Umbau Luitpoldhaus

  • Der Neubau kommt, der Stadtrat hat einstimmig den Entwurf beschlossen. Eventuell gibt es noch "minimale" Änderungen an der Fassade.


    Die CSU, die mal wieder erst für etwas war, nämlich den vorliegenden Entwurf, und dann aufeinmal ganz laut dagegegen protestierte und mit allem möglichem drohte, ist erneut eingeknickt und hat auch für den Neubau gestimmt.


    siehe auch:http://www.abendzeitung.de/nuernberg/rathaus/122066



    ps. übrigens der einzige Stadtrat der von Anfang Bedenken hatte und dagegegen Stimmte, ist Herr Beck, heute Freie Wähler, davor CSU bis er für diese bei der letzten Wahl 2008 zu "alt" war.

  • Nicht nur wem das Selbstverständnis der Stadt Nürnberg was die kommunale Gestaltungsmacht im Bauwesen angeht schon immer sehr verwerflich erschien, konnte jetzt den Offenbahrungseid per Leserbrief von Herrn Madel, ehem. Sachgebietsleiter Baurecht im Rechtsreferat erhalten. Mit Verlaub, aber so ein Schmarrn macht einen sprachlos!


    Wenn es wirklich so wäre, dass die Stadt machtlos dazu verdammt wäre, dem angeblichen juristischen Minimum nachzukriechen, keine eigene Gestaltungskraft einbringen dürfte, so wäre der Stadtverwaltung doch in letzter Konsequenz nicht weniger als die Existenzberechtigung abzusprechen! Wenn die Argumentation Madels richtig wäre, könnte ein mittelmäßig besetztes Gericht die Beurteilung und Begleitung der Bauvorhaben übernehmen und die Überprüfung des Baurechtsanspruch übernehmen.


    Ein Vorschlag dem besagte Kader nur deshalb abgeneigt wären, weil eine rein juristische Prüfung dann auch den Denkmalschutz und generelle Grundsätze der Gerechtigkeit (z.B. zwischen den Stadtteilen) stärken würde. Das möchte man mit dem -verschwiegenen, doch vorhandenen- Spielraum zugunsten einer kruden Ideologie doch weiterhin verhindern können.

  • unter http://nuernberg.de/imperia/md…itpoldhaus_handout_fg.pdf gibt es die zum Fachgespräch verteilten Unterlagen.


    Leider ist entweder etwas schief gelaufen, weil es die gleichen Ansichten dreimal gibt, oder es wurde nicht mehr verteilt, was in der Tat äußerst mager wäre.
    Beides ist jedoch unprofessionell (und bestätigt damit so manchen hier und so manches Vorurteil über die hiesige Bauverwaltung und ihre Kommunikationsunlust bzw. -unfähigkeit)

  • Suchspiel

    .... zu den unter http://nuernberg.de/imperia/md…itpoldhaus_handout_fg.pdf zum "Fachgespräch" verteilten Unterlagen:


    Leider ist entweder etwas schief gelaufen, weil es die gleichen Ansichten dreimal gibt, oder es wurde nicht mehr verteilt, was in der Tat äußerst mager wäre.


    ;-) .... ja so ist das mit den "Alternativen".... man muss hier wirklich dreimal hinschauen und das ganz scharf, um hier die "Unterschiede" zu erkennen.


    Früher gab es in einer angesehenen Fernsehzeitschirift in den Rätselseiten ganz am Schluss ein Suchspiel "Original und Fälschung", auf dem man mit geschicktem Augen kleine Manipulationen an Bildern suchen musste..... So oder so ähnlich verhält sich das mit den vom städtischen Hochbauam angebotenen Fassadenalternativen...


    Also schaut mal, ob Ihr die "Unterschiede" findet.


    Wem es zu mühsam ist, hier die Auflösung: Das erste Bildpaar zeigt die Ausgangssituation. Das zweite Bildpaar zeigt eine Variation bei der der Abstand der Vorderkannte der Betonlammellen gegenüber der Glasebene etwas zurückgenommen ist. Das dritte Bildpaar zeigt - wie originell (!) - noch eine Variante bei der nur jedes zweite horizontale Betonband zurückgesetzt ist.


