Beuel Mitte (Sammelstrang)

  • Beuel Mitte (Sammelstrang)

    Für die Neugestaltung des unbebauten Rathausdreiecks findet ein Wettbewerb statt. Da sich 249 Teilnehmer gemeldet haben, man aber nur fünfzig dabeihaben will, wird gelost. :hmmm:
    Abgabetermin ist der 5. April, Entscheidung am 4. Mai 2007. "Die besten Arbeiten" werden dann auf dem Beueler Rathaus zu bestaunen sein.
    Danach bedarf es nur noch eines Investors.

    http://www.bonn.de/umwelt_gesu…/04589/index.html?lang=de



    Ich bin für eine Blockrandbebauung mit mindestens fünf Vollgeschossen und steilen Satteldächern auf verhältnismäßig schmalen, aber tiefen Parzellen. Überwiegend Wohnnutzung, im Dach vielleicht kleinere Appartements. Im Erdgeschoß Ladenlokale, die bei entsprechend flächenintensivem Einzelhandel auch Häuser auf zwei benachbarten Parzellen umfassen können. Zum Platz und zur B56 hin würde die Bebauung sehr dicht und urban wirken. Rückseitig dagegen würde ein umschlossener Hof entstehen, der öffentlich zugänglich sein muß, am besten mit viel Gastronomie.


    Mit dieser Lösung kämen Freiflächenfanatiker auf ihre Kosten, aber auch solche, die sich ein geschlossenes Stadtbild zurückwünschen. Notorische Stadtperforierer schauen zwar in die Röhre. Doch ein von großstädtischer Bebauung umgebener und - trotz der Lage an einem Verkehrsplatz - entsprechend lärmgeschützer Hof wäre eine viel bessere innerstädtische Erholungsfläche als so ein Elend wie der zugige Waschbetonplatz vor dem Bezirksrathaus.


    Hier der Blick, der sich von den dem Platz zugewandten Häusern bieten würde:
    http://www.stefan-schmitz-arch…/media/images/109k17a.jpg

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    Den Wettbewerb hätte man schon vor Jahren ausloben müssen, bevor man mit der Investorenlösung (Jasim) baden ging... die selbe Situation wie vor dem Hauptbahnhof.


    Schließe mich deiner Einschätzung an, ZET-101, möchte zwei Dinge ergänzen:
    1) es sollte einen direkten Zugang von der Haltestelle der 66 zum Rathausplatz geben, also beispielsweise in Form einer Passage.
    2) zudem wäre auch großflächiger Einzelhandel wünschenswert (Lebensmittel, Unterhaltungselektronik), der auch Kunden aus den umliegenden Stadteilen anlockt. Natürlich nur in geringem Umfang.



    Zitat

    Hier der Blick, der sich von den dem Platz zugewandten Häusern bieten würde


    Die Torsituation im Bildhintergrund ist allerdings eine Vision.

  • Als kleine Ergänzung auch hier eine Vogelperspektive, Schmitz Architekten aus Köln haben den Gesamtrahmenplan für die stadträumliche Gestaltung Adenauerplatz-Kennedybrücke-Suttnerplatz erstellt, um die Einheit der Stadtstruktur zu betonen. Aus Geldgründen scheiterte lange die Umsetzung des Umbaus der Kennedybrücke. Als erstes wurde der Adenauerplatz umgebaut, es folgte/folgt der Suttnerplatz, und in diesem Frühjahr starten die Sanierungs-und Erweiterungsarbeiten für die Kennedybrücke. Kommt es zu einem verträglichen Ergebnis des Gutachterverfahrens und wird anschließend dafür ein Investor gefunden, wäre eine Fertigstellung des Gesamtensembles im Frühjahr 2010 möglich.


