• Wenn ich mir die beiden Plädoyers auf koelarchitektur.de durchlese, wird für mich eines offensichtlich: Es war und ist sehr viel Emotion in diesem Thema. Das ist sicherlich auch der Grund, warum sachliche Argumente letztlich nicht den Hauptausschlag für die Entscheidung gegeben haben.

    Wenn Frau Hiltrud Kier den Neubau allerdings als "städtebauliche Horrorvision" bezeichnet, hat sie jede ernstzunehmende Diskussionsbasis weit hinter sich gelassen. Ein Schlag ins Gesicht für alle Beteiligten, die sich über so viele Jahre mühevoll an diesem Thema abgearbeitet haben. Es ist genau diese Art von Polemik und Arroganz die dazu führt, dass sich mir bei der "Mut zur Kultur"-Bewegung nach wie vor die Nackenhaare aufstellen. Dies und die durchschaubare Taktik, jegliche Planungsleistung, welche Herr Riphahn jemals in seinem Leben erdacht hat, zur architektonischen Meisterleistung zu verklären.

    Trotzdem bin ich der Meinung, dass das Kriegsbeil jetzt begraben werden sollte, auch wenn das unter oben genannten Umständen schwer fällt. Die Neubau-Befürworter sind in diesem hitzigen Meinungskampf für meine Begriffe ehrenvoll unterlegen (man sehe mir die Theatralik nach :) ) und sollten jetzt nicht den Fehler machen, im Stile eines schlechten Verlierers den neuen Planungsprozess zu unterhöhlen. Die Würfel sind gefallen und im Interesse Kölns und seiner kulturellen Zukunft sollten jetzt alle Beteiligten für eine Komplettsanierung die schnellste und beste Lösung finden.

  • ...es gibt hier zwei Ebenen: die sachliche und die politische.

    Ich beschränke mich hier auf die politische:

    Hier beschließt eine "bunte" Koalition" aus einer opportunistisch handelnden CDU, Pro Köln, Linken und Grünen den Verzicht auf ein Prestigeprojekt, "tritt dem Bürgerbegehren bei".
    Die Grünen verlassen dabei den Koalitionsvertrag und hätten fairerweise Enthaltung üben müssen.
    Warum hat der KStA die Parteien nicht vorher nach ihrer Meinung gefragt, sonst immer üblich!?
    Dann nämlich hätte es vorher nochmal ganz anders im Karton gerappelt! Daran hatte aber der lokale Medienzar kein Interesse....

    Interessant auch, dass die KStA eigene Online-Umfrage gar nicht so eindeutig ausfällt wie erwartet...-) Auch beachte man die User-Kommentare!

  • Lieber Tilou - irgenwie hast du ja Recht - dennoch ist mir dein Beitrag irgendwie "zu nett".

    Ich erlebe eine Frau Beier, die sich (wie ich auch live erleben durfte) für keine Polemik zu schade war, die mit triumphaler Geste ihren "Sieg" feiert - der, da sie ja kaum Eingriffe in die Bausaubstanz (ihres Hauses) haben möchte, wie selbstverständlich Anspruch auf nicht unwesentliche Teil des Raumprogramms der Oper erhebt und der zu Lasten eben dieser geht.

    Wenn diese Frau Beier jetzt jovial und gr0ßzügig meint, man solle jetzt die "Friedenspfeife rauchen" (heute im KStA) dreht sich mir der Magen um - und ich weiß gar nicht wohin vor lauter Zorn!
    Erst, wenn das Sanierungsprogramm so aussieht, dass die Oper ihr dringend benötigtes Raumprogramm umsetzen kann - kann man an eine "Friedenspfeife" denken.

    Frau Beier baut jetzt schon vor - sollte Herr Laufenberg etwa auf "die Idee kommen" seine Belange auf Umsetzung des dringend benötigten Raumprogramms für sein Haus zu vertreten, steht er in der Öffentlichkeit als derjenige dar, der nachkartet und den "Frieden" stört.

    Nein - es ist nicht alles "Ringelpietz mit anfassen" und "Friede, Freude, Eierkuchen"!!

    Frau Beier ist eine gute Intendantin - hier ist sie kompetent - aber dabei sollte sie es belassen!!

  • Citysurfer, ich weiß wie sehr dich dieses ganze Thema umtreibt. Mir ist bewusst, dass mein Wunsch nach einem Abkühlen der Gemüter einen Tag nach dieser Entwicklung nicht mehr als ein Pfeifen im Walde ist. Und dass natürlich jetzt erst recht das große Hauen und Stechen losgeht. Die Frage ist nur, ob man sich denn unbedingt auf das gleiche Niveau begeben muss und was man damit letztlich erreicht. Ich finde eigentlich alle Beiträge in diesem Strang aus den letzten Monaten (besonders deine) höchst konstruktiv und bei der Sache, vielleicht mit ein Grund, warum nicht ein einziger "Mut zur Kultur"-Heini sich getraut hat, in diesem Forum seine Tiraden zu verbreiten.

