Brühl / Innenstadtcampus

  • Bei der Brühl-Diskussion letztens meinte ein Teilnehmer, dass man zur Förderung des Gebiets vor allem analog zum Edeka an der Georgstraße in einer anderen Ecke einen Lebensmittelmarkt ansiedeln müsste, dann wäre da Leben und es würde sich bestimmt etwas entwickeln, ohne Lebensmittelmarkt ginge jedenfalls gar nichts. Das halte ich zwar für reichlich überzogen, aber klar ist, dass ein Lebensmittelhändler nicht nur im Wohngebiet sehr wichtig sondern auch für Gewerbe-/Uni-Nutzung sehr praktisch ist und eine Entfernung < 500 m nicht schaden kann.


    Immer wieder stellt sich bei Discountern und Supermärkten die Standortfrage: Die zentralen der Händler orientieren oft krass auf die größerräumige Auto-Erreichbarkeit und „Auto-Laufpublikum“, Hauptverkehrsstraßen sind sehr beliebt, der Markt wird sogar gerne von der Straße aus gesehen hinter den Parkplatz gesetzt. Nun ist es aber so, dass sich Hauptverkehrsstraße und Wohnnutzung tendenziell trennen. Die Frage, wie man eine (wohngebiets-)integrierte Lage mit ausreichender Auto-Erreichbarkeit und Autofreundlichkeits-Erkennbarkeit kombinieren kann – das Ganze auch architektonisch integriert nicht als reiner Flachbau, sondern mit mehretagiger „Zusatznutzung“ – wurde noch nicht oft vernünftig beantwortet.


    Diese zumindest diskussionswürdigen Beispiele fallen mir gerade ein: Beispiel 1 Beispiel 2


    Gestern las ich die Mail auf dem Mobiltelefon und sah die Visualisierungen nicht. Jetzt habe ich sie gesehen und bin erst recht für das Vorhaben.



    Die Stadtverwaltung bringt dagegen die Zentrenplanung mit dem Brühl als D-Zentrum an (siehe Material zur Beschlussvorlage). D-Zentrum-Brühl – das klingt mir nach einer vor ein paar Jahren vorgenommen, vom Brühl-Boulevard-Denken geprägten, herunterstufenden Anpassung an die damalige Realität. Dass heute von einem real existierenden D-Zentrum keine Rede sein kann und der Speer-Masterplan bekanntermaßen in eine andere Richtung geht, sollte bei einem jetzt zu fassenden Beschluss allerdings schon seine Berücksichtigung finden.


    So passend ich es finde, wenn es am Brühl selbst eine gewisse Geschäftstätigkeit gibt, so passend ist auch ein Lebensmittelmarkt an der Straße der Nationen. Und angesichts der Tatsache, dass die von den Eingängen her sogar vom Brühl abgewandte Alte Aktienspinnerei zum D-Zentrum Brühl gehört (weil dort seinerzeit Stadtbibliothek und Puppentheater ansässig waren?), ist es auch kein Problem, die Ecke zur Heinrich-Zille Straße dem D-Zentrum hinzuzufügen.


    Die Sache mit dem D-Zentrum Brühl taugt höchstens als vorgeschobener Pseudo-Grund gegen das Vorhaben. Möglicherweise ist die Stadtverwaltung gegen diese Bebauung, weil der Standort für die Uni vorgesehen ist. … oder weil man die Prinzipien der Planung für dieses Gebiet zwar vermitteln kann, aber selbst nicht verstanden hat? … oder weil die Ämter vergleichsweise unabhängig voneinander arbeiten? Angesichts der unkommentierten doch sehr unterschiedlichen Einzeichnung in dem vorgelegten Dokument (Anlage 3 zum Beschluss, vgl. S. 1 und 3) und der sich im Fluss befindenden Planung für das Gesamtgebiet ist die formalistische Argumentation mit dem Zentrenkonzept jedenfalls höchst merkwürdig.


