Beiträge von Norimbergus

    nothor:
    Welche drei Konzerthäuser denn? Momentan gibt es ein halbes, nämlich die für Konzerte geeignete und dafür oft (aber nicht ausschließlich) genutzte Mehrzweckhalle Meistersingerhalle, und zukünftig gibt es ein richtiges Konzerthaus und dazu weiterhin die MSH, die aber wohl vermehrt für andere Veranstaltungen wie Kongresse genutzt werden soll (dazu hat es meiner Erinnerung nach ja eine Bedarfsstudie gegeben; ob diese realistisch war oder nur ein gewünschtes Ergebnis geliefert hat, das kann ich freilich nicht beurteilen). Großzügig gezählt sind das dann zwei Konzerthäuser, aber nie und nimmer drei.
    Und gerade um Synergien zu nutzen und das laufende Defizit zu minimieren baut man ja bei der MSH. Für mich wäre der ideale Standort anstelle der AOK gewesen, wo vor dem Krieg schon im Kulturverein Konzerte stattgefunden haben, aber angeblich war da nicht genug Platz. Wenn ich mir aber bspw. das Konzerthaus Dortmund anschaue, dann kommen mir so meine Zweifel. Freilich wäre das Grundstück sicher sehr teuer gewesen, wohingegen der Parkplatz an der kleinen MSH der Stadt ja schon gehört.

    Die MSH selbst - naja. Das Foyer ist gut, wenngleich sicher auch nicht jeder etwas damit anfangen kann, aber den Saal empfinde ich als nicht sehr angenehm. Er ist auch zu groß, sowohl in Bezug auf das Platzangebot (viele leere Plätze in vielen Konzerten) als auch in Bezug auf den Wohlfühlfaktor. Nach meinem Empfinden ist die Halle ziemlich ungemütlich, ganz besonders im Parkett hinten unter dem Rang; im Gegensatz zum Rest der Halle, wo ich mir etwas verloren vorkomme, ist es dort eher bedrückend und ich vermeide deshalb möglichst, dort zu sitzen. Konzerte in Bamberg bspw. empfinde ich als angenehmer (wobei dort das Foyer die Schwachstelle bildet), und damit meine ich nicht das höhere Niveau des dort heimischen Orchesters.

    Außerdem ist zu bedenken, daß sowohl Oper als auch MSH sanierungsbedürftig sind und deshalb über längere Zeit ein Ausweichquartier notwendig ist, erst für die Oper, dann für die MSH. Auch deshalb ist der Gedanke aufgekommen, statt viel Geld in ein Provisorium zu stecken lieber gleich einen richtigen Konzertsaal zu bauen. Das kostet natürlich noch mal erheblich mehr, aber zumindest für die Stadt ist das kein Problem, weil den Konzertsaal über Zuschüsse hauptsächlich der Freistaat bezahlt. Und wenn die MSH wie prognostiziert genügend von anderen Veranstaltern angemietet wird, dann sollten auch die laufenden Kosten kein Problem sein.

    Die 1500 Plätze halte ich allerdings auch für etwas wenig. 1700 wären nach meinem Empfinden richtig gewesen, aber vielleicht rechnet man ja mit mittel- bis langfristig etwas sinkenden Zuschauerzahlen und will vermeiden, daß man in einiger Zeit das gleiche Problem hat wie jetzt mit der MSH, nämlich daß der Saal oft deutlich zu groß ist.

    Den Begriff könnte ich zeitlich nicht einordnen, aber das Gebäude würde ich auch um die vorletzte Jahrhundertwende datieren und der Bayerische Denkmalatlas (https://geoportal.bayern.de/bayernatlas/denkmal/) bestätigt das:

    Adresse: Willstraße 50
    Funktion: Bedürfnisanstalt
    Beschreibung: Pissort, polygonaler Sandsteinquaderbau mit Walmdach, um 1900; in Grünfläche Ecke Brückenstraße

    In oben verlinkter Galerie gibt es auch ein neueres, evtl. damals (2015) aktuelles Bild, allerdings mit falscher Verortung (Hallerwiese):
    http://www.nordbayern.de/region/nuernbe…43878?offset=12