    Sehzeichen meint: Totale Verarsche


    PS: Für Variante drei wurde auch noch die Erklärung mitgeliefert. Hier wird die Anregung des Baukunstbeirates "aufgegriffen" und "die Geschossigkeit nach außen gezeigt" (so der Architekt). Der BKB hatte nämlich kritisiert, dass die Fassade etwas vorspiegelt, was nicht ist. Die stark hervortetende vertikale Gliederung zeigt nämlich nicht die wirkliche Geschossigkeit, hinter außen vermeintlich zwei ablesbaren Geschossen verbirgt sich nämlich in Wirklichkeit nur eines, jedes Geschoss hat außen zwei horizontale Glasbänder.


    (Früher nannte man so etwas "Scheinarchitektur". Übrigens hinter der einheitlichen Glasfront verbirgt sich nicht ein großer Lesesaal oder irgend etwas von der Nutzung angemessenes. Die Fassade ist einfach zur Gänze vorgeblendet. Dahinter verbergen sich verschiedenste Nutzungen - Lesesaal, Archive, Arbeitsräume, Büros, Werkstätten, und WCs.)

  • Danke für den Hinweis

    Danke für den Hinweis Seh-Zeichen. Beim raschen Überfliegen der Folien fiel mir kein Unterschied auf. In der Tat keine wirkliche alternative Planung.


    Beim direkten Vergleich finde ich allerdings die von Seh-Zeichen kritisierte dritte Variante noch die Beste.



    Als Reaktion auf die Wirtschaftskrise werde ich wohl in die Taubenvergrämung einsteigen. Bei dieser Fassade und der Lage ein bombiges Geschäft :lach:

  • vernichtende Kritik des Landesamtes für Denkmalflege

    Mittlerweile ist - durch Recherche der NZ - bekannt geworden, dass zum von der Bauverwaltung forcierten Neu-/Umbau der Stadtbibliothek eine vernichtende Kritik des Landesamtes für Denkmalflege (Datum des Schreibens 25.05.2009), die der Öffentlich und den Beschlussgremien der Stadt verschwiegen wurde vorlag. Hier der unkommentierte Wortlaut:



    "Zur vorgelegten Baueingabe nimmt das Landesamt für Denkmalpflege wie folgt Stellung:


    Grundsätzlich wird in Anbetracht der öffentlichen Nutzung als Stadtbibliothek eine gewisse architektonische Sonderstellung des geplanten Gebäudes innerhalb der innerstädtischen Bebauung für vertretbar gehalten. Kulturbauten dieser Art haben im Stadtbild ihre volle Berechtigung. Auch erlauben die großen Baukörper der näheren Umgebung (Konservatorium, Kunstgewerbemuseum) durchaus die Entwicklung eines größeren Volumens an dieser Stelle.
    Zu kritisieren ist jedoch die Form, in der dies umgesetzt soll. Der geplante Baukörper zerfällt in verschiedene Bauteile mit jeweils unterschiedlicher Formensprache, die nicht zu einer Einheit zusammenfinden.


    Im Einzelnen:


    Die Trauflinie des alten Luitpoldhauses wird um ein Vollgeschoß höher gesetzt. Darüber befindet sich zurückgesetztes Terrassengeschoß, welches durch sein optisches Zurücktreten die beabsichtigte kubische Erscheinungsweise des neuen Luitpoldhauses und die strenge Monotonie seiner Fassaden vermutlich noch unterstreichen soll. Widersprüchlich ist jedoch, dass sich das zurückgesetzte Terrassengeschoß mit seinem Rücken an den geplanten Neubau anlehnt, was sich motivisch und von der Gestaltung der Dachlandschaft her als äußerst unvorteilhaft darstellt. Zu kritisieren ist, dass das Maß der Zurücksetzung an den drei Seiten unterschiedlich ist, was die Konsequenz und innere Logik dieser Dachform verringert.


    Auch der Dachaufbau über dem „Flugdach“ findet aus gestalterischen Gründen keine Anerkennung, weil es die formale Leichtigkeit der darunter befindlichen Glasfassaden konterkariert. Das Dach kann in der vorliegenden Form nur als plumper Unterbau für die geplanten Sonnenkollektoren interpretiert werden. Die Materialität der Lochfassaden (Wärmedämmverbundsystem mit Putzhaut, aluminiumverkleidete Fenster, Sichtbetonfertigteile im Sockelbereich) wird als sehr konventionell bzw. trivial empfunden.


