Dom-Römer-Areal: die Planung

  • ^^ Markt 8 finde ich ja auch nach wie vor nicht schlecht. Hat was sehr romanisches der Entwurf. Allerdings hat mir da die erste Version noch deutlich besser gefallen. Die "Optimierung" hat den Entwurf dann doch ein Stück weit langweiliger gemacht.

  • Braubachstraße 21

    Von diesem Haus hatten wir es zuletzt einige Male, weil es einige Planungsänderungen gab und weil es als erstes Altstadthaus in Bau gegangen ist. Auch die Zeitung mit vier Buchstaben auf rotem Grund berichtet heute. Demnach würden dort und teilweise auch bei anderen Häusern die Erdgeschosse wegen des Brandschutzes in Beton errichtet. Auch sei die Planung abermals geändert worden. Die Giebelseite zur Braubachstraße werde als Bruchsteinmauer ausgebildet (bekanntlich stand diese Mauer historisch in geschlossener Bebauung, erst seit dem Braubachstraßendurchbruch stand sie frei). So soll es aussehen:



    Die Obergeschosse werden wie geplant in Fachwerk errichtet. Doch sie werden nun doch nicht verputzt, wie das bisher vorgesehen war. Die neue Planung wieder mit Sichtfachwerk und Sandstein am Sockel:



    Bilder: DomRömer GmbH

  • Sowohl das Sichtfachwerk als auch die Bruchsteinfassade an der Stirnseite stellen für mich eine Verbesserung der vorausgegangenen Planungen dar. Leicht irritiert bin ich von den Fensteröffnungen an der Braubachstraße. Sie wirken düster, fast glaslos. Dieser Stil soll vermutlich mit den Bruchsteinen harmonieren, ein Fensterkreuz oder wenigstens ein äußerer Rahmen hätten den Öffnungen aber sicherlich besser gestanden.

  • Demnach würden dort und teilweise auch bei anderen Häusern die Erdgeschosse wegen des Brandschutzes in Beton errichtet.


    Die Aussgestaltung der Erdgeschosse in feuerfestem Material ist ja nun historisch korrekt und lässt sich sicher bis zur Entstehungszeit des Originals zurückverfolgen. Damals wegen der im Erdgeschoss (und nur da) befindlichen Küchen mit dem offenen Feuer. Hieß das nicht mal "Steinerner Stock"?

  • Auch das Fachwerk im ersten und zweiten Obergeschoss ist... naja, Kitsch. Die Fensteröffnungen zeigen barocke Stichbögenabschlüsse, darunter hätten sich aber bei der Vergrößerung im 18. Jahrhundert niemals die Renaissance-Fachwerkfiguren erhalten, die jetzt zu sehen sind.

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    So gründlich war man keineswegs überall. Sparsame Bauherren haben zwar die neuen Fenster mit Rahmungen eingebaut, aber wenn der Zustand ordentlich war, nur ein bißchen herumgesägt, den Rest des Fachwerks aber unverändert belassen. Die Häuser wurden im Barock ja eh verputzt. Entlang des Oberrheins findet man diese Mixturen recht häufig, seit im Fachwerkfreilegungswahn der 80er und 90er überall den Putz abgeklopft wurde und selbst durch Umbauten völlig gestörte Fassaden seither freiliegen.


    Daß ich ausgerechnet auf die Art doch noch zu einer meiner geliebten Bruchsteinmauern kommen soll, hätte ich nicht gedacht - aber mir auch nicht gewünscht. Derartigen Symbolismus in der Architektur (der Straßendurchbruch quasi als Wunde dargestellt) finde ich einfach nur lehrstückhaft und albern.

  • Eine schöne Lösung mit Sichtfachwerk und Bruchsteinmauer mit Sandsteinelementen! An dem Entwurf wurde in der letzten Zeit so viel verändert, dass man über das Ergebnis (oder doch nur ein weiterer Zwischenstand?) zufrieden sein sollte. Ich bin es jedenfalls.


    Ein kleines bisschen schade finde ich allerdings, dass durch die Entscheidung, dieses Haus eben nicht mit dem Stand von 1944 zu rekonstruieren, der Rebstock-Winzer an der Hausecke wegfällt.

  • Torbogen am Nürnberger Hofgässchen

    In einem gemeinsamen Antrag (PDF) begehren die CDU-Fraktion und die Grünen im Römer die Wiedererrichtung des Torbogens am Nürnberger Hofgässchen. Dieser soll "zur Komplettierung der neuen 'alten' Bebauung zwischen Dom und Römer [...] als Teil des öffentlichen Raums und als typisches Element der Frankfurter Altstadt wiedererstehen. Er soll zwischen dem Kunstverein und dem Haus Klein Nürnberg zu stehen kommen und soll zwischen 'neuer' (Nachkriegs-) Architektur und den Renaissancebauten der zukünftigen Gasse Hinter dem Lämmchen vermitteln. Um das denkmalgeschützte Erschließungs- und Bürogebäude des Kunstvereins aus den 1950er Jahren unberührt zu lassen, soll ein baulicher Abstand von etwa 30 cm zwischen Torbogen und Fassade eingehalten werden. Mit diesem Achtungsabstand soll sichergestellt werden, dass das Kunstvereinsgebäude als Solitär wahrgenommen werden kann und gleichzeitig adäquat in die neue Altstadt integriert wird."


    Diese beiden Anlagen sind dem Antrag von September 2014 beigefügt:




    Bild oben: wie angegeben, Bild unten: Stadt Frankfurt am Main


    Am 2. Februar hat der Magistrat dazu Stellung genommen. In dem Bericht wird mitgeteilt, dass die Dom-Römer-Gesellschaft die Planung für die Errichtung des Torbogens am Nürnberger Hofgässchen bereits aufgenommen habe. Die Denkmalbehörden empfehlen einen denkmalverträglichen Abstand des Torbogens von etwa 50 cm zur Fassade des Kunstvereins, da "die Architektursprache und die Fassadengliederung des denkmalgeschützten Gebäudes des Kunstvereins, das in den Jahren 1959 bis 1962 nach Plänen des Architekten Johannes Krahn errichtet wurde, den direkten Anschluss eines massiven historisierenden Bogens ausschließt". Weiter heißt es: "Durch den Abstand des Bogens von der Fassade des Kulturdenkmals wird letzteres nicht erheblich in seiner Wirkung beeinträchtigt und bewahrt seine Eigenständigkeit. Der projektierte Bogen wird skulptural frei eingestellt in massivem Material errichtet. Diese denkmalverträgliche Anordnung wird nun in der Planung weiterverfolgt".

  • Also da kann ich mir doch ein Schmunzeln nicht verkneifen: Da macht sich die zuständige Behörde also Sorgen um ein (zweifellos gelungenes) Exemplar der Nachkriegsmoderne, so dass als Ergebnis die sicherlich gute und gut gemeinte Idee den Torbogen zu rekonstruieren, doch fast wieder zur Lachnummer wird. Einen Torbogen, der "umgangen" werden kann, hat doch keine Funktion mehr außer einer dekorativen. Damit liefert man den Verfechtern des Kulissenvorwurfs neue Nahrung...


    Und gleichzeitig werden die Senckenberg´schen und alten Uni-Gebäude mit Segen des Denkmalschutzes in fragwürdiger Weise verhunzt und zwar in einem Ausmaß, welches ein kleiner Torbogen in direktem Anschluss an den Kunstvereinbau sicherlich in keiner Weise hätte erreichen können. Aber dort soll verhindert werden, dass der Bau in "seiner Wirkung beeinträchtigt" würde? Das ist schon irgendwie witzig. (Übrigens: Ironiemodus aus.) ;)

    Einmal editiert, zuletzt von OllaPeta () aus folgendem Grund: Flüchtigkeitsfehler verflüchtigt

  • Nicht nur ein Schmunzeln. Das wird im Internet dann später sicherlich Karriere machen als ein Bild von "25 proofs of drunken architects" oder "42 funny construction mistakes" oder ähnlichen Listen, die sich zur Zeit hoher Beliebtheit erfreuen. ;-)

  • Das sehe ich tatsächlich ganz genauso.
    Wenn man denn schon ein verbindentes Element schaffen möchte, zwischen den beiden Epochen
    – dann sollte es diese auch verbinden und nicht nur davor drapiert werden.


    Mit dieser Lücke zwischen dem Torbogen und dem Kunstverein schafft man meines Erachtens
    eher eine bewusste Trennung als eine Verbindung.
    Die durchaus gute Grundidee kippt leider genau in's Gegenteil.

  • Frankfurter Realsatire auf höchstem Niveau, den Bogen auf Lücke zu stellen. Man sollte die so um das Erscheinungsbild des Kunstvereins-Neubaus besorgten Herrschaften vielleicht mal darauf hinweisen, daß er sich auf der anderen Seite nahtlos ans Steinerne Haus schmiegt, ganz ohne - pardon - Schamritze. Seinerzeit standartformulierte man dazu "Alt und Neu fügen sich harmonisch zusammen".
    Andererseits paßt der Vorschlag irgendwie zu der famosen Idee einer Pergola auf der gegenüberliegenden Seite am Markt.

  • Schmunzeln?

    Nein, das ist eine absolute Lachnummer. Das Geld für diese kuriose Entgleisung sollte sich die Stadt sparen. Ohne Torbogen würde der Durchgang authentischer wirken und den Spott von Bevölkerung und Passanten erst gar nicht entstehen lassen. Entweder ein echter Bogen ohne Lücke, oder gar keiner!

  • Das ist wieder eine solche Ausgeburt an deutscher Peinlichkeit. Wer kommt bitte auf solch unsinnige Ideen. Da muss doch wirklich irgendwo jemand sitzen und sich denken, wie bauen ein Tor, an dem man seitlich vorbeigehen kann.


    Diese pseudointellektuellen Kopfgeburten sind mittlerweile kaum noch jemandem zu vermitteln. Der normale Bürger wird dies niemals nachvollziehen können.


    Und was noch schlimmer ist, man zieht das gesamte Wiederaufbauprojekt durch solche Aktionen in den Dreck, das ist dann wirklich Kulissenzauber. Eine unsägliche Aktion!

  • Artefakt-Suche

    Irgendwie drängt sich mir der Verdacht auf, dass jeder Stadtpolitiker nun sein "persönliches" Artefakt auskramt, um sich in der Altstadt zu verwirklichen. Aus allen Gärten, von allen Plätzen und aus Geschichtsbüchern werden Fragmente gesucht, um sie zu platzieren. Torbögen, Steinpartien, Brunnen...


    Aber dieser Bogen passt nicht wirklich. Der denkmalschützerische Abstand sieht nachvollziehbarer aus, wenn dort kein Bogen steht.


    Quintessenz aus der denkmalschutzrechtlichen Bewertung im Antrag ist für mich die wiederholte Offenbarung der Geisteshaltung des Denkmalschutzes: Nachkriegsarchitektur ist das A und O...

  • Einen Torbogen, der "umgangen" werden kann, hat doch keine Funktion mehr außer einer dekorativen. Damit liefert man den Verfechtern des Kulissenvorwurfs neue Nahrung...


    Naja, das was da entsteht kann sich, je mehr man davon bei seiner Entstehung beobachtet, desto weniger diesem Vorwurf entziehen.


    Da finde ich den neueren Umgang mit den zerstörten Altstädten in den immer für ihre schönen Rekos gelobten Ländern des sehr nahen Ostens doch stimmiger.

  • Ein Pflanzkübel mit einer Rankpflanze, die den Torbogen linkerhand in Besitz nähme, würde viel zu einem weichen Übergang von alt zu neu beitragen.
    Ist zwar auch Appeasement ggü. dem moderne-lastigen Denkmalschutz, aber wenigstens eines, das gnädig sein Laub über solche Entscheidungen legt.

  • Das Denkmalschutzamt hatte in den 50er Jahren nichts dagegen, dass der hässliche Klotz des Kunstvereins direkt an das historische Steinerne Haus gebaut wird.


    Die Idee mit dem Spalt ist also völlig absurd.


    Wenn der Originalbogen an der Stelle passt, würde ich ihn zur Not in das 50er Jahre Haus hineinbauen.


    Gerade dann sieht man ja die Bruchlinie...


    Pragmatisch gesehen ist mir aber ein alter Torbogen mit Spalt lieber als kein Torbogen ohne Spalt....

  • Das mit dem Anbauen stimmt so nicht. Das Steinerne Haus wurde 1944 fast völlig zerstört. Anfang der Sechziger wurde es rekonstruiert, gleichzeitig wurde der moderne Teil errichtet. Beide Bauteile bilden funktional eine Einheit, zusammen sind sie Sitz und Ausstellunghaus des Kunstvereins, das Treppenhaus für den Gesamtkomplex etwa befindet sich im modernen Anbau. Gegen ein paar Euro Eintritt kann man sich das Ganze sechs Tage die Woche ansehen.


    Die Integration von Gartenzwergen nicht vergessen, zeisselgaertner.

  • Torbogen

    Auch mir ist ein Torbogen mit Spalt lieber als kein Torbogen. Ich muss sogar sagen, dass die Idee, den Torbogen gerade nicht mit dem 50er Jahre Kasten zu verbinden besonders deutlich zeigt, wer/was an dieser Stelle der eigentliche Fremdkörper ist.


    Dabei ruft der "Spalt" danach, den Fremdkörper irgendwann doch mal zu beseitigen und, idealerweise durch eine Reko zu ersetzen.