Wagahai goes UK: Manchester

  • Wagahai goes UK: Manchester

    Ich hatte Gelegenheit, drei große und interessante englische Städte kennen zu lernen, nämlich Manchester, Birmingham und Liverpool.


    Manchester (486.000 Ew., 2.6 Mio in Metro) hat mir von den drei Städten am Besten gefallen. Industriearchitektur, Lagerhäuser wurden in schicke Lofts und Büros umgewandelt, interessante Neubauten, eine lebendige Kultur- und Nightlifeszene, ein Shopping-Paradies, stilvoll, modern und quirlig. Die Zeugnisse der Boomjahre sind beeindruckend. Die prächtige Architektur aus dem 19.Jh. und die gelungene Mischung aus Geschäftigkeit und Lässigkeit machen Manchester für mich zu einer attraktiven Großstadt.



    rechts der größte Bahnhof Manchester Piccadilly



    Das nach einem verheerenden IRA-Bombenanschlag (1996) wiederaufgebaute und weiter entwickelte Millenium-Quarter mit riesigen Shoppingpalästen

    Im auffälligen "Urbis"-Gebäude gibt es neben städtebaulichen Ausstellungen auch Informationen über die Entwicklung des Millenium Quarter, mit reizendem jung-weiblichem Personal...




    Modernes Design auf "dem" Boulevard der Stadt Deansgate

    Attraktiver Wolkenkratzer "Beetham Tower" (180m), beherbergt das Hilton und in Kürze wohl auch Luxuswohnungen


    Großes Polizeiaufgebot in der Innenstadt wegen des Labour-Parteitages, flankiert mit Anti-Blair-Demonstranten


    Farbenfrohes Chinatown

    Eines der großen Nightlife-Zentren: Die Canal Street im "Gay Village"

  • Schöne Stadt, danke für die Bilder! Diesen Beetham-Tower finde ich ja einfach nur schrecklich. Die Fassade ist fürchterlich, die Farbe ebenso, und was soll dieses Nach-außen-Versetzen des oberen Gebäudeteils? Sieht instabil und völlig daneben aus. Auffallen um jeden Preis... :nono:


    So wie das auf den Bildern aussieht, steht er auch ziemlich alleine da. Dann braucht man erst recht was Ikonenhaftes, einen Campanile oder so. In 20 Jahren wird man es in Manchester bereuen, den gebaut zu haben.


    Das Urbis-Gebäude finde ich dagegen sehr schön.

  • Nach Manchester habe ich vor einiger Zeit mal einen Wochenendtrip gemacht und war ebenfalls sehr begeistert von der Stadt. Man hört immer sowas von trister Arbeiter- und Fußballstadt, aber im Gegenteil, man trifft auf gute Architektur, edle Kaufhäuser und liberale Atmosphäre.

  • Die siebenstöckigen alten (historistischen?) Gebäude machen das Ganze wirklich zur Metropole. Sieht richtig gut aus. Hätte nicht gedacht, daß Manchester so eine schöne Stadt ist. Sowas gibts in Deutschland nicht!

  • Danke für Kommentare :)
    Miguel , Chewbacca
    Mir gefällt der Beetham Tower durch seine klaren Linien und seine Proportionen. In unmittelbarer Nähe wird auch weiter kräftig gebaut, weiß allerdings nicht, ob gerade dort noch weitere HHer dazu kommen.
    Das Urbis-Gebäude ist nicht wirklich hoch - aber es hat seine Wirkung.


    @Chewbacca
    warum gibts keine pics von dem personal, wenn du es schon so anpreist?
    Es gibt sie, allerdings musste ich versprechen, diese Bilder nicht zu veröffentlichen. Ich bitte, diesen ausdrücklichen Wunsch zu respektieren :D


    Die 60er-HH-Architektur fällt, wenn man durch die Stadt läuft, schon ein wenig auf, prägt aber das Stadtbild nicht - man kann glaube ich damit leben.


    Das Millenium Quarter wurde offenbar nach dem o.g. Bombenanschlag der IRA in der Corportaion Street (mit mehr als 200 Verletzten, doch ohne - wie ein Wunder - Tote; 50.000qm Einkaufs- und 25.000qm Bürofläche waren zerstört, größte Sprengkraft einer IRA-Bombe überhaupt) komplett renoviert und auch die benachbarten Grundstücke wie "Arndale" wurden neu gefasst und entwickelt. Insbesondere die Kaufhäuser Selfridges, Mark & Spencer und das Arndale Shopping Centre sind hier die großen Namen und letzteres wird wohl weiter in einem gigantischen Ausmaß erweitert
    http://www.manchester.gov.uk/news/2004/oct/quarter.htm
    http://de.wikipedia.org/wiki/Manchester


    micro
    Ja, Manchester gehört wirklich zu den Städten, die ein deutlich besseres Image verdient haben.


