist aber entbehrlich: Es gibt den Weg über die Steinstraße, der reicht völlig – wir reden hier ja nicht über Durchgangsverkehre sondern über reinen Parkplatz- und Lieferverkehr.

  • Das Schauspielhaus wird durch die vom neuen Stadtplatz diagonal ausgehende Sichtachse / Gasse sehr gut in Szene gesetzt.


    Der Gründgens-Platz erhält endlich eine räumliche Fassung; behält gleichzeitig aber seine für das Ensemble aus Dreischeibenhaus und Schauspielhaus notwendige Größe.


    Lediglich der Blick auf die südliche Giebelseite des Dreischeibenhauses wird durch einen Block verbaut; aber es gibt ja noch die Giebelseite zum Hofgarten.


    Der formale Bezug des Libeskind-Entwurfes zum Schauspielhaus ist zwar durch die Bebauung räumlich getrennt, aber dennoch vorhanden.


    Insgesamt sind die zwischen Schadowstraße und Gründgens-Platz geplanten Baukörper, Platzflächen und Straßenräume vorteilhaft.


    Zur Verkehrsführung an der Johanneskirche: weiterhin halte ich eine vollwertige Kreuzung Berliner Alle / Blumenstraße für die beste Lösung.


    In der von mir in #135 verlinkten Skizze (von 2008) ging es um die Darstellung eines Baukörpers zur besseren räumlichen Gliederung Bereiches nördlich der Kirche;
    eine Straßenkreuzung in Höhe Immermannstraße ist sicherlich aus heutiger Sicht nicht mehr als vorteilhaft anzusehen.


    In #131 hatte ich bereits erläutert, dass sowohl das Schadow-Arkaden-Parkhaus als auch die Anlieferungen von der Blumenstraße aus erschlossen werden können, unter Umständen auch über eine Mischverkehrsfläche.


    Das Verkehrskonzept zum Kö-Bogen verbannt zwar den Verkehr von der Berliner Allee Richtung Heinrich-Heine-Allee unter die Erde, aber der in entgegengesetzter Richtung fließende Verkehr bleibt weiterhin ein Problem;
    und dieser Verkehr wird auch in Zukunft durch die Blumenstraße fließen.


    Der Martin-Luther-Platz wird also nicht wirklich verkehrsberuhigt werden können; also ist die erwähnte Kreuzung sicherlich die beste Variante.

  • 200 Leute kamen zur ersten öffentlichen Diskussionsrunde. Mal sehen welche Dynamik hier reinkommt.


    RP

  • Die Koalition aus CDU und FDP hat beschlossen, dass der Tausendfüßler abgerissen werden soll. Fest steht bislang nur, dass ein denkmalgeschützter Bau, der einer besseren Entwicklung der Stadt im Wege steht, entfernt werden kann. Sollte es hier zum Streit zwischen Landeskonservator und Stadt kommen entscheidet der NRW-Bauminister.


    RP