Beiträge von Twal98

    ^ Ich möchte erstens anmerken, dass trotz der Ballung von Dönerbuden und Grillrestaurants in "Klein-Istanbul" nicht von einer eintönigen Gastronomie in der Innenstadt gesprochen werden kann. Es ist eher gegenteilig. Mannheim hat eine sehr diverse Gastroszene mit Küchen aus aller Welt und auch aus Deutschland. Geschmacklich und preislich sollte da für jeden was dabei sein.

    Zweitens, eine Markthalle ist schon für das Ex-Kaufhof-Gebäude in N7 im Gespräch. Hinsichtlich der Nähe zu Engelhorn (aufgrund der gleichen Zielgruppen, wahrscheinlich ein wesentlicher Initiator einer solchen), ist die Wahrscheinlichkeit der Errichtung dort wesentlich höher als in N1.

    Ob der Bürgerentscheid von 1986 noch als Legitimation für die Stadt fungieren kann, viel Geld in ein Gebäude mit schlechtem Kosten-Nutzen Verhältnis zu investieren, darf meiner Meinung nach angezweifelt werden. Ich bin gespannt wie groß die Diskussionen werden, wenn Entscheidungen hinsichtlich der Zukunft des Gebäudes anstehen.

    Es wäre ein Segen, wenn die Vorderseite zum Paradeplatz hin schnellstens verschwinden würde. Am schlimmsten sind für mich die zwei „Dachaufbauten“. Der eine macht auf klassizistischen Tempel und der andere auf modernen Rundbogen. Vielleicht verstehe ich die überragende Symbolik darin nicht, aber was ich verstehe, sind die absolut negativen Auswirkungen dieser Aufbauten auf die Symmetrie des Hauses.

    Ich muss sagen, die Idee einer Rekonstruktion des alten Stadthauses gefällt mir. Die Chancen einer solchen schätze ich aber nahe null ein. Das die Stadt investiert, ist aufgrund der knappen Kassen äußerst unwahrscheinlich und ich kenne keinen privaten Investor, der einen dreigeschossigen Barockbau mit nutzlosem Turm finanzieren würde. Bleibt eigentlich nur die Möglichkeit einer großzügigen Spende irgendeiner Organisation oder Person. Dafür ist das Gebäude aber kulturell zu unbedeutend.

    Nichtsdestotrotz ist die Entwicklung auf dem Paradeplatz zu begrüßen. Durch den Wegfall der heruntergekommenen Glasanbauten am Postgebäude im Zuge dessen Sanierung, durch den geplanten Neubau der Sparkasse (falls das noch aktuell ist) und durch den immer wahrscheinlicher werdenden Abriss des Stadthauses könnte der Platz architektonisch ein neues Gesicht bekommen. Der Trinkertreff auf dem Platz könnte durch das Café Anker einen neuen Ort bekommen und der geplante Verkehrsversuch könnte den Durchgangsverkehr substanziell verringern. Beide Projekte haben das Potenzial, die Qualität des Platzes erheblich zu erhöhen.

    Für das Ludwigs-Quartier wurden weitere Visualisierungen veröffentlicht, auf denen man jetzt auch die Fassadengestaltung sieht. Entstehen soll bis 2028/29 ein buntes, aber in der Gestaltung homogenes Quartier. Für Ludwigshafen sicherlich ein weiterer wichtiger Baustein hin zu einem attraktiveren Stadtbild und damit auch zu einem hoffentlich irgendwann besseren Image.

    https://www.sfa.de/projekte/ludwigs-quartier

    https://www.ludwigshafen.de/fileadmin/Webs…sungsplan_5.pdf

    2 weitere Projekte in der Innenstadt:

    Das katholische Bürgerhospital (Altenheim) in E6 wird erweitert. Meiner Meinung nach ein sehr rücksichtsvoller und gelungener Entwurf.

    https://www.schmucker-partner.de/projects/katho…spital-e6-2021/

    Das an der Breiten Straße gelegene Eckhaus in J1 soll umgebaut und erweitert werden. Es wird zur Breiten Straße hin um 3 Stockwerke erhöht und um ein paar Meter nach vorne erweitert, damit es auf einer Höhe mit seinem Nachbarn steht. Die Erweiterung ist auf jeden Fall zu begrüßen, jedoch ist die Fassadengestaltung weder rücksichtsvoll noch gelungen. Zudem ist die Nutzung mit einem REWE-City und einem Hotel nicht gerade kreativ.

    https://www.morgenweb.de/mannheimer-mor…id,1716749.html

    Vielen Dank für die Zusammenfassung, Eiskorn!

