Gürzenich-Quartier in der Altstadt (fertiggestellt)

  • Tobias_CC


    Wohnst oder arbeitest Du in einem dieser Gebäude? Oder warum wetterst Du so gegen die Neubaupläne?


    Man sollte die Mieter natürlich nicht vertreiben, aber für die Altstadt wäre es sicher ein Gewinn wenn auch die drei Häuser mit abgerissen würden.


    Wer behaubtet denn überhaubt das die Pläne hinfällig sind, wo sie doch gerade erst vorgestellt wurden?? :nono:

  • Also ich kenne einige Geschäfte in der Gürzenichstr. als Kunde, ich bin dort weder Mieter noch Mitarbeiter oder Hauseigentümer :nono:. Obwohl letzteres doch aus finanzieller Sicht wünschenswert wäre :D


    Ich kann nur das wiederholen was mir der eine und andere Geschäftsinhaber gesagt haben: "Im Neubau gibt`s keinen Platz für Sie, das können Sie eh nicht bezahlen..." Und wie`s dann weitergeht kann man sich wohl denken: entweder Geschäftsaufgabe oder ganz weit außerhalb (Korb-Jansen).... Sollte das Gürzenich-Quartier kommen, dann werden wohl nur aus "Investorensicht" "geeignete Mieter" in Frage kommen. Also ich brauche keinen vierzigsten Handyladen, der dann nach 3 Monaten wieder dicht macht...


    Nach meiner Ansicht wäre es ein sehr großer Gewinn für die Altstadt, wenn insbesondere das Eckhaus Gürzenichstr./ Martinstr. restauriert und die alte Vorkriegsfassade wiederhergestellt wird. Abreissen und einen neuen oberirdischen Betonbunker hinstellen kommt aber günstiger :daumen:

  • Zu dem Einwand, dass alle Pläne hinfällig sein könnten möchte ich nachfolgend aus der Welt zitieren:



    "Man sei in Gesprächen, heißt es seitens der Pareto, die aber durchklingen lässt, dass es eine Schmerzgrenze gibt. Weigern sich die Eigentümer, ihre Parzellen zu verkaufen, wird der Astoc-Entwurf architektonisch angepasst. Das Gesamtprojekt sei durch die Verhandlungen mit ungewissem Ausgang jedenfalls nicht gefährdet."


    http://www.welt.de/die-welt/re…ueros-in-bester-Lage.html


    Ich finde es schade um Mieter wie Samen Grun, jedoch kann ich auf diesen merkwürdig-ranzigen neuen Outletladen gut verzichten.
    Kamps und den hässlichen Heumarkt-Passagen werde ich auch nicht nachtrauern, so überwiegt bei mir die Freude über ein neues Ensemble, dass die ganze Ecke aufwerten wird.

  • Ich war im Kiosk Ecke Martinstr./Gürzenichstr. da kommte man Markierung am Boden von Probebohrungen für den Abriß sehen. Dieses Haus stammt aus der Vorkriegszeit und somit sind wohl keine Unterlagen mehr vorhanden. Gerade dieses Haus finde ich erhaltenswert, insbesondere wenn die alte Fassade (nun verputzt) wiederhergestellt würde...

  • Mittlerweile sind einige Geschäftsräume an der Ecke gegenüber Hard Rock Cafe verbrettert. Ebenso sind weitere Geschäfte ausgezogen.


    Beginnt also bald der Abriss?

  • Kleinteiligkeit fördern anstatt abzureißen

    Der Block gegenüber dem Gürzenich ist in Struktur und Funktion ein Stück erhaltene Altstadt. Mit mehreren historischen Gebäuden, die entstuckt, entstellt und vergessen sind. Wie so oft in Köln.


    In fast allen Städten kümmern sich mächtige Bürgervereine um die Wiederherstellung innerstädtischer kleinteiliger Strukturen. Wie etwa in Berlin, Dresden, Frankfurt, Nürnberg etc. Die Kölner kümmert das alles wenig. Sie werfen weg, was sie haben. Und dabei geht es nicht in erster Linie um das umstrittene Thema Rekonstruktionen.


