Greater Rhein-Main-Neckar

  • Greater Rhein-Main-Neckar

    Ich habe mir schon öfter mal überlegt, dass es irgendwann wohl nötig sein wird, eine neue Verwaltungsebene oberhalb der 3 bestehenden Metropolregionen Rhein-Main, Rhein-Neckar und Stuttgart und der Teechnologieregion Karlsruhe einzuführen. Zwingend wird das wohl irgendwann in Sachen Verkehrsplanung und Raumordnung allgemein. Zumindest für Rhein-Main und Rhein-Neckar wird das auch bereits diskutiert.


    Aktiv wünschenswert wäre das vor allem für die Wahrnehmung der kulturellen und touristischen Fülle, zunächst für die knapp 15 Millionen Einwohner selbst. Diese sind zwar über einen relativ großen Raum verteilt, werden aber über die guten Verkehrsbeziehungen sehr gut miteinander verbunden, vor allem wenn man sie mit den zeitlich sehr aufwändigen Wegebeziehungen in dichten Großstädten vergleicht.


    Was diese neue "Megastadt" besonders reizvoll macht, ist die prägnante städtebauliche Struktur, in den gut lesbaren Stadtgrundrissen der Großstädte in der Region anfängt, sich über die perforierte Struktur der Zwischenstadt fortsetzt und bis zu den sehr prägnanten Landschaftsräumen Rheinebene, Maintal, Neckartal und Stuttgarter Kessel reicht. Sie wäre mit über 15 Millionen Einwohner einer der größten Ballungsräume in Europa, irgendwann kann man auch noch Straßburg, das Saarland und Luxemburg-Metz-Nancy dazuholen. Aus der internen Perspektive klingt das absurd, wirft man einen Blick auf die Europakarte bei Nacht und vergleicht das Ganze mit sehr dünn besiedelten Regionen, macht das in meinen Augen durchaus Sinn.




    Als "Zentrum" der Zusammenarbeit könnte sich die Metropolregion Rhein-Neckar etablieren, die dank ihrer kooperativen internen Zusammenarbeit als Modellregion für kooperativen Förderalismus.

  • In deinem zweiten Bild hast du aber jeweils gut die Hälfte der Eigendefinitionen der Metropolregionen Rhein-Main und Stuttgart abgeschnitten ;)


    Wie kommst du übrigens auf "über 15 Millionen Einwohner"? Die vier genannten Regionen haben nach den üblichen weitestgehenden Definitionen zusammen rund 13.871.000 Einwohner auf 36.816 km². Selbst wenn man die Westpfalz mit reinnimmt, sinds 14.304.000 Einwohner auf 39.901 km².


    Zum Größenvergleich: die Niederlande mit 41.528 km² sind mit 16,5 Millionen dichter besiedelt.


    Zuerst mal wären da eh klare Abgrenzungen zu schaffen. Der "Kooperationsraum Metropolregion Stuttgart" erstreckt sich ernsthaft auf halb Baden-Württemberg, nach dem Prinzip "alles was nördlich der Alb liegt und nicht zu Rhein-Neckar-Karlsruhe oder Ulm gehört". Die Metropolregion Rhein-Main hat noch nicht mal eine rechtsgültige Definition ihres Gebiets. Die Metropolregion Rhein-Neckar hält im Gegensatz zu den anderen beiden einen Großteil ihres "ländlichen Raums" (die Westpfalz, d.h. Raum Kaiserslautern) außerhalb ihres rechtlichen Gebiets. Und die Technologieregion Karlsruhe ist eine wirre Kooperation eines Planungsverbands mit seinen Landkreisen, einer Teilmenge der darin enthaltenen Kommunen und einem Landkreis, der wiederum zur MRN gehört.


    ---


    Mit ein paar "Gebietsbereinigungen" (etwa: Main-Tauber und Pforzheim an MRN) verteilt sich das übrigens relativ gleichmäßig auf 3 eher geschlossene Gebiete mit je 13.000-13.500 km² und je 4,4 bis 5,1 Millionen Einwohnern. Wobei sich die Bevölkerung auch zu je etwa einem Drittel auf die Städte >50.000 Einwohnern (4,4 Millionen), deren Umland sowie den ländlichen Raum verteilt.


    Der von dir vorgeschlagene Erweiterungsraum umfasst nochmal zwei solche Gebiete mit zusammen 24.431 km², allerdings nur 5 Millionen Einwohnern (kommt drauf an, wieviel man von Frankreich reinnimmt, bei der Zahl die Departements 52/57/67 komplett). Vor allem im Raum Metz/Nancy wirds eher dünn.

