Beiträge von Norimbergus

    Dekoratives Anführungszeichen

    Ich bin auch kein Fan des Plans, den Neptunbrunnen dort wieder aufzustellen. Der ist meines Erachtens viel zu groß für den Platz und lässt dem schönen Brunnen kaum mehr Raum zu wirken. Zwei Brunnen sind eh zu viel für einen Platz. Auch der Neptunbrunnen wurde kein Opfer des Krieges sondern man hat ihn sicher aus ähnlichen Erwägungen viel Früher in den Stadtpark abgeschoeben. Zu Recht wie ich finde.


    Der Neptunbrunnen wurde in erster Linie deshalb vom Hauptmarkt entfernt, weil er bei den Paraden bei den Reichsparteitagen als störend empfunden wurde. Daß sein Stifter Ludwig Gerngroß Jude war hat sicher auch eine Rolle gespielt, aber so überragend wichtig scheint das nicht gewesen zu sein, sonst hätte man den Brunnen nicht am damaligen Schlageterplatz (benannt nach einem nationalsozialistischen "Märtyrer") vor dem Gauhaus der NSDAP wiederaufgebaut. Dort mußte er dann erst in den frühen 60ern - der Platz war schon längst wieder der Marienplatz und in das frühere Gauhaus waren die Nürnberger Nachrichten eingezogen - dem Straßenverkehr weichen. (Aufgrund der Zeit, die ich für meine lange Antwort gebraucht habe, hat Dexter das Thema ja inzwischen auch schon angerissen)

    Ich könnte mir den Brunnen sehr gut wieder auf dem Hauptmarkt vorstellen. Eine Rückkehr an seinen exakten ursprünglichen Standort in der Platzmitte war meines Wissens sowieso nie gewünscht, sondern mehr in Richtung Plobenhof, also Südosten und damit dem Schönen Brunnen diagonal entgegengesetzt.

    Die Südseite des Hauptmarkts war natürlich schon vor dem Krieg die schwächste, aber sie ist auch jetzt mit Abstand die schwächste, trotz aller berechtigter Kritik speziell an der Westseite. Die banal-beliebige Architektur des Kappler-Blocks ist dabei das eine, aber auch die Terrasse hat meiner Meinung einen sehr negativen Einfluß. Es mag zwar ganz nett sein, von dort einen erhöhten Überblick über den Platz zu haben, aber Gäste sitzen dort so abgeschottet vom eigentlichen Platz, daß diese Außengastronomie nicht belebend wirkt. Und im Gegenzug muß man im Erdgeschoß erst durch diesen wenig einladenden dunklen Bereich unter der Terrasse, um an die Laden- oder Restauranteingänge zu gelangen. Diese Erdgeschoßzone wird praktisch gar nicht wahrgenommen, sondern verschwindet optisch in einem dunklen Loch. Für den Platz wäre es viel besser, wenn es die Terrasse nicht gäbe und die Außengastronomie ebenerdig stattfinden würde; ein bißchen Außengastronomie gibt es hier zwar, aber nicht viel und eben auch nicht sehr einladend.