    LeFay
    Die historische Architektur insbesondere aus dem 19.Jahrhundert zeigt den unglaublichen Reichtum Manchesters als eine der führenden Industriestädte seiner Zeit.

  • Sehr schöne Bilder meiner zweiten Heimat. Wenn ihr wollt (und ich darf) kann ich gerne mal ein paar Bilder mit Erläuterungen von mir online stellen.




    Wagahai


    Vielleicht habe ich eine interessante Sache für dich, viele wissen das nämlich nicht wenn sie Manchester besuchen. Es geht dabei um das leidige Thema wie groß die Stadt denn nun wirklich ist. 480.000 Einwohner oder 2,6 Mio. Einwohner? Ich denke um die Wichtigkeit der Stadt zu unterstreichen sollte man durchaus die Einwohnerzahl von Greater Manchester als Maßstab nehmen. Es gibt eh keine wirklichen Grenzen in Greater Manchester, und die Innenstadt ist das Zentrum der gesamten Area. Das ist mit diesen Citystatus im UK alles ein wenig kompliziert und ehrlich gesagt überholt. Wenn das der Maßstab ist dann ist London eine Stadt mit etwas mehr als 7000 Einwohnern. Mehr hat die City of London nämlich nicht. :-)


    Wusstest du das dieses Bild was du in der Innenstadt gemacht hast eine Stadtgrenze ist?


    http://foto.arcor-online.net/p…1024_6564333032626139.jpg


    Der River Irwell ist die Grenze zwischen der City of Manchester und den Borough of Salford (220.000 Einwohner). Somit geht die Stadtgrenze also direkt durch die Innenstadt. Da die Innenstadt immer weiter wächst macht sie sich auch auf der anderen FLusseite nun breit. Salford ansich was ja streng genommen eine eigene Großstadt ist besitzt gar keine Innenstadt. Auch der nur ein paar Meter von der Stelle wo dein Bild enstanden ist beheimate Bahnhof "Salford Central" ist eigentlich nur ein kleiner Bahnhof der als Ausstiegspunkt für die östliche Innenstadt benutzt wird. Immerhin wird der Bahnhof momentan aufwendig renoviert. Vielleicht bekommt er dadurch wieder etwas mehr Bedeutung!


    Noch ein Beispiel ist der Borough of Trafford (210.000 EInw.). Gehört offiziell auch nicht zur City of Manchester, aber hier in Old Trafford ist das Stadion von Manchester United. Also, wirkliche Stadtgrenzen gibt es dort nicht. Somit kann man getrost sagen das Manchester eine Millionenstadt ist.


    Den Beetham Towe finde ich übrigens sehr schön. Klar, das ist ein riesiger Klotz mit seinen 50 Etagen und 180 Metern, aber der sieht doch ganz gut aus. Vielleicht ist der Standort nur schlecht gewählt. Mir ist der Turm zu Nah am historischen Innenstadtbezirk Castlefield gebaut!

  • Wagahai


    japs. dieses simpson haus ist streng genommen in der city of salford. aber so genau nimmt man das nicht ;-) salford wie die anderen städte haben nicht nur die manchester vorwahl sondern auch die manchester postleitzahlen, die metropolitain police für den gesamten raum sitz auch in manchester sowie das (einzige) öffentliche Transportunternehmen (GMPT - Greater Manchester Passenger Transport Authority). Dieses Transportunternehmern wird von allen Councils in Greater Manchester finanziert, eigene öffentliche Verkehrsunternehmen gibt es in den Städten nicht mehr.



    hier kann man das gebäude mit dem river irwell als stadtgrenze ganz gut sehen, und auch wie die innenstadt über den fluss schwappt. auf der salford seite ist noch genug platz zum ausdehnen. die innenstadt auf der anderen seite ist ja so zugebaut das klaustophobische menschen probleme bekommen könnten ;-)


    http://www.webbaviation.co.uk/…1/river-irwell-mg9328.jpg


    die seite webbaviation ist sehr interessant. besonders wenn man man luftbilder grosser britischer städte sehen möchte. empfehle für manchester die neueren bilder aus der 2005 bzw 2006 sektion!