    Situation aus Richtung Beuel:
    http://www.stefan-schmitz-arch…e/media/images/k19n72.jpg


    Die neue Brücke (wird allerdings breiter und wohl ohne Längsstreifen kommen, die Farbe ist noch umstritten - grünweiß wie die Südbrücke und die meisten Brücken in Köln als rheinische Lösung oder die Düsseldorfer Variante - anthrazit wie die Bonner Nordbrücke)
    http://www.stefan-schmitz-arch…de/media/images/k3072.jpg

  • Ergänzung zu meinem Beitrag (#2): die alte Ecklösung an der F.-Breuer-Str. muss wieder her und die Platzfläche sollte so umgestaltet werden, wie von mir hier vorgeschlagen: "Ein positver Effekt wäre m.E. schon gegeben, wenn man lediglich den Verkehr aus Richtung Rathaus über die alte Limpericher Str. und weiter auf die St. Augustiner Str. geführt hätte. Die Fahrbahnen Richtung Brücke hätten der Platzfläche zugeschlagen, das Eckhaus erhalten werden können. Vorteile: 1. alle Geschäfte bleiben mit dem Auto erreichbar, 2. diese Verkehrsführung wäre nur für Anlieger, Kunden und Lieferanten interessant. Die Fr.-Breuer-Str. und der Adenauer-Platz würden vom Durchgangsverkehr teilweise entlastet, 3. an der Kreuzung St. Augustiner-/ Rathausstr. gäbe es die Möglichkeit, in alle Richtungen abzubiegen, 4. Bushaltestelle "Rathaus" wird in die Rathausstr. verlegt, eine neue Straßenbahnhaltestelle in Höhe ALDI eingerichtet. Dadurch gäbe es weniger Staus vor der Ampel Ecke Rathausstr., wovon auch die Bahn profitieren würde, 5. nur noch ein statt wie bisher zwei Kreuzungen zwischen Autoverkehr und Stadtbahn auf der St. Augustiner Str.".

  • rec,


    richtig, was sollte gegen großflächigen Einzelhandel sprechen? Wenn er zu unmaßstäblich wird, kann ein Großteil der Fläche in den Untergrund verschwinden - eine Lösung, die sich besonders für Lebensmittel- und Elektronikgeschäfte eignet. Es handelt sich um einen der zentralsten Orte der Stadt, nur eine Haltestelle vom Suttnerplatz entfernt, auch wenn eine psychologische Barriere dazwischenliegt. ;)
    Dem Beueler Einzelhandel würde dies aus Gründen, die ich hier jetzt nicht wieder auswalzen werde, nur zum Nutzen gereichen.


    #5:
    Zustimmung zu dieser Idee! Am besten auf dem Adenauerplatz!

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    Die Beueler Innenstadt braucht neben Geschäften, die langlebige/ hochwertige Konsumgüter anbieten und den Einzelhandelsstandort insgesamt stärken vor allem eine höhere Aufenthaltsqualität. Diesbezüglich bietet der Adenauer-Platz großes Potenzial, der Platz liegt insbesondere im Sommer wunderbar in der Abendsonne...



    zu #3:


    bin ich eigentlich der Einzige, der sich an den Betonmasten für Oberleitung/ Beleuchtung stört? Ich finde diese Dinger zu massiv und störend.

  • Daß der Adenauerplatz und auch die Kennedybrücke - und ganz besonders der Blick von ihr Richtung Bundesviertel und Siebengebirge - in der Abendsonne wirklich am besten wirken, ist also nicht nur mir aufgefallen. Sehr gut, ich fing schon an zu glauben, niemand außer mir könne das nachvollziehen. :toll3:


    Die "überragende" Beleuchtung soll wohl ein einendes städtebauliches Band vom Suttnerplatz bis zum Adenauerplatz ergeben. Auch die Kennedybrücke, bei der leider die ursprünglich geplanten Aussichtskanzeln gestrichen wurden, soll mit hohen Masten versehen werden. Ich kann die Wirkung auf einem komplett bebauten Adenauerplatz noch nicht einschätzen. Grundsätzlich bin ich sehr dafür, die beiden Brückenköpfe gestalterisch zu verbinden. Es war ein Frevel, anders als am Adenauerplatz an der Haltestelle "Suttnerplatz" auf Kopfsteinpflaster zu verzichten. Vielleicht sehe ich das zu eng. Für mich ist es eine "Verwässerung" einer guten Idee.

