Archäologisches Zentrum Mainz (AZM)

  • Archäologisches Zentrum Mainz (AZM)

    In der 2000 Jahre alten Stadt Mainz soll für 45 Mio. Euro bis 2012 ein neuer Museumskomplex mit "überregionaler Strahlkraft" entstehen, das bereichtet heute die FAZ. Der Standort liegt neben dem Museum für Antike Schifffahrt.


    An einem Wettbewerb haben sich 125 Architetenbüros (!) beteiligt, kein Entwurf wurde auf Anhieb angenommen. Den beiden Sieger-Büros von Johannes Leyer und Michael Schrölkamp (Berlin) sowie „the next enterprise – architects“ (Wien) wird noch sechs Wochen Zeit gegeben, um die Entwürfe zu überarbeiten. Gefordert wird "zeitgemäße Architektur" (nicht historisierend). Die Wettbewerbsergebnisse sind noch bis Freitag im Museum für Antike Schiffahrt zu besichtigen.


    FAZ-Bild des Areals mit Museum für Antike Schifffahrt

  • Am Freitag war ich wie geplant im Museum für Antike Schifffahrt, aber zum einen gibt es dort ein generelles Fotografierverbot und zum anderen waren die MitarbeiterInnen leider schon fleißig dabei, die Infoständer mit den Entwürfen abzubauen. Daher hab ich erstmal ein paar Fotos der Umgebung gemacht:


    Hier ein Foto vom Museum, an welches der neue Komplex andocken soll. Das Gebäude wurde 1880 erbaut und diente ursprünglich als Lokomotiv-Reparaturwerkstatt, bevor es von 1929-1989 Markhalle war und seit 1994 als Museum für Antike Schifffahrt dient. Rechts erkennt man die Nebengebäude der Neutorschule, deren Gelände nach dem Abriss ebenfalls in das Bauvorhaben integriert werden soll. Ganz rechts am Rand das Parkhaus von Cinestar.



    Sicht von oben. Im Hintergrund das ebenfalls abzureißende gelbliche Wirges-Haus.



    Gesehen vom Bahnhof Mainz-Römisches Theater aus. Rechts wieder die Neutorschule



    Das Hauptgebäude der Neutorschule ist aus den 1920ern. Im Gegensatz zu den eher einfachen Nebengebäuden finde ich es um dieses wirklich schade, zumal es unter Denkmalschutz steht (oder mittlerweile: stand).



    Ein Detail aus der Verzierung über einem Treppenhausfenster: Kind mit Lerntrichter und Alphabet :)



    Frontalaufnahme des Wirges-Hauses gegenüber der Schule an der Ecke Rheinstraße/Neutorstraße.



    Und zum Schluss Fotos aus der AZ vom 06.02.2010, welche die 3 Siegerentwürfe zeigen (Bilder nur in der Printausgabe), die aber in den nächsten Wochen noch verfeinert werden sollen.




    -Die Zeitungsfotos sind von Sascha Kopp, der mir erlaubt hat, sie hier hochzuladen, danke dafür! :) Alle anderen Fotos sind von mir.-

  • Mainz - Archäologisches Zentrum

    Wie schon in den Beiträgen #46 und #48 zu lesen war, wird neben dem Museum für antike Schifffahrt ein neuer Museumskomplex entstehen. Die erste Fläche, auf dem das Wirges-Haus stand, ist bereits frei geräumt. Heute liefen die anscheinend letzten Aufräumarbeiten.


    Freifläche mit dem Museum für antike Schifffahrt dahinter:



    Leer geräumtes Areal mit der ebenfalls abzureißenden Neutor-Schule links hinten:


  • Mainz - Archäologisches Zentrum

    Auch auf dem Gelände, das für den Bau des Archäologischen Zentrums vorgesehen ist, (vgl. Beiträge #46, #48 und #60) werden Ausgrabungen gemacht. Unter anderem wurde ein Stück der "ersten modernen Wasserleitung" von Mainz gefunden. Die 60 cm dicke Wasserleitung ist teils aus Gusseisen, teils geschmiedet. Zusammen mit einer dazugehörigen Stelze soll dieses Relikt der Mainzer Technikgeschichte erhalten werden.


    Bericht Allgemeine Zeitung




  • Archäologisches Zentrum

    Erfreuliches vom Archäologischen Zentrum (letzte Fotos von Beggi hier): Der Abriss der 1922 eingeweihten Neutorschule (Bilder) sei – wenigstens teilweise – so gut wie abgewendet, wie die AZ berichtet. Mutmaßlich wird also zumindest das Hauptgebäude erhalten bleiben. Da das alles noch nicht in trockenen Tüchern ist, bleibt abzuwarten, wie am Ende die Entscheidung lautet.


