Beiträge von erbsenzaehler

    Einfach nur grandiose Aufnahmen! Mir gefällt, dass du uns hier auch mal einen richtigen Rundumblick über München ermöglichst, und nicht nur die Touri-Massenware angeschnitten wird.
    Schon beeindruckend, wie viel Substanz München trotz unnachahmlicher wirtschaftlicher Aufholjagd im Nachkriegsdeutschland noch besitzt. Wenn auch die architektonische Qualität in diesen eher peripheren Lagen nicht Schritt halten kann mit den wahren Gründerzeitperlen im Osten - Leipzig, Görlitz, Potsdam, Dresden und Co...


    Weiter so!


    Aber bitte ein paar weniger Bilder pro Beitrag, ist verträglicher für die Ladekapazität ;)

    Der Entwurf ist ein Desaster. Und das in Wurfweite von Museumsinsel, Reichstag, Hauptbahnhof usw.


    An der Stelle habe ich gegen einen etwas monumentaleren Bau eigentlich nichts einzuwenden, aber bitte nicht einen Block aus Glas-Legosteinchen.



    Die ursprünglichen Entwürfe waren weit vielversprechender (und Berlin-spezifischer):


    http://img80.imageshack.us/img…ekte7neugrzirkusblxo4.jpg
    Quelle: BZ


    http://img80.imageshack.us/img…ekte7neuklzirkusblaq2.jpg
    Quelle: BZ



    Die letzte Version vor der Umgestaltung sagte mir persönlich auch sehr zu:
    http://i36.tinypic.com/2v8pfzd.jpg
    Quelle: welt.de

    Platz- und Straßennamen sind urteutsch mit Bindestrichen auszuführen.
    Schweinerei ist das! :rcain:



    Ansonsten toll zu sehen, wie fix es bei Unilever voran geht. Könnte zusammen mit dem Turm mein Lieblingsprojekt am Überseequartier werden.
    Schade allerdings, dass viele der 'Füllbauten' doch ziemlich arg uninspiriert und beliebig wirken. Hier wäre mehr Besinnung auf Hamburger Bautradition sehr zuträglich gewesen (und damit meine ich nicht/nur Backsteinfassaden)...

    Er hatte wohl eher eine klassischere Bauweise im Sinn.


    Moderne Sakralbauten scheitern einfach schon an den Erwartungen der Menschen. Der Mensch erwartet einen klassischen Bau für seinen Gottesdienst. Wird diese Erwartung nicht erfüllt, ist er unzufrieden/enttäuscht. Jedenfalls schon desöfteren so beobachtet (gibt einige Kirchneubauten in meiner Umgebung).

    Sodann, kommen wir nun also zum Palais auf dem Marktplatz. Da ich heute zugegebenermaßen etwas schreibfaul bin, verweise ich bezüglich der Historie des Baus auf diese Seite.


    Ich werde nur kurz die wichtigsten Eckdaten nennen: Es wurde anno 1770 von Herzog Adolf Friedrich IV. von Mecklenburg-Strelitz als fürstliche Sommerresidenz in NB geplant. Fünf Jahre dauerten die Bauarbeiten an, das Palais wurde 1775 fertig gestellt. Fortan hat der Fürst mit seiner Familie hier seine Sommerfrische verbracht.
    Ab 1920 beherbergte das Gebäude dann die bedeutende Städtische Kunstsammlung von Neubrandenburg (welche 600 Gemälde, über 3000 Grafiken, Porzellan, Bronzen, kunsthandwerkliche Erzeugnisse sowie eine prachtvolle Bibliothek umfasste) und seit 1924 die Reutersammlung - die Stadt war wie besessen von ihrem großen Dichter Fritz Reuter.


    Den Rest kann man sich wohl (leider) denken - das Palais brannte während der letzten Kriegstage 1945 bis auf die Grundmauern nieder und wurde in den 50ern abgetragen. Die Städtische Kunstsammlung (welche vorher ausgelagert wurde) ist bis zum heutigen Tage verschollen, man vermutet, dass sie sich in russischem Privatbesitz befindet...



