Beiträge von RMA

    Ich habe zwei Fragen an das Frankfurter Forum. Im Wikipedia-Artikel zum Palais Thurn und Taxis steht etwas wiedersprüchliches von einem Kuppelsaal. Wurde dieser (originalgetreu) errichtet und wird dieser genutzt?


    Sowohl der Gartensaal (häufig als Durchgang zwischen Großer Eschenheimer Straße und dem westlichen MyZeil-Eingang öffentlich) als auch der genau darüber im ersten Obergeschoss befindliche Kuppelsaal (letzterer meist nicht öffentlich zugänglich, Foto) wurden in einer monochromen und vereinfachten Fassung wiederhergestellt. Im Kuppelsaal wurden dabei auch Spolien verwendet, ebenfalls bemerkenswert ist dort die Rekonstruktion des prachtvollen Ziergitters unter der Kuppel.


    Die Kubatur dieser Räume ist die alte – im Gegensatz zu der völlig ahistorischen Aufteilung der Flügel, wo man teilweise durch die hohen Fenster seitlich auf massive Decken blickt. Hinsichtlich der Vereinfachung der Dekoration hat man im Wesentlichen auf die Polychromie v.a. mit Stuckmarmor sowie Fresken und die aufwändige, nicht serielle Dekoration der Spiegel zwischen den Fenstern verzichtet, um Kosten zu sparen. Gleichwohl ist so nachfolgenden Eigentümern respektive Generationen die Möglichkeit gegeben, den Vorkriegszustand vollständig wieder herzustellen.

    Erfreulich ist schon jede Baumaßnahme, die für eine Angleichung der Traufhöhe sorgt. Und gegenüber dem Istzustand mit furchtbaren Proportionen und schäbigsten Materialien wäre ja selbst der „Setzkasten“ eine Augenweide. Ein Traum dagegen, dass man bei der Gelegenheit gleich den Rotz auf den nebenstehenden Hausnummern bis zu erhaltenen historischen Bebauung wegreißt und à la Goetheplatz mit einem Gebäude hinter vorblendeten Fassaden neu entwickelt...

    Hier habe ich nochmal die Brandschutzmauer fotografiert. Ich finde, dass sie jetzt verputzt etwas historischer aussieht, als zuletzt befürchtet. Das obere Fenster sieht sehr roh aus und passt gut in den Kontext, da man ja vermutlich damals nachträglich Fenster in die Wand geschlagen hat. Man sieht auf dem Foto unten das vergitterte Fenster.


    Das untere Bild zeigt allerdings von rechts nach links Neugasse 5, Neugasse, Neugasse 8 und Neugasse 4. Insgesamt ist die jetzige „Lösung“ aber schon ahistorisch, als man ein qualitativ und von der Größe her homogenes Material gewählt hat. Dabei bestanden die hochmittelalterlichen Brandwände in diesem Areal fast ausschließlich aus verschiedenenartigem und der mittleren Größe her viel geringer dimensioniertem Bruchstein.


    Dass das Fachwerk der Braubachstraße 21 nach einem Foto der Jahrhundertwende rekonstruiert wird, auf dem es aber nur aufgemalt war (!!!), ist ein anderes peinliches Thema...

    Der ursprüngliche Dachaufbau entsprach nahezu spiegelsymmetrisch dem des noch besser erhaltenen Nachbarhauses, da alles als eine Baugruppe errichtet wurde. Statt dem jetzigen gotisierenden Spitzhelm saß auf dem Erker natürlich eine dem Nachbarn entsprechende „welsche“ Haube. Ansonsten wurde zu dieser mittlerweile Frankfurt-typischen Mißgeburt eigentlich schon alles geschrieben. Denkmalschutz bestand und besteht übrigens nicht.

    Ich sehe daran (IBCF) nichts erhaltenswertes, und schon gar nicht nur weil es irgendeine vergangene Stilrichtung repräsentiert - das Gebäude ist völlig unästhetisch und wie schon erwähnt steht es im Weg.