    Die Westseite ist natürlich diejenige, bei der am meisten Chancen für Verbesserungen existieren, da man hier auch ohne komplette Neubauten einiges erreichen könnte. Vorbild ist hier natürlich Hauptmarkt 9 (Korn & Berg): Sprossenfenster, ein Chörlein an die Fassade, einen Erker aufs Dach und ein passender Putz - schon war das Haus Hauptmarkt-kompatibel umgebaut. Hauptmarkt 15 (ehemals Behaimsches Haus, heute McDonalds) böte für eine solche Umgestaltung ebenso ideale Voraussetzungen wie Hauptmarkt 7 (Restaurant Hauptmarkt/Photo Porst), das sogar noch sein Chörlein hat und abgesehen vom Dach noch der Vorkriegsbau ist, ein vor ca. 100 Jahren in stärker Anlehnung an den jahrhundertealten Vorgängerbau erstelltes Gebäude. Das ursprüngliche Dach von Hauptmarkt 7 wiederherzustellen wäre freilich eine umfassendere Maßnahme. Der größte Störenfried auf der Westseite ist aber Hauptmarkt 11/13, wo leider zwei Grundstücke zusammengefaßt wurden. Selbst schmalere Fenster, Sprossenfenster, Erker und Chörlein wären nicht viel mehr als notdürftige Reparatur. Eigentlich ist wieder eine Aufteilung in zwei Gebäude mit unterschiedlichen Trauf- und Firsthöhen nötig, aber hierfür habe ich keine große Hoffnung. Daß die Verkürzung der Bebauung am nördlichen Ende der Westseite und Verbreiterung der Waaggasse sich auch negativ auf den Platz auswirken ist auch klar, aber hier habe ich auch keine Hoffnung, daß sich etwas ändert. Allerdings könnte Hauptmarkt 17 das nächste Haus sein, das auch äußerlich umgestaltet wird, und da meines Wissens auch Hauptmarkt 9 ein Objekt der Alpha-Gruppe ist (oder zumindest zum Zeitpunkt der Umgestaltung war - wenn ich mich hier täusche, dann möge man mich korrigieren), habe ich doch ein bißchen Hoffnung, daß hier eine Besserung eintritt (wenngleich die Pläne für den Augustinerhof diese Hoffnung dann doch wieder schwinden lassen).

    Daß beim Wirtschaftsrathaus nicht die Stadt der Bauherr war ist mir bekannt, aber die Stadt hat das Projekt angestoßen und sie war bereits zu Beginn der Planungen als Ankermieter festgestanden; da hätte man sicher Einfluß nehmen können, wenn man gewollt hätte. Daß es im Falle des Dienstsitzes eines möglicherweise nicht sehr an Architektur interessierten Referenten besonders delikat ist, das ist natürlich auch klar, aber da es sich hierbei um Bauangelegenheiten handelt muß sich halt ein Baureferent einmischen und durchsetzen. Daß das einfacher ist, wenn der Baureferent Vorgesetzter des Architekten ist, kann ich mir allerdings schon vorstellen.

    Ob man allerdings a priori davon ausgehen kann, daß die Qualität des städtischen Bauens besser wäre, wenn wie früher häufig üblich städtische Architekten die Gebäude entwerfen würden, vermag ich nicht zu beurteilen. Dem BDA-Mantra "Wettbewerbe steigern die Qualität" stehe ich zwar sehr skeptisch gegenüber, aber im anderen Fall kommt es umso mehr auf die Qualität des Baureferenten und der in städtischen Diensten stehenden Architekten an.

    Und zur Rolle von Roland Fleck: Grundsätzlich ist es nicht primäre Aufgabe des Wirtschaftsreferenten, für die Qualität des Bauens in der Stadt zu sorgen; er muß Unternehmen in die Stadt holen. Und daß die Stadt hier wahrscheinlich auch in Sachen Architektur keine so starke Position mehr hat wie früher und man eher geneigt ist, Kröten zu schlucken, habe ich in meinem vorherigen Beitrag ja schon vermutet; und gerade deswegen sprechen wir ja vor allem vom Bauen im Auftrag der Stadt - wenn die Stadt keine Rücksicht auf ihr eigenes Stadtbild nimmt, weshalb sollten private Bauherren dies tun?

    Zur Überdachung des Eingangs am FEP: ich lasse mir eingehen, daß man den Zugang überdacht, aber nicht so aufdringlich. Man sehe sich folgendes Bild an:
    http://www.nordbayern.de/polopoly_fs/1.…/3737436001.jpg
    Was fällt auf? Das Dach ist am Eingang am niedrigsten! An der Stelle, an der Treppen nach unten führen, ist das Dach absurderweise am höchsten. Man stelle sich nur mal vor, das Dach wäre durchgehend so hoch wie am Eingang - damit wäre schon viel gewonnen. Eine viel weniger störende Lösung wäre also durchaus möglich gewesen, aber es mußte ja offensichtlich wieder der sich penetrant in den Vordergrund spielende Kontrast sein.

