Verkehrsprojekte

  • Verkehrsprojekte

    Aufgrund der großen Anzahl von laufenden und geplanten Verkehrsprojekten eröffne ich dafür einen neuen Strang. Die wichtigsten Projekte im aus Zeitgründen recht groben Überblick:


    Umbau des Hauptbahnhofs:


    Die Deutsche Bahn investiert insgesamt mehr als 110 Millionen Euro in die grundlegende Erneuerung des Eisenbahnknotens Chemnitz. Bis 2013 soll hier ein modernes und leistungsfähiges Eisenbahnkreuz entstehen, das Reisenden und Transporteuren einen zuverlässigeren Verkehr auf der Schiene ermöglicht. Die künftig deutlich leistungsfähigere Eisenbahninfrastruktur erlaubt höhere Ein- und Ausfahrgeschwindigkeiten und kann so am Tag rund 100 Züge mehr aufnehmen als bisher. Vor Beginn des Umbaus verkehrten hier rund 410 Züge täglich. Aktuell sind auf einigen Strecken im Bahnhofsbereich nur noch Geschwindigkeiten von rund 30 km/h möglich.


    Bis zum Abschluss des Gesamtprojekts erneuert die DB im gesamten Eisenbahnknoten Chemnitz 19 Kilometer Gleise, 21 Kilometer Oberleitungs- und Signalanlagen, 41 Weichen, 171 Signale sowie sieben Eisenbahnbrücken. Gleichzeitig werden rund 300 Meter Lärmschutzwände errichtet sowie die Gleisfeldbeleuchtung im Bahnhofsumfeld neu aufgebaut. Im Dezember 2013 soll der Chemnitzer Hbf gesamthaft in Betrieb genommen werden. 2014 erfolgen noch Restarbeiten.


    Die Deutsche Bahn hat im Zusammenhang mit dem Ausbau des Eisenbahnknotens Chemnitz jetzt einen wichtigen Meilenstein erreicht: Nach rund 36-monatiger Bauzeit nimmt die DB am 31. Oktober insgesamt 12 Kilometer neuer Gleise, 28 Weichen, 91 Signale sowie betriebliche Anlagen im Chemnitzer Hauptbahnhof und Bahnhofsumfeld in Betrieb. Gleichzeitig geht am 31. Oktober das neue Elektronische Stellwerk (ESTW) in einer ersten Stufe in Betrieb. Das bedeutet für den Zugbetrieb, dass von diesem Zeitpunkt an alle Signale und Weichen zwischen Dresden und Glauchau aus der Betriebszentrale in Leipzig gesteuert werden.


    Freie-Presse-Artikel: Link1, Link2


    In der Diskussion sind noch der Ersatz der bisherigen Anbindung des Sonnenbergs ("Bazillenröhre") durch eine Verlängerung der Bahnsteigunterführung und eine Neugestaltung der Eingangshalle.


    Chemnitzer Modell:


    Der umbau des Hauptbahnhofs ist gleichzeitig Stufe 1 der Planungen zum Chemnitzer Modell, die eine umsteigefreie Fahrt mit der Straßenbahn von den umliegenden Orten ins Chemnitzer Zentrum ermöglichen sollen, wie dies auf der Strecke nach Stollberg seit Jahren der Fall ist. Folgende weitere Stufen sind geplant:


    - Stufe 2 Ausbau Chemnitz - Thalheim mit Anbindung der TU Chemnitz durch neue Trasse auf der Reichenhainer Straße
    - Stufe 3 Chemnitz – Niederwiesa
    - Stufe 4 Strecke über die Leipziger Straße und das Chemnitz-Center nach Limbach-Oberfrohna
    – Stufe 5 Ausbau Stollberg - Oelsnitz


    Untersuchung Innenstadtring: Link


    Ausbau der B174:


    Zur Verbesserung des Verkehrsflusses vom Südring nach Tschechien ist ein Ausbau der bis Gornau derzeit nur einspurigen Strecke nötig. Die Arbeiten am Abschnitt außerhalb der Stadtgrenzen laufen bereits seit letztem Jahr auf Hochtouren. Auch die Stadt wird ihren Abschnitt nun entgegen der zwischenzeitlichen Planungen so schnell wie möglich beginnen und hat dazu bereits ihre Planungen präsentiert (Link). Die Gesamtkosten betragen über 50 Millionen Eurol, wovon 20 Millionen auf den innerstädtischen Abschnitt entfallen.