    Die Fassadengestaltung der Neubauscheibe im Westen wird im vorliegenden Entwurf in einen starken Kontrast zur Formensprache des Bücherspeichers gesetzt. Die Kleinteiligkeit des Rasters und die Materialität der Fassade (Glas, Glaspaneele) werden zwar als angemessen empfunden, doch unbefriedigend bleibt die steile und scheibenartige Wirkung dieses Neubauteils. Sie ist nicht in der Lage, mit dem Bücherspeicher eine architektonische und städtebauliche Einheit zu bilden. Die unterschiedlichen Baumassen und Fassadenkonzepte stehen unvermittelt nebeneinander, die Silhouette ist gestört. Die beiden Bauteile sind so kontrastierend aufgefasst, dass sie keine allgemeinverständliche Verbindung entsteht. Unter diesem eklatanten Mangel leidet die Wertigkeit des Gesamtprojekts.


    Erschwerend kommt hinzu, dass mit dem niedrigen Bauteil zum ehemaligen Kloster noch eine dritte Formensprache zur Anwendung kommt. Hier ist eine Fassadenverkleidung aus horizontalen Aluminiumlamellen vorgesehen. In der über Eck gestellten Eingangszone im Norden prallen die drei Bauteile räumlich und architektonisch zusammen. Die Gestaltung des Eingangs zeigt mit aller Deutlichkeit, dass die Aufgabe in dieser Ausgangskonstellation nicht befriedigend zu lösen ist.


    Fazit:


    Das Umbau- bzw. Neubauvorhaben im Zentrum der Nürnberger Altstadt ist in der vorgelegten Form leider nicht in der Lage, das denkmalgeschützte Ensemble um einen gestalterisch hochwertigen Baukörper zu bereichern. Sowohl die Gliederung der Baumassen, als auch die heterogene Fassadengestaltung führen zu einem äußerst unbefriedigenden Ergebnis. Darunter leiden die städ-tebauliche Gesamtwirkung an dieser Stelle und die architektonische Erscheinungsweise der benachbarten Baudenkmäler. Das Landesamt für Denkmalpflege ist daher zu der Auffassung gelangt, dass vor dem Hintergrund des Denkmal- und Ensembleschutzes eine fachliche Ablehnung des vorgelegten Bauantrags notwendig ist.
    In Anbetracht der außerordentlich prominenten Lage und der großen Öffentlichkeitswirkung des Projekts wird die Stadt Nürnberg gebeten, weitere Beurteilungen zur geplanten Gestaltung einzuholen, etwa vom Heimatpfleger. Alternative Gestaltungsansätze wären von einem konkurrierenden Verfahren (Plangutachten) zu erwarten. Grundsätzlich hätte das Landesamt für Denkmalpflege die Durchführung eines Architektenwettbewerbs zur bestmöglichen Lösung der Entwurfsaufgabe für erforderlich gehalten.”


    Mit freundlichen Grüßen
    Dr. Richard Nemec
    Pressesprecher
    Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege
    Hofgraben 4
    80539 München



    Quelle: Nürnberger Zeitung /NZ-online "Bibliotheksneubau: Unwahrheiten aus dem Rathaus"


    http://blog.nz-online.de/senf/…ment-page-1/#comment-1150



    Aufgedeckt wurden das durch die Berichterstattung der NZ vom 14.10.2009:
    "Plumb, unvorteilhaft und trivial"

  • eine sehr klare und vermutlich auch fundierte Stellungnahme. Deutlicher geht es kaum noch, soll noch ein Minimum an Diplomatie gewahrt bleiben!


    Wie weiter oben geschrieben fehlt(e) mir persönlich Details, Pläne etc. um mir selbst ein Urteil zu bilden. Ich gehe aber davon aus, dass das Landesamt diese hatte.



    => wenn der Stadtrat jetzt keine Notbremse zieht...


    (aber es wird vermutlich so wie meist laufen: schweigen und aussitzen, hoffen das es doch etwas besser wird oder zumindest die Wähler schnell genug vergessen. Den Mut zu einem Fehler zu stehen und eine falsche Entscheidung zu revidieren hat schon lange kaum noch ein Politiker. Auch und gerade in Nbg [siehe Augustinerhof, Volksbad, FSW etc.]

  • @ Mattes


    Hab einige Zeit gesucht aber leider noch nichts gefunden. Finde die Innenarchitektur auch sehr gelungen und "einladend".

  • Laut mehreren Zeitungsberichten steigen die Baukosten für die Stadtbibliothek um 1,85 Mio €. So wie es aussieht läuft alles auf einen Rechtsstreit zwischen Stadt Nbg und der Baufirma hinaus. Angeblich wurde am Entwurf noch etwas "nachgebessert"


    http://www.nordbayern.de/nuern…beton-und-stahl-1.1286598


    Im nachhinein kann ich zum Entwurf noch hinzufügen, dass er wohl eher auf das ehemalige Schlachthofgelände passen würde.

