Neubau John-Cranko-Schule (fertig)

  • update 26.07.2017

    ^ Nicht mal mehr den Beton kann man Beton sein lassen, selbst hier muss man irgendwas dichten. Bald so schlimm wie in Teilen der Kunst...


    In dem Zustand könnte es sich bei hier um ein Bauwerk zur Grubenbewetterung (oder den S21-Tunneln) handeln.





    Von oben.




    Bilder: Silesia

  • Das ist mehr als schade. 1. Viel zu wuchtig - ich kann auch keine Einbettung in die Hangsituation erkennen. 2. Sichtbeton. Hier völlig ungeeignet, da starke und negative Kontrastrierung zur Umgebungsbebauung 3. Megachance vertan, städtebaulich als auch touristisch hätte man da viel draus machen können. Man denke z.B. mal an eine öffentliche Dachterrasse in unm. Nähe des Kessels oder an eine Dachinszenierung bzw. Dachbühne. Da fallen doch jedem mittelbegabten Architekturstudenten zahlreiche Ideen ein.....

    So ist es. Nicht einmal Kreativität so nahe der Kunst oder eines Dichterfürsten gar.

  • Der These, der Neubau würde nicht in die Topographie bzw. in das Umfeld passen will ich doch entschieden widersprechen. Von den gegenüberliegenden Hängen aus gesehen fügt es sich unauffällig in die Hangbebauung ein.








    Das hintere Internatsgebäude übernimmt die Höhe des Nachbargebäudes, die untere Stirnseite wird eher niedriger als das Nachbarhaus. Die Abstufungen führen zu einer Kleinteiligkeit, und werden wenn vollends hochgebaut, dem hinteren hohen Bauteil noch etwas an Höhe nehmen. Sichtbar und bemerkbar darf sich das Gebäude als Schulbau im Stadtgefüge aber schon machen.


  • Es gab hier auch einen Wendeltreppenentwurf im Wettbwerb. Sicher ein Hingucker, aber städtebaulich und sich funktional eher problematisch. Dieser Entwurf war der Beitrag von 3xn, die jetzt die Duale Hochschule bauen, hatten dafür allerdings keinen Preis bekommen.

  • Der Brutalismus ist zurück! Was denken sich Architekten und Jury bei so einem Entwurf? Vor allem im Herbst und Winter wird der blanke Beton richtig übel wirken, die Proportionen sind einfach grotesk. Und das auch noch in so einer exponierten Lage. :nono:

  • Brutalismus hat übrigens nichts mit brutal zu tun, sondern bedeutet lediglich, dass das Material (Beton) offen gezeigt wird.


    Ich finde den Entwurf von Burger Rudacs sehr gelungen! Der 3xn-Entwurf wirkt da wie ein Studentenentwurf. Auf den ersten Blick sehr beeindruckend und bestechend mit der fächerförmigen Verdrehung, dem Tanz der einzelnen Ebenen. Aber vermutlich weder von den funktionellen noch von den wirtschaftlichen Kriterien her überzeugend. Im Wettbewerb gab es da nicht mal eine Anerkennung. Wahrscheinlich hätte sich dieser Entwurf in einer Realisierungsplanung noch sehr verändert, die Enttäuschung wäre vielleicht wieder groß gewesen. Hier stand als erste eine formale Idee, in die hinein dann versucht wurde, die Funktionen unterzubringen.


    Anders der jetzt in Bau befindliche Entwurf: Hier wurde von der schwierigen Topographie ausgehend nach einer funktional und räumlich stimmigen Anordnung der geforderten Räume gesucht, und auch gefunden und dies dann auch mit dem Städtbau in Einklang gebracht. Die Form hat sich dann aus der Funktion ergeben (ein Ansatz der Architekturmoderne, wurde später zum reinen Funktionalismus, wo dann die Forum unwichtig wurde).


    Dass der Wettbewerbsentwurf (Visualisierung) hier schon sehr stimmig war sieht man auch an den nur geringfügigen Änderungen zum Ausführungsentwurf (Modell). Mir gefällt der absteigende Rhythmus sowohl an der Nordfassade, als auch an der Südfassade sehr gut. Mal sehen ob der Treppenweg entlang der Nordfassade öffentlich sein wird.


    Die Architekten sind schon mutig hier mit Sichtbeton zu arbeiten, was sehr schwer vermittelbar ist, wie gesagt ich hätte hier eher nach einer Klinkerverkleidung gesucht.


