Beiträge von Arwed

    Brandschutz spielt da eher die Nebenrolle. Es geht um den Schutz der Elektronik im Haus. Diese Fangstangen sind so positioniert und dimensioniert, dass sie den Blitzeinschlag in Form einer angenommenen Kugel vom Gebäude ableiten können. Ob die Stangen zum Einsatz kommen, hängt von der Gebäudenutzung ab. Wenn im Haus viel Technik ist, sind sie unvermeidbar. Wenn auf Computertechnik (inklusive der für die Gebäudeautomatisierung) verzichtet würde, könnte man auch auf diese Stangen verzichten. Da das keine Option ist, sind die Stangen gesetzt.

    „Pseudo-Dekonstruktivistische Kirchentagsarchitektur“?!

    Wie lang der Verfasser daran wohl gearbeitet hat? Ob es davon verschiedene Fassungen gegeben hat, mal mit und mal ohne Anleihen aus der Fäkalsprache? Wir werden es wohl nie erfahren. Auf jeden Fall sollte man das drucken und im 5. Erweiterungsbau der Nationalbibliothek archivieren, der glücklicherweise nun doch gebaut wird.

    Damit es vielleicht auch der Letzte noch versteht: die Platten am Neustädter Markt stehen nicht als Einzeldenkmale unter Schutz, sondern das Ensemble des fächerförmigen Platzes.

    Die Kantine muss nicht jedem gefallen, um ein Einzeldenkmal zu sein, was auch grundsätzlich kein Kriterium für den Denkmalstatus ist. Ob sie eine Ikone ist, will ich nicht beurteilen. Doch auch das muss sie nicht für die Erhebung zum Denkmal sein. Ich empfehle, die Begründung zu lesen und nicht mit Worten wie „Schuppen“ herumzuprollen.

    Ich versuche mich mal an einer kurzen Antwort: Die GHND war sehr erfolgreich damit, auf der Grundlage jahrzehntelanger Vorarbeit der Denkmalpflege und mit dem Erfolg der wiederaufgebauten Frauenkirche im Rücken für einen Teil einer Altstadt einer einzigen Stadt Einfluss zu nehmen. Nicht weniger, aber auch nicht mehr. Selbst für den Neustädter Markt sehe ich bisher noch keinen Erfolg für die GHND.

    Das ZfBK und auch die Zeitgenossen sind damit überhaupt nicht zu vergleichen. Das ZfBK ist ein Ort und eine Plattform für den Austausch von Ideen, die extrem weit gefächert sind und sogar Rekonstruktionsbestrebungen umfassen könnten. Die Zeitgenossen sind ein sehr loser Zusammenschluss von Leuten, die zumeist beruflich mit dem Bauen zu tun haben und deren Interessen sich auch eher weitgespannt überschneiden.

    Die aktuelle Ausstellung im Kulturpalast beabsichtigt doch genau das: Eben nicht nur die Brücke für sich zu betrachten, sondern ihre Bedeutung für die Stadt herausstellen. Was die Studenten da vorgeschlagen haben, lässt sich ganz wunderbar in einen Stadtraum integrieren, der nicht nur vom Steuer eines Autos aus wahrgenommen werden soll.

    Doch wie soll man die Dresdner und insbesondere ihre gewählten Vertreter dazu bewegen, ihre fertig verfasste Meinung beiseite zu legen und offen dafür zu sein, was hier alles möglich ist?

    Das historische Stadtbild samt alter Carolabrücke ist in diesem Sinne aber auch nichts anderes als eine Denkschublade. Diese Brücke wird es aus einer Vielzahl von Gründen nicht wieder geben. So klar muss man das sagen.

    Doch ein stures Beibehalten der maximalen Verkehrsanforderungen wäre auch fürchterlich. Also muss man miteinander reden und gemeinsam um Kompromisse ringen. Nun liegt der Vorschlag für eine elegante Stahlbogenbrücke vor. Doch wie lautet hier die Forderung?

    Wenn ich mir in den Lokalmedien die Kommentare durchlese, kommt quasi durchgängig, dass die Politik unfähig oder korrupt ist, dass man in China schon längst fertig wäre und überhaupt, dass das schon alles viel zu lange dauert.

    Ich setze meine Hoffnung auf das laufende Planungsverfahren. Ich hoffe darauf, dass hier ein paar wirklich schöne Ideen entwickelt werden. Ich hoffe auch, dass der fürchterliche Stadtratsbeschluss zur Beibehaltung der Vierspurigkeit ignoriert oder noch besser elegant umgangen wird. Ich hoffe auch, dass die Ratsmitglieder des rechten Flügels Heimatliebe nicht nur als Kampfbegriff benutzen, sondern im Sinne des Stadtbildes von ihrem Beschluss abzurücken bereit sind.