    Verlängerung des Südrings


    Bereits linienbestimmt ist eine Fortsetzung der Trasse in nordöstlicher Richtung (Teil IV), zwischen Augustusburger Straße, Eubaer Straße, Dresdner Straße (B 173) und Frankenberger Straße (B 169). Hier gab es längere Diskussionen um die Anbindung von Euba. Eine Fortsetzung des Südrings in nordwestlicher Richtung zwischen Neefestraße und Zwickauer Straße ist meines Wissens vorerst zurückgestellt.


    Innerer Innenstadtring:


    Die alten Pläne einer Verbindung vom Dresdner Platz bis zur Zschopauer Straße (Planungszeichnung), die Innenstadt und Sonnenberg vom Durchgangsverkehr entlasten soll, werden momentan nicht vorrangig verfolgt.


    Ausbau der A72 nach Leipzig:


    Bis Niederfrohna ist die Trasse bereits eröffnet. In diesem Jahr folgt der anschließende Abschnitt bis Rochlitz, im nächsten Jahr der bis Borna, wo die Umfahrung als Teil der A72 ebenfalls schon länger fertig ist. Von Borna bis zur A38 laufen derzeit noch die Planungen.


    Bei Gelegenheit werde ich den Beitrag vielleicht noch etwas weiter detaillieren. Vieles wurde aber auch schon in anderen Themen aufgeführt.

  • Der verlinkte Plan zum inneren Stadtring entstand auf dem Höhepunkt des Chemnitzer Stadtumbaus. Von der Bebauung an der Rembrandtstraße und Zieschestraße ist fast nichts mehr vorhanden. Selbst die damals schon sanierten Häuser fehlen. Wie man sich gedacht hatte, die abzureisen bleibt ein Rätsel. Obligatorisch, das in dem Plan jedes leer stehende Haus der GGGmbH fehlt. Inzwischen sind glücklicherweise einige der Gebäude verkauft.
    Die Rembrandtstraße gegenüber dem Chemnitzer Theater ist eine sehr schöne Sraße mit Charm. Hoffentlich bleibt das so.
    Man sieht an dem Plan, der bei mir schlimme Erinnerungen weckt aber, welcher Geist damals in Chemnitz herrschte. Um 2007 waren z. B. im Technischen Rathaus Planungsentwürfe ausgestellt die eine Sonnenbergbebauung zeigten die nur noch um die Markuskirche existierte. Auch die Planungen für Schloßchemnitz zeigten anstatt der Bebauung an der Bergstraße eine Grünfläche. Noch ist nicht in allen Köpfen angekommen, das dies nicht die Chemnitzer Zukunft ist.
    Soweit ein kurzer Abstecher in die 0er Jahre.

  • Der Bau der A72 wird immer mehr zum Kasperletheater. Die Eröffnung des neuen Abschnitts zwischen Niederfrohna und Rochlitz verzögert sich wegen einer so außergewöhnlich komplexen Aufgabe wie dem Leitplankenbau womöglich bis Mitte nächsten Jahres, wie die Freie Presse heute berichtet (Link).

  • Die Freie Presse berichtet heute über zwei geplante Fahrspurverringerungen (Link):


    - Auf der Zschopauer Straße landwärts ab Moritzstraße bis kurz vor der Clara-Zetkin-Straße soll der Parkstreifen ab Frühjahr 2012 vom Fußweg auf die Fahrbahn verlegt werden. Außerdem entstehen an Stellen, wo es bislang keinen Parkraum gab, neue Stellflächen, sodass die Zahl der Parkplätze insgesamt wächst. Die Zschopauer Straße soll in diesem Teilstück landwärts nur noch einen Fahrstreifen aufweisen.


    - Auf der Reichenhainer Straße zwischen Wartburg- und Augsburger Straße steht statt zweier nur noch eine Fahrspur in jede Richtung zur Verfügung. Die äußeren Spuren wurden jeweils in einen Bereich für Radfahrer und in Pkw-Stellplätze umfunktioniert.

  • Hier mal ein kleiner voher/nachher Vergleich vom weiteren Ausbau der Straße der Nationen.



    Leider wird es noch eine ganze Weile dauern bis auf den Schienen eine Straßenbahn zu sehen sein wird. Zumindestens können aber die Busse die Spur schon einmal nutzen und somit die an der Ampel wartenden Autos überholen, was im Berufsverkehr einen kleinen Vorteil bringt.


