damals & heute

  • Bauten am Viehofer Platz und Pferdemarkt


    [size=-2]Bild: Fabio 2008[/size]



    [size=-2]Neuerungsmodell der Essener Innenstadt um 1956
    Rote Gebäude von links: Maschinenbauschule, Allbauhaus und St. Gertrud-Kirche[/size]
    [size=-2]Bild: Die Entstehungsgeschichte der Grauen Architektur (PDF-Datei, Seite 74)
    [/size]

    • [url=http://maps.google.de/maps?ie=UTF8&hl=de&msid=109489713119727205235.00000111cc107afd2cdcf&t=k&om=1&msa=0&ll=51.461625,7.014846&spn=0.002266,0.006534&z=18]Luftbild bei GoogleMaps[/url]
    • Denkmalpfad Nr. 27 und 28
    • Essen City Nord



    [size=-2]Viehofer Platz um 1930, Blick nach Norden
    Links: St. Gertrud-Kriche, recht: Allbauhaus, darüber am Bahndamm das Hotel Reichskrone[/size]
    [size=-2]Bild: Historische Luftbilder Essen[/size]



    [size=-2]Hotel Reichskrone um 1930, dahinter die Eisenbahnstrecke der Rheinischen Bahn.
    Links vom Hotel Reichskrone fuhr die Straßenbahn nach Altenessen, rechts nach Stoppenberg.[/size]
    [size=-2]Bild: Postkarte[/size]



    [size=-2]Hotel Reichskrone um 1900[/size]
    [size=-2]Bild: Postkarte[/size]



    [size=-2]Viehofer Platz heute[/size]
    [size=-2]Bild: Fabio 2008[/size]



    [size=-2]Brunnen am Viehofer Platz [/size]
    [size=-2]Bild: Fabio 2007[/size]



    [size=-2]Viehofer Platz, U-Bahn-Eingang Rheinischer Platz[/size]
    [size=-2]Bild: Fabio 2008[/size]



    1872-1875 Kath. St. Gertrud-Kirche (Architekt August Rinklake)
    Die St. Gertrud-Kirche wurde in der Nähe des ehemaligen Viehofer Tores nach einem Entwurf des Architekten August Rinklake (Münster) von 1872 bis 1875 im gotischen Stil errichtet. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche zerstört. Der Wiederaufbau erfolgte 1955 in veränderter Form, der Nachkriegsbau steht nicht unter Denkmalschutz.



    [size=-2]St. Gertrud-Kirche um 1903[/size]
    [size=-2]Bild: Postkarte[/size]



    [size=-2]St. Gertrud-Kirche um 1918[/size]
    [size=-2]Bild: Postkarte[/size]



    [size=-2]St. Gertrud-Kirche um 1930[/size]
    [size=-2]Bild: Denkmalpfad[/size]



    [size=-2]Essen 1947[/size]
    [size=-2]Bild: Die Entstehungsgeschichte der Grauen Architektur (PDF-Datei, Seite 25)
    [/size]



    [size=-2]St. Gertrud-Kirche [/size]
    [size=-2]Bild: Fabio 2008[/size]



    [size=-2]St. Gertrud-Kirche [/size]
    [size=-2]Bild: Fabio 2008[/size]


    Gegenüber der St. Gertrud-Kirche befindet sich das 1956 erbaute „Großhaus am Viehofer Tor“. Es beherbergte die Eisenwarenhandlung Dellbrügger, ein Tanzlokal im Souterrain sowie das Kino „Grand-Film-Palast“. 1996 wurde im ehemaligen Kino das GOP Varieté-Theater eröffnet. GOP ist die Abkürzung für Georgspalast (= Stammhaus des Unternehmens in Hannover).



    [size=-2] GOP Varieté-Theater[/size]
    [size=-2]Bild: Fabio 2008[/size]


    1927-1928 Allbauhaus (Architekt Ernst Knoblauch)


    Der Allgemeine Bauverein Essen AG (Allbau) errichte 1927-1928 sein neues Verwaltungsgebäude am Viehofer Platz nach einem Entwurf des Essener Architekten Ernst Knoblauch (1868-1955). Das Allbauhaus ist ein Geschäfts- und Bürohaus. Es überstand den Zweiten Weltkrieg und wurde später von der Arbeiterwohlfahrt, der SPD und der Essener Sparkasse genutzt.
    An den Fassaden befanden sich zwei Plastiken des Bildhauers Will Lammert (1892-1957). Er baute in der Künstlerkolonie Margaretenhöhe eine Keramikwerkstatt auf und leitete diese zwischen 1924 und 1926. Will Lammert war mit einer jüdischen Ärztin verheiratet und trat aus Sorge vor dem Faschismus 1932 der KPD bei. Aufgrund seiner Parteiarbeit wurde er von den Nationalsozialisten wegen Hochverrat verfolgt und aus Deutschland vertrieben. Beide Plastiken am Allbauhaus wurden wie fast alle seine Werke in Deutschland als entartete Kunst zerstört. 1935 nahm Will Lammert die sowjetische Staatsbürgerschaft an. Er kehrte 1951 nach Ost-Deutschland zurück und wurde zum Professor und zum Ordentlichen Mitglied der Akademie der Künste der DDR berufen.



    [size=-2]Allbauhaus um 1930[/size]
    [size=-2]Bild: Denkmalpfad[/size]



    [size=-2]Allbauhaus heute[/size]
    [size=-2]Bild: Fabio 2008[/size]



    [size=-2]Allbauhaus heute [/size]
    [size=-2]Bild: Fabio 2008[/size]



    [size=-2]Durchfahrt am Allbauhaus, hier fuhr vor dem Zweiten Weltkrieg die Straßenbahn[/size]
    [size=-2]Bild: Fabio 2008[/size]



    [size=-2]Alte Gleise am Allbauhaus [/size]
    [size=-2]Bild: Fabio 2008[/size]



    1909 Maschinenbauschule
    Für die Ausbildung neuer Fachkräfte in der rasch wachsenden Industriestadt Essen wurden um 1900 neue Schulen gegründet. 1901 nahm die staatlich-städtische Gewerbeschule den Unterricht auf, aus der die Königliche Maschinenbauschule und die Königliche Baugewerkeschule hervorgingen. Die Maschinenbauschule wurde 1909 im Stil des Süddeutschen Barock erbaut. Die Baugewerkeschule von 1910 am Moltkeplatz wurde von dem Architekten Edmund Körner entworfen.



    [size=-2]Maschinenbauschule um 1935[/size]
    [size=-2]Bild: Postkarte[/size]



    [size=-2]Eingangsbereich der Maschinenbauschule[/size]
    [size=-2]Bild: Fabio 2008[/size]



    [size=-2]Maschinenbauschule[/size]
    [size=-2]Bild: Fabio 2008[/size]



    [size=-2]Waldthausenstraße, Blick Richtung Norden[/size]
    [size=-2]Bild: Fabio 2008[/size]



    [size=-2]Waldthausenstraße, Blick Richtung Norden [/size]
    [size=-2]Bild: Fabio 2008[/size]



    [size=-2]Waldthausenstraße, Blick Richtung Süden [/size]
    [size=-2]Bild: Fabio 2008[/size]



    [size=-2]Waldthausenstraße, Relief [/size]
    [size=-2]Bild: Fabio 2008[/size]



    1990-1991 Neugestaltung Viehofer Straße
    Im Rahmen der Neugestaltung der Essener Innenstadt sollte die Viehofer Straße besonders aufgewertet werden, da die Straße 10 Jahre nach dem Bau des City Centers Essen viele Kunden verloren hatte. Den Wettbewerb gewann der Architekt und Designer Uli Dratz mit seinem Entwurf Stadtzeichen. Die „Viehofer“ wurde zur reinen Fußgängerzone mit neu gepflanzten Winterlinden.



    [size=-2]Stadtzeichen Energie und Handel[/size]
    [size=-2]Bild: Essen gestaltet die City, Bürger-Info der Stadt Essen, 1991[/size]



    [size=-2]Stadtzeichen Energie, Pferdemarkt, hinten links: St. Gertrud-Kirche
    Stadt der Energie: RWE, Ruhrgas, Steag und Ruhrkohle haben ihren Ursprung in Essen[/size]
    [size=-2]Bild: Fabio 2008[/size]



    [size=-2]Stadtzeichen Handel, Einmündung der Kronenstraße
    Essen die Stadt des Handels und der Messen[/size]
    [size=-2]Bild: Fabio 2008[/size]



    [size=-2]Stadtzeichen Stahl und Kohle[/size]
    [size=-2]Bild: Essen gestaltet die City, Bürger-Info der Stadt Essen, 1991[/size]



    [size=-2]Stadtzeichen Stahl, Einmündung der Kreuzeskirchstraße (rechts: Haus Nr. 28)
    Stadt des Stahls: Essen war einst wichtigster Stahlstandort Deutschlands[/size]
    [size=-2]Bild: Fabio 2008[/size]



    [size=-2]100 Jahre zuvor: Kötterhäuser an der Ecke Viehofer Straße / Kirchstraße im Jahr 1897 (rechts am Rand: Haus Nr. 28)[/size]
    [size=-2]Bild: Die Entstehungsgeschichte der Grauen Architektur (PDF-Datei, Seite 15)
    [/size]



    [size=-2]Stadtzeichen Kohle, Einmündung der Kasteienstraße
    Stadt der Kohle: Essen hatte einst die meisten Zechen in Europa[/size]
    [size=-2]Bild: Fabio 2008[/size]




    [size=-2]Stadtzeichen Wasser, Übergang über die Fontänengasse[/size]
    [size=-2]Bild: Essen gestaltet die City, Bürger-Info der Stadt Essen, 1991[/size]
    [size=-2]Der Entwurf wurde im Bereich der Marktkirche leider so nicht umgesetzt ([url=http://maps.google.de/maps?hl=de&ie=UTF8&ll=51.457338,7.012418&spn=0.00119,0.002258&t=h&z=19]GoogleMaps[/url]). Vorgesehen war die Darstellung im Pflaster des alten Umrisses der ursprünglich 3-jochigen Marktkirche und die Lage des Kirchturms. Die Baumgruppe nördlich der Marktkirche sollte die ehemalige dichte Vorkriegsbebauung darstellen. Nördlich der Marktkirche liegt der Flachsmarkt, dort stand früher das Wohnhaus von Friedrich Krupp bzw. das Geburtshaus von Alfred Krupp.[/size]



    [size=-2]Stadtzeichen Wasser, Übergang über die Fontänengasse
    Stadt am Wasser: Durch Essen verlaufen Ruhr, Emscher und der Rhein-Herne-Kanal[/size]
    [size=-2]Bild: Fabio 2008[/size]

  • 1990-1991 Neugestaltung Viehofer Straße


    Im Rahmen der Neugestaltung der Essener Innenstadt sollte die Viehofer Straße besonders aufgewertet werden, da die Straße 10 Jahre nach dem Bau des City Centers Essen viele Kunden verloren hatte. Den Wettbewerb gewann der Architekt und Designer Uli Dratz mit seinem Entwurf Stadtzeichen. Die „Viehofer“ wurde zur reinen Fußgängerzone mit neu gepflanzten Winterlinden.


    Leider hat diese Neugestaltung nichts gebracht. Die Straße wirkt durch die Plastiken und vielen Bäume vollkommen "zugestellt" und dunkel. Man hätte hier mit Licht- und Wasserbändern und weniger Bäumen eine wesentlich angenehmere und offenere Atmosphäre schaffen können.