    Anschaulich gleich nebenan, was der Kölner Rat unter Denkmalpflege versteht. Die in den riesigen Hilton-Komplex eingemauerte historische Fassade. Als ginge es um das bisschen Stuck. Es geht aber auch um eine funktional erhaltene Altstadt, mit kleinteiliger, unterschiedlicher Bebauung. Um Verdichtung und Lebendigkeit versus einer öden Investoren-City im 70er-Duktus. Um Erhalt des Vorhandenen. Wie dann die einzelnen Gebäude aussehen, darüber liesse sich immer noch ringen.

  • Monade: Also meines Erachtens nach gibt es nur ein Gebäude welches noch vorm Krieg hätte gebaut sein können und zwar das Gebäude in dem sich das Geschäft "Samen Grün" befindet. Der Rest ist Nachkriegsbau und nun wirklich nicht erhaltenswert. Ich bin durchaus auch ein Fan davon erhaltenswerte Bausubstanz zu bewahren. Aber auf dem Areal gibt es nichts was bewahrenswert wäre.
    Gegen die bestehende tristesse hilft leider nur Flächeabriss und Neubau.


    Blick von der Augustinerstraße auf den Block:


    Meiner Meinung nach das Gebäude im Vorkriegszustand in dem sich "Samen Grün" befindet:


    Und heutiger Zustand:
    http://maps.google.de/maps/ms?…tg&cbp=12,202.54,,0,-7.44


    Quelle: Bilderbuch-Koeln.de

  • Danke. Das letzte ist ein schönes Referenzbild. 'Samen Grün' ist also ein entstuckter Altbau, andernorts werden sie wieder in diesen Zustand versetzt. Es gibt mindestens ein weiteres Altbau-Gebäude in der Straße zum benachbarten Hotel mit einer Interessanter Naturstein-Schaufensterfassung.


    Aber wie gesagt, die Diskussion führt nicht weit genug. Es geht zunächst weniger um die Fassaden, sondern die Kleinteiligkeit des Blocks. Es wäre natürlich wünschenswert, wenn das ein oder andere bestehende Haus verschwände und durch interessante - von mir aus auch moderne - Gebäude ersetzt würde. Aber geplant ist es ja, die Kleinteiligkeit dieses Altbaublocks unwiderbringlich zu zerstören. Kleinteiligkeit ist aber ein Merkmal einer Altstadt. Was außer kurzfristige Renditemaximierung spricht also dafür, sie zu zerstören?

  • Direkt um die Ecke, die Kleine Sandkaul 2, ist der Altbau, den ich meinte. Links im Bild.


    Es ist der kölsche Klassiker. Der entstuckte, verkachelte Altbau.


    http://www.express.de/image/vi…+%25286889110413%2529.jpg


    Und das ist der Zustand unmittelbar nach dem Krieg:


    http://www.bilderbuch-koeln.de/Fotos/116248#157430


    Und hier die 'integrierte' Fassade von gegenüber. So wird die Altstadt zur Farce.


    http://www.bilderbuch-koeln.de/Fotos/157430#72045


    Ich find den Umgang mit der wenigen vorhandener Altbau-Substanz in Köln zumindest bedenklich.

    4 Mal editiert, zuletzt von Monade ()

  • Monade Ich kann deine Kritik nachvollziehen - zumal mich die dort geplante Bebauung nicht wirklich überzeugt. Der Ist-Zustand ist allerdings auch eine Katastrophe.
    Der Erhalt einer Kleinteiligkeit auf diesem Areal ist ja auch nur bedingt gegeben. Vor allem fehlt auch der historische Bezug im Umfeld leider komplett. Hier wurde der entscheidende Fehler schon beim Bau des a) an dieser Stelle völlig überdimensionierten und b) monolithischen Klotzes des Interconti-Hotels (incl. der grauenhaften, wie aufgeklebt wirkenden historischen Fassade) gemacht. Dieser "erschlägt" sein Umfeld und wird/würde eine wie auch immer geartete Kleinteiligkeit in seiner Nachbarschaft in seiner Wirkung erheblich mindern - bzw. diese leider fast schon deplatztiert wirken lassen. Ich habe mich hierzu in Beitrag #40 in diesem Thread auch schon geäußert.


    http://www.deutsches-architekt…php?p=257748&postcount=40

  • @ Citysurfer.