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    Eine kunsthistorisch wertvolle Stele, die es bis zum 2. WK an einigen Stellen in der Altstadt gegeben hatte, und im Hintergrund links das Steinschreiberhaus an der Friedhofsmauer gelegen:


    Kleine Korrektur: Das ist das frühere städtische Brause- und Wannenbad auf der anderen Seite der Johannisstraße. Das Steinschreiberhaus ist auf diesem Bild nicht zusehen, dafür auf dem folgenden (links vom Portal; im Portal wieder das Brause- und Wannenbad):

    Dekoratives Anführungszeichen

    Sowie die neugotische Aussegnungshalle mit den Arkaden, eine Zutat aus dem Historismus:


    Das ist meines Wissens neben der Maxbrücke das einzige erhaltene Bauwerk von Bernhard Solger, Mitte des 19. Jahrhunderts städtischer Baurat und Architekt vieler öffentlicher Gebäude in Nürnberg, die aber fast alle den Krieg nicht überlebt haben oder schon vorher abgerissen wurden (wie die zusätzlichen Tore in der Stadtmauer, die nur wenige Jahrzehnte existiert haben, weil sie dann wieder zu klein waren und inzwischen ersatzlos abgerissen werden konnten, weil Nürnberg seit dem Krieg 1866 keine Festung mehr war).

    Auf dem Johannisfriedhof bin ich auch immer wieder, Rochus sehr selten. Der Johannisfriedhof ist halt doch schöner, hat die prominenteren Gräber (Dürer! Auch wenn er dort längst nicht mehr liegt) und der Weg von/zur Altstadt und die Umgebung sind auch schöner (Hallerwiese, Großweidenmühle, Hesperidengärten, Johannisstraße/Burgschmietstraße mit einigen erhaltenen Häusern der barocken Gartenanwesen, dem Kreuzweg von Adam Kraft - nur noch in Kopien - und der Lenzschen Kunstgießerei, wenngleich v. a. die Burgschmietstraße ansonsten nicht besonders bemerkenswert ist). Da können der Plärrer und die Rothenburger Straße nicht mithalten.

    Dazu kann ich nichts genaueres sagen. Ich weiß nur, daß das Haus schon auf Bildern aus der recht frühen Nachkriegszeit mit einem Notdach zu sehen ist.
    Hier ein Bild von 1950 (Qualität sehr mau, aber ich habe nicht lange gesucht): http://www.baukunst-nuernberg.de/Hauptma1.jpg

    Bilder aus den letzten Kriegstagen oder der unmittelbaren Nachkriegszeit sind mir meiner Erinnerung nach eher selten begegnet. Eines habe ich gefunden, aber sehr niedrige Auflösung und nicht idealer Blickwinkel, aber das Haus links müßte es sein mit der hellen Stelle in der Fassade des ersten Obergeschosses, genau dort, wo vorher das Chörlein war:
    https://www.ihk-nuernberg.de/de/media/Grafi…hte/bild_09.jpg

    Dekoratives Anführungszeichen

    Entweder hier im Forum oder auch anderen Orts war über diesen Bau auch schon zu lesen, das dieser um 1900 hier errichtet wurde und zuvor dafür ein wesentlich älterer Bau weichen musste.


    Das war noch etwas später, der Abriß des Vorgängerbaus dürfte 1912 oder 1913 erfolgt sein. Mir fällt gerade nicht ein, in welchem Buch das genau thematisiert war, aber auf Bildern vom großen Hochwasser 1909 sieht man jedenfalls noch den Altbau.
    Der Nachfolger hat sich gestalterisch aber sehr stark an den Vorgänger angelehnt, der z. B. auch zur Tuchgasse hin einen eingeschossigen Anbau hatte, freilich ohne Dachterrasse, sondern mit einem Pultdach.

