Beiträge von Norimbergus

    Das könnte schon sein. Ich glaube allerdings nicht, dass für die Stadt das Pellerhaus der eigentliche sinistre Grund für diesen Vorschlag war. Eher könnte es sich um einen angenehmen Mitnahmeeffekt handeln.

    Ja, da hast Du wohl recht. Das Pilatushaus nicht mehr an der Backe zu haben war bestimmt der wichtigere Aspekt.


    Die Beziehung von Musikhochschule und Pellerhaus war mir gar nicht bekannt, ich hatte sie immer im Sebastianspital verortet.

    Dort ist sie ja nun auch schon seit einiger Zeit (seit dem Auszug aus der Katharinengasse) und zum Umzug ins Pellerhaus ist es ja nie gekommen. Ich habe auch den Eindruck, nachdem der Verbleib der Musikhochschule im Sebastianspital beschlossen war hat niemand dem ursprünglichen Plan noch lange nachgetrauert, weshalb darüber schon seit langem kaum noch gesprochen wird.

    Das Pellerhaus war vor dem Krieg zwar nicht Stadtbibliothek (die war im ehemaligen Dominikerklosters in der Burgstraße), aber Stadtarchiv. Nach dem Krieg hat man dann hier mit der Erweiterung um das Imhoffhaus Stadtbibliothek und Stadtarchiv zusammengelegt (und ich glaube, die Bibliothek der Wiso war auch noch drinnen). Damals, in den Fünfzigern, hätte man den Peststadel als Büchermagazin und Archiv wiederaufbauen müssen. Dafür hätte man aus dem das Pellerhaus und dem (dann weiterhin eigenständigen) Imhoffhaus keine Magazingebäude machen müssen; die Außenmauern des Peststadels haben den Krieg ja zu erheblichen Teilen überstanden. Das wäre meiner Meinung nach die einzig sinnvolle Lösung gewesen. Auch für das Imhoffhaus halte ich den Wiederaufbau als Magazingebäude für einen Fehler. Hier wäre eine Rekonstruktion zwar nicht so zwingend gewesen wie beim Pellerhaus (welcher Zustand hätte überhaupt rekonstruiert werden sollen?), aber ein eigenständiges Gebäude mit eigenem Eingang und Satteldach mit ordentlicher Dachneigung wären absolut notwendig gewesen. Das jetzige Haus ist zum Platz hin extrem abweisend und das Flachdach ein Fremdkörper, der so gar nicht in die Umgebung paßt. Darüberhinaus sieht man dem Haus die sehr niedrigen Geschoßhöhen in den oberen Geschossen ja auch von außen an; gut proportioniert schaut auf jeden Fall anders aus.


    Damals, also in den Fünfzigern, hatte die jahrhundertealte Stadtbibliothek - eine wissenschaftliche Bibliothek, nicht auf breite Bevölkerungsgruppen als Nutzer ausgelegt - übrigens noch nichts mit der Bibliothek im Luitpoldhaus zu tun. Letztere war die Volksbücherei, aus zwei privaten Büchereigründungen hervorgegangen, dann zwar von der Stadt übernommen, aber noch jahrzehntelang von der Stadtbibliothek organisatorisch getrennt. 1973 wurden dann die Bibliotheken zusammengeführt. Daher kommt die frühere Aufteilung auf zwei Hauptstandorte. Kurz nach der Fusion der Bibliotheken wurde der Standort Gewerbemuseumsplatz enorm erweitert, indem das bis dahin immer noch ruinöse Katharinenkloster als Erweiterung der Bibliothek wiederaufgebaut wurde - ein sehr sinnvoller und gelungener Schritt, wie ich finde.


    Die in den Neunzigern begonnene Umstrukturierung war dann ja etwas anders geplant als letztendlich umgesetzt, wobei man sich angesichts des Themas Deckenhöhen fragen muß, was man sich bei der ursprünglichen Planung gedacht hat:

    Das Stadtarchiv ist in die Norishalle gezogen, die Unibibliothek in einen Neubau bei der Wiso. Beides war meiner Meinung nach auch sinnvoll.