    Mit der Schließung des Europa-Kinos und insbesondere mit dem Umzug von Conrad Electronic in die Weststadt vor einigen Jahren, ist die Viehofer Str. nunmehr vollkommen gekippt. Die Stadt müsste hier dringend intervenieren, damit die Viehofer Str. respektive die gesamte Nordstadt nicht noch weiter verkommt.

  • Kunstbetrieb
    Und wie?
    Ich bin ganz deiner Meinung, dass etwas getan werden muss, um diese Straße zu retten, ABER:
    Diese Geschäfte und établissements haben grundsätzlich ihre Daseinsberechtigung, auch wenn sie wirklich nicht unbedingt so konzentriert an einem Ort liegen müssten. Und außerdem muss hier eine Aufwertung geschaffen werden, die nicht die Kettwigerstraße zum Hbf weiter beschädigt, da diese schon ausreichend Druck vom Limbecker Platz erfährt.

    • Ich denke nicht, dass höherwertige Geschäfte hier die Lösung wären, da hierzu die Kaufkraft fehlt.
    • Kultur? Müsste schon Weltklasse sein, um Besucher in diese Gegend zu locken, ergo zu teuer.
    • Büros wären in diesem Teil der Stadt irgendwie unpassend.
    • Hochwertiges wohnen? Vielleicht, aber es wäre wohl nahezu unmöglich eine entsprechend potente Klientel davon zu überzeugen in diese Gegend zu ziehen. Vielleicht bestünde die Möglichkeit wenn die umliegende Gegend durch das neue Universitätsviertel und das Nordstadtquartier aufgewertet wird, aber das wird noch dauern.


    Kurz und knapp: Ich bin ratlos. Zum Glück bin ich hier nicht verantwortlich :)

  • Zustand der Viehofer Straße

    # 65 Kunstbetrieb
    # 66 Philip


    Ihr habt bei der Lagebeurteilung um die Viehofer ja recht, leider. Dennoch bin ich etwas optimistischer. Ich möchte Euch an dieser Stelle nur daran erinnern, dass wir ja noch das "Nordstadtquartier" in der Hinterhand haben. Seht hierzu auch den entsprechenden Thread. Ich bin zuversichtlich, dass sich hier im Laufe des nächsten Jahres etwas tun wird. Und wenn dem so wäre, würde sich das natürlich auch positiv auf die Viehofer Straße auswirken.
    Also! Immer schön senkrecht bleiben :daumen: :daumen: :daumen:

  • Bin durch Zufall heute darauf aufmerksam geworden, dass sich bereits im April 2005 eine entsprechende Interessengemeinschaft für die nördliche Innenstadt gebildet hat; nur ist anscheinend seitdem nicht allzu viel passiert, außer das ein paar Graffitis entfernt wurden, ein Haus in einer Nebenstraße eine neue Fassadengestaltung erhalten hat und zusätzliche Aschenbecher installiert wurden ...

  • #65


    Kunstbetrieb , in der Tat wirkt die Strasse zugestellt und dunkel. Auf der anderen Seite sage ich mir, dass die Bäume gekonnt den Blick auf zu viel scheußliche Fassade verhindern.





    #66


    Philip , ein großer Standort für den Einkauf wird die Strasse wohl nicht mehr. Dafür wurden in der Vergangenheit zu viele Fehler gemacht. Erinnern möchte ich an die Jahrzehnte lange Ignoranz der Stadt bei Veranstaltungen und einer versuchten Wiedergutmachungsaktion im Zuge der Innenstadterneuerung. Denn davor hat man mit der U-Bahn und dem City Center dafür gesorgt, dass die Viehofer Strasse praktisch den Anschluß verlor. Ich kann mich noch so ein bißchen an die Zeit vor dem City Center erinnern. Die Bevölkerung aus dem Essener Norden stieg am Berliner- oder Viehofer Platz aus der Strassenbahn oder dem Bus und ging die Limbecker- bzw. Viehofer Strasse hinauf. Heute steigen die Leute erst am City Center aus und gehen von dort in die City.


    Eine Lösung schien schon gefunden, als Mitte und Ende der Neunziger die Idee aufkam, eine Kneipenmeile auf der Viehofer Strasse zu etablieren. Es gab eine Begehung mit Vertretern der Stadt und Unternehmern wie den Bierbrauern der Bochumer Fiege Brauerei, die schon ganz erfolgreich im Bermuda3Eck ihre Geschäfte machten. Das Viertel galt seitens dieser Leute als idealer Standort. Eine Fußgängerzone mit Bäume und Imbissbuden wie im 3Eck gab es schon, U-Bahnanschlüsse und ein Parkhaus ebenfalls. Zweimal im Abstand von 4 Jahren keimte diese Idee auf, aber draus geworden ist bis auf einen Ansatz am Viehofer Platz leider bisher nichts. Eine Überschrift in WAZ von damals lautete glaube ich "40 Kneipen für die City"


    Ich persönlich würde an dieser Idee festhalten. Neben der Gastronomie würde ich Einzelhandel für bestimmte Szenen etablieren, wie es teilweise ja schon passiert. Wie leider aus einigen Berichten in der Vergangenheit zu entnehmen war, gibt es immer noch Schwierigkeiten mit einigen Immobilienbesitzern, die weiterhin überhöhte Mieten einfordern.


    Meines Erachtens hat die Nordcity die Chance, sich zu einem Ausgehviertel zu entwickeln. Heute schon gibt es einige Bars und Diskotheken, die sehr gut besucht sind.


    Ein Überblick: Nord, Mandalei, Turock, Café Maze, Café Dax, Balhia Lounge, Essence, Der Löwe, Queens-Club, Café Mondo,

  • Edmund-Körner-Platz / Alte Synagoge

    Der überarbeitete Entwurf für den künftigen Edmund-Körner-Platz enthält nun einige Sitzmöbel und Grünstreifen.
    Vergleiche mit Bild #5.



    [size=-2]Planungsentwurf Umfeldgestaltung der Alten Synagoge
    wbp landschaftsarchitekten, Bochum[/size]
    [size=-2]Bild: Alte Synagoge Essen[/size]



    [size=-2]Umfeld der Alten Synagoge im Mai 2008
    Bild: Fabio[/size]


    Neue Infos zu diesem Projekt:

  • Das ist ja echt schade, wenn man sieht, wie Essen Früher und Heute aussieht. Die Stadt sieht auf den alten Bildern viel mehr nach Großstadt aus...
    Besonders gut gefallen mir die Glasspassage und das alte Rathaus.
    Ich finde, das hatte eine gewisse Ähnlichkeit mit "Big Ben"....

  • Altkatholische Friedenskirche

    Laut WAZ vom 28.11.2008 soll die Haube der Friedenskirche bis zum Kulturhauptstadtjahr wiederhergestellt werden.
    Es fehlen jedoch noch 320.000 € Sponsorengelder.


    Hier noch Bilder des Bauensembles bestehend aus Synagoge, Alt-Katholischer Friedenskirche und Jahrhundertbrunnen aus der Vorkriegszeit:



    [size=-2]Bild: bildindex , Aufnahme vor 1920[/size]



    [size=-2]Postkarte[/size]



    [size=-2]Postkarte[/size]

  • Krupp & Essen (1) Friedrich Krupp

    Die Entwicklung der Stadt Essen wurde von der Familie und Fabrik Krupp maßgeblich mitgeprägt. Aus der Gussstahlfabrik von Friedrich Krupp wurde ein Industrie-Imperium und aus der ländlichen Kleinstadt Essen eine Großstadt.


    Friedrich Krupp, der Firmengründer

    [size=-2]Bild: Historische Ausstellung Krupp, Villa Hügel[/size]


    Geburtshaus von Friedrich und Alfred Krupp am Flachsmarkt


    Als Stammvater der Familie Krupp in Essen gilt der holländische Religionsflüchtling Arndt Kruipe (gestorben 1624). Seine Nachfahren gehörten zur städtischen Oberschicht, sie waren Ratsherren und erfolgreiche Kaufleute. Am Flachsmarkt Nr. 9 befand sich das Stadthaus der Familie Krupp, es war das Geburtshaus von Friedrich Krupp (1787-1826) und Alfred Krupp (1812-1887). Alfred Krupp wurde zunächst gemeinsam mit den Kindern des Essener Industriepioniers Franz Dinnendahl (1775-1826) von dessen Privatlehrer unterrichtet, später besuchte er das Essener Gymnasium.



    [size=-2]Plan der Essener Innenstadt von 1823[/size]
    [size=-2]Bild: Stadt Essen, Amt für Geoinformation, Vermessung und Kataster[/size]



    [size=-2]Geburtshaus von Friedrich und Alfred Krupp (Aufnahme ca. 1850-1880)[/size]
    [size=-2]Bild: Historische Ausstellung Krupp, Villa Hügel[/size]



    [size=-2]Ecke Flachsmarkt – Limbecker Straße im Jahr 2009. Der Schatten der Marktkirche ist auf dem Gebäude zu erkennen. In der Marktkirche wurde der Großvater von Friedrich Krupp, der Kaufmann Friedrich Jodocus Krupp (1709-1757), bestattet.[/size]
    [size=-2]Bild: Fabio, Januar 2009[/size]


    1812-1839 Walkmühle in Altenessen


    Helene Amalie Krupp (1732-1810) hatte aus der Kolonialwarenhandlung ihres verstorbenen Mannes diverse Unternehmen aufgebaut. Mit ihrem Tod erbte ihr Enkel Friedrich Krupp einen Teil des zur damaligen Zeit beachtlichen Familienvermögens. Als durch die Kontinentalsperre Napoleons gegen England (1806-1813) kein englischer Gussstahl mehr auf das europäische Festland geliefert werden konnte, gründete Friedrich Krupp am 20. November 1811 die „Firma Friedrich Krupp zur Verfertigung des Englischen Gussstahls und aller daraus resultierenden Fabrikationen“. Mit dem Startkapital aus dem Familienerbe wurde zunächst eine Werkstatt im Weberviertel errichtet.


    Die ehemalige Walkmühle an der Berne in Altenessen wurde ursprünglich zur Tuchproduktion genutzt. 1797 kaufte Amalie Krupp sie der Stadt ab. Dort legte Friedrich Krupp 1812 eine Stahlschmelze mit Hammerwerk an. Die Walkmühle war somit die erste Produktionsstätte und damit Keimzelle der Kruppschen Gussstahlfabrik, sie blieb bis 1839 Kruppscher Besitz.



    [size=-2]Die Walkmühle in Essen-Altenessen (heute Vogelheim) 1812/13[/size]
    [size=-2]Bild: Postkarte von 1912 zur Kruppschen Hundertjahrfeier [/size]


    Zu seinem Unglück machte Friedrich Krupp die Brüder Georg Karl Gottfried und Wilhelm Georg Ludwig von Kechel zu seinen Teilhabern. Sie gaben vor, das Geheimnis der Engländer zur Gussstahlherstellung zu kennen, hatten aber bereits eine Schmiede in der Eifel in den Ruin geführt. Nachdem 1814 das Erbe nahezu aufgebraucht war, trennte sich Friedrich Krupp von seinen beiden Teilhabern. Durch Vermittlung von Franz Dinnendahl wurde 1815 Friedrich Nicolai zu seinem Teilhaber, da Nicolai ein preußisches Patent auf die Herstellung von Gussstahl besaß. Dennoch konnte auch Nicolai Gussstahl nicht in größerem Umfang herstellen, so dass sich Friedrich Krupp 1816 wieder von ihm trennte und Alleininhaber wurde. Im gleichen Jahr war er zum ersten Mal in der Lage englischen Gussstahl herzustellen. Er entwickelte ein Verfahren für die Herstellung von hochwertigem Tiegelstahl, den er zu Stangen, Gerberwerkzeugen, Münzstempeln und Walzenrohlingen verarbeitete. Die gute Qualität seines Gussstahls wurde 1817 von der [url=http://www.duesseldorfer-muenzfreunde.de/104,0,duesseldorf-als-muenzstaette,index,0.php?PHPSESSID=aafa74fe555da851c2b6e5cb1f2f2224]Düsseldorfer Münze[/url] für Krupps Münzstempel ausgezeichnet. Friedrich Krupp wies seinen Sohn Alfred in das Geheimnis der Gussstahlherstellung ein und es wurde mit der Düsseldorfer Münze abgemacht, dass Alfred dort seine Lehre machen konnte.