  • So, jetzt gibt es mal Bilder von mir! Die Bilder habe ich alle im Laufe der letzten 2-3 Jahre gemacht. die urheberrechte liegen bei mir und ich erlaube euch ausdrücklichst die bilder weiter zu verwenden. ein bischen werbung kann für die stadt nicht schaden


    Um ein wenig die Übersicht zu behalten werde ich so weit wie es geht die Bilder den verschiedenen Innenstadtbezirken zuordnen.


    Ich fange mal mit dem CBD (Central Business District) an. Dieses Quatier liegt ziemlich zentral im Zentrum und beherbergt vornehmlich Dienstleistung, Banken und kleineren Einzelhandel.












    Die Art Gallery am Rande des CBD. Habe leider die Totalen verschlampt. Müssen in irgendeinen Ordner verschwunden sein




    Auch eine grössere Einkaufsstrasse gibt es hier: King St.
    Allerdings eher was für den dickeren Geldbeutel. Vornehmlich findet man hier Edelboutiquen von Armani, Rolex und Co. Vivienne Westwood hat hier in einer Seitenstrasse auch eine Filiale!



    Die anderen Innenstadtquatiere folgen........



    weiter gehts mit Castlefield,dem südlichsten Innenstadtbzirk.
    Hier wurde Manchester geboren. Die Römer gründeten hier eine Siedlung. Der Bezirk ist mit Abstand der beschaulichste und ruhigste - oft eine willkommene Abwechslung zum hektischen Treiben in den anderen Quatieren. Hier soll es auch römische Ausgrabungen geben, aber ich bin ganz ehrlich: Ich habe die noch nie gefunden. :gibgrin30










    Chinatown ist nach London (angeblich) die 2. größte Chinatown Europas. In 3-4 Strassenzügen findet man hier neben Restaurants auch chinesische Geschäfte





    Das Museum of Science and Industry. Auf einen riesigen Areal wird hier auf die industrielle Geschichte und Zukunft eingegangen. Auf dem Gelände befindet sich auch der älteste Bahnhof der Welt!



    Eine alte Einkaufspassage nahe Deansgate. Ich vergesse den Namen leider immer. Glaube irgendwas mit St.Ann´s




    weitere folgen


    Manchester im Fussballfieber. Hier am Exchange Square



    Das Gayvillage um Canal St. ist eines der größten schwul/lesbischen Ausgehviertel Europas. Die Stadtregierung zeigt sich liberal: Der Name Gayvillage ist eine offizielle Bezeichnung und auch auf den meisten Stadtplänen so verzeichnet




    Der gäsernde Angestellte. Ob ich hier gerne Arbeiten würde? :confused:


    Das G-Mex mit anschliessenden Konferenzcenter. Hier hat Blair letze Woche seine Reden gehalten



    Einkaufen in Market St


    Nochmal Marketst mit dem anschliessendem Arndale Centre



    Arndale Centre: 130000 qm Einkaufsfläche. Ein unglaublich riesiges Ding!




    Mosley St:


    Strassenszene im Millinium Quater:


    Das Northern Quater ist ein immer noch sehr ursprünglicher Innenstadtbezirk. Hier hat die Revitalisierung sich in Grenzen gehalten - gewollt übrigens. Nachts kann man hier in unzähligen Pubs und Bars verweilen, tagsüber finder man hier Geschäfte von Plattenlabel und Designern- bzw Alternative Shops. Teilweise ganz schön crazy!
    Ein wenig erinnert mich das Quartier an New York. Nicht wegen der Höhe der Bauten (sicher nicht), aber vom Stil der Gebäude her









    Das alte Opernhaus. Mittlerweile allerdings zweckentfremdet



    Oxford St - Man sagt die Strasse mit der größten Busdichte auf der Welt. Auf dem Bild allerdings sicher nicht.


    Das Palace Theatre auf Oxford St


    nebenan das Palace Hotel


    nochmal Oxford St


    Busse an einem regnerischen Tag am Piccadilly Gardens


    nochmal Piccadilly Gardens - im Sonnenschein



    The Printworks: Früher wurden hier Zeitungen gedruckt. Heute amüsiert man sich hier Abends und Nachts



    Printworks von Aussen:



    Statur am River Irwell



    Das Royal Exchange Theatre (früher die Kornbörse) von innen:


    und von aussen:



    St. Peter`s Square


    mit dem Midlands Hotel


    und der Central Library



    früher ein Theater, heute ein Nobel Nachtclub


    Was darf nicht fehlen? Die Townhall - Das Rathaus



    Withworth St. mit ihren Prachtbauten.


    nochmal Withworth St.



    eine Zeitreise. Das Foto ist früh Morgens gegen 6.00 Uhr auf der Strasse Fairfield entstanden. Die Stadt schläft noch!


    noch eine Zeitreise. Die alte Firestation an der London Road. Angeblich spuckt es hier. Na, was wäre England ohne seine Geistergeschichten?



