Beiträge von nothor

    Trauriges Haus ohne Perspektive

    ... titelte am 15. April die Print-NN über das schmucke Gründerzeithaus in der Erlenstraße 17. Anwohner und Passanten sehen seit Jahren dem Verfall des Gebäudes zu und machen sich Sorgen um dessen Zustand. Der Aufreger dabei war auch, dass es doch einen erheblichen Wohnungsmangel in Nürnberg gebe und u.a. hier ein ganzes Wohnhaus leer stünde.

    Danach begannen aber Entrümpelungsarbeiten und seit letzter Woche steht ein Gerüst vor der attraktiven Fassade:

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    Ich fragte die Arbeiter vor Ort was dort geplant sei, aber die wussten nichts, sagten nur dass sie nur das Gerüst hinstellen würden. Von der Bauart her würde ich aber sagen dass die Fassade aufgearbeitet und nicht abgerissen wird. Hoffen wirs. Ich behalte das natürlich im Auge!

    Hinsichtlich der Wohnkosten muss man auch immer sehen, dass ja nicht alle 3,7 Mio Berliner auf Wohnungssuche sind. Und wer eine Wohnung hat würde sich bei einer Befragung immer dergestalt äußern, dass sie gerne größer, moderner und billiger sein könnte. Wer eine sucht beklagt natürlich, dass er kaum was günstiges und verfügbares findet. Aus meinem Bekanntenkreis weiß ich dass jene, die einen Mietvertrag aus den Nullerjahren haben, aber die Wohnung aktuell nicht nutzen, diese untervermieten, denn "zu dem Preis kriegste ja nie wieder was", und der Millieuschutz sorgt effektiv dafür, dass Vermieter da kaum hinterher sind.

    Dass das Mietenthema die Leute in Massen bewegt ist m.E. auch übertrieben und ist ein einfach zu politisierendes Thema, aber ein politisch schwer lösbares. Die Mehrheit der Berliner dürfte zufrieden sein mit ihrer individuellen Situation, sind aber hinreichend aufgeschreckt und sensibilisiert durch das ständige Hochkochen.

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    Danke für deine Argumente dazu. Und ja, natürlich finde ich nicht, dass die Denkmalexperten in den jeweiligen Prozessschritten nicht ihr Gehalt bekommen sollen, und ich maße mir auch nicht an, über dessen Höhe zu urteilen. Mir fehlt aber strukturell eine Ebene dazwischen, also zwischen

    a) Ich saniere für Abermillionen, was sich, so die landläufige Haltung dazu, niemals rechnen wird, und

    b) dem Totalverlust, weil sich einfach niemand findet der a) zu tun bereit ist.

    Das ist eine ganz-oder-garnicht Ausrichtung des Denkmalschutzes, über den einmal nachgedacht werden muss. Z.B. könnte jemand, der seine Zuverlässigkeit bewiesen hat von bestimmten Auflagen befreit werden.

    Was denkst du, hättest du das mit der Mühle nicht doch in Angriff genommen, wenn es diese Zwischenebene gegeben hätte? Und viel spannender ist ja, wie diese Zwischenebene aussehen kann. Denn das müsste ja so gestaltet werden, dass letztlich nicht alle auf diese Zwischenebene gehen wollen. Z.B. könnte die Höhe der Denkmalförderung danach gestaffelt sein, wie alt und wie selten das Objekt ist. Gleichsam energetische Vorschriften gelten immer weniger, je älter ein Objekt ist. Ggfls. hätte das einen entsprechenden Effekt.

    Sorgenkind Pilatushaus

    Wie die Altstadtfreunde in ihrem letzten newsletter bereits geschrieben haben treibt ihnen das Projekt die Sorgenfalten auf die Stirn. Nicht aus baulichen Gründen, weil irgendwas kaputter ist als gedacht und man Notmaßnahmen einleiten müsse um irgendwas zu retten, nein, es geht m.E. ausschließlich um Bürokratie. Das hat mit dem Haus und seiner Substanz erstmal nichts zu tun:

    • Die aktuelle Kostenschätzung liegt bei 7,8 Mio €. Siebenkommaacht Millionen!!! Für ein durchschnittlich großes Mehrfamilienhaus ohne Garten, welches nur aus Holz und Steinen besteht, und das ohne behördliche Vorgaben von jedem talentierten Zimmermann gerettet werden könnte.
    • Die Baugenehmigung ist zwar bereits da, aber nicht die Bewilligung der Zuschüsse! Und wie das bei öffentlichen Zuschüssen ist, man verwirkt seinen Anspruch darauf sobald man ohne Bewilligung loslegt. Dann wird unterstellt dass man sie eigentlich nicht braucht und bekommt sie auch nicht. Also kann man nicht beginnen.
    • Die Zuschüsse, wie ich hörte, müssen aber von den Denkmalbehörden/städtischen Dienststellen beantragt werden. Und hier haut gerade die Haushaltssperre der Stadt Nürnberg rein. Die Haushaltssperre, die zwar beim Frankenschnellweg nicht gilt, und auch nicht beim Stadion oder so, aber bei Nürnbergs schönstem Platz und wichtigstem Fachwerkhaus. Irre.

    Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen:

    Das Denkmalschutzgesetz ist eine in Gesetz gegossene Regelung, die auf demokratischen Füßen steht, d.h. es ist zu unterstellen, dass die Allgemeinheit es so will. Wenn es die Allgemeinheit mehrheitlich ablehnt, dann ist schonmal die Verfassungskonformität des Gesetzes fraglich. Darüber hinaus ist auch die Stadt Nürnberg als Körperschaft öffentlichen Rechts ein auf demokratischen Füßen stehende Entität, die sich durch Kommunalwahlen und Bürgerbefragungen, Dialogen, runden Tischen und weiß der Kuckuck die Volksmeinung zu eigen macht und umsetzt. Die Stadt Nürnberg hat nun aber das Pilatushaus nicht selbst renovieren wollen, u.a. weil Denkmalschutz und teuer und einfaches Wohnhaus, man sei ja kein Vermieter usw. usf. Man hat sich also eine ablehnende Haltung gegenüber eines Objektes aufgrund dessen allgemeinrechtlich besonderen Schutzes angeeignet, und das als Allgemeinheit! Wenn man sich das mal durchdenkt und erkennt, dass die Öffentlichkeit öffentliche Regeln ablehnt, wird einem Angst und Bange.

    Nun kamen damals aber die Altstadtfreunde und haben sich bereit erklärt, der Stadt diese Bürde in Erbpacht abzunehmen und zu sanieren. Und hier kann ich nur hoffen, dass der Erbpachtvertrag entsprechend die Pflichten der Stadt festgezurrt hat, nämlich dass sie ihren Teil beitragen muss, nämlich die Bearbeitung und Weitergabe der Förderanträge zeit- und sachgerecht zu übernehmen.

    Man stelle sich mal das alternative Szenario vor: Die Altstadtfreunde beginnen nicht, das Haus verfällt und die Stadt zwingt per Auflage usw. die Altstadtfreunde zum Handeln. Wär doch der Treppenwitz des Jahres, der m.E. auch dazu geeignet wäre das aktuelle Denkmalrecht komplett in Frage zu stellen. Ich bin ja schon länger Kritiker dieses Rechts- und Verwaltungsgebietes, es passieren zu viele Fehler und es dient zu wenig den Menschen. Wenn die Stadt jetzt Private dazu zwingen würde Dinge zu tun, die sie selbst nicht zu tun bereit war. Irre.

    Weiter schreiben die Altstadtfreunde exemplarisch, dass die Kosten für die obligatorische archäologische Untersuchung explodierten, von ursprünglich veranschlagten 40.000 € hat sich der Betrag vervierfacht. Und da wurde nur untersucht und fotografiert, beschrieben und abgeheftet. Wenn man so will, reine Bürokratie. Und das ist es auch was ich denke, es ist reine Bürokratie: Auflagen, Auflagen, Auflagen. Es sind unmöglich die Holzbalken, Ziegelsteine oder Mörtel, was es so teuer macht, sondern Scharen an Theoretikern, die Kilometer an Dokumentationen schreiben müssen, die irgendwo vorgelegt werden müssen, damit Haken in Listen gesetzt und wiederum Förderungen fließen können, die man braucht um die Theoretiker zu bezahlen.

    Ein Ausweg wäre nach meiner blauäugigen Meinung: Denkmalschutz aberkennen/aussetzen/verausnahmen, die Altstadtfreunde machen lassen, ohne den bürokratischen Wahnsinn, das würde alle Seiten entlasten und ehrlicherweise übertreffen die Altstadtfreunde doch ohnehin das denkmalfachlich geforderte um Längen. Besser als auf den Denkmalschutz zu pochen und das Haus dadurch zu verlieren.

    Dekoratives Anführungszeichen

    Und dass das neue WTC "so gar nicht mithalten kann", mag ich auch nicht unterschreiben...

    Ich schon. Das neue OWTC wird eines Tages von noch höheren Gebäuden drumherum überragt werden, und damit zumindest hinsichtlich der Skyline untergehen, im Meer der unzähligen Einzeltürme verschwinden. Ich merke es ja selber, dass ich bei der heutigen Skyline Manhattans kurz überlegen muss ob es wirlich Manhattan ist, und nicht irgend eine andere am Wasser liegende Hochhausstadt. Das wäre den Zwillingstürmen nicht passiert, die hätte man in ihrer Schlichtheit, und das besondere war ja das Duo, immer sofort wieder erkannt und damit NYC identifiziert. Grundsätzlich bin ich ja kein Fan dieser schlichten Lè Corbusiér Gigantomanie, derer ja einiges in Manhattan zu finden ist, aber das WTC war schon herausragend.

    Aber ich kann das nur als Betrachter der Skyline oder abstrakten Luftaufnahmen, Hubschrauberüberflügen und was weiß ich nicht alles aus diversen Filmen und Serien beurteilen. Als Fußgänger davor stehend, die Plaza überlaufend usw. mag das völlig anders sein.

    Allein wenn man sich amerikanische Filme aus den 1970'ern und danach ansieht, wenn als Spielort NY vorkommt, tauchen immer diese Türme auf, als weit entfernte Kulisse der im Vordergrund stattfindenden Szenen: Ghostbusters, Wall-Street-Leute und alles mögliche, für mich waren die WTC-Türme daher immer DAS Wahrzeichen für die USA- Und tatsächlich fehlen sie bis heute in der Skyline von Manhattan. Leider hab ich sie nie live gesehen.