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    Sofern nicht anders angegeben sind alle Bilder von mir selbst aufgenommen

  • Die PM der Stadt zum Franken-Sachsen-Express (Link) enthält unter anderem die Information, dass nach Abschluss der Elektrifizierung die Fahrgäste in Hof umsteigen sollen, um von dort elektrisch weiterzufahren. Da das normalerweise für eine Fahrzeitverkürzung und eine Verbesserung des Komforts sorgen sollte, verstehe ich die Ablehnung des Konzepts nicht. Allerdings sind auch nicht alle Informationen bekannt.

  • Studie - Chemnitz auf dem Abstellgleis

    Nichts neues, aber nun auch mal im nationalen Vergleich und mit einigen Zahlen:


    MDR, 30. November 2011
    http://www.mdr.de/sachsen/bahn…f1f179a7_zs-9f2fcd56.html


    Studie - Chemnitz auf dem Abstellgleis
    Sachsens Großstädte sind schlecht mit der Bahn erreichbar. Das ist das Ergebnis einer Studie der Technischen Universität Dresden. Demnach erreicht Chemnitz in Sachen Bahnanbindung im Vergleich der 80 größten deutschen Städte nur Platz 78.



    Evangelinos, Christos / Hesse, Claudia / Püschel, Ronny
    Die Erreichbarkeit deutscher Großstädte durch den Schienenpersonenverkehr
    ifo Dresden berichtet 18 (05), 20-27
    Kostenfreier Download (PDF, 393 KB)
    http://www.cesifo-group.de/por…_id=16790531&p_back=liste

  • Das Stadtforum kritisiert die Ausbaupläne für das Chemnitzer Modell auf der Reichenhainer Straße. Dort soll die Straßenbahn als Teil der Trasse bis Thalheim zum Campus der TU führen, was auch der Verbindung mit dem innerstädtischen Uni-Teil dienen soll. Dafür wird seitens der Planer aber die Fällung der Bäume auf der Reichenhainer Straße als nötig erachtet. Es sollen Ersatzpflanzungen vorgenommen werden.


    Nach vielen Gesprächen mit Anwohnern, Gastronomen und Geschäftsinhabern sowie mit Studenten zweifelt das Stadtforum indes den Bedarf für den Gleis-Ausbau bis zur Reichenhainer Straße an, eine Anbindung per Bus sowie der Tram-Anschluss Bernsdorfer Straße seien ausreichend. Generell, so betont die Initiative, sei es richtig, das Uni-Quartier besser an den Öffentlichen Personennahverkehr anzubinden. Allerdings bitte sie darum, die "weitere Planung unbedingt in Einheit mit dem Erhalt der Alleebäume zu führen und Alternativen zu prüfen". Bürger müssten auf die grundsätzlichen Pläne Einfluss nehmen können, heißt es weiter. Als Alternative wird ein Verzicht auf den durchgängig zweigleisigen Ausbau vorgeschlagen, ein Ausweichpunkt könne möglicherweise reichen.


    Ich bin da eher skeptisch, die durchgängige Zweigleisigkeit ist für Bahnstrecken entscheidend für die Leistungsfähigkeit, zumal es sich hier eben um keine reine Straßenbahntrasse handelt. Gerade auf der Reichenhainer Straße wird die Taktfolge zur Uni sehr eng sein. Prüfen muss man natürlich, sollte sich dies dabei aber als unpraktikabel herausstellen, muss der verständliche Wunsch nach Erhalt der Alllee aber im Sinne der Stadtentwicklung in den Hintergrund treten.

  • CM Stufe 2

    Sollten nicht auf der Reichenhainer Straße seit jeher, also schon vor dem zweiten Weltkrieg, als sie so geplant wurde, Straßenbahnen fahren? Man hätte doch nie so einen breiten Mittelstreifen zwecks Bepflanzung gebaut.
    Die Bepflanzung war dann Schluss endlich nur eine Zwischenlösung, da dann der zweite Weltkrieg und die DDR diese Pläne stoppten. Deshalb kann ich es nicht verstehen, dass man unbedingt diese Allee behalten will, noch dazu, dass es Neubepflanzungen geben soll.


    Wenn man Chemnitz mit Dresden oder Leipzig vergleicht, kann man nicht unbedingt sagen, dass es einen Mangel an Bäumen in der Innenstadt gibt.


