Dresden: Neumarkt

  • Dvorak : Wer sagt denn, daß sich der Geschmack ständig ändert? Vielleicht hat er sich ja nie geändert! Sondern ihr denkt nur er hat es. Vielleicht hatten die Leute nur mal Lust auf neues, aber fanden das alte höchstens langweilig, aber nicht häßlich?


    Warum sehen die heutigen Neubauten fast alle neohistoristisch im Sinne von NEOBAUHAUS aus? Neohistorismus ist mist, solange dieser Neohistorismus nicht Neobauhaus ist? Na hallo! Immerhin gabs die Moderne, die Postmoderne und den Dekonstruktivismus. Jetzt stellt man z.B. auch in Stuttgart vermehrt Gebäude hin, die dem International Style der 60iger nahekommen. Und das soll nicht neohistoristisch sein?


    Aber zum Platz: Wenn man Jugendstilhäuser in Frankfurt, Expressionismus in Essen abreißt um Investorenneubauten zu verwirklichen, na dann wird doch so ne Oststadthalle auch abgerissen werden können.


    Mit ordentlichem Wettbewerb sollte man da was richtiges hinstellen können. Ich schlage schonmal als Architekt AeG vor. Sein Berlinthread zeigt, daß er ordentlich was kann ;)

  • Daran muss sich die Bebauung halten, wenn sie gelungen sein möchte. Das ist auch keine subjektive Meinung, sondern zentraler Punkt vieler Architekturtheorien. Das Gebäude darf also nicht den inneren Bereich vom Äußeren abgrenzen, und muss Offenheit demonstrieren.


    Das ist eben doch subjektive Meinung, nämlich die von einigen toten Granden der Architektur und die sind zu diesem Schluss weitgehend ohne praktische Erfahrung gekommen.


    Wenn kulturelle Zentren sich grundsätzlich öffnen müssten hätten die (mittlerweile natürlich weitgehend gentrifizierten) Hackischen Höfe nie funktionieren dürfen, die sind nämlich das genaue Gegenteil von Offenheit (eben Höfe), funktionieren aber genau deswegen.


    Was man mit dem Gelände macht ist mir vergleichsweise egal, der Kulturpalast wäre vermutlich auf lange Sicht gesehen kein Verlust, ein bisschen Billigbarock im Gegenzug wohl auch kein Gewinn und 08/15 Investorenarchitektur hilft auch niemandem.


    Eventuell einfach 30 Jahre warten und dann weitersehen, eventuell hat man dann mehr Inspiration, oder wenigstens mehr Geld aber ewig bleibt die Kiste nicht stehen.

  • Nein, nichts bleibt ewig stehen. Es muss aber auch nicht immer gleich alles abgerissen werden, nur weil es nicht perfekt ist. Erst einmal sollte man gucken, was man mit einem Umbau machen kann, bevor man vorschnell abreist. Wir können ja auch wieder in die 70er, wo mana uch der Meinung war, dass eh nicht alles für die Ewigkeit ist, und das Neubau besser ist als Umbau.


    Das kulturelle Zentren ohne die Offenheit funktionieren habe ich nicht angezweifelt. Es war einfach ein Postulat meinerseits, dass kultur etwas sit, dass aus der Mitte der Gesellschaft kommt, und auch kulturelle Bauten das demonstrieren sollen. Das ist gleube ich auch nichts, was es erst seit neustem gibt, sondern etwas das man schon an den älteten musealen Gebäuden sehen kann. Wenn man sich das alte Museum in Berlin, die Glyptothek in München, wenn man es weit fasst, vielleicht sogar das Pantheon, das irgendwie mehr Museum als Tempel ist ansieht, dann merkt man, dass diese Gebäude ganz stark mit dem öffentlichen Raum spielen. In sovern ist das sicher auch die Meinung einiger toter Granden der Architektur.


    Das der Geschmack sich nicht ändert will ich aber ganz stark bezweifeln. Aber vielleicht trifft das hier ja noch deinen Geschmack Yves.
    Was gleich bleibt, dass sind Grundprinzipien der Aesthetik, wie Proportion, oder die Farbenlehre, deren genaue Ausformung, also der Zeitgeschmack ändern sich mit sicherheit. Im Barock gelt es ja asl schön möglichst fett zu sein. :doof:


    Das das Argument kommt, die Moderne sei schon Geschichte und man baue ständig nur noch im Rückgriff auf Vergangenes kann ich mal gar nicht teilen.
    Erstens ollte man sich überlegen, wie lange ein Baustil in der Geschichte etwa gedauert hat. Die Gotik, die Romanik, das Barock, oder der Klassizismus haben alle länger gedauert, und dtrotzdem findet man nicht für die je etwas älteren der Gebäude in diesen Baustilen die Bezeichnungen Neo-Irgendwas, sondern eher Hoch-Renaissance, wenn es ganz lange dauert auch Spät-Gotik. Das dauert aer noch ne ganze Weile.
    Zweitens sollte man zwischen dem reinen Zweckbau gesondert betrachten. Den 08/15-Fachwerkbau gab es sicher Jahrtausende, ohne das er sich sehr veränderte. Die normale Bürokiste wird es auch noch lange geben, weil es dabei weniger um aesthetische Aspekte, als viel mehr um die Nutzung, die Finanzen und die geliebten Bauvorschriften geht.
    Bei repräsentativen Bauten gibt es sehr wohl eine Weiterentwicklung, und nicht nur die Bauhaus-Rückgriffe. Ich glaube das solte dir auch klar sein, wenn du dich ein wenig damit beschäftigst.


    Die logik, dass wenn man Jugendstil abreißen darf, auch einen "Ostbau" abreißen darf, teile ich nicht. Demnach müsste man den Ersatz dieser Jugendstilbauten gut heißen, was ich nicht tue. Du scheinst das anders zu sehen.


    PS: Ich hatte es so eilig, weil es Feitag Abend war und ich an solchen Tagen die Nacht nur ungern im Internet verbringe.

  • Abriss des KP & Rekonstruktion des historischen Rathauses

    ^ LeFay und Trips: Endlich trifft man hier mal auf ein paar Gleichgesinnte, ich hatte die Hoffnung schon beinahe aufgegeben :applaus:


    Ich denke aber, dass man sich mit dem Kulturpalast nun nicht übermäßig viel Zeit lassen sollte, wenn Dresden seinem barocken Altstadtbild wieder näherkommen möchte. Der Idealfall wäre, man würde noch im Rahmen der Wiederauferstehung des Neumarktes den Abriss durch- und einen Neubau an seinerstatt umsetzen. Am Beispiel des Neumarktes erkennt man überdies doch durchaus, dass gut umgesetzte Investorenarchitektur in Dresden bombenmäßig einschlagen kann. Ich würde mir aber natürlich wünschen, dass man dann bei einem eventuellen Neubau (wie der vorgeschlagenen geschlossenen Einkaufs- und Kulturpassage) überwiegend die historisierenden Formen des Altmarktes berücksichtig und den Stil gegebenenfalls diesem anpasst (Neobarock wäre vermutlich eher nicht so angebracht).


    Allerdings wäre vielleicht eine Wiederherstellung der Altmarktsituation, wie sie vor dem 2. Weltkrieg existierte, noch ein Stück weit interessanter. Denn durch sie böte sich mitten in der Stadt viel Raum für lebendige Veranstaltungen, besucherüberströmte Ausstellungen, quirlige Märkte und Messen sowie das ein oder andere Konzert bzw. Vorlesung und Ähnliches. Die Wiederherstellung dieses Zustands dürfte die Stadt vor keinerlei Probleme stellen, ein Abriss des Kulturpalastes liegt aufgrund der nahenden Sanierung zeitlich gesehen doch momentan eigentlich recht nahe (Ich kann mir nämlich nicht vorstellen, dass man ihn in 10 nach einer zu Grunde liegenden Komplettsanierung der Abrissbirne preisgibt). Und auch die sich ehemals mittig des Platzes befindliche Marktäule wäre für die Rekonstrukteure sicher keine unlösbare Aufgabe. Auf jeden Fall wäre es ein leichtes, erneut das gute alte Gefühl des Platzes zum Leben zu erwecken, denke ich.


    Sehr interessant wäre in diesem Zusammenhang wohl eine eventuell bevorstehende Rekonstruktion des historischen Dresdner Rathauses aus dem 13. Jahrhundert, dessen Fundamente man nun gegenüber des Kulturpalastes (auf der zum Parkplatz verkommenen Seite des Altmarktes) wieder zum Vorschein gebracht hat - Hier gibt es dazu ein interessantes Interview mit einem der vor Ort bei der Ausgrabung tätigen Arbeiter, der eine Rekonstruktion des historischen Rathauses am Dresdner Altmarkt einfordert. (zumindest habe ich dies aus seinen Aussagen in der Form herausgehört)
    Wirklich toll sich vorzustellen, wie dieses grandiose Gebäude die Dresdner Altstadt um eine eher gotisch geprägte Facette (mit einigen späteren Erweiterungen aus dem Barock) ergänzen und sie damit um einiges abwechslungsreicher gestalten könnte - Ich bin für einen baldigen Wiederaufbau! Insbesondere in Kombination mit dem Rückbau des DDR-Kulturpalastes auf der anderen Seite des Altmarktes ergäben sich tolle neue Perspektiven, die zudem die Altstadt in südlicher Richtung aus architektonischer Sicht enorm voranbringen könnte!
    Schaut euch den Videobeitrag aus dem 'Dresden Fernsehen' einfach mal an und lasst euch hier aus, was ihr davon haltet. Würde mich wirklich überaus interessieren :cool:

  • Denn durch sie böte sich mitten in der Stadt viel Raum für lebendige Veranstaltungen, besucherüberströmte Ausstellungen, quirlige Märkte und Messen sowie das ein oder andere Konzert bzw. Vorlesung und Ähnliches.