    [size=-2]Die Straßenbezeichnung „An der Walkmühle“ erinnert an die Keimzelle der Firma Krupp.[/size]
    [size=-2]Bild: Fabio, Oktober 2008 [/size]



    [size=-2]Die Brücke führt über die Berne zum historischen Ort der ehemaligen Walkmühle.[/size]
    [size=-2]Bild: Fabio, Oktober 2008 [/size]



    [size=-2]Seit Jahren dient die mit Sohlschalen ausgekleidete Berne als offene Leitung für Oberflächenwasser und Abwasser.
    Im Ruhrgebiet bezeichnet man solch einen umfunktionierten Bach als Köttelbecke.
    Im Rahmen des Emscherumbaus (Wege zum Wasser) soll die Abwasserleitung kanalisiert und die Berne renaturiert werden.[/size]
    [size=-2]Bild: Fabio, Oktober 2008 [/size]



    [size=-2]Ein Gedenkstein erinnert an den historischen Ort der ersten Kruppschen Produktionsstätte.
    Leider ist die Inschrift vor lauter Schmierereien kaum lesbar.[/size]
    [size=-2]Bild: Fabio, Oktober 2008 [/size]



    [size=-2]Inschrift:
    FRIEDRICH KRUPP
    ERBAUTE HIER
    IN DER WALKMÜHLE
    SEINEN ERSTEN
    RECKHAMMER
    IM JAHRE 1812
    Mit dem Hammerwerk wurde aus Roheisen Stahl in Form von Stangen gewonnen.[/size]
    [size=-2]Bild: Fabio, Oktober 2008 [/size]


    1819-1944, 1961 Stammhaus Krupp
    Viele glauben das Stammhaus sei das Geburtshaus von Alfred Krupp, es wurde aber niemand von der Familie Krupp hier geboren. Es war die Notunterkunft der Eltern von Alfred Krupp, als die Firma am Rande des Ruins stand.


    Die Produktionsstätte an der Walkmühle hatte Nachteile. Die Verkehrsverbindungen waren schlecht, die Walkmühle lag damals 1 Stunde von der Essener Altstadt entfernt. Die Berne führte unregelmäßig viel Wasser, der Transport der Kohle für die Schmelzhütte war teuer und der Besitz konnte nicht erweitert werden. 1818-1819 vergrößerte Friedrich Krupp die Fabrikation und verlegte seine Schmelzhütte von der Walkmühle in Altenessen auf das Familiengrundstück an der Altendorfer Chaussee vor dem Limbecker Tor. Das neue Werk nahm am 18. Oktober 1819 den Betrieb auf. Die Kohle für die Schmelzöfen konnte dort direkt von der Zeche Sälzer-Neuack in unmittelbarer Nähe bezogen werden. Die Zeche Sälzer-Neuack war die erste Zeche in Essen, die dank der Dampfmaschine von Franz Dinnendahl im Tiefbau arbeitete.



    [size=-2]Kruppsche Gusstahlfabrik im Jahr 1819
    Das Aufseherhaus links wurde zum Kruppschen Stammhaus[/size]
    [size=-2]Bild: Postkarte von 1912 zur Kruppschen Hundertjahrfeier[/size]


    Durch den Neubau war Friedrich Krupp hoch verschuldet und das Familienvermögen war aufgezehrt. 1824 wurde das Stadthaus der Familie Krupp am Flachsmarkt verkauft. Friedrich und Therese Krupp zogen mit ihren 4 Kindern Ida (1809-1882), Alfred (1812-1887), Hermann (1814-1879) und Friedrich (1820-1901) in das Aufseherhaus an der Altendorfer Chaussee.
    1826 starb Friedrich Krupp im Alter von nur 39 Jahren. Er wurde vom Aufseherhaus aus zu Grabe getragen, Jahre später ebenso sein Sohn Alfred Krupp (1812-1887) und sein Enkel Fritz (Friedrich Alfred) Krupp (1854-1902).
    Friedrich Krupp wurde auf dem evangelischen Friedhof an der Weberstraße beigesetzt. Das Grab existiert heute nicht mehr, der Friedhof ging bei der Umgestaltung des Weberviertels verloren. Auf einem Teil des alten Friedhofs befindet sich der heutige Weberplatz.


    Beim Tod von Friedrich Krupp war die Firma mit 10.000 Talern verschuldet. Alfred Krupp brachte die Fabrik seines Vaters wieder auf Trab und kaufte 1848 die Gussstahlfabrik für 40000 Taler von seiner Mutter Therese (1790-1850) ab und wurde Alleininhaber. Anlässlich des 25jährigen Jubiläums seiner Besitzübernahme im Jahre 1873 ließ er das Aufseherhaus als Stammhaus herrichten und im Werk unter Denkmalschutz stellen.



    [size=-2]Bild: Postkarte[/size]


    „Vor fünfzig Jahren war diese ursprüngliche Arbeiterwohnung die Zuflucht meiner Eltern. Möchte jedem unserer Arbeiter der Kummer fern bleiben, den die Gründung dieser Fabrik über uns verhängte. 25 Jahre lang blieb der Erfolg zweifelhaft, der seitdem allmählich die Entbehrungen, Anstrengungen, Zuversicht und Beharrlichkeit der Vergangenheit endlich so wunderbar belohnt hat. Möge dieses Beispiel Andere in Bedrängniß ermuthigen, möge es die Achtung Vor kleinen Häusern und das Mitgefühl für die oft großen Sorgen darin vermehren.
    Der Zweck der Arbeit soll das Gemeinwohl sein,
    dann bringt Arbeit Segen, dann ist Arbeit Gebet.

    Möge in unserem Verbande Jeder vom Höchsten zum Geringsten mit gleicher Ueberzeugung sein häusliches Glück dankbar und bescheiden zu begründen und zu befestigen streben; dann ist mein höchster Wunsch erfüllt.
    Essen, Februar 1873. Alfred Krupp.
    25 Jahre nach meiner Besitzübernahme.“
    [size=-2]Text: PDF digitalis.uni-koeln [/size]



    [size=-2]1900: Stammhaus vor dem Schmelzbau[/size]
    [size=-2]Bild: http://www.krupp-guertel.essen…_die_Jahrhundertwende.aspHistorisches Archiv Krupp[/size]



    [size=-2]1908: Stammhaus mit der Baugrube für das Turmhaus[/size]
    [size=-2]Bild: Krupp-Guertel_historisch.pdf[/size]



    [size=-2]um 1912: Stammhaus, links der Schmelzbau, Rechts das Turmhaus[/size]
    [size=-2]Bild: Postkarte[/size]



    [size=-2] Modell der Uni-Bochum: Stammhaus und Turmhaus im Jahr 1912 [/size]
    [size=-2]Bild: Turmhaus-Video ruhrzeiten[/size]


    Das Stammhaus Krupp wurde während des Zweiten Weltkrieges durch Fliegerbomben im Oktober 1944 zerstört.



    [size=-2]1945: Das Turmhaus und die Hauptverwaltungen nach Ende des Zweiten Weltkrieges,
    links der Schmelzbau, vor dem sich das Stammhaus befand.
    Die Hauptverwaltung von 1938 steht heute noch, von dort haben Alfried Krupp von Bohlen und Halbach und Berthold Beitz die Firma geleitet.[/size]
    [size=-2]Bild: Royal Air Force, Flickr Fotoseite, gordonr (Creative Commons Lizenz, Keine kommerzielle Nutzung)[/size]
    [size=-2]GIF-Animation: Fabio[/size]


    Alfried Krupp von Bohlen und Halbach ließ das Stammhaus zum 150jährigen Firmenjubiläum im Jahr 1961 detailgetreu wieder aufbauen.



    [size=-2]1961: Alfried Krupp von Bohlen und Halbach hält seine Festrede vor der Stammhaus-Nachbildung in der Traglufthalle, in der ersten Reihe sitzt Theodor Heuss. [/size]
    [size=-2]Bild: Historische Ausstellung Krupp, Villa Hügel[/size]


    Die folgende GIF-Animation zeigt einen Planausschnitt der Gussstahlfabrik von 1912 mit der Lage des Stammhauses von 1819 sowie ein Luftbild der aktuellen Situation mit dem Stammhaus-Nachbildung von 1961.
    Das Turmhaus wurde von 1908 bis 1910 für die Hundertjahrfeier als Sitz der Kruppschen Hauptverwaltung erbaut und 1976 abgerissen. 2005 wurden die Kellerfundamente des Turmhauses im Zusammenhang mit dem Bau der Essener Porsche-Niederlassung freigelegt. Die alte Hauptverwaltung von 1874 wurde 2005 abgerissen (Bilder vom Abriss).



    [size=-2]Plan 1912: 2007_Diplomarbeit_Kristina_Bruland.pdf, Seite 30,
    Grundriss Trumhaus: Hochschule Bochum
    GIF-Animation: Fabio[/size]


    In der Spatenstich-Rede von Dr. Ekkehard Schulz vom 17.06.2007 ist von einer 100 m Lage-Differenz zwischen dem Original-Stammhaus und der Stammhaus-Nachbildung die Rede, es sind nach dem Plan von 1912 nur ca. 40 m Differenz. Die Nachbildung wurde außerdem um ca. 90 Grad gedreht, vielleicht aus optischen Gründen, da das Stammhaus die Kulisse für die 150-Jahrfeier in einer Traglufthalle direkt neben dem Turmhaus bildete.


    Bei einem Vergleich von alten Bildern des Stammhauses mit der heutigen Situation ist also immer die unterschiedliche Drehung des Stammhauses zu berücksichtigen. In der nachfolgenden GIF-Animation erkennt man die unterschiedliche Ausrichtung der Giebel zwischen Original und Nachbildung, beide Aufnahmen wurden aus westlicher Richtung gemacht.



    [size=-2]Blick vom Kreuzgebäude nach Osten in Richtung Innenstadt im Jahr 2007, im Vordergrund die Baugrube der künftigen ThyssenKrupp Academy.
    Aus diesem Blickwinkel betrachtet befand sich das Original-Stammhaus rechts vom heutigen Stammhaus. [/size]
    [size=-2]Großes Bild: Jupp 2007, Aufnahme vom Dach des Kreuzgebäudes
    Kleines Bild: Postkarte um 1912
    GIF-Animation: Fabio[/size]



    [size=-2]Das heutige Stammhaus ist eine Nachbildung aus dem Jahr 1961.[/size]
    [size=-2]Bild: Fabio, Juli 2008[/size]



    [size=-2]1902: Stammhaus und Tiegelgussdenkmal [/size]
    [size=-2]Bild: Fabio, Juli 2008[/size]

  • Krupp & Essen (2) Alfred Krupp (1)

    Alfred Krupp, der Eisenbahn- und Kanonenkönig

    [size=-2]Bild: Historische Ausstellung Krupp, Villa Hügel[/size]


    Das folgende Panorama aus dem Jahr 1850 zeigt, dass die Stadt Essen zu Beginn der industriellen Entwicklung eine ländliche Kleinstadt war. Man war stolz auf rauchende Fabrikschornsteine, sie zeigten den Fortschritt an.