  • Hast du bei deiner Bevölkerungszählung die Technologieregion Karlsruhe mit drin?


    Geht ja nicht darum, dass die Städte in den nächsten 20 Jahren zusammenwachsen, sondern einen Rahmen zu schaffen, indem der eh schon vollzogene erweiterte alltägliche Erfahrungsraum des Einzelnen besser organisiert werden kann. Von Karlsruhe aus bedient man sich selbstverständlich in Stuttgart und Rhein-Neckar, eben gerade bei kulturellen Veranstaltungen. Ich kenne Leute die von hier aus mal so zum Mittagessen nach Frankfurt fahren . Es geht ja eher darum, einen Prozess einzuleiten, der der Region ihre überwältigende Fülle klar macht. Die Perspektive aus Stuttgart und Frankfurt ist demgegenüber wohl eher als autistisch einzustufen, definieren die sich doch eher als zentralistische polyzentrale Regionen. Deswegen könnte so ein Prozess auch gut, durchaus erst mal nicht institutionell, von Rhein-Neckar eingeleitet werden, z.B. im Zusammenhang für die Kulturhauptstadt 2020, bei der ja sowieso innovative Konzepte für regionale Zusammenarbeit gesucht werden.


    Sachen wie http://www.godelta.de sind ja erste Ansätze und Anzeichen, dass sowas bei Bedarf von selbst langsam zusammenwächst.


    Und auch beim Thema Verkehr gibt es 4 S-Bahn-Systeme die langsam zusammenwachsen. Da könnte man noch ein komplettes Sprinter-S-Bahn-System drübersetzen, (abgesehen von Streckenkapazitäten) das von Frankfurt bis nach Stuttgart reicht und an das sich die unteren Ebenen, normale S-Bahn, Stadtbahn (AVG, OEG) Straßenbahnen anheften.

  • Hast du bei deiner Bevölkerungszählung die Technologieregion Karlsruhe mit drin?


    Ja, ist drin. Allerdings zähle ich natürlich Überschneidungsgebiete nicht doppelt.


    Nach offiziellen Planungsregionen:


    > 1.200.000 Ew
    - RP Südhessen* : 6725 km² / 3.515.224 Ew
    - Region Stuttgart : 3654 km² / 2.674.527 Ew
    - VR Rhein-Neckar : 5638 km² / 2.363.693 Ew


    > 600.000 Ew
    - Region Mittlerer Oberrhein* : 2137 km² / 999.493 Ew
    - Region Heilbronn-Franken : 4765 km² / 886.504 Ew
    - RP Mittelhessen* : 4118 km² / 801.949 Ew
    - Region Neckar-Alb : 2531 km² / 690.987 Ew


    > 300.000 Ew
    - Region Nordschwarzwald : 2339 km² / 597.812 Ew
    - PR Rheinhessen* : 1292 km² / 524.277 Ew
    - Region Ostwürttemberg : 2139 km² / 446.349 Ew
    (- PG Westpfalz : 3085 km² / 433.356 Ew)
    - PR Bayerischer Untermain : 1478 km² / 372.102 Ew


    *(Mittelhessen: ohne LK Marburg-Biedenkopf, nicht in MR Rhein-Main)
    *(Südhessen: ohne LK Bergstraße, zu VRRN)
    *(Rheinhessen: ohne SK Worms, zu VRRN)
    *(Mittlerer Oberrhein: entspricht TRK ohne Südpfalz, zu VRRN)


    Geht ja nicht darum, dass die Städte in den nächsten 20 Jahren zusammenwachsen, sondern einen Rahmen zu schaffen, indem der eh schon vollzogene erweiterte alltägliche Erfahrungsraum besser organisiert werden kann.


    Sicher, ich seh diese "Zentralachse" ja auch. Aus Rhein-Neckar-Sicht halt eher Frankfurt und Stuttgart, eher weniger Karlsruhe ;)


    Die Frage bei so was muß aber von vornherein sein: Woher käme das?


    In Baden-Württemberg kommt nämlich die "Metropolbewegung" eher von der Kommunal- und Kreisebene und wird dann an die Landesregierung(en) herangetragen, während zum Vergleich in Hessen die Planungshoheit grundsätzlich pseudo-parlamentarisch zentralistisch von oben ausgeübt wird (was ein ziemlich heißes Thema ist, siehe Ballungsraumgesetz und dergleichen).
    Um den direkten Vergleich zu ziehen, wäre in Hessen die TRK schon längst in die MRN eingegliedert, und jegliche Regionalplanung für Nordbaden säße sowieso in Karlsruhe im RP. Und sowas wie in der Metropolregion Stuttgart, die gemeindescharf definiert ist (Kerngebiet, Randgebiet, Ländlicher Raum etc) wäre in Hessen unmöglich.