    Zum evtl. Problem der bspw. im Vergleich zu vierstöckiger Voll-Bebauung geringeren Dichte: Herr Butenop sagte mal, dass an der StraNa reichlich Platz wäre, „am Stück oder geschnitten, ganz wie Sie es haben wollen“. Wenn das nicht übertrieben war, dann ist zunächst auch dieses Engagement kein Problem, sondern ein willkommener erster Neubau.


    Ich meine, dass auf der StraNa nördlich der Georgstraße, aber noch vor der Müllerstraße unbedingt ein Lebensmittler seinen Platz finden sollte. Die Integration ebenerdiger Parkplätze in üblicher Anzahl wird dabei immer schwierig sein. Da hat man sich beim vorliegenden Entwurf schon recht geschickt angestellt.


    Weiß jemand, warum AS&P die neue Parallelstraße zur Heinrich-Zille-Straße genau so angesetzt hat? Das kleinere Gebäude nordöstlich der Aktienspinnerei haben sie eh schon „weggedacht“. Da schiene mir eine Verlängerung der Hermannstraße attraktiver. Sie würde direkt auf die Mitte des Post-Gebäudes treffen.


    Auf der Visualisierung aus Nordrichtung sieht es so aus, als läge die Parkplatzeinfahrt etwa da, wo AS&P die Planstraße hat, vielleicht ist auch die Parkplatzzufahrt über die Planstraße angedacht. Das Grundstück schließt ziemlich genau in Verlängerung der Hermannstraße ab. Anscheinend ist die Bebauung auf der Südseite offen, zur Bestandsbebauung passend, aber der kleinteiligeren Karree-Planung nicht voll entsprechend.


    Der Standort Ecke H.-Lille-Straße darf m. M. n. nur abgelehnt werden, wenn ein Ersatzstandort anderswo an der Straße der Nationen gefunden wird.

  • Ich frage mich, warum man am Edeka Markt an der Georgstraße fest hällt, denn nach den Plänen Speers, sollen dort ja neue Karrees errichtet werden.


    Das ist eine Frage der zeitlichen Perspektive. Aber als Grund gegen einen Markt an der StraNa sehe ich die Existenz des Edeka Thomas an der Georgstraße für weitere 10 oder was weiß ich wie viele Jahre auch nicht.

  • Der Bericht über den gestrigen Antik- und Trödelmarkt enthält auch ein Beispiel für die Schwerfälligkeit der Stadtverwaltung. Das Fazit der Veranstalter lautet "Recht viele Menschen, aber wenig Umsatz". Um den Markt bekannter zu machen, wollte man ihn wöchentlich abhalten. Aber Chemnitz wäre nicht Chemnitz, wenn man in der Gewerbeordnung nicht einen Punkt gefunden hätte, der das natürlich völlig unmöglich macht. Deshalb wird der Markt nur monatlich stattfinden. Dass das vielleicht sogar der bessere Turnus für einen solchen Markt ist, sei dabei mal dahingestellt.

  • Der Bauauschuss hat gestern der geplanten Kaufhalle an der Ecke Straße der Nationen/Zillestraße zugestimmt und gleichzeitig die Aufstellung eines Bebauungsplanes für das Gebiet zwischen Karl-Liebknecht-Straße/Heinrich-Zille-Straße/Straße der Nationen/Richard-Tauber-Straße beschlossen. Petra Wesseler sieht juristischen Klärungsbedarf, weil im Beschluss zur Aufstellung des Bebauungsplans Einzelhandel über 300 m² im Geltungsbereich des Bebauungsplanes ausgeschlossen wird. Dabei scheint sie zu vergessen, dass ja erst nach Abschluss des Verfahrens diese Vorgabe gültig wird. Sich mit dem Investor zusammenzusetzen, um schon vor Abschluss des Bebauungsplanes eine auch später schlüssige Lösung zu finden, wäre aber auch zu viel verlangt (Freie Presse).

