Leipzig: Gentrifizierung (ehem. "Windmühle vs. Abschwiff")

  • Nur fehlen in der Rechnung sämtliche anderen Lebenshaltungskosten wie Essen, Kleidung, Mobilitätskosten (Treibstoff für den PKW, ÖPNV, Eisenbahn) und was man sonst noch so zum Leben braucht wie Elektrogeräte, gelegentlich mal eine Urlaubsreise .... . Die sind eher gleich als das sie sich auch um den Faktor 2 oder mehr unterscheiden würden.


    Leipzig:
    Angebots-Warmmiete: 5,70 kalt + 2,15 NK/HK = 7,85 Euro/m²
    Durchschnittliche Wohnungsgröße: 67 m²
    Durchschnittliche Warmmiete: ca. 525 Euro
    Wohnkostenbelastungsquote: 34 % des Haushaltsnettoeinkommens


    München:
    Zahlen von 2011: In München liegt das Haushaltsnettoeinkommen im Schnitt bei 3.858 Euro. Die gesamten Wohnkosten betragen 914 Euro. = 23,7 % des Haushaltsnettoeinkommens
    Dies war gerechnet mit einer Wohnungsgröße von 70 m², d.h. 13,06 Euro/m² (10,70 Euro kalt + 2,36 HK/NK). Nehmen wir mal die Zahlen für die aktuellen Angebotskaltmieten in München aus dem verlinkten Immowelt-Artikel von 15,10 Euro + 2,36 HK/NK = 17,46 Euro/m². Dies mal 70 m² = 1222,20 Euro. Die Steigerung des durchschnittlichen Haushaltseinkommens von 2011 zu 2013/14 noch nicht einmal berücksichtigt:
    Wohnkostenbelastungsquote: 31,7 % des Haushaltsnettoeinkommens



    In vielen Branchen wird nach Tarifen bezahlt, die bundesweit einheitlich oder fast einheitlich sind.


    Und wovon träumst Du nachts?
    http://www.focus.de/finanzen/k…te-geld-5_id_3488269.html

  • ja, wir armen ossis.


    jetzt werden in leipzig schon porsche und bmw produziert, die sich viele gar nicht leisten können. sollte man da nicht gleich noch einen "sozialen autobau" fordern? nö: wer sich keinen neuwagen leisten kann, holt sich halt einen gebrauchten. (und der ist allemal besser als es ein neuer trabi je gewesen ist.)


    so ähnlich läuft es auch auf dem wohnungsmarkt. die ganzen leute, die in frisch gebaute/sanierte wohnungen ziehen, ziehen ja auch irgendwo aus. und gebrauchte wohnungen sind deutlich günstiger. ohne neubauten/sanierungen wäre deren angebot deutlich geringer - und die mieten höher.


    ansonsten kann ich martin pohle und bau-lcfr nur zustimmen:
    wenn die leute in der holbeinstraße nicht totale freaks sind, war ihnen doch schon beim einzug klar, dass das nicht ewig so weiter gehen konnte. mieten, die weder erhalt, geschweige denn sanierung des hauses ermöglichen, können doch auf dauer gar nicht funktionieren. (ein blick zurück in die ddr genügt.) jetzt auf überrascht und empört zu machen, wirkt eher wie das übliche pokern - um beim sanierer für sich noch etwas herauszuholen. von mir aus. aber das sind privatangelegenheiten.


    solange in leipzig die viertel mit den niedrigsten mieten die höchsten leerstände haben, lässt sich daraus jedenfalls wohl kaum darauf schließen, dass die mieten hier unerschwinglich wären. wohl eher, dass es einen bedarf nach mehr gehobenem wohnraum in guten lagen gibt. und das ist gut so, denn nur dadurch können unsanierte halbruinen saniert und brachen bebaut werden.


    allen, die das bejammern, kann ich nur ausflüge nach zeitz, weißenfels, altenburg etc. empfehlen. da stimmt vielleicht noch halbwegs das "arme ossi wir-gefühl". aber dafür zerfallen leider ganze altbauquartiere, weil sich sanierungen einfach nicht rechnen.

    ich finde, in einem architekturforum sollte eigentlich klar sein, welche entwicklung die bessere ist...

  • Mich würgt es im Halse wenn ich solche Beiträge wie von LE Mon. Hist und Altbaufan lese.