    Was macht denn der Kulturpalast? 2nd-Hand-Flohmärkte wohl nicht. Genau das was du forderst kann man doch heute dort finden, bzw könnte man bei guter Sanierung.


    Wirklich toll sich vorzustellen, wie dieses grandiose Gebäude die Dresdner Altstadt um eine eher gotisch geprägte Facette (mit einigen späteren Erweiterungen aus dem Barock) ergänzen und sie damit um einiges abwechslungsreicher gestalten könnte (...).


    Erst willst du die barocke Altstadt wiederhaben, jetzt wünscht du dir Abwechslung. Es ist nict böse gemeint, aber es wäre schön klare Verhältnisse zu schaffen indem du dich festlegts, wo es deiner Meinung nach hingehen soll.


    EDIT:
    Altes Rathaus wäre gut für ein neues Thema

  • @wombat Ruhig Blut, Gleichgesinnte sind wir noch lange nicht, persönlich stehe ich der neobarocken Herrlichkeit nämlich auch skeptisch gegenüber, wenn auch vermutlich aus anderen Gründen als Dvorak.


    Dvorak
    Und wie lange haben Rokoko, Jugendstil, Expressionismus, und Postmoderne gedauert?


    Ein Stil lebt eben so lange wie er Kraft hat, die klassische Moderne ist für mich seit den 70ern tot, d.h. entwickelt sich nicht weiter, alles was jetzt in die Richtung läuft sind ebensolche Wiedergänger wie seinerzeit der Historismus, und in 50 Jahren wird man das genau so sehen.
    Ob ich das beweisen kann?
    Nein, aber ich bin bereit eine sehr langfristige Wette anzunehmen.:D

  • Dvorak : Wombat sagte doch, daß er auch moderne Architektur mag. Ich nehme an, er will ein historisches Zentrum, um einen Eindruck des ehemaligen Glanzes zu zeigen, der Rest soll dann die Vielfalt darstellen. Nehme ich an.


    Ja, sagt mir mal, warum der Kulturpalast gerade NICHT abgerissen werden soll? Jedes Gebäude muß sich rechtfertigen, warum es nach dem Ablauf einer gewissen Zeit nicht abgerissen werden soll und ein neues, den neuen Standards angepaßten Gebäuden weichen soll.


    Nehmen wir die Bedeutung dieses Gebäudes. Gut. Vergleichen wir sie mit anderen Gebäuden dieser Zeit gleichen/ähnlichen Stils. Hat es irgendwelche geschichtliche Besonderheiten? Bauliche Besonderheiten? Ja klasse, hat wohl jedes Gebäude, jeder Bürgerchronist kann die Besonderheit gerade seiner Stadthalle benennen. Also ist die Dresdner besonders, wohl aber nicht besonderer als andere.


    Das Ästhetik-Argument schließen wir mal bei der Bewertung aus, es besteht die Gefahr, daß die Ästhetik irgendwann als angenehm empfunden wird.


    Was muß dann das zwingende Argument sein? Die Menge der Gebäude dieses Stils. Theater Ludwigshafen, Theater Mannheim, Gimmeldingen (*g*), Trierer Nationaltheater, bestimmt viele Gebäude im Ruhrgebiet, alles International Style oder Imitate. Ich nehme stark an, bei den Zerstörungen sind wohl über die Hälfte der städtischen Stadthallen/Theater zwischen 1945 und 1975 gebaut worden. Ich kenne weniger Städte in denen noch Bauten mit anderem Stil vorherrschen bei Kulturbauten.


    Also schon aufgrund der Menge kann man es abreißen. Und wenn jetzt jemand kommt und sagt: Damit löschen wir die DDR-Geschichte aus, wenn wir es abreißen! Dann sage ich nur: Bitte, die Städte im Osten sind pleite, wir werden immer noch genug Reminiszenzen haben. Bißl Verlust ist immer.

  • Trips :
    Zugegeben ist das eine Wette, bei der ich eher einen kleineren Betrag setzen würde.:)
    Seit den Siebzigern ist in der Breite nicht wirklcih viel passiert, es gibt aber noch zig Gebäude auch in meiner direkten Umgebung, die ich mit nichts vergleichen kann, das ich kenne.
    Außerdem stammt der KP ja aus den Siebzigern, und ist daher der Theorie nach immer noch weit vom Historismus weg.
    Und dann ist da noch die Frage, wie stark man die einzelnen Architektur-Epochen aufgleidert. Rokoko kann man wenn man will auch noch zum Barock zählen z.B..