    Das Meistersingerkonservatorium (oder war es damals schon Musikhochschule?) ist PROVISORISCH in den Wastl-Altbau in Veilhof gezogen und das frühere Kons-Gebäude wurde für die Stadtbibliothek saniert und umgebaut. Diese ist dann als letzte Institution aus dem Pellerhaus ausgezogen, das daraufhin leer war. Soweit ist alles nach Plan verlaufen.

    Der letzte Schritt, der dann nicht gekommen ist, erscheint aber heutzutage eigenartig: Das Pellerhaus sollte für die Musikhochschule saniert werden. Die Musikhochschule ist aber im Wastl geblieben und es hat dort bei laufendem Betrieb umfassende Sanierungsarbeiten gegeben. Da es sich ja nur um ein Interimsquartier handeln sollte hatte man vor Einzug der Musikhochschule natürlich nur das Nötigste hergerichtet. Ich kann mich aber nicht erinnern, daß bei der Entscheidung, in Veilhof zu bleiben, irgendwann mal die Deckenhöhen im Pellerhaus als Argument genannt wurden. Meiner Erinnerung nach hat es nur geheißen, der Musikhochschule gefällt es im Wastl so gut, daß sie dort bleiben will. Es kann aber natürlich gut sein, daß das Wastl so gut gefallen hat, weil man gesehen hat, daß das Pellerhaus problematisch ist. Außerdem frage ich mich, wie der Platz im Pellerhauskomplex ganz unabhängig von den Deckenhöhen für die Musikhochschule hätte reichen sollen. Das Wastl erscheint mir doch erheblich größer. Oder werden dort nicht alle Flächen genutzt?


    Dann noch kurz zum Thema Altstadtfreunde/Pilatushaus. Wenn man sagt, die Altstadtfreunde sollen sich auf das Pilatushaus konzentrieren, gleichzeitig noch Pellerhaus/Schwarzes Pellerhaus würde den Verein überfordern, dann kann das durchaus stimmen, aber andererseits habe ich den Verdacht, daß genau das das Kalkül der Stadt war, als sie den Altstadtfreunden die Sanierung des Pilatushauses angeboten hat: Man schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe - man muß sich nicht mehr ums Pilatushaus kümmern und die Altstadtfreunde sind mit der Aufgabe so gefordert, daß sie bei der Pellerhausfrage nicht mehr lästig werden können.

    Sehr schön. Danke für die unverzügliche Umsetzung. Allerdings gibt es auch den Faden Kleinere Projekte Nbg. Ost (Zabo, Mögeldorf), wodurch Mögeldorf jetzt nicht klar, sondern doppelt zugeordnet ist. Ich sehe drei Möglichkeiten:

    • Am einfachsten wird sein, man nimmt hier das südlich der Pegnitz liegende Mögeldorf wieder raus. Dann muß man nur den Namen ändern. Zu Mögeldorf steht hier ja noch nichts drinnen, wenn ich beim Überfliegen nichts übersehen habe.
    • Man faßt beides zu einem sehr großen Gebiet zusammen.
    • Man spaltet Zabo/Mögeldorf auf, nimmt Mögeldorf hier mit rein und Zabo zu St. Peter/Gleißhammer. Das fände ich aber am schlechtesten; Ring und/oder Pegnitz als Grenze wären für mich naheliegend. Abgesehen davon wäre das wahrscheinlich auch am aufwendigsten.

    Und jetzt gibt es noch einen weißen Fleck im Osten, nämlich Laufamholz. Man muß zwar nicht systematisch das ganze Stadtgebiet abdecken, v. a. in Gegenden, wo nicht viel passiert, aber hier würde es sich meiner Meinung nach anbieten, Laufamholz dort dazuzunehmen, wo Mögeldorf behandelt wird

    Für St. Jobst und Erlenstegen scheint es nichts zu geben, weder für jeden einzeln, noch für beide zusammen (und diese Kombination würde nach meinem Empfinden gut passen; jeder für sich wäre wohl auch zu kleinteilig). Für die angrenzende Gebiete Mögeldorf/Zabo, Wöhrd (in großzügiger Auslegung, was in diesem Fall sicher sinnvoll ist, sonst wäre das Gebiet viel zu klein) und Herrnhütte/Schoppershof gibt es jeweils eigene Threads.