    Wenn jemand zu blöd, zu bequem oder zu faul ist, sich ein Einkommen zu erwirtschaften, das zum Erwerb von Eigentum oder zur Anmietung in A-Lagen ausreicht ist das ein individuelles Problem und nicht der Gesellschaft. Hört auf jedes Mal diese dämliche Statistikleier anzuschmeissen und stets dieselben langeweiligen Zahlen breitzuschmieren! Das in Leipzig weniger Durchschnittseinkommen erzielt wird ist allen bekannt und hundertmal geschrieben worden. Nach und? Es kümmert mich einen feuchten Dreck. Deswegen sind noch immer die gleichen Marktkräfte am Werk. Ich kann dieses rote Neid- und Benachteiligungsgeblubber nicht mehr hören. Dann geht doch hin und schmeißt den Leuten Geldbündel in die Briefkästen wenn ihr deren angebliche Armut nicht ertragen könnt! Am besten so dass wir endlich auf Augenhöhe mit München sind. Was für ein Mangel an Selbstbewußtsein daraus spricht ist schon beachtlich!


    Aber Guten Morgen: all diese Leute sind auch nur egoistisch agierende Konsumenten (von in diesem Falle Wohnraum), die sich möglichst billig eindecken wollen. Das geht nun eben nicht mehr, deswegen eben Umzug nach Plaußig, Anger-Crottendorf oder sonstwohin. Das interessiert niemanden. Aber bitte, nervt hier nicht herum mit dieser Benachteiligungsleier. Niemand ist hier benachteiligt, sondern vielleicht einfach nur zu naiv oder zu bequem, sich den Hintern aufzureißen für die Lebensqualität, die derjenige eben haben will aber nicht bereit zu bezahlen ist. Das ist eher ein Fall von arroganter Besitzstandsmentalität. Vielleicht sollte ich auch mal Opfer werden, denn wenn wir alle Opfer sind, gibts keine Täter mehr, nicht wahr?


    In Leipzig werden in den kommenden Jahren die Immobilienpreise und Grundmieten weiter massiv steigen. Zum Glück kann ich nur sagen, denn nur so bekommen wir einen funktionierenden Immobilienmarkt. Was ihr wollt, ist scheinbar eine Art subventionierter Volksfonds für Wohnraum aus dem sich jeder zu nicht kostendeckenden Preisen beliebig bedienen kann. Der bare Unsinn und vollkommener Schwachsinn. 90% der wohlfeilen Gutmenschenprojekte die dazu gestartet worden sind, werden in zehn Jahren verschwunden sein, weil sie einfach ökonomischer Blödsinn sind. Aber das ist Eure Privatsache.
    Ungemütlich wird es, wenn Ihr massiv versucht, diese halbsozialistischen Vorstellungen von unfreier Preisbildung auf dem Immobilienmarkt sowie massivem Eingriff in Markt- und Wettbewerbsfreiheit in die Öffentlichkeit zu tragen und noch als "sozial gerecht" zu maskieren. Aus den obigen neidschwangeren Beiträgen von LE Mon Hist und Altbaufan spricht der Hang zu Bürokratie, unsinniger Regulation und schlußendlich purer Repression. Aus Neid wird schnell Intoleranz, denn eigentlich geht es uns alle einen Dreck an, was Eigemtümer mit ihrem Immobilienbesitz veranstalten.

    Einmal editiert, zuletzt von Martin Pohle ()

  • Ich bezweifele stark, ob der Ausbruch Schubladendenken ist. Hier wird ein realistisches Bild der natürlichen Ungleichheit stets mit dem Verweis auf angeblich fest zementierte gesellschaftliche Verhältnisse beantwortet. Oben wenige Reiche, dagegen massenweises Elend. Das ist nicht nur unwahr, es ist auch ein paternalistisches Gesellschaftsverständnis. Als hätte der Staat oder gar die Öffentlichkeit die Aufgabe die Untigen nach oben und die Obigen nach unten zu befördern. Hat sie aber nicht. Eine Gesellschaft aus Individuen ist natürlich egoistisch und unsolidarisch. Diese Einsicht hilft gegen einen Gutteil der verbreiteten Wettbewerbs- und Geschäftsfeindlichkeit, die oft aus den obigen Beträgen spricht. Kein Wunder, dass es dann brachial zu geht. Würzt aber die hiesige Debatte so hübsch, mir gefällt das jedenfalls besser als Heiapopeia.

  • Unter 4,60 ist die "geringste" Kategorie (Durchschnittsvermietungspreis). Die Stadtteile, wo man unter 4,60 bezahlen muss, kann man an einer Hand abzählen. Zur Erinnerung: Der KdU-Satz liegt gar bei unter 4,50.