    Ich kann nichts blödsinniges und typisch deutsches daran finden, daß die Fenster zugebaut werden dürfen. Blödsinnig war vielmehr, daß der Bauherr vor 50 Jahren sein Haus nicht gleich so gebaut hat, daß er ohne diese Fenster auskommt. Daß der Nachbar sein Grundstück auch bis an die Grenze bebauen will ist doch logisch; daß deshalb Fenster zu seinem Grundstück hin nur eingebaut werden dürfen, wenn er sie später trotzdem zubauen darf, ist absolut sinnvoll. Daß die Fenster jetzt zugebaut werden ist also kein bösartiger Akt, sondern daß es 50 Jahre lang Fenster in diese Richtung gegeben hat war ein freundlicher Akt.
    Soll etwa derjenige, der früher auf die Grenze baut, einfach Fenster einbauen und dadurch dem Nachbar sein Recht nehmen dürfen, sein Grundstück auch optimal auszunutzen?
    Daß die Möglichkeit besteht, daß die Fenster zugebaut werden, muß halt nur bei Vermietung oder Verkauf kommuniziert werden. Falls das nicht der Fall war, so kann aber der Nachbar, der jetzt baut, nichts dafür.
    Ich könnte mir auch vorstellen, daß deshalb das Fassadenbild nicht erhalten bleiben kann, weil jetzt an diese Stelle Fenster eingebaut werden müssen - um das sicher beurteilen zu können müßte man natürlich die Wohnungsgrundrisse kennen (wobei sich natürlich die Frage stellt, weshalb die Fenster dann noch nicht schon eingebaut wurden, bevor die anderen zugebaut werden). Schade um das Bild wäre es natürlich schon, aber wenn die Wohnungen sonst nicht mehr vernünftig genutzt werden können, dann muß es halt sein. Wenn dort von Anfang an Fenster gewesen wären, dann hätte es das Bild halt nie gegeben.

    Neubau Kaufhaus Wöhrl am Weissen Turm

    Hat sich da wohl inzwischen bei der Stellplatzablöse etwas getan? Oder wird der Gewinn durch freundlichere, großzügigere, einfach angenehmere Räumlichkeiten als im jetzigen Bunker inzwischen höher bewertet?
    Vor geschätzt gut zehn Jahren war hier nämlich schon geplant, die beiden Häuser abzureißen und durch einen Neubau nach Plänen des Büros Patzschke zu ersetzen. Letztendlich wurde es nur eine Renovierung mit neuer Fassade für den westlichen Teil. Soweit ich mich erinnere war die für einen Neubau fällige Stellplatzablöse der Grund, weshalb man sich gegen den Neubau entschieden hat.

    Zur Fassade des Bestandsbaus: Diese wurde erst bei dieser letzten Renovierung angebracht. Ich kann mich aber nicht mehr daran erinnern, wie die Fassade davor ausgesehen hat, nur, daß es eine typische 60er-Jahre Fassade war, bei der ich nie auf die Idee gekommen bin, daß sie einem älteren Baubestand vorgeblendet worden sein könnte - das zweigeteilte Dach, das mir bisher noch nie aufgefallen war, ist freilich schon verdächtig!.

    Dekoratives Anführungszeichen

    Gottseidank gibt es von Osten kommend diese phantastische Torsituation aus Kunsthalle und Marientorzwinger mit dem dahinterliegenden Altbau, ohne diese wäre die Lorenzer Straße m.M.n. die unwirtlichste, ja schlimmste Straße in der Lorenzer Altstadt.


    Naja, so schlimm ist die Straße nicht, wobei das eher nicht an der Sparkasse liegt, sondern an der Nordseite der Straße; wenn diese auch so aussehen würde, dann wäre das tatsächlich eine unwirtliche Straße. Wirklich unwirtlich (und da könnte auch keine Kunsthalle und kein Marientorzwinger etwas retten) ist für mich aber die Grasersgasse. Unangenehm finde ich bspw. auch den westlichen Teil der Brunnengasse und die Frauengasse. Im Vergleich zur Ostseite des GNM oder der Maximum-Rückseite ist selbst die Südseite der Lorenzer Straße ein Traum.
    Zum Projekt selbst: nicht der große Wurf, der aber wohl auch schwer möglich ist, wenn nicht völlig neu gebaut wird (der aber auch bei einem kompletten Neubau sicher nicht gekommen wäre). Im Rahmen des Möglichen aber recht ordentlich. Auf jeden Fall eine Verbesserung.