    Dekoratives Anführungszeichen

    [...]
    Zum Karstadt: Das ist eines der schönsten Kaufhäuser seiner Zeit und ich finde es heute immernoch gut gelungen. Das kann man nun vom Müller gegenüber überhaupt nicht sagen. [...]
    ...

    In einer Diskussion zum Wiederaufbau habe ich schon einen Architekturfunktionär die Meinung vertreten hören, daß das DUDA-Eck ein ganz besonders gelungenes Beispiel für den Wiederaufbau sei. Allerdings wurde an diesem Nachmittag auch seine weitreichende Unkenntnis der Geschichte des Nürnberger Stadtbilds offensichtlich. Ich muß aber auch sagen, daß das DUDA-Eck so schlecht auch nicht ist - nur das Gebäude für sich genommen oder auch in Bezug auf die Wirkung auf das Stadtbild - ganz in der Nähe gibt es da viel schlimmeres (Kaufhof, City Point), aber im engsten Umfeld der Westfassade der Lorenzkirche fällt das DUDA-Ecks schon ab; wenn ich nur an die hervorragende Commertz-Bank aus den Zwanzigern denke, oder auch an die Häuser zwischen Nassauerhaus und Karstadt - warum ist so etwas schon seit langem nicht mehr mölich?

    Zum Thema selbst: Wie wir durch den aktuellen Baureferenten und seinen Vorgänger leidvoll erfahren mußten sagt die Existenz eines Baureferenten noch gar nichts über die Qualität der entstehenden Architektur. Wenn so etwas wie die neue Stadtbibliothek entstehen kann (wo die Stadt sogar selbst baut und nicht auf private Bauherren Einfluß nehmen muß), dann ist das eine Bankrotterklärung. Allerdings wäre ein Baureferat mit einem durchsetzungsstarken Mann an der Spitze, der auch die Tradition des Nürnberger Bauens insbesondere in der Altstadt ernst nimmt, sehr wichtig für die Stadt, damit sie ihr Profil schärfen kann und nicht mit noch mehr Allerweltsarchitektur eines Tages von Pforzheim oder Bottrop nicht mehr zu unterscheiden ist.

    Daß der Hebel der Stadt in möglichen Auseinandersetzungen mit Investoren in Zeiten von FOCs, immer stärker werdendem Online-Handel, dem Niedergang des klassische Vollsortiment-Kaufhauses etc. wahrscheinlich nicht mehr so lang ist wie Ende der Siebziger, als Görl mit Karstadt lange und engagiert um eine stadtbildverträgliche Lösung gerungen hat, das sehe ich schon, aber in Nürnberg fehlt es ja nicht nur an Durchsetzungsfähigkeit, sondern schon an der Vorstellung davon, was man eigentlich will. Das städtische Bauen in der Altstadt in den letzten 20 Jahren zeigt dies überdeutlich; neben der Stadtbibliothek fällt mir hier als Negativbeispiel auch das Wirtschaftsrathaus ein: Lochfassade und Satteldach reichen halt nicht aus, um ein Abrutschen in die Beliebigkeit zu vermeiden.

    Außerhalb der Altstadt, insbesondere wenn dadurch keine gewachsenen Ensembles durch besondere Egozentrik gestört werden, könnte man auch das eine oder andere mal durchaus modernistisch zumindest ansatzweise spektakulär oder interessant bauen, aber dafür fehlt ebenso der Mut wie zur Rückbesinnung auf die eigene Tradition (die ja durchaus auch etwas spektakuläres an sich hätte).

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    Und was die Reutersbrunnen-Feuerwache betrifft: Hier kann man mit Sicherheit mit einer neuen Nutzung rechnen, das Gebauede liegt genial und ist in einem guten Zustand.


