Stadthalle (gescheitert)

  • Stadthalle (gescheitert)

    - Stadthalle soll durch Neubau erweitert werden
    - Anbau mit 3.600 m² erweitert Konferenzzentrum auf 6.000 m² (zum Vergleich: Rosengarten 22.000 m²)


    - Kostenrahmen 23 Millionen Euro
    - Wettbewerbsverfahren mit über 100 Teilnehmern
    - gezielte Auswahl eines zurückhaltenden Entwurfs, man will ausdrücklich "kein UFO".
    - Siegerentwurf vom Büro Karl + Probst, München
    - Siegerentwurf: "Sandstein-Säulenhalle" (RNZ)
    - Bauzeit grob 2012-2014



    Quelle: Karl+Probst


    Dem örtlichen Käseblatt ist der Entwurf viel zu banal, und man fühlt sich als Kommentar an Speer-Bauten erinnert.

  • Dem örtlichen Käseblatt ist der Entwurf viel zu banal, und man fühlt sich als Kommentar an Speer-Bauten erinnert.


    Schön klassisch. Mir gefällt´s. Paßt farblich und wirkt angenehm elegant. Sandstein läßt ebenfalls hoffen.

  • Wenn ich mir das Teil so anschaue, habe ich das Gefühl, wir seien architektonisch endgültig in einer Sackgasse angekommen. Wie schon beim Berliner Stadtschloss gebe ich zu, dass die anderen Entwürfe weitaus weniger gelungen sind. Der 1. Platz ist aber meiner Meinung nach lediglich der am wenigsten schlechte Entwurf. Ich finde ich das völllig beliebig. Chipperfield für Arme. Die einzigen architektonischen Aussagen, die wir uns noch zutrauen, sind Zurückhaltung und Banalität. Das ist in meinen Augen das reaktionärste was es geben kann. In Architektur gegossene Wesentlichkeit. Die Architekten sollten lieber Zazen machen. Wo sind die raffinierten Kompositionen? Die Gliederungen? Das Feingefühl? Das menschliche Maß? Gibts wohl nicht mehr...Stattdessen freuen sich Käffer wie Heidelberg endlich auch so einen tollen Chipperfield-Entwurf ihr eigen nennen zu können. Schade...


    Und dann immer diese lächerlichen Verabsolutierungen...Als ob so ein Teil die einzige Möglichkeit wäre, kein Ufo zu bauen. Aber wo sprachliches Feingefühl fehlt, kann man wohl erst recht kein architektonisches erwarten.

  • In der RNZ waren heute auch Leserbriefe dazu. Da war alles dabei von "oh gott und dafür reißen wir ein Haus* ein" über "DDR-Protz-Bau" und Plattenbau-Allüren bis "wir brauchen was mutiges mit grooooßer Glasfront zum Neckar".


    Naja. Mir gefällt der gewählte Entwurf durchaus auch. Auch wenn ich so langsam keinen roten Sandstein mehr sehen kann, zumal das ja dann schön zwischen roter Sandstein-Stadthalle und (irgendwann mal) rotem Sandstein-Marstall eingerahmt ist...


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    *- Baujahr Ende 70er

  • Ich kann Jaro_E nur beipflichten. Mal abgesehen davon, dass Heidelberg kein Kaff ist :) (ist es echt nicht, mag sein dass es klein und beschaulich ist, aber von Weltrang, das musste mal gesagt werden^^)


    Jedenfalls finde ich ebenfalls, dass dieses Gebäude der reinste Schandfleck ist. Ich meine, die schöne Stadthalle wird davon völlig verdrängt und wenn man sich vorstellt auf einem Boot an diesem Wuchtbau vorbei zu schippern, dann wird einem ganz schwindlig vom Zählen der immer gleichen Säulen.


    Ich kann diese riesigen Flächen und übergroßen, nüchternen Bauten einfach nicht mehr sehen, schon gar nicht, wenn man sie an so eine Stelle haut. Kennt jemand diese Uferstelle? Der Neckar ist nicht so breit, da ist nicht viel Platz, die Stadt selbst hat an der Stelle (und auf dieser Seite vom Neckar) nur eine Breite von etwa 400 - 500 Metern. Was soll denn dann so ein eintöniges Ungetüm. Da hilft auch kein Sandstein :nono:


    Mit dem Berliner Stadtschloss ist es übrigens dasselbe. Als ich mir zum ersten Mal die Renderings angeschaut hab und schließlich bei der "Wasserseite" gelandet bin, dachte ich zu erst, das ist ein Grafikfehler :lach:


    Grüße!

  • Die Größe täuscht vielleicht etwas, so groß ist der Neubau überhaupt nicht. Die Stadthalle selbst ist ja auch eigentlich eher winzig.