  • Zwischendrin mal ein Bild von dieser in der Stadt viel beachteten, aber hier nicht (mehr) diskutierten Baustelle. Im Vordergrund das Gewerbemuseum, das einen nicht adäquaten Nachbarn erhalten hat. Das Foto ist entstanden im Frühjahr, als die Betonschale in Styropor verpackt worden ist.



    Ich hab mal irgendwo gelesen, dass Styropor etwa 25 Jahre hält. Ist ist also recht zeitnah (für ein öffentliches Gebäude) damit zu rechnen, dass das Haum umgestaltet wird. Am 24. Oktober wird die Bibliothek eröffnet, äußerlich ist das Haus jetzt fast fertig. Vielleicht folgt ja bald ein Bild des fertigen Ungetüms.

  • Schon wirklich häßlich, sieht schon beinahe aus wie ein Hochregallager, und das an diesem Standort. Wenn man schon so viel Fläche auf dem Gelände unterbringen wollte, warum ist man nicht etwas mehr in die Tiefe gegangen - beim früheren IMAX nebenan hat man ja auch nach unten gebaut.

  • Naja das Luitpoldhaus war ja ursprünglich auch so hoch. Allerdings weitaus schöner. Auf der Seite des ehem. Hausherrn, des Naturhistorischen Museums Nürnberg, jetzt in der Norishalle, sind Fotos des Luitpoldhauses zum Download angeboten.


    Foto von Heute:



    Foto vom Zustand ca. 1946 - 2007:



    Quelle: Presseseite des Naturhistorischen Museums Nürnberg, Link: http://www.presse.nhg-nuernber…0-125JahreAusstellung.php ;Stand 21.07.2012


    Foto vom Zustand ca. 1913 - 1945:



    Quelle: Presseseite des Naturhistorischen Museums Nürnberg, Link: http://www.presse.nhg-nuernber…0-125JahreAusstellung.php ;Stand 21.07.2012


    Interessant ist halt, dass es sich in den Grundmauern bis zum 1. OG um immernoch dasselbe Gebäude handelt. Man erkennt es wenn man sich die Fensterebenen im EG ansieht. Allerdings wurden die fenster teilweise zugemauert und neu aufgebrochen, ebenso der ehem. Haupteingang. Ich finde man hat damit den worst case verwirklicht, geschmackloser hatte man mit der Aufgabe und der Umgebung gar nicht umgehen können. Dass es sich da um einen Umbau handelt macht die Angelegenheit noch schlimmer.


    Man hatte die Außenhaut als Klinkermauerwerk aufziehen können, in dem Stil wie das ursprüngliche Luitpoldhaus ausgesehen hat. Das hätte auch gepasst mit den aktuellen Fenstern und der jetzigen Kubatur. Das hätte dann völlig anders gewirkt als dieser gigantische, gliederungsarme Monolith, der in jeder gestalterischen Hinsicht dem Kunstgewerbemuseum unterlegen ist und damit die Armut der heutigen Zeit in Beton ausdrücken kann.

  • Danke für die direkte Gegenüberstellung. Hier sieht man auch, daß die Kubatur des Neubaus ähnlich groß wie die des alten Luitpoldhauses ist. Flächenmäßig wird es auch ähnlich sein, so daß die damalige Argumentation "man bringt die Nutzflächen nicht in eine Reko unter" wohl nicht stimmt.

  • Reliefs

    Hat eigentlich jemand zufällig mitbekommen, was mit den Sandsteinreliefs am Nordportal geschehen ist? Dort waren verschiedene Tiergestalten dargestellt - offenbar eine Arbeit der 1950er oder 1960er Jahre. Leider habe ich die Reliefs nun nicht mehr gesehen und frage mich, ob sie erhalten geblieben und vielleicht woanders eingebaut wurden. Nachdem auch in Nürnberg nun auch immer mehr Nachkriegsbaukunst über den Jordan geht, wäre es schon sehr schade, wenn die Reliefs zerstört worden wären...

  • Über die Reliefs kann ich leider nichts sagen.


    Wenn man den Vorkriegsbau sieht, blutet einem das Herz! Ich verstehe immer noch nicht, warum man dieses Gebäude unbedingt in die Altstadt setzen musste? Ein größerer Fremdkörper ist kaum vorstellbar! - Ausserhalb der Altstadtmauern wäre für mich der Bau absolut ok.