    LeFay :
    Genau das Gegenteil behaupte ich. Jeden Abriss muss man rechtfertigen. Es sit dich zig mal besser, die positiven Seiten eines Baus zu sehen, und zu betonen, als seine Schwächen übermäßig betonen. Ich bin dafür, dass man besonders in Deutschland von der ewigen alles ist schlecht Meinung ein wenig Abstand nimmt, und eher mal die positiven Seiten sieht. Die Annahme, so wie es jetzt ist, ist es ganz gut, ist meiner Meinung nach besser, als pausenlos die Qualität von Gebäuden zu hinterfragen.
    Vor allem gefällt mir der Umgang mit alter Bausubstanz in D. nicht. Man sollte immer alles versuchen, um eine Gebäude zu erhalten, bevor man es abreißt. Wenn man alle 30Jahre neu baut, dann bekommt man nie die über Jahrzehnte gewachsenen Städte, die man will, und wird sich immer nach Altstadt sehnen, weil man da genau das gemacht hat, was ich beschreibe.


    Das Ästhetik-Argument zählt nicht, es besteht die Gefahr, daß die Ästhetik irgendwann als angenehm empfunden wird.


    Hab ich nicht verstanden.
    Aesthetik ist immer ein ganz heikles Thema, weil jeder ja was anderes mag. Proportionalität und ähliches kann man schon eher bewerten.
    Es steht dir aber frei, das Gebäude sachlich nach seinen aestehtischen Merkmalen zu bewerten und uns daran Teil haben zu lassen.

  • Dvorak : Damit meine ich, daß ich hier die Ästhetik nicht als Abrissgrund sehe, weil es vielleicht in Zukunft keiner mehr sein könnte, aufgrund der gewandelten Ästhetik. Ich wollte dieses Thema ganz außen vor lassen.


    Tja, du kannst das Gegenteil behaupten, aber das ist völlig unpragmatisch. Damit müssen wir leben. Ich habe einen Hals bekommen, als man in Ludwigshafen, einer wirklich verschandelten Stadt, die zu 95% aus Nachkriegsbausubstanz besteht, das älteste Fachwerkhaus abgerissen wurde, anstelle es zu schützen. Ich bekomme Schocks, wenn man in Leipzig Gründerzeitler abreißt.


    Aber was ich viel weniger verstehe ist, daß man gerade bei den 60igern so schnell (zumindest in Ludwigshafen) an der Hand war, sie unter Denkmalschutz zu stellen, aber Bauhausbauten (z.B. unser Gymnasium, das fast dasselbe Treppenhaus wie in Dessau hat) und Historismus (haben wir in der ganzen Stadt zwei Bauten von) eben nicht.


    Solange eben diese Politik weiterverfolgt wird, bin ich der Auffassung, muß sich jedes Gebäude rechtfertigen. Sonst besteht die Gefahr, daß ein Architekturstil überhand nimmt, besonders wenn schon die meisten Gebäude dieses Stils bestehen. Immerhin sollten Neubauten auf Kosten häufiger Bauten, nicht auf Kosten seltener Baustile gehen.


    Ich fände es auch besser, wenn man jedes Gebäude achtet. Wird aber nicht gemacht und solange ist das Gedankenspiel idealistisch, aber nutzlos.


    Solang man einen überdurchschnittlich vertretenen Stil abreißt, ist die Gefahr für die Nachwelt geringer, daß ihr etwas verloren geht. Das ist pragmatisch. Damit wertet man alle gleich, egal, wann sie wieder als schön empfunden werden.


    Und teilweise müssen sich die Gebäude doch rechtfertigen. Das Nationaltheater Mannheim (Mies van der Rohe hat hier den Wettbewerb verloren, gegen einen, der sein Gebäude genommen hat und einfach auf den Kopf stellte) hat teilweise Gänge, die viel zu schmal sind, da kann man nichts ändern, weil Glasaußenwand und tragende Wand nicht mehr änderbar sind. Man muß sich zum Klo vorbeizwängen. Die Energieverschwendung ist immens. Wenn jetzt die Sanierung teurer ist als ein Neubau, muß man den Neubau in Betracht ziehen. Schon aus ökologischen Gründen. Die Stadt hat ein Recht auf ein nutzbares Gebäude.