    Quelle: Stadt Heidelberg


    Der Neubau soll links der Stadthalle (bei den braunen Baumkronen) bis kurz vor das weiße Quergebäude links führen, mit etwas Abstand zur Stadthalle. Der braune Gebäudekomplex, der sich da zwischen den Bäumen versteckt (Baujahr Mitte 70er), wird abgerissen.
    Der Raum vor beiden Gebäuden mit dem Schiffsanleger soll mit dem Neckarufertunnel neu geordnet und teilweise etwas verbreitert werden. Die Bäume vor der Stadthalle zum Neckar sollen dabei verschwinden, vor dem Neubau ist im Gegensatz zum Rendering hier im Siegerentwurf Uferpromenade übrigens noch eine verdeckende Baumreihe vorgesehen.



    P.S.: Nach dem Entwurf Uferpromenade sollte die Straße auf der Oberfläche an sich zum Neckar hin weg, es sollte stattdessen wohl die Straße nördlich der Stadthalle in beiden Richtungen für den reduzierten Verkehr genutzt werden. Ob das wirklich so möglich ist, ist etwas fraglich. Bei einem Wegfall der Straße zwischen Stadthalle/Neubau und Neckar entsteht hier ein gut 20 Meter breiter Platz zum Neckar hin auf zwei Ebenen mit dem Schiffsanleger unten.

  • Hey, natürlich ist Heidelberg kein Kaff, sondern die kleinste Weltstadt der Welt....Das bezog sich eher darauf, dass in solchen Städten in Sachen Architektur oftmals der gängigen Mode hinterhermarschiert wird. Und das Ding ist modisch, genauso wie einige andere Wettbewerbsbeiträge. Kiste + Trandfassade, das wars.


    Bleibt der Garten östlich der Stadthalle erhalten?

  • Da die RNZ jetzt ja jeden Tag einen neuen Entwurf in der Reihenfolge des Abschneidens vorstellt, und ich mir noch nicht im Rathaus alle angesehen habe... ich kann nur sagen besser das gewählte als den 2., 3., 4. Entwurf. Da sind Sachen dabei, die absolut nicht in die Umgebung passen.

  • Der Anbau wurde jetzt mit erstaunlich großer Mehrheit im Gemeinderat verabschiedet. Die Mehrheit kam zustande, indem den Grünen mehrere politische Zugeständnisse (etwa bei Sozialwohnungen in der Altstadt) gemacht wurden.


    Es wird weiter mit dem Siegerentwurf von Karl+Probst geplant.

  • Auf der Website der Architekten gibt es einen Animationsfilm über den Entwurf:


    http://www.karl-und-probst.de/…/041-heidelberg-film.html


    Es handelt sich um mehrere Kamerafahrten den Neckar entlang, die den Entwurf aus verschiedenen Perspektiven sowie bei Tag und Nacht zeigen.


    Der Entwurf wird übrigens mit der im "Uferpromenade"-Entwurf festgelegten Grüngestaltung gezeigt (siehe PS in #6). Mit der Baumreihe wirkt der Entwurf wesentlich interessanter - es wird ein klar begrünter Abschnitt geschaffen, der links durch den Marstall und rechts durch die Stadthalle begrenzt ist (siehe auch #4). Der Anbau bietet im Rahmen dieser "Grünfassade" mehr einen Hintergrund (hinter deren westlicher Hälfte).

  • Gegen den Anbau wird derzeit versucht, einen Bürgerentscheid anzustrengen. Hierfür sind 10.000 Unterschriften von Heidelberger Wahlberechtigten nötig, die bis zum 22.4. zu sammeln sind; vermutlich werden die auch zusammenkommen.
    Sollte dies erfolgreich sein, wird eine für den Gemeinderat verbindliche Volksabstimmung über den Anbau erfolgen, an der mindestens 25% der Heidelberger Bürger teilnehmen müssen; es ist zu bezweifeln, daß diese zusammenkommen werden (war das letzte mal auch nicht der Fall).


    Hinter der Aktion stehen im Grunde Vertreter der Grün-Alternativen Liste (nicht Grüne) und der Bunten Linken, inklusive dem halben Bezirksbeirat Altstadt und mehreren Stadträten, sowie Aktive und ehemals Aktive von gewissen Altstadtvereinen (u.a. war der Vorsitzende der Bürgerinitiative mal Vorsitzender des Vereins "Alt Heidelberg").

  • Die Unterschriftenaktion zum Bürgerentscheid war übrigens erfolgreich. Dieser wird nun am 25. Juli stattfinden.


    Um den Erweiterungsbau zu verhindern muß die entsprechende Bürgerinitiative im Entscheid nicht nur die Mehrheit der Stimmen erhalten, sondern der Entscheid auch ein Quorum von rund 25.000 Personen (25% der Wähler) erreichen. Wenn man den letzten derartigen Entscheid als Grundlage für ein paar Rechenspielchen nimmt, muß einfach jeder der für den Anbau ist nicht abstimmen gehen.