    ERROR: Leistungen nach SGB II sind *nicht* dafür vorgesehen, einen "durchschnittlichen" Wohnstandard zu finanzieren!


    Beitrag verschoben. C.

  • ^ Bei 7,50 bis 10 Euro kalt wird es selbst für einen Normalverdiener schwer, eine Wohnung zu mieten. Aber ich vergaß, hier geht es um Hartz-IV-Empfänger.


    Und um "badische Hipschter" mit Apple-Notebook, heute und in den kommenden Tagen mal wieder ausführlicher aus der Holbeinstraße 28a zum Beispiel. Die Situation wurde hier ja ausführlich vorgestellt. Die LVZ stellt nun alle Wohnungen in Wort und Bild vor, um zu zeigen, welches Paradies dort bald verloren geht.


    Nach Schleußig gekommen, um zu bleiben (Part I)


  • Demnach wohnt eine Frau mit ihrem Kater Schleicher auf 90 Qm, welche Fläche selbst in Saudi-Arabien weit über dem Schnitt pro EW liegen dürfte (ich begnüge mich mit der Hälfte für zwei Personen, wobei meine Frau größer als ein Standard-Kater ist). Man mag manchmal Glück haben, sowas für Lau zu ergattern - aus diesem Glücksfall kann man dennoch schwerlich Ansprüche für die Zukunft entfalten, besonders wenn sonst-wer für diese aufkommen sollte.


    Ich habe nichts dagegen, wenn jemand sich unternehmerisch austobt und beliebig große Wohnung von eigenem Geld finanziert - aber dieses öffentliche Rumjammern quer durch etliche Medien, vielleicht müsste man das Mehr-als-Doppelte der Durschnnittsfläche pro Bundesbürger aufgeben, nervt einfach.

  • Ja, Christine ist eine von zwölf Erwachsenen, die in dem Haus geblieben sind. Ob sie vorher vielleicht eine_n Mitbewohner_in hatte, die mittlerweile ausgezogen ist und den/die sich nicht "ersetzen" kann, verrät der Artikel nicht. Die andere porträtierte Bewohner_in Ariane lebt mit ihrem Mann und drei Kindern auf 128 m². Das ist in etwa die gleiche Pro-Kopf-Fläche wie bei Bau-Lcfr.


    Die durchschnittliche Wohnfläche pro Person liegt in Leipzig bei etwa 40 m² ( http://statistik.leipzig.de/%2…le.aspx?cat=6&rub=1&obj=0 ) und 45 m² in ganz Deutschland ( http://www.bib-demografie.de/S…_blob=publicationFile&v=3 ).


    Allerdings hat auch Christine einen gültigen Mietvertrag und mir war bislang nicht bewußt, dass eine zu große Wohnfläche ein Kündigungsgrund wäre bzw. eine Begründung dafür, dass ein solches Vorgehen, wie es die KSW an den Tag legt, akzeptabel sei.


    http://www.holbeinstrasse28a.de/unser-blog

  • ^ Ist doch auch völlig egal, ob Christine allein auf 200qm wohnt oder zu fünft auf 50qm. Es ist, wie es Bau-Lcfr jetzt tut, ein wenig anmaßend, dahingehend irgendetwas zu kritisieren oder mit seinen oder anderen Wohnverhältnissen zu vergleichen. Was mir aber zunehmend sauer aufstößt ist die mediale Aufmerksamkeit, die der Holbeinstraße 28a widerfährt und damit einhergehend die sehr einseitige und parteiische Berichterstattung (arme Mieter vs. böser Investor). Das ist natürlich auch ein Erfolg der Hausgemeinschaft Elsterwerk Leipzig, sich entsprechend in Szene zu setzen. Ich finde, mit der umfangreichen Dokumentation in der LVZ wird dem ganzen noch die Krone aufgesetzt.

  • ^ Die mediale Aufmerksamkeit könnte ich durchaus verstehen, wenn etwa eine Familie mit Kindern in einem einzigen Zimmer wohnen müsste, denn dies wären wirklich armselige Verhältnisse (im real existierenden Sozialismus kamen die dennoch öfters vor - in manchen Ex-Ostblock-Ländern noch heute). Es ist etwas anderes, wenn diese medialen Mitleid-Erregung-Versuche Fällen gelten, denen es überhaupt nicht schlecht geht. Dies lenkt nur von echten Problemfällen ab.