    [Das auch in St. Jobst, an der Grenze zu Erlenstegen, liegende Projekt am Thumenberger Weg (ehem. Bundesmonopolverwaltung für Branntwein) wird bspw. unter „News zu konkreten Projekten im gesamten Stadtgebiet“ behandelt.] Auch das ganz am westlichen Rand von St. Jobst liegende Projekt Welserstraße/Äußere Sulzbacher Straße findet sich dort.

    War die Erweiterung der Montessorischule hier schon Thema? Gehört das noch zu Wöhrd?


    [...]

    Ich glaube, wir hatten schon mal das Thema, daß es oftmals eine erhebliche Differenz zwischen den offiziellen Bezeichnungen und Grenzen statistischer Bezirke auf der einen Seite und den von der Bevölkerung benutzten Namen und gefühlten Grenzen von Stadtteilen auf der anderen Seite gibt. Und bei den gefühlten Grenzen gibt es auch große Unterschiede: Ich würde Wöhrd noch deutlich enger fassen als den gleichnamigen statistischen Bezirk, andere hingegen zählen noch weite Teile von Veilhof mit dazu. Aber selbst bei sehr großzügiger Auslegung endet Wöhrd nach meinem Empfinden spätestens am Ring.

    Die Dr.-Carlo-Schmid-Straße liegt offiziell in St. Jobst und so sehe ich das auch. Die Kirche ist gerade mal 200 Meter Luftlinie vom von Dir genannten Projekt entfernt. Die Bahnlinie im Norden ist zwar eine erhebliche Barriere, aber es gibt immerhin die Fußgängerunterführung am Ostbahnhof und im Süden ist der Wöhrder See, so daß St. Jobst die einzig sinnvolle Option ist.

    Anwohner der Wölkern-/Landgraben und Regensburger Str. sollten sich warm anziehen.

    Das verstehe ich nicht so ganz: Warm anziehen muß man sich ja normalerweise, wenn etwas unangenehmes auf einen zukommt. Ich behaupte nicht, daß die Stadtautobahn Ost in der Gesamtbetrachtung ein Segen für die Stadt gewesen wäre, aber gerade die von Dir genannten Straßenzüge wären dadurch sicher deutlich entlastet worden.

    OK, da die Stadtautobahn Ost nicht sehr weit weg wäre würde man deren Lärm möglicherweise auch noch etwas mitbekommen, aber wirklich warm anziehen müßten sich vor allem die Anwohner unmittelbar südlich der Bahngleise bis zum Zeltnerschloß, die Bewohner in der südöstlichen Tullnau, im nördlichen Gleißhammer, im nördlichen (und auch, wenngleich mit etwas Wald dazwischen, östlichen) Zabo und im südlichen Mögeldorf und Laufamholz. Auch Tiergartenbesuche wären akustisch sicher weniger idyllisch als jetzt und das Angebot an Kleingarten- und Sportflächen wäre im oben skizzierten Bereich erheblich geringer.

    Das städtische Krankenhaus von 1845. Auf nachfolgend verlinkter Karte von 1850 (schlechte Auflösung, aber für diesen Zweck reicht es) als „Neues Spital“ bezeichnet: https://le-cdn.website-editor.…ulti/opt/N_1850-2400w.jpg


    Nach Eröffnung des Nordklinikums 1897 wurde es geschlossen und recht bald abgerissen (also schon nach gut 50 Jahren; das hat es damals also auch schon gegeben), mitten durch das Gelände wurde die Lessingstraße angelegt und am Ring östlich der Lessingstraße das heutige Opernhaus (damals Neues Stadttheater am Ring, Eröffnung 1905) und ein paar Jahre später westlich das Hotel Deutscher Hof gebaut.