    Viel moderner geht es an den Quays zu. Ein paar Minuten Fahrt mit der Stadtbahn Metrolink vom Zentrum entfernt. Vor 15 Jahren war das noch industrielles Brachland!
    Hier das Lowry Theatre


    und von der Gallerie des Theaters ein herrlicher Blick auf die Quays




    Nun habe ich noch Bilder von ein paar Innenstadtbahnhöfen. Nur damit das direkt geklärt ist :-) : Es ist nicht verboten Bilder von Bahnhöfen im UK zu machen


    Oxford Road Station (5 Gleise), gelegen auf einem Viaduct


    Deansgate Station (2 Gleise)


    Das moderne Empfangsgebäude vom Piccadilly Station (14 Gleise)


    und die dazugehörende ca. 150 Jahre alte viktorianische Bahnhofshalle


    Victoria Station (9 Gleise) von Innen:


    und von Aussen:



    ZU guter Letzt habe ich noch ein paar Nachtaufnahmen


    Piccadilly Gardens


    Der River Irwell


    Eine Veranstaltung im Opera House


    Das Verlagsgebäude des Manchester Daily Express


    In der Nähe des CIS


    Blick auf das Manchester Wheel


    Nightlife am Exchange Square



    Ich hoffe ich konnte mit dem wohl viel zu lang gewordenen Eintrag (sorry) einige Vorurteile über diese in meinen Augen fantastische Stadt abbauen. Das Image was die City teilweise gerade in Deutschland immer noch hat ist mehr als unberechtigt

  • Danke Wagahai und olli fuer die Bilder aus Manchester. DIe Stadt hat sehr viel schoene Architektur zu bieten und man versteht es in England wirklich besser neue urbane Plaetze mit Aufenthaltsqualitaet zu schaffen.


    Stammt das Daily Express Gebaeude in dieser Form wirklich aus den 30er Jahren (wie ich mal gehoert habe)?


    Und was hat es mit der Jerry Springer Oper auf sich?

  • kind


    gern geschehen :-)


    das daily express building wurde tatsächlich in den dreissigern gebaut. ende der dreissiger wurde das Gebäude in der heutigen form auf der great ancoats street in der nördlichen innenstadt eröffnet


    "jerry springer the opera" ist so ein mix aus oper und musical würde ich sagen. die show geht immer auf tournee im uk

  • Super Fotos,
    Ich hatte bis jetzt ein ganz anderes Bild von Manchester. Das aus einer während der ind. Revolution aus dem Boden gestampften Stadt, doch Manchester scheint auch schon vorher eine bedeutende Stadt gewesen zu sein.
    Wurde Manchester im Krieg eingentlich stark beschädigt?
    Den Bildern nach zu urteilen scheint die Stadt ja zum Glück glimpflich davongekommen zu sein da auch viele Gebaüde aus der Zeit vor dem 2. Welktkrieg erhalten sind


    Wirklich tolle Bilder aus dem engl. Ruhrgebiet:daumen:

  • Sehr schöne Fotos...da kriegt man gleich Lust, da hinzu fahren. Die Stadt wirkt sehr urban...da sieht man wie viel Potential in solchen ehemaligen Industriestädten steckt..davon können viele andere noch was lernen. Bravo, Manchester :)

  • Raskas


    erste Siedlungen auf dem Stadtgebiet von Manchester wurden schon im ersten Jahrhundert nach Christus gegründet. Die Römer gründeten das Fort "Mamucium", was sowas wie hügelige Gegend beutet. Der Zusatz "chester" erinnert immer noch an die Römerzeit. Es leitet sich vom latainischen Wort "castrum" ab und bedeutet Lager. Nach dem Rückzug der Römer war zwischen 400 und 700 nach Christus das Gebiet unbewohnt. DIe Angelsachsen gründeten dann eine Siedlung Namens "Mameceaster". Mit dem Lauf der Zeit wurde daraus Manchester.



    Manchester wurde auch relativ heftig von Bombenangriffen im Krieg getroffen. Allerdings eher in den Industrievierteln.


    Ich weiss, dass das Royal Exchange Theatre (zu sehen auf meinen Bildern in dem vorherigen Eintrag) ziemlich zerstört war. Da war ein ganzer Flügel weggebrochen. Man hat den Flügel aber nach alten Plänen wieder aufgebaut.