  • Ich hatte schon entsprechende Gerüchte gehört, wollte aber auf die offizielle Bestätigung warten: Das Atomino zieht auf den Brühl. Damit haben die Pläne vom Studentenviertel eine ernsthafte Grundlage. Der Club zieht in die Sporthalle der Karl-Liebknecht-Schule, die dadurch frei werdenden Räume am Johannisplatz will die Galerie Borssenanger nutzen. Hintergrund des Umzugs der Galerie sei, dass die bisherigen Räume in der ehemaligen Bezirksapotheke ab 2012 saniert werden, weil der Flachbau zwischen Gesundheitsamt und Markt-Arkaden zu einem Gesundheitszentrum umgebaut werden soll.
    Die seit 2008 leer stehende Karl-Liebknecht-Schule an der Mühlenstraße soll im kommenden Jahr zu einem Musik- und Kreativzentrum umgebaut werden. In das Schulhaus und die benachbarte Sporthalle sollen unter anderem das Bandbüro, Radio T und der Club Atomino einziehen. Zudem werden Probenräume, Tonstudios und Künstlerateliers geschaffen werden. Derzeit gibt es etwa 30 Akteure, die das Projekt vorantreiben. Die Stadtverwaltung unterstützt das Vorhaben und steht in Kontakt mit den Initiatoren, denen drei jahre mietfreie Nutzung zugestanden wird.
    Um das Gebäude als Musik- und Kreativzentrum nutzen zu können, müssen allerdings bauliche Veränderungen vorgenommen werden, zum Beispiel hinsichtlich Schall- und Brandschutz. Je nach Baugenehmigung und Wetter wird das Atomino Ende Februar/ Anfang März wieder öffnen. Ich vermute, man wird sich räumlich dadurch auch vergrößern.


    Freie-Presse-Artikel

  • Das Ganze soll aber zeitlich auf 3 Jahre begrenzt sein. Da zieht man nach den Bauarbeiten ein und kann schon wieder den Auszug planen. Hat es bei Vermietungen am Brühl in den letzten Jahren mit solchen zeitlichen Begrenzungen der Mietverträge und Auflagen bzgl. Brandschutz etc. nicht schon mehrfach Probleme gegeben? Wenn der Weg für das Viertel eh Richtung junges/Studentenviertel gehen soll, dann muss das Haus auch längerfristig zugesagt werden.

  • Die Nachricht zum Abriss des Forums könnte ich genausogut im Innenstadtstrang oder dem allgemeinen Projektethema vermelden: (Link zur Freien Presse):


    Nach dem Umzug des langjährigen Pächters, der Veranstaltungsgesellschaft ETM Forum, ins frühere Luxor-Kino (siehe hier), bereitet der Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB) nunmehr den Abriss des Komplexes vor. Derzeit erfolgt die planerische Vorbereitung zum Rückbau des Veranstaltungszentrums.


    Einen konkreten Zeitplan für den Abriss des Komplexes gibt es indes noch nicht, teilte eine SIB-Sprecherin auf Anfrage der "Freien Presse" mit. Der Grund: Bislang stehe dafür noch kein Geld zur Verfügung. Ebenso wenig existierten konkrete Pläne, wie das Gelände künftig gestaltet werden soll. Allerdings hatte der Freistaat bereits Ende 2009 einen Ideenwettbewerb dazu ausgeschrieben. Dabei ging es vor allem um die damals geplante Ansiedelung eines Justiz- und Behördenzentrums auf dem rückwärtigen Areal des Forums zwischen Brückenstraße, Käthe-Kollwitz-Straße und Straße der Nationen.


    Auch wenn somit mal wieder der Abriss vor der abschließenden Planung der Nachnutzung kommen wird, weine ich dem Forum keine Träne nach und hoffe auf eine Änderung und damit Verbesserung der SIB-Pläne, speziell im Zusammenhang mit den Ideen zum zweiten TU-Campus.

  • Das Sachsen-Fernsehen bringt heute ein Video zum Umzug des Atomino auf den Brühl. Das Interview mit Herrn Kummer, dem Pressesprecher des Clubs, hat mich mehrfach zum Schmunzeln gebracht. Cleverer Mann übrigens, hat er doch seine Söhne dazu gebracht, das Atomino über ihre Band Kraftklub in aller Munde zu bringen. Mit der Kohle aus dem demnächste erscheinenden Nummer-1-Album (?) kann man dann vielleicht auch noch weitere Schallschutzmaßnahmen finanzieren :).

