Worauf die "Gegenredner" hinaus wollen (unterstelle ich jetzt mal): weniger Regulierung bedeutet mehr Angebot. Da die Nachfrage unzweifelhaft da und gleichbleibend hoch ist oder sogar weiter zunimmt, führten weniger "strangulierende" Auflagen für Investoren auch zu mehr Aktivität auf der Angebotsseite, sodass Angebot und Nachfrage wieder besser zueinander fänden. Im Ergebnis würde es günstiger für alle - Alteingesessene und Neubürger.
Aber: gleichzeitig bin ich persönlich nicht bereit, große Abstriche bei der Bauqualität hinzunehmen, indem man bspw. Vorgaben zur Energieeffizienz komplett abschafft, oder Lärmschutz, Gestaltungssatzungen, Denkmalschutz, Brandschutz, Gesundheitsauflagen usw. schleift, nur um den Markt wieder anzukurbeln.
Wir brauchen also meiner Meinung nach hier wie so oft in der Politik nicht "entweder-oder", sondern "sowohl-als-auch"! Wir brauchen sowohl...
- ...eine Ausweitung der Investorentätigkeiten, indem wir a) mehr Bauland ausweisen (wodurch der Druck vom bestehenden Bauland entweicht) und b) klügere und pragmatischere Regulierung betreiben als bisher, um es Investoren wieder einfacher zu machen. Was meine ich damit? Z. B. das Thema Energieeffizienz: warum regeln wir haarklein, welche Dämmung und welche Heizung es sein sollen (ich übertreibe jetzt), statt einfach die Emission von Schadstoffen sehr viel stärker zu verteuern? Der Emissionshandel - egal, ob schädliche Emissionen aus Autos oder Häusern oder sonst woher kommen - wäre das mächtigste und unbürokratischste Werkzeug von allen. Das in Verbindung mit einem Betriebsverbot fossiler Anlagen bis zum Jahr X, und wir können uns einen sehr großen Haufen sonstiger Regulierung mitsamt Bürokratie und Förderprogrammen etc. sparen
- ...als auch mehr städtisches Engagement an den Stellen und in der Form, wie die Politik es sich wünscht. Wenn alle Welt jammert, dass es zu wenig "bezahlbaren" Wohnraum gibt, diesen die Investoren aufgrund zahlreicher Auflagen aber eben nicht freiwillig der Nachfrage entsprechend bauen wollen oder können, warum macht das dann nicht die städtische Wohnungsbaugesellschaft einfach selbst? Sozusagen als Gegengewicht zu den (sinnvollen) Auflagen, die den privaten Investoren den Spaß verderben. In unserem Fall die ABG darf dann aber eben nicht der Gewinnerzielung verpflichtet sein, sondern muss sich um genau diese Belange bzw. Bauvorhaben kümmern, die aufgrund der Regulierung nicht von selbst durch den Markt entstehen (und um sonst nichts!)
Konkret könnte hier die ABG dem untätigen Eigentümer der denkmalgeschützten Häuser in der Berger Straße ein Kaufangebot unterbreiten, das dieser nicht ablehnen kann. Gerne auch "mit Nachdruck", dass man sonst die Leerstandsjäger auf sie hetzt. Anschließend führt die ABG die denkmalgerechte Sanierung selbst durch und verkauft dann die einzelnen Wohnungen oder vermietet dauerhaft selbst. Probleme gelöst: mehr Wohnraum geschaffen, Straße belebt, Denkmalschutz gesichert. Und ja, auch Steuergeld eingesetzt - wäre mir aber immer noch lieber als weiterhin dem Verfall dort zusehen zu müssen.