    Ich denke, nothor hat mich schon richtig verstanden und mit Hinweis auf das Parkhaus meine Kritik an Winklerstraße 33/35 relativieren wollen. Allerdings wird der Blick auf das Parkhaus von Bäumen verdeckt, wenn man vor der Sebalduskirche steht (oder ich schaue schon instinktiv nicht mehr so weit nach links), wohingegen die Häuserzeile mit den beiden historischen Bauten an den Ecken unmittelbar gegenüber steht und auch der Beginn des Weinmarkts viel präsenter ist als das Parkhaus (Entfernung, Topographie etc.).

    Zurück zur IHK:
    An dieser Stelle kann ich mich mit dem Bau einfach nicht anfreunden. Mir gefällt zwar diese ganze Mode nicht recht, aber mit den Sebald-Kontoren kann ich ebenso leben wie mit dem etwas gemäßigteren K-Quadrat (ziegelgedecktes Dach, aber keine vernünftige Traufe und auch sehr große Fensterflächen). Der Staabsche Augustinerhof-Entwurf, der ja auch in eine ähnliche Richtung geht, war zwar unter allen Vorschlägen eines der geringsten Übel, aber gut finde ich den auch nicht. Aber an seinem Standort könnte ich auch damit leben (außer zur Pegnitz hin, wo man meiner Meinung nach unbedingt die Tradition der Galerien wiederaufnehmen müßte).
    Für mich sind das aber keine modernen Interpretationen des Nürnberger Hauses mehr. Steiles traufseitiges Dach und rötliche (Sand?)Steinfassade auf den wenigen Flächen, die die Fenster noch übriglassen, das reicht nicht.
    Daß die Visualisierung bei der Firstlinie ungenau ist kann ich mir nicht vorstellen. Hier wird der sich durch erhebliche Teile des Wiederaufbaus durchziehende unselige Drang nach "Beruhigung" der Dächer (v. a. Steppe, aber sehr prominent auch die Nordseite des Albrecht-Dürer-Platzes) fortgeführt.

    Um Gottes Willen - frißt sich diese Pest immer weiter ins Herz der Nürnberger Altstadt hinein? An anderer Stelle mag man das ja mal ausprobieren können, aber hier beginnt zum einen das Burgviertel und wird zum anderen ein klassisches nürnberger Fotomotiv (Schöner Brunnen, IHK, Türme der Sebalduskirche) erheblich beeinträchtigt. Die Firstlinie des Neubaus wird auf die Höhe des Altbaus angehoben, was die Dachlandschaft ebenso weiter veröden läßt wie die Entsorgung sämtlicher Erker (obigem Bild zufolge sogar auf dem Altbau - das wäre echt frech! Auf einer anderen Darstellung sind die Erker auf dem Altbau wieder drauf, aber was soll ich von einem Architekturbüro halten, das ein für das nürnberger Haus so wichtiges Element einfach nach Gutdünken auf einer Darstellung mal wegläßt? Und welche Darstellung stimmt denn tatsächlich?). Dann noch der nahtlose Übergang vom Dach zur Fassade ohne den kleinsten Dachüberstand und die riesigen Fenster - da wird mal wieder ein Ensemble mutwillig zerstört.

    Das wird noch unharmonischer werden als die Situation am nordwestlichen Ende der Winklerstraße (meine spontane Assoziation), wo zwischen Winklerstraße 31 (Pfarrhaus Frauenkirche) und dem grandiosen Haus Winklerstraße 37 auf den Grundstücken Winklerstraße 33 und 35 ein zwar mit Sandstein verkleideter, aber dennoch unangenehmer Bau (wahrscheinlich aus den 60ern) das ansonsten mit den nördlich davon gelegenen Häusern Weinmarkt 2, 4 und 6 und dem Sebalder Pfarrhof hervorragende Ensemble vor dem Westchor der Sebalduskirche nachhaltig stört.

    Aber für das viele Geld, das man hier ausgibt, will man wahrscheinlich auch auffallen; harmonisches Einfügen ist wohl nicht gefragt, sondern "Hoppla, hier komm' ich!"