  • Herr Jörg Zochert, Sprecher der KSW, hatte doch ebenfalls ausreichend Gelegenheit, seine Sicht auf die Dinge zu verbreiten und diese auch weidlich genutzt:


    Kreuzer, Märzausgabe 2014
    Platz machen für Spießer
    In den alten Elsterwerken in Schleußig kämpft eine Hausgemeinschaft gegen die Verdrängung aus ihren Wohnungen
    http://www.holbeinstrasse28a.d…/kreuzer-mrzausgabe-3.pdf


    L-IZ, 28.03.2014
    Streit um Sanierung in der Holbeinstraße 28a: Im Interview Jörg Zochert von der KSW GmbH
    http://www.l-iz.de/Leben/Gesel…-mit-Eigentuemer-KSW.html


    LVZ-Online, 29.03.2014
    „Wir wollen nicht ausziehen“ – Leipziger Mieter fühlen sich in Schleußig aus Wohnung gedrängt
    http://www.lvz-online.de/leipz…/r-citynews-a-232832.html


    Momentan scheint man bei der KSW aber nicht viel Zeit für Arbeit mit den Medien zu haben, möglicherweise weil man sie lieber dafür verwendet, um die verbliebenen Mieter_innen beim Amtsgericht, Bauordnungsamt, dem Jobcenter, dem Finanzamt und anderen staatlichen und kommunalen Stellen, die mit Wohnungen und Mieten zu tun zu haben, mit zum Teil sogar widersprüchlichen Angaben zu diskreditieren.


    Die mediale Aufmerksamkeit hat aber auch damit zu tun, dass nach der Windmühlenstraße nun fast das erste Mal wieder Mieter_innen in die Öffentlichkeit gehen und ihren Fall publik machen. Ähnliche Fälle mit ähnlichen Vorgehensweisen der KSW und ihrer beautragten Firmen gab es auch in den letzten Jahren, z.B. in der Leibnizstraße. Unter den damals noch anderen Rahmenbedingungen ließen sich widerspenstige Mieter_innen nach einer Reihe von unschönen Vorfällen wie abgedeckten Dächern bewohnter Häuser im Winter, Verklappung von Bauschutt in in Betrieb befindliche Öfen, dem Ausbau von Hauseingangstüren während einer Fußball-EM etc. letztlich aber immer "rauskaufen".Teil der dann getroffenen Vereinbarungen war zumeist auch ein "Maulkorberlaß".


    Radio Mephisto 97,6, 26.06.2014
    Gentrifizierung
    Eine neue Ära für Leipzigs Westen
    http://mephisto976.de/news/ein…uer-leipzigs-westen-43903


    Bau-Lcfr, ich kann es nur immer wiederholen, es geht hier nicht um "mediale Mitleid-Erregung-Versuche", sondern um Recht, genauer um Mietrecht, um Baurecht und so weiter.

  • Also wirklich, hier geht es um gutbürgerliche Leute, die ihre Pfründe beschützen wollen. Weiter nichts. Wenn man in solchen billigen Umständen wohnen will, dann sollte man selbst Eigentumsbildung betreiben, aber das Risiko wollten sie wohl nicht eingehen oder haben einfach naiv die Marktentwicklung um grün-alternativen Biotop verpennt. Selbst Schuld, aber der jetzt hier vorgeführte Opferstatus ist aus meiner Sicht absolut unverdient. Man sollte sich denen zuwenden, die wirklich Aufmerksamkeit verdient haben. Etwa Migranten und deren Familien, die oft als Akademiker und gesuchte Arbeitnehmer jahrelang in abgewohnten Plattenbauten oder Schulgebäuden mit vollkommen unzureichenden Umständen hausen müssen!!! Ohne Perspektive und Arbeitserlaubnis. Anstelle bekommen wir hier solche Mitleidspossen aus dem bürgerlichen Biedermeier serviert!!!

  • Eventuell macht es doch Sinn, einmal zu versuchen, alle derartigen Fälle zu sammeln, und die Höhe der niedrigen Mieten zu kommunizieren.


    Dann könnte es Sinn machen zu diskutieren, ob es sich hier um Einzelfälle handelt, bei denen gutbürgerliche Familien ihr Privileg - "extrem billig in Zentrumsnähe verlieren" -, oder ob wir es hier wirklich mit einem "Trend" zu tun haben, bei dem "arme" Mieter "Opfer" einer "Luxussanierung" werden.