  • Musik- und Kreativzentrum am Brühl

    In Beitrag#65 vom 15.12.2011 verwies lguenth1 auf den Artikel in der


    FP vom 13.12.2011
    Ehemalige Schule am Brühl soll 2012 Kreativzentrum werden
    Club Atomino soll in Sporthalle der Karl-Liebknecht-Schule ziehen
    http://www.freiepresse.de/LOKA…werden-artikel7847577.php


    Die hier beschriebenen Vorhaben gehen demnach aus einer Antwort auf eine Stadtratsanfrage hervor. Die habe ich eben durch Zufall gefunden:


    Fraktion DIE LINKE im Stadtrat Chemnitz
    Sabine Pester, familienpolitische Sprecherin,


    Nutzung der Karl-Liebknecht-Schule am Brühl
    Anfragen der Stadträtin und Antworten der Stadtverwaltung
    http://www.fraktion.dielinke-c…rl-liebknecht-schule.html


    Initiativen und Nutzungen, die das Gebäude zukünftig beleben sollen:
    - Bandbüro Chemnitz
    - Radio T e.V.
    - Atomino e.V.
    - Chemnitzer Bands mit Probenräumen
    - Tonstudios
    - Unternehmen der Kreativwirtschaft
    - Künstler mit Ateliers


    Die Gruppe an Interessierten umfasst dabei bereits etwa 30 Akteure.


    Noch ein klein wenig mehr Infos stehen im 371 Heft 11/12:


    Das Atomino zieht um
    Pläne zu Fakten
    http://www.371stadtmagazin.de/…ems/atomino-zieht-um.html


    Geplant ist die Bespielung der ehemaligen Turnhallen durch das Atomino. Im Sommer soll im Hof ein Freisitz hinzukommen. Während in der kleineren der beiden Turnhallen eine "chic-trashige Bar mit kleiner Bühne" eingerichtet werden wird, soll die andere als Veranstaltungssaal für das „Saturday Night Fever“ und größere Konzerte konzipiert werden.


    Ein paar Wochen vorher stand im gleichen Stadtmagazin bereits dieser Artikel:


    371 Stadtmagazin, Ausgabe 08/11
    Gerüchte & Fakten
    Pläne für ehemalige Brühl-Schule werden konkret
    http://www.371stadtmagazin.de/…ems/geruechte-fakten.html

  • Momentan hat man den Eindruck, als gäbe es durchaus einige kleine Schritte zur Belebung des Brühls. Der nächste ist der Umzug des jüdischen Restaurants "Shalom" von der Carolastraße in die Heinrich-Zille-Straße 15. In der Freien Presse wird das mit einer Verkleinerung zur Steigerung der Gemütlichkeit und ausdrücklich auch mit dem Willen zur Belebung des Brühls begründet, während auf der Webseite des Restaurants auch die "unschönen Dinge" am alten Standort als Grund für den Umzug genannt werden - das Restaurant war regelmäßig Ziel antisemitischer Übergriffe.

  • Da hätte sich die neue Eckbebauung zur Straße der Nationen gut gemacht.
    Am Beginn des Brühls hat sich eine interessante Mischung von Geschäften und Gastronomie etabliert.



    eigene Aufnahme

  • Wohnungsunternehmen fordern Fördermittel

    Kann bitte jemand mit FP-Abo mehr berichten? In dem leider nicht vollständig online gestellten Artikel


    FP, 17.01.2012
    Vermieter fordern neue Anreize für Stadtumbau
    Wohnungsunternehmen drängen auf Förderung von Sanierungsvorhaben
    http://www.freiepresse.de/LOKA…tumbau-artikel7878412.php


    heißt es, die Wohnungsunternehmen können sich an der Entwicklung der Innenstadt, insbesondere des Brühl-Viertels rund um den entstehenden TU-Campus an der Straße der Nationen nur beteiligen, wenn die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen stimmen. Die Übersetzung lautet, sie wollen Fördermittel von EU, Bund, Land und/oder Stadt. Zumindest soll dies aus einem Positionspapier hervorgehen, das die Chemnitzer Wohnungswirtschaft gestern Abend beim traditionellen Empfang im Pumpwerk Eins an der Zschopauer Straße vorgestellt hat.