    Genauere Anforderungen an die Akustik wurden meiner Erinnerung nach ja erst nach dem Wettbewerb definiert; der beauftragte Akustiker war am Wettbewerbsentwurf noch nicht beteiligt (wohl eine übliche Vorgehensweise; schon im Architekturwettbewerb die Akustik detailliert zu berücksichtigen wäre sicher viel zu aufwendig und teuer). Ich halte es deshalb für durchaus möglich, daß sich am Saal noch einiges ändert. Bestimmt nichts Grundlegendes, aber je nachdem, wie die zu erwartenden akustischen Eigenschaften des Entwurfs mit den definierten Anforderungen an die Akustik in Einklang zu bringen sind kann sich da möglicherweise schon noch einiges tun.


    An neuere oder zusätzliche Bilder seit dem Wettbewerb kann ich mich auch nicht erinnern.


    Und ja: großzügig verglaste Fassaden können gerade in einem parkähnlichen Umfeld sehr gut wirken (aber reichen die paar Bäume zur Münchner Straße und zur Schultheißallee aus?), aber im Einzelfall stellt sich der angekündigte Effekt auch oft nicht so ein wie erwartet. Ich muß sagen, ich weiß nicht, wie der Bau dann in der Realität wirken wird. Bei solchen Entwürfen kann ich meist sehr schwer auf die sich tatsächlich einstellende Wirkung schließen.

    Vermutlich oute ich mich jetzt hier als Konzertmuffel, aber worin besteht der Unterschied zwischen Schauspiel- Konzert- und Opernhaus? Warum führt Norimbergus das Opernhaus und das Schauspielhaus in seiner Liste gar nicht auf, wenn doch der Konzerthausneubau am Luitpoldhain erstmal die Ausweichspielsttätte für das Opernhaus sein soll?


    Schauspielhaus? Ernsthaft? Gerade mal 500 Plätze und da drinnen findet fast jeden Tag eine Schauspielaufführung statt, wofür auch aufwendigste Bühnentechnik installiert ist. Wenn wir jeden Raum, der für irgendwelche Aufführungen vorgesehen oder zumindest geeignet ist und in den man auch ein paar Musiker reinsetzen könnte, unabhängig von Publikumskapazität, für welchen Zweck er gebaut wurde und genutzt wird etc. als Konzertsaal betrachten, dann haben wir in Nürnberg dutzende. Alleine in der Größenordnung Schauspielhaus fallen mir drei Räumlichkeiten ein, die sogar tatsächlich v. a. oder zumindest in erheblichem Ausmaß für klassische Musik und/oder auch Jazz genutzt werden und sogar für diesen Zweck (ausschließlich oder unter anderem) errichtet oder umgebaut wurden: Kleine MSH, Tafelhalle, Musiksaal der Nürnberger Symphoniker. In keinem dieser Räume würde ich aber eine Mahler-Symphonie hören wollen (und es wird auch niemand eine darin aufführen wollen), es sei denn, es handelt sich um eine Bearbeitung für Kammerorchester.

    nothor:
    Welche drei Konzerthäuser denn? Momentan gibt es ein halbes, nämlich die für Konzerte geeignete und dafür oft (aber nicht ausschließlich) genutzte Mehrzweckhalle Meistersingerhalle, und zukünftig gibt es ein richtiges Konzerthaus und dazu weiterhin die MSH, die aber wohl vermehrt für andere Veranstaltungen wie Kongresse genutzt werden soll (dazu hat es meiner Erinnerung nach ja eine Bedarfsstudie gegeben; ob diese realistisch war oder nur ein gewünschtes Ergebnis geliefert hat, das kann ich freilich nicht beurteilen). Großzügig gezählt sind das dann zwei Konzerthäuser, aber nie und nimmer drei.
    Und gerade um Synergien zu nutzen und das laufende Defizit zu minimieren baut man ja bei der MSH. Für mich wäre der ideale Standort anstelle der AOK gewesen, wo vor dem Krieg schon im Kulturverein Konzerte stattgefunden haben, aber angeblich war da nicht genug Platz. Wenn ich mir aber bspw. das Konzerthaus Dortmund anschaue, dann kommen mir so meine Zweifel. Freilich wäre das Grundstück sicher sehr teuer gewesen, wohingegen der Parkplatz an der kleinen MSH der Stadt ja schon gehört.