    Die Bauwelt hat so über den Wettbewerb geurteilt.


    In der Werastraße fügt sich der Bau gut in die eher heterogene Bebauung ein:




    Ein Blick vom Eingang nach innen. Geradeaus der Erschließungbereich, von wo aus es kasskadenartig über Treppen zum jeweils darunter liegenden und
    weiter nach Westen verschobenen Ebene geht. Die Flure haben jeweils am westlichen Ende ein großes Fenster mit Blick ins Tal. Rechts im Bild wird dann
    hinter dem Speiseraum ein Innenhof liegen:




    Snøhetta (Oper in Oslo) haben immerhin eine Anerkennung für ihren Entwurf bekommen. Leider konnte ich keine Visualisierungen finden. Würde mich interessieren deren Entwurf.

  • Um es mal auf den Punkt zu bringen – der Entwurf ist für mich Architektur für Architekten, sonst für Niemanden. Das Geschwurbel um den Entwurf versteht doch kein Laie auch nur noch Ansatzweise. Viele Bauten die Seinerzeit von Architekten hochgelobt wurden gelten heute als Bausünden und werden abgerissen. Ich bin mla auf das Endergebniss gespannt, aber ich befürchte der Aufschrei in der Stadt wird groß sein.

  • Ich möchte für ein Urteil dann doch die Fertigstellung abwarten. Ich denke, die Akzeptanz durch die Bevölkerung wird auch davon abhängen, wie öffentlich die Bereiche sein werden (wohl aber eher nicht). Dass sich der Bau in der Werastraße einfügt, ist schon so, aber vom Tal aus (von der Halbhöhe gegenüber geht's wieder halbwegs) provoziert das natürlich.


    3XN: Dass es ein Entwurf nicht zur Anerkennung schafft, hat für mich tendenziell so wenig Aussagekraft über die Güte der Architektur wie etwa ein 1.Preis. Das hängt doch zumeist von der Zusammensetzung alias Gemauschel der Jury ab (O-Ton mehrerer erfolgreicher Architekten).


    Das (3XN) wäre doch mal ein dem internationalen Stellenwert des Stuttgarter Balletts angemessener und "studentisch"-frischer Bau geworden. Kultstatus von Weltrang garantiert.

  • Irgendwie versuchst du hier die Entscheidung der Jury mit Unterstellungen (Gemauschel) in Frage zu stellen. Hier erhielt ein noch junges und unbekanntes Büro den 1.Preis, was dafür spricht, dass hier das Wettbewerbsverfahren sehr gut funktioniert hat. Auch wenn man weiß welche Stararchitekten unter den Teilnehmern waren. Dass hier keinem etablierten Büro der 1. Preis zugesprochen wurde, ist doch erfreulich und zeigt dass auch junge Büros eine Chance haben können.


    Den 3XN-Entwurf sehe ich als Idee, die so sicherlich nicht umsetzbar gewesen wäre. Da hätte sich wohl noch einiges verändert. Es geht hier nicht um ein architektonische Spektakel, sondern um einen der Aufgabe und Situation angemessenen Schulbau. Die Statik des 3XN-Entwurfes stelle ich mir nicht so einfach vor, auch wenn man bedenkt dass sich im Baufeld ein unterirdisches, denkmalgeschütztes Wasserwerk befindet über das gebaut werden musste.


    Hier noch eine Perspektivzeichnung des Bauwerks mit Gründung und mit Lage des Wasserwerkes und der Wagenburgtunnel-Röhre.

  • Ich unterstelle gar nichts, sondern weise nur darauf hin, dass eine Juryentscheidung nicht per se der Weisheit letzter Schluss sein muss, da alle möglichen Motive hinter so einer Abstimmung stecken können. Ein 1.Preis muss nicht objektiv - falls das denn überhaupt möglich ist - dem besten Entwurf vergeben werden. Ein Oscar-Film muss mich nicht überzeugen, nur weil er einen Oscar erhalten hat. Da bin ich vielleicht einfach rebellischer als Du.


    Dass der 3XN-Entwurf vor dem provinziellen Gemeinderat keine Chance gehabt hätte, 1:1 realisiert zu werden, das vermute ich auch.