    Sachen wie http://www.godelta.de sind ja erse Ansätze und Zeichen, dass sowas bei Bedarf von selbst langsam zusammenwächst.


    Der gute alte Meier... der interessanterweise den Begriff "Delta" in Rhein-Neckar auch alle paar Jahre erweitert. Zur Zeit isses halt das Delta, das der MRN entspricht. Vor fünf Jahren wars der MRN-Kernraum, vor zehn Jahren das Dreieck HD/MA/LU, vor zwanzig Jahren das OEG-Strecken-Dreieck. :D

  • Zum Thema Metropolregion Rhein-Neckar - und Technologiestandort Karlsruhe... Gibt oder gab es nicht sowieso die Überlegegung die TSK an die MRN anzugliedern?

  • Ja, gibt es. Es gibt Rahmenplanungen für eine "Europäische Metropolregion" am Oberrhein, die die MRN, TRK, den Raum Strasbourg und langfristig evtl. noch Basel einschließt.

  • Soweit ich weiß ja, ich weiß aber nicht wie das mit den Überlgungen einer deutsch-französisch-schweizerischen Metropolregion Basel - Freiburg - Straßburg - Karlsruhe konkurriert. In diesem Raum sehe ich jetzt noch keine derartige Vernetzung, dass man von Basel locker mal nach Straßburg fährt, ich weiß es aber ehrlich gesagt einfach nicht. Von daher würde ich mal vermuten, dass diese Metropolregion eher europapolitisch motiviert ist um eine grundsätzlich engere Zusammenarbeit der europäischen Länder auf Regionalebene voranzutreiben.


    Ganz im Gegensatz zur Bildung der Metropolregion Rhein-Neckar, wo es einfach notwändig war, dem schon vorhandenen sehr eng verflochtenen System, das sich über 3 Bundesländer erstreckt, einen offiziellen Rahmen zu geben.

  • Ok, du sagst es. das wird halt langsam verwirrend. Wie gesagt, wurde ja auch überlegt, Rhein-Main und Rhein-Neckar "zusammenzulegen". Und systemisch sehe ich eher Frankfurt - Mannheim - Kalsruhe -Stuttgart als Basel - Frankfurt einheitlch, obwohl der Landschaftsraum Rheinebene das andere Modell nahelegt.

  • MRN und TRK kann man noch verstehen, wenn ich aber an Basel und ggfl. Straßburg, wird das dann nicht wie zu groß.
    Evtl. liegt das aber nur an meiner Einschätzung.

  • Ganz im Gegensatz zur Bildung der Metropolregion Rhein-Neckar, wo es einfach notwändig war, dem schon vorhandenen sehr eng verflochtenen System, das sich über 3 Bundesländer erstreckt, einen offiziellen Rahmen zu geben.


    Nicht vergessen: Die Metropolregion Rhein-Neckar gibts erst seit 3 Jahren. Die enge Verflechtung auch über Mannheim/Ludwigshafen hinaus ist aber schon seit den 60ern im Gange, und hat als Ballungsraum inoffiziell seit den 70ern einen (nicht länderübergreifenden) Rahmen.


    In der Verkehrsplanung ist die enge Verflechtung z.T. schon seit den 50ern vorhanden, das S-Bahn-Netz war (so übergreifend wie in den 90ern dann durchgeplant) schon in den 70ern vorgesehen.


    Zur Verflechtung MRN/TRK:


    Seit letztem Juni treten MRN und TRK extern nur noch "gemeinschaftlich" auf, d.h. mit gemeinsamen Ständen etc. Soweit ich weiß, war die Expo Real 09 die letzte größere Messe, auf der die MRN allein auftreten sollte. Eine Verflechtung vor allem auf der Dienstleistungsebene beider Verbände (vom Verband geleistete Dienstleistungen z.B. für Gewerbetreibende) ist ab nächstem Jahr vorgesehen.


    Zur Erweiterung nach Süden:


    Das ist was, was wohl von Karlsruhe gepusht wird. Stammt aus der "Region Pamina", einer Touristikinitiative dieses Gebietes (gesamter Oberrhein), zu dem die MRN als Verband, und auch als Gebiet großteils, nicht gehört. Meiner Meinung ist das reine Beschwichtigung in Stuttgart (gegenüber Karlsruhe), um die Integration der TRK als "Juniorpartner" in die MRN voranzubringen.