    Vollständigkeitshalber liste ich mal noch einen Link zum Gewinnerentwurf für den Campus um das Kesselhaus auf:

    https://wtr-architekten.de/projekte/detai…g-mannheim.html

    Außerdem noch einen Link zum Entwurf für das 3. Gebäude auf dem MMT Campus, TPMA 2, das die gleiche Fassade bekommen soll wie TPMA 1 nur in anderer Kubatur:

    https://www.schmucker-partner.de/projects/tpma2-2022/

    ^ Imho hast du damit bis zu einem gewissen Punkt recht. Das beste Beispiel dafür ist für mich der Neubau an der Stiftskirche (Bilder von Silesia). Das Gebäude hat keine besondere Architektur, fügt sich aber mit dem hochwertigen Fassadenmaterial in den relativ homogenen Bestand ein und vermittelt dabei noch zwischen Stiftskirche, Eckerle und 60er-Jahre Bau. Das funktioniert aber auch nur so gut, da der Bestand schon meine ganze Aufmerksamkeit hat.

    Die Situation ist aber eine ganz andere am Ende der Königsstraße. Selbst von relativer Homogenität ist man dort weit entfernt und der Neubau wird alles andere als einen Ansatz darstellen, eine solche herzustellen. Er kann dort aber auch nicht vermittelnd wirken, egal welchen Architekturstil man verwendet.

    Eigentlich müsste sich die Stadt mal "zusammensetzten" und überlegen, was man mit diesem Gebiet machen möchte. Will man sich an irgendwas orientieren oder möchte man weiterhin ein Kuddelmuddel der Architektur?

    Im Moment macht dort jeder, was er will. Die einen bauen "modernisierte Altstadt" (Kaufhof Gelände), die nächsten kleben eine barocke (Anm. Barock ist natürlich falsch, gründerzeitliche) Fassade an einen Neubau, wo der gespielte Charme aber am Aludach aufhört, andere modernisieren mäßige 60er Architektur, ohne die größten Fehler zu verbessern und zu guter Letzt gibt es noch Bauherren, die es mit skulpturaler Architektur versuchen.

    Die Stadt hätte sich vor Jahren darüber Gedanken machen müssen. Ein guter Zeitpunkt wäre die Diskussion um den Kaufhof Überbau gewesen. Diese Diskussion war aber schneller wieder vorbei, als sie anfing. Insoweit kann ich es dem Bau, dem Bauherren und dem Architekten dann auch nicht weiter verübeln, dass er versucht, durch "egoistische" unpassende Architektur meine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

    Wenn man auf dem Karlsplatz steht, funktioniert die Architektur wirklich gut. In Verbindung mit der hellbraunen Steinfassade schaut das folierte Dach meiner Meinung nach wirklich gut aus. Dazu kommt noch, dass ich bis dato nur wenige Winkel gefunden habe, aus denen die Dachlandschaft auffallend negativ unproportioniert wirkt. Am schlimmsten ist die Unproportioniertheit auf Bildern wie dem 2. im 1. Link von Wagahai. Wenn die Kamera auf Höhe der Dachlandschaft ist, schaut es schon recht komisch aus. Bei den Bildern von Silesia in #790, wird es für mich auch immer schlimmer, je näher er heranzoomt.

    Wo das folierte Dach aber überhaupt nicht funktioniert, ist in Verbindung mit der metallenen Fassade. In meinen Augen beißt sich das, vor allem am Tag. Auf den verlinkten Bildern ist es ja immer späterer Abend, da wirkt es noch relativ harmonisch. Am schlimmsten ist aber die Verbindung von Metallfassade, foliertem Dach und Louis Vuitton Eingang. Da funktioniert wirklich nichts mehr. Die weiße Umrandung ist überproportioniert und passt schlicht nicht zur metallenen Fassade, die wiederum nicht zum Dach passt (Bild). Schade, dass man bei LV scheinbar keine guten Designer hat ;).

