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Ich bin auch kein Fan des Plans, den Neptunbrunnen dort wieder aufzustellen. Der ist meines Erachtens viel zu groß für den Platz und lässt dem schönen Brunnen kaum mehr Raum zu wirken. Zwei Brunnen sind eh zu viel für einen Platz. Auch der Neptunbrunnen wurde kein Opfer des Krieges sondern man hat ihn sicher aus ähnlichen Erwägungen viel Früher in den Stadtpark abgeschoeben. Zu Recht wie ich finde.
Der Neptunbrunnen wurde in erster Linie deshalb vom Hauptmarkt entfernt, weil er bei den Paraden bei den Reichsparteitagen als störend empfunden wurde. Daß sein Stifter Ludwig Gerngroß Jude war hat sicher auch eine Rolle gespielt, aber so überragend wichtig scheint das nicht gewesen zu sein, sonst hätte man den Brunnen nicht am damaligen Schlageterplatz (benannt nach einem nationalsozialistischen "Märtyrer") vor dem Gauhaus der NSDAP wiederaufgebaut. Dort mußte er dann erst in den frühen 60ern - der Platz war schon längst wieder der Marienplatz und in das frühere Gauhaus waren die Nürnberger Nachrichten eingezogen - dem Straßenverkehr weichen. (Aufgrund der Zeit, die ich für meine lange Antwort gebraucht habe, hat Dexter das Thema ja inzwischen auch schon angerissen)
Ich könnte mir den Brunnen sehr gut wieder auf dem Hauptmarkt vorstellen. Eine Rückkehr an seinen exakten ursprünglichen Standort in der Platzmitte war meines Wissens sowieso nie gewünscht, sondern mehr in Richtung Plobenhof, also Südosten und damit dem Schönen Brunnen diagonal entgegengesetzt.
Die Südseite des Hauptmarkts war natürlich schon vor dem Krieg die schwächste, aber sie ist auch jetzt mit Abstand die schwächste, trotz aller berechtigter Kritik speziell an der Westseite. Die banal-beliebige Architektur des Kappler-Blocks ist dabei das eine, aber auch die Terrasse hat meiner Meinung einen sehr negativen Einfluß. Es mag zwar ganz nett sein, von dort einen erhöhten Überblick über den Platz zu haben, aber Gäste sitzen dort so abgeschottet vom eigentlichen Platz, daß diese Außengastronomie nicht belebend wirkt. Und im Gegenzug muß man im Erdgeschoß erst durch diesen wenig einladenden dunklen Bereich unter der Terrasse, um an die Laden- oder Restauranteingänge zu gelangen. Diese Erdgeschoßzone wird praktisch gar nicht wahrgenommen, sondern verschwindet optisch in einem dunklen Loch. Für den Platz wäre es viel besser, wenn es die Terrasse nicht gäbe und die Außengastronomie ebenerdig stattfinden würde; ein bißchen Außengastronomie gibt es hier zwar, aber nicht viel und eben auch nicht sehr einladend.
Die Westseite ist natürlich diejenige, bei der am meisten Chancen für Verbesserungen existieren, da man hier auch ohne komplette Neubauten einiges erreichen könnte. Vorbild ist hier natürlich Hauptmarkt 9 (Korn & Berg): Sprossenfenster, ein Chörlein an die Fassade, einen Erker aufs Dach und ein passender Putz - schon war das Haus Hauptmarkt-kompatibel umgebaut. Hauptmarkt 15 (ehemals Behaimsches Haus, heute McDonalds) böte für eine solche Umgestaltung ebenso ideale Voraussetzungen wie Hauptmarkt 7 (Restaurant Hauptmarkt/Photo Porst), das sogar noch sein Chörlein hat und abgesehen vom Dach noch der Vorkriegsbau ist, ein vor ca. 100 Jahren in stärker Anlehnung an den jahrhundertealten Vorgängerbau erstelltes Gebäude. Das ursprüngliche Dach von Hauptmarkt 7 wiederherzustellen wäre freilich eine umfassendere Maßnahme. Der größte Störenfried auf der Westseite ist aber Hauptmarkt 11/13, wo leider zwei Grundstücke zusammengefaßt wurden. Selbst schmalere Fenster, Sprossenfenster, Erker und Chörlein wären nicht viel mehr als notdürftige Reparatur. Eigentlich ist wieder eine Aufteilung in zwei Gebäude mit unterschiedlichen Trauf- und Firsthöhen nötig, aber hierfür habe ich keine große Hoffnung. Daß die Verkürzung der Bebauung am nördlichen Ende der Westseite und Verbreiterung der Waaggasse sich auch negativ auf den Platz auswirken ist auch klar, aber hier habe ich auch keine Hoffnung, daß sich etwas ändert. Allerdings könnte Hauptmarkt 17 das nächste Haus sein, das auch äußerlich umgestaltet wird, und da meines Wissens auch Hauptmarkt 9 ein Objekt der Alpha-Gruppe ist (oder zumindest zum Zeitpunkt der Umgestaltung war - wenn ich mich hier täusche, dann möge man mich korrigieren), habe ich doch ein bißchen Hoffnung, daß hier eine Besserung eintritt (wenngleich die Pläne für den Augustinerhof diese Hoffnung dann doch wieder schwinden lassen).