    Nach dem Ansatz müsste ja ein kleinteilig gebauter Block nach dem anderen fallen, weil er dann nicht mehr zur Umgebung passt.


    Aber umgekehrt wird ein Schuh draus. Die zitierten Altstadt-Häuser beziehen sich - geografisch, historisch - auf den Kern der Altstadt. Die nach wie vor vorhandenen Areale um Alter Markt und Heumarkt in unmittelbarer Nachbarschaft.

  • der integrierte Altbau im Interkonti ist allerdings keine neue Erfindeung. Wenn ich mich richtig erinnere,war er bereits integriert in den alten Vorgängerblock (Bauzet ca während des 1. Weltkrieges).
    problematisch ist in Köln sicherlich die zahl der sehr schmalen Häuschen, welche eine modernen Entwicklung behindern. Wo gibt es denn in anderen deutschen Großstädten noch im Zentrum nennenswerte Ansammlungen schmaler Häuschen? diesbezüglich steht Köln bestimmt nicht schlecht da,
    Hilfreich wäre sicherlich eine Stiftung Gründerzeit, welche sich um die kleinen Häuschen und entstuckten Gebäude kümmert.

  • Ich denke, man kann die Zeit in Köln nicht zurückdrehen und sollte in die Zukunft schauen. Dafür ist die Stadt nach dem Krieg einfach zu flickschusterisch wieder zusammengesetzt worden und ihr fehlt einfach eine zusammenhängende Altbausubstanz. Kleinteilig sollte dort gebaut werden wo es eh schon vorherscht. Die Kleinteiligkeit besteht hier aber nicht. Der Entwurf von Astoc ist ein gelungener Kompromiss, der zwischen dem Dorindt (ehm. Interconti), dem Gürzenich und den anderen Gebäuden vermittelt.


    Übrigens war die Stadtverwaltung die vor dem Hotel dort stand auch nicht gerade von Schönheit geprägt.;-) Das soll nicht heißen, dass mir das Gebäude gefällt, aber es ist in der Kubatur kaum schlimmer als der Verwaltungsbau der dort vorher stand.



    Quelle: Bilderbuch-Koeln.de

  • Wo bleibt ein grundlegender Diskurs in Köln?

    @RainerCgn


    "Ich denke, man kann die Zeit in Köln nicht zurückdrehen und sollte in die Zukunft schauen."


    Auch das ist leider ein kölscher Klassiker, das 'es kütt wie es kütt', man ist ja fast stolz darauf, es alles laufen zu lassen. Ich meine, wegen dieser Geisteshaltung ist die Stadt so verbaut, so ohne Geschichtsbewusstsein, ohne Selbstbild und Ziele, wie sie seit Jahrzehnten erscheint. Ganz nebenbei: Es ging nicht um den Abriss des Intercontis, sondern um den des kleinteilig bebauten Block nebenan.


    Es ist meine Überzeugung: Die Stadt braucht ein grundlegende und kontroverse Diskussionskultur zu ihrem Städtebau. So wie in allen größeren Städten. Fragen der Altstadt, Verkehr, der Nutzung der Plätze etc. Erst dann kann die Stadt überzeugend ihre traditionelle und moderne Baukultur pflegen, und künftige entwickeln.


    Der Speersche Masterplan ist von Vorneherein als Minimalprogramm ausgelegt, als würde man den Kölner erst gar nicht viel zutrauen. Mutige Schritte, oder gar Visionen finden sich darin kaum.


    Man vergleiche mal die Diskussionen, die in diesem Forum zu anderen Städten geführt werden. Gibt es hier eigentlich einen lebendigen Thread zum Thema 'Kölner Baukultur'?


    Gibt es jetzt hier.


    @ Mischakr


    Immerhin ein interessanter Vorstoß. Ja, warum gibt es keine Stiftung zum Erhalt alter Bausubstanz? Und nicht nur aus der Gründerzeit. Ich würde bspw. davon ausgehen, dass das besagte Gebäude in der Kleinen Sandkaul 2 älter ist.


    Gibt es in Köln nicht ausreichend Interesse dafür von Stadt, Bürgern, Gewerbe?


    In Köln sind vermutlich mehr als die Hälfte aller alten Häuser als solche nur noch an den Geschosshöhen erkennbar.

