Impressionen aus Budapest

  • Ja, wenn man sich die Verzierungen an den Fassaden wegdenkt bleibt nicht viel. Bzw. kann man sich ja vor allem in Berlin gut ansehen, wie abgestuckte Gründerzeit aussieht. Ein paar Aufnahmen dazu hab ich auch noch zu bieten, die zeigen, wie diese Pracht aufgebaut ist. An dieser Halbsäule an einer ziemlich prächtigen Fassade sieht man, wie sie aus vorgefertigten Stuckelemten aufgebaut ist, die einfach auf das Mauerwerk aufgeklebt sind. Wenn sie sich lösen und herunterstürzen geben sie den Blick auf das mauerwerk frei, das nach meinem Dafürhalten manchmal schon etwas "kreativ" aussieht:



    An diesem prächtigen Gründerzeitpalast in der Andrassy Ut ist das wuchtige Traufgesims komplett abgebrochen. Man sieht nun gut die Armierungsstäbe, die man damals für dessen halt eingezogen hatte:



    Hier sieht man, dass die Rustika komplett aufgeputzt wurde. Als Nürnberger kenne ich von hier nur massiv in Sandsteinquader ausgeführte Rustiken (die allerdings auch nicht an jeder Straßenecke zu finden sind).



    Auch hier: Putz auf Putz auf Putz.... Klar dass das schnell blättert und bröckelt...



    Aber es wird eben auch saniert und rekonstruiert, und man hält sich sehr nah am Original:



    Der Eingangsbereich noch hinter der Bauplane:


  • Mehr vom Stadtbild auch abseits der Touristischen Highlights, ein kurzer Spaziergang zur Budaer Burg, den Berg wieder hinab und durch die Wohnviertel zurück zur Donau.


    Als Start dient hier eine weitere der historischen Donaubrücken, die direkt am Fuße des Burgberges liegt:





    Diese Seuche mir den Vorhängeschlössern ist dort noch nicht so arg grassiert - oder man knipst sie schnell genug wieder ab:



    Durch den Burgberg wurde im 19. Jahrhundert ein Tunnel gebohrt, der heute den Autoverkehr in die westlichen Stadtteile aufnimmt. Direkt davor liegt ein Kreisverkehr, für den man scheinbar ein Eckgebäude abgerissen hat womit der Blick auf einen Hinterhof möglich wurde:



    Der Tunneleingang ist im Stil des 19. Jahrhunderts geschmückt:




    Anscheinend Torwächterräume beidseits des Tunnelportals:



    Da an der Seilbahn Schlangestehen angesagt war sind wir zu Fuß den Berg hoch. Die Treppenstufen waren äußerst wackelig und keineswegs für Ältere Leute oder Spaziergänger ohne festes Schuhwerk geeignet. Wenn die Stufen "nur" gebrochen waren, dann war das sogar noch gut. Ganze Stufenteile waren den hang hinab gerutscht:



    Das Burgviertel gilt als das Stadtviertel, in dem sich als einziges in nennenswertem Maße Bebauung aus der Zeit vor dem Historismus erhalten hat. Dennoch zeige ich davon hier mal keine Bilder, die kann man sich auch in Tourismusportalen ansehen.


    Dieses zauberhafte Haus hat eine kleine Terasse mit Blick über die Donau auf die Pester Stadtlandschaft:



    In Buda gibt es noch Gasbeleuchtung:



    Durch enge Gassen geht es hinab in die dicht bebaunten Wohnviertel Budas...




    ... in der sich ein Hauch von Balkancharme einstellt...







    ... doch der Abend beginnt im Pester Cafe Astoria:


    Die Kaffeehäuser waren stets ziemlich schlecht besucht, obwohl der Kaffe stets hervorragend war. Auch die Kuchenauswahl war delikat und schmeckte super. Die Preise sind aus deutscher Sicht natürlich moderat. Für die Einheimischen ist das entweder zu teuer, oder die Kaffeehauskultur ist nicht mehr Mode. Möglicherweise waren die späten nachmittage auch nicht unbedingt die beste Zeit dafür. Mich hats gefreut, waren so einige gute Innenaufnahmen möglich.

  • Und zum Abschluss meiner Bilderserie noch ein zielloser Spaziergang durch das sog. "Palastviertel". Es heisst so, weil es dort die Palazzi der früher reicheren Gesellschaft entstanden. Gleich vorweg, ich habe davon wenig egsehen. Anscheinend sind wir die falsche Richtung gelaufen. Gefallen hat mir das Viertel trotzdem. Auf gehts:




    eine kleine Platzanlage mitten im eng bebauten Stadtviertel mit etwas venezianischem Flair. Der Platz wird gastronomisch genutzt und war sehr gut besucht, daher habe ich den Blick nach oben gehalten.