    [size=-2]Essen im Jahr 1850
    Blick von Osten nach Westen, vorne die Steeler Straße und das Steeler Tor[/size]
    [size=-2]Bild: Eine Nation – geboren aus Kohle und Stahl, Seite 9 (DhM_553487a.pdf , ACHTUNG: 18 MB)[/size]
    [size=-2]GIF-Animation: Fabio[/size]


    Schäfers Windmühle lag vor dem Limbecker Tor zwischen der Altendorfer und Frohnhauser Straße auf dem Gebiet der heutigen Weststadt. 1866 kam der gelernte Brauer und Fassbinder Theodor Stauder aus Laub in Unterfranken nach Essen und arbeitete ein Jahr lang bei dem Müller und Gastwirt Schäfer in dessen Mühle. Stauder brachte die untergärige Brauweise nach Essen, in der Stahl- und Zechenstadt war sein Bier bald sehr gefragt. Bereits im Folgejahr 1867 pachtete Stauder die Hausbrauerei Schlicker in der Steeler Straße nahe dem damaligen Rathaus und ließ seine Familie nachkommen. 1888 verlagerte sein Sohn Jacob Stauder die Brauerei nach Essen-Altenessen und gründete die Privatbrauerei Jacob Stauder.
    [size=-2]Quellen: altenessen.info und die-hobbybrauer[/size]

    [size=-2]Schäfers Windmühle vor dem Limbecker Tor musste um 1883 dem Ausbau der Kruppschen Werke weichen.[/size]
    [size=-2]Bild: Stadtarchäologie Essen, Fund des Monats Mai 2001[/size]


    Das Rathaus von Essen in der Zeit von Alfred Krupp:

    [size=-2]Essener Rathaus um 1865[/size]
    [size=-2]Bild: Stadtbildstelle Essen[/size]


    Die folgende Karte von 1889 zeigt, dass in den letzten Lebensjahren von Alfred Krupp die Gussstahlfabrik (links im Bild) viel größer war als die Altstadt von Essen (rechts im Bild).
    Die Gussstahlfabrik wurde auch als Krupp-Stadt bezeichnet.



    [size=-2]Karte: Quelle: Schroedel Verlag: Zeit für Geschichte, Band 3, Hannover 2002, S.128.[/size]


    Gussstahlfabrik um 1835
    Die Firma von Friedrich Krupp war bei seinem frühen Tod im Jahr 1826 mit 10.000 Talern verschuldet. Seine Witwe Therese übernahm die Leitung des Betriebes, der damals sieben Arbeiter beschäftigte. Der 14-jährige Sohn Alfred musste den Besuch des Gymnasiums abbrechen und anstelle einer geplanten Lehre bei der Düsseldorfer Münze arbeitete Alfred in der Firma mit, da ihn sein Vater frühzeitig in die Geheimnisse und Grundlagen der Gussstahlherstellung eingeführt hatte. Der Betrieb produzierte hauptsächlich Werkzeugstahl, Feilen, Gerbergeräte, Münzstempel und Walzmaschinen.
    In Deutschland entwickelte sich zunehmend das Eisenbahnwesen, damit stieg der Bedarf an Gussstahl zur Herstellung von Schienen, Achsen und Radreifen. Nach Gründung des Deutschen Zollvereins vergrößerte sich 1834 der Kundenkreis. Das Hammerwerk in der Walkmühle in Altenessen wurde durch die steigenden Aufträge zum Problem, da die Wasserkraft der Berne nur ungleichmäßig verfügbar war. 1835 wurde die Gussstahlfabrik an der Altendorfer Straße durch den Erwerb einer Dampfmaschine um ein Hammerwerk erweitert. Durch den Dampfhammer konnten nun alle Arbeitsgänge der Stahlherstellung kostengünstig an einem Standort ausgeführt werden.
    Alfred Krupp bereiste 1838-1839 über ein Jahr lang Frankreich und England, um auch dort neue Abnehmer für seine Produkte zu finden. Sein jüngerer Bruder Hermann (1814-1879) führte während seiner Abwesenheit die Firma weiter. Als "Baron Schropp" getarnt spähte Alfred Krupp in England Walzwerke und Schmieden aus. Mit dem erworbenen Wissen gelang es ihm die Gussstahlfabrik weiter voran zu bringen. 1839 wurde der Besitz der Walkmühle in Altenessen verkauft.



    [size=-2]Gussstahlfabrik 1835[/size]
    [size=-2]Bild: Postkarte von 1912 zur Kruppschen Hundertjahrfeier [/size]



    [size=-2]Gleicher Blickwinkel wie das Bild oben:
    Stammhaus-Nachbildung von 1961 (in etwa in der Perspektive wie oben).
    Im Hintergrund entsteht das neue ThyssenKrupp-Hauptquartier.[/size]
    [size=-2]Bild: Fabio, Dezember 2008[/size]


    1844 Wohnhaus
    Das Stammhaus wurde 1844 um das zweigeschossige Wohnhaus erweitert. Alfred Krupp kaufte 1848 seiner Mutter Therese (1790-1850) für 40.000 Taler die Fabrik ab und wurde Alleininhaber. 1850 beschäftigte die Firma Krupp 241 Mitarbeiter. Alfred Krupp heiratete 1853 die 18 Jahre jüngere Bertha Eichhoff, 1854 kam ihr Sohn Fritz (Friedrich Alfred) zur Welt.



    [size=-2]Stammhaus und Wohnhaus um 1844
    Das Wohnhaus war das Geburtshaus von Fritz (Friedrich Alfred) Krupp (1854-1902).[/size]
    [size=-2]Bild: Historisches Archiv Krupp, monumente-online[/size]
    [size=-2]GIF-Animation: Fabio[/size]


    Durch immer neue technische Erfindungen und Entwicklungen änderten sich nach und nach die wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse. Immer mehr Menschen suchten in den schnell wachsenden Städten Arbeit und die Schicht der Landlosen und Lohnabhängigen wuchs rasch an. Soziale Missstände führten zur Entstehung der Arbeiterbewegung. 1848 veröffentlichten Karl Marx (1818-1883) und Friedrich Engels (1820-1895) in London gemeinsam ihr kommunistisches Manifest.
    Nach dem Scheitern der http://Deutschen Revolution von 1848 und begünstigt durch den Goldrausch in Kalifornien folgte eine Auswanderungswelle aus den Staaten des Deutschen Bundes. Das Ruhrgebiet erfuhr hingegen eine Zuwanderung, so wuchs von 1850 bis 1870 in der Hellwegzone die Bevölkerungszahl von etwa 250.000 Menschen auf etwa 700.000 an.
    In dieser Zeit entwickelte sich Alfred Krupp zum entschiedenen Gegner der Arbeiterbewegung und Sozialdemokraten. Er war ein Patriarch, der als Herr im Haus bedingungslosen Gehorsam von seinen Arbeitern verlangte. Als Gegenleistung zahlte er seinen „Kruppianern“ hohe Löhne, er baute eigene Wohnsiedlungen und Wohlfahrteinrichtungen wie Schulen und Läden. Krupp richtete eine Kranken- und Rentenversicherung ein. Die Kruppschen Sozialleistungen waren später für Bismarck das Vorbild für dessen Sozialreform.


    Gussstahlfabrik um 1852
    1852-1853 gelang Alfred Krupp die Erfindung des nahtlosen Radreifens für die Eisenbahn. Von nun an expandierte die Fabrik. Die bruchsicheren Radreifen brachten sehr viel Gewinn. So orderten z. B. fast sämtliche Eisenbahngesellschaften der USA die Radreifen bei Krupp. Drei übereinander gelegte Eisenbahnräder wurden 1875 das Firmenzeichen des Unternehmens.

    [size=-2]Bild: Krupp-Ringe[/size]


    Auf der ersten Weltausstellung 1851 in London präsentierte Krupp den bis dahin größten gegossenen Stahlblock von 2 Tonnen Gewicht und eine Gussstahlkanone. Die stählerne Kanone war nur als Werbegag gedacht, da Krupp glaubte, die Ausstellungsbesucher würden sich eher für Waffen als für seinen gegossenen Stahlblock interessieren. Alfred Krupp nutzte die Weltausstellungen zu Werbezwecken.

    [size=-2]Krupp-Kanone auf der Weltausstellung 1851 in London[/size]
    [size=-2]Bild: schoene-aktien[/size]


    1853 empfing Alfred Krupp im Wohnhaus Prinz Wilhelm von Preußen, den späteren Kaiser Wilhelm I. (1797-1888), und fünf Jahre später Erzherzog Johann von Österreich (1782-1859). 1859 setzte Prinz Wilhelm von Preußen den kauf von 300 Geschützrohren aus Gussstahl durch. Es war der Beginn einer intensiven Beziehung zwischen den beiden Familien Hohenzollern und Krupp. Krupp lieferte Waffen an viele Staaten in Europa und der Gewinn wurde wieder in die Firma investiert.


    Alfred Krupp setze die jeweils neuesten Verfahren zur Stahlerzeugung ein, so 1862 das Bessemer-Verfahren, mit dem die Massenproduktion von z. B. Eisenbahnschienen möglich wurde. 1869 folgte das Siemens-Martin-Verfahren.



    [size=-2]Gussstahlfabrik Friedrich Krupp um 1852[/size]
    [size=-2]Bild: Historisches Archiv Krupp, gymnasium-meschede[/size]
    [size=-2]GIF-Animation: Fabio[/size]



    [size=-2]Heute: links die Stammhaus-Nachbildung mit der grauen Schiefer-Verkleidung, rechts der Rohbau für das Volkswagen Zentrum Essen. Dahinter standen vor 150 Jahren die Schmelzöfen.[/size]
    [size=-2]Bild: Fabio, Dezember 2008[/size]


    Gussstahlfabrik um 1875
    Alfred Krupp baute 1868-1872 die Villa Hügel und er begab sich seltener in die Fabrik. 1875 trat Fritz Krupp in die Firma ein, zu der Zeit waren 13.900 Mitarbeiter bei Krupp beschäftigt. Bis zu Alfred Krupps Tod im Jahr 1887 stieg die Zahl auf 20.200 Beschäftigte an.



    [size=-2]Gussstahlfabrik Friedrich Krupp um 1875[/size]
    [size=-2]Bild: Spiegel, Fotostrecke Spiegel Krupp (Die Spiegel-Angabe 1912 ist falsch)[/size]
    [size=-2]GIF-Animation: Fabio[/size]


    Prof. Dr. Roland Günter, Autor des Revier-Reise-, Städte- und Kulturführers Im Tal der Könige (gemeint ist das Emschertal), regte 2003 in seiner (NRZ-Kolume) an, die Gewerbegebiete im Revier durch Nachbesserungen mit z. B. Tafeln, Bildern und Texten über ihre interessante und spannende Geschichte attraktiver zum machen. Es gelte die Bedeutung dieses Gebietes als das „Heilige Land“ der industriellen Entwicklung hervorzuheben.
    In der folgenden GIF-Animation wird die Lage einiger Gebäude der alten Gussstahlfabrik aus der Zeit von Alfred Krupp bezogen auf die heutige Situation erkennbar.
    Der älteste Teil der Gussstahlfabrik befand sich auf dem Gelände der heutigen Automeile.