    Dass der Kommentar von Constantin Wirth hier so viel Beifall findet, irritiert mich doch etwas. Der besprochene Entwurf ist Ergebnis eines Wettbewerbs unter Bauingenieurstudenten. Wenn die den kompletten Straßenraum des östlichen Altstadtrings samt Platzräumen städtebaulich mit betrachtet hätten, hätte das die Aufgabe auch komplett überfrachtet.

    Ja, das müsste tatsächlich zwingend seitens des Stadtplanungsamtes mit thematisiert werden. Aber wenn ich mir allein den oben stehenden Kommentar durchlese, besteht dazu für mich keinerlei Hoffnung auf einen tragfähigen Kompromiss. Wenn die eine Seite das historische Stadtbild samt alter Carolabrücke als einzig richtige Lösung ansieht, auf der anderen Seite aber nur die Sekunden zählen, die man per Auto benötigt, um vom Hauptbahnhof zum Albertplatz zu gelangen, wird das NIE etwas!

    Zum Vorwurf, dass dieser Studentenentwurf den autobahnähnlichen Charakter der DDR- Brücke fortschreiben würde, möchte ich ein nochmaliges Beschäftigen mit dem Entwurf nahe legen. Hier wird eine Brücke mit 2 parallelen gleich breiten Zügen vorgeschlagen, von denen einer Straßenbahn und Straßenflächen aufnehmen würde und einer nur Fußgängern und Radfahrern dienen würde, mit entsprechenden Auswirkungen auf die Dimensionierung der Tragglieder der Brücke in Richtung Altstadt. Das mit dem Brückenvorgänger gleich zu setzen, ist aus meiner Sicht reine Polemik.

    Das möchte ich noch soweit ergänzen, dass nicht nur der Erhalt bzw. die Wiederherstellung der Fassaden des Wirtschaftshofes nicht vorgesehen war, sondern der Hof sogar insgesamt aufgegeben und überbaut werden sollte. Dort waren Archiv- bzw. Lagerflächen geplant. Diese Konzeption galt mindestens bis zur Mitte der 90er Jahre.

    Man kann gar nicht deutlich genug sagen, was für den gesamten Schlosskomplex über Jahrzehnte Stück für Stück an Entscheidungen getroffen wurden und wie richtig diese im weit überwiegenden Teil waren.

    Ja, früher war einfach alles besser. Man sollte lieber noch weitere 80 Jahre warten, bis vielleicht doch mal jemand kommt, um die Vorkriegsbebauung zu rekonstruieren. Zwischenzeitlich könnte man sich dann weiter darüber ärgern, dass es hier riesige Brachflächen ohne jegliche Urbanität gibt. Win-win

    Warum sollte das denn so sein, dass es dafür keine Genehmigung geben würde? Doch nur deshalb, weil die niemand beantragt hat, oder?

    Es wäre möglicherweise nicht ganz einfach, auf das erhaltene Erdgeschoss mehrere Etagen aufzusetzen. Dem könnte ein Prüfstatiker im Rahmen eines Genehmigungsverfahrens widersprechen. Deshalb würde man sich etwas überlegen müssen, wie man diese Wände ertüchtigen oder vermeiden könnte, die Wände zu belasten. Machbar ist das aber sicher.

    Die ganz große Frage wäre doch vielmehr, wer dieses Gebäude mit seiner Natursteinfassade und den recht hohen Etagen trotz der damit geringeren Wirtschaftlichkeit rekonstruieren wollte? Wahrscheinlicher wäre ein Neubau in alter Geometrie, der den alten Sockel einbezieht.

    Ich möchte gern die Aufmerksamkeit auf einen Studentenwettbewerb der TU Dresden zur Carolabrücke lenken und dort insbesondere auf den erstplatzierten Beitrag: https://tu-dresden.de/bu/bauingenieu…cke#section-1-1

    Das gefällt mir ziemlich gut, was die Studenten da vorgeschlagen haben. Der Anteil der da an Brückenprofilbreite für den Radverkehr und Fußgänger entfällt gegenüber dem für den Straßenverkehr ist zwar streitbar, den Ansatz finde ich aber auch da richtig. Lediglich der Bypass direkt auf die Brühlsche Terrasse finde ich eher nicht so gut. Ansonsten würde ich mir definitiv etwas in dieser Richtung als neue Brücke wünschen.