  • Am nächsten Samstag wird in der Stadthalle der überarbeitete Entwurf präsentiert. Öffentliche Veranstaltung.


    Geändert worden sein soll u.a. die Länge des Baukorpus, die Dachform, sowie die Durchleuchtung.

  • Die Rhein-Neckar-Zeitung veröffentlicht hier zeitgleich zur Bekanntgabe vor 15 Minuten den aktualisierten Entwurf, und behauptet eine gewisse Exklusivität dadurch. Die Stadt Heidelberg veröffentlicht dasselbe und mehr hier. Mit Film.


    Weniger vertikale Streben (breitere Fenster), dafür ein Glas-Walmdach als reines visuelles Accessoire draufgesetzt (war: Glas-Kubus), den gläsernen Verbindungsbau auf einen gläsernen Steg reduziert.


    Und in der Visualisierung die Bäume da stehen gelassen, wo sie nach Neckarufertunnel Planung auch stehen. Dadurch sieht man den Bau zwar nicht (auch nicht in der Visualisierung), aber das ist ja der gewünschte Effekt. ;)

  • Hm, die ganze Posse ist wirklich sehr peinlich. Vorher sah es wegen schlanken Proportionen für viele vllt. abstoßend, meiner Meinung nach aber um ein Vielfaches anmutiger aus. Jetzt spricht das eher die Sprache "Turnhalle" statt "Hochkultur".

  • Das Peinliche kommt erst noch, die Frage "Soll die Stadt Heidelberg einen Anbau oder Neubau für ein erweiterters Kongresszentrum an der Stadthalle errichten?" am 25. Juli. Hab's Wahlkärtchen grad vor mir liegen.


    Der wirklich große Unterschied ist im Vergleich zum vorigen Entwurf im Grunde nur das Weglassen des gläsernen Verbindungsbaus, damit man jetzt einen tollen "Platz" von 20x20 Metern hat, der zu jeder Tageszeit im Schatten liegen wird.
    Und der Korpus wurde halt um 5% gestaucht. Dazu das Weglassen der Hälfte der vertikalen Säulen (Abstand ca 2.60m statt 1.40m).


    Lassen wir doch einfach nochmal die Hälfte der Säulen weg und bauen ne Kopie der Bahnhofshalle des Heidelberger HBf.

  • Nachdem die GAL und Biest die halbe Stadt mit DIN-A3-Postern "Nein zur Stadthalle" zugepostert haben, schlägt nun die Gegenseite mit geballter finanzieller Stärke zurück: nämlich in Form von 2,5x5-Meter-Wahlplakaten "Ja zur Stadthalle". Aufgestellt an so ziemlich sämtlichen Ortseingängen und Durchfahrtsstraßen.


    Initiative "Rettet die Stadthalle" (Pro Anbau): http://www.rettet-die-stadthalle.de/
    (gestützt durch IHK, BVMW, DEHOGA, BdS, die Architektenkammer HD usw usw)


    Initiative "Erweiterungsbau Stopp" (BiESt) (Kontra Anbau): http://www.biest-hd.de/
    (gestützt durch ILA, BfH - d.h. GAL, Linke, Teile SPD)

  • Offizielle Informationsseite der Stadt Heidelberg zum Stadthallenumbau:


    http://www.heidelberg.de/stadthalle (Weiterleitung)


    Vor dem Bürgerentscheid am nächsten Sonntag wurde diese Woche noch die geplante Verkehrskonzeption rausgehauen.


    Dabei soll fast sämtlicher Andienungsverkehr zur Stadthalle künftig schon vor dem Jubiläumsplatz in einem Tunnel verschwinden, der sowohl das (bestehende) Parkhaus P8 in seinem Untergeschoß als auch eine Tiefgarage unter dem Neubau anbindet. Kleine Lieferfahrzeuge sollen ebenfalls über diesen unterirdisch anliefern (in zwei Ladebereichen - Altbau und Neubau), große LKWs eine in den Neubau integrierte beidseitig geschlossene Durchfahrt mit Laderampe nutzen.

  • Die Stimmen sind ausgezählt, die teilnehmenden Bürger waren dagegen. Allerdings denkbar knapp, das erforderliche Quorum für "Nein" wurde um weniger als tausend Stimmen übertroffen. Amtliches Endergebnis am Dienstag.


    Damit ist das komplette Projekt gestorben.


    Kommentar von OB Würzner zum Ergebnis: "wirft die Stadt um Jahre zurück."


    Wahlbeteiligung und Stimmverhalten entsprachen den jeweiligen Hochburgen der Parteien; im Süden und Westen Heidelbergs wäre jeweils das Quorum nicht erreicht worden.