    Nach den Plänen des VMS wird mit der zweiten Stufe des Chemnitzer Modells die Reichenhainer Straße ja nicht, zu einer kargen, Baumlosen Straße, wenn man sich die Pläne anschaut:
    http://www.stura.tu-chemnitz.d…data/chemnitzermodell.pdf


    Interessant finde ich die Vorschläge für die Haltestelle Hörsaalzentrum, wie man diese im obigen Link sieht. Ich persönlich favorisiere die Verlegung der Haltestelle in Richtung Orangerie am besten. Man schafft damit eine attraktive Umsteigesituation ich Richtung Reichenhain und Altchemnitz und genügend Platz für die Studenten, besonders zu Pausenzeiten, was ich bei der Haltestelle in der Mittellage nicht unbedingt annehmen würde.

  • Das Stadtforum kritisiert die Ausbaupläne für das Chemnitzer Modell auf der Reichenhainer Straße. Dort soll die Straßenbahn als Teil der Trasse bis Thalheim zum Campus der TU führen, was auch der Verbindung mit dem innerstädtischen Uni-Teil dienen soll. Dafür wird seitens der Planer aber die Fällung der Bäume auf der Reichenhainer Straße als nötig erachtet. Es sollen Ersatzpflanzungen vorgenommen werden.


    Nach vielen Gesprächen mit Anwohnern, Gastronomen und Geschäftsinhabern sowie mit Studenten zweifelt das Stadtforum indes den Bedarf für den Gleis-Ausbau bis zur Reichenhainer Straße an, eine Anbindung per Bus sowie der Tram-Anschluss Bernsdorfer Straße seien ausreichend. […] Als Alternative wird ein Verzicht auf den durchgängig zweigleisigen Ausbau vorgeschlagen, ein Ausweichpunkt könne möglicherweise reichen.


    Ich bin da eher skeptisch, die durchgängige Zweigleisigkeit ist für Bahnstrecken entscheidend für die Leistungsfähigkeit, zumal es sich hier eben um keine reine Straßenbahntrasse handelt.


    Gerade bei (städtischen) Straßenbahnen (→ dichter Takt) ist Eingleisigkeit nur in Ausnahmefällen praktikabel. Zunächst bringt Eingleisigkeit Zwangspunkte für den Fahrplan der Linie, der letzten Endes die Planungungsmöglichkeiten für den gesamten Stadtverkehr einschränkt. Mindestens genau so schlimm ist die Sache mit der Zuverlässigkeit: Im Zehn-Minuten-Takt hat man alle fünf Minuten Fahrstrecke eine Zugkreuzung. Rein theoretisch könnte man also die Strecke auf der Reichenhainer komplett eingleisig realisieren. Allerdings sind im Stadtverkehr Verspätungen um −1–2 Minuten nicht ungewöhnlich. Solche kleinen Verschiebungen stören im allgemeinen niemanden und werden meist nicht mal bemerkt, würden bei einem so langen eingleisigen Abschnitt aber sofort zu ungeplanten Standzeiten führen, die das Angebot subjektiv völlig unattraktiv und tatsächlich langsamer als den derzeitigen Bus machen würden.


    Es ärgert mich ein bisschen, dass sich das Stadtforum nicht erst sachkundig gemacht hat; wenn man sich ein bisschen auskennt, liegt auf der Hand, dass eine eingleisige Führung hier nichts taugt. Dass Eingleisigkeit in der Variantenuntersuchung (hier verlinkt) nicht mit drin war, ist kein Zufall.


    Eingleisigkeit ist etwas für enge Straßen wie die Rue de la Roë in Angers, wo im Sommer ein neuer Straßenbahnbetrieb eröffnet wurde:






    Aber für die dreimal so breite und dreimal so lange Reichenhainer Straße wäre es ziemlicher Quatsch.


    Schade, dass viele nicht sehen, wie großzügig die meisten chemnitzer Straßen bemessen sind und was für eine tolle gestalterische Chance das ist.


    Gerade auf der Reichenhainer Straße wird die Taktfolge zur Uni sehr eng sein. Prüfen muss man natürlich, sollte sich dies dabei aber als unpraktikabel herausstellen, muss der verständliche Wunsch nach Erhalt der Alllee aber im Sinne der Stadtentwicklung in den Hintergrund treten.


    Das mit der langfristigen und prinzipiellen Entwicklung ist ein Punkt, den ich in der Diskussion oft vermisse. Es gibt hier eine besondere Chance, eine Straßenbahn für den Uni-Teil 2 zu realisieren. Wenn diese Trasse jetzt realisiert wird, wird das jahrzehntelang positive Auswirkungen haben.