    Ziegel, widersprechen heißt nicht widerlegen. Meine These, also Behauptung, dass der Neumarkt in Dresden und seine angrenzenden Gassen zwar ein schöner, aber monofunktional auf den Tourismus ausgerichteter Ort ist, kann ich leider nicht mit Zahlen belegen. Du kannst aber auch nicht das Gegenteil. Ich würde mich aber liebend gerne vom Gegenteil überzeugen lassen.

    Ich war früher zu jeder sich bietenden Gelegenheit dort vor Ort. Das war aber, als im Zuge des Wiederaufbaus sich dort täglich noch etwas veränderte. Jetzt zieht es mich nur noch selten dort mal hin, z.B. wenn ich mit Besuchern da bin. Die persönlichen Eindrücke sind nicht unwichtig, ersetzen aber keine konkreten Daten, die zum Platz offenbar nicht vorliegen.

    Aber hier geht es ja um die Chemnitzer Innenstadt. Dass die Chemnitzer ihre in der DDR- Zeit gebaute Innenstadt mehrheitlich ablehnen, ist auch nur so eine Behauptung ohne Beleg. Aus meiner Sicht, ist das Ensemble mit Marx- Kopf, Kongresszentrum, Parkanlage und den Gebäuden darum herum durchaus prägnant und erhaltenswert, ob nun unter einem Regime oder in einer Demokratie errichtet. Der innere Altstadtkern wurde nach der Wende zwar zu großen Teilen mit viel zu goßkalibriger Architektur wiederbebaut, doch wurde er immerhin wiederhergestellt.

    Ansonsten habe ich die Frage gestellt, wie man architektonische Qualität zwingend durchsetzen kann. Aus meiner Sicht kann man das nicht. Man sollte Brachen aber auch nicht endlos liegen lassen. Auch eine hässliche Stadt funktioniert immer noch besser als eine leere.

    Woher nimmst Du denn Deine Erkenntnis, dass Bauen mit Ornamenten nur soviel kostet, wie z.B. Glasfassaden oder vorgehängte Fassaden. Du meinst sicher keine industriell hergestellten Bekleidungen, oder? Wenn z.B. die Firma Simmel mit gleicher Rendite ihre Klötze mit ornamentierten Fassaden, Satteldach, usw. besser vermieten könnte, meinst Du, dass die das dann nicht tun würden?

    Bauten mit individueller Ornamentierung kosten richtig Extra- Geld, sowohl in der Planung als auch im Bau. Deshalb findet man die nur so vereinzelt.

    Die Ausgangslage war bestens? In welcher Parallelwelt lebst Du denn? Nachdem nach der Wende hier wie im ganzen Osten große Teile der Wirtschaft zusammen gebrochen waren, gab es zwar erstmal viel Bautätigkeit, aber dort konzentriert, wo es sich für die westdeutschen Investoren schnell realisieren ließ und wo es sich schnell rechnete. Ab Mitte der 90er kam dann im Bausektor erstmal eine große Flaute. Das betraf Chemnitz ebenso wie andere Städte im Osten (mit dem Dresdner Neumarkt ging es z.B. erst nach der Weihe der Frauenkirche ab 2005 richtig los / im Leipziger Osten gab es Konzepte, Stadtviertel in Waldflächen umzuwandeln). Was stimmt mit Euch Chemnitzern nicht, dass Ihr (trotz natürlich berechtigter Kritik an der Umsetzung) nicht sehen könnt, was auch hier wiedergewonnen wurde. So sah es hier noch nach der Wende aus, wie Ihr besser als ich wissen solltet:

    https://upload.wikimedia.org/wikipedia/comm…-Stadt_1977.jpg

    Mir hingegen war schon beim ersten Mal lesen klar, dass Du Chemnitz definitiv mal von außen betrachten solltest. Die alte Stadt (ich meine die Innenstadt) war voll mit durchaus ansehnlichen Bauten des Historismus, die aber selten auf höchstem Niveau waren. Dazu kamen ein paar wirklich herausragende Bauten der klassischen Moderne, die aber zum größten Teil noch existieren (Schocken, Stadtbad,…).

    Wie man das auch alles bewerten mag, im Stadtkern hatte 1990 nur eine Handvoll an Vorkriegsbauten überlebt und etwas weitgehend Neues war an an deren Stelle getreten. DAS war die Ausgangslage.