    Teil 2

    Im 3. OG wird es nochmal interessant: Der große straßenseitige Hauptraum wird hier eine moderne Besonderheit aufweisen:

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    Um die Tragfähigkeit der Zwischenwand zu erhöhen und um die Lasten in die seitlichen Wände abzuleiten wurde ein Stahlfachwerk eingefügt. Wie bemerkenswert das ist! Das Haus, ursprünglich aus Holzfachwerk wird nun mit Hightech aus dem späten 19. Jahrhundert, dem Stahlfachwerk verstärkt. Die Technik, die auch den Eifelturm bis heute prägt und unzählige v.a. Eisenbahnbrücken.

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    Auf den ersten Blick sicher gewöhnungsbedürftig, aber nach einem kurzem Innehalten wirklich gekonnt wie ich finde. Und lobenswert ist hier auch die Leistung der Beteiligten, die obligatorische Forderung des Brandschutzes, diese Teile feuerfest verkleiden zu müssen, zu umschiffen. Ich nehme an, dass die Wände dahinter bereits oberflächenfertig sind.

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    Wie würdet ihr diese Wand letztlich gestalten und Nutzen?

    Genau so spannend ist die Außenwand:

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    Ähnlich wie im Pellerhof ist auch diese innen gedämmt mit Kalziumsilikatplatten. Ich denke das ist etwas ähnliches die Gasbeton/Ytong, aber noch leichter. Hier erkennt man aber zusätzlich wie eine geometrisch komplexe Oberfläche mit angefasten Kanten usw. Stoßfest gemacht worden ist. Da kommt sicher noch eine weitere Lage Kalziumsilikatplatten zwischen die Hölzer.... oder gleich alles mit Fermacell zu? Ich weiß es nicht genau:

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    Der Raum im Seitenflügel wiederum hat hier mit blankem Fachwerk wieder eine ganz andere Anmutung. Mir persönlich gefällt ja die vertäfelte Variante ein Stockwerk tiefer am Besten:

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    Auf zum Finale nach oben, den gewaltigen Dachstuhl:

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    Interessant zu erfahren war auch, dass das Gebäude wohl keine eigene Außenwand zum östlichen Nachbarn besitzt, sondern dessen Wand mit nutzt. Wenn ich das richtig verstanden habe hat man ja das Fachwerk im 17. Jahrhundert bei der barocken Modernisierung weitgehend zurück gebaut, und - heimlich oder offiziell genehmigt - einfach die starke und bereits vorhandene wand des jüngeren Nachbarn mitgenutzt. Entsprechend sind in die Oberfläche Vertiefungen eingestemmt, um die Treppenstufen zu halten.

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    Hier sieht man es auch: Die Wand gehört dem Nachbarn. Und man kann auf meinem Bild vielleicht erahnen, es geht nochmal zwei nutzbare Ebenen nach oben, die allerdings noch nicht begehbar ausgebaut sind. Und sicherlich auch keine eigenständigen Wohnräume bilden werden, dazu wird es dann doch zu beengt. Nach Bauplan entsteht eine Galerie, also eine teilweise offene Decke, und ein geschlossener Spitzboden. Womöglich zur Unterbringung weiterer Technik.

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    Im Dachgeschoss ist die Schreinerwerkstatt während der Bauphase eingerichtet. Hier ist Platz, und im Dachstuhl wird ja auch das meiste Holz benötigt.

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    Die Geländerführung wurde z.B. eigens für diesen Besichtigungstag errichtet, damit die Bauleute am Montag auch ihr Material und Werkzeug noch wiederfinden. Ein wirklich interessantes Stück Bauschmuck lässt sich nun hier aus nächster Nähe bestaunen, einen originalen Nürnberger Aufzugserker:

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    Mit Stilelementen der ausgehenden Renaissance mit gotischen Details, wie dem Fischblasenmuster in den Brüstungsfeldern:

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    Sowie Seitenteilen in barocken Formen. Das abgenommene, stark verwitterte Original ist rechts angenagelt, die Rekonstruktion aus frischem Holz und ohne Fassung ist bereits an Ort und Stelle:

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    Auch gut erkennbar ist der Durchlass der Erkerunterseite für die Seile des Aufzugs, um Material in den Dachboden zu hieven. Die eiserne Kurbelwinde ist auch noch vorhanden und liegt beiseite:

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    Einst wird der Erker auch eine Spitze aus Kupfer bekommen. Die Maßzeichnung 1:1 liegt bereit. Die Spitze wird wohl, wenn ich das richtig verstanden habe, von Herrn Held in Handarbeit hergestellt werden, einem hochbetagten, begnadeten Kunstspengler, der bereits die sensationellen Wasserspeier für den Pellerhof geschaffen hat:

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    Und wie ich erfuhr kann man auch an Teilen des erfreulicherweise noch original erhaltenen und nutzbaren Dachstuhls die Arbeit der Zimmerleute von vor über 400 Jahren ablesen:

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    An diesen eingeschlagenen Kerben, die eine Markierung eines ausgeklügelten Montagesystems darstellen, konnten die Zimmerleute die angelieferten Hölzer wie vorgesehen zum fertigen Dachstuhl zusammenfügen. Anscheinend wurde der Dachstuhl nämlich nicht auf dem fertig gebauten Wänden des Rohbaus hingebastelt, sondern 1:1 auf der Peunt, dort wo das Baumaterial für die Baustellen der Stadt angeliefert und in die Stadt gebracht wurde, erstmal maßgenau errichtet, markiert und wieder demontiert, um ihn auf der Baustelle rasch aufzurichten zu können. Wusste ich auch nicht.