    [size=-2]Plan der Gussstahlfabrik von 1889, unten links im Bild liegt der Limbecker Platz.[/size]
    [size=-2]Karte: Quelle: Schroedel Verlag: Zeit für Geschichte, Band 3, Hannover 2002, S.128.[/size]
    [size=-2]GIF-Animation: Fabio[/size]


    Panorama der Gussstahlfabrik 1864
    Alfred Krupp ließ 1864 seine Gussstahlfabrik fotografieren, mittlerweile waren 7.000 Arbeiter in der Fabrik beschäftigt. Die Fotos wurden sonntags gemacht, damit kein Rauch die Aufnahmen störte. Wegen der damals langen Belichtungszeit mussten die Arbeiter während der Aufnahme still stehen bleiben.



    [size=-2]Panorama der Gussstahlfabrik im Jahr 1864[/size]
    [size=-2]Bild: Krupp-Guertel_historisch.pdf[/size]



    [size=-2]Panorama im Jahr 2008 [/size]
    [size=-2]Bild: Fabio, Dezember 2008[/size]


    Panorama 1864 (1)

    [size=-2]1864: In der Bildmitte sieht man die VI. Mechanische Werkstatt, hinten links war der firmeneigene Schießstand zum Testen der Kanonen[/size]
    [size=-2]Bild: Krupp-Guertel_historisch.pdf,
    GIF-Animation: Fabio[/size]



    [size=-2]Wo früher die VI. Mechanische Werkstatt stand, verläuft künftig die Wasserachse vor dem ThyssenKrupp-Hauptquartier. [/size]
    [size=-2]Bild: Fabio, Dezember 2008[/size]


    Panorama 1864 (2)

    [size=-2]Man sieht hier den „Kern“ der Gussstahlfabrik, hinter dem Haupt-Comptoir stand das Original-Stammhaus, links daneben ist ein Teil des Wohnhauses von 1844 erkennbar.[/size]
    [size=-2]Bild: Krupp-Guertel_historisch.pdf,
    GIF-Animation: Fabio[/size]



    [size=-2]Heute steht keines der Gebäude von 1864 mehr, lediglich die Stammhaus-Nachbildung von 1961 erinnert an die Gussstahlfabrik aus den Tagen Alfred Krupps.[/size]
    [size=-2]Bild: Fabio, Dezember 2008[/size]


    Panorama 1864 (3)

    [size=-2]Blick in Richtung Innenstadt, im Hintergrund sieht man Schäfers Mühle vor dem Limbecker Tor (heute Weststadt).[/size]
    [size=-2]Bild: Krupp-Guertel_historisch.pdf,
    GIF-Animation: Fabio[/size]



    [size=-2]Blick in Richtung Innenstadt 2008, vorne rechts die Rückseite des Tiegelgussdenkmals[/size]
    [size=-2]Bild: Fabio, Dezember 2008[/size]


    Kruppscher Schießplatz
    Die Kruppschen Schießplätze an der Pferdebahnstraße waren sehr klein, so nutzte die Firma Krupp einen eigenen Schießplatz bei Dülmen und den staatlichen Militär-Schießplatz in Berlin-Tegel. Um sich vom Kriegsministerium unabhängig zu machen, mietete Alfred Krupp ab 1876 bei Meppen ein größeres Gebiet von rund 17 km Länge und 2 km Breite, um Versuche an Reichweitensteigerungen an schweren Rohrwaffen durchzuführen. Alfred Krupp lud 1879 die britische Konkurrenzfirma Armstrong zu einem Vergleichsschießen ein. Armstrong sagte ab, aber 97 Offiziere aus 18 Nationen kamen nach Meppen und das Treffen wurde als Völkerschießen von Meppen bekannt.



    [size=-2]Transport einer Kanone zum Schießplatz südlich der Pferdebahnstraße 1865[/size]
    [size=-2]Bild: Stadtbildstelle Essen, Historische_Broschuere_Krupp_Guertel.pdf, Seite 3[/size]



    [size=-2]Ausbildung chinesischer Offiziere auf dem Schießplatz in Essen, südlich der Pferdebahnstraße, im Jahr 1890.
    Fritz Krupp (Zweiter von rechts) beobachtete die Übungen, diese Kundenbetreuung war Chefsache.[/size]
    [size=-2]Bild: Historisches Archiv Krupp, TK_MAGAZIN_1_07.pdf, 100 Seiten, 4 MB, Seite 80 [/size]



    [size=-2]21cm Kanone in Verschwindlafette auf dem Schießplatz, nördlich der Pferdebahnstraße, während des Ersten Weltkriegs, 1916[/size]
    [size=-2]Bild: Postkarte[/size]


    Der ehemalige Schießplatz nördlich der Pferdebahnstraße ist heute Sitz der EBE - Entsorgungsbetriebe Essen (Fotogalerie).
    Das Gelände des alten Schießstandes südlich der Pferdebahnstraße liegt innerhalb der nördlichen Grünfläche des künftigen ThyssenKrupp Quartiers.



    [size=-2]Die ehemaligen Schießplätze an der Pferdebahnstraße im Jahr 2008.[/size]
    [size=-2]Bild: Krupp-Gürtel[/size]


    1861-1911 Schmiedehammer Fritz
    Am 16.09.1861 wurde der damals größte Schmiedehammer der Welt von Alfred Krupp in Betrieb genommen. Er hatte ein Fallgewicht von 1.000 Zentnern und diente zum Ausschmieden besonders großer Werkstücke. Alfred Krupp hat den Schmiedehammer selbst konstruiert und nannte ihn nach seinem Sohn Fritz (1854-1902). „Fritz“ wurde zum Symbol der Leistungsfähigkeit der Firma Krupp und blieb 50 Jahre lang im Einsatz. Im Jahre 1911 wurde „Fritz“ abgebrochen, als hydraulische Schmiedepressen leistungsfähigere Werkzeuge waren. Das heutige IKEA-Parkhaus wurde 1917 als Press- und Hammerwerk Ost gebaut, dort stand die damals größte Schmiedepresse der Welt.



    [size=-2]Schmiedehammer „Fritz“, ca. 1861[/size]
    [size=-2]Bild: Historisches Archiv Krupp, ThyssenKrupp [/size]



    [size=-2]Mit „Fritz“ geschmiedet: die Kruppsche Riesenkanone auf der Pariser Weltausstellung 1867[/size]
    [size=-2]Bild: preussen-chronik[/size]



    [size=-2]Stahlblock aus dem Jahr 1906
    Vergleich der Wirkung des 50-Tonnen-Hammers „Fritz“ aus dem Jahr 1861 mit der Wirkung einer hydraulischen 5000-Tonnen-Schmiedepresse aus dem Jahr 1906.
    Der flache Eindruck entstand durch einen Schlag des 50 Tonnen schweren Hammerbärs aus 3 m Fallhöhöhe. Den tiefen Eindruck erzielte die 5000-Tonnen-Presse in 45 Sekunden.[/size]
    [size=-2]Bild: Deutsches Museum München[/size]



    [size=-2]Blick vom Dach des IKEA-Hauses in Richtung Altendorf, im Hintergrund sieht man das Kreuzgebäude und die Baukräne rund um das das neue ThyssenKrupp Haupt-Quartier. Vorne auf dem IKEA-Parkplatz befand sich damals der runde Hammer-Fritz-Kamin, von dem aus Alfred Krupp seine Fabrik zu Werbezwecken fotografieren ließ. Dahinter auf dem heutigen Gelände der Mercedes-Niederlassung stand von 1861-1911 das Hammer-Fritz-Haus mit dem weltberühmten Schmiedehammer „Fritz“. Weiter westlich befand sich das Gartenhaus Alfred Krupps von 1861.[/size]
    [size=-2]Bild: Fabio, Januar 2009[/size]



    [size=-2]Das Tor zur Krupp-Stadt um 1875, hinten das Hammer-Fritz-Haus, vorne die Brücke der Ringwerksbahn und das Batz’sche Haus. Aus der Metzgerei Batz wurde der Kruppsche Fleischkonsum, hier konnten die Kruppianer günstig Fleisch einkaufen. [/size]
    [size=-2]Bild: Postkarte[/size]



    [size=-2]Das Tor zur Krupp-Stadt 2009 vom Parkdeck des Limbecker Platzes aus gesehen.[/size]
    [size=-2]Bild: Fabio, Januar 2009[/size]



    1859-1861 Gartenhaus
    Als das Wohnhaus von 1844 den repräsentativen Ansprüchen nicht mehr genügte, ließ Alfred Krupp das Gartenhaus als Wohngebäude mit zwei angrenzenden Gewächshäusern mitten auf dem Firmengelände nach seinen Entwürfen vom Architekten Ferdinand Barchewitz errichten. Das Gartenhaus war von einer Parkanlage mit Wassergraben für Bootsfahrten umgeben. Nördlich des Gartenhauses befand sich der Pferdestall mit eigener Reitbahn. Die Scheiben der Gewächshäuser waren durch den Ruß der Fabrikschornsteine ständig verschmutzt. Der gewaltige Schmiedehammer „Fritz“ befand sich in unmittelbarer Nachbarschaft. Das Hämmern ließ das Geschirr im Gartenhaus zu Bruch gehen. Alfred Krupps Ehefrau Bertha reiste mit dem kränklichen Sohn Fritz oft für Monate nach Italien.



    [size=-2]1865: Blick vom Hammer-Fritz-Kamin in Richtung Altendorf auf die Gussstahlfabrik.
    Im Vordergrund befindet sich das Gartenhaus mit der Parkanlage, dahinter der Wasserturm.
    Heute entsteht links vom damaligen Wasserturm das Volkswagen Zentrum Essen.
    Vorne ganz rechts befindet sich heute der Eingangsbereich vom Möbelhaus Kröger.[/size]
    [size=-2] Bild: Deutsches Historisches Museum – Ausstellung Industriebilder[/size]



    [size=-2]Gartenhaus 1861[/size]
    [size=-2] Bild: Historisches Archiv Krupp[/size]



    [size=-2]Heute betrachtet befand sich das Gartenhaus von Alfred Krupp südlich der Möbel-Kröger-Brücke mitten auf der B224 in Höhe der alten Halle rechts.
    Im Bereich der Rampe rechts in Richtung IKEA, Möbelhaus Kröger bzw. McDonald-DriveIn befand sich der Pferdestall mit Alfred Krupps vierbeinigen Lieblingen.[/size]
    [size=-2]Bild: Fabio, Dezember 2008[/size]


    1864 empfing Alfred Krupp im Gartenhaus den Preußischen Ministerpräsidenten Otto von Bismarck (1815-1862), der das Deutsche Kaiserreich mit seiner Politik aus Blut und Eisen einte und den Preußischen König zum ersten Deutschen Kaiser Wilhelm I. machte. Die Kruppschen Kanonen waren für Preußens Siege 1864 im Deutsch-Dänischen Krieg, 1866 im Deutschen Krieg und 1870/71 im Deutsch-Französischen Krieg von entscheidender Bedeutung. Beim Deutschen Krieg 1866 zwischen Preußen und Österreich kämpften die Truppen auf beiden Seiten mit Kruppschen Kanonen. Alfred Krupp wurde Teil des Mythos des neuen Kaiserreiches und Essen wurde Kanonenstadt. Das Bismarck-Denkmal aus dem Jahr 1899 vom Bildhauer Felberhoff auf dem Bismarckplatz erinnert mit viel National-Pathos an diese Zeit.