    Straßenbäume sind auch „nur“ von Menschen gepflanzt und – man höre und staune – wachsen wieder nach. Hier die lt. Zeitung ausgewachsenen Platanen an der Reichenhainer Straße:



    Zum Vergleich der Ahorn an der StraNa beim Roten Turm – erst irgendwann um das Jahr 2000 rum gepflanzt:



    Ein echtes Straßenbaum-Fäll-Problem würde uns nur dann drohen, wenn plötzlich Milliarden zur Verfügung ständen, um in der ganzen Stadt alle denkbaren Infrastrukturprojekte gleichzeitig zu realisieren. Ich sehe nicht ein, warum man wegen ein paar Jahren mit kleinen Bäumen dauerhafte größere Nachteile in der Straßenraumgestaltung eingehen sollte.


    Besonders perfide finde ich die Argumentation „mit dem Bus geht es doch auch“, die ausgerechnet vom Stadtforum und vorher schon von B90/Grüne kam (wobei es da durchaus einen Zusammenhang geben kann). Wenn man danach gänge, dass man auch mit dem Bus ein irgendwie brauchbares Angebot bieten kann, gäbe es in Chemnitz überhaupt keine Straßenbahn. Es gibt aber Ziele, die sich nur mit der Straßenbahn erreichen lassen.


    PS: Bitte Bescheid geben, wenn es jemandem zu viele Bilder sind.

  • Dieser Jammerbeitrag des Chemnitzer Fotografen Michael Backhaus auf der Website des Stadtforums hat mich auch ueberrascht. Da wird ueber die verschiedensten Themen abgekotzt, wobei der Verfasser im einzelnen weder Ahnung noch Alternativvorschlaege zu haben scheint. Eine Stadt bedeutet aber immer auch Veraenderung, die Fragen dabei sind, wie, in welche Richtung und wie schnell. Aber hier soll alles bleiben wie es war und ist - ein Zustand, wie es ihn auch in Chemnitz kaum gab. Ich glaube bzw. hoffe allerdings, dass es nicht die einhellige Meinung des Chemnitzer Stadtforums ist, sondern lediglich der auch entsprechend gekennzeichnete Beitrag eines Mitstreiters.


    Konkret zur Reichenhainer Strasse steht da nur sehr wenig: „Ein Höhepunkt des im wahrsten Sinn des Wortes „Chemnitzer Modell“ ist dann die komplette Zerstörung des Straßenraumes entlang der Reichenhainer Straße. Die einzige Baumallee in unserer Stadt wird der fragwürdigen Fördergeldpolitik und einem nicht bis zu Ende gedachten Bauprojekt geopfert.“


    Wie meine drei Vorredner sehe ich das Bauvorhaben ueberwiegend positiv - eine deutliche Staerkung des OePNV und eine bessere Anbindung der Uni und der suedlich gelegenen Areale der Stadt an Zentrum bringen Vorteile, die den Verlust der Baeume mehrfach aufwiegen. Fuer Ersatzpflanzungen gibt es in Chemnitz ja auch ausreichend Platz.


    PS: Zu viele Bilder kann es kaum geben, denn das Forum lebt ja besonders davon. Besten Dank fuer die schoene Bebilderung.

  • Konkret zur Reichenhainer Strasse steht da nur sehr wenig: „Ein Höhepunkt des im wahrsten Sinn des Wortes „Chemnitzer Modell“ ist dann die komplette Zerstörung des Straßenraumes entlang der Reichenhainer Straße. Die einzige Baumallee in unserer Stadt wird der fragwürdigen Fördergeldpolitik und einem nicht bis zu Ende gedachten Bauprojekt geopfert.“


    Das klingt schon krass nach Meckerhaltung oder als habe Herr Backhaus einen schlechten Tag gehabt.


    Damit die Aussage, bei der Reichenhainer Straße handele es sich um die einzige Baumallee in Chemnitz, wahr ist, braucht man eine ziemlich originelle Definition von „Baumallee“.


    Wie meine drei Vorredner sehe ich das Bauvorhaben ueberwiegend positiv - eine deutliche Staerkung des OePNV und eine bessere Anbindung der Uni und der suedlich gelegenen Areale der Stadt an Zentrum bringen Vorteile, die den Verlust der Baeume mehrfach aufwiegen. Fuer Ersatzpflanzungen gibt es in Chemnitz ja auch ausreichend Platz.


    Um das noch klar zu stellen: Ersatzpflanzungen sollen nach den Planungen der Stadtverwaltung und des VMS in erster Linie an der Reichenhainer Straße erfolgen, und zwar – Überraschung – in Form einer zweireihigen Allee.