    Nach dieser Reise durch mehrere hundert Jahre Nürnberger Baugeschichte nun ein Helles im Lokal im Erdgeschoss. Zu dieser Mittagszeit noch wenig besucht und sehr ruhig. Das Lokal wird wenn ich das richtig verstehe auch bleiben können, es ist ja auch eine Institution in der Straße. Wohnraum kann man da eh nicht draus machen:

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    Summa Summarum super spannend, und auch wenn es kein Projekt der Altstadtfreunde ist, man sieht ihre Handschrift doch überall in dem Gebäude. Und wenn man sich vergegenwärtigt, dass die Projekte der Altstadtfreunde immer den Gold-Standard darstellen, ist das für dieses Objekt umso erfreulicher, und ich hoffe auch dass das dem Eigentümer die eine oder andere Sorgenfalte erspart.

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    Wörthstraße 19

    Das dürfte wohl eine recht einmalige Gelegenheit gewesen sein, dieses Jahr zum Tag des offenen Denkmals hier eine Baustellenbesichtigung zu machen. Und ich sortiere den Beitrag hier deshalb ein, weil die Altstadtfreunde dort auf der Baustelle wohl gut unterstützen und auch den T.d.o.D. mitgestaltet haben, auch wenn das Gebäude in Privatbesitz ist und von dem Eigentümer saniert und später genutzt werden wird.

    Lt. Denkmalliste ist handelt es sich bei dem schmucken Gebäude um ein "Bürgerhaus, viergeschossiger Sandsteinquaderbau mit Steilsatteldach und hölzernem Aufzugserker, rückwärtig Seitenflügel, im Kern vor 1500, Ausbau 2. Hälfte 16. Jh. und 17. Jh.". Im Erdgeschoss befindet sich eine recht beliebte Kneipe, die immer gut besucht ist und auch während der nun schon dreijährigen Sanierungszeit geöffnet ist. Wir waren nach dem Baustellenbesuch drin. Aber nun erstmal ab durchs Haus. Das Erdgeschoss ist eigentlich recht einfach gegliedert, es besteht im Grunde nur aus der Kneipe "Kloster" links, und das rechte Gebäudedrittel ist der Eingangs- und Aufgangsbereich in das eigentliche Gebäude und zum Hof.

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    Überspannt ist das Erdgeschoss, zumindest der hintere Teil mit einem gemauerten Gewölbe:

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    Zwischen Gewölbeoberseite und dem Tragwerk des Geschossfußbodens im 1. OG befindet sich ein sog. "Kriechraum". Ziemlich ungewöhnlich, finde ich, dass hier über ein Meter der Deckenhöhe im EG verschenkt wurden, andererseits kann man hier seiner Phantasie freien Lauf lassen bezüglich einer möglichen Nutzung des Raumes. Anscheinend ist hier noch keine dedizierte Nutzung festgelegt worden. Sicher ließe sich ein Bretterboden plan installieren auf dem man dann dies öder jenes lagern könnte, für die Bewohner der Wohnungen in den Obergeschossen z.B., die dann mit Teleskopstangen hier ihre eingelagerten Urlaubskoffer rausziehen könnten.

    Falls sich jemand fragt wieso ich aber insgesamt so wenig zum Erdgeschoss zeige: Es gibt wirklich nur diesen vorderen Teil. Das Gebäude steht in Hanglage, und wie man auf dem Plan sehen kann liegt der Boden des Innenhofs im 1. OG. Hanglage.

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    Und im 1. OG gibt es sodann reichlich Dinge zu besichtigen. Z.B. dieses große Zimmer mit der Balken-Bohlen-Decke:

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    Der beeindruckende Mittelbalken liegt auf mit Konsolen verzierten Lagern in den seitlichen Wänden. Ich fand es ziemlich ungewöhnlich dass man das so gemacht hat. Und vermute sogar, dass der Querbalken jünger sein könnte als die Decke insgesamt ist, denn das Knickmaß ist das längst mögliche. Die Knicklänge ist eigentlich immer als kürzest mögliches Maß zwischen zwei Punkten zu wählen, um eine Last abzufangen. Aber vermutlich ist er später eingezogen worden weil die Decke durchhing. Aber das rate ich hier nur, wir waren ziemlich allein auf dem Stockwerk und haben da nicht viel dazu erfahren.

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    Ach spannend sind die sichtbaren Zuganker, mit denen die Balken mit der Vorderfassade verbunden sind, und damit auch verhindern, dass diese nach außen ausbuchtet. Ich meine mich zu erinnern, dass das bei dem Haus in der oberen Schmiedgasse 54 so gewesen ist, wo man dann genau diese Verbindung nachrüsten musste.

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    Blick Richtung Stiege und dem Hof, der nur hier vom 1. OG zugänglich ist:

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    Der Hof, noch komplett überbaut mit den vielen Baugerüsten:

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    Die Mauer, die man hinten sieht ist die Abfangmauer des abschüssigen Grundstücks. Angeblich soll dort ein Anbau gestanden haben, der bereits abgerissen worden ist. Dazu kann ich hier leider nicht viel sagen. Es wurde aber vermutet, dass die sichtbare Sandsteinmauer Teil der ersten Stadtmauer gewesen sein könnte, die das Mittelalterliche Nürnberg umgab und zu der auch der Laufer Torturm und der Weiße Turm gehörten, vor der ersten Stadterweiterung. Das könnte von der Lage her passen.