    Aus Kostengründen ist zudem geplant, das Archäologische Zentrum kleiner als die anvisierten 12.000m² Nutzfläche zu bauen. Eventuell wird das Projekt auch zeitlich geschoben, um die Gelder für vorrangige Zwecke (konkret: die Mainzer Uni) auszugeben. Die Entscheidung darüber wird in unbestimmter Zeit das Finanzministerium treffen.

  • Großartige Neuigkeiten! Auch wenn ich nicht unbedingt an einen Erkenntnisgewinn gegebüber dem Abrisswahn der 70er glaube, so ist es doch schön zu hören, dass wenigstens ein Teil des Gebäudes stehen bleiben soll.


    Auch dass das Museum eine Nummer kleiner ausfallen soll, macht Sinn - weder Stadt (Markthäuser!) noch Land (Nürburgring!) können sich nämlich ein weiteres Presitige-Millionenloch leisten.

  • ... unerfreulich erscheint mir dennoch die Botschaft, dass das AZM kleiner und billiger werden soll. Das klingt nach einer halbgaren Lösung. Ich frage mich, ob mit dem erklärten Ziel "billiger" ein architektonisch ansprechender Stadteingang und ein attraktives archäologisches Zentrum gelingen wird. Außerdem wird es mit einer möglichst billigen Lösung schwieriger, die Reste der Festungsanlagen mit dem Neutor adäquat in den Neubau einzubringen.
    Aus der Zeitung heraus habe ich es aber so verstanden, dass das Verschieben eine Alternative zur billigeren Lösung sein könnte. In diesem Fall wäre aus meiner Sicht das Verschieben die bessere Lösung, wenn denn das AZM dementsprechend attraktiver (architektonisch und als Museum) gestaltet werden könnte. Wobei ich da eher pessimistisch bin.


    edit:
    bushfreak : Ich glaube schon, dass das AZM in diesem Umfeld mit dem größten römischen Theater Mitteleuropas, der Zitadelle mit dem Drususstein und der historischen Altstadt erheblich mehr Potential bietet als z.B. eine verplante Passage oder Fehlplanungen am Ring. Vielmehr sehe ich sogar die Gefahr, dass eine Billiglösung beim AZM dem Projekt eher schaden wird.


    edit2:
    Das Motto "billig" lässt mich befürchten dass eine architektonisch spannende Variante wie die der Wiener Architekten dann keine Chance haben wird. (Ich sollte noch erwähnen, dass ich - obwohl ich eigentlich immer den Erhalt bestehender Substanz befürworte - in diesem Fall mit dem Abriss der Neutorschule leben könnte, wenn den ein interessanter Stadtraum wie in dem Entwurf geschaffen wird.)

  • Archäologisches Zentrum

    Mich würde es auch freuen, wenn die Neutorschule erhalten bleibt und integriert wird. Zwar finde ich auch, dass der Entwurf der Wiener Architekten durchaus was hat (Bilder) – aber auch nur der höhere Teil mit der gerundeten Glasfassade. Der andere Teil neben dem Schifffahrtsmuseum (wo das Wirges-Haus stand), ist wiederum sehr austauschbar. Da könnte man zB. den interessanten Teil auf dem Wirges-Areal errichten und den Rest in/um die Schule integrieren (Das ist natürlich alles rein theoretisch, wer weiß, ob der Entwurf überhaupt so kommen würde und das planungstechnisch sinnvoll/machbar wäre).
    Aber ich gebe frodo in der Hinsicht völlig recht, dass man lieber noch eine Weile sparen sollte, anstatt sich für die (optisch) billigere Variante zu entscheiden.


    Der momentane Stand (29.07.) ist, dass aus Kostengründen in zwei Etappen gebaut werden soll. Zunächst soll für 41mio. € das Römisch-Germanische Zentralmuseum (RGZM) entstehen. Dieses zieht dann aus dem Kurfürstlichen Schloss an den neuen Standort. Der Baubeginn soll innerhalb eines Jahres erfolgen. Der zweite Bauabschnitt, der Räume für die Archäologische Denkmalpflege schaffen soll und welcher das Areal der Neutorschule betrifft, soll später gebaut werden. Womit auch die Abrissfrage erstmal auf Eis gelegt wird.


    Momentan gibt es auch noch gewisse Unklarheiten bei den preistragenden Architekten, diese sollen aber bei einem Treffen am 22.08. ausgeräumt werden (Quelle, mit mehr Details).