    Der jetzige Bau ist zwar keine Offenbarung, aber alles andere als schlecht - und wie in Nürnberg so gut wie immer besser als das, was jetzt kommen soll. Wobei ich hier jetzt ausdrücklich nur vom äußeren Erscheinungsbild spreche.

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    Dort wo das Study inn 2 steht wurde einst eine Filmszene gedreht die in die Geschichte einging :lach: Rene Weller und Peter Althof haben dort einst einen "bösen" verprügelt

    Das muß ich mir direkt mal wieder anschauen.
    Die meisten Orte außerhalb der Altstadt habe ich nicht zuordnen können (außer Offensichtliches wie die im Abspann genannte Raiffeisenbank Knoblauchsland in Buch).

    Der Standort der AOK ist meiner Meinung nach der natürliche Platz für einen Konzertsaal. Das Konzertleben würde damit wieder aus der Pampa ins urbane Umfeld und an seinen früheren Ort zurückgeholt werden.

    Der Platz sollte dort reichen. Wenn ich mir zum Vergleich das Konzerthaus Dortmund (1500 Plätze) im Luftbild ansehe, dann habe ich den Eindruck, daß dieses dorthin passen würde (nicht architektonisch, nur in Bezug auf den Platzbedarf).

    Ein direkter U-Bahn-Zugang wie beim Opernhaus ist zwar schön, aber definitiv nicht zwingend notwendig. Die Hamburgische Staatsoper beispielsweise befindet sich auch mitten zwischen den Haltestellen Gänsemarkt und Stephansplatz und die Bayerische Staatsoper zwischen Marienplatz und Odeonsplatz. Die Meistersingerhalle hat nur eine Straßenbahnhaltestelle und die Besucher müssen die letzten Meter auch durch Wind und Wetter laufen, aber das müssen sie auf ihrem Weg von Ihrer Wohnung zur U-Bahn auch und der Weg vom U-Bahnhof Opernhaus/Ausgang Weidenkellerstraße zur AOK ist nicht wirklich weit.

    Architektonisch wäre natürlich der Kulturverein ein hervorragender Anknüpfungspunkt. Ob eine Rekonstruktion angesichts des notwendigen Bauvolumens überhaupt möglich wäre kann ich nicht beurteilen, aber ich könnte mir eine Ahnlehnung, ein ziemlich ausgeprägtes Zitieren des Kulturvereins auch sehr gut vorstellen.

    Allerdings zeigt der Vergleich mit dem schon oben von mir erwähnten Konzerthaus Dortmund (das architektonisch ganz sicher kein Vorbild für Nürnberg sein soll) ganz klar, mit welcher finanzieller Größenordnung zu rechnen ist. 2002 eröffnet hat es 48 Mio. Euro gekostet, und es gilt als ausgesprochen günstiger Bau. Wenn wir noch die Zeit für AOK-Neubau, dann Abriß und Konzertsaal-Neubau dazunehmen, dann sind wir fast 20 Jahre weiter mit entsprechend gestiegenen Preisen (und bei notwendiger ansprechenderer Gestaltung wird es bestimmt noch ein Stück teurer).

    Ich bin nun wirklich der letzte, der Ausgaben für Kultur immer gleich Kinderkrippenbau und Schulhaussanierung entgegenhält - ich gehe ja auch bisweilen schon mal in die Oper oder ins Konzert und ins GNM sogar ziemlich oft - aber ob die Stadt eine solche Investition schultern kann - sowohl finanziell als auch von den Planungskapazitäten her - ist für mich schon fraglich. Für die Stadt stellt sich halt dann auch die Frage, wie die Große Meistersingerhalle entsprechend ausgelastet werden soll. Solche Einrichtungen kosten halt nicht nur bei Bau oder Sanierung, sondern auch im laufenden Betrieb viel Geld.

    Dekoratives Anführungszeichen

    Die Präsentation ist die ganze Zeit in Bewegung, um die stetige Veränderung des Raumes zu unterstreichen. Man sieht auch zu nahezu keinem Zeitpunkt die komplette Wand in Dürers Gestaltungskonzept, es wird immer wieder überblendet und überlappt.