    Wobei ich aber nicht nachvollziehen kann, warum ein (hier: Schul-) Bau nicht zugleich angemessen, funktional und auch noch spektakulär sein kann (darf?), vor allem auch vor dem Hintergrund, dass wir in Stuggi hiervon durchaus mehr haben dürfen, vor allem auch in der Innenstadt. Wobei "angemessen" und "spektakulär" immer auch im Auge des jeweiligen Betrachters liegt.


    Was die Statik betrifft, bist Du der Experte.

  • Es geht hier nicht um ein architektonische Spektakel, sondern um einen der Aufgabe und Situation angemessenen Schulbau.

    Bei der Summe und Lage geht es sicher auch darum. Genau das ist hier angemessen und Anforderung an professionelle Architekten. So, leider Thema verfehlt. Ginge es nur um Übungsräume in Sichtbeton genügte ein Statiker/Bauingenieur.

  • @ Max BGF: dein Bewertung verkennt völlig die durchdachte Grundrissgestaltung und räumliche Planung, sowie den Umgang mit dem Städtebau und der Topographie des entstehenden Gebäudes. Darum geht es, und nicht um ein auf sich selbst bezogenes Architektur-Spektakel, das möglicherweise seiner eigentlichen Aufgabe nicht richtig gerecht wird.


    Da die Gesamtform immer sichtbarer wird, ein paar Aufnahmen von heute zur Einbindung in den Kontext.


    Vom Urbansplatz aus kaum ist der Neubau kaum wahrnehmbar und vor allem im Sommer hinter Bäumen versteckt. Links der Anbau an die Staatsgalerie:




    Blick entlang der Schützenstraße nach Norden. Der Neubau fügt sich hier nahezu bescheiden in die Straßenrandbebauung ein:






    Von Norden her gesehen entfaltet der Schulneubau hingegen seine wahre Größe und die Staffelung der kleinen Balletsäle den Hang hinauf wird sichtbar.
    Der oberste, vierte davon ist noch in Bau:




    Die Front der Schule nimmt geschickt die Höhe des südlich anschließenden Nachkriegsbaues auf und spiegelt ihn gewissermaßen. Die Betonoberfläche
    ist hier noch nicht endgültig, die Außenschale fehlt noch.




    Die einzige Stelle. wo der Neubau auf die Gründerzeitbebauung trifft ist oben an der Werastraße mit dem gegenüber liegenden Eckgebäude, ansonsten
    handelt es sich bei den Nachbargebäuden durchweg um Nachkriegsbauten.


  • Naja, wenn die Architektur ästhetisch (weitgehend subjektiv) gesehen so miserabel ist, dass sie eigentlich keiner haben will, ist sie trotz aller akademisch-dogmatischer oder technischer Güte (wobei sich natürlich die fachliche Beurteilung in der Regel auch nicht auf eine Einheitsmeinung reduzieren lässt) für die meisten Menschen am Ende doch unbrauchbar, wobei ich mich ausdrücklich (noch?) nicht auf diesen Bau beziehe. Ein bisschen auf Stimmen aus dem Publikum hören darf auch der Künstler, gelegentlich, denn vor allem dieses muss ja das Gebaute am Ende "ertragen", und das ggf. Jahrzehnte/-hunderte.

  • Der Satz war die Antwort auf eine hier im Forum geäußerte Kritik, der Neubau würde als Gegenüber zur Staatsgalerie hier sehr störend wirken. Die Wirklichkeit ist jedoch so, dass der Neubau hier die Situation überhaupt nicht dominiert, eigentlich recht klein wirkt und zudem weitgehend hinter den Bäumen verschwindet, der Bau sich hier eigentlich trotz seiner Größe sehr gut einfügt.


    Als ortsunkundiger Passant würde das Gebäude aufgrund seiner Architektur meine Neugier wegen und ich wäre sehr erstaunt, was sich hinter dem eher unscheinbaren Bau verbirgt, wenn man dann daran vorbei gelaufen ist und von der Nordseite auf das Gebäude zurückblickt und erst jetzt seine ganze Größe wahrnimmt. Auch oben an der Werastraße ist der Effekt ein ähnlicher. Man sieht zunächst nur ein Gebäude an der Straße und erst später stellt sich heraus, was sich da den Hang hinunter staffelt. Gut gemachter Städtebau würde ich dazu sagen.