    ...weiter der Nase nach...



    ... ein Fabrikgebäude....



    offene Türen, Werkstätten und Verkaufsräume innen ...rein...






    leider hat sich uns nicht erschlossen was man da treiben könnte. Geschäfte zu, und ein Fahrrad hatten wir gerade nicht dabei das man hätte tunen können ^^
    also wieder raus und weiter. Dürfte bekannt sein, das Kunstgewerbemuseum:





    wir lassen es (leider) links liegen und wandern weiter durch das Viertel. Links die Effizienz des Bauens der Neunziger...


    an einer kleinen Straßenkreuzung...



    gegenüber ein Schulgebäude, orginal erhalten oder original rekonstruiert. Alle Details stimmen:







    wir steuern nun quer durch das Wohngebiet die Markthallen an, die in den Touristenguides empfohlen werden...





    wo mir das einzige abgestuckte Haus in Budapests Innenstadt aufgefallen war:



    Dieser Wohnblocktyp war häufiger in diesem Viertel:



    Anstatt die Blockkante zu schließen, wurde ein über die volle Grundstückstiefe gezogener Hofbereich angelegt, der von zwei Seitenflügeln eingerahmt wird. Die Hoffläche wird leider nur als Parkplatz genutzt, aber da diese eh recht rar sind in der Stadt Dies, zuzüglich zu den überwiegend anständig belichteten Wohnungen, macht diese Wohnanlangen vermutlich ziemlich attraktiv, denn sie wirken heller und freundlicher als die engen Hinterhöfe der anderen Zinshaustypen.



    ...weiter...





    ein verstohlener Blick in ein Hauseingang...




    Hinterhof, mit ziemlich brutal hineingezimmerten Fahrstuhlschächten:



    und plötzlich steht man wieder mitten drin im Getümmel der Großstadt.






    Diese lokale Art, Straßenumbenennungen im Stadtbild nachzuvollziehen, fand ich sehr bemerkenswert. Das war mir auf dem Burgberg schon einmal begegnet:



    wieder mit schöner, abschließender Pause im "Café Central":


  • bis wir schließlich bei den Markthallen ankamen:




    Das solls soweit gewesen sein.


    Bewusst habe ich bei der Auswahl der Bilder auf Nebensächlichkeiten Wert gelegt, und die Hauptattraktionen, wie den Blick über die Stadt bei Nacht, die Burg, Die Stefansbasilika, die Matthiaskirche, das Parlament usw. ausgelassen, um vielleicht Lust auf mehr bzw. auf einen eigenen Trip an die Donau zu machen. Mich hat die Stadt jedenfalls nicht nur positiv überrascht, sie hat mich auch ziemlich beeindruckt. Eine so prächtige Stadt in so konsequent erhalten gebliebenem Historismuskleid hätte ich nicht erwartet. Man hatte tatsächlich stets das Gefühl, dass all die Kriegsverluste deutscher Städte nach Budapest verbracht wurden. Ich hatte den Eindruck ein weitgehend heiles Stadtbild zu erleben und habe das als sehr angenehm empfunden. Wer allerdings moderne Architektur in Budapest sucht, der wird vermutlich nicht mehr als einen Tag benötigen, denn dort gibt es eher wenig mondernistische Gebäude und keine Hochhäuser. Mir wurde erklärt, dass in Budapest keine Gebäude höher als 96 Meter sein dürfen, was in etwa der Höhe der Türme der großen Kirchen und des Parlaments entspricht. Mir ist aber erst nach 3 Tagen aufgefallen, dass es keine Hochhäuser gibt, sie fehlen auch nicht. Und sie machen eine Stadt auch nicht lebendiger oder lebenswerter.
    Budapest möchte ich wieder besuchen, und wenn es nur für einen Tag im Thermalbad ist :-)

  • Ganz, ganz und aufschlussreiche Bilderserie, nothor! :) Deine Begleittexte waren auch super interessant zu lesen.


    Immer wenn ich Bilder von Wien, Budapest oder Prag sehe, werde ich ganz neidisch, dass wir sowas in Deutschland nicht mehr haben... Allerhöchstens in Leipzig oder Hamburg kommt man dem im kleineren Maße noch nahe. Ich liebe den Charme der großen Metropolen um 1900. Großartig! :)