  • LeFay :
    Stimmt, es wird nicht gemacht. Es gibt auch keinen sinnvollen Umgang mit älterer Bausubstanz. Das würden hier wohl alle kritisieren. Das ist aber nicht die Frage. Willst du in diesem Fall, also beim KP, wieder gleiches fordern, nur weil es Gang un Gebe ist? Wir können hier ganz frei diskutieren, ohne das wir darüber nachdenken müssen, ob der Denkmalschutz das irgendwie anders sieht. Hier sollte unsere eigenen logischen Überlegungen zählen, und nicht die heutige, wie festgestellt, sekundär-gute Einstellung mancher Planer gegenüber dem Bestehenden.
    Es kann auch nicht die Frage sein, wie oft es etwas gibt, sondern wie gelungen das einzelne Objekt ist. Wenn man sich entscheiden müsste, dann würde man sich natürlich für das seltenere entscheiden, das muss man hier aber auch nicht. Und den KP der auch nicht so unbesonders ist, und in Dresden etwas absolut Spezielles gegen neo-dingsbums zu ersetzen, der weder selten ist, noch wirkliche Architektur dartstellt, wäre ein Hussarenstück sondergleichen. Was historisierende Architektu angeht, kann man die imer machen, mit immer dem gleichen Wert, der KP ist aber wirklich in der Zeit entsanden, in die man ihn einordnet.


    Was Aesthetik angeht hast du ganz klar recht. Deshalb störe ich mich auch immer an gefällt mir - geällt mir nicht Diskussionen und an extrem subjektiven Argumenten wie: "Das ist gemütlicher". Ich bin ganz froh, dass du das so siehst.

  • Und ich würde den Kulturpalast nicht auf durch was neohistorisierendes ersetzen, sondern halt durch etwas dem Platz entsprechendes, modernes ;)


    Das halt die aktuellen Funktionen erfüllt und auch ökologisch besser dasteht...

  • Da kommen wir uns doch schon ziemlich nahe.:D


    Was die Ökologie anbelangt, gibt es einen ganzen Rattenschwanz an Maßnamen, um den KP aufzuwerten.
    _Ersatz des braunen Glases durch Dreischeiben Isolierverglasung
    _Einbau eines außen-liegenden Sonnenschutzsystems (nicht sichtbar)
    _Einbau einer Lüftungsanlage mit Wärmetauscher
    _Begrünung des Daches
    _bessere Isolierung wo es geht


    Um ihn besser zu nutzen gibt es auch einiges:
    _oben wird die KP-Lounge aufgebaut (der braune Kasten verwindet dann vielleicht)
    _ein Schibewandsystem ermöglicht die Aufteilung der Räume in kleinere Parzellen für Ausstellungen oder Tagungen
    _die Akustik wird durch die entsprechenden Maßnahmen verbessert



    Ich kann mir das gut vorstellen, dass in den kleinen Räumen die durch das Wandsystem entstehen eine Kunstausstellung statt findet, die ich vor meinem Theaterbesuch ansehen kann. Danach geht es dann hoch in die KP-Lounge, wo dann bei Getränken und guter Musik auf der begrünten Dachterrasse der Abend seinen Ausklang findet.
    Ich persönlich mache gerne Reisen, bei denen ich mir nicht nur die Stadt als solche ansehe, sondern liebe es in die heimischen Theater und Museen zu gehen. Da Dresden das Gewandthaus ja schon nicht haben will, sollte man sich überlegen, wo man zeitgemäß auch moderne Kunst zeigen kann. Und das möglichst nicht irgendwo peripher, sondern im Herzen der Stadt.


    Ist der KP eigentliche in reiner Stahl-Skellett-Bau, wie es den Anschein hat?

  • WaW,


    bei all dem, was hier inzwischen geschrieben wurde, weiß ich schon gar nicht mehr, worauf ich eingehen soll. Aber da Du offenbar dringend auf eine Antwort von mir angewiesen bist, mache ich's mal kurz:



    Zumindest mir geht es überhaupt nicht um die konkrete Architektur des Hauses. Und über dessen städebauliche Komponente reden wir hier auch nicht wirklich, denke ich. Das ist ein Scheingefecht. Die Kopie einer Mailänder Passage hätte schließlich eine ähnliche Wirkung und Funktion (besonders, wenn sie für 27 Millionen zu haben sein soll). Ich denke sogar, die architektonische Qualität des Kulturpalastes ist relativ bescheiden (analog zu der mancher historisierender Bauten der Nachbarschaft). Augenscheinlich wird das vor allem an seiner Rückseite. Andererseits enthält er aber auch Details, die wertvoll sind und nicht durch das tausendste Barock-Imitat ersetzt gehören. Dazu zählt z. B. der Frieß.


