Plattenbau in der Von der Tann Straße
Der zuletzt von arc_bn hier gezeigte Baufortschritt aus dem Februar geht rasch voran. Plattenbau reloaded. Als ich ein paar Stunden zuvor dort war konnte man am Kran auch ein Betonfertigteil hängen sehen, ein Bild, das ich aus den historischen Aufnahmen der DDR-Wohnungsbauoffensive kenne, und die im Osten heute noch zahlreich auch im Originalzustand herumstehen.


Genau wie im Osten damals werden auch hier die Betonplatten nach dem Setzen verkittet, um sie Winddicht zu bekommen. Heutzutage kommt allerdings noch eine dicke Dämmung drauf, deshalb stehen auch die Fenster heraus.

Wenn man so will war der Plattenbau im Osten noch ein paar Stufen weiter, was Rationalisierung anbelangt: Die Teile kamen schon mit fertig eingebauten Fenstern und gestalteter Fassade. Und in einem Land mit billiger Energie war ja eine teure und wartungsintensive Dämmebene unsinnig. Ich bin mal auf die Rückseite gefahren um vielleicht von dort noch einen Blick auf die Betonfertigteile zu werfen, die ja irgendwo gelagert sein müssen:


Das Bauprojekt sprengt vor Ort absolut Maßstäbe. Die Ostseite hin zur Von-der-Tann-Straße ist sicher nicht die Schokoladenseite. Die Straße ist außerdem bekannt dafür die schmutzigste und schadstoffbelastetste der gesamten Stadt zu sein. Aber zur Westseite hin öffnet sich ja der riesige Westpark, eine sehr weitläufige Parkanlage mit Kleingartenanlagen, niedriger Bebauung und weiter Sicht. Da dürften sich den Bewohnern von den Balkonen schöne Sonnenuntergänge bieten. Aber sperrt der Riegel nicht die sog. "Kaltluftschneise" ab, auf die die Stadtklimaexperten immer soviel Wert legen?
Aber einmal mit der Kamera vor Ort habe ich mich mal in Ruhe umgesehen. Den Blick in die Baugrube konnte ich am Besten von der Dottenheimer Straße werfen. Die gesamte, recht kurze Straße befindet sich in einem bemerkenswerten Prä-Transformationszustand. Hier ein paar Eindrücke:

Prägend sind riesige Grundstücke, die auf eine Bebauung warten. Wenn denn einst mit dem riesigen Wohnkomplex und über 200 Wohnungen der Pflock eingeschlagen ist, wird man bestimmt weitermachen. Die großen Grundstücke und die eigentlich attraktive Nähe zu einem der größten Parkflächen der Stadt bieten grundsätzlich Potenzial.


Auf diesem Grundstück hier verfällt ein Haus aus der Wirtschaftswunderzeit. Mit interessantem Sgraffito.

Diese Kratzputzbilder, die in der Wiederaufbauzeit ein beliebtes Gestaltungsmittel waren, haben oft eine Geschichte erzählt. Hier vermute ich Arbeiter an einer Blechstanze zu sehen, die Spielzeugautos herstellen. Vielleicht weiß jemand, was hier hergestellt wurde? Es erinnert mich an das große TRIX-Wandbild am ehemaligen Nordbahnhof, welches vor ein paar Jahren leider auch komplett verschwunden ist.

Gegenüber ebenfalls noch ein scheinbar leerstehendes Wohnhaus aus derselben Zeit, auch mit Sgraffito.


Insgesamt eine durchaus unwirtliche Gegend, die von Autoschiebern, Leerstand und sehr heterogener Bebauung und Nutzung geprägt ist. Gegenüber der großen Straßenkreuzung ist übrigens auch das Ankerzentrum fertig gestellt worden. Auch nichts, was den Wert der Immobilienlagen steigert:

Auf der Abfahrt von dort nochmal von der jansenbrücke aus einen Blick auf den FSW geworfen, an dieser Stelle soll ja der Ausbau beginnen, wenn ich das richtig im Kopf habe:

In mittlerer bis ferner Zukunft wird hier ein Städtebaulicher Fokus drauf liegen. Das Wohnungsbaupotenzial hier ist riesig, die Flächen vorhanden, die Unzufriedenheit mit der Situation vor Ort ist ebenfalls nicht von der Hand zu weisen.