    Wenn man eine Stadt wie ein normaler Tourismusmanager bewertet, hat Chemnitz sicher viel schlechtere Karten als Leipzig oder Dresden. Es wäre aber auch gar nicht fair, Dresden mit seiner jahrhundertelangen Residenzgeschichte und der Lage am Strom oder Leipzig mit der noch längeren Geschichte als Handels- und Messestadt mit den bescheideneren Anfängen von Chemnitz zu vergleichen. Chemnitz war eine Stadt des Historismus, wie die Innenstadt nun eine der DDR- Moderne ist. Klar, man kann das anders sehen oder sich anders wünschen. Doch ich denke, man täte gut daran, das nicht als Altlast, sondern als Chance zu begreifen. Realität ist es sowieso.

    Im Übrigen wurde Chemnitz und eben nicht Dresden für nächstes Jahr zur Kulturhauptstadt erhoben. Das wurde trotz oder vielleicht gerade auch wegen des heutigen Stadtbildes von Chemnitz getan.

    KMS1983, Deine letzten Sätze hatte ich ja schon vorweg genommen. Das Beibehalten von Brachen, schlechter Architektur vorzuziehen, ist natürlich eine legitime Meinung. Doch ich sehe das anders. Ich nehme da lieber den Spatz in der Hand.

    Du blickst also neidisch auf Dresden? Das ist echt komisch. Städtebaulich ist in Dresden gerade eine Planung auf eher hohem Level umgesetzt worden, der Neumarkt. Die Grundlagen wurden dazu aber bereits vor etwa 40 Jahren gelegt. Der Neumarkt war zudem zusammen mit der Frauenkirche ein herausragendes Ensemble. Trotz dessen ist der wiederaufgebaute Neumarkt heute leider eine monofunktional auf den Tourismus ausgerichtete Puppenstube (fehlt nur, dass dort Eintritt fällig ist). Bitte nicht missverstehen, ich verfolge bereits seit meiner Kindheit den Wiederaufbau dort. Aber ein wirklich lebendiger normaler Stadtraum für die Dresdener ist das nicht geworden.

    Was siehst Du denn vom alten Chemnitz auch nur annähernd auf dem selben Niveau wie den Neumarkt oder mit einem ähnlichen Vorlauf vorbereitet?

    Die Situation in Leipzig ist auch ganz anders gelagert. Hier war bedeutend mehr der Innenstadt übrig geblieben und es ging eher um punktuelle Ergänzungen.

    Vielleicht braucht es ja gerade den Blick von außen auf Chemnitz um zu erkennen, dass die vorhandenen Qualitäten und Chancen hier eher nicht im Anknüpfen an die historische Stadt von vor dem Krieg bestehen, sondern an die Stadt der 60er / 70er Jahre.

    Ninho, sehr interessanter Netzfund. Dieser Ecke wird ein Stück urbanes Flair sehr gut tun. An einer Seite schließt der Neubau ja an einen Altbau an. Mich würde interessieren, wie er in Richtung der Plattenbauten bzw. um die Ecke herum enden soll. Einen Grundriss oder Lageplan habe ich leider nicht entdeckt.

    @KMS + chemnitz_er

    Wenn ich Euch richtig verstehe, geht es Euch um die generelle Kritik an der kommunalen Planung. Was der Freistaat in Chemnitz macht, interessiert Euch deshalb nicht weiter. OK, könnt ihr gern machen.

    Da gibt es auch zu Recht Grund zur Klage. Für die neue Johannisvorstadt und (in meinen Augen noch gravierender) für die Bebauung am Getreidemarkt hätte ich mir viel mehr gewünscht. Jetzt kann man das alles der Stadt in die Schuhe schieben. Doch damit geht man davon aus, dass die hier Mittel gehabt hätte, die Investoren zu besserer Architektur zu zwingen. Die hat sie aber nicht, zumindest dann nicht, wenn man hier überhaupt Bebauung haben will. Chemnitz ist sicher alles andere als eine sichere Bank für Investoren. Die beiden genannten Areale lagen über 30 Jahre seit der Wende brach (und auch davor schon Jahrzehnte), ohne dass sich irgendwer darum geschert hätte. Jetzt kann man natürlich argumentieren, dass die Brachen hier besser als der entstehende Investorenschrott gewesen sind. Das sehe ich aber nicht so. Menschen als Wohnende oder Arbeitende in die Innenstadt zu bekommen, bringt mehr urbanes Leben als Flächen ohne jeglichen Aufenthaltswert.

    Wo die Stadt Chemnitz tatsächlich Einfluss auf die architektonische Gestaltung hat, sind die in eigener Regie realisierten Bauten. Zufällig habe ich da beim Schulbau ein wenig Einblick und finde das hier erreichte Niveau insgesamt ziemlich hoch, zumindest aber für eine ostdeutsche Kommune mit knapper Kasse.