    Strasbourg (und die Ortenau) könnte ich persönlich mir mittel- bis langfristig durchaus in einem solchen MRN/TRK-Konstrukt vorstellen, es wird ja auch heftig an der Verbesserung der Verkehrsanknüpfung in die Richtung gearbeitet.


  • Strasbourg (und die Ortenau) könnte ich persönlich mir mittel- bis langfristig durchaus in einem solchen MRN/TRK-Konstrukt vorstellen, es wird ja auch heftig an der Verbesserung der Verkehrsanknüpfung in die Richtung gearbeitet.


    Auch auf Nahverkehrsebene? Die Stadtbahn Karlsruhe schaffts nicht so ganz Richtung Westen, irgendwann kann man mit der Stadtbahn bis nach Prag fahren und nach Landau zockeln immer noch die Dieselloks.

  • Die MRN umfasst ja auch soweit das frühere Gebiet der Kurpfalz. Das kommt ja zu der engen Verflechtung der Region noch hinzu*


    Genau das meine ich ja: Hier war die Verflechtung schon immer da. Ich glaube nicht, dass das bei der Paminaregion der Fall ist.

  • Auch auf Nahverkehrsebene? Die Stadtbahn Karlsruhe schaffts nicht so ganz Richtung Westen, irgendwann kann man mit der Stadtbahn bis nach Prag fahren und nach Landau zockeln immer noch die Dieselloks.


    Im Rhein-Neckar-Takt 2020 sind schon mal zweistündliche Regionalexpresse Mannheim - Strasbourg, vorerst ab Germersheim, vorgesehen. Auf der linken Rheinseite über Lauterbourg, also an Karlsruhe vorbei. Und zwischen Neustadt und Strasbourg (über Wissembourg) sollen auch ein paar REs fahren.


    Wenns nach Rheinland-Pfalz geht, dürfte es mittel- bis langfristig darauf hinauslaufen, daß der RE4 (Mainz-Germersheim-Karlsruhe) irgendwann mindestens zweistündlich bis Strasbourg fährt. Und das nicht unbedingt über Karlsruhe, sondern nur mit Halt in Wörth.


    Die Ortenau hat ihr eigenes Regionalnetz ("Ortenau-S-Bahn", mit Dieseltriebwagen). Die fährt auch nach Strasbourg, zwischen Offenburg und Strasbourg fahren OSB und SNCF insgesamt grob im Halbstundentakt.


    Die MRN umfasst ja auch soweit das frühere Gebiet der Kurpfalz. Das kommt ja zu der engen Verflechtung der Region noch hinzu*


    Plus die Gebiete der Bistümer Speyer und Worms und teilweise Mainz. Da gibts durchaus lokal nen Unterschied zur Kurpfalz. :D

  • Daher ja auch nur "soweit" ;) und auch wenn die Städte Worms und Speyer sich nicht mit der historischen Kurpfalz identifizieren - sind sie jetzt aber Teil der MRN. Darum ging es mir ja aber nicht, ich wollte lediglich einbringen das die enge Verflechtung ja teilweise auch schon ihre Wurzeln in der ehemaligen Kurpfalz hatte.
    Wobei ich Wormser kenne die sich als Kurpfälzer bezeichen *lach

  • Eine weitere Verflechtung der MRN ist wünschenswert, ob ein Zusammenschluss der TRK und der MRN nur positiv zu sehen ist, bezweifel ich aber wenn ich ehrlich sein soll.

  • Ich seh einen Zusammenschluß MRN und TRK gar nicht als so übel.


    Gerade in Hinsicht Zusammenarbeit beim Verkehr - ein Zusammenschluß von VRN und KVV ist langsam überfällig. Ich hab letztes Jahr in ner Firma in Heidelberg gearbeitet, in der über die Hälfte der Belegschaft täglich aus dem Landkreis Karlsruhe einpendelte.

  • ich habe auch Kollegen die täglich aus KA nach MA zur Arbeit pendeln. Mit dem Auto, so gesehen ist eine engere Verknüpfung wünschenswert.


    Wobei gegen eine allgemeine weitere Verflechtung hab eich ja nichts, wir hatten ja auch schon mal eine Unterhaltung über den Zusammenschluss der ganzen kleineren Orte etc. was denke ich gerade jetzt in Zeiten der "Finanzkrise" vielleicht weiter verfolgt werden soll. Immerhin spricht nichts gegen einen Städtezusammenschluss, wenn man dadurch Geld sparen kann, das den Haushalten der meisten Gemeinden ja fehlt.