    In der ganzen Diskussion geht es also ausschließlich um das Problem, dass es ein paar Jahre lang mehr nach Baumschule als nach beeindruckender Allee aussieht!


    Übrigens ist nicht nur, wie schon erwähnt wurde, der Mittelstreifen schon ursprünglich für eine Straßenbahn vorgesehen gewesen, sondern die Bäume wurden schon straßenbahnkompatibel gepflanzt – kompatibel zur alten Straßenbahn mit ihrer geringeren Wagenkastenbreite. Nur leider reicht der Platz für das Profil der neuen Straßenbahn, deren Aufbau in den fünfziger Jahren begann, nicht aus.

  • Der Beitrag heute in der Freien Presse hört sich aber schon wesentlich sachlicher an als der Kommentar von Herrn Backhaus - der übrigens im gleichen Atemzug einen Stadionneubau im Sportforum vorschlägt, der die Straßenbahntrasse erst recht nötig machen würde. Fragen stellen sollte man immer, auch der Wunsch nach Bürgerbeteiligung kann bei der Vielzahl der noch möglichen Varianten nicht verkehrt sein und werden letztlich das Projekt nicht gefährden. Das Potential an Baumschützern, die sich an die Platanen ketten, ist in Chemnitz sowieso sehr überschaubar.

  • An der B174 beginnen die vorbereitenden Arbeiten, wie man folgender Pressemitteilung entnehmen kann:


  • Antwortschreiben von Bahn und Bund auf Brief der OBM

    Chemnitzer Morgenpost, 12. Januar 2012
    Bahn-Klatsche für OB: Fahr doch über Zwickau!
    Barbara Ludwig will Richtung Leipzig auf Draht sein, hat aber nur Ärger
    http://www.sz-online.de/Nachri…Zwickau/articleid-2961128


    Die Antwortschreiben von Bahnvorstand Rüdiger Grube (60) und Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (57, CDU) auf den offenen Brief der Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig (49, SPD) vom Oktober 2011 ( http://www.deutsches-architekt…m/showthread.php?p=315309 ) lassen die MoPo den Schluss ziehen: So schnell wird’s nichts mit schnellen Zügen zwischen Chemnitz und Leipzig.


    Unter anderen fordert hatte Ludwig einen Anschluss ans Mitteldeutsche S-Bahn-Netz über Geithain und Borna nach Leipzig gefordert. Hierzu lautete die Antwort aus dem Berliner Verkehrsministerium: „Diese Strecke dient der Verbesserung des Nahverkehrs. Eine nennenswerte Nachfrage ist hier nicht zu erwartet.“


    Die Bahn verweist auf die bereits elektrifizierte Strecke über Zwickau nach Leipzig. Der Konzernbevollmächtigte der Bahn, Artur Stempel (59), meinte hierzu: „Hier müssen Nahverkehr und Fernverkehr besser integriert werden. Wir befinden uns im Dialog.“ In ähnlicher Weise äusserte sich auch das Verkehrsministerium: „Von Chemnitz können heute schon über Glauchau und Gößnitz Züge elektrisch nach Leipzig fahren.“


    Der Verkehrsexperte der Grünen-Stadtratsfraktion, Martin Schmidt (27), gab seine Einschätzung der MoPo: „Nach diesen Antworten kann man nicht sehr optimistisch sein, aber man muss weiter kämpfen. ... Wir sollten die Sachsen-Franken-Magistrale nicht aus den Augen verlieren. Zwischen Dresden, Hof und Nürnberg einen IC oder ICE verkehren zu lassen, halte ich für realistischer, als eine Elektrifizierung von Chemnitz nach Leipzig zu fordern.“ Der FDP-Stadtrat Wolfgang Lesch (57) sieht es ähnlich: „Der Wirtschaftsstandort Chemnitz braucht nicht nur eine gute Nord-Süd-Verbindung, sondern auch eine in Ost-West-Richtung.“


    Ludwig hat die Schreiben von Bahn und Bund gegenüber der Zeitung nicht kommentiert. Möglich ist ein weiterer Dialog, wenn der Konzernbevollmächtigte der Bahn Stempel am 26. Januar nach Chemnitz kommt und sich hier mit Landes- und Kommunalpolitikern trifft.

