Beiträge von Opa-Dos

    Dann gabs da wohl bei der Aktion "rettet die Sandsteinfassade" ein Mißverständnis. Ich dachte eigentlich die Fassade bleibt so erhalten. Jetzt fällt zwar die angedachte Dämmung weg, aber anscheinend werden trotzdem große Fenster hineingeschnitten.


    Panoramafenster sind übrigens was für Häuser mit großen Gärten. In der Stadt übersieht man gerne, das man durch solche Fenster auch in die Wohnungen schauen kann.

    Bleibt mal auf dem Boden:


    Sowohl der ursprüngliche Entwurf, als auch die Nachbesserung sind grauenhaft:
    Die Nachbesserung schaut nur deswegen noch schlimmer aus, da sie nur als Plan und nicht als schickes 3D Rendering herauskommt.
    Die Dachlandschaft ist vorne und hinten ein zusammengewürfleter Haufen unterschiedlichster Teile:
    Einschnitte, Gauben , Dachfenster ...


    Hinten haben wir Erker, Balkone und eingezogene Loggien.
    An dem Haus gibt es nichts , was es nicht gibt.
    Wie ein Sammelsurium aus dem Architekturkatalog.


    Der Zwerchgiebel hinten machte das Haus nicht wirklich besser.


    Alles in allem sieht man dem Haus an, daß das Optimum an verkaufbarer Fläche aus einem Grundstück herausgepresst wird.


    Die rot umrahmten "Zwerchhäuser" auf der Vorderseite sind ja noch das beste aus dem Entwurf, und die streicht er gerade weg. Wahrscheinlich hat er da den BKB etwas mißverstanden.


    Noch ein Tipp:


    Nimmt euch mal falls möglich die Zeit, und geht zum BKB.
    Es lohnt sich, da hier meist sehr vernünftige Kritiken, Anregungen geliefert werden.

    Ein Schelm wer daraus Böses ableitet, nämlich dass Profite und mangelnde Qualität Ästhetik in einem gewissen Zusammenhang stehen :-O


    Das ist aber nur eine Beobachtung von heute. Die Gründerzeithäuser waren zumeist reine "Zinshäuser" d.h. Kapitalanlangen.
    Zur Zeit gibt es nur weniger Bewustsein für ästhetische Qualität, d.h. es schlägt sich nicht im Preis nieder. Zumindest nicht in der Architektur. Bei Autos und Desingermöbel ist das ja lustigerweise nicht so. Aber die Wohnung und das Haus muß halt "nur" funktional sein. Die fehlende ästhetische Qualität kompensieren wir dann mit Gartenzwergen oder ähnliche Gartendekoration im Jodlerstil.

    Jetzt hätte es mich fast vom Stuhl gehauen.


    Das ist seit langem die dilletantischte Sanierung die ich gesehen habe:
    Das Tor wird einfach zugemauert, und mit einer 08/15 Tür versehen.
    Die Fassade zur Straße wird aufgerissen und mit einem großen Fenster versehen. Im Normalfall sind diese dann tagsüber mit Sonnenschutz / Vorhang geschlossen, sonst wird es ja zu heiss, oder es kann jemand hereinschauen...


    Also im Baukunstbeirat war das noch nicht, und falls hier wirklich schon eine Baugenehmigung erteilt worden ist, sollte man hier mal das Thema Stadtbild groß in der Presse aufmachen und auch mal bei der Verwaltung nachfragen.

    Danke für die direkte Gegenüberstellung. Hier sieht man auch, daß die Kubatur des Neubaus ähnlich groß wie die des alten Luitpoldhauses ist. Flächenmäßig wird es auch ähnlich sein, so daß die damalige Argumentation "man bringt die Nutzflächen nicht in eine Reko unter" wohl nicht stimmt.

    Man kann auch auf der Visualisierung gut erkennen, wie die gestalterischen Vorgaben der Umgebung zitiert werden, denn die Dachkante und auch die Einscheibenfenster sind keine Erfindung dieses Neubaus.


    Die Nachkriegsbauten, die zugegebener Maßen mit geringerem Anspruch gestaltet sind als anderswo in der Altstadt werden immerhin so bald nicht verschwinden oder verbessert werden.


    Dass ein privater "Häuslebauer" sich ein 200 qm Grundstück an der Äußeren laufer Gasse kauft um dort ein Altstadtverträgliches, kleinteiliges Wohnhaus zu bauen, halte ich für illusorisch. Klar, eien historisierende Fassade, oder gar eine Reko von was-auch-immer dort stand, wäre schöner. Aber es hätte auch weitaus schlimmer kommen können.