    [size=-2]Bismarck-Denkmal am Essener Bismarckplatz[/size]
    [size=-2]Bild: Fabio, August 2008[/size]



    [size=-2]Germania hält schützend die Arme über die Schmiede der Kanonenstadt Essen [/size]
    [size=-2]Bild: Fabio, August 2008[/size]



    [size=-2]Alfred Krupp zeigt stolz Otto von Bismarck seine Geschütze. [/size]
    [size=-2]Bild: Fabio, August 2008[/size]



    [size=-2]Deutsche Soldaten aus Nord und Süd besiegeln nach dem Sieg über Erzfeind Frankreich unter Eichenbäumen die Deutsche Einheit, darüber die Schwingen des Reichsadlers. [/size]
    [size=-2]Bild: Fabio, August 2008[/size]



    [size=-2]König Wilhelm I. von Preußen (links) setzt nach dem Sieg über die Franzosen die Pickelhaube ab, der Krieg 1870/71 ist vorbei, eine demütige Siegesgöttin Viktoria fällt auf die Knie und hält die Kaiserkrone bereit.
    Bismarck (rechts) huldigt Kaiser Wilhelm I. – „Seine Majestät der Kaiser lebe hoch!“.
    1865 erhielt Bismarck den Titel Graf und 1871 den Titel Fürst. Alfred Krupp war sehr stolz und er lehnte den angebotenen Adelstitel ab - "Ich heiße Krupp, das genügt."[/size]
    [size=-2]Bild: Fabio, August 2008[/size]


    1870 Kruppsches Lazarett
    Auch Kruppianer zogen 1870/71 gegen Frankreich in den Krieg. Für die Kriegsverwundeten ließ Alfred Krupp in einem Arbeiterwohnheim ein provisorisches Krankenhaus einrichten. Dies war bald zu klein, so dass ein Barackenlazarett gebaut wurde. Daraus entwickelte sich 1872-1920 ein Werkskrankenhaus im Pavillonstil.


    Die Straßen Lazarettstraße und Hoffnungstraße ([url=http://maps.google.de/maps?f=q&source=s_q&hl=de&geocode=&q=essen+Limbecker+Platz&sll=51.151786,10.415039&sspn=19.120301,38.979492&ie=UTF8&ll=51.453385,7.004739&spn=0.002313,0.004758&t=h&z=18]Google Maps[/url])erinnern an das Lazarett aus der Zeit von Alfred Krupp.



    [size=-2]Ecke Hoffnungstraße / Lazarettstraße mit dem Torhaus von 1937[/size]
    [size=-2]Bild: Fabio, Januar 2009[/size]



    [size=-2]Werkskrankenhaus im Pavillonstil 1929[/size]
    [size=-2]Bild: Postkarte[/size]


    1937 wurde das Torhaus für die Krankenhausverwaltung gebaut.



    [size=-2]Torhaus des Krankenhaus Krupp 1940[/size]
    [size=-2]Bild: Postkarte[/size]



    [size=-2]Torhaus 2009[/size]
    [size=-2]Bild: Fabio, Januar 2009[/size]



    [size=-2]Bild: Fabio, Juni 2008[/size]



    [size=-2]Torhaus-Reliefs[/size]
    [size=-2]Bild: Fabio, Juni 2008[/size]



    [size=-2]Torhaus-Reliefs, in der Mitte die Krupp-Ringe mit dem Äskulapstab, Krupp war der größte Waffenproduzent seiner Zeit, Äskulap war der griechische Gott der Heilkunst.[/size]
    [size=-2]Bild: Fabio, Juni 2008[/size]

  • Krupp & Essen (3) Alfred Krupp (2)

    Essen in der Zeit von Alfred Krupp



    [size=-2]Plan von 1889, Detail der Infotafel „Tor zur Krupp-Stadt“ beim IKEA-Parkhaus[/size]
    [size=-2]Bild und GIF-Animation: Fabio[/size]


    1864 Blick vom Hammer-Fritz-Kamin auf die Essener Altstadt
    Das nachfolgende Foto aus dem Jahr 1864 wurde vom Hammer-Fritz-Kamin aus aufgenommen. Es zeigt, dass Essen um diese Zeit noch eine ländliche Kleinstadt war. Im gleichen Jahr wurden Kruppsche Kanonen zum ersten Mal von der Preußischen Artillerie erfolgreich im Krieg gegen Dänemark eingesetzt. Zu Lebzeiten von Alfred Krupp waren Kriege zwischen den europäischen Staaten keine Seltenheit und die Fabrikation von Kanonen galt nicht als verwerflich. In vielen Ländern gab es damals noch den Sklavenhandel. Ebenfalls im Jahr 1864 wurde Abraham Lincoln als Präsident der Vereinigten Staaten wiedergewählt. Als Reaktion auf dessen ablehnende Haltung zur Sklaverei traten die meisten Südstaaten aus der Union aus und es kam 1865 zum amerikanischen Sessionskrieg.


    Die Gussstahlfabrik lag direkt am Hellweg, dieser führte über die Altendorfer und Limbecker Straße hinauf zum Marktberg mit der Marktkirche. Das Hotel der Familie Schäfer an der Limbecker Straße wurde von Krupp übernommen und unter dem Namen Essener Hof weitergeführt.



    [size=-2]Blick nach Osten vom Hammer-Fritz-Kamin auf die Essener Altstadt im Jahr 1864.[/size]
    [size=-2]Bild: Krupp-Guertel_historisch.pdf, Seite 3[/size]
    [size=-2]GIF-Animation: Fabio[/size]



    [size=-2]Blick nach Osten auf die Essener „Altstadt“ vom IKEA-Parkdeck. Die heutige Bebauung ist so hoch, dass man z. B. den Turm der heutigen Johanniskirche nicht mehr von dort sehen kann. Mit dem Baubeginn des Einkaufzentrums „Limbecker Platz“ im Jahr 2007 wurde der Hellweg erstmals in der Essener Geschichte zugebaut. Hinter dem Einkaufzentrum „Limbecker Platz“ sieht man die Zentrale der Sparkasse Essen, den Kennedy Tower und das Deutschlandhaus. Links vom Deutschlandhaus befindet sich der Standort des ehemaligen Kapuzinerklosters.[/size]
    [size=-2]Bild: Fabio, Dezember 2008[/size]



    Batz’sches Haus und Fleisch-Konsum
    Beim Trucksystem zahlten die Zechen- und Fabrikbesitzer ihren Arbeitern einen Teil des Lohnes in Geld und einen anderen Teil in Form von Sachgütern wie z. B. Lebensmittel aus. Oft waren die Waren von mangelhafter Qualität, so dass die Arbeiter übervorteilt wurden. Nach den Revolten der gescheiterten Märzrevolution von 1848 wurde ab 1849 das Trucksystem in Preußen verboten.


    Alfred Krupp richtete für seine Arbeiter die damals sogenannten Wohlfahrtseinrichtungen ein. Dazu zählten die Kruppschen Konsum-Anstalten. Den Anfang machte 1858 eine kleine Bäckerei, es folgte ein Fleisch-Konsum. Das Batz’sche Haus mit dem kleinen Uhrenturm wurde von den Arbeitern u. a. in der Mittagspause aufgesucht. Hinter dem Gebäude befanden sich die Viehställe und die Metzgerei. Alfred Krupp wollte seinen Arbeitern das Gefühl geben, dass es ihnen bei keinem anderen Arbeitgeber besser ergehe als bei ihm. So wollte er die Einflüsse der Arbeiterbewegung von seiner Fabrik fernhalten.



    [size=-2]Mittagspause: Batz’sches Haus mit dem kleinen Uhrturm, davor die Consum-Anstalt, links die Brücke der Ringwerksbahn.[/size]
    [size=-2]Postkarte um 1910[/size]



    [size=-2]Kruppscher Fleisch-Konsum der Gussstahlfabrik[/size]
    [size=-2]Postkarte um 1875[/size]



    1872 Brücke der Werksbahn
    Zwischen 1872 und 1874 wurde über die Altendorfer Straße die Eisenbahnbrücke der Werksbahn gebaut. Der Bahndamm mit der Stützmauer ist vor der VIII. Mechanischen Werkstatt - heute Colosseum-Theater - sichtbar. Von der Originalbrücke sind nur noch die Stahlträger erhalten.



    [size=-2]Brücke der Werksbahn über die Altendorfer Straße, aus dem ehemaligen Press- und Hammerwerk Ost von 1916 wurde das IKEA-Parkhaus. [/size]
    [size=-2]Bild: Fabio, August 2008[/size]



    [size=-2]Brücke der Werksbahn vor den Weststadt-Türmen [/size]
    [size=-2]Bild: Fabio, September 2008[/size]



    [size=-2]Stahlkonstruktion der Werksbahn, die Träger wurden zu Lebzeiten von Alfred Krupp in der Zeit 1872-1874 gefertigt.[/size]
    [size=-2]Bild: Fabio, September 2008[/size]



    1873 Geschossdreherei
    Die ehemalige Geschossdreherei ist das einzige Gebäude der ehemaligen Gussstahlfabrik, das bereits zu Lebzeiten von Alfred Krupp existierte. Heute ist das Gebäude Sitz des Zentrum für Türkeistudien.



    [size=-2]Blick aus dem ehem. Press-und Hammerwerk Ost (heute IKEA-Parkhaus) auf die ehem. Geschossdreherei [/size]
    [size=-2]Bild: Fabio, März 2009[/size]



    [size=-2]Blick aus dem ehem. Press-und Hammerwerk Ost (heute IKEA-Parkhaus) auf die ehem. Geschossdreherei [/size]
    [size=-2]Bild: Fabio, September 2008[/size]



    [size=-2]Ehemalige Geschossdreherei[/size]
    [size=-2]Bild: Fabio, September 2008[/size]



    [size=-2]Blick entlang der Altendorfer Straße in Richtung Essener Altstadt, hinten die Brücke der Ringwerksbahn[/size]
    [size=-2]Bild: Fabio, September 2008[/size]



    [size=-2]Die ehemalige Geschossdreherei ist heute Sitz des Zentrum für Türkeistudien[/size]
    [size=-2]Bild: Fabio, Oktober 2008[/size]



    1874 Kruppscher Bazar
    Am 1. Juli 1874 eröffnete die Central-Verkaufsstelle für Kolonial-, Manufaktur, Schuh-, Eisenwaren und Hausgeräte an der Ostfeldstraße. Der Zutritt zu dem Warenhaus, das im Volksmund Kruppscher Bazar genannt wurde, war wie bei allen Kruppschen Konsum-Anstalten nur Kruppianern und ihren Angehörigen erlaubt.



    [size=-2]Kruppscher Bazar nahe dem Limbecker Platz in der Ostfeldstraße[/size]
    [size=-2]Postkarte um 1874[/size]



    [size=-2]Kruppscher Bazar um 1900[/size]
    [size=-2]Bild: Historische Ausstellung Krupp, Villa Hügel[/size]


    Die folgende Aufnahme entstand drei Jahre nach dem Tod von Alfred Krupp (1812-1887). Am III. Hagen befand sich damals das Amtsgericht mit dem Gefängnis (heute steht dort das Haus der Evangelischen Kirche, ehemals Finanzamt Essen-Nord) und das Landgericht (heute befindet sich dort die Zentrale der Sparkasse Essen). Ganz rechts nicht im Bild sieht man die Brandstraße. Nicht mehr im Bild weiter rechts stand um 1900 die Hotel-Passage zwischen Brandstraße und dem Kornmarkt mit dem Galsdach. Die Häuser vorne standen im Bereich des heutigen Kennedyplatzes.



    [size=-2]Blick vom Rathaus nach Westen auf die Gussstahlfabrik im Jahr 1890, im Hintergrund der Kruppsche Bazar[/size]
    [size=-2]Bild: MasterplanRuhr_2008_eBook.pdf, Seite 44[/size]
    [size=-2]GIF-Animation: Fabio[/size]


    Am Standort des ehemaligen Kruppschen Bazars befindet sich heute der Kinokomplex CinemaxX mit den Weststadt-Türmen.