    Ich verwahre mich aber deutlich gegen die Intention, mit der sein Abriss begründet wird! Es geht nicht an, dass ein Bau, der in allen Aspekten das Resultat und damit Zeugnis der gesellschaftlichen Verhältnisse zur Entstehungszeit ist - was genau so für seine historischen Nachbarn zutrifft(!) - aus Gründen abgetragen wird, die genau so niveaulos sind, wie einen Mitschüler wegen unangepasster Frisur oder fehlenden Markenklamotten zu vermöbeln.


    Da die Architektur immer der Spiegel der Zeit ist, kann man auch kaum die nackten Zahlen zur Halbwertzeit von Stilepochen miteinander vergleichen. Politisch und technologisch hat sich allein im letzten Jahrhundert das Baugeschehen beeinflussend mehr geändert. als in den fünf Jahunderten davor zusammen. In einer schnelllebigeren Zeit und bei einer liberaleren Gesellschaft bleibt es nicht aus, dass Dinge sich häufiger überkommen oder dass Protestbewegungen entstehen, die früher so nie möglich gewesen wären. Daraus lässt sich aber eben noch kein Wahrheitsanspruch ableiten.


    Ich kriege Pickel, wenn ich in diesem Forum immerzu von der völligen Verdrehung der Kausalitäten lesen muss. Fakt ist, zuerst gab es ein barockes Dresden. Danach gab es ein abscheuliches Bombardement. Anschließend wurde versucht, mit den zur Verfügung stehenden Mitteln und einer Sprache, die notwendigerweise den Aufbruch in eine bessere Zeit symbolisieren sollte, den Bürgern einen städtischen Raum mit den dringend benötigten Funktionen zu schaffen. Nach dem Altmarkt stellte man fest, dass das so nicht weitergeht, man die Mittel nicht sinnlos für ein paar repräsentative Luftschlösser zum Fenster rauswerfen kann , während ein paar Meter weiter die Armut grassiert. Dabei fiel auch das Schneidersche Hochhaus hintenüber (und später das der Moderne verpflichtete Hochhaus "Hotel Stadt Dresden"). Ein paar Basisfunktionen, die möglichst in den zentralen Bereich gehörten, waren jedoch noch nicht angemessen untergekommen. Also hat man mit den Mitteln der Zeit den Kulturpalast errichtet. Simultan wurde mit dem Wiederaufbau der Schlossruine begonnen (die damals keine wirkliche Funktion für die Dresdner hatte). Als symbolischer Akt wurde ein Vierteljahrhundert später die Frauenkirche wiederaufgebaut. Um sie herum entstand seit Ende der achtziger Jahre ein eher kleinteiliges, ebenso den aktuellen Bedürfnissen angepasstes Quartier, das quasi die letzten Zuckungen der DDR-Architektur in Dresden darstellt. Da lag es selbstverständlich nahe, eine Neumarktbebauung zu entwickeln, die allen umliegenden Entwicklungen gerecht wird. Zu verdanken haben wir die Umsetzung ein paar finanzkräftigen Investoren, zahlungskräftigen Dresden-Besuchern und vor allem einer "mündigen" Gesellschaft, der es offenbar stets leichter fällt, aus vorgegebenen Antworten die vermeintlich Richtige zu finden, statt mit eigenen Fragestellungen selbst Neue zu liefern. Dabei hätte der "mündige Bürger" in seinem Wahn, zwischen Romanik, Gotik und Renaissance entscheiden zu wollen, vermutlich bereits den Barock im Keim erstickt.


    Ist das der richtige historische Ablauf, oder etwa nicht? Wie kann man also behaupten, der Kulturpalast füge sich nicht in seine Umgebung ein? Ist es nicht vielmehr umgekehrt? Schon das Polizeipräsidium musste daran glauben. Welcher Umgebung stand das eigentlich im Weg? Hältst Du es für legitim, aus subjektiven ästhetischen Empfindungen heraus objektiv vorhandene Passagen der jüngeren Geschichte auszumerzen?


    Ich bin dafür, den Kulturpalast bei sich bietender Gelegenheit abzutragen, d. h., wenn seine Funktion obsolet geworden sein sollte oder wenn die Gesellschaft von innen heraus(!) dazu in der Lage ist, eine passenden Ersatz zu finden. In solche einem Fall könnte ich mir sogar den Abriss der heutigen Frauenkirche vorstellen, z. B., sofern sie als Touristenmagnet ausgedient hat, ihre Gemeinde nicht mehr existent ist, oder sie stark baufällig wird und ihr Unterhalt extrem unwirtschaftlich ist. Das wäre der "natürliche" Lauf der Dinge, wie er seit Jahrtausenden praktiziert wurde. Das Neue durch das Alte ersetzen zu wollen - und dabei mittlerweile sogar den Minimalkonsens zu verlassen, nämlich nur Zerstörtes originalgetreu wiederzuerrichten - halte ich für falsch.