    Das Gebäude wurde lange zeit von einem Textilhändler und -fabrikanten genutzt. Aus dieser Zeit haben sich wohl noch Briefe und Unterlagen angefunden, die man hier zeigen könnte und die natürlich für die Forschung zur Baugeschichte von höchstem Interesse waren:

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    Der Seitenflügel an der Westkante des Grundstücks ist im 1. OG noch eine reine Baustelle, man erkennt nur schwer das künftige Raumgefüge:

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    Auch gut zu sehen: Nahezu jeder Balken musste angelascht werden, alle Balkenköpfe wurden erneuert. es ist sehr viel frisches Holz zu sehen gewesen. Aber auf in das zweite Obergeschoss. Hier wird man direkt von einer schmucken Kassettendecke empfangen, die wohl aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhundert stammt

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    Die Decke wirkt jünger, aber sie muss noch aus der Zeit stammen, hieß es, als das Gebäude noch seine Fachwerkfassade besaß, der später die Sandsteinfassade vorgeblendet wurde. Zu erkennen an dieser Stelle an der Fensterseite: Die Felder waren wohl mal barock flächig ausgemalt und mit einer Marmor-imitation versehen. Und die Deckenkonstruktion ist hier nicht mit der Wand verbunden, sondern steht ab. Diese Abschnitte wurden dann später nach dem Entfernen des Fachwerks irgendwie anderweitig kaschiert.

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    Wenn ich das richtig verstanden habe wird die decke künftig wieder flächig gefasst, ohne Ornamentik. Entsprechende Fehlstellen im Holz wurden bereits ergänzt, die Fläche ordentlich abgeschliffen und geglättet:

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    Auch schön, die Wandgestaltung aus der Jugendstilzeit:

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    Und der Ausblick auf die Burg:

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    Richtig weit ist man hier im 2. OG allerdings mit dem Zimmer(n) des Seitenflügels:

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    Alles schön vertäfelt und bereits farbig gefasst. Es fehlt nur noch der Parkettfußboden. Übrigens, die elektrischen Leitungen liegen hier im Fußboden. Spart aufwändiges Schlitzen der Wände und schont die Statik.

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    Die kleine Türe, vielleicht 1,70 hoch, führt in einen wohl noch kleineren Raum ganz hinten. Dieser dürfte dann wiederum mit dem Hof verbunden sein, wenn ich die Skizze oben richtig lese.

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    Und nun gehts weiter nach oben über die ab hier wunderbar erhalte, vermutlich barocke Stiege aus Eichenholz:

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    weiter in Teil 2

    Sachstand im Germanischen Nationalmuseum

    Das Tiefdepot ist baulich mittlerweile fertig. Auf dem Deckel ist der große Klosterhof wieder hergestellt worden und wird anscheinend auch als Kulturgarten genutzt.

    Von der Baustelle des Tiefdepots ist nun nichts mehr zu sehen.

    Stattdessen kann man im Hintergrund die neue Baustelleneinrichtung erkennen für den Chipperfield-Entwurf, der den Kreuzgang nun endlich wieder komplettieren wird. Man wird also künftig endlich wieder rundherum um den großen Klosterhof gehen können. Der Übersichtsplan skizziert die aktuelle Baustelle, den Klosterhof sowie die Sanierung des Süd- und Südwestbaus:

    Der ergänzte Kreuzgang. Ich bin ja schon froh dass man hier überhaupt mit würdigem Material und Spitzbogenfenstern arbeitet. Das Potpourri, welches das GNM heutzutage architektonisch ist, bekommt so halt eine neue Schicht. Klar, es ging auch höherwertiger, aus Sandstein und meinetwegen mit modernen Schmuckformen hätte ich schöner gefunden. An den 19 Spitzbogenfenstern könnten sich Künstler ganz wunderbar mit tollen Entwürfen einbringen.

    Innenansicht. Ob in dem Gang auch Kunst ausgestellt werden wird, ich weiß es nicht. Davon ist aber auszugehen, denn Platz ist in einem Museum dieser Kategorie ja immer Mangelware.

    Der Südbau von Sep Ruf wird weitgehend im Originalzustand erhalten bzw. unsichtbar modernisiert. Ist ja einer der Leitbauten dieser lokalen Architektenikone.

    Das wird alles noch etwas dauern. Aber wenn man sich etwas Zeit nimmt und das Museum mal losgelöst von den Ausstellungsstücken nur die Architektur anschaut, dann kann man schon erkennen dass die nächsten Baustellen schon warten. Und irgendwie verbirgt sich hier auch Erweiterungspotenzial zwischen den einzelnen Flügeln.

    Das GNM ist wie eine Kunststadt innerhalb der Altstadt! Ich bin sehr gerne dort!

    Letztlich kulminiert es in der Frage wie man ein Stadtbild sieht und wie man es entwickeln will. Da gibt es m.M.n. die beiden Prinzipien des Kontrastes und der Harmonie.

    Beim Kontrast sage ich, einem Solitär, meinet wegen einem Turm darf ich nur niedrige Bebauung hinzugesellen, damit der Turm konkurrenzlos als Turm wirken kann.

    Bei der Harmonie sage ich, wo ein Turm steht kann auch gerne noch ein weiterer hin, es darf ein Cluster, ein Ensemble entstehen.