    PS: Selber suchen läßt finden:


    Neujahrsempfang 2012 der Chemnitzer Wohnungsunternehmen
    http://www.ggg.de/pressemittei…tml?&no_cache=1&tx_ttnews[tt_news]=222&cHash=4e901ec2a795ca76e4289a4c1e5af530


    Positionspapier
    http://www.ggg.de/fileadmin/us…_Neujahrsempfang_2012.pdf

  • Ist das Papier nur frech oder schon unverschämt?

    Nun ja, mit dem Brühl hat das Papier letztlich nicht viel zu tun. Ganz langsam nehmen die Wohnungsunternehmen den Trend zurück in die Stadt zur Kenntnis:


    "Eine aktuelle Studie zu den Zuzügen nach Chemnitz zeigt [:] ... . Der überwiegende Teil der zugezogenen Neu-Chemnitzer sucht Wohnraum in den innerstädtischen Kernbereichen, sprich in der Innenstadt und den sich anschließenden, überwiegend gründerzeitlich geprägten Stadtteilen."


    Zum Innenstadt-Campus der TU Chemnitz mit Zentralbibliothek in der Alten Aktienspinnerei und Brühl und der städtebauliche Planungsstudie von Albert Speer & Partner heißt es:


    "Die derzeitigen Planungen zur stufenweisen Revitalisierung in drei Themengebieten sind visionär und mutig, aber auch extrem anspruchsvoll und nur langfristig und unter Einbezug vieler, starker und verlässlicher Partner realisierbar. Den benötigten langen Atem hätte gegebenenfalls die organisierte Wohnungswirtschaft – allerdings sind dafür umfangreiche projektbezogene Förderungen und gesamtplanerische Ansätze von Nöten."


    Nun haben aber die Unternehmen kaum Anteil an noch Einfluss auf diese Entwicklung, denn:


    "Eines der Grundprobleme im zentralen Gründerzeitgürtel der Stadt, zu dem auch der Brühl zählt, liegt in der schwierigen Eigentümerstruktur. Der überwiegende Teil der Gebäude befindet sich in Privateigentum. Von Seiten der organisierten Wohnungswirtschaft verfügt einzig die GGG über nennenswerte Bestände in diesen innenstadtnahen Althausbereichen. Allein durch das kommunale Wohnungsunternehmen ist diese Mammutaufgabe jedoch nicht zu stemmen – die vielen Privateigentümer bei der zielgerichteten, ganzheitlichen Umsetzung der Planungen auf Kurs zu halten ist anspruchsvoll. Um eine einheitliche, spürbare und zeitlich überschaubare Erneuerung des Stadtteils zu erreichen, muss genau hier der Hebel angesetzt werden."


    Das gipfelt in der farbig ervorgehobenen Forderung:


    "Nur wenn die in den aktuellen Planungsquadraten vorgesehenen Baugrundstücke und Gebäude der organisierten Wohnungswirtschaft zu moderaten und wirtschaftlich sinnvollen Konditionen zur Verfügung gestellt werden können, eine städtebauliche Rahmenplanung vorgeschaltet und unrentierliche Sanierungsaufwendungen durch Förderprogramme aufgefangen werden, ist eine Beteiligung in den notwendigen Dimensionen realisierbar. Nachfolgenden Sanierungsverpflichtungen, einschließlich der Erfordernisse des Denkmalschutzes und der Beachtung von planerischen Leitlinien, stehen die sich engagierenden Unternehmen dann offen gegenüber."