    Wenn die Gesellschaft nach dem spezifischen Vokabular des Barock verlangt, dann wäre das seinerseits das Neue und hätte das Recht, das Überkommene sukzessive zu ersetzen. Aber so wie ich das sehe, stellt der Barock nur das Steckenpferd dar, um gegen das vermeintlich Neue zu Felde ziehen zu können! Es geht überhaupt nicht um Dresdens Ensemble, denn dann stünden, wie weiter oben schon erwähnt, auch der Altmarkt, die Wilsddruffer Straße, das postmoderne Areal hinter den Terrassen und eigentlich 98 Prozent des Dresdener Baubestandes zur Disposition. Es geht einzig um die Frage, welches Versprechen bietet welches Vokabular und wie wird es eingelöst. Und genau diese Frage ist dem stetigen Wandel unterworfen! Wenn heute wieder vermehrt zur weißen Moderne geschielt wird, begründet sich das in ihrem Bedeutungswandel, der rückwirkend betrachtet jeder Epoche zu Eigen wird.


    Ich habe nur den Eindruck, in einer Zeit der Verunsicherungen, der auf Grund kürzerer Zyklen stärker kumulierten, uneingelösten Verheißungen und nicht zuletzt wegen eines absurden Demokratieverständnisses, das jedem Drei-Mann-Orchester seine ureigene "Wir-sind-das-Volk"-Attitüde zugesteht, sind wir garnicht mehr in der Verfassung, Geschichte von Bauwerken sich entwickeln zu lassen.


    Statt dessen behaupten wir stumpf, braunes Glas sei hässlicher als Klares (was im Übrigen nur selten "transluzent" ist, Dvorak, wenn es nicht gerade satiniert ist oder mit Folie beklebt wurde ;)), rechte Winkel langweiliger als geschwungene Linien und schlanke Stützen weniger elegant als fette Säulenimitate mit irgendeiner antiken Ordnung. Auf diese unterirdische Diskussion wollte ich mich eigentlich nicht einlassen, WombatausWolle. Wenn Du daraus schlussfolgerst, ich hätte deine Beiträge nicht gelesen - deren Kernargument schließlich immer wieder in der wohl mangelhaften Ästhetik des Kulturpalastes begründet lag - dann irrst Du!


    Und um Dir aufzuzeigen, wie einfältig die eindimensionale Verknüpfung von handwerklichem Ornament, ästhetischem Empfinden und der Forderung nach breiter Umsetzung im Namen des Volkes ist, habe ich den Rüschenblusen-Beitrag eingesetzt. Du hast ihn als verkrampft humorig verunglimpft. Eins zu eins, was das Lesen anderer Leute Texte angeht. Zwei zu eins für mich, würde ich sagen, wenn man bedenkt, dass ich trotz Deiner Ausfälle, wie dem völlig deplazierten Stasi-Vorwurf oder dem Hinterwäldler-Etikett, überhaupt noch auf Deine Beiträge eingehe.


    ______




    Das Hauptproblem unserer Zeit und seiner Architektur - gerade auch der Dresdens - sehe ich darin, dass sich die verschiedensten Epochen, die nach meiner Ansicht zur Zeit der Enstehung oft als Antithese zum Vorhergehenden gedacht waren (ich weiß, Dvorak, Du siehst das anders), heute auf engstem Raum zusammenfinden. Das liegt zum einen an Zäsuren (wie eben dem Bombardement), zum anderen auch an den kurzeren Zyklen ihrer Enstehung und ihrer demgegenüber verlängerten Standzeit. Allesamt technologische und gesellschaftspolitische Konsequenzen.


    Leider ist es nur selten so, dass aus den Beziehungen der Bauwerke einzelner Epochen untereinander kontrastreiche, spannungsvolle Wechselwirkungen entstehen. Dort, wo das Alte durch das Neue ersetzt wird, gelingt das mittlerweile m. E. recht gut. Im umgekehrten Fall stellt jedoch die Wiedererrichtung bzw. Simulation des Alten häufig nur einen Affront dar. Oder bildlicher: wenn gerade unifarbene Hemden und karrierte Hosen angesagt sind fällt es schwer, auf den Trend der gestreiften Shirts umzusteigen, ohne dabei mit seiner alten Hose ziemlich bescheiden zu wirken. In der Architektur ist das "Hosenwechseln" aber nicht so einfach möglich, also sollte man sich seine Hemdenwahl etwas genauer überlegen. WombatausWolle, das war widerum nicht als krampfhaft humorig zu verstehen.


    Alles, was Du hier nicht finden konntest, steht entweder in den Beiträgen anderer oder in meinen früheren.

  • Genau: Klares Glas ist transparent, nicht transluzent *lach*.