  • Sachsen gibt Geld für Bahnstrecke nach Chemnitz

    FP, 28.01.2012
    Sachsen gibt Geld für Bahnstrecke nach Chemnitz
    Land will Bund für Trasse von Leipzig nach Chemnitz gewinnen
    http://www.freiepresse.de/NACH…emnitz-artikel7888913.php


    Der Freistaat Sachsen will sich finanziell an der Verbesserung des Eisenbahnverkehrs zwischen Chemnitz und Leipzig beteiligen, weil die Strecke über Geithain/Borna in den Investitionsplanungen des Bundes bisher keine Rolle spielt. Dies kündigte Sachsens Verkehrsminister Sven Morlok (FDP) am Freitag im Interview mit der "Freien Presse" an: "Unser Ziel ist eine schnellstmögliche Elektrifizierung." Damit schnellere Fernzüge von Leipzig nach Chemnitz fahren und Chemnitz in das neue mitteldeutsche S-Bahn-Netz eingebunden werden kann, ist die Ausstattung der Strecke mit Fahrdrähten ist nötig. Eine
    alternative Schienentrasse gibt es laut Morlok nicht. Auf dem 36 Kilometer langen Teilstück zwischen Geithain und Chemnitz fehlt die Elektrifizierung komplett.


    Nun soll mit den Vorplanungen begonnen werden und 2013 die Plaene vorliegen. Der Baubeginn ist für 2015/2016 vorgesehen und eine Bauzeit von drei Jahren geplant. Für die Planungs- und Bauleistungen zusammen ist ein mittlerer zweistelliger Millionenbetrag als Finanzierungsanteil des Landes geplant. Die Gesamtkosten dürften mehr als 100 Millionen Euro betragen. Morlok hofft, mit der Landesinitiative den Bund von der Bedeutung der Trasse überzeugen und als Mitfinanzierer gewinnen zu können.

    In einem weiteren Schritt soll die gesamte Trasse zweigleisig ausgebaut werden. Da bislang grosse Teile der Strecke nur ein Gleis aufweisen kommt es immer wieder zu massiven Verspätungen der dieselgetriebenen Züge.


    Bereits zweimal hat der Freistaat Verkehrsprojekte, die aus seiner Sicht Bundessache sind, mit Mitteln aus dem Landeshaushalt vorangebracht, zum einen die Elektrifizierung der Sachsen-Franken-Magistrale zwischen Reichenbach und Hof und zum anderen den Bau der A 72 Chemnitz-Leipzig, an der Sachsen mit 50 Millionen Euro beteiligt ist.

  • Letztens habe ich was zu Chemnitz–Leipzig geschrieben und nicht abgeschickt.
    Es ist zwar nicht besonders spannend, aber wegwerfen möchte ich es auch nicht.


    In dem Zeitungsartikel war wieder mal ziemlich viel sinnlos zusammengewürfelt worden:


    Chemnitzer Morgenpost, 12. Januar 2012
    Bahn-Klatsche für OB: Fahr doch über Zwickau!


    Wieso jetzt Zwickau? Wer empfiehlt Fahrgästen oder Eisenbahnunternehmen, zwischen Leipzig und Chemnitz über Zwickau zu fahren? Das wäre ein völlig sinnloser Umweg.


    Wenn davon die Rede ist, elektrische Züge Leipzig–Chemnitz über vorhandene Infrastruktur zu fahren, dann geht es um Gößnitz–Meerane–Glauchau.


    Barbara Ludwig will Richtung Leipzig auf Draht sein, hat aber nur Ärger
    http://www.sz-online.de/Nachri…Zwickau/articleid-2961128


    Die Antwortschreiben von Bahnvorstand Rüdiger Grube (60) und Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (57, CDU) auf den offenen Brief der Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig (49, SPD) vom Oktober 2011 ( http://www.deutsches-architekt…m/showthread.php?p=315309 ) lassen die MoPo den Schluss ziehen: So schnell wird’s nichts mit schnellen Zügen zwischen Chemnitz und Leipzig.


    Züge, die in neuerer Zeit das Attribut „schnell“ verdienen, gibt es zwischen Chemnitz und Leipzig seit 2006. Eine Stunde für die 80 km ist eine anständige Fahrzeit.


    Unter anderen fordert hatte Ludwig einen Anschluss ans Mitteldeutsche S-Bahn-Netz über Geithain und Borna nach Leipzig gefordert. Hierzu lautete die Antwort aus dem Berliner Verkehrsministerium: „Diese Strecke dient der Verbesserung des Nahverkehrs. Eine nennenswerte Nachfrage ist hier nicht zu erwartet.“


    Da haben sie völlig recht.