    Die geniale Lage wäre dann aber aus Sicht von Investoren auch für einen Neubau nach Abriß der Feuerwache interessant; deshalb halte ich die Lage für kein Argument, das für den Erhalt spricht.

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    [...] Der Rauch der qualmenden Schornsteine wurde im Industriezeitalter bestimmt auch in Nürnberg von West nach Ost geweht...
    Stattdessen siedelte in Gostenhof und Eberhardshof Industrie an. [...]

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    Die wollten eben nicht so nahe bei Fürth sein ...:lach:

    Völlig richtig. Man wollte den Dreck der Fürther Industrie nicht haben. Deshalb wurde Erlenstegen der Nürnberger Nobel-Wohnort: Die Abgase aus der Südstadt ziehen in aller Regel südlich vorbei, Fürth und Eberhardshof sind weit genug entfernt, Wöhrd war nach dem Umzug der MAN in die Südstadt kein industrieller Schwerpunkt mehr. Natürlich hat es auch östlich/nordöstlich der Altstadt Industrie gegeben, etwa im Areal Schafhofstraße/Klingenhofstraße oder das Tafelwerk, aber so stark belastet wie im Westen und Süden der Stadt war die Luft in Erlenstegen sicher nicht.

    Sehr gut - dabei hatte ich das Bild noch ein bißchen bearbeitet, damit man die GE Money Bank nicht gleich erahnt; hat wohl nichts gebracht.

    Das Interessante an diesem Ort ist: die Stadtmauer wurde hier, also östlich des Färbertors, schon um 1880 herum (einige Jahre vor dem Färbertor selbst!) abgebrochen. Auf dem Grundstück des Zwingers und des aufgefüllten Grabens wurde das Färberschulhaus erbaut, der Platz später in Färberplatz umbenannt.
    Warum steht hier aber jetzt wieder eine Stadtmauer? Dazu ist ein Blick auf die Situation sinnvoll: http://www.bing.com/maps/?v=2&cp=s…607050473&sty=b
    Wenn man nun die beiden Mauerabschnitte östlich des Färbertors betrachtet, dann fallen im Vergleich zu anderen Abschnitten zwei Dinge besonders auf: die Türme treten gegenüber der Mauer kaum hervor und das Dach ist viel höher. Daraus kann man schließen, daß es sich um keinen normalen, sondern einen ungewöhnlich dicken Mauerabschnitt handelt. Tatsächlich befindet sich hier, mitten in Nürnberg und den meisten Nürnbergern dennoch sicher völlig unbekannt, ein Luftschutzbunker aus dem Zweiten Weltkrieg. Die beiden Mauerabschnitte und die beiden Türme wurden also um 1940 errichtet. Das Schulhaus hat damals noch gestanden, ist dann aber dem Krieg zum Opfer gefallen (ob es bereits im Krieg total zerstört wurde oder ob das beschädigte Gebäude erst nach dem Krieg abgerissen wurde weiß ich aber nicht). Die beiden Türme tragen zwar die typischen farbigen Buchstaben (hier rotes G und rotes H), sind aber keine historischen Türme. Im neuen roten H befindet sich hinter der auf meinem Bild zu sehenden Türe der Zugang zum Luftschutzbunker.

    Ergänzung:
    Auf diesem Bild (http://download.bildindex.de/bilder/mi02521a04a.jpg aus dem Jahr 1946 (wenn die Angabe stimmt, was bei Bildindex nicht immer der Fall ist) sieht man das offensichtlich nicht vollständig zerstörte Färberschulhaus und links daneben den fraglichen Mauerabschnitt. Man kann sehr gut das wahrscheinlich ausgebrannte Dach des neuzeitlichen Turms rotes H erkennen.

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    [..] Nürnberg könnte als Hauptstadt eines freien Franken echt rocken, aber so wird es immer schön kurz gehalten. [...]