    Genau das stört mich an der Präsentation gewaltig; ich sage sogar, sie ist deswegen völlig mißlungen! Man hat den Eindruck, den Leuten darf eben nicht gezeigt werden, wie der Raum ausgesehen hat (oder nach den Plänen Prechtels aussehen sollte), weil sonst könnte ja der Wunsch aufkommen, daß man das wiederhaben möchte.
    Die Geschichte der Bemalung ist ja ganz interessant, aber danach hätte mehrere Minuten lang ohne jegliche Änderung der Vorkriegszustand gezeigt werden müssen und danach ebenso mehrere Minuten lang ohne jegliche Änderung die Prechtl-Entwürfe. Wenn dadurch die Zeit für einen Durchlauf zu lang geworden wäre, dann hätte man eben die Geschichte stark zusammenkürzen oder komplett weglassen und nur auf Tafeln erläutern sollen - das wäre für die Besucher zwar sicher mühsamer und nicht so leicht konsumierbar, aber ich bin reingegangen, um mir einen Eindruck zu verschaffen, wie der Raum früher ausgesehen und gewirkt hat; und das leistet die Präsentation nur rudimentär.
    Außerdem habe ich eigentlich schon damit gerechnet, daß nicht nur die Nordwand, sondern zumindest die östliche Giebelwand in die Präsentation einbezogen wird.


    Ich sehe ein Erdgeschoß aus Sandstein, darüber zwei Obergeschosse in Fachwerk und obendrauf ein Mansarddach - genau wie vorher. Lediglich der obere Teil des Daches über der Mansarde (ich habe keine Ahnung ob es hierfür einen eigenen Begriff gibt) könnte eventuell etwas steiler sein als vorher; wetten würde ich darauf aber nicht, vielleicht täuschen mich hier auch nur die unterschiedlichen Blickwinkel.

    Beim letzten Sanierungsprojekt in der Pfeifergasse haben die Altstadtfreunde auch Wandheizungen installiert; das scheint inzwischen durchaus üblich zu sein.

    harher:
    Ich kenne mich zu wenig aus um beurteilen zu können, wie strikt die Vorgaben durch die Stadt sein können; falls hier nicht viel möglich wäre, dann wäre ein guter Draht zu den Eigentümern umso wichtiger, um diese zu überzeugen, freiwillig entsprechende Maßnahmen durchzuführen - natürlich nicht jetzt und sofort, das kann man niemandem zumuten, sondern dann, wenn sowieso im entsprechenden Bereich (Dach, Fassade, Fenster) Änderungen vorgenommen werden, möglicherweise mit Unterstützung durch die Altstadtfreunde. Ich frage mich aber schon, welchen Sinn der Ensembleschutz haben sollte, wenn im geschützten Bereich sogar passend gestaltete Fenster nur für Einzeldenkmäler vorgeschrieben werden könnten.

    Dexter:
    Mit den Bauvorschriften in der Altstadt im Königreich Bayern/Kaiserreich, Weimar und im Drittem Reich kenne ich mich auch nicht aus. Daß es auch damals teilweise massive Umbauten oder Neubauten gegeben hat ist klar, aber erhebliche Bereiche der Altstadt waren davon nicht betroffen und teilweise wurde auch sensibler vorgegangen. Der Abriß von Hauptmarkt 7 vor 100 Jahren etwa ist für uns heute sicher schwer verständlich, aber der Neubau war dem Vorgänger sehr ähnlich; ob der Bauherr dazu verpflichtet war oder ob das für ihn (möglicherweise als Nürnberger Bürger und nicht eine mehr oder weniger anonyme Investmentgesellschaft) selbstverständlich war, entsprechend zu bauen, das weiß ich nicht.
    Ich bin auch Realist genug, um zu sehen, daß die Altstadt zu groß ist, in vielen Bereichen zu beschädigt war und somit eine flächendeckende Rückkehr zu einem zumindest sehr stark an die Vorkriegssituation erinnerndes Stadtbild illusorisch ist. Der vor einigen Jahren entstandene Neubau am Spitzenberg beispielsweise gefällt mir zwar nicht, aber dort ist er mir auch ziemlich egal. Aber in den wenigen noch mit historischen Gebäuden gesegneten Ecken - und dazu gehören eben die Füll und die Wörthstraßen - erwarte ich keine 08/15-Katalogsarchitektur, sondern Auseinandersetzung mit der örtlichen Tradition - und zwar keine angebliche Auseinandersetzung durch bewußtes Setzen von Kontrasten. Und da das offensichtlich nicht funktioniert, habe ich auch keine große Hoffnung für den Hauptmarkt, obwohl es mittelfristig sicher den einen oder anderen möglichen Ansatzpunkt geben wird.
    Natürlich ändern sich Bewohner und ihre Bedürfnisse und Akteure in den Verwaltungen, aber das derzeitige Geschehen weckt bei mir nicht die Hoffnung, daß es sich dabei um eine Verbesserung handelt.