    Vor allem anderen besteht Bedarf für eine schnelle Verbindung nach Chemnitz bzw. Leipzig im Takt – möglichst mindestens Stundentakt wie heute.


    Eine durchgehende S-Bahn Chemnitz-Leipzig wäre lediglich für die heute nicht vom Chemnitz-Leipzig-Express bedienten Stationen von gewissem Nutzen, weil sie Umsteigen einsparen (aber nicht unbedingt die Fahrzeit verkürzen!) würde.



    Es bringt nichts, zum Bund hinzugehen und ohne Konzept zu sagen: „Wir wollen die Strecke elektrifiziert haben.“


    Es hat auch keinen Sinn, von der Bahn einfach so zu verlangen, Fernverkehrzüge zu fahren. Fernverkehr wird in Deutschland eigenwirtschaftlich gefahren. Ohne geklärtes Verhältnis zur staatlich finanzierten Regionalexpress-Verbindung hat eine Durchbindung von Fernverkehrslinien über Leipzig hinaus nach Chemnitz keine Perspektive.


    Bevor man von irgendwem irgendwas fordert, müssten sich die Regionen resp. die beiden Zweckverbände ZVMS und ZVNL und der Freistaat Sachsen erst mal einig sein, was sie haben wollen.


    Das könnte bspw. eine verlängerte S-Bahn sein. Dass so etwas noch nie von Fachleuten vorgeschlagen oder unterstützt wurde, ist allerdings kein Zufall.


    Den Chemnitz-Leipzig-Express (wie heute über Bad Lausick) elektrisch fahren zu wollen, ist auch eine Möglichkeit, kombinierbar mit der Durchbindung heute in Leipzig endender Fernverkehrszüge der Deutschen Bahn. Mit der Strecke über Bad Lausick wäre zwar doppelt so viel zu elektrifizieren, trotzdem ist es nicht völlig unrealistisch, sofern sich die Verantwortlichen in Sachsen einig sind und ein ernstzunehmendes Konzept haben.


    Wenn sich dagegen nur Akteure aus einer der betroffenen Teilregionen in Berlin melden und irgendwelche vagen Wünsche anmelden, blocken Bund und Bahn natürlich einfach ab. Die finanziellen Mittel sind knapp und es gibt haufenweise Vorhaben, die auf Finanzierung warten und sich dadurch, dass sie solide durchdacht sind, vom politischen C–L-Theater abheben.

  • FP, 28.01.2012
    Sachsen gibt Geld für Bahnstrecke nach Chemnitz
    Land will Bund für Trasse von Leipzig nach Chemnitz gewinnen
    http://www.freiepresse.de/NACH…emnitz-artikel7888913.php


    Wenn die Landesregierung dahintersteht, ist das schonmal was – ohne die geht es nicht.


    Was mich wundert: Erst elektrifizieren, dann zweigleisig ausbauen?


    Beim Ausbau bis 2006 entstand ein zweigleisiger Begegnungsabschnitt nördlich von Narsdorf, ansonsten wurde wenig Rücksicht auf den möglichen Wiederaufbau des kriegsdemontierten zweiten Gleises genommen. Wenn ich mich nicht irre, liegt das Gleis teilweise sogar mittig auf dem Planum.


    Was aus dem Artikel nicht hervorgeht, ist die nötige Antwort auf die Frage, wie das Verkehrsangebot mit dem heutigen Chemnitz-Leipzig-Express fahrzeitmäßig mithalten können soll. Infrastrukturplanung ohne Fahrplankonzept ist wertlos.


    Auch interessant: Bei der Elektrifizierung von Borna–Geithain verlangte der ZVNL im Genehmigungsverfahren beim Eisenbahnbundesamt (EBA), dass die Elektrifizierung im Hinblick auf Fernverkehrszüge o. ä. für 160 km/h statt nur 120 km/h ausgeführt würde. Das EBA wies diese Forderung zurück, da es keine konkrete Planung für Züge, die das bräuchten, gäbe. (Weil die S-Bahn alle paar Kilometer einen Halt hat, profitiert sie praktisch nicht von einem Ausbau für höhere Geschwindigkeit; der wäre nur für durchfahrende Züge gut und da gab es nur die vage Idee von Fernverkehr über diese Strecke.)


    Zur Frage der Finanzierung durch den Bund: Der Ausbau der Bahnstrecke Chemnitz–Leipzig bis 2006 wurde nach dem Bundesschienenwegeausbaugesetz finanziert.