    Für die 1950er Jahre ist dieses Gebäude wohl das letzte Beispiel des nachhallenden Neoklassizismus der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts und somit das einzige Bauwerk in der Stadt, das den Übergang von der Vor- zur Nachkriegsarchitektur derart verdeutlicht. Es ist somit schon aus geschichtlichen Gründen i. S. d. Hessischen Denkmalschutzgesetzes unbedingt erhaltenswert.


    Zum ICBF hat cardiac schon alles gesagt. Aber mit dem jetzt durch und durch grünen Baudezernat ist der Denkmalschutz in Frankfurt am Main ohnehin mittelbar komplett abgeschafft. Dafür können wir uns auf den weiteren Rückbau wichtiger Verkehrsachsen zugungsten von Fahrradwegen, aufregende neue Architektur autistischer Architekturbüros und zahllose geschmacklose Aufstockungen freuen.

    Letztlich versagte auch hier mal wieder der Denkmalschutz, den man in Frankfurt mittlerweile genauso gut stempeln schicken könnte. Das Bayer-Hochhaus zählt ohne Zweifel zu den bedeutendsten Baudenkmälern der 1950er Jahre, um deren Erhalt man sich an anderer Stelle so (häufig völlig übertrieben, siehe das Ex-Bundesrechnungshof-Desaster) bemüht. Jetzt ist es durch diese Kiste in bester Europaviertel-Geschmack- und Wertlosigkeit entstellt...

    Auch das Fachwerk im ersten und zweiten Obergeschoss ist... naja, Kitsch. Die Fensteröffnungen zeigen barocke Stichbögenabschlüsse, darunter hätten sich aber bei der Vergrößerung im 18. Jahrhundert niemals die Renaissance-Fachwerkfiguren erhalten, die jetzt zu sehen sind.

    Warum die Hochbaubestandteile nun ebenfalls in Beton und nicht in klassischem Mauerwerk ausgeführt werden müssen, muss man auch nicht verstehen. Da war man Anfang der 1980er Jahre bei der Ostzeile auch schon mal weiter...

    Wer glaubt, dass diese Gebäude gebaut werden, weil sie einen Wettbewerb gewonnen haben, und nicht aus ideologischen Gründen, der glaubt wohl auch an den Weihnachtsmann. Die Begründung im Zuge der Dreysse-Studie, warum hier nicht rekonstruiert werden kann, war mindestens genauso dubios und gleichermaßen bequem. Der Stilbruch – übrigens nicht nur an dieser Stelle der Stadt – ist von einer bestimmten Partei im Römer gewollt, mehr gibt es nicht zu sagen.

    Irgendwie schon recht ernüchternd, dass bei der relativen gestalterischen und kreativen Freiheit, die anbetrachts der Lage „auf der grünen Wiese“ herrscht, dann doch so viel mediokre Planung herauskommt. Ausnahmsweise kann man immerhin mal festhalten, dass das Preisgericht richtig entschieden hat, die ersten drei Entwürfe sind klar die besten, wobei ich mir von Zaha Hadid Architects einen etwas weniger „braven“ Bau gewünscht hätte. Die Plätze 4–8 wirken dagegen fast provinziell, alles schon mal gesehen bzw. Repetition der Formensprache vergangener Jahrzehnte...

    Es ist doch so einfach, auf Wikisource findet sich der Scan der deutschen Erstausgabe von Wilhelm Tell aus dem Jahre 1804, woraus das Zitat stammt. „Stürtzt“ mag bestenfalls im früheren 18. Jahrhundert genauso wie die Schreibweise „Franckfurth am Mayn“ (bswp. Lersner-Chronik 1706/34) noch Verwendung gefunden haben...


    Zu den Entwürfen: viel überraschend neues gibt es nicht, bis auf Markt 32, vor allem aber weiterhin Markt 30 kann man mit allem doch recht warm werden. Vereinzelt zugelassene Ausflüge in die Post-Postmoderne werden in ein paar Jahren allerdings zumindest genauso langweilig sein wie in der Saalgasse.


    Beim unsäglichen Markt 7 fehlt das Bild, es ist aber auf dem von Markt 9 östlich (= links) angeschnitten, es scheint im Gegensatz zu Markt 30 gegenüber der bisherigen Planung soweit erkennbar wenigstens deutlich verändert worden zu sein. Dennoch, welchen Sinn hier weiterhin bodentiefe Fenster als klarer Verstoß gegen die Gestaltungssatzung erfüllen sollen denn die benachbarte „Hauptreko“ Goldene Waage zu entwerten erschließt sich mir nicht.

    Echt nicht zu fassen. Das Erschreckende finde ich ja, dass nicht irgendwelche Maschinen, sondern Menschen sowas entworfen haben. Man könnte meinen, diese stehen irgendwo zwischen schwerer Depression und Selbstmord. Und sowas soll eine der wichtigsten S-Bahn-Stationen einer Stadt repräsentieren, die immer internationaler wird? Aber andererseits, mit der DB als Hauptverantwortlicher, wer hätte hier irgendwas qualitätvolles erwartet. Und der Zustand der Treppe fällt ja wohl mal unter Baupfusch... :nono:

    Der riesige Platz ist doch eh artifizieller Schrott. Vor dem Krieg gabs ihn nicht, nach dem Krieg wurde er für die Haltestelle der Straßenbahn über die Zeil und weiter im Süden den Autoverkehr geschaffen und hatte auch durchaus seine Berechtigung. Im Zuge der Verkehrsberuhigung hat man das alles dann in der gewohnen Unbeholfenheit jener Jahre wieder plattgemacht und mit dem unbefriedigenden Ergebnis leben wir bis heute. In dem Sinne: pro Abbau des Sockels, pro irgendwie gearteter Bebauung der Fläche. Einen praktischen Nutzen hat diese ohnehin kaum und verstärkt eher noch den prekären Charakter der Ostzeil.

    Wertvolle Rekonstruktionen stehen auch nicht in der Kaffeegasse. Ein wirklich sinnvolles und durchaus machbares Projekt in der Folge der Dom-Römer-Neuordnung wäre beispielsweise der an den historischen Grundriss angelehnte Wiederaufbau des ältesten Judenviertel-Areals südöstlich des Doms. Nur mal als Beispiel:


    http://abload.de/img/ffmmitlegende2kq5a1mcjb.jpg


    Die Rücknahme der Fluchten an der Westseite der Fahrgasse wäre kein Problem, da sie für den Verkehr ohnehin irrelevant geworden ist. Der heutige Zugang zum Weckmarkt ist sogar schmaler als vor dem Krieg, dort wäre der Weg für die Rekonstruktion des Hauses Fürsteneck frei. Nach dem Abbruch der fürchterlichen Nordseite zum Weckmarkt, die mit Ausnahme des Café Metropol zum Schlimmsten und „Totesten“ in der Altstadt gehört, ließe sich das Blockinnere wieder öffnen und auch das Roseneck rekonstruieren, der Kirschgarten hinter den Häusern am Main dürfte sogar mit Raumvorstellungen der Grünen in Einklang zu bringen sein, erschreckend, nicht wahr? Die übrigen Gassen sind überwiegend noch vorhanden oder ließen sich bei einer Neubebauung zumindest näherungsweise wiederherstellen. Entlang ihres Verlaufs wäre eine Bebauung wie durch Mäckler bereits in der Großen Fischergasse vorgenommen denkbar. Auch die Fassung der Süd- und Westseite ist im Prinzip noch vorhanden.


    Alleine mit Kirschgarten und Roseneck hätte man zwei absolut fantastische, „bespielbare“ (auch wenn ich dieses Wort hasse) Altstadtplätze wiedergewonnen, die genau das Leben in selbige zurück bringen würden, die sie braucht.