  • Kleine Randnotiz: es wird gerade diskutiert, ob die Neutorschule am geplanten Archäologischen Zentrum - wenigstens interimsweise - zur Kita umfunktioniert werden soll. Meinungen werden hin- und hergeworfen, nachzulesen hier, mit weiteren Verweisen.

  • Archäologisches Zentrum

    Gute Nachrichten vom geplanten Archäologischen Zentrum (#89-92, Lage): Das Hauptgebäude der Neutorschule soll nun definitiv erhalten werden (Bestandsfotos). Aus finanziellen Gründen und nach einigem Protest in der Bevölkerung, vor allem in Form einer Bürgerinitiative, die über 2000 Unterschriften gesammelt hat, wurde dem geplanten Abriss eine Absage erteilt. Vom Frühjahr 2013 bis 2016 soll der erste Bauabschnitt des Archäologischen Zentrums verwirklicht werden, in den dann das Römisch-Germanische Zentralmuseum (RGZM) einzieht, welches momentan im Kurfürstlichen Schloss beheimatet ist. Die geschätzten Kosten belaufen sich wie gehabt auf 41mio€. Während des ersten Bauabschnitts wird das Hauptgebäude der Neutorschule zum Infopunkt hergerichtet. Die maroden, eingeschossigen Seitengebäude entlang der Neutorstraße werden abgerissen, wodurch mit dem zwischen Rheinstraße und Neutorstraße errichteten Neubau eine Art Hof bzw. Platz entsteht. Die Flächen für das Landesmuseum und die Landesarchäologie folgen in einem zweiten Bauabschnitt ab 2016. Mehr dazu hier.


    Nachtrag: Eben habe ich auch eine kleine Fotogalerie mit dem wohl aktuellen Entwurf gefunden. Ich hoffe stark, dass dieser nochmal überarbeitet wird, dieser kantigen Trias aus Grau, Stahl und Glas kann ich nicht viel abgewinnen...

  • AZM

    Am vergangenen Mittwoch (22.08.) fand die offizielle Vorstellung der Pläne für das Archäologische Zentrum statt (Mainz: Kaum noch Kritik am Archäologischen Zentrum - Ex-Kritiker sind offenbar überzeugt (Allgemeine Zeitung, 23.08.2012)]. Außerdem möchte ich auch noch einmal auf die Darstellungen hier: Viel Lob für Archäologisches Zentrum (Allgemeine Zeitung, 05.07.2012) und dort: Fotogalerie aus der Mainzer Rhein Zeitung vom 04.07.2012 verweisen.
    Diese Bilder sind nicht wirklich neu hier im Forum (wurden z.B. von Robbi verlinkt). Die Entwürfe sind aber im Gegensatz zum ersten Entwurf des Architekten Schrölkamp doch in Form und Gestaltung massiv zurückgestutzt worden. (hier: Schrölkamp -> work -> Projekte -> AZM) Besonders die erste und dritte Abbildung (dort sind der Entwurf des Innenhofs sowie die Ansicht vom Stadteingang her zu sehen) zeigen, wie aus einer spektakulären Gestaltung (von der Form und zumindest den Glasfassaden im Innenhof her) eine typische, (so scheint es mir von den Entwürfen her) nichtssagende graue Kubus-Moderne wurde.


    Schade. Klar, erst einmal abwarten, wie es in der Realität aussehen mag, aber meine Erfahrungen mit der städtebaulichen Wirkung von streng geometrischen grauen Kisten sind nicht so prickelnd.


    Grüße von Frodo

  • @frodo: Genau den Eindruck hatte ich auch, ein grauer, irgendwie abweisender Kubus. Was mich hoffen lässt ist, dass die AZ unter der letzten Visualisierung schreibt, dass das Museum so aussehen könnte, also vielleicht noch was an der Optik geändert wird.

  • ... zu Robbis Hinweis bezüglich des AZM steht nun auch heute etwas in der Zeitung:
    http://www.allgemeine-zeitung.…nz/meldungen/12392556.htm


    Dort wird vom Gestaltungsbeirat angeregt, die Fassade anders als bisher dargestellt zu gestalten.
    Generell interessant finde ich, wie sich der Gestaltungsbeirat bisher von seinem allgemeinen Tenor her zu diesem und anderen Projekten geäußert hat; für mich klingt dort immer wieder Respekt und Sensibilität für die Umgebung und den stadthistorischen Kontext von Neubauten heraus. Dies erstaunt und erfreut mich umso mehr, da ja in der Moderne von Architekten ja eher die Abkehr von tradionellen Ideen und weniger die Orientierung an der umgebenden historischen Stadt als Leilinie gilt.