    Nun aber zu den Bildern. Die folgenden stammen wieder aus meinem Büchlein "Neubrandenburg in alten Ansichten":




    > Anklicken für volle Auflösung:



    Und noch mal ein Bild von ZENO.org mit dem Rathaus auf dem Marktplatz im Vordergrund, damit hier noch mal etwas Farbe reinkommt (anklicken, um es in hoher Auflösung anzuzeigen):




    Und nun bewegen wir uns schon mal auf die Palaisstraße zu, um das Palais im städtebaulichen Kontext zu betrachten. Ich komme aber später noch mal auf den Marktplatz selbst zurück.
    Die Palaisstraße war von prächtigen Bauten der Gründerzeit geprägt und war eine der 2 Hauptverkehrsadern in der Innenstadt (neben der Treptower Straße und der Turmstraße - siehe hier), sie bildete die Nord-Süd-Magistrale und war die Verlängerung der Eisenbahnstraße (welche vom Bahnhof aus in die Altstadt mündete).


    Links die Gründerzeitbauten, in der Bildmitte die Marienkirche, rechts das herzogliche Palais. Am Ende der Straße befindet sich (glücklicherweise auch heute noch) das prachtvolle backsteingotische Stargarder Tor.




    > Anklicken für volle Auflösung:



    Anschließend bewegen wir uns etwas weiter vom Palais weg, in Richtung Bahnhof. Hier sehen wir links ganz im Vordergrund einen Teil der Kaiserlichen Post (Reichspostgebäude), welche 1885 eingeweiht wurde. Hier mündet die Palaisstraße dann in die Eisenbahnstraße - auch dies ein Bereich, der überwiegend von Gründerzeitbauten geprägt ist. Sie wurden nach der Errichtung des Bahnhofes gebaut, um mehr Bewohner und Gewerbe in der Stadt aufnehmen zu können, da sie zunehmend beliebter wurde (vorallem in der Tourismusbranche). Die Neubauten ersetzten meist eher schlichte Fachwerkbauten sowie einige kleine barocke Bürgerbauten.


    Dies ist wiederum eine Aufnahme von zeno.org (anklicken, um das Bild in der Vollansicht anzuzeigen):




    Ik greut Di un segg! (Plattdeutsch für "Ringehaun" ;))

    Hi, meine Frau stammt aus der Gegend. Bin gerne in Neubrandenburg.
    Warum bin ich immer der einzige Besucher in der Kunstsammlung?


    Achso. Na, hätte mich auch gewundert, wenn jemand höchstselbst aus eigenem Antrieb die Stadt besuchen kommt ;) (Nun, gelegentlich werden auch mal Reisebusladungen, die gen Baltische See ziehen, vor unserer Konzertkirche ausgespuckt...)


    Bzgl. Kunstsammlung: Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich dort bislang nur 2 Ausstellungen besichtigt habe. Jene waren aber jeweils ausgesprochen gut besucht; wohl auch, weil man überregional damit geworben hat. Ich glaube aber, dass es generell schon ein Frequenzproblem für die Sammlung gibt. Ist eben auch nicht so zentral gelegen wie der geistige Vorgängerbau (das herzogliche Palais am Marktplatz - dazu im Folgenden noch mehr).


    an die NBurger: hat sich die Situation im Turm-Cafe/Bar mittlerweile geklärt? Der Betreiber wollte/musste doch aufhören?


    "Die"? Ich glaube mehr als mich wirst du in den Weiten des DAF-Internetz nicht ausfindig machen können ;)
    Koni (den Betreiber) kenne ich persönlich; er wird mit seiner Bar umziehen müssen, allein der unerschwinglichen (zukünftigen) Mieten wegen. Zunächst hieß es, dass er bis zum Sommer diesen Jahres zunächst ausziehen müsse, da erste Innenausbauarbeiten im HKB stattfinden sollten.
    Nun ist das Ultimatum zunächst auf den November '08 verschoben. Viele Bürger (mich eingeschlossen) machen sich für den Erhalt der einzigarten Panorama-DDR-Museumsbar stark. Die Stadt ist zwar zu Gesprächen bereit, die städtische Wohnungsgesellschaft (die den Umbau vornehmen wird) scheint jedoch auf einer erheblichen Mieterhöhung in Verbindung mit der Sanierung zu bestehen.


    Am liebsten wäre mir, man würde den Kulturmittelfinger erst gar nicht sanieren. Irgendwann ist er so baufällig, dass nur noch der Abriss bleibt. Dann gäbe es zwar auch keinen Koni mehr auf diesem Turm - aber besser als keinen Koni und einen sanierten Turm, der uns dann weitere 40 Lenze erhalten bleibt... (Gott bewahre!)

