Und die Nachrichten überschlagen sich heute ja geradezu: Der Springer Verlag (der Wissenschaftsverlag, nicht die BILD-Zeitung) zieht aus dem Neuenheimer Feld am Rande des Unicampus an den Europaplatz. Da der Einzug schon 2023 stattfinden soll, muss es sich dabei um eins der Gebäude handeln, die bereits gebaut wurden. Ich dachte, die direkten Anrainer des Platzes wären mit Sparkasse, Volksbank und Hotel schon komplett belegt - entweder ist da noch irgendwo für einen ganzen Verlag Platz, oder es ist das Gebäude nordwestlich der Volksbank, das nicht direkt am eigentlichen Platz liegt.
Bahnstadt (in Bau)
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Das Tor zur Bahnstadt:
Der Europaplatz mit dem Hotelhochhaus der Marke Atlantic, ein Projekt, das erstaunlicherweise fast unbemerkt an uns vorbeigegangen ist. Zusammen mit den flankierenden Nebengebäuden handelt es sich hier um ein nicht unerhebliches Großprojekt. Schon länger hatte ich mir vorgenommen, mir das Ganze einmal genauer anzuschauen. Im Mai ergab sich dann die Gelegenheit, auch wenn ich vor Ort nicht allzu viel Zeit hatte, da in Heidelberg noch andere Programmpunkte anstanden.
Aber kommen wir erst zu den Fakten.
Entstehung und Lage:
Das Atlantic Hotel Heidelberg wurde im Frühjahr 2024 eröffnet und bildet heute das weithin sichtbare Zentrum des neu gestalteten Europaplatzes. Der Platz liegt am Südausgang des Hauptbahnhofs und markiert den Übergang in die Bahnstadt, das große Entwicklungsgebiet auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs. In diesem Sinne fungiert das Hotel auch als architektonisches Tor zu diesem neuen Stadtteil.
Der Baubeginn für das zentrale Areal am Europaplatz (Quartier Baufeld 1 und 2), zu dem das Atlantic Hotel gehört, war im Oktober 2019. Das Projekt umfasste ein Gesamtvolumen von rund 300 Millionen Euro. Unter anderem sollten hier ein Vier-Sterne-Plus-Hotel mit über 300 Zimmern, ein Wohngebäude mit etwa 100 Mietwohnungen sowie Büro- und Verwaltungsgebäude entstehen. Bereits beim Baubeginn war der Bau einer unterirdischen Tiefgarage für circa 1 600 Fahrräder und 750 Autos vorgesehen. Das Hotel war 2022 fertiggestellt und wurde im März 2024 eröffnet, der Europaplatz am 13. September 2024 der Öffentlichkeit übergeben.
Architektur und Bauweise:
Das Hotelhochhaus hat 15 Geschosse und misst 50 Meter Höhe. Entworfen wurde es von Winking Froh Architekten, die Umsetzung erfolgte durch Gildehaus Lankenau. Es gilt als weltweit erstes Hotelhochhaus, das nach dem Passivhaus-Standard errichtet wurde, also mit besonders strenger Energieeffizienz und nachhaltiger Gebäudetechnik.
Das äußere Erscheinungsbild ist klar und reduziert. Der Baukörper wirkt auf Distanz eher nüchtern und streng, fast wie ein Bürogebäude, fügt sich aber durch die vertikale Gliederung und den Einsatz von wertigem Naturstein in die städtebauliche Umgebung rund um den Europaplatz ein.
Innenräume und Besonderheiten:
Gestaltet wurden Lobby, Zimmer und öffentliche Bereiche vom Büro Brumann Innenraum-Konzepte. Charakteristisch sind helle Eichenmöbel, warme Naturtöne und ein klarer, eleganter Stil, der dem nüchternen Äußeren eine freundliches und hochwertiges und warmes Inneres entgegensetzt.
Zu den Highlights gehören:
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das öffentliche Rooftop-Restaurant "15 High“ mit Bar und Dachterrasse in Dreiecksform, das einen Rundblick über Heidelberg bis hin zum Schloss bietet
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eine Grand Suite im 10. Stock mit Kamin und Panoramablick
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mehrere Konferenzräume sowie ein großer Ballsaal in den oberen Etagen
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Wellness- und Fitnessbereiche für Gäste
Ensemble am Europaplatz:
Das Hotel ist nicht allein, sondern Teil eines größeren Ensembles. Rund um den Europaplatz entstanden zeitgleich Neubauten der Sparkasse Heidelberg, der Heidelberger Volksbank und des Verlags Springer Nature. Ergänzt wird das Ganze durch eine großzügige Fahrradgarage mit Kapazität für über tausend Fahrräder. Die Abfahrten zu dieser kann man auf einigen der folgenden Bilder gut sehen.
Zusammen ergibt sich ein starker, verdichteter, moderner Eingang zur Bahnstadt.
Platzgestaltung und Atmosphäre:
Der Europaplatz selbst präsentiert sich als sehr urbaner Raum. Großflächige Pflasterungen, breite Wege und harte Raumkanten prägen sein Bild. Was dabei besonders ins Auge fällt: Die zukünftige Klimaentwicklung scheint bei der Planung kaum berücksichtigt worden zu sein. Vor allem der Mangel an Bäumen und schattenspendendem Grün und kleinteiligen Aufenthaltszonen sind auffällig. An heißen Sommertagen wird der Platz dadurch schnell zum Hitzespeicher, anstatt Aufenthaltsqualität zu schaffen. Gerade an einem so prominenten Ort hätte man sich eine klimaangepasste Gestaltung mit mehr Grünflächen und Verschattungselementen gewünscht. Dadurch wirkt der Platz stark versiegelt und funktional, weniger als gemütlicher Ort zum Verweilen.
Diese gestalterische Strenge passt zwar zur Verkehrsdrehscheibe am Hauptbahnhof, verhindert aber ein wenig, dass der Platz eine warme, einladende Wirkung entfaltet.
Öffentliche Wahrnehmung des Hotels und Europaplatzes:
Von Gästen wird das Atlantic Hotel überwiegend positiv aufgenommen. Gelobt werden die zentrale Lage, die modernen und komfortablen Zimmer sowie die Ausblicke aus den oberen Etagen. Auch das Restaurant und die Dachterrasse stoßen auf große Begeisterung. Dies liest man zumindest in den gängigen Bewertungsportalen.
Die äußere Anmutung des Gebäudes wird als eher kühl und sachlich empfunden, fast wie bei einem Bürohochhaus. Im Inneren überrascht es dann aber mit einem hochwertigeren, eleganten Ambiente.
Unter Heidelbergern gilt das Haus mittlerweile als neues Wahrzeichen der Bahnstadt. Gleichzeitig wird die Gestaltung des Platzes davor durchaus kritisch gesehen, da er mehr Aufenthaltsqualität und Begrünung vertragen könnte.
Bilder:
Vom Übergang des Bahnhofs kommend, oben rechts kann man die Dachterrasse sehen, die aber nach Nordwesten hin immer spitzer zuläuft:



Bilder: Adama
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sehr schöne Bilder von "Adama"
Das Projekt lief hier tatsächlich etwas unter dem Radar. Bezüglich des Natursteins schon ein gewaltiges Projekt, hier wurden insgesamt bei allen 5 Gebäuden ca.24000m² Dietfurter Kalkstein (Altmühltal, Jura Kalkstein) Bearbeitung: tellergestrahlt montiert.
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