  • @ Max BGF: dein Bewertung verkennt völlig die durchdachte Grundrissgestaltung und räumliche Planung, sowie den Umgang mit dem Städtebau und der Topographie des entstehenden Gebäudes. Darum geht es, und nicht um ein auf sich selbst bezogenes Architektur-Spektakel, das möglicherweise seiner eigentlichen Aufgabe nicht richtig gerecht wird.(...)

    ma-frey, nimm's mir nicht übel, aber bei aller durchaus vorhandenen Orts- und Sachkenntnis Deinerseits, erwecken Deine Beiträge in der Summe den Anschein, dass Du stets für die realisierte Variante Argumente suchst und findest. Was an sich gut ist, zumindest besser als ohne Argumente für etwas zu sein (selbst wenn Ästhetik auch mal reine Bauchsache sein darf).


    Wenn selbige Architekten den Bau ziemlich anders entworfen hätten, liessen sich ebenfalls Argumente dafür finden. Der heutige Architektursprech besitzt dafür genug Satzmodule, wahlweise "vornehme Zurückhaltung" bis "spektakulärer Bruch". So könnte man an der Stelle auch ein KöPa-Glasdach, einen Behnischen Nord-LB-Bau oder gar Pyramide ala Ulm argumentieren.


    Es ist auch in Ordnung, den Architekten zunächst ernsthafte Auseinandersetzung mit Ort und Aufgabe zu unterstellen, in Details eine professionelle Lösung zu erblicken, keine prinzipielle Nestbeschmutzung zu betreiben. Doch birgt es auch die Gefahr der Betriebsblindheit, der Detailverliebtheit, sprich den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr zu sehen.


    Letztlich sind es doch Form und Farbe+Material, welche die äußere Wirkung maßgeblich erzeugen. Spektakel hin oder her - dies Wort ist per se nicht negativ besetzt, schon gar nicht bei einer großen, zentral gelegenen öffentlichen Investition. Dort eher Teil der Aufgabe, war es schon immer, man denke an die Sehenswürdigkeiten von Schlössern über Theater bis Museen. Heute werden nur keine Schlösser mehr gebaut, die spektakulären Automuseen von privat. Also wo sollte Staat sonst architektonischen Anspruch umsetzen wenn nicht hier?


    Und so ist der Unterschied zwischen 3XN und der Realisierung etwa der zwischen Hin- und Weggucker.


  • Den 3XN-Enwurf finde ich auch sehr spannend, aber ich empfinde ihn zu sehr auf sich selbst bezogen zu wenig auf den Ort eingehend. Man kann sehr leicht scheinbar sehr kreativ Entwerfen, wenn man die Zwänge, die sich aus einer Auseinandersetzung mit dem Ort ergeben weitgehend ausblendet. Insgesamt schwächt dies eher den Ort, wenn die Bezüge fehlen. Auf der grünen Wiese zu bauen ist einfacher, als im städtischen Kontext. Hier befindet man sich aber in der Stadt.


    Wenn der Bau jetzt vielleicht eine gewisse Unauffälligkeit hat und ich war da doch positiv überrascht, als ich mir die Wirkung von der Talseite bewusst angesehen bzw. fotografiert habe, wie gut sich der Bau da eigentlich einfügt. Ich suche schon eher die stillen Qualitäten in der Architektur, die sich manchmal vielleicht erst auf den zweiten Blick zeigen.


    3XN habe ich mit diesem Bau entdeckt, dem Ørestad College in Kopenhagen, als ich daran vorbei kam. Außen auch eher zurückhaltend entwickelt es im Inneren ein faszinierendes Raumkontinuum. Das lässt auf die Duale Hochschule in Stuttgart freuen.

  • Also ich finde es gibt schon genug die immer nur rumkräkeln, die sich unwohl fühlen etwas zu loben und aus reiner Alibifunktion Kritik der Kritik wegen einfliessen lassen.


    Man kann auch Kritik äußern im weglassen/ignorieren von Bauten, dabei die Bauten/Merkmale loben die für einen "positiv" sind, denn diese Art der Kritik, ist die die am meisten bewirkt.


    Im Klartext wer das Lobt was ihm wichtig ist, muss nicht kritisieren um des kritisieren willens.


    Ich habe vor kurzem einen Artikel gelesen von erhaltenswerten Bausünden, wie z.B. den Bierpinsel in Berlin Steglitz, zumindest diesen Status sollte die John-Cranco Schule erreichen.
    http://www.faz.net/aktuell/wir…-euch-nicht-12545784.html


    P.S: Ich finde das Gerber sehr gelungen und genieße jedes mal den Blick den man erheischt wenn man vom Marienplatz aus kommt.