    Die MSH selbst - naja. Das Foyer ist gut, wenngleich sicher auch nicht jeder etwas damit anfangen kann, aber den Saal empfinde ich als nicht sehr angenehm. Er ist auch zu groß, sowohl in Bezug auf das Platzangebot (viele leere Plätze in vielen Konzerten) als auch in Bezug auf den Wohlfühlfaktor. Nach meinem Empfinden ist die Halle ziemlich ungemütlich, ganz besonders im Parkett hinten unter dem Rang; im Gegensatz zum Rest der Halle, wo ich mir etwas verloren vorkomme, ist es dort eher bedrückend und ich vermeide deshalb möglichst, dort zu sitzen. Konzerte in Bamberg bspw. empfinde ich als angenehmer (wobei dort das Foyer die Schwachstelle bildet), und damit meine ich nicht das höhere Niveau des dort heimischen Orchesters.


    Außerdem ist zu bedenken, daß sowohl Oper als auch MSH sanierungsbedürftig sind und deshalb über längere Zeit ein Ausweichquartier notwendig ist, erst für die Oper, dann für die MSH. Auch deshalb ist der Gedanke aufgekommen, statt viel Geld in ein Provisorium zu stecken lieber gleich einen richtigen Konzertsaal zu bauen. Das kostet natürlich noch mal erheblich mehr, aber zumindest für die Stadt ist das kein Problem, weil den Konzertsaal über Zuschüsse hauptsächlich der Freistaat bezahlt. Und wenn die MSH wie prognostiziert genügend von anderen Veranstaltern angemietet wird, dann sollten auch die laufenden Kosten kein Problem sein.


    Die 1500 Plätze halte ich allerdings auch für etwas wenig. 1700 wären nach meinem Empfinden richtig gewesen, aber vielleicht rechnet man ja mit mittel- bis langfristig etwas sinkenden Zuschauerzahlen und will vermeiden, daß man in einiger Zeit das gleiche Problem hat wie jetzt mit der MSH, nämlich daß der Saal oft deutlich zu groß ist.

    Den Begriff könnte ich zeitlich nicht einordnen, aber das Gebäude würde ich auch um die vorletzte Jahrhundertwende datieren und der Bayerische Denkmalatlas (https://geoportal.bayern.de/bayernatlas/denkmal/) bestätigt das:


    Adresse: Willstraße 50
    Funktion: Bedürfnisanstalt
    Beschreibung: Pissort, polygonaler Sandsteinquaderbau mit Walmdach, um 1900; in Grünfläche Ecke Brückenstraße


    In oben verlinkter Galerie gibt es auch ein neueres, evtl. damals (2015) aktuelles Bild, allerdings mit falscher Verortung (Hallerwiese):
    http://www.nordbayern.de/regio…ebnis-1.4143878?offset=12

    Eine kunsthistorisch wertvolle Stele, die es bis zum 2. WK an einigen Stellen in der Altstadt gegeben hatte, und im Hintergrund links das Steinschreiberhaus an der Friedhofsmauer gelegen:



    Kleine Korrektur: Das ist das frühere städtische Brause- und Wannenbad auf der anderen Seite der Johannisstraße. Das Steinschreiberhaus ist auf diesem Bild nicht zusehen, dafür auf dem folgenden (links vom Portal; im Portal wieder das Brause- und Wannenbad):


    Sowie die neugotische Aussegnungshalle mit den Arkaden, eine Zutat aus dem Historismus:




    Das ist meines Wissens neben der Maxbrücke das einzige erhaltene Bauwerk von Bernhard Solger, Mitte des 19. Jahrhunderts städtischer Baurat und Architekt vieler öffentlicher Gebäude in Nürnberg, die aber fast alle den Krieg nicht überlebt haben oder schon vorher abgerissen wurden (wie die zusätzlichen Tore in der Stadtmauer, die nur wenige Jahrzehnte existiert haben, weil sie dann wieder zu klein waren und inzwischen ersatzlos abgerissen werden konnten, weil Nürnberg seit dem Krieg 1866 keine Festung mehr war).