    [size=-2]Blick vom Parkdeck des EKZ Limbecker Platz nach Westen.
    Rechts neben den Weststadt-Türmen sieht man die Baukräne für das neue ThyssenKrupp Quartier.[/size]
    [size=-2]Bild: Fabio, Januar 2009[/size]



    1847 Bahnhof Altenessen
    Alfred Krupp hielt seine Entwicklung des nahtlosen Eisenbahnnreifens 1852 für seine wichtigste Erfindung. Das Riesengeschäft bescherte ihm den Beinamen Eisenbahnkönig. Der Anschluss der Stadt Essen an das Bahnnetz ließ allerdings auf sich warten. Zuerst wurde 1847 der nördliche Vorort Altenessen an das Netz der Köln-Mindener Eisenbahn-Gesellschaft angeschlossen, von hier traten damals die Essener und Kruppianer ihre Fernreisen an.



    [size=-2]Der Bahnhof Altenessen um 1900 [/size]
    [size=-2]Bild: Der Bahnhof Altenessen[/size]



    1862 Essener Hauptbahnhof
    Ab 1862 war die Stadt Essen an das Netz der Bergisch-Märkischen Eisenbahn-Gesellschaft angeschlossen. Der erste Essener Bahnhof befand sich gegenüber der heutigen Hauptpost (siehe Plan von 1889).



    [size=-2]Essener Bahnhof aus dem Jahr 1862 [/size]
    [size=-2]Bild: Historische Galerie - Essener Hauptbahnhof[/size]


    1863-1912 Amtsgericht Essen
    Im III. Hagen standen das Amtsgericht und das Landgericht der Stadt Essen.



    [size=-2]Bild: Amtsgericht Essen 1863, ag-essen.nrw[/size]



    [size=-2]Das Gebäude des ehemaligen Finanzamt Essen-Nord ist heute das Haus der Evangelischen Kirche.[/size]
    [size=-2]Bild: Fabio, Januar 2009[/size]


    1618-1912 Kapuzinerkloster
    Zur Lebzeit von Alfred Krupp führten die Barmherzigen Schwestern von der heiligen Elisabeth neben ihrem Kloster ein Krankenhaus in der Lindenallee. 1913 wurde das Kloster mit dem Krankenhaus abgerissen und das neue Elisabeth-Krankenhaus in Essen-Huttrop errichtet.



    [size=-2]Kapuziner-Kirche um 1912 kurz vor dem Abriss, rechts die Dachgauben der Rheinischen Bank, später Commerzbank[/size]
    [size=-2]Bild: Denkmalpfad (Denkmalpfad) [/size]



    [size=-2]Postkarte um 1912, Innenansicht der Kapuziner-Kirche[/size]



    [size=-2]Infotafel Kapuzinerkloster[/size]
    [size=-2]Bild: Fabio, Februar 2009[/size]


    Auf dem Standort des Kapuzinerklosters wurde 1913 das Nobelhotel Kaiserhof errichtet. Hier logierte in den 1930er-Jahren Adolf Hitler wenn er in Essen mit Gustav Krupp von Bohlen und Halbach und anderen Ruhrindustriellen zusammentraf.



    [size=-2]Hotel Kaiserhof Essen (1913-1974) [/size]
    [size=-2]Bild: Postkarte[/size]


    Dem schönen Nobelhotel Kaiserhof folgte 1975 der Bau der BfG-Bank, heute SEB-Bank bzw. Lindencenter.



    [size=-2]Das Straßenschild erinnert an das Kapuzinerkloster[/size]
    [size=-2]Bild: Fabio, Februar 2009[/size]

  • Fantastischer thread insbesondere durch Fabios Beiträge :daumen: Kann diesen Mann mal bitte jemand fürs Leipzig-Subforum abwerben! ;) Essen ist mit Sicherheit weit abwechslungsreicher als gemeinhin medial vermittelt wird.

  • Krupp & Essen (4) Alfred Krupp (3)

    Krupp-Arbeitersiedlungen unter Alfred Krupp

    [size=-2]Plan der Gussstahlfabrik und Umgebung, Infotafel vor dem IKEA-Parkhaus[/size]
    [size=-2]Bild und GIF-Animation: Fabio[/size]


    Alfred Krupp ließ ständig Arbeiter für sein expandierendes Unternehmen anwerben. Die Wohnungssituation in der Essener Altstadt war zu Beginn der Industrialisierung katastrophal, zumal ohnehin immer mehr Menschen ins Ruhrgebiet wegen der Zechen und Fabriken zogen. Unter den schlechten hygienischen Bedingungen brachen sogar Seuchen wie Typhus, Cholera und Tuberkulose aus. Das ehemalige Weberviertel entwickelte sich zum Elendsviertel mit engem Wohnraum und unhygienischen Verhältnissen. Abhilfe leistete vor allem der Essener Oberbürgermeister Erich Zweigert (1849-1906), der 1895-1898 den Weberplatz anlegen ließ.


    Für Arbeiter gab es in der Regel keine gesetzlichen Sozialleistungen wie Kranken- oder Rentenversicherungen. Die ältere Generation wurde von den Kindern versorgt oder lebte von Rücklagen. Kinderarbeit war nicht selten und die Säuglingssterblichkeit war hoch. So verstarb 1860 jeder zweiter Säugling im ersten Lebensjahr, da vor allem die Versorgung der Stadtbevölkerung mit Milch unzureichend war. Bereits 1836 führte Alfred Krupp eine freiwillige Hilfskasse für Krankheits- und Todesfälle ein, die 1853 in eine Kranken- und Sterbekasse mit Beitrittspflicht umgewandelt wurde. 1855 entstand die Pensionskasse.


    1859 begann mit der Siedlung Alt-Westend der Kruppsche Wohnungsbau. Zunächst war das Stammhaus Vorbild für den Bau von einfachen Arbeiterwohnhäusern in unmittelbarer Nähe zur Fabrik. 1871 entstanden verstärkt mehrgeschossige Mietskasernen in Zeilenbauweise. In seinen letzten Lebensjahren entwickelte Alfred Krupp die Vorstellung von Arbeitersiedlungen in aufgelockerter Bauweise mit Gärten in grüner Umgebung. Sein Sohn Friedrich Alfred Krupp setzte dann diese Idee um.


    Heute erinnern nur noch die Straßennamen und Gewerbegebiete an die ersten Arbeitersiedlungen unter Alfred Krupp.


    1859-1862 Arbeitersiedlung Westend



    [size=-2]Neu-Westend, erbaut 1871-1872[/size]
    [size=-2]Bild: Historisches Archiv Krupp, GEO.de[/size]


    Heute befindet sich die Westend-Druckerei, die aus den graphischen Betrieben der Firma Krupp hervorgegangen ist, auf dem Gelände der ehemaligen Siedlung Westend.



    [size=-2]Westendstraße mit der Westend Druckerei[/size]
    [size=-2]Bild: Fabio, Februar 2009[/size]



    1871 Beamtensiedlung Baumhof
    Für seine leitenden Angestellten, Kruppsche Beamte genannt, ließ Alfred Krupp in Rüttenscheid südlich vom Stadtgarten eine Siedlung mit mehr Wohnkomfort bauen.



    [size=-2]Kolonie Baumhof, 1900-1920[/size]
    [size=-2]Bild: bildindex[/size]



    1871 Arbeitersiedlung Nordhof


    1872-1873 Arbeitersiedlung Schederhof
    Als Reaktion auf einen von der Arbeiterbewegung initiierten Bergarbeiterstreik auf der Zeche Graf Beust erließ Alfred Krupp 1872 das "Generalregulativ", das den Mitarbeitern strenge Pflichten auferlegte und zugleich Sozialleistungen zusicherte. Gearbeitet wurde von 6 Uhr bis 18 Uhr mit einer Stunde Mittagspause sowie 15 Minuten Frühstücks- und Vesperpause. Sonst betrug die Arbeitszeit oft 13 Stunden am Tag und nur der Sonntag war ein freier Tag. Zu spätes Erscheinen am Arbeitsplatz wurde mit Lohnabzug bestraft.
    Gewerkschaftliche und sozialdemokratische Betätigung wurde den Mitarbeitern verboten. Werkmeister und Vorarbeiter bekamen Eckwohnungen, um so die anderen Arbeiter besser kontrollieren zu können. So wurden Arbeiter entlassen, die zu Versammlungen der Sozialdemokraten gingen oder die häufig betrunken nach Hause kamen. Wer sich etwas zu Schulden kommen ließ musste noch am gleichen Tag mit seiner Familie die Kruppsche Wohnung verlassen, so dass die Arbeiterfamilien ohne Wohnung und Arbeit vor dem Nichts standen.



    [size=-2]Kolonie Schederhof, 1900-1910[/size]
    [size=-2]Bild: Krupp-Guertel_historisch.pdf, Seite 4[/size]



    [size=-2]Hinweisschild auf das heutige Gewerbegebiet Schederhof[/size]
    [size=-2]Bild: Fabio, November 2008[/size]



    1872-1874 Arbeitersiedlung Cronenberg



    [size=-2]Kolonie Cronenberg, 1906[/size]
    [size=-2]Bild: Krupp-Guertel_historisch.pdf, Seite 4[/size]



    [size=-2]Kolonie Cronenberg[/size]
    [size=-2]Postkarte um 1900[/size]



    [size=-2]Im Vordergrund Siedlung Cronenberg, dahinter die Gussstahlfabrik mit dem Turmhaus von 1910[/size]
    [size=-2]Bild: Krupp-Guertel_historisch.pdf, Seite 6[/size]



    [size=-2]Im Vordergrund Siedlung Cronenberg, dahinter die Gussstahlfabrik mit dem Turmhaus von 1910[/size]
    [size=-2]Bild: Krupp-Guertel_historisch.pdf, Seite 4[/size]



    [size=-2]Hinweisschild auf das heutige Gewerbegebiet Cronenberg[/size]
    [size=-2]Bild: Fabio, November 2008[/size]

  • Fabio , da hattest du ja den richtigen Riecher, dir schon vor der Ausstrahlung des ZDF-Dreiteilers über die Familie Krupp eine geschichtliche Rückblende zum Thema zu machen. :daumen:


    Übrigens bietet die EMG aufgrund reger Nachfrage nun auch eine Besichtigungsfahrt zu den Stellen an, die von Krupp geprägt wurden. ;)


    Quelle: Stadt Essen

  • Krupp & Essen (5) Villa Hügel (1)

    1868-1872 Villa Hügel


    Da das Gartenhaus von 1861 mitten auf dem Gelände der Gussstahlfabrik nahe dem Schmiedehammer Fritz lag, drängte Bertha Krupp ihren Mann Alfred ein anderes Wohnhaus in ruhigerer Lage zu bauen. Auf den Ruhrhöhen wurde so zunächst das Gut Klosterbuschhof erworben und 1864 neuer Wohnsitz der Familie. Doch das umgebaute Anwesen genügte nicht den Ansprüchen Alfred Krupps.


    Im Jahr 1868 begann der Bau der Villa Hügel als Wohn- und Repräsentationshaus nach Skizzen von Alfred Krupp und Entwürfen der Architekten Eduard Schwarz und Julius Rasch im viktorianischen Stil. Der Gebäudekomplex besteht aus einem Wohnhaus und einem Logierhaus mit einem Verbindungsgang. Als 1870 der Deutsch-Französische Krieg ausbrach, verließ die Mehrzahl der französischen Steinmetze die Baustelle und Deutschland. Auch ein Teil der deutschen Bauarbeiter zog in den Krieg. Dennoch wurde die Villa 1872 fertig gestellt und das Große Haus am 10. Januar 1873 als neues Wohnhaus von der Familie Krupp bezogen.