    Auch andere Gebäude wurden nach Originalplänen wieder erichtet. Sicher wurden auf einigen Flächen dann auch Bausünden im Stil der 60iger erichtet. Er hielt sich aber in Grenzen. Viele dieser Gebäude wurden in den letzten Jahren auch wieder abgerissen. Ganz krass war es in Salford, wo eine riesige Plattenbau-Trabantenstadt vor ein paar Jahren gesprengt wurde!

  • Ich muss nochmal sagen das ich ziemlich beeindruckt von den Stadbildern Manchesters bin. Hab mir nun auch die Fotos von Liverpool und Birmingham angeguckt und diese haben mich ebenfalls überrascht. Diese drei Städte gelten ja als Musterbeispiele der engl. Industrialisierung.


    Das sie nach der Krise der Montanindustrien wieder so aufblühen hätte ich nicht gedacht. Es sieht fast so aus als hätte es dort nie einen großen Umbruch gegeben, ganz anders als im Ruhrgebiet wo man den immernoch andauernden Strukturwandel deutlich erkennt.


    Wie lange hat den der Strukturwandel in England angedauert? Der Untergang der Kohle und Stahlindustrie in England fand ja in der gleichen Zeit wie der Untergang der KS-Industrien in Deutschland statt.:confused:
    Im Ruhrgebiet hat sich sicher einiges getan aber wenn man das mit diesen drei Städten vergleicht kann man schon Fragen was die Leute von der Insel anders gemacht haben.

  • Raskas


    was haben die briten anders gemacht? viel. obwohl es eher keine frage der stadtpolitik sondern der wirtschaftspolitik allgemein ist


    großbritannien hat die globalisierung und deren folgen früher erkannt. die schwerindustrie liess man ja quasi in den achtzigern bewusst untergehen. man konnte nicht mehr mithalten in der hinsicht mit anderen regionen der welt. also wurden auch nicht unsinnige milliardensubventionen in industriezweige gesteckt die eh den untergang geweiht waren. in deutschland wurden aber sogar noch in den neunzigern marode industriezweige subventioniert die eigentlich schon lange unrentabel waren. ich nenne nur mal den "kohlepfennig".


    ich glaube es liegt aber auch ein wenig an den mentalitätsunterschieden. hätte in den 80igern irgendein politiker in deutschland tatsächlich gewagt zu sagen "so liebe leute. die montan- und schwerindustrie ist nicht mehr rentabel. wir werden keine subventionen mehr geben. dadurch werden diese zwar verschwinden und es wird euch die nächten jahre sogar richtig beschissen gehen, aber für die zukunft unseres landes ist das wichtig".......
    nö. man hätte sich ja unbeliebt gemacht.


    großbritannien lag in den 70igern und 80igern wirklich am boden. das waren hundsjahre. nun, aber ich glaube diese schlechten jahre waren nötig. um ein umdenken herbeizuführen (besonders in hinsicht auf die globalisierung).


    ich glaube von großbritannien können wir in der tat viel lernen. aber die erfolge dort werden allzu häufig ignoriert oder sogar schlecht geredet.


    in deutschland glauben tatsächlich noch leute das die niedrige arbeitslosenquote dort durch niedriglohn-jobs erreicht wurde. dabei wird vergessen das die briten heute gut 35% mehr verdienen pro kopf als noch vor 10 jahren und das höchste BIP/kopf von den grossen europäischen industriestaaten haben. durch niedriglohn-politik schafft man das nicht.


    oder man denkt der wirtschaftliche aufschwung ging auf kosten der sozialen netze. in den ersten jahren der wirtschaftsreformen war es sogar so. es gab nicht viel zu verteilen. aber heute? in großbritannien gibt es einen mindestlohn usw usw.


    wer da mal nähere einblicke bekommen möchte sollte sich mal den bericht unter folgenden link durchlesen:


    http://www.britischebotschaft.de/pdf/tibber_speech_May06.pdf


    ist die seite der britischen botschaft in berlin


    sicher, auch in großbritannien gibt es noch viel zu tun. der strukturwandel ist noch lange nicht abgeschlossen. nur habe ich das gefühl das da wirklich angepackt wird. man merkt das auch wenn man da durch die städte läuft. die aufbruchstimmung ist quasi zu fühlen.

  • Nein, aber es ist ein Teil davon! Deswegen das usw. dahinter.


    Wollte nur nicht zu Tief auf die ganze Geschichte eingehen. Deshalb mein Link zu der Seite von der britischen Botschaft. Da wird das doch mal ganz interessant durchleuchtet!