    Ich finde den Siegerentwurf ziemlich gelungen. Mit einem hochwertigen Fassadenmaterial könnte hier möglicherweise der für mich schönste Stumpen (;)) in Mannheims Stadtgebiet entstehen. Mit der Variation im 5. Stockwerk und ganz oben wird das Hochhaus an den richtigen Stellen aufgelockert, sodass es nicht an dem Monotonieproblem leidet wie der Entwurf von AV1 Architekten.

    Der einzige Kritikpunkt, den ich sehe, ist die schwache Variation zwischen Hochhaus und Anbau. Dadurch könnte das Gebäude an demselben Problem leiden wie das No.1 im Glückstein Quartier. Der lange Anbau sorgt dort dafür, dass das Hochhaus stumpenhafter wirkt als notwendig, verglichen mit dem TRM und dem Quartier^4.

    Der Entwurf geht darauf aber ein. Das Hochhaus ist vom Anbau architektonisch ein wenig getrennt, wodurch nicht alles in einem aufgeht und man nicht weiß, wo was anfängt und wo was aufhört. Außerdem ist die Fassade des Anbaus in weiten Teilen dunkelbraun, während das Hochhaus hellbraun ist. Ich hoffe mal, dass die Maßnahmen ausreichen, um ein zweites No.1 zu verhindern.

    Sehr interessant finde ich noch die Entwürfe von Albert Speer + Partner, wobei dort das Hochhaus für den Entwurf womöglich zu niedrig ist und den zweitplatzierten Entwurf von Fischer Architekten, wobei ich da nur die Verdrehung im Hochhaus spannend finde.

    Um wieder zurück zu der Architektur zu kommen, gebe ich hier mal meinen Senf zu dem Gebäude. Wir hatten den Entwurf schon mal vor einer Weile im Forum, damals fand ich ihn einfach nur grässlich. Das hat sich jetzt auf den zweiten Blick etwas geändert. Ich bin zwar immer noch nicht komplett überzeugt, kann mich mit ihm aber zumindest ein bisschen anfreunden.

    Das negative zuerst: Die runden Formen im Erdgeschoss stören mich unheimlich. Sie passen schlicht nicht zu einem Gebäude, das sonst nur Ecken kennt. Der Architekt hat auf seiner Webseite eine Visualisierung einer wahrscheinlich früheren Version, wo das Erdgeschoss eine reine Glasfront hat, ohne abgerundete Träger. Das schaut für mich deutlich stimmiger aus.

    Positiv finde ich die farbliche Anpassung an den orangenen Nachbarn. Das ist für das Architekturbüro Ludwig nicht selbstverständlich, sonst gestaltet es eigentlich nur weiß-schwarze Häuser. Positiv ist die Schließung der Baulücke hin zum anderen Nachbarn und positiv finde ich auch den Versuch, gestalterisch aus der Norm auszubrechen.

    Am Ende wird es aber, so glaube ich, an dem Zusammenspiel der verwendeten Materialien liegen, ob Stuttgart ein spannendes neues Gebäude bekommt oder einen weiteren Reinfall. Das kann man aber erst sagen, wenn man davor steht. Ich bin also auf jeden Fall gespannt, wie es mir in der Realität gefallen wird.

    Gute Nachrichten bzgl. des ehemaligen Kaufhof-Gebäudes in N7: D&S haben mit der Eigentümerin einen Kaufvertrag geschlossen, der Ende des Jahres gültig wird, sollte die Signa Gruppe nicht ihr Vorkaufsrecht geltend machen.

    Was genau D&S mit dem Gebäude vor hat, ist nicht bekannt, aber sehr wahrscheinlich wird das Gebäude eine Mischnutzung erhalten. Das heißt, in den unteren Geschossen Einzelhandel (spekuliert wird über eine Markthalle) und in den Oberen Büros und Wohnungen. Das bedeutet, dass mindestens die Fassade neu gestaltet werden muss. Genaueres wird D&S wohl erst veröffentlichen, wenn sie das Gebäude auch wirklich besitzen.