  • Monade: Nun ja, den Masterplan Köln als Minimalprogramm zu bezeichnen finde ich schon sehr mutig. Was für Visionen stellst du dir denn für eine Stadt wie Köln vor? Visionen sind immer gut, aber sie müssen auch verwirklicht werden können und vor allem finanzierbar sein, ansonsten bleiben es eben nur Visionen.


    Zitat: Die Stadt braucht ein grundlegende und kontroverse Diskussionskultur zu ihrem Städtebau. So wie in allen größeren Städten. Fragen der Altstadt, Verkehr, der Nutzung der Plätze etc.


    Ich glaube die Aktion von Mut zu Kultur und die Bürgerinitiative rund um die geplanten Helioshöfe in Ehrenfeld zeigen mehr als deutlich, dass es diese Diskussion in Köln gibt. Du magst damit recht haben, dass in der Vergangenheit das Thema Stadtentwicklung und Architektur in Köln nicht besonders hoch angesiedelt war. Das Bewußtsein hat sich aber sowohl auf Seiten der Bürger als auch auf Seiten der Politik geändert.


    Wenn du das Forum hier etwas durchstöberst, findest du dafür mehr als genügend Beispiele. Aber auch hier gilt, Rom ist nicht an einem Tag erbaut und die zweifelsfrei noch unübersehbaren Kriegsschäden wird man nicht von heute auf morgen wieder unsichtbar machen können. Zudem ist Köln immer noch eine relativ arme Stadt und noch nicht eimal Landeshaubtstadt mit großen Behörden und ihren repräsentativen Bauten.


    Ich glaube, wir alle brauchen etwas mehr Geduld in der Sache! Die Tendenz ist meiner Meinung nach grundsätzlich positiv. Aber eins darf man dabei auch nicht vergessen. Köln wird niemals so mondän werden wie Berlin, Hamburg oder München es in weiten Teilen sind, das bleibt Illusion. Dafür besitzt Köln aber viele andere Qualitäten.

    5 Mal editiert, zuletzt von RainerCGN ()

  • Auch zum Gürzenich-Quartier steht im Artikel der Kölnischen Rundschau etwas neues:


    Das Gebäude soll wohl 2013/2014 fertig gestellt werden. Dann sollen dort 3500qm² mehr Einzelhandelfläche bezogen werden als bisher vorgesehen war.
    Unter anderem soll wohl ein Supermarkt, eine Drogerie, Gastronomie und ein Elektronikhandel eröffnen.


    Insgesamt werden 4 - 8 Geschäfte einziehen können.

  • Die Seite http://www.guerzenich-quartier.de/ ist zwar schon eine ganze Weile online, jetzt finden sich allerdings auch interessante Details darin.
    An einem Lageplan ist zu erkennen, dass nur zwei Häuser stehen bleiben (Pelzgeschäft und Gaststätte).
    Größtenteils konnte man dies an Leerstand und den aktuellen Arbeiten an den Anschlüssen zu den Häusern erkennen.
    Die Animationen sind sehr gut, das was ich vom Wettbewerb gesehen habe war wenig aussagekräftig nun freue ich mich auf den Neubau.

  • Das Gebäude ist elegant, die Fassade scheint hochwertig, und immerhin zwei Häuser erhalten eine gewisse Kleinteiligkeit zum Gürzenich hin... aber natürlich sind diese beiden Gebäude eben NICHT die beiden historischen, denen nur der Stuck fehlt.


    Also m.E. eine klare Aufwertung, aber typisch kölsch inkl. dicker verpasster Chance.


    Was ist eigentlich mit dem in diesem Thread schon angesprochenen "Fassaden-Fonds"? Ich bin Gegner von Rekonstruktionen komplett untergegangener Gebäude, aber an einigen markanten Stellen könnte man doch mal etwas Stuck am typischen Kölner, fliesen-verschandelten Altbau wiederauferstehen lassen? (z.B. Aachener Str./Brabanter Str.)


    Auf der Severinsstr. wurde das Eckhaus nordwestl. des Hauptportals von St. Severin saniert. Für mich klar ein Gründerzeitgebäude, aber als einzige Schmuck-Andeutung wurden die Fenster eingerahmt. Warum kann man nicht mal eine Fassade gänzlich wiederherstellen?