    Dekoratives Anführungszeichen

    da es sich bei Hauptmarkt 11/13 (Rodi & Norma) um ein reines Geschäftshaus handelt (im Falle Hauptmarkt 15 bin ich mir da nicht sicher) bin ich verhalten optimistisch das sich hier in den nächsten Jahren was tut. Außerdem steht das Haus auf einem ziemlich großen, daher attraktivem Grundstück.
    [...]

    Gerade das große Grundstück ist ja das gravierende Problem. Man müßte hier wieder zwei Häuser bauen - und zwar wirklich zwei Häuser mit etwas unterschiedlichen Geschoßhöhen, Trauf- und Firstlinien, damit die Westseite wieder einen angenehmen Rhythmus erhält. Aber wer teilt schon ein solches Grundstück wieder in zwei kleinere Einheiten auf? Außerdem kann man sich heutzutage doch wirklich nicht sicher sein, daß ein Neubau besser sein wird als der Vorgänger aus der Wiederaufbauzeit.

    Deshalb finde ich, daß Hauptmarkt 15 die besten Möglichkeiten bietet, da es schon sehr gut proportioniert ist und eigentlich nur noch Kosmetik benötigt. Ob dort demnächst mal neue Fenster geplant sind oder ob die aktuellen noch recht gut sind und der/die Eigentümer in absehbarer Zeit keinen Handlungsbedarf sehen kann ich nicht beurteilen; wichtig wäre aber, daß die Stadt in Kontakt mit dem/den Eigentümer/n steht, möglichst sogar Sprossenfenster für den Fall einer Sanierung vorschreibt. Für Erker und Chörlein ließen sich evtl. die Altstadtfreunde als Finanzierungspartner gewinnen. Aber so etwas funktioniert natürlich nur, wenn die Stadt nicht von den Sanierungsmaßnahmen überrascht wird. Wenn die alten Fenster schon rausgerissen werden und bei der Stadt der Antrag eingeht, daß auf dem Gehsteig ein Gerüst für Putz- oder Dachdeckarbeiten aufgestellt werden kann, dann ist es zu spät.

    Ich weiß aber nicht, inwieweit die Stadt in solchen Fällen Kontakte pflegt. Das betrifft ja nicht nur den Hauptmarkt, sondern auch andere Straßen und Plätze, man denke etwa an Albrecht-Dürer-Platz 3 (Antiquariat Heubeck); aber gerade die Sanierung des Nachbarhauses Füll 4 vor nun schon einigen Jahren spricht nicht gerade dafür, daß bei der Stadt großer Wert auf altstadtgerechte Fenster gelegt wird - selbst in einem wesentlich besser erhaltenen Ensemble nicht (bodentiefe Fenster! In der Füll! Völlig idiotisch - gibt es denn nur noch Banausen?). Und die letzten Neubau- und Sanierungsmaßnahmen in der östlichen Unteren Wörthstraße im Umfeld der Oberen Karlsbrücke waren ja auch wieder ernüchternd (http://picture.immobilienscout24.de/files/basic003…130511288-1.jpg) - wieder bodentiefe Fenster, dazu noch über Eck etc. pp. - was hat das in dieser Lage zu suchen? So etwas raubt einem jegliche Hoffnung, auch für den Hauptmarkt. Wenn nicht der Eigentümer selbst ein Interesse an altstadtgerechter Gestaltung hat wie bei Hauptmarkt 9, dann kann man die Sache in Nürnberg vergessen - auf die Stadt braucht man jedenfalls nicht zählen.