    Das halte ich für ein Gerücht. Die Franken sind doch nur nach außen, gegen die Altbayern, einigermaßen geeint. In einem Bundesland Franken würden die ehemaligen Residenzstädte Würzburg, Bamberg, Bayreuth oder Ansbach eifersüchtig darauf achten, daß Nürnberg nicht zu viel bekommt. Hier zeigen sich noch 200 Jahre nach ihrer Beendigung Langzeitfolgen der jahrhundertelangen Kleinstaaterei.

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    [...] Aber wenn ich Köln mit Hannover vergleiche dann stellt sich bereits das inzwischen gewohnte "kenn ich schon"-Gefühl ein, die immer gleichen Häuserzeilen eben. Kennt man eine kennt man alle. [...]


    Und was heißt schon New York? Großstadt ist Großstadt; ich war oft genug in Hannover.
    Arno Schmidt, Trommler beim Zaren (ist mir spontan dazu eingefallen)

    Unter Rehhof verstehe ich etwas anderes, nämlich die süd-westlich an Alt-Laufamholz anschließende (und zum Statistischen Bezirk 94 Laufamholz gehörende) Wohnbebaung im Bereich der S-Bahn-Station Rehhof, insbesondere das erst seit den 80ern bebaute Areal südlich der Bahnlinie.

    Die von Dir gezeigten Orte liegen weiter nördlich im Pegnitzgrund, teilweise auch weiter östlich.

    Die ersten beiden Bilder zeigen Reste von Oberbürg (ein im Krieg zerstörtes Wasserschloß), die anderen das Fabrikgut Hammer (auch im Krieg stark beschädigt, teilweise zerstört).

    Dekoratives Anführungszeichen

    Denke mit dem Bürohaus ist dieses Gebäude gemeint.

    http://www.nuernberg.de/imperia/md/wir…s_rollner_e.pdf

    Glaube ich nicht.
    Im Artikel ist von einem Bürogebäude anstelle der früheren Adolf-Reichwein-Schule die Rede. Dabei handelt es sich meines Wissens um den Gebäudekomplex nordwestlich der Kreuzung Rollner-/Kilianstraße, also oben links in folgender Ansicht:
    http://www.bing.com/maps/?v=2&cp=s…274&lvl=1&sty=b
    Dieses Gründstück wäre auch identisch mit dem obersten gelb umrandeten Areal im Luftbild im Zeitungsartikel.
    Das Gebäude im von Dir verlinkten Dokument müßte in der nordöstlichen Ecke geplant sein, wo jetzt der Gebrauchtwagenhändler ist. Die in blau eingezeichnete weitere Bebauungsoption wäre auf dem Parkplatz und teilweise auch auf dem Garten des Freudenpark, weshalb ich schwer hoffe, daß diese Option nie Wirklichkeit wird. Auch bei dem Bürogebäude, um das es in dem verlinkten Dokument geht, kann man nur hoffen, daß der Freudenpark-Garten dadurch nicht zu sehr beeinträchtigt wird.

    Natürlich sind die Münchner Kirchen nicht Welterbe-würdig, aber Hand aufs Herz – die Nürnberger auch nicht. Die Münchner Residenz sollten wir hier in Franken nicht unterschätzen, aber daß sie Welterbe-würdig ist halte ich auch eher für fraglich, aber das gilt auch für die Nürnberger Burg.

    Meiner Meinung nach ist in Nürnberg - wenn überhaupt irgendetwas - dann einzig die Stadtbefestigung und nur als deren Bestandteil dann auch die Burg mit den Burgbasteien bedeutend genug. Allerdings halte ich den Erhaltungsgrad (etwa 3/4 der ursprünglichen Länge, und dort auch oft sehr eingeschränkt, da die ursprünglich noch dem Stadtgraben vorgelagerten Schanzen und ähnliches ja gar nicht mehr vorhanden sind und auch der Graben oft nur noch erahnt werden kann) für ein Welterbe auch für kritisch. Wenn man sich freilich ansieht, was alles Welterbe ist oder demnächst werden möchte, dann stelle ich fest, daß möglicherweise ich zu kritisch bin. Unter diesem Aspekt ist auch die Frage berechtigt, ob Bayern bei der Anmeldung von Welterbestätten nicht insgesamt etwas zu zurückhaltend war.