    Referenz und Tradition:
    Über die Sebalder Kontore mag sich jeder seine eigene Meinung bilden. Ich finde nur die Aussage das er "Nürnberger Tradition" mit quadratischen Fenstern und einer steil geneigten "Dach"fläche aufnimmt haaresträubend. Wenn als Maßstab der "Nürnberger Tradition" die Bausünden der 60er und 70er Jahre (also die Bauten mit geringem Anspruch) gelten, halte ich das für diskussionswürdig. Es bleibt zu klären, was man bei zukünftigen Bauten als Referenz in der Altstadt nimmt. Für den Entwurf der Stadtbibliothek wurde übrigens auch das dortige Parkhaus als Bauwerk in naher Umgebung zur Begründung des Entwurfes hinzugezogen.


    Zur Parzelle:
    Man muß nicht die alten Parzellen zwangsläufig wieder herstellen, aber wie man eine lange Fassade dezent gestalten kann, sieht man z.B. am Einwohnermeldeamt in der Äußeren Laufer Gasse.


    Mein Kommentar zu diesem Kristall ist: Weniger Architektur geht nicht mehr, oder frei nach Venturi: Less is a bore. Aber es ist ja auch ein Kristall und kein Haus. Vielleicht sollten wir so weiterbauen, dann sind wir irgendwann keine Altstadt, sondern Silicon-Valley der Metropolregion. ;)


    P.S. Beim Scharrer-Gymnasium stand im Wettbewerbsurteil etwas von "fügt sich sensibel in die Umgebung ein".

    Ich finde der Bau outet sich eindeutig als Neubau mit ambitionierter Zielsetzung. Die Nürnberger Tradition findet sich in

    • der Wahl des Fassadenmaterials (roter Sandstein)
    • der quadratischen Einzelfenster (anstatt horizontaler Fensterreihen)
    • des steilen Daches (anstatt des gesichtslosen, ja guilliotinierten flachen Daches)

    wieder. Die modernen Elemente fügen sich ein und geben dem Baukörper den modernen Charakter:

    • große, sprossen- und rahmenlose spiegelnde Fenster
    • keinerlei Gesimse und Vorsprünge, nichtmal eine sichtbare Dachrinne
    • das gleiche Fassadenmaterial vom Fußweg bis zum Dachfirst.


    Da muß ich leider massiv wiedersprechen. Der gezeigte Bau nimmt als Nürnberger Tradition lediglich die Farbe des roten Sandsteins auf. Riesige ungeteilte Fenster zeigen keinerlei Bezug zu Nürnberg. (Es gibt übrigens auch durchaus überzeugende historische horizontale Fensterbänder wie am Dürer-Haus). Von einem Dach kann mann bei dem Kristall auch nicht sprechen, da sich ein Dach in Form, Farbe und Materialität immer von der Fassade abhebt. Der vom Entwerfer beschwörte Vergleich mit einem "Kristall" steht auch im Wiederspruch zu der Ausbildung eines Steildaches.


    Außerdem wird auch die Maßstäblichkeit des Städtebaus gesprengt. Der Nürnberger Wiederauf zeigt sich gerade dadurch aus, dass Parzellengrößen und damit die Proportion der alten Fassaden ungefähr übernommen wurden. Ich sehe das Gebäude deshalb genau in der Tradition der "Bausünden" der 60er und 70er Jahre . Zu dieser Zeit entstand auch diese "Kristall" Idee. Beispiele so einer Fassade findet man gegenüber dem Kaufhof am Aufseßplatz (Straßenbahnhaltestelle) oder neben der Erlangener Straße:


    https://maps.google.de/maps?q=…yzIjJdw&cbp=12,33.75,,0,4


    Wie bei dem gezeigten Beispiel zu sehen ist, ist die Idee weder neu (sprich modern) noch ist die Umsetzung sonderlich einfallsreich.
    Typisch CAD: Kopiere Fenster X sieben mal nach rechts und 3 mal nach oben, und fertig ist der Entwurf.
    Die Fassade ist genau wie der fertiggestellte "Altbau" des Luitpoldhauses sprichwörtlich "reizlos",
    und man hast sich überschnell "satt" gesehen. Mann könnte gar von "ästhetischer Schonkost" sprechen.


    Beide Gebäude stehen für die konsequente visuelle Verarmung, die sich derzeit im Stadtbild breit macht.