    [size=-2]Villa Hügel während der Bauzeit, in der Bildmitte sieht man die Ruhr[/size]
    [size=-2]Bild: Historische Ausstellung Krupp, Villa Hügel[/size]



    [size=-2]Villa Hügel mit dem Gut Klosterbuschhof, die Nutzgärten am Klosterbuschhof dienten zur Versorgung mit Lebensmitteln. Neben dem Turm befand sich die Reitbahn.[/size]
    [size=-2]Postkarte um 1900 [/size]



    [size=-2]Villa Hügel mit der kaiserlichen Fahne[/size]
    [size=-2]Postkarte um 1910[/size]


    Der Gebäudekomplex wurde viel zu groß, die Villa hat heute 269 Räume mit 8.100 m² Wohn- und Nutzfläche. Alfred Krupp waren ästhetische Aspekte beim Planen der Villa Hügel gleichgültig, ihn interessierten vielmehr technische Gesichtspunkte. Er fürchtete wie viele seiner Zeitgenossen Infektionen und Seuchen. Mit dem Bau einer Warmluftheizung sollten die Räume beheizt und belüftet werden. Die Villa Hügel hatte somit die erste Klimaanlage der Welt. Für Kaiser Wilhelm II. ließ sein Sohn Friedrich Alfred Krupp ein eigenes kaiserliches Appartement einrichten.



    [size=-2]Luftbild aus dem Jahr 1940 von der Villa Hügel - Südfassade [/size]
    [size=-2]Bild: http://bildindex[/size]
    [size=-2]Vergleiche Luftbild aus dem Jahr 2008 (fotocommunity)[/size]


    Der Baldeneysee entstand erst durch Bau eines Ruhr-Stauwehrs als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für Tausende von Erwerbslosen in den Jahren 1931 bis 1933.



    [size=-2]Luftbild aus dem Jahr 2006 von der Villa Hügel – Nordfassade.[/size]
    [size=-2]Bild: Lokomotiv, flotte-essen[/size]



    [size=-2]Villa Hügel, Terrassenseite (vor 1940) [/size]
    [size=-2]Bild: GEO Fotoshow Krupp[/size]



    [size=-2]Villa Hügel, Terrassenseite [/size]
    [size=-2]Bild: Fabio, 2008 [/size]



    [size=-2]Eingang zur Villa Hügel [/size]
    [size=-2]Bild: Fabio, 2008 [/size]


    1866 wurde nach einem großen Brand in der Gussstahlfabrik die erste deutsche Werksfeuerwehr von Alfred Krupp gegründet. Er hatte nach diesem Brand in der Fabrik große Angst vor Feuer, so dass überwiegend feuerfeste Materialien wie Stein und Eisen beim Bau der Villa Hügel verwendet wurden. Die Innenausstattung war seinem Geschmack entsprechend einfach und schlicht, die Räume luftig und hell. Erst seine Nachkommen ließen Holzvertäfelungen und Holztreppen für eine prunkvollere Inneneinrichtung anfertigen.



    [size=-2]Obere Halle um 1900[/size]
    [size=-2]Bild: GEO Fotoshow Krupp[/size]

  • Krupp & Essen (6) Villa Hügel (2)

    Die Villa Hügel ist vom 28 Hektar großen Hügel-Park umgeben.



    [size=-2]Terrasse mit Sphinx [/size]
    [size=-2]Bild: Fabio, 2008 [/size]



    [size=-2]Blick in den Park der Villa Hügel [/size]
    [size=-2]Bild: Fabio, 2008 [/size]


    Das Denkmal der Arbeit aus dem Jahr 1936 von Hugo Lederer (1871-1940) stand früher im Turmhaus (1911-1976). Zu Füßen der Statue „Allegorie der Arbeit“ ist das Stammhaus dargestellt. Das Denkmal erinnert an den Firmengründer Friedrich Krupp (1787-1826).



    [size=-2]Denkmal der Arbeit, auch Stammmutterdenkmal genannt.
    Es stand im ehemaligen Turmhaus an der Altendorfer Straße, heute befindet sich dort das Porsche Zentrum Essen[/size]
    [size=-2]Bild: Fabio, 2008 [/size]


    Alfred Krupp hatte einen schwierigen Charakter, er litt unter Schreibzwang und er wurde im Alter zu einem Hypochonder (siehe Berühmte Gäste in Bad Ems). Alfred Krupp zog sich immer mehr zurück und griff meist schriftlich in das Tagesgeschehen seiner Fabrik ein. Sein Sohn Friedrich Alfred vermittelte zwischen dem Direktorium und seinem Vater, den man in der Fabrik auch den grollenden Alten vom Hügel nannte.



    [size=-2]Denkmal für Alfred Krupp (1812-1887), es stand früher am Tor zur Krupp-Stadt an der Ecke Ostfeldstraße / Altendorfer Straße vor dem heutigen Colosseum-Theater[/size]
    [size=-2]Bild: Fabio, 2008 [/size]


    Das Verhältnis zwischen Vater und Sohn war nicht einfach. Lange willigte Alfred Krupp nicht in die Ehe seines Sohnes Friedrich Alfred mit Margarethe Freiin zu Ende ein. Alfred Krupp hielt seinen sanft auftretenden und seit der Jugend an Asthma kränkelnden Sohn für schwach und die aus einer verarmten Adelsfamilie stammende Margarethe als Schwiegertochter für nicht geeignet. Erst als Alfred Krupp 1882 von seiner 19 Jahre jüngeren Frau Bertha verlassen wurde, erlaubte er die Eheschließung seines Sohnes.
    Alfred Krupps Frau Bertha zog in die elegante Stadt Leipzig, diese boomte in der Gründerzeit und bot ein wesentlich interessanteres Gesellschaftsleben als die Arbeiterstadt Essen. Zu der Zeit baute man in Leipzig bereits das 2. Gewandhaus (Konzerthaus) und erst nach dem Tod von Alfred und Bertha Krupp öffnete dank einer Stiftung der Industriellenfamilie Grillo im Jahr 1892 in der Stadt Essen das erste Theater im Ruhrgebiet überhaupt.
    1885 lebte der Komponist Engelbert Humperdinck mehrere Monate auf Hügel als musikalischer Gesellschafter Alfred Krupps. Den Bechsteinflügel durfte Humperdinck als Geschenk mitnehmen. Später komponierte er darauf die Märchenoper „Hänsel und Gretel“. Alfred Krupp erlebte noch 1886 die Geburt seiner Enkeltochter Bertha. Nach Alfred Krupps Tod am 14. Juli 1887 kehrte seine Witwe Bertha aus Leipzig zurück auf den Hügel, sie verstarb bereits ein Jahr später im September 1888.



    [size=-2]Denkmal für Friedrich Alfred Krupp (1854-1902), im Hintergrund das Kleine Haus
    Das Denkmal stand 1907 am Limbecker Platz.[/size]
    [size=-2] Bild: Fabio, 2008 [/size]


    Im Kleinen Haus befindet sich heute das Krupp-Museum mit der historischen Ausstellung Krupp.
    Hier wird die Geschichte der Familie und des Industrieunternehmens Krupp beschrieben.



    [size=-2]Krupp-Ringe aus nahtlosen Eisenbahnreifen, historische Ausstellung Krupp im Kleinen Haus der Villa Hügel[/size]
    [size=-2]Bild: Fabio, 2008 [/size]


    Bis 1945 war die Villa Hügel sieben Jahrzehnte lang Wohnsitz der Familie Krupp. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Villa von den Besatzungsmächten beschlagnahmt und 1952 wieder an die Familie zurückgegeben. Heute ist sie Veranstaltungsort für Konzerte oder Ausstellungen, sie wird durch die Kulturstiftung Ruhr verwaltet.


    Alfried Krupp von Bohlen und Halbach- Stiftung
    1968 gründete der letzte Firmeninhaber als Vermächtnis die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach- Stiftung. Sitz der Stiftung ist das ehemalige 1914 erbaute Gästehaus der Villa Hügel, bis heute Arbeitsplatz von Berthold Beitz, dem Vorsitzenden des Kuratoriums der Stiftung.



    [size=-2]Das Gästehaus aus dem Jahr 1914 ist Sitz der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung[/size]
    [size=-2]Bild: Fabio, 2008[/size]

  • Krupp & Essen (7) Parkhaus Hügel

    1870 Parkhaus (Restaurationsbetrieb) Hügel


    Das Parkhaus wurde 1870 als Betriebskantine für die Baubeamten und die am Bau der Villa Hügel beteiligten Personen im Gartenhausstil der Gründerzeit gebaut.
    Einige Räume der "Bierhalle Hügel" dienten als Beamtencasino für die Hügelbeamten.
    Alfred Krupp starb 1887 im Alter von 75 Jahren einsam in den Armen seines treuen Kammerdieners Ludger Führkötter. Das Ehepaar Führkötter durfte nach Alfred Krupps Tod ab 1890 den Restaurationsbetrieb als "Bierhalle Hügel" betreiben.



    [size=-2]Oben links: Bierhalle Hügel – Postkarte der damaligen Betreiber Führkötter[/size]
    [size=-2]Bild: Postkarte um 1899[/size]



    [size=-2]Essen Hügel mit Villa Hügel, Bierhalle Hügel und Bahnhof Hügel[/size]
    [size=-2]Bild: Postkarte 1908[/size]



    [size=-2]Essen Hügel mit Villa Hügel, Bierhalle Hügel und Bahnhof Hügel[/size]
    [size=-2]Bild: Postkarte 1911[/size]


    Nach Kriegsende besetzten alliierte Truppen die Villa Hügel und das Parkhaus diente als Offiziersclub. In Anlehnung an das Kohlerevier an der Ruhr nannten ihn die Amerikaner „Black Diamond Club“. Seit 1955 führt die Familie Imhoff die Gastronomie. Hier wurde u. a. 1987 Papst Johannes Paul II. bewirtet, als er das Bistum Essen besuchte.



    [size=-2]Parkhaus Hügel[/size]
    [size=-2]Bild: © Fabio, 2008 [/size]



    [size=-2]Parkhaus Hügel[/size]
    [size=-2]Bild: © Fabio, 2008 [/size]



    [size=-2]Parkhaus Hügel[/size]
    [size=-2]Bild: © Fabio, 2008 [/size]



    [size=-2]Parkhaus Hügel[/size]
    [size=-2]Bild: © Fabio, 2008 [/size]

  • Krupp und Essen (8) Bahnhof Hügel

    Bahnhof Hügel


    Friedrich Alfred Krupp ließ drei Jahre nach dem Tod seines Vaters Alfred Krupp den Bahnhof als Haltestelle Bredeney, später Haltestelle Hügel, im Jahr 1890 auf seine Kosten erbauen, damit Kaiser Wilhelm II. bequem anreisen konnte. In der Villa Hügel wurde ein separates Kaiser-Appartement mit allem Komfort eingerichtet. Kaiser Wilhelm II. besuchte die Familie Krupp in den Jahren bis zum Krieg elf Mal auf Hügel.



    [size=-2]Bahnhof Hügel um 1900 [/size]
    [size=-2]Bild: © Fabio, 2008[/size]



    [size=-2]Bahnhof Hügel um 1905[/size]
    [size=-2]Bild: Postkarte[/size]



    [size=-2]Bahnhof Hügel heute[/size]
    [size=-2]Bild: © Fabio, 2008[/size]



    [size=-2]Das Gartentor für den Zugang zur Villa Hügel – der Zugang wurde extra für die Gäste wie z. B: Kaiser Wilhelm II. angelegt.[/size]
    [size=-2]Bild: © Fabio, 2008[/size]