  • Archäologisches Zentrum Mainz (AZM)

    Die für 2013 angekündigten Arbeiten für das Archäologische Zentrum Mainz (Lage) beginnen im Mai oder Juni. Letzte Beiträge mit mehr Infos und Verweisen hier und dort. Zunächst wird das Gelände archäologisch untersucht, bevor dann voraussichtlich Anfang 2014 der Grundstein für den 41mio€ teuren ersten Bauabschnitt gelegt wird. Der Neubau soll 2016 stehen, nach einer halbjährigen technischen Probe ist der erste Bauabschnitt dann voraussichtlich 2017 fertiggestellt. Der zweite Bauabschnitt soll laut Rhein-Zeitung nicht vor 2017 starten, die Neutorschule wird bis dahin wie geplant als Infopunkt und Baubüro genutzt.


    Wenig ermutigend ist der Ausblick auf die Architektur, wie es aussieht hat sich an den letzten Planungen nicht mehr viel geändert. Das Museum soll modern und funktional sein und einen bewussten Gegensatz zu Neutorschule und Schifffahrtsmuseum bilden. Deprimierende Aussichten also. Bestandsfotos von 2010 an dieser Stelle.

  • Der Gestaltungsbeirat hatte sich ja auch beim AZM (Mod: Bezog sich auf diesen Beitrag) deutlich für eine Nachbesserung der Fassadenpläne eingesetzt (der entsprechende Post liegt schon ein wenig zurück), was ja aber von öffentlicher Seite aus damals ignoriert wurde. :mad:
    Beim AZM übrigens hätte es ja eigentlich schon im Mai 2013 zu ersten Arbeiten an der Baugrube, die schon länger mit den Ausgrabungen vor sich hin gammelt, kommen sollen. Passiert ist nichts. (u.a. MRZ berichtete). Lokale Funde sollen auf dem Gelände präsentiert werden; das klingt aber nicht so, dass die massiven Mauern der Bastionen erhalten bleiben. :mad:

  • Archäologisches Zentrum

    Zum archäologischen Zentrum gibt es einen neuen Artikel in der AZ: hier


    Spannend ist, dass in der alten Neutorschule ein Info-Zentrum eingerichtet werden soll. Positiv klingt, dass die Planung noch flexibel ist, das lässt auf die Möglichkeit, die historischen Funde einzubinden, hoffen.


    Weniger schön klingt die Info zur Fassade: „relativ zurückhaltende, aber elegante“ Fassadengestaltung, die aus einer Mixtur aus rauhem Putz, spiegelnden Materialien und glatt gestrichenem Verputz bestehen soll."


    Hm, Putz in Kombination mit "zurückhaltend" ist für mich ein Euphemismus für gestalterische Fassadenlangeweile; ich fürchte weitgehend farblose ungestaltete Ödnis. Die früher mal geäußerte Idee einer Steinverkleidung wird -so fürchte ich - dann wohl den Sparzwängen des Landes zum Opfer gefallen sein (das ist ja auch der Grund für die Verschiebung des 2. Abschnitts).


    off topic: Angenehmer ist - wie mir beim Vorbeifahren schien - die neue Steinverkleidung des Gewerkschafthauses auf der Kaiserstraße. Sah auf den ersten Blick etwas besser aus als früher.

  • frodoNtour : da stimme ich Dir zu. Ich erwarte nicht viel von der architektonischen Qualität des Arch. Zentrums. Auch dass ein schöner, belebter Platz entsteht, kann ich mir nur schwer vorstellen. Dazu müsste man die Reste der Neutorschule, die ja zum Glück erhalten bleiben, inhaltlich stärker beleben. Die Einrichtung eines Infopunktes allerdings sehe ich in diesem Sinne positiv. Einen thematischen Buchladen mit Café und Außenbewirtschaftung könnte ich mir gut vorstellen, halte ich an dieser Stelle aber für unrealistisch.


    Und ja, die neue Fassade des Gewerkschaftshauses wirkt wertig, ohne langweilig oder effektheischerisch zu sein. Auch der mehrstöckige Anbau zum Praxiscenter am Hindenburgplatz schräg gegenüber, der eine Baulücke schließt und wohl mit viel Glas verkleidet wird, könnte was werden.

  • ^ Das mit dem Archäologischen Zentrum sehe ich so wie ihr. Das neue Bild, was die Allgemeine Zeitung da im Artikel eingestellt hat, lässt nichts Gutes erahnen. Auch die Seite zur Neutorschule (Artikel mit Foto) wirkt kaum besser. Auf mich wirkt es schlicht kalt, grau, abweisend und uninspiriert. Umso erfreulicher, dass mit der Neutorschule ein schönes Gebäude erhalten bleibt! Fotos vom Gewerkschaftshaus und dem Anbau am Hindenburgplatz hier.