    Denn ein anderes Image als das der mittelalterlichen, historischen Altstadt kann man der Innenstadt doch beim besten Willen nicht geben.


    Eine gewagte These für ein Architektur-Forum!
    In Nürnberg tun die Architekten mit ihren Bauherren genau alles, damit die Altstadt nicht altbacken sondern (wie auch immer) modern wirkt. :???:
    Diese Diskussion wird sein Jahren sehr ideologisch geführt.


    Der frühe Wiederaufbau war übrigens der gelungenste, und es gibt noch ein paar Ecken mit Ensemblewirkung, in denen man das Alt-Nürnberg erahnen kann.


    Übrigens zahlt Stadt Nürnberg nicht die Sanierung der Jugenherberge auf der Burg, da dies vom Träger übernommen wird.

    Da der BKB aber eben auch bei nicht Stadtbildprägenden Projekten mitmischt, wird dessen Funktion verwässert und seine Reputation eingeschränkt. Denn Flughafengebäude, Messe, am Stadtrand liegende Kliniken oder Bürokomplexe gehören da finde ich nicht mehr dazu. Wenn man die Architekten hier hätte wirken lassen, dann hätten glaube ich die Einsprüche des BKB bei Innenstadtprojekten auch eine zielgerichtetere Wirkung.


    Das Messeprojekt diente im BKB nur zur Kenntnisnahme. Genauso wie das Ergebnis des Wettbewerb Beuthener Str. / EasyCredit Bank.

    Die Fassadengestaltung empfinde ich als sehr durchschnittlich. Aber diesbezüglich fügt sich der Entwurf sehr gut in die umgebende Bebauung ein.


    Also schaut euch doch bitte die Fassade nochmal an. Ich halte sie für ziemlich dürftig. Die angrenzenden Gebäude haben immerhin auch noch eine vertikale Gliederung durch Balkonzonen, bzw. Vor- und Rückspünge und bilden eine Traufe aus.


    Auch wenn mich diese Aussage eine gewisse Überwindung kostet halte ich hier die 60er Jahre Bebauung qualitativ besser als der neue Entwurf.


    Hier wird eine Fassade zur Straße zu Tode reduziert.

    Der BKB spielt sich als geniale (was ganz sicher nicht richtig ist) Superinstanz aus, die aus der intellektuellen Vogelperspektive die Entwürfe, die mal etwas aus der Normreihe tanzen, abkanzelt.


    Das tut er nicht. Die Kritik die vom (neuen) BKB kommt, ist meistens angebracht, und kann nachvollzogen werden. Es wird auf grundsätzliche Gestaltungsregeln hingewiesen. Das der BKB überhaut soviel kritisieren muß liegt meiner Meinung nach an den dürftigen Entwürfen, die Versuchen mangelnde Qualität durch wilde Effekthascherei zu kompensieren.


    Auf Vitruv hinzuweisen ist auch keine Watsche, sondern ein Verweiß auf ein Standartwerk der Architektur, das bis heute sehr gute Anregungen liefert. Was allerdings genau damit gemeint ist, kann man aus dem Schreiben nicht entnehmen. Wahrscheinlich will der BKB auf das Kosten/Nutzenverhältnis hinweisen.


    harher Der BKB sollte nicht bremsen, er muß nur leider die mangelnde Absichtserklärung der Politik ausbaden, die kein Konzept für die Nürnberger Stadtentwicklung hat. Ich meine hier Vorstellungen, wie in der Altstadt, oder auch in den anderen Stadtteilen weitergebaut werden soll.


    Die Stadtbibliothek wurde übrigens maßgeblich vom "alten" BKB verbrochen. Und aus diesem kam selten eine Verbesserung der gezeigten Entwürfe.

    Schön wäre es schon, aber dazu langt die Kundschaft nicht. Die Marktstände sind ja heute schon jetzt froh, wenn der Hauptmarkt belegt ist, und sie zur Lorenzkirche und in die Königsstraße dürfen.

    50er Jahre Rasterbau trifft sich mit 70er Jahre "Ich-lass-mal-die-Wand-bis-aufs-Dach-hinauf-gehen" Idee. Ich finde es weder originell noch innovativ. Eher etwas monoton und langweilig. An diesem "Kristall" hat man sich bestimmt bald satt gesehen.


    Bin mal gespannt wie lange die Kunstgriffe mit der beheizten Dachfläche und der innenliegenden Dachrinne halten...