    Beim Polizeipräsidium versteh ich es auch nicht, warum es abgerissen wurde, das fand ich gar nicht so schlecht. Das Fries des Kulturpalastes kann man ja auch im Museum ausstellen. Hat man mit der Innenbemalung (Blattgold) des Speyerer Doms auch gemacht. Man fand sie in den 60igern zu protzig, also hat man sie abgekratzt, auf Tücher geklebt und ausgestellt.

  • Bin wieder in Hamburg und um rund 500 Bilder der sächischen Landeshauptstadt und Weltkulturerbestätte reicher. Hatte übrigens selbst heute in Meißen noch gutes Wetter.
    Die ersten Updates nun:
    Die letzten beiden Vollgeschosse am Quartier 3 wurden vollendet.

    Das Mansarddach entsteht auch hier aus Beton.

    Die letzten beiden Gebäude "An der Frauenkirche"

    Gesamtansicht



    Rekonstruktion an der Frauenkirche 16 und 17 von oben.



    Kellerarbeiten an der Heinrich Schütz Residenz. Es ensteht sowohl das Heinrich-Schütz-Haus sowie das Köhler'sche Haus, zur Weißen Gasse hin entsteht außerdem ein angepasster Neubau mit 2 Staffelgeschossen. Mitte: Reste des ehemaligen Gewandhauses.


    Das Gebäude an der Altmarktgallerie ggü. des Haus des Buches bekommt einen neuen Fassadenanstrich. Hier die Proben:



    Wiederauflebende Urbanität.

    Als ich dieses Foto machte, lief doch tatsächlich eine Sächsin (unüberhörbar) an mir vorbei und schimpfte über den Kommerz der hier wieder zuschlage. Sie hätte gleich gewusst, dass die Kapitalisten die schöne Frauenkirche zubauen und soll das Unwissen der Dame über ihre Stadt aber nicht stören.
    Beim Lauschen der Neumarktgespräche habe ich leider noch anderes wirres und/oder unwahres über das Baugeschehen am Neumarkt hören müssen. Traurig, wenn selbst ich als Hamburger mich besser mit den Planungen am Neumarkt auskenne als ein Großteil der Dresdner.


    Rekonstruktion des Kurländer Palais


    Sanierung des Wohnkomplexes an der Prager Straße (ein neuer Thread lohnt hier natürlich nicht)

    Das Q3 von oben


    Oh Schreck:


    Sanierung des Schauspielhauses

    Detail


    Impressionen:

    Coselpalais

    Neumarkt mit Frauenkirche




    Quartier an der Frauenkirche von Prisco. Wenigstens die Schaufassaden zum Neumarkt hin wurden rekonstruiert ansonsten ist alles modern.


    Blick auf die Salomonisapotheke (Salomon trohnt als Replik im ersten OG) , hier wurde das Mineralwasser erfunden, seit 2005 steht das Gebäude wieder an alter Stelle am Beginn der Landhausstraße.


    Richtung Residenzschloss

    Dachlandschaft des Q. 2 -> vorbildlich

  • danke für die Bilder, sehr schön zu sehen, wie hier eine städtebauliche Wunde zuwächst


    Rein interessehalber: Was sind denn so die am meisten geäusserten Fehlmeinungen über den Neumarkt?

  • Wilde Spekulationen über das neue Gewandhaus. Einer meinte z.B. das Renaissancegebäude würde rekonstruiert. Auf der Frauenkirche erklärte dann eine alte Dresdnerin ihrem Enkelkind, was man unten sehen konnte. Zeigte unter anderem auf die Salomonisapotheke und meinte, die DDR hätte das Gebäude bereits rekonstruiert.

  • Oh man, ist mir ja echt peinlich, dass es Dresdner gibt, die so wenig wissen oder desinformiert sind.
    Bezüglich des Gewandshauses, es wird demnächst (genaue Daten wurden nicht gesagt) ein Modell in der Form des Gewandhaus auf den Neumarkt gestellt. Damit wir Dresdner uns ein Bild machen können, wie das in der Umgebung wirkt um dann dafür oder dagegen abzustimmen. Es wird derzeit darüber debatiert, ob wir Dresdner per Bürgerentscheid entscheiden dürfen wie das ganze ausgeht.


    Virtuelles Stadtmodell Neumarkt: http://www.digitalelectronic.d…kte/vrneumarkt/index.html


    Realisierungswettbewerb Gewandhaus: http://dresden.de/de/08/01/02/01/c_003.php

  • ich muss jedes mal k+tzen, wenn ich das gewandhausmodell seh und freu mich widerum, was in den letzten 13 Jahren am neumarkt entstanden ist...


    ich kenn das nachwende-dresden noch aus kindheitserinnerungen..die ja bekannterweise stark ausgeprägt sind..:)