    Weshalb sollten aber zur Stadtbefestigung noch die Innenstadtkirchen dazugenommen werden? Für sich genommen sind sie nicht so bedeutend und was verbindet die Stadtbefestigung mehr mit den Kirchen als mit den großen reichsstädtischen Bauten wie etwa dem Weinstadel, dem Unschlitthaus, der Mauthalle, den historischen Teilen des Rathauskomplexes oder der Fleischbrücke?

    Die einzige Variante, nicht nur die Stadtbefestigung zum Welterbe zu machen, wäre in meinen Augen die Relikte des reichsstädtischen Nürnberg als Kulturlandschaft (wie etwa die Reichenau oder das Rheintal). Beim Johannisfriedhof beispielsweise hätte ich auch keinerlei Probleme mit dem Welterbestatus, aber die noch erhaltenen barocken Häuser der früheren Gartenanwesen in der Johannisstraße (ohne einen einzigen noch original erhaltenen oder im gesicherten früheren Zustand rekonstruierten Garten), von städtischer Bebauung bedrängte Herrensitze (z. B. Schübelsberg) oder die eben nur noch rudimentär vorhandene historische Bebauung der Altstadt, insbesondere im Bereich des privaten Profanbaus (von den grandiosen Beispielen Peller- oder Toplerhaus bis "hinunter" zu den einfachen Handwerkerunterkünften wie beispielsweise im Kreuzgassenviertel ist ja so gut wie nichts mehr übrig) - da ginge es mehr um die Erinnerung an das, was mal war, als um das, was wirklich noch vorhanden ist. Aber vielleicht bin ich hier auch wieder viel zu kritisch.

    Den aktuellen Vorschlag lehne ich ab, aber es steht zu befürchten, daß er aus Gründen der political correctness möglicherweise bessere Chancen hat als die Stadtbefestigung oder das Erbe der reichsstädtischen Vergangenheit. Ich finde, dem Welterbe sollten Orte der Kultur, nicht der Unkultur angehören. Deshalb halte ich auch Auschwitz in dieser Liste für deplaziert. Die mit Auschwitz oder dem RPG verbundenen Ereignisse sollen natürlich nicht vergessen werden (und auch viele andere wie das Tian’anmen-Massaker oder der Völkermord an den Armeniern), aber dafür sollte es eine andere Möglichkeit geben als die Aufnahme in die Welterbeliste.
    Ich lehne den jetzigen Vorschlag aber auch ab, weil damit die jetzt schon viel zu starke Fixierung der Stadt auf zwölf Jahre ihrer Geschichte noch weiter verstärkt werden würde.


    München hat also keine Frauenkirche, keine Theatinerkirche, keine Michaelskirche und auch keine Asamkirche? Und München hat wohl auch keine Residenz?

    Im übrigen kann man sich über den fränkischen Anteil an den bayerischen Welterbestätten nicht beklagen:

    • Würzburger Residenz (Unterfranken)
    • Wieskirche (Oberbayern)
    • Bamberg (Oberfranken)
    • Limes (der bayerische Anteil liegt in Mittelfranken, Oberbayern und soweit ich das auf die Schnelle sehe wohl auch noch ein kleines bißchen in Niederbayern)
    • Regensburg (Oberpfalz)


    Und es dürfte eigentlich auch bekannt sein, daß auf der derzeitigen deutschen Anwärterliste genau ein Objekt aus Bayern steht, und zwar das Markgräfliche Opernhaus in Bayreuth (Oberfranken).