    Dabei kommt es auch darauf an, ab wann man von einer "Luxussanierung" sprechen könnte, zu welchen Preisen Investoren heute kaufen und verkaufen können/müssen, was eine "gerechte" Miete ist und inwiefern hier die öffentliche Hand etwas "subventionieren" sollte, was zu "Lasten" der "Allgemeinheit" und derer geht, die für ihre Mieten allein aufkommen "dürfen"


    Viele Begriffe in dieser Diskussion sind doch recht ideologie-schwanger und politisch determiniert

  • ^
    Danke für diesen sachlich-richtigen Beitrag.
    Momentan habe ich auch das Gefühl, dass wir viel Phantomdiskussion führen, jeder von seinem Standpunkt. Allerdings glaube ich wenig, dass manche Leute ihre Meinung auch nur ansatzweise ändern und selbst bei 10000 gesammelten Fällen noch sagen werden "dann haben die Armen halt Pech und wohnen am Rand oder müssen nach Delitzsch ausweichen" (auch sowas kam mir schon zu Ohren).


    Zusammengefasst fehlt folgende Datengrundlage.
    - Fälle von direkter oder indirekter Verdrängung
    - Beurteilung, ab wann es Verdrängung heißt
    - Beurteilung / Erfassung der Mietpreise vor und nach Sanierung
    - Beurteilung Luxussanierung ja/nein


    "zu welchen Preisen Investoren heute kaufen und verkaufen können/müssen"
    -> das wird wohl schwer zu beurteilen sein, da man dann auch noch unterscheiden müsste, ob es eine "einfache" Sanierung auch getan hätte, um die Mietpreise niedrig(er) zu halten. Schließlich ist klar, dass z.B. der Windmühlenstraßen-"Kiez" saniert werden musste, die Frage ist nur: Was war nötig, was war "Luxus", was war "normaler Standard"? Hätte es auch die LWB geschafft oder ein Investor, der geringe Mieten genommen hätte? Da kommen wir schnell wieder in Aspekte, die man so 100%ig nicht beurteilen kann.

  • - Fälle von direkter oder indirekter Verdrängung


    Fälle, die in die Medien kommen, kommen stets unter diesem Schlagwort, das es modisch ist. Sonst musste ein Großteil der Bevölkerung schon mal aus einer privat vermieteten Wohnung ausziehen, wegen dem Eigenbedarf oder Umbau etwa, mich inklusive. Es ist nicht angenehm, aber die meisten Leute campieren nun mal nicht derart intensiv in den Medien. Die hier hätten übrigens selbst darauf kommen können, dass es viele gibt, denen es wesentlich schlechter geht und eher Mitleid verdienen. (Wenn es nicht klar ist: Mein eigenes Wohnen betrachte ich als OK und poche auf das Recht, keinen Mitleid zu haben, wenn jemand ähnlich oder besser residiert.)


    Die Leute hier mögen Verträge haben, der Vermieter ist ebenfalls Vertragspartner, beide Seiten haben gewisse Kündigungsrechte - weder ewiger Arbeitsplatz noch ewiges Wohnen wird je ernsthaft versprochen. Schließlich darf ja auch der Mieter jederzeit wegziehen, wenn ihm die Wohnung aus beliebigen Gründen nicht mehr genehm ist - mit viel weiter reichenden Kündigungsrechten als umgekehrt. Da verbietet sich geradezu, einen Vermieter als eine Institution anzusehen, die unter allen Umständen eine (möglichst billige) Wohnung ewig zu garantieren hat.


    die Frage ist nur: Was war nötig, was war "Luxus", was war "normaler Standard"? Hätte es auch die LWB geschafft oder ein Investor, der geringe Mieten genommen hätte?


    Das ist das Schöne am Besitz, dass der Besitzer selber entscheidet, wie luxuriös er die eigene Immobilie umbauen möchte. Vor ein paar Beiträgen verlinkte ich eine N-TV-Statistik, wie schnell die Wohnfläche pro Kopf im Osten in die Höhe schnellte, seitdem böse Besitzer aufgetaucht sind - auch wenn es unangenehme Einzelerlebnisse gibt, unter dem Strich bietet das System mehr. Einen Fall einer ganzen Familie in einem Zimmer im System ohne böse Besitzer hatte ich übrigens als Jugendlicher zwei Etagen unter unserer Wohnung - die erwachsene Tochter der Hauptmieterin samt Ehemann und Kind in einem 10 Qm großen Zimmer, die keine fast kostenlose Wohnung zugeteilt bekommen konnte.