    Beides kann funktionieren und ist sicherlich auch abhängig sowohl von der Zeitschicht, die man herausgearbeitet haben möchte, als auch vom persönlichen Empfinden. Viel mehr noch: Die Prinzipien des Kontrastes und der Harmonie funktionieren in zwei Ebenen: In der Kubatur/Baufigur einerseits, und in den Details wie Materialität, Textur, Ornamentik oder Fensterformaten usw. usf andererseits. Beispiel: Mir fällt da immer der Kollhoffsche Potzdamer Platz in Berlin ein, mit den drei Hochhäusern. Diese bilden ein Ensemble, aber nur weil sie durch Ebene 1 "Kubatur/Baufigur" verbunden sind. Sie sind gleich hoch und schauen aus den meisten Blickwinkeln im Schattenriss ähnlich aus. In der Ebene 2 sind sie aber kontrastierend, ein Glasturm steht neben einem Backsteinhochhaus und einem Kombientwurf aus Glas und gelben Klinker. Soetwas funktioniert. Das geht auch umgekehrt, wenn z.B. dort nur das Backsteinhochhaus stünde und von kleineren Backsteingebäuden umgeben wäre.

    Das heutige Wempe-Haus kontrastiert in beiden Ebenen mit dem Nürnberger Altstadtbild und dem Weißen Turm, und deswegen gefällt es mir nicht, ist es dem Ursprungsentwurf m.M.n. unterlegen.

    Ja wir sind da leider in einer reinen Geschmacksdiskussion. Mein Punkt ist: Wenn man sagt, dass der Wempe-Ursprungsbau den Weißen Turm bedrängt - ihn also nicht ergänzt, bereichert, sich dazu gesellt oder so, um mal eine positive Konnotation zu verwenden, sondern die negative Sichtweise bevorzugt: "bedrängt", man könnte auch sagen "auf die Pelle rückt", "beeinträchtigt" usw., dann muss man aber auch anerkennen, dass das gewissermaßen für das Wollfsche Rathaus auch gelten muss, welches den gotischen Rathaussaal "bedrängt". Für mich sind das keine validen Argumente, denn so funktioniert Stadtbild nunmal. Das Wolffsche Pellerhaus - welches vermutlich sogar mal weiß getüncht gewesen ist, wie historische Schriften beschreiben - hat sicherlich auch seine Umgebung "bedrängt". Gerade diesen beiden Beispiele finde ich sehr spannend und anschaulich, denn beiden kann man nicht nachsagen, dass das nicht Nürnbergisch sind. Im Gegenteil, vielmehr haben wir den Wolffs herausragendes zu verdanken, welches Weltrang erlangte. Zugleich würde ich ohne zu zögern die These aufstellen, dass die ursprünglich aus Sachzwängen heraus entstandene Kleinteiligkeit der Fassaden- und Dachlandschaft der Altstadt bereits deutlich vor 1900 als ein Stilmerkmal der Altstadt erkannt wurde, welches Selbstverständlich bei Entwürfen für Neubauten berücksichtigt werden musste. Seinen Höhepunkt fand das im Neubau des Karstadt, der allein deshalb m.M.n. unter Denkmalschutz gehört. Aber hier haben sich die Denkmalschützer vertan und das falsche Kaufhaus unter Schutz gestellt.

    Ich trommle ja nur dafür mal aus den festgefahrenen Furchen der hergebrachten Forschungsleitsätze auszuscheren und den Gedanken zuzulassen, dass man sich schon im 19. Jahrhundert Gedanken zum Stadtbild gemacht hat, dass es Denkmalpflege bereits vor 1973 (Einrichtung des Denkmalschutzgesetzes) gegeben hat und dass auch diese "weiche Wissenschaft" dem Zeitgeist unterworfen ist. Wer die Art und Weise kennt, wie man von 100 Jahren in den hochrangigen Museen dieser Welt Ausstellungen organisierte und Sammlungen präsentierte weiß was ich meine. Deshalb ist es für mich kein Fehler, sondern möglicherweise sogar gewollt gewesen, dem Weißen Turm (der wenn ich mich nicht täusche auch schon Gegenstand von Abrissplänen gewesen war) etwas ebenbürtiges gegenüber zu stellen. Die Randbebauung des heute freistehenden Turms hat man schließlich auch abgerissen, was man heutzutage nicht mehr tun würde.

    Deshalb widerstrebt es mir zutiefst, den Ursprungsentwurf des Wempe-Baus als nicht gelungen zu bezeichnen. Das mag aus heutiger Sicht und mit heutigem Empfinden so sein. Damals passierte der Entwurf aber alle Genehmigungsstufen, und damals gab es auch noch die sog. "Baupolizei", die sich geschmacklich-gestalterisch eingebracht hat und schonmal einzelne Gesimse oder Schmuckelemente aus einem Entwurf entfernen ließ.

    Ich denke ich habe da wohl einen anderen Blickwinkel auf die Sache: Für mich ist die Zäsur in der Nürnberger Stadtbildpflege nicht die Abkehr vom Heideloffschen Nürnberger Stil, der ja lediglich eine Spielart bei den Nürnberger Neubauten auch in der Altstadt gewesen ist Ende des 19. Jhrds. Und dessen Rückgang ja schon die Zeitgenossen in Kritikschriften beklagten und vor dessen Hintergrund man den Bau als damalige "neureiche Renditekiste" beschreiben kann. Das betrifft aber so einige Neubauten der damaligen Zeit, die unterschiedliche Qualitäten mitgebracht haben, wie z.B. das Cafe Beer, die alte Polizeikaserne an der Augustinerstraße (verschwunden), das prächtige Leykauf-Geschäftshaus vis-a-vis der Lorenzkirche (verschwunden), das Bankgebäude in der Königstraße, das Sozialgericht, und unzählige andere damalige Neubauten, auch in der Luitpoldstraße usw. usf. die sicher nicht im Geiste des Nürnberger Stils entstanden sind. Aber wohl im Geiste des Historismus allgemein, der ein Weiterbauen der gewachsenen europäischen Stadt durch Zitate bewährter, auch lokaler Stile, neue Mischungen und Weiterentwicklungen, Spielarten usw. darstellt, das gewachsene Stadtbild behutsam weiterbaut und dezent aber gekonnt Internationalität hineinbrachte. Deshalb stehen wohl auch alle diese Gebäude, die überdauert haben nun unter Denkmalschutz.