    Wenn sich die Sanierung des Schauspielhauses als großer Fehler erweist, wird sich das ohnehin herausstellen. Es ist traurig für die Bürger, aber so was nenne ich Lernen durch Schmerz. Lass die "Sieger" sich ruhig auf die Schulter klopfen, die Realität wird auch sie unweigerlich einholen.

  • Deinen letzten Spruch Tilou ist nichts hinzuzufügen. Genau so wird es kommen, und zwar relativ Kurzfristig. Wenn doch nicht dann zumindest Mittelfristig.

    Aber eines sollte klar sein:
    Nochmal wird es sowas nicht geben denn dann zeigen die Leute mit den Finger hoch und sagen: Wir haben es euch gesagt jetzt müsst ihr damit Leben.

    PS:
    Auweh bei den ganzen Kommentaren die ich da Lesen muss denke ich nur noch: "Armes Deutschland"
    Soviele verstehen Demokratie nicht.

    Auch ganz witzig: Das Bürgerbegehren müsste eig. für einen Bürgerentscheid sein. Schliesslich ging es doch in erster Linie darum der Politik eins zu wischen. Und jetzt bejubeln sie die selben Politiker. Ein Wahnwitz, die wussten genau das sie im Falle eines Bürgerentscheides nicht gewonnen hätten. Sehr bedauerlich.

    Einmal editiert, zuletzt von RebellHAI (14. April 2010 um 13:31)

  • Was ich mich frage: wie konnte denn der Ratsentscheid zum Neubau vom Herbst letzten Jahres schon wieder gekippt werden? Es gibt doch Bindungsfristen bei Ratsentscheidungen, damit nicht willkürlich politisch hin- und hergesprungen werden kann.

  • Ich glaube die Annuliert sich bei Erfolg eines Bürgerbegehrens. Und auch dieses Begehren muss ja in bestimmten Zeitspanne erfolg haben bzw. in einer bestimmten Spanne nach den Ratsbeschluss erfolgen. Aber genau auskennen tu ich mich damit nicht, aber ich glaube so hat es sich doch abgespielt?!

  • Ich bin einfach nur sprachlos, daß jetzt dieser ganze häßliche Mist am Offenbachplatz auch noch für teures Geld saniert wird. Ich weiß nicht, was in den Köpfen der Kölner herumspukt - aber es passt zu allem, was in Köln nach dem Krieg architektonisch geschaffen worden ist.
    Ich bin davon überzeugt, daß das gesamte Opern- und Schauspielensemble
    genau so häßlich aussieht wie vorher, und ich kenne niemanden, dem das Opern und auch das Schauspielhaus gefällt.

  • So ganz falsch liegt malawi-cologne m. E. doch nicht. Es kann aber sein, Citysurfer, dass ich Dich jetzt nur falsch verstehe.

    Die Oper ist für Touristen architektonisch unzweifelhaft kein Highlight für Köln, eher interessant für Architekturinteressierte. Auf Postkarten entdeckt man sie selten. Ich kenne auch keinen Kölner, der den Bau wirklich liebt - zumindest von außen. Innen ist die Oper dagegen grandios und wird durch die originalgetreue Rekonstrution weiter gewinnen.

    Das Schauspielhaus ist (und bleibt) im Hinterhof gefangen und wird gar nicht wahrgenomen. Eine Niesche in der sich das Theater und Frau Beier ja offensichtlich wohlfühlen. Bitte sehr.

    Das Geld für die Sanierung des Schauspiels geht in der Hauptsache nach "innen", wird also städtebaulich keine Veränderung bringen. Stockt man die Opernterrassen auf, wird der Hinterhofcharakter eher noch mehr zementiert. Durch den krakenhaften Zugriff auf Räume der Oper bleibt das Schauspiel ein ungeliebtes Anhängsel der Oper, ohne eigenen Gestaltungsspielraum.

  • ottcgn1 Ich stimme dir vollkommen zu - bis auf die Behauptung, dass niemand die Oper mag. Lies' hierzu meinen Beitrag #75 in diesem Thread (und folgende). Dann mag meinetwegen fast niemand die Oper (aber auch das wage ich zu bezweifeln) Ich schon. Ich denke, ich habe das deutlich gemacht.

  • @ Citysurfer
    Danke für die Antwort. Ich lag dann doch etwas daneben.

    Die Erhaltung der Riphahn-Oper als architektonisches Erbe ist heute wohl unumstritten, auch, dass diese nicht zu einem neuen Musical-Dome "verkommen" soll. Mir ging es darum, dass die Oper (man blicke nur auf die mit Gegenständen vermüllten Balkone, die unansehnlichen Kacheln der Seitenbauten oder die mit Containern bestückte Rückfront) nicht (mehr) in die Stadt integriert und unansehnlich (geworden) ist. Ihre durchaus bestehende Besonderheit und Einzigartigkeit kann sie so nicht ausspielen. Umstritten war der Bau stets, vielleicht auch, weil er dem Passanten äußerlich irgendwie fremd und verschlossen vorkommt. Durch die Komplettsanierung erhoffe ich mir, dass der Bau "neu erstrahlt" und auch äußerlich eine Wahrnehmung erfährt, die ihn zum Sinnbild einer Architekturepoche macht, die dann vielleicht mehr Achtung erfährt. Hierzu gehört, by the way, auch die Neugestaltung des Offenbachplatzes mit mehr Aufenthaltsqualität.