    Auf dem Johannisfriedhof bin ich auch immer wieder, Rochus sehr selten. Der Johannisfriedhof ist halt doch schöner, hat die prominenteren Gräber (Dürer! Auch wenn er dort längst nicht mehr liegt) und der Weg von/zur Altstadt und die Umgebung sind auch schöner (Hallerwiese, Großweidenmühle, Hesperidengärten, Johannisstraße/Burgschmietstraße mit einigen erhaltenen Häusern der barocken Gartenanwesen, dem Kreuzweg von Adam Kraft - nur noch in Kopien - und der Lenzschen Kunstgießerei, wenngleich v. a. die Burgschmietstraße ansonsten nicht besonders bemerkenswert ist). Da können der Plärrer und die Rothenburger Straße nicht mithalten.

    Dazu kann ich nichts genaueres sagen. Ich weiß nur, daß das Haus schon auf Bildern aus der recht frühen Nachkriegszeit mit einem Notdach zu sehen ist.
    Hier ein Bild von 1950 (Qualität sehr mau, aber ich habe nicht lange gesucht): http://www.baukunst-nuernberg.de/Hauptma1.jpg


    Bilder aus den letzten Kriegstagen oder der unmittelbaren Nachkriegszeit sind mir meiner Erinnerung nach eher selten begegnet. Eines habe ich gefunden, aber sehr niedrige Auflösung und nicht idealer Blickwinkel, aber das Haus links müßte es sein mit der hellen Stelle in der Fassade des ersten Obergeschosses, genau dort, wo vorher das Chörlein war:
    https://www.ihk-nuernberg.de/d…ns/Geschichte/bild_09.jpg

    Entweder hier im Forum oder auch anderen Orts war über diesen Bau auch schon zu lesen, das dieser um 1900 hier errichtet wurde und zuvor dafür ein wesentlich älterer Bau weichen musste.


    Das war noch etwas später, der Abriß des Vorgängerbaus dürfte 1912 oder 1913 erfolgt sein. Mir fällt gerade nicht ein, in welchem Buch das genau thematisiert war, aber auf Bildern vom großen Hochwasser 1909 sieht man jedenfalls noch den Altbau.
    Der Nachfolger hat sich gestalterisch aber sehr stark an den Vorgänger angelehnt, der z. B. auch zur Tuchgasse hin einen eingeschossigen Anbau hatte, freilich ohne Dachterrasse, sondern mit einem Pultdach.

    Ich kann nichts blödsinniges und typisch deutsches daran finden, daß die Fenster zugebaut werden dürfen. Blödsinnig war vielmehr, daß der Bauherr vor 50 Jahren sein Haus nicht gleich so gebaut hat, daß er ohne diese Fenster auskommt. Daß der Nachbar sein Grundstück auch bis an die Grenze bebauen will ist doch logisch; daß deshalb Fenster zu seinem Grundstück hin nur eingebaut werden dürfen, wenn er sie später trotzdem zubauen darf, ist absolut sinnvoll. Daß die Fenster jetzt zugebaut werden ist also kein bösartiger Akt, sondern daß es 50 Jahre lang Fenster in diese Richtung gegeben hat war ein freundlicher Akt.
    Soll etwa derjenige, der früher auf die Grenze baut, einfach Fenster einbauen und dadurch dem Nachbar sein Recht nehmen dürfen, sein Grundstück auch optimal auszunutzen?
    Daß die Möglichkeit besteht, daß die Fenster zugebaut werden, muß halt nur bei Vermietung oder Verkauf kommuniziert werden. Falls das nicht der Fall war, so kann aber der Nachbar, der jetzt baut, nichts dafür.
    Ich könnte mir auch vorstellen, daß deshalb das Fassadenbild nicht erhalten bleiben kann, weil jetzt an diese Stelle Fenster eingebaut werden müssen - um das sicher beurteilen zu können müßte man natürlich die Wohnungsgrundrisse kennen (wobei sich natürlich die Frage stellt, weshalb die Fenster dann noch nicht schon eingebaut wurden, bevor die anderen zugebaut werden). Schade um das Bild wäre es natürlich schon, aber wenn die Wohnungen sonst nicht mehr vernünftig genutzt werden können, dann muß es halt sein. Wenn dort von Anfang an Fenster gewesen wären, dann hätte es das Bild halt nie gegeben.