    Nun zu Deinen Vorschlägen: Aschaffenburger Schloß? Ernsthaft? Veste Coburg? Ernsthaft? Dann aber doch auch die Plassenburg und die Festung Rosenberg und die Burg Burghausen und die Burg Trausnitz in Landshut und das Schloß Neuburg/Donau und das Ingolstädter Schloß und und und ... - neinnein, wir sollten uns schon auf ganz wenige einzigartige Höhepunkte beschränken, und dabei nicht nur die fränkischen Sehenswürdigkeiten im Blick haben, sondern ganz Deutschland. Wenn das Aschaffenburger Schloß Welterbe wird, dann können wir in ganz Deutschland auf einen Schlag drei oder vier (oder fünf oder sechs oder...) Dutzend mindestens ebenso bedeutende Burgen und Schlösser aufnehmen.

    Soso, Willem eins soll also verschwinden. ALARM! GESCHICHTSKLITTERUNG! Da soll offensichtlich DAS KAISERREICH VERLEUGNET werden! Wo bleibt der Aufschrei unserer linken Gutmenschen? Ach ja: hier geht es ja gar nicht um die Umdeutung mißlungener Nachkriegsarchitektur zum Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus - dann ist das natürlich in Ordnung!

    Jetzt aber mal ganz sachlich: Da ich noch nicht in der Ausstellung war kann ich auf den konkreten Vorschlag nicht eingehen. Aber der Grundgedanke Brunnen oben, Wasserlauf (am besten eine Kaskade; wenn wirlich ein Bach im engeren Sinne geplant sein sollte, dann gute Nacht - aber bei den topographischen Begebenheiten und stadtplanerischen Zwängen dürfte ein richtiger Bach gar nicht realisierbar sein), Brunnen unten ist ausnahmsweise mal eine gute Idee aus dem Baumeisterhaus. Ob dafür das Wilhelm-Denkmal wirklich weichen muß oder ob man es nicht in diese Konzeption integrieren könnte ist für mich die eine Frage, die andere ist die der konkreten Gestaltung der neuen Brunnen und des Wasserlaufs. Ich befürchte, der aktuellen Stadtspitze fehlt für ein zweites Ehekarussell (um eventuellen Mißverständnissen vorzubeugen: das ist metaphorisch gemeint) der Mut und die Vision (und ein Otto Peter Görl). Aber ich werde demnächst mal in die Ausstellung gehen und vielleicht werde ich ja positiv überrascht.

    Reyham

    Zu Rothenburg, Disneyland usw. äußere ich mich nicht weiter, denn damit wird die Diskussion zu sehr off topic und pagmamahal hat ja auch schon etwas dazu gesagt.
    Auch darüber, wie viel Originalsubstanz der Nürnberger Stadtbefestigung noch vorhanden war, wie viel repariert und ergänzt wurde und wie viel (oder besser: wie wenig) komplett zerstörtes rekonstruiert wurde möchte ich mich hier nicht auslassen, nur soviel: Ich kann mit etwas übersteigerten Formulierungen in der Regel umgehen, aber "Stadtmauer übrigens nur Rekonstr., nix Original" ist nicht einfach nur etwas überspitzt formuliert, sondern schlichtweg meilenweit an der Realität vorbei.

    Dekoratives Anführungszeichen

    Und sollte die U-Bahnverbindung nicht genug sein, eine S-Bahnstation könnte auch noch flott an der Strecke Nürnberg-Fürth eingefügt werden.


    Meines Wissens sieht die Sache so aus:
    Die S-Bahn zwischen N und FÜ wird nicht über zwei (Richtungs-)Gleise verfügen, sondern nur über ein Gleis, auf dem die Züge in beiden Richtungen fahren. Um einen 20-Minuten-Takt fahren zu können dürfen die Züge zwischen den beiden Hauptbahnhöfen nur 9 Minuten benötigen. Das ist meines Wissens auch der Grund für den Wegfall des Haltepunkts Neusündersbühl. Mit einem weiteren Zwischenhalt (neben Steinbühl und Rothenburger Straße) wäre der 20-Minuten-Takt nicht zu halten oder es müßte ein hinreichend langer zweigleisiger Abschnitt für Begegnungsverkehr geschaffen werden.