    'Mal' ist gut. Ich lese kaum was anderes von ihm.


    Bei Gelegenheit werde ich da ggf. noch einiges auseinander klabüstern.


    Es war auch nicht als Antwort auf seine scharfsinnige Zeitgeist-Analyse zu sehen, sondern als Echo zum vorangegangenen Beitrag und seinem (in meinen Augen) allgemein bevormundenden Unterton.


    Natürlich gebe ich dir recht, dass er teils ausführlich zu argumentieren weiß.
    Dies kann er aber sicher auch ohne die genannten Attitüden bewältigen.

    In dem Zusammenhang vielleicht mal ein Hinweis auf Qianmen Dajie in Peking: Dort wird ein ganzes Quartier rekonstruiert bzw. mit historisierenden Neubauten versehen, inklusive der Wiederaufnahme des Straßenbahnbetriebes.
    Ziel ist es, die Erscheinung der 1920er Jahre in diesem Gebiet wiederherzustellen.
    Natürlich alles sehr touristisch, nichstdestotrotz gerade für China sehr löblich.
    So ein Projekt könnten wirklich die meisten deutschen Großstädte mal gebrauchen...



    Zu den Bildern: Tolle Aufnahmen, sehr authentisch. Ich war leider bislang nur am Flughafen von Shanghai. Beim nächsten Mal nehm ich mir definitiv mal Zeit für die Altstadt :)

    Na dann misch ich mich als Ossi mit verwandschaftlicher Nähe zu Nürnberg mal unters Volk hier ;)


    Meine Gedanken zu Nürnbergs Entwicklung: Die Stadt ist bekannt für ihren Christkindlmarkt, die Burg und ein partiell vorhandenes mittelalterliches Stadtgerüst. Das war es dann aber im Großen & Ganzen auch schon.


    Warum also sollte man das vorhandene Potential nicht in die richtige Richtung ausbauen?
    Das heißt für mich vorallem: Die Verbesserung des Stadtbildes zugunsten der historischen Bausubstanz vorantreiben!


    Möglichkeiten dazu:


    • Strenge Gestaltungssatzung für Neubauten im Stadtkern: Einschließlich Ziegeldächer mit Gauben/Türmen und einer Neigung von min. 40°; Sprossenfenster (möglichst Holz/-optik); gegliederte Fassaden aus Naturstein, Fachwerk oder Putz (keine Stahl/Glaselemente); ein Glasanteil an den Fassaden von max. 40%; Holztüren; an den Vorgängerbauten orientierte Gebäudebreite- und höhe; Traufhöhen; bauliche Orientierung an den umgebenden bzw. historischen Strukturen usw.
    • Wiederherstellung des historischen Straßennetzes/Stadtgrundrisses, soweit wie möglich
    • Rekonstruktion stadtbildprägender Schlüsselbauten - hier sollte vorallem der Fokus auf den Bereich des Marktes gelegt werden, ebenso rund um die Kirchen und die Burg
    • Wiederherstellung des Vorkriegszustandes bei wichtigen/stadtbildprägenden Bauten - allen voran die Fassade und der Innenhof des Pellerhaus
    • Beseitigung der billigen Baumarktfenster bei einem Gros der Bauten - Ersatz durch hochwertige Sprossenfenster
    • Verwendung der zahlreichen noch in diversen Lapidarien/Archiven/Magazinen vorhandenen Spolien zur Anbringung an schlichten, schmucklosen Fassaden - dass dies oft eine gelungene Aufwertung ist kann man u.a. bei den vielen angebrachten Marienstatuen und (Holz-)Erkern beobachten
    • Das Sahnehäubchen: Komplettrekonstruktion Hauptmarkt - dafür ist gar kein Komplettabriss der bestehenden Bauten erforderlich, oft reichte eine Aufbringung der Fassaden auf die Bestandsbauten bzw. einige Teilabrisse. Die Basis ist gut, darauf kann man aufbauen.



    Ich habe so ein wenig das Gefühl, Nürnberg befände sich im Dornröschenschlaf. Bis auf gelegentliche Anrufe von der Verwandschaft kriege ich von der Stadt rein gar nichts zu hören (Flocke klammere ich da mal aus...).


    Es wird Zeit aufzuwachen, werte Franken! :)



    (Das soll kein Vorwurf sein, ich mag euer Völkchen und die Stadt sehr gern, aber langsam muss sich wirklich mal was tun!)