    Angesichts der Entwicklung auf dem Brühl, aber auch auf dem Sonnenberg oder im Lutherviertel klingt das für mich wie die Forderung, nun endlich den Bock zum Obergärtner mit umfassenden Vollmachten zu erheben. Während die privaten Eigentümer immer wieder auch saniert haben - nicht alle, aber viele - hat speziell die GGG ihre Bestände systematisch leergezogen, dadurch und durch den weitgehenden Verzicht auf bestandserhaltene Maßnahmen runtergerockt und Häuser in Größenordnungen abgerissen. Nun realisiert man endlich, dass sich die Nachfrage ändert - und fordert gleichzeitig Fördermittel, um die eigenen Fehler korrigieren zu können.


    Gleichzeitig sollen, um den Umorientierung der GGG auf die Gründerzeitbestände finanzieren zu können, auch die nachlassende Nachfrage im industriellen Wohnungsbau mit Fördermitteln aufgefangen werden:


    "Die grundlegende Basis für ein Engagement in innerstädtischen Lagen bilden gesunde Kernbestände. Der größte Teil der historisch gewachsenen Bestände der organisierten Wohnungswirtschaft liegt außerhalb der Innenstadt. Es sind stabile und beliebte Wohnlagen mit einem hohen Modernisierungsgrad. Diese bilden den wirtschaftlichen Hintergrund für praktisch alle Investitionsentscheidungen der näheren Zukunft und müssen daher ebenfalls erhalten und weiterentwickelt werden. Beispiele für diese
    hauptsächlich ab Ende der 1950er Jahre erbauten Quartiere sind das Flemminggebiet, Helbersdorf, das Yorckgebiet oder Markersdorf."


    Die Logik erschließt sich mir nicht wirklich. Eingangs wird festgestellt, dass von den hier organisierten Wohnungsunternehmen einzig die GGG über nennenswerte Bestände in den innenstadtnahen Gründerzeitvierteln verfügt. Das hat natürlich vor allem historische Gründe, aber in den letzten zwanzig Jahren haben sich alle bei Neuerwerb und Sanierungen deutlich auf die Bestände im Bereich des industriellen Wohnungsbaus konzentriert und die Gründerzeit als außerhalb ihres Geschäftsfeld liegend betrachtet bzw. durch Verkauf speziell durch die GGG die nun bemängelte Eigentümerlandschaft erst mit geschaffen.


    Mein Fazit lautet: Die GGG stellt fest, dass sie aufs falsche Pferd gesetzt hat. Das nötige Umsatteln soll nun mit Fördermitteln ermöglicht oder zumindest doch erleichtert werden und zugleich sollen die halbtoten Ackergäule mit Hafer aus anderen Scheunen wiederhochgepäppelt werden.

  • Am Ende des Papiers eine erfreuliche Ankündigung - oder eher eine Drohung?


    Projekte GGG


    Studentisches Wohnen am Brühl
    Nachdem im Jahr 2011 bereits die beiden Gebäude Brühl 24 und Georgstraße 20 saniert und speziell auf die Wohnwünsche von Studenten und Azubis ausgerichtet wurden, gehen die Sanierungsarbeiten in 2012 in vier weiteren Gebäuden weiter.


  • [Papier einiger großer Wohnungsunternehmen]


    "Nur wenn die in den aktuellen Planungsquadraten vorgesehenen Baugrundstücke und Gebäude der organisierten Wohnungswirtschaft zu moderaten und wirtschaftlich sinnvollen Konditionen zur Verfügung gestellt werden können, eine städtebauliche Rahmenplanung vorgeschaltet und unrentierliche Sanierungsaufwendungen durch Förderprogramme aufgefangen werden, ist eine Beteiligung in den notwendigen Dimensionen realisierbar. Nachfolgenden Sanierungsverpflichtungen, einschließlich der Erfordernisse des Denkmalschutzes und der Beachtung von planerischen Leitlinien, stehen die sich engagierenden Unternehmen dann offen gegenüber."


    Da hab ich mich auch gewundert. Der erste Satz ist missverständlich – da rätselte ich noch, ob es um den gängigen Verkauf durch oder den Verkauf an die „organisierte Wohnungswirtschaft“ (o. W.) geht.


    Hm, erst versuchen sie stets zu verkaufen (nicht immer zu „moderaten und wirtschaftlich sinnvollen Konditionen“) … jetzt sagen sie, dass eine Wiederbelebung nur durch die o. W. als führende Kraft möglich sei (lächerlich!), und stellen gleichzeitig fest, dass es unrentabel sei und sie deshalb Förderung brauchen?! Hochmut kommt vor dem Fall.


    Gleichzeitig sollen, um den Umorientierung der GGG auf die Gründerzeitbestände finanzieren zu können, auch die nachlassende Nachfrage im industriellen Wohnungsbau mit Fördermitteln aufgefangen werden:


    "Die grundlegende Basis für ein Engagement in innerstädtischen Lagen bilden gesunde Kernbestände. Der größte Teil der historisch gewachsenen Bestände der organisierten Wohnungswirtschaft liegt außerhalb der Innenstadt. Es sind stabile und beliebte Wohnlagen mit einem hohen Modernisierungsgrad. Diese bilden den wirtschaftlichen Hintergrund für praktisch alle Investitionsentscheidungen der näheren Zukunft und müssen daher ebenfalls erhalten und weiterentwickelt werden. Beispiele für diese
    hauptsächlich ab Ende der 1950er Jahre erbauten Quartiere sind das Flemminggebiet, Helbersdorf, das Yorckgebiet oder Markersdorf."


    Jetzt hackt’s wirklich: Damit der sogenannte „Kernbestand“ weiterhin zumindest potentiell als Grundlage für Engagement an anderen Stellen, wo es stadtentwicklungspolitisch gewünscht ist, dienen kann, bedarf es dessen Erhalts durch öffentliche Förderung?! Insgesamt lese ich aus dem Papier den Wunsch nach staatlicher Bevorzugung der o. W. ggü. anderen Akteuren und nach staatlicher Förderung vorne, hinten, oben, unten … überall.

  • Es ist ja nicht verkehrt, exorbitante Fördermittel zu verlangen. Dass es die nicht geben wird, sollte klar sein. Dann wird man sich mit realistischeren Plänen beschäftigen müssen...


    Zum weiteren Brühl noch die Information, dass erst im Dezember 2012 durch die Stadt entschieden werden soll, ob der an der Ecke Heinrich-Zille-Straße / Straße der Nationen beantragte Bau eines Lebensmittelmarktes errichtet werden darf. Bis dahin soll offensichtlich der Bebauungsplan fertig sein.

  • Zukunft des Chemnitzer Brühls

    SF, 17. Januar 2012 15:40
    Zukunft des Chemnitzer Brühls
    http://www.sachsen-fernsehen.d…?ID=1095&showNews=1100841


    Am kommenden Dienstag, 24. Januar, findet 17 Uhr das nächste Treffen der „Bürgerplattform Brühl“ im alten Heizhaus der TU Chemnitz an der Straße der Nationen statt. Dabei sollen neue Konzepte des Architekturbüros „Speer und Partner“ vorgestellt werden und der Versorger „eins“ sein Energiekonzept für das Wohngebiet präsentieren. Außerdem möchte sich die Stadt mit dem Brühl für ein Förderprogramm für innenstadtnahe Stadtteilzentren bewerben. Zuvor soll bei der Bürgerplattform diskutiert werden, welche städtebaulichen Maßnahmen gefördert werden sollten.


    Über einen Bericht von der Veranstaltung würde sicherlich nicht nur ich erfreut sein.

  • Es ist ja nicht verkehrt, exorbitante Fördermittel zu verlangen. Dass es die nicht geben wird, sollte klar sein. Dann wird man sich mit realistischeren Plänen beschäftigen müssen...


    Natürlich kann jedermann irgendwas fordern. Das Papier der Wohnungsunternehmen finde ich trotzdem ziemlich dreist.


    Zum weiteren Brühl noch die Information, dass erst im Dezember 2012 durch die Stadt entschieden werden soll, ob der an der Ecke Heinrich-Zille-Straße / Straße der Nationen beantragte Bau eines Lebensmittelmarktes errichtet werden darf. Bis dahin soll offensichtlich der Bebauungsplan fertig sein.


    Schön, dann kann man ja beim Aufstellen des Bebauungsplans auch an solche Möglichkeiten denken. Für mich gehören nicht nur in den Innenbereich Geschäfte, sondern auch an den Hauptstraßen haben sie aus meiner Sicht ihren Platz. Speziell ein Lebensmittelmarkt an der Straße der Nationen passt wie die Faust aufs Auge, finde ich, ist nur nicht so destruktiv.

  • Generalplan für den Brühl

    Bereits heute nacht erschien ein ausfuehrlicherer Artikel in der online-Ausgabe der FP zum gestrigen Treffen der „Bürgerplattform Brühl“:


    Chemnitz stellt Masterplan für den Brühl vor
    Wiederbelebung dauert nach Einschätzung der Stadt bis zu 25 Jahre
    http://www.freiepresse.de/LOKA…hl-vor-artikel7885741.php


    Die "Auswahl der wichtigsten Ideen und Planungsansätze, die in den nächsten 5 bis 25 Jahren schrittweise umgesetzt werden sollen", wird hoffentlich in den naechsten Tagen auf diversen Websites der Stadt, des Planungsbüro Albert Speer & Partner (Frankfurt/Main) und anderer Beteiligter erscheinen. Ueberwiegend sind sie ja auch schon bekannt und wurden hier bereits diskutiert.


    Ich habe nur mal auf die Schnelle die nun veroeffentlichte Grafik mit der ersten Version der Planungsstudie vom Herbst letzten Jahres verglichen ( http://www.deutsches-architekt…d.php?p=315186#post315186 ). Mein Eindruck ist, dass die hier auch schon kritisierten Abbrüche leerstehender, z.T. denkmalgeschützter Gründerzeithäuser zurückgenommen worden sind, insbesondere an der Ecke Mühlenstraße/Hermannstraße und Brühl/Untere Aktienstraße. Ansonsten scheint der Neubau auf Lückenschlüsse beschraenkt zu sein, abgesehen von der Schließung der Karrees zwischen Georg- und Müllerstraße an der Stelle der heutigen Punkthochhäuser.


    Leider ist die neue öffentlichen Verbindung in der Verlängerung der Heinrich-Zille-Straße mit begleitenden Neubauten immer noch Bestandteil des Planes.


    Fuer voellig absurd halte ich dagegen den Ansatz der Planer, dass eine begrenzte Befahrbarkeit der jetzt verkehrsberuhigten Zone für eine Belebung unverzichtbar sei. Sowohl im Wohnviertel am nördlichen Ende sowie entlang der Gaststätten- und Ladenzeilen am südlichen Ende des Boulevards sollen wieder Autos fahren. Lediglich nahe der Quartiersmitte an der Luxemburgschule soll der Boulevard für Durchgangsverkehr gesperrt bleiben.

  • Brühl


    Leider ist die neue öffentlichen Verbindung in der Verlängerung der Heinrich-Zille-Straße mit begleitenden Neubauten immer noch Bestandteil des Planes.


    Dabei sieht eines der betroffenen Häuser ziemlich saniert aus. Ich habe den Eindruck, dass es zum Selbstverständnis der Planer gehört, Möglichkeiten für zeitgenössisch Neubauten zu schaffen. Es wäre aber schon bemerkenswert, wenn die jetzigen Brachflächen bebaut werden würden.


    Fuer voellig absurd halte ich dagegen den Ansatz der Planer, dass eine begrenzte Befahrbarkeit der jetzt verkehrsberuhigten Zone für eine Belebung unverzichtbar sei.


    Auch mir schien das zunächst absurd. Ausgangspunkt ist aber, dass zu DDR-Zeiten die Erschließung in die Innenhöfe verlegt wurde (erinnert mich an das Projekt Visitenkarte in Ludwigshafen) – also außen Öffentlichkeit und innen Autoverkehr und die Hauseingänge. Der Speer-Plan sieht vor, dass das im Sinne klassischen Block-Struktur („städtebauliches Erfolgsmodell“) zurückgewandelt wird.


    Ergänzung: Interessante Entwicklung in Ludwigshafen – Aufhebung einer Fußgängerzone.