    Wirklich gefallen wird mir die Oper von außen wohl nie. Meinen Respekt kann sie aber (zurück) gewinnen.

  • Da kommen die ersten def. nicht gewollten Kosten aufgrund der Sanierung auf die Stadt zu.

    Die Stadt Köln arbeitet derzeit an einen Vergleich mit den JSWD Architekten aufgrund der Vertragsauflösung. Das könnten ca. 9 Millionen Euro sein, aber auch mehr oder weniger.

    :::
    Stimmt, daran hatte ich gar nicht gedacht das hier eine Vertragsstrafe gezahlt werden muss die in die Millionen geht.

    Ausserdem wird ein neuer Ausruf für auf Sanierung von 50/60er Jahre bauten spezialisierten Firmen/Architekten gestartet der auf 1,3 Millionen Euro angesetzt ist.

  • Nachdem ich diese Diskussion lange mitverfolgt und geschwiegen habe, da ich mich nicht wirklich festlegen konnte, muss ich sagen, dass ich mich nun doch freue, dass das alte Haus erhalten bleibt. Keine Herzensentscheidung, eher eine vom Kopf: Immerhin steht das Haus unter Denkmalschutz, und das nicht ohne Grund! Es ist einmalig (unabhängig von ästhetischem Empfinden) und ziert damit auch die Domstadt. Eine denkmalgerechte Sanierung inklusive des Weghauens des umgebenden, mit der Zeit angesammelten Schrotts wird das Beste aus dem Gebäude herauskitzeln. Und wenn nochmal ein paar Jahrzehnte ins Land gegangen und Vertreter dieser Epoche noch seltener geworden sind, wird man über die (wenn auch krude und mitunter populistisch zustandegekommene) Entscheidung vielleicht sogar ganz glücklich sein.

  • Ich kann mit der Entscheidung für das Schauspielhaus eigentlich ganz gut leben, da ich den Entwurf für das neue Schauspielhaus irgendwie nicht mochte. Mit der Einschränkung, dass ich die Rückseite (Westseite) des ganzen bestehenden Komplexes sehr abstoßend finde, was auch durch den (jetzt immer noch?) geplanten Zwischenbau nur unzureichend abgemildert wird. Insbesondere aus der Straße Am Posthof, die im hochfrequentierten Einkaufsbereich liegt, ergibt sich beim Blick auf die Rückseite ein tristes Bild. Hier könnte evtl mit einem schmalen Baukörper mit Läden entlang der Krebsgasse abgeholfen werden, der in etwa so hoch ist wie die Seitenflügel der Oper und somit den gesamten Komplex nach westen hin begrenzen.

    Ebenso hoffe ich, dass man nicht am Bau der Opernterrasen festhält, da dieser denOffenbachplatz nicht gut einfasst und ich von solch niedrigen gebäuden ohnehin nichts halte, Ensemble hin oder her. Ich denke, dass diese Kante sogar einen recht hohen Bau verträgt, so wie es ja auch mit dem Schauspielhaus geplant war, daher sollte man diesen Ort für eine bebauung freigeben.

    Ich finde, dass ein Bau in dieser Art:

    http://de.academic.ru/pictures/dewik…ign_3116754.jpg

    sehr gut dorthin passen würde (sowas hätte ich mir als Entwurf für ein Schauspielhaus vorstellen können), vielleicht auch mit einer Abschrägung nach Westen hin in der gleichen Neigung wie die beiden weißen Operntürme.

    Davor der Offenbachplatz als großstädtischer Platz, der in einem einheitlichen und hochwertigen Material gehalten ist, auch im Bereich der Fahrspuren für die NSF.

  • hardy Die Fläche der Opernterassen wird auf keinen Fall für irgendeine Bebauung freigegeben. Entweder

    - sie bleiben so bestehen und werden innen umgebaut
    - sie werden aufgestockt
    - oder an dieser Stelle entsteht ein kleinerer Neubau in der maximalen Höhe des Opernfoyers

    Auf jeden Fall wird der Bau, oder evtl. die Fläche für das Schauspiel, bzw. die Bühnen genutzt.

    Einen größeren als den jetzigen Baukörper der Opernterassen, in schlichter Form, wünsche ich mir zur Fassung des Offenbachplatzes aber auch.

  • Sanierung hin, Sanierung her. Das Schauspielhaus ist für meinen Geschmack ein wirklich ausgesprochen häßliches Gebäude, und ich bin davon überzeugt, daß es nach der Sanierung auch nicht schöner wird.
    Mit einer Sanierung des Opernhauses kann ich mich zur Not noch anfreunden, aber das Schauspielhaus müßte kompromisslos weg.
    Ich könnte mir anstelle der Opernterrassen gerade an diesem Punkt einen etwas höheren Bau von mind. 8-10 Etagen sehr gut vorstellen.