  • Nicht umsonst handelt es sich bei der Schääl Sick um die Sonnenseite des Rheines...
    Liegt es vielleicht daran, dass am gesamten Rhein sich die städtebaulichen und infrastrukturellen Schwerpunkte nach und nach über den Fluss hinweg auf eben diese rechts Rheinseite verschieben...?

  • :angel:
    Ich hätte schreiben sollen DARAN...also die Sonne geht im Westen unter, deshalb ist es im Osten länger hell, und deshalb fühlt man sich dort am Abend wohler, und da wir eine Abendgesellschaft geworden sind, verlagert sich das Leben dahin, wo es lange schön ist...aber zugegeben, es war leicht missverständlich...:o :auslach2:

  • Interessant! Beide sind auf jeden Fall ein Gewinn verglichen mit der jetzigen Situation.


    Wetzels Entwurf punktet durch die Verwendung verschiedener Fassaden. Die Fassadengestaltung scheint gehobener moderner Standard. Nicht begeistern kann ich mich für die Erhöhte Terasse, sie wirkt irgendwie als Barriere in der Mitte des Platzes.


    Angelis Entwurf steht diesbezüglich besser dar, zudem sehr spacige Fassaden-genau das braucht Beuel um aus dem Schlaf aufgeweckt zu werden. Allerdings scheinen alle Baukörper die selben Fassaden zu haben.


    Würde mich für den Entwurf von Angelis entscheiden.


    Wird das erste und einzige hochwertige Projekt welches mir in Beuel einfällt!


    Wunderlich dass in letzter Zeit die Wettbewerbe von Kölner Architekten gewonnen werden und nicht von den renomierten Bonner und Aachener Kollegen...

  • mischakr,
    vielleicht ist der Sieg von Auswärtigen das Ergebnis einer Anti-Korruptions-Kampagne. :D


    Von den Siegerentürfen bin ich total enttäuscht. Die Formensprache der einzelnen Gebäude gefällt mir durchaus. Doch städtebaulich ist die Ansammlung von Solitären ein Griff in die Tonne.


    Es ist doch gerade die fehlende Geschlossenheit, die den Adenauerplatz so unwirtlich macht. Das Wissen darüber, was einen Platz eigentlich ausmacht, scheint tatsächlich verloren gegangen zu sein.

  • Ich war heute im Beueler Rathaus. Es tut mir sehr leid, daß ich Euch nun keine Bilder präsentieren kann, doch mir steht im Moment keine Digitalkamera zur Verfügung.


    Es gab reichlich Entwürfe, und - um es vorweg zu nehmen - keiner von ihnen begeisterte mich so sehr, daß er nun besonders hervorgehoben werden müßte.


    Daher etwas unsystematisch einige Bemerkung, in der Hoffnung, jemand anderes, vielleicht rec, möge uns bald mit Photos versorgen. :)


    Der höchste Entwurf hat zwölf Etagen und besteht aus zwei "Hochhäusern", von denen das zweite, wenn ich mich nicht irre, acht Geschosse aufweist. Leider total lieblos angeordnet und ohne Bezug zum Platz. So hat man, von der Glasfassade einmal abgesehen, auch vor vierzig Jahren gebaut.


    Insgesamt bleiben die Entwürfe sehr niedrig, etwas höher hinaus wagt sich das achtstöckige kreisrunde Türmchen eines anderen Entwurfes. Im Verhältnis zur massiven Sockelbebauung, die (fast) genauso hoch ist wie der Rest des Turmes, wirkt dieser Vorschlag sehr unproportioniert.


    Überhaupt möchten nur wenige Architekten eine geschlossenere Front zum Adenauerplatz. Der Drittplazierte gehört zu dieser Minderheit. Er setzt komplett auf Blockrandbebauung, die leider monotoner nicht sein könnte (viergeschossige Riegel mit Flachdach).


    Ein weiterer Entwurf sieht eine konkave Gebäudefront zum Adenauerplatz hin vor. In der Mitte des so entstehenden vorgelagerten Platzes soll eine Sonnenuhr aufgerichtet werden. Städtebaulich nicht schlecht, die architektonische Ausführung, wenn ich mich recht erinnere, jedoch auch im Bauklötzchenstil.


    Ein Entwurf ging ein wenig in Richtung Sechziger, mit bernstein- und messingfarbenen Akzenten. Die Fassaden sind teilweise schön, städtebaulich war das Ganze leider total unpassend.


    Schließlich plant ein Architekt einen ovalen Binnenplatz, den Blockrandbebauung vom Adenauerplatz abschirmt. Das erinnerte mich etwas an Lucca. ;) Durch diese Begrenzungen ergeben sich recht eigenwillige Grundrisse. An der B56 sollte eine Schaufassade zur Trennung von Straße und Binnenplatz entstehen, da auch an dieser engen Stelle ein Eindruck von Geschlossenheit enstehen soll.


    Die Lösungen mit terassenförmig versetzten Ebenen zum Blockinnern hin (wie beim Siegerentwurf) gefallen mir nicht. Den Hang zu solchen unübersichtlichen Anlagen, womöglich noch mit Betonblumenkübeln garniert, glaubte ich nach den Erfahrungen mit Godesberger Altstadtsanierung und Bonner Loch eigentlich überwunden.

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    Ja, ich war gestern in der Ausstellung und habe einige Fotos gemacht. Leider war das Licht nicht mehr so dolle, deswegen sind die Fotos etwas dunkel geworden.



    Hier zunächst das Modell des erstplatzierten Entwurfs von Robert Wetzels, Köln:





    Geplant sind drei Baukörper, ein langgestreckter fünfgeschossiger Bau entlang der St. Augustiner Straße mit auffällig bunter Fassade, ein weißer Solitär an der Fr.-Breuer-Straße und ein kleiner Pavillon am Rathausplatz. Zudem ist eine Tiefgarage vorgesehen, mit Zufahrt von der Rathausstraße.







    Und nun der andere erstplatzierte Entwurf von Reinhard Angelis, ebenfalls Köln:




    Die Baumassen sind hier ähnlich verteilt im Vergleich zum Entwurf von Robert Wetzels. Statt eines Riegels an der St. Augustiner Straße sind drei Solitäre geplant, ein zusätzlicher Solitär westlich des Ratssaales. Den Kopfbau an der Fr.-Breuer-Straße sehen beide Entwürfe vor.






    alle Bilder © rec


    Später mehr...

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    Ja, der Entwurf von Angelis ist eindeutig der bessere und hat seine Qualitäten, auch wenn ich bedaure, dass kein offener Platzraum entstehen soll.


    Dagegen weiß ich nicht, was den Entwurf von Wetzels für den ersten Platz qualifiziert...

  • Angelis hat den besseren von zwei schlechten Entwürfen. Es bleiben viele Fragen ungeklärt.
    Wenn schon in so zentraler Lage - ein paar hundert Meter vom Stadtzentrum entfernt und mitten im Beueler Zentrum - so niedrig gebaut werden soll, wo soll dann noch der dringend benötigte Wohnraum herkommen?
    Warum wird die Zerstörung des Stadtraumes durch das Rathaus nun mit gleichartigen Solitären in moderner Formensprache fortgesetzt?
    Warum emanzipieren sich die Architekten nicht endlich von den eingefahrenen Mustern, von ihren Bauklötzen auf unregelmäßigen Grundrissen? Das ist doch beim besten Willen nicht mehr innovativ.
    Warum sehen sich Architekten nicht endlich auch als Städtebauer, statt ihren Entwürfen nur standardisiertes Bla-Bla als städtebauliche Rechtfertigung beizulegen?


    Die erste Frage läßt sich vielleicht mit der Besetzung der Jury beantworten. Eine verpatzte Gelegenheit für Beuel und ganz Bonn!