    Die Zäsur ist für mich der 2. WK und der in der Folge unterlassene detailgetreue Wiederaufbau. Nicht die schleichende Entwicklung und Anpassung an einen internationalen Stil die eben auch nicht 1900 begann, sondern welches sich durch das Pellerhaus und nicht zuletzt auch das Rathaus bereits Jahrhunderte zuvor ankündigte. Ein natürlicher Prozess, den jede europäische Stadt, ja im Prinzip jede lebendige Stadt weltweit durchlebt. Vor diesem Hintergrund sind Gedankenspiele, wie "Giebel zur Straße waren zum Beispiel ein 'no-go' " m.E. nur folkloristische Fundstücke in historischen Unterlagen. Ja, das war so. Aber bis wann und für wen galt das? Und warum sind Beispiele, die dem nicht folgten, nicht "Nürnbergisch". Ist es nicht vielmehr so, dass sich bereits Anfang des 20. Jahrhunderts veränderte, was man als Nürnbergisch bezeichnet? Ich z.B. finde auch das oft gescholtene "Sebalder Kontore" als Nürnbergisch, ich könnte mir sehr wohl vorstellen, dass das Gebäude genau so entstanden wäre, wenn es die Zerstörungen des 2. WK nicht gegeben hätte, nicht drumherum die Steppe wäre wo es ganze Straßenzüge gibt ohne einen einzigen Dacherker, einen einzigen Sandstein usw. Die Sebalder Kontore würden außerhalb Nürnbergs auch heutzutage keinen Sinn ergeben.

    Völlig anders als der heutige Anblick des Wempe-Hauses. Das könnte so auch in Bottrop stehen. Der Vorzustand dagegen ist passgenau ein Kind seiner Zeit im Nürnberg der vorletzten Jahrhundertwende:

    Die zerklüfte Dachlandschaft ist doch genau das was Nürnberg ausgemacht hat. Genau das was das Ziel des Wideraufbaus gewesen ist, als man festlegte, dass der Blick von der Burg weiterhin eine lebhafte, ziegelrote Dachlandschaft präsentieren müsse. Hier hat der Architekt sie halt simuliert, kann man natürlich schön finden oder auch nicht. Die Verwendung von Sandstein kombiniert mit Putzflächen, ebenfalls lokalgetreu. Eine an sich eher schmucklose Fassade, lediglich der prächtige schauseitige Erker sticht heraus. Unzählige mittelalterliche Gebäude haben das vorgegeben. Die beiden Neorenaissance-Giebel, vielleicht waren es sogar derer drei: Ebenfalls keine Seltenheiten in der Altstadt, zeitgenössisch üblich und gern genommene Zitate mittelalterlicher Vorbilder. Die bildhauerischen Details an dem Gebäude kann man leider von dem alten Druck her nicht ablesen, aber dass das Haus nicht nürnbergisch ist kann ich absolut nicht nachvollziehen. Es ist kein Heidelloff bzw. Essenwein-Entwurf, ja. Der heutige Zustand ist es aber. Es ist ein typischer Nachkriegswiederaufbau, der überall stehen könnte. Vielmehr könnte man die Wirkungsphasen Heidelloffs und Essenweins als Episode bezeichnen. Den Versuch, dem gewachsenen Stadtbild ein einheitliches, lokales Gepräge zu geben, wie es Hofbaumeister in Residenzstädten taten. Was ich damit sagen will: Es gab in der Stadtgestaltung auch noch Anfang des 20. Jahrhunderts kleinste gemeinsame Nenner, was insbesondere eine lebhafte Dachlandschaft und eine zurückhaltende, aber durch Sandstein bzw. Sandsteinornamentik und Putzflächen oder Ziegel strukturierte Fassade betraf, an die sich eigentlich alle hielten und wofür der alte Entwurf ein gutes Beispiel darstellt.

    Wie gesagt, ich kann es verstehen wenn man diesen Entwurf nicht wunderschön findet. Er wäre vermutlich auch außerhalb Frankens durchgefallen, aber hier finde ich passt er und es ist bedauerlich, dass der heutige Zustand so viel ärmer und beliebiger ist.

    Übrigens, meine Ansicht trifft m.E. auch auf das sog. "Marmorhaus" zu, bei dem manche den Ursprungsentwurf ja schlimm finden und die geglättete, vereinfachte Fassade ja viel angenehmer. Dabei hat die im Geiste der neuen Sachlichkeit umgestaltete Fassade weniger mit Nürnberg gemein als die überbordende Originalversion.

    Neubau Äußere Sulzbacher Straße 164

    Der "Aldi-Palast" ist nun fertig und allseitig bezogen:

    Der Innenhof befindet sich etwa 4 Meter hoch, auf dem Dach des Supermarktes:

    Blick hinüber zum Innenhof des WBG-Ensembles mitsamt des Turmhauses, das auf seine neue Bestimmung wartet:

    Diese stilisierten Eisenbahnschienen sind mit von unten gar nicht aufgefallen.

    Insgesamt kann ich gut damit leben, was in den letzten Jahren dort neu entstanden ist. Aber: Der Turmaltbau muss dringend saniert und neu genutzt werden! Das hat doch am Schillerplatz auch gut geklappt, dort den Turm mit Turmwohnungen (die höchstwertigste Nutzungsart) zu versehen, das muss doch hier auch gehen, wenigsten Weststätten oder eine vertikale Kindertagesstätte oder sowas. Und um das ursprüngliche geplante Hochhaus, welches an der südöstlichen Ecke entstehen sollte, ist es sehr bedauerlich. Seitdem das gestrichen wurde glaube ich dem Wohnungsnotnarrativ nicht mehr so wirklich.

    Dekoratives Anführungszeichen

    Sanierung Einzeldenkmal Heerwagenstraße 5

    20260503_171402.jpg

    Zwischenzeitlich wurde auch die Vorderfassade angefasst und renoviert. Die Sandsteinelemente wurden gereinigt und gefestigt und ein neuer Dünnputz aufgezogen:

    Tja, was soll man dazu sagen... der Eigentümer hat wirklich viel Geld in die Hand genommen. Aber sieht man davon was? Der kahle Schmuckgiebel ist immernoch schmucklos. Die Farbigkeit der Fassade ist verschwunden. Die Textur und Gliederung der Giebelseite ebenfalls. Keine balkone dran, im Innern der Wohnungen hat sich auch nichts verändert, schiefe Böden sind immernoch schief, klemmende Türen klemmen immernoch. Trotzdem ist die Miete gestiegen und man hat ein Jahr lang Gerüste ertragen. Ist das Denkmal jetzt aufgewertet, sein Zeugniswert gesteigert? Oder sein Wohnwert? Für mich ein Irrweg, schade um das viele Geld. Das Geld des Eigentümers, das Geld der Mieter und auch das Steuergeld, das in Form von Förderungen da reingeflossen ist.

    Also das sehe ich natürlich völlig anders: Nürnberg war doch nie ein Stadtbild, das von besonders ausgewogener und harmonischer Ästhetik geprägt war. Keine Residenzstadt, die epochenweise von königlichen Hofarchitekten gestaltet wurde, und deren Stadtbild sich an anderen Residenzstädten orientiert hat. Nürnberg ist historisch immer kleinteilig gewesen, und das bezieht sich nicht nur auf kleine Grundstücksparzellen mit kleinen, hutzligen Häuschen, sondern auch die Ästhetik des steten Weiterbauens am Bestand, der manchmal seltsam anmutenden Gestaltungen hervorbrachte. Es spricht die Sprache des lebendigen, des Weiterbauens von Generationen an zum Teil einem einzigen Objekt, das dann Teile aus Fachwerk und Teile aus Sandstein zusammen beinhaltet. Oder mehrere Chörlein unterschiedlicher Stile und Bauzeitalter. Das war Nürnberg, und darauf bezog sich der Ursprungsentwurf sehr gekonnt. Er war klar Nürnbergisch und hätte so nur in wenigen anderen Städten stehen können. Der Ursprungsentwurf hatte eine abwechslunsgreiche Fassadentextur und eine lebendige Dachlandschaft. Das hat ihn wertvoll gemacht. Der heutige Zustand ist nur noch ein fahler Abklatsch dessen, ein Versuch - oder ich würde sagen eher der gewünschte Nebeneffekt vereinfachten Wiederaufbaus - das Stadtbild "zu beruhigen". Aber das ist fehlgeleitet, denn das Altstadtbild war nie ruhig und sollte es auch nicht sein. Denn so funktionierte die Nürnberger Altstadt nicht. Sie profitiert nicht davon, wenn man durch Vereinfachungen, Verflachungen und Entfärbung "beruhigt".

    Das natürlich ein Hauseigentümer nicht komplett restauriert wenn er nicht muss, nur weil ein Mieterwechsel ansteht, war allerdings auch klar.

    Das Studentenwohnheim wächst aus der Erde. Fertigteilbauweise, also quasi ein Plattenbau, wie an der Von der Tann-Straße auch schon zu sehen ist. Die Fassade links im Bild noch roh, die rechts ist bereits mit einer Dämmung versehen worden.

    20260801_181100.jpg

    Dekoratives Anführungszeichen

    Baufortschritt 12/2021

    Das Areal vorne an der Rollnerstraße, auf dem seit Jahren Wohnbebauung geplant ist, bleibt dagegen weiter unverändert, dieses Projekt ist scheinbar eingeschlafen.

    Und ein paar Meter weiter Ecke Rollnerstraße ist der Industrieflachbau nun abgerissen worden. Anscheinend geht die geplante Wohnbebauung nun endlich in die Realisierung?

    20260801_181235.jpg

    Das wir das hier diskutiert haben ist schon so lange her, aber bereits 2015 wurden hierfür schonmal Pläne vorgelegt (Beitrag). Ob das aber genau so kommt, ich würde mir da eher eine Anpassung wünschen. Denn der Entwurf von 2015 ist doch arg banal und fad. Das geht auch ansprechender!

    Vorzustand hier.