    Mit D&S hat man aber auf jeden Fall jemanden, der dort zügig Fakten schaffen wird.

    Quelle: MaMo

    Noch kurz zu einer Nachricht, über die ich vor Kurzem gestolpert bin: Die Pläne für den Hotelneubau in T1 wurde etwas nach hinten geschoben. Die Eröffnung soll jetzt nicht mehr 2021, sondern rechtzeitig zur BUGA im Frühjahr 2023 sein.

    Immerhin nicht komplett abgesagt.

    Quelle: MaMo

    Für das restliche Areal auf der Schafweide wurden die Wettbewerbsergebnisse veröffentlicht. Gewonnen hat Brutschin Wohnbau mit einem Entwurf von Steinhoff/Haehnel Architekten.

    Ganz nett ist, dass alle eingereichten Entwürfe hier veröffentlicht wurden.

    Drei Dinge sind mir beim Durchsehen der Entwürfe aufgefallen:

    1. Die Ausschreibung hat den Investoren und Architekten scheinbar große Freiheiten gelassen. Das zeigt sich in der Vielfalt der Konzepte, die von einem 65m Hochhaus bis zu kleinteiligem Blockrand gehen.

    2. Unter den Entwürfen sind ein paar ganz Interessante dabei, aber ich habe jetzt auf die Schnelle keinen gesehen, der besonders positiv heraussticht, wobei man natürlich sagen muss, dass es unglaublich schwer ist, für diesen Standort ein Gebäude zu entwickeln, das von allen Seiten funktioniert. Der Siegerentwurf schafft das meiner Meinung nach noch mit am besten.

    3. Viele Entwürfe scheitern in der Einbeziehung des geplanten SWR-Gebäudes. Dieses Gebäude funktioniert einfach absolut nicht. Es ist zu niedrig, um als Solitär hervorzustechen, aber zu hoch, um sich einfach in die restliche Bebauung einzufügen. Dazu kommt noch das die Architektur trotz (vlt. auch wegen) ihrer Einfallslosigkeit, mit keinem der Entwürfe für die restliche Bebauung harmoniert. Es wäre wohl besser gewesen, wenn das Gebäude Teil der Konzeptausschreibung gewesen wäre. Dann wäre das Gelände aus der Feder eines Architekten und die Gebäude hätten aufeinander abgestimmt gewesen sein können.

    Wie vielleicht bekannt, soll in Wendlingen auf dem ehemaligen Firmengelände von Heinrich Otto&Söhne ein neues Quartier entstehen. Dazu gab es vorgestern Abend eine Informationsveranstaltung, in der die städtebaulichen sowie architektonischen Highlights der Öffentlichkeit vorgestellt wurden (eine Aufzeichnung der Veranstaltung findet sich hier). Eine Bilderstrecke mit Visualisierungen sowie dem Rahmen-/Nutzungsplan findet sich hier.

    Projektentwickler ist die CG Gruppe. Verantwortlich für den Städtebau ist blocher partners und für die Architektur Wolf Architekten. Das Projekt ist Teil der IBA.

    Entstehen soll ein Büro-/Gewerbeviertel mit kleinem Teil Wohnen. Architektonische Highlights sind neben einem rund 65 m hohen Hochhaus (Anm.: Der Bürgermeister Wendlingens meinte in einem Nebensatz, das man nochmals über die Höhen der Gebäude sprechen müsste), auch ein "schwebendes" Gebäude über der gründerzeitlichen Fabrikhalle. Ich hoffe, dass beide Gebäude genau so gebaut werden, da ich sie wirklich gelungen bis spektakulär finde, gerade in Anbetracht dessen, dass beides in einem 16000 Einwohner Städtchen entstehen soll.

    Man sollte natürlich ehrlicherweise dazu sagen, dass so glaube ich, nur die Wohnungen weggehen werden wie warme Semmel. Für die teuren Büroflächen wird es dagegen nicht einfach, genügend solvente Mieter zu finden, die sich in Wendlingen niederlassen wollen.


    Neben dem Otto Quartier gibt es in Wendlingen noch ein weiteres, im Vergleich dazu kleines Projekt: Die neu-zusammengeschlossene Volksbank Mittlerer Neckar plant auf der anderen Seite der Gleise ihren neuen Hauptsitz. Bei einem Wettbewerb hat dieser Entwurf gewonnen.

    Ich grübel seit 2 Tagen nun über diesen Entwurf und weiß immer noch nicht, was ich davon halten soll.

    Mir gefallen die "vorgehängten Stäbe", die sich an der Rückseite des Stadthauses orientieren. Mir gefällt der Garten auf dem Dach, der laut einem Bericht im MaMo, nicht nur auf den Visualisierungen mit Bäumen bestückt werden soll. Mir gefällt die Ruhe und Unaufgeregtheit des Gebäudes, die zwischen dem Dalberghaus, dem grässlichen Bestand auf N2 und der leblosesten Seite des Stadthauses sicher guttun wird, und mir gefällt vor allem auch die Leichtigkeit, die das Gebäude auf der Visualisierung ausstrahlt.

    Gleichwohl finde ich, dass diese Ruhe aber auch extrem langweilig ist. Das Gebäude erinnert mich an einen modernisierte Variante des Gebäudes in O2. Statt einer zumindest bisschen interessanten Fassadengestaltung klatscht man halt Glas hin.

    Dazu kommt noch, dass ich bezweifle, dass die Leichtigkeit auch in der Realität vorhanden sein wird. Vor allem in Anbetracht dessen, dass die kommenden Haushalte der Stadt durch Corona schon schwer zu finanzieren sind und der angepeilte Kostenrahmen von ca. 35 Mio. € schon jetzt nicht mehr gehalten werden kann. Beim TRM hat man, als die Kosten gestiegen sind halt an der Fassade gespart. Das wird bei diesem Entwurf aber nicht gehen. Dieser Entwurf verzeiht keine Einsparungen an der Fassade, da er sonst jegliche verbleibende Leichtigkeit verlieren wird.

    Diese zwiespältigen und zuweilen auch paradoxen Gefühle gegenüber diesem Entwurf werden ich wohl in naher Zukunft nicht wegbekommen.

    Überrascht hat mich aber der zweitplatzierte Entwurf von HPP-Architekten. Er ist das genau Gegenteil zum Gewinnerentwurf. Er ist zwar auch ein Glaskasten, aber diesmal ein dominanter und schwerer. Ein Gebäude dieser Art gibt es (meines Wissens nach) in Mannheim noch nicht. Allein aus diesem Grund bevorzuge ich ihn gegenüber dem Gewinner. Er hätte sich in den Bestand zwar weniger gut eingefügt und er hätte sich auch nicht untergeordnet, jedoch hätte er ein Signal an die Bauherren und Architekten in Mannheim werden können, sich auch mal etwas Neues zu trauen. Diese Chance hat man bei der Kunsthalle nicht ergriffen (vielleicht lag es hier auch daran, dass jeder Entwurf der ein bisschen aus der Mannheimer Norm ausscherte, alles andere als ansehnlich war; siehe hier und hier) und man ergreift sie auch jetzt nicht. Schade!

    In dem Bereich hinter dem Uniklinikum soll sich bekanntlich relativ viel verändern. Für einen besseren Überblick hier erst einmal eine Karte.

    lageskizze_mmt-campus.jpg

    Quelle: https://medtech-mannheim.de/sites/default/…_mmt-campus.jpg

    TPMA1 ist fertiggestellt, das Cubex One ist im Bau und die Pläne für das Alte Brauerei Gelände haben wir in diesem Thread vor Kurzem schon besprochen. Vor ein paar Tagen wurde auch der Wettbewerb für den gelben Bereich entschieden, auf dem ab 2025 für rund 140 Mio. € der Campus der medizinischen Fakultät Mannheim gebaut werden soll. Gewonnen haben die Frankfurter Architekten Wörner Traxler Richter. Visualisierungen findet man hier.


    Dazu kommt noch der Plan für die neue Mitte im Uniklinikum. Was sich dort alles genau verändern soll, ist mir nicht bekannt, aber zumindest sind Pläne öffentlich, dass das Gebäude in dem sich die Apotheke befindet (ganz links oben im blauen Bereich) aufgestockt werden soll. Visualisierungen findet man hier.

    Trotz all dieser baulichen Veränderungen wird dieses Gebiet aber weiterhin "tot" sein. Jegliche Aufenthaltsqualität wird durch die Röntgenstraße und durch die bauliche Konzeption der Uniklinik zunichtegemacht. Da Träumen aber nicht verboten ist, würde ich hier gerne mal meine Wunschvorstellungen für das Gebiet aufschreiben.

    Um den größten Malus in dem Gebiet zu entfernen, müsste man die Röntgenstraße zwischen Hauptfriedhof und Friedrich-Ebert-Straße unter die Erde verlegen. Verkehrstechnisch sollte dies kein großes Problem darstellen (die Kosten und der Nutzen stehen aber natürlich in keinem Verhältnis, vor allem auch in Anbetracht der deutlich größeren Baustellen, welche die Stadt hat). Die Straßenbahn könnte oben bleiben, wobei ihr Gleisbett begrünt werden sollte. Insgesamt könnte man auf der Freifläche einen kleinen Park anlegen. Als Nächstes müsste man durch die neue Mitte versuchen, die Uniklinik in Richtung der Neubauten und dem neuen Park zu öffnen. Um schlussendlich den Nutzen zu maximieren, müsste neben dem Bestand (grünes Gebiet) und vor allem auch die Eichbaum-Brauerei von dort verschwinden. Vielleicht hätte man dieses Gebiet auch in die Buga einbeziehen können und dadurch das eher bescheidene Kosten-Nutzen-Verhältnis aufbessern können. Für solche Ideen ist es jetzt aber schon zu spät.

    Ende der Träumerei - Zurück in die Realität. Der Medizinstandort Mannheim wird durch diese Vielzahl an Projekten sicherlich stark profitieren. Der Stadt wird es aber im besten Fall, außer Arbeitsplätze und Steuereinnahmen nicht viel bringen (was ja aber auch nicht ganz unwichtige Dinge sind). Architektonisch entstehen dort sicherlich auch relativ interessante Dinge, aber städtebaulich wird die Gegend weiterhin trostlos bleiben.


    Noch eine kurze Erwähnung: In den nächsten Tagen soll der Wettbewerb für die neue Stadtbücherei auf N2 entschieden werden. Auf die Entwürfe bin ich schon mehr als gespannt.

    Beim Durchstöbern der Webseite von Schmucker & Partner habe ich zwei Projekte gefunden, von denen wir zumindest mal noch keine Visualisierungen hatten.

    Das Finanzamt in L3 soll ja bekanntlich saniert werden (#216) und laut bentzibentz hat Schmucker und Partner damals den Wettbewerb gewonnen (#219). Wenn ich mich recht erinnere, hatten wir hier im Forum bisher nie deren Entwurf verlinkt, deswegen jetzt hier: Finanzamt. Das wird sich, so glaube ich, ganz gut in den Bestand einfügen.

    Das zweite Projekt auf das ich gestoßen bin, liegt gegenüber dem Uniklinikum. Zum einen soll der Altbestand links der alten Brauerei saniert werden und zum anderen, soll rechts auf einem bisherigen Parkplatz ein Neubau errichtet werden: Alte Brauerei 2.BA. Der Neubau ist wohl eine moderne Interpretation der Bauform der alten Brauerei, was sich an dieser Stelle glaube ich, ganz gut machen wird. Was ich aber viel spannender als den Neubau finde, ist die Sanierung des Altbestandes, vor allem von der Eckvilla, die im Moment durch ihren ungepflegten Zustand und der städtebaulichen Situation ziemlich trostlos ausschaut. Das haben scheinbar auch die Architekten erkannt und wollen der Villa nun durch eine "zeitgemäß interpretierte Rekonstruktion des Daches Ihre städtebauliche Markanz zurück" geben. Leider gibt es keine Visualisierung wie das Dach am Ende aussehen soll, sondern nur eine Umrandung der zukünftigen Dachkanten, aber selbst das lässt mich auf eine starke Verbesserung gegenüber dem Ist-Zustand hoffen.

    Nachdem die Stromnetzsparte von ABB an Hitachi verkauft wurde, werden die drei Standorte von ABB in der Region umstrukturiert. In Heidelberg wird die Sparte Elektrifizierung gebündelt und in Mannheim die Antriebstechnik und Automatisierung. Der Standort in Ladenburg wird komplett aufgegeben. Damit die umgesiedelten Mitarbeiter auch Platz haben, wird bis Ende 2022 ein neues Gebäude an der Kreuzung B38/Kallstadter Straße hochgezogen.

    Eine Visualisierung findet man hier: MaMo Artikel

    Sieht für mich nach solider Architektur ohne "Highlights" aus.

    Ich glaube, dass man kann das Gebäude ganz gut mit dem Hotelneubau im Büroviertel neben dem Planetarium vergleichen (#274). Beide sind in einem architektonischen Ödland [der Hotelneubau hat zwar in seiner Nachbarschaft auch ein paar interessante Bauten (Hochhaus der Mannheimer-Versicherungen), jedoch auch besonders große städtebauliche und architektonische Sünden (KFC/Waschstraße)] und beide stehen an breiten Straßen mit großen Kreuzungen, wodurch beide an ihrem Ort eine dominante Rolle einnehmen.

    Obwohl der Hotelneubau vom Grundkonzept an sich auch nur solide Kost ist (die immer gleiche Fassade mit zwei verschiedenen Fensterarten), überzeugt er und wertet die Gegend gewaltig auf. Das ist meiner Meinung nach vor allem auf die "Highlights" zurückzuführen. Die Betonung der Kreuzung, durch die Platzierung der Technikaufbauten und der Rücksprung in der Fassade lassen das Gebäude nicht eintönig wirken.

    Im Gegensatz dazu lässt die Visualisierung des ABB-Neubaus, wenig Hoffnung auf solche "Highlights" auf der für uns wichtigen Seite hin zur B38. Keine Betonung des Gebäudes hin zur Kreuzung und das einzige "Highlight", das ich maximal erwarte, ist die kleine Fassadenveränderung die man auch auf der Visualisierung sehen kann. Ob die aber reicht, um den monotonen Bau aufzulockern, wage ich zu bezweifeln.

    Lange Rede, kurzer Sinn: Es ist zu begrüßen, dass ABB mit seiner Investition ein positives Bekenntnis zum Standort Mannheim abgibt, und auch wenn der Neubau den Ort aufwertet und dem Ort einen "Blickfang" gibt, wird dieser leider nicht so schön anzusehen sein wie andere "Blickfänger" in der Stadt (aber auch nicht so schrecklich, wie manch ein anderer). Es ist halt ein Standardkasten mit abgerundeten Ecken.

    Mit hochwertigem Fassadenmaterial könnte aus dem Stumpen sicherlich ein ganz ansehnliches Hochhäusle werden, wobei ich da wenig Hoffnung drauf habe, wenn man betrachtet was für architektonische Perlen bisher auf dem Areal entstanden sind. Immerhin versucht man, die ungünstigen Proportionen des Gebäudes ein bisschen mit der "Einkerbung" in der Mitte zu retuschieren. Ich hoffe, dass dies nicht nur in der Visualisierung funktioniert, sondern auch in der Realität.

    Meiner Meinung nach ist die einzig wirkliche Schwäche des neuen Hochhäusles direkt am HBF (Kepler Quartier) , die Unproportioniertheit der Gebäudeseite zu den Gleisen hin. Diese ist für meinen Geschmack zu breit, für die niedrige Höhe. Das stört aber nicht so sehr, da man das Gebäude primär von vorne zu Gesicht bekommt, wo die Proportionen passen.

    Von diesem Neubau wird man ja aber primär die breite Seite sehen und es wäre unvorteilhaft, wenn das Gebäude